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Die beninische Wirtschaft ist vor allem von der Landwirtschaft und dem Handel mit den Nachbarländern abhängig. Im industriellen Sektor ist lediglich die Zementherstellung und die Entkörnung der Baumwolle erwähnenswert. Die Herstellung einfacherer Gebrauchsgüter oder die Textilindustrie spielen eine untergeordnete Rolle.
Rund zwei Drittel aller Beniner arbeiten in der Landwirtschaft, und erwirtschaften etwa ein Drittel des Bruttoinlandsproduktes. Baumwolle ist das Hauptexportgut und hat somit den wichtigsten Stellenwert in der beninischen Wirtschaft.
Als Transitland profitiert Benin hauptsächlich über den Hafen beim Handel von Waren. Güter, wie z.B Gebrauchtwagen, werden von Cotonou aus nach Nigeria, Burkina Faso, Niger und Tschad gehandelt. Genaue Zahlen lassen sich allerdings aufgrund des korrupten Geflechts des Hafensystems nur schwer ermitteln. Schätzungen zufolge werden jedoch 90% des Wirtschaftsgeschehens dem informellen Sektor zugeschrieben. Der Handel am Straßenrand, Benzinschmuggel und andere Aktivitäten werden in keiner offiziellen Statistik erfasst. Dadurch entgehen dem Staat wichtige Einnahmen, allerdings sichert der informelle Sektor eine Art Grundversorgung. Den Stand der beninischen Wirtschaft und die Chancen Benins
im Globalisierungsprozess diskutiert eine OECD Studie.

Regionale Integration
Benin ist Mitglied in der Wirtschaftsgemeinschaft westafrikanischer Staaten ECOWAS
und in der UEMOA
, der Westafrikanischen Wirtschafts- und Währungsunion, deren wichtigstes Organ die Zentralbank der westafrikanischen Staaten BCEAO
ist. Die gemeinsame Währung Franc CFA ist fest an den Euro gebunden (1 EUR entspricht ca. 660 CFA). Hilfe bei der Umrechnung von Euro (€) in Francs CFA (XOF) bietet Ihnen verschiedene Währungsumrechner
. Benin ist außerdem über den Transithandel mit der nigerianischen Wirtschaft eng verflochten und von wirtschaftspolitischen Entscheidungen des großen Nachbarn daher nicht unabhängig. Detailinformationen
zur Franc-Zone finden Sie auf der Website der Banque de France. Zur Erhöhung der Investitionen in der CFA-Zone hat die UEMOA zusammen mit der Communauté Économique et Monétaire de l'Afrique Centrale (CEMAC) die Internetplattform IZF.net
geschaffen, auf der potenziellen Investoren für alle Mitgliedsländer eine Fülle von Informationen angeboten werden.
Das frühere sozialistische Benin hat den Transformationsprozess zu einer marktwirtschaftlich ausgerichteten Wirtschaftsordnung weitestgehend abgeschlossen. Noch nicht vollständig privatisiert sind einige wichtige Unternehmen im Bereich Elektrizität, Baumwollsektor, Hafen und Telekommunikation. Auch Reformen wie die Verwaltungs- und Budgetreform sind noch nicht abgeschlossen. Die Liberalisierung weiterer Wirtschaftssektoren sollen weiter vorangetrieben werden. 2009 konnte Benin eine Wachstumsrate von 6% erreichen, die Inflation lag allerdings bei 8,8% (2007: 1,3%). Dennoch ist Benin derzeit fast zahlungsunfähig und somit weiterhin abhängig von ausländischen Budgedhilfen, die 2010 bei 52 Milliarden Euro liegen.
Die beninische Regierung
bemüht sich weiterhin verstärkt, ausländische Investoren ins Land zu holen, macht es den Unternehmen mit aufwendigen Gründungsverfahren jedoch nicht leicht.
Seit 2002 verfolgt die Regierung Benins ein Armutsbekämpfungsprogramm
. Im Rahmen der HIPC-Entschuldungsinitiative kam es dadurch 2003 zu Schuldernerleichterungen. Ein weiteres Strategiepapier
zur Armutsreduktion wurde 2007 verabschiedet. (Stratégie de Croissance pour la Réduction de la Pauvreté) Fünf Bereiche sollen gefördert werden: Förderung des Wachstums, Entwicklung der Infrastrukturen, Stärkung des Humankapitals, Förderung guter Regierungsführung und ausgewogene und nachhaltige Landesentwicklung. Das Papier ermöglichte weitere Entschuldung und ist Grundlage für die Zusammenarbeit mit IWF und Weltbank. Die Möglichkeiten zur Institutionalisierung
der formulierten Strategien zur Armutsbekämpfung werden dagegen sehr kritisch beurteilt. Trotz intensiver Bemühungen der Geberländer ist es in den letzten Jahren nicht gelungen die Armut nennenswert zu reduzieren. Mit dem raschen Bevölkerungswachstum müsste ein Wirtschaftswachstum von über sieben Prozent einhergehen. Weitere Informationen über die wirtschaftlichen Ziele und die Strategien zu ihrer Erreichung finden Sie auf den Seiten des Wirtschaftsministerium Benins
Der Landwirtschaftssektor in Benin zeigt klimatisch bedingte Unterschiede bei den Produktionsverfahren im Süden, im Zentralteil und im Norden.
Im Süden werden als wichtigste einjährige Anbaukulturen Mais und Maniok angebaut. Dauerkulturen sind Kokospalmen an der Küste und Ölpalmen weiter im Landesinneren. Der Anbau von Ananas zum Export nimmt in den letzten Jahren an Bedeutung zu. Die Tierhaltung ist extensiv und beschränkt sich auf Schweine, Ziegen und Geflügel. Im Zentrum werden alle jährlichen Kulturen angebaut. Hier und im Norden ist der Jams die bedeutendste Knollenfrucht. Hirse (Sorghum und Perlhirse) ist nach Mais die landesweit wichtigste Getreideart und im Norden Grundnahrungsmittel. Reis spielt weiterhin eine untergeordnete Rolle bei der Getreideproduktion.
Für Informationen über Produktionsmengen nutzen Sie bitte die FAO-Statistik .
Die landwirtschaftliche Produktion ist bei den Nahrungsmittelkulturen auch immer marktorientiert. Jams, Reis, Mais und Maniok werden vor allem in die beninischen Städte, aber auch nach Niger (v.a. Gari, ein Maniokderivat) und Nigeria vermarktet. Die Songhai-Zentren
in Benin sind zurzeit die wichtigsten landwirtschaftlichen Großbetriebe. Sie verzichten auf Pestizide und Kunstdünger und führen sämtliche Abfälle zurück in den Produktionkreislauf. Ein kurzer Film
stellt das Songhai-Zentrum vor.
Die Abhängigkeit von der Baumwolle, die drei Viertel der Exporterlöse erzielt, ist eine der größten Schwächen der beninischen Wirtschaft. Die Weltmarktpreise sind im Keller. Aufgrund von massiven Subventionen vor allem in den USA fallen die Preise unaufhaltsam, sodass die Baumwolle aus Benin, die ohne künstliche Bewässerung angebaut wird, nicht konkurrenzfähig ist. Angesichts der Baumwollkrise versucht Benin in der sog. Baumwollinitiative
gemeinsam mit Burkina Faso, Niger und Tschad im Rahmen der Welthandelsorganisation WTO gegen diese Subventionspolitik vorzugehen, bislang ohne Erfolg. Neben diesen ungünstigen Weltmarktbedingungen gibt es auch eine Reihe hausgemachter Probleme im beninischen Baumwollsektor
. Die vorwiegend konventionell angebaute Baumwolle führt in Benin zu gravierenden ökologischen Problemen der Umwelt und zu gesundheitlichen Schäden der Bauern. Zum Einsatz kommen zum Teil hochgiftige Substanzen
bei der Bekämpfung der Schädlinge. Biologisch kontrollierter Baumwollanbau gewinnt in Benin zunehmend an Bedeutung, macht aber immer noch einen geringen Teil der Baumwollernte aus. OBEPAB
ist eine Nicht-Regierungsorganisation die sich für den Anbau von Bio-Baumwolle in Benin einsetzt.
Die jährlichen Baumwollernten waren in den letzten Jahren durch erhebliche Schwankungen gekennzeichnet, die auch mit der teilweise undurchsichtigen Teil-Privatisierung des Baumwollsektors zu tun hat. Eine Rekordernte brachte die Kampagne 2004/05 mit 426.000 t. Dieses angesichts der Abhängigkeit Benins von der Baumwolle erfreuliche Ergebnis konnte jedoch die strukturellen Defizite des Sektors nicht beseitigen. Seitdem war die Ernte rückläufig und Yayi Boni sah sich bereits gezwungen, den zuständigen Minister auszuwechseln. Zwar konnte die Produktion 2007/08 im Vergleich zum Vorjahr wieder um 12% gesteigert werden (auf 268.054 t gegenüber 240.618 t. ), und auch im Jahr 2008/2009 scheint es einen leicht positiven Trend zugeben, Schätzungen gehen von etwa 300.000 t aus. In Relation zu der Ernte von 2004/05 ist dies jedoch kaum mehr als ein Stop des freien Falls. Viele Bauern wurden zu spät oder gar nicht für Ihre letzte Ernte bezahlt und weigern sich, Baumwolle zu pflanzen. Im Oktober 2007 deuteten sich deshalb zunächst Änderungen in der Organisation des Baumwollsektors an. Die staatliche Baumwollgesellschaft SONAPRA sollte durch eine neue privatisierte Gesellschaft SODECO (Société pour le Développement du Coton) ersetzt werden, die nur noch anteilig in öffentlicher Hand bleiben würde. Trotz Verkündung der Auflösung im Herbst 2007 mussten die Pläne wieder aufgegeben werden. Derzeit ist die weitere Zukunft des Baumwollsektors daher ungewiss.
Neben dem Feldbau ist die Rinderhaltung der Fulbe eine wichtige Landnutzungsform, wobei grob zwei große Gruppen zu unterscheiden sind. Die sesshaften beninischen Fulbe betreiben eine Kombination aus Feldbau und trockenzeitlicher Transhumanz. Grenzüberschreitende Weidewanderungen führen zudem Vollnomaden aus den Nachbarländern Niger und Nigeria nach Benin. Für diese stellen insbesondere die großen unbesiedelten Staatswälder Zentral- und Nordbenins eine wichtige trockenzeitliche Weide- und Wasserreserve dar.
Die Weidewanderungen der Vollnomaden aus den Nachbarländern sind wie die verstärkte Zuwanderung von Fulbe des nördlichen Borgous seit den 1970er Jahren Elemente eines umfassenden Verlagerungsprozesses von Aktionsräumen der Tierhalter Richtung Süden. Notwendig wurde diese Erschließung neuer Weideplätze durch die periodischen Dürrekrisen seit der zweiten Hälfte der 1960er Jahre, die Vergrößerung der Herdenstärken sowie durch die staatlich geförderte Ausweitung des Baumwollanbaus in Nordbenin und der damit einhergehenden, partiellen räumlichen Verdrängung der dortigen Rinderhalter. Als Pull-Faktor wirkten die urbanen Zentren des Fleischkonsums in Zentral- und Südbenin, in deren Nähe die Herden verlagert wurden.Von zentraler Bedeutung für die beninische Landwirtschaft ist der Umgang mit der Bodenrechtsproblematik in Benin
. Die Zusammenhänge zwischen nachhaltiger Ressourcennutzung und Bodenrecht
in Benin diskutiert Michael Kirk.
Exportiert werden insbesondere Baumwolle und andere landwirtschaftliche Produkte. Importiert werden Nahrungsmittel (Reis), chemische und pharmazeutische Produkte, Maschinen und Investitionsgüter, sowie Energie, die von dem Volta-Staudamm in Ghana produziert und über Togo nach Benin geliefert wird. Neben der Landwirtschaft hängt Benins Wirtschaft vor allem vom Handel mit den Nachbarstaaten ab
. Durch den Hafen in Cotonou
ist Benin Transitland für Waren nach Niger, Nigeria, Burkina Faso und Tschad. Der Staatshaushalt finanziert sich zu etwa 75% aus Steuereinnahmen, davon stammen etwa 45% aus Zolleinnahmen, wovon wiederum rund 80% allein aus dem Hafen von Cotonou kommen. Als florierender Markt für Gebrauchtwagen gilt Cotonou als Umschlagplatz für die gesamte Region, wurde aber durch übertriebene Zoll- und Überführungsbestimmungen nachhaltig geschädigt. Viele Beobachter wie der renommierte Soziologe und Parlamentarier Dr. Bako Arifari sprechen von einem komplexen System institutionalisierter Korruption
der Zollbehörden am Hafen. Demnach habe die jährliche Unterschlagung durch den Zoll am Hafen ein Volumen von 75 bis 90 Millionen Euro, die ganz normale tägliche Unterschlagung eines einfachen Zöllners liege bei etwa 1200 Euro. Die Regierung Yayi Bonis bemüht sich im Rahmen der Korruptionsbekämpfung um eine deutliche Änderung der Zustände am Hafen.
Neben dem offiziellen Handel
über den Hafen, gehören Reexporte und der informelle Handel
vor allem mit dem Nachbarn Nigeria, von dessen konjunktureller Entwicklung Benin stark abhängt, zu den wichtigsten Stützen der Wirtschaft. Nigeria ist aber in letzter Zeit nicht mehr gewillt die meist illegalen Importe aus Benin zu dulden und hat ein Importverbot für viele Produkte verhängt. Schließungen der Grenze von nur wenigen Tagen durch die nigerianischen Behörden wirken sich sofort negativ auf die Wirtschaft Benins aus.
Benin ist eines der ärmsten Länder der Welt und nimmt im HDI Ranking
(Human Development Index) der Vereinten Nationen von 2009 den 161. Platz von 182 Ländern ein. Das Land ist von den G8-Staaten 1999 auf die Liste der HIPC
(Heavily Indebted Poor Countries) gesetzt worden und gehört zu den PRSP-Ländern
(Poverty Reduction Strategy Papers). Etwa ein Drittel der Beniner lebt in extremer Armut, die Wirtschaft ist stark von Weltmarktpreisen für Baumwolle abhängig, Analphabetismus und Bildungsschwäche behindern die wirtschaftliche Entwicklung. Armutsbekämpfung ist nicht nur ein zentrales Wahlversprechen und Thema des aktuellen Präsidenten Yayi Bonis, sondern steht auch im Zentrum der Politik vieler Geberländer und internationaler Partner Benins. Die weltweite Preissteigerung von Nahrungsmitteln im Frühjahr 2008 hat sich in Benin bereits bemerkbar gemacht und verschlechtert die Lage der Armen zusätzlich. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation entwickelt.
Das Benin Development Gateway
bietet eine Zusammenfassung entwicklungsrelevanter Informationen zu den Bereichen Gesundheit, Bildung, Mikrokredit, Kinderhandel, Landwirtschaft und Umwelt sowie jeweils nützliche weiterführende Links.

Das zuständige Ministerium in Benin gibt einen jährlichen Rechenschaftsbericht
zur Verwendung der Entwicklungshilfegelder heraus. Leider wird der Link zu dieser Seite, der offiziellen Webseite der Regierung, nicht immer korrekt durchgeführt
Die seit dem Demokratisierungsprozess verstärkt in das Land fließenden Gelder der Entwicklungszusammenarbeit haben eine überaus rege Szene von Nicht-Regierungs-Organisationen (NRO) mit rund 6.000 NGOs entstehen lassen. Dabei handelt es sich wie in anderen Erdteilen auch nicht unbedingt immer um gemeinnützige Vereinigungen zum Wohle von Nichtmitgliedern, sondern sehr oft um Entwicklungsconsultings, die der Einkommensgenerierung ihrer Mitglieder dienen. Laut Schätzungen des Deutschen Entwicklungsdienst (DED) sind von diesen Entwicklungsconsultings nur 20 % ernstzunehmende Anbieter. Die Entwicklungsconsultings reagieren auf die Entwicklungsmoden der Geber und beherrschen das einschlägige Vokabular.
Wichtige multilaterale Geber sind Weltbank
, UNDP
, International Fund for Agricultural Development (IFAD
), Europäischer Entwicklungsfond
und die Banque Ouest Africaine de Développement (BOAD
).
Die folgenden Links führen Sie zu landesspezifischen Aktivitäten einzelner Institutionen und Organisationen. Wichtige Partner der bilateralen EZ sind Frankreich mit der AFD
, Deutschland (s.u.), die Schweiz
mit der DEZA
, Holland mit SNV
und die USA mit USAID
.
Auf der Website des Directory of Development Organizations
finden sie eine Liste mit verschiedenen Organisationen die in Benin in der Entwicklungszusammenarbeit tätig sind.
Drei Schwerpunkte
der Deutsch-Beninischen Zusammenarbeit wurden Ende 2006 folgendermaßen definiert:1) Dezentralisierung und Kommunalentwicklung, 2) Wasserresourcen und Trinkwasser und 3) Umwelt- und Ressourcenschutz.
Deutschland ist u. a. über die GTZ
, die KFW und den DED
vertreten. Drei deutsche politische Stiftungen Friedrich Ebert Stiftung
, Konrad-Adenauer-Stiftung
und Hanns-Seidel-Stiftung
haben jeweils ein Büro in Cotonou.
Diplom Geograph Moritz Heldmann, Jahrgang 1975 aus Köln.
Studium der Geographie, Ethnologie und Afrikanistik. Langjährige Beschäftigung mit Benin im Rahmen von Forschung und Entwicklungszusammenarbeit mit regelmäßigen Forschungsaufenthalten in Benin seit 2002.
Über Feedback freue ich mich
Dank auch an Herrn Dr. Martin Doevenspeck aus Bayreuth für wichtige Beiträge.