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Die Beninische Wirtschaft ist vor allem von der Landwirtschaft und dem Handel abhängig, während der insdustrielle Sektor sich im Wesentlichen auf die Zementherstellung, den agro-alimentären Bereich und die Herstellung einfacherer Gebrauchsgüter beschränkt. Die untergeordnete Bedeutung der Industrie wird auch in der Liste der 100 wichtigsten Unternehmen
deutlich. Die aus nur 3 Unternehmen bestehende Zementindustrie ist derzeit im Fokus der beninischen Öffentlichkeit aufgrund einer akuten Zementknappheit.
Rund zwei Drittel aller Beniner arbeiten in der Landwirtschaft, und erwirtschaften etwa ein Drittel des Bruttoinlandsprduktes. Baumwolle nimmt als Hauptexportprodukt eine herausragende Stelle in der beninischen Wirtschaft ein.
Etwa die Hälfte des Bruttoinlandsproduktes werden im tertiären Sektor erwirtschaftet. Dabei kommt dem Handel eine besondere Bedeutung zu. Benin profitiert als Transitland vom Warenaustausch seiner Nachbarländer. Gerade der informelle grenzüberschreitende Warenaustausch über den Hafen in Cotonou ist -wenn auch schwer zu beziffern- von entscheidender Bedeutung für die beninische Wirtschaft. Den Stand der beninischen Wirtschaft und die Chancen Benins
im Globalisierungsprozess diskutiert eine OECD Studie.

Benin ist Mitglied in der Wirtschaftsgemeinschaft Westafrikanischer Staaten ECOWAS
und in der UEMOA
, der Westafrikanischen Wirtschafts- und Währungsunion, deren wichtigstes Organ die Zentralbank der westafrikanischen Staaten BCEAO
ist. Die gemeinsame Währung Franc CFA ist fest an den Euro gebunden (1 EUR entspricht ca. 660 CFA). Hilfe bei der Umrechnung von Euro (€) in Francs CFA (XOF) bietet Ihnen verschiedene Währungsumrechner
. Benin ist außerdem über den Transithandel mit der nigerianischen Wirtschaft eng verflochten und von wirtschaftspolitischen Entscheidungen des großen Nachbarn daher nicht unabhängig.
Detailinformationen
zur Franc-Zone finden Sie auf der Website der Banque de France.
Zur Erhöhung der Investitionen in der CFA-Zone hat die UEMOA zusammen mit der Communauté Économique et Monétaire de l'Afrique Centrale (CEMAC) die Internetplattform IZF.net
geschaffen, auf der potenziellen Investoren für alle Mitgliedsländer eine Fülle von Informationen angeboten werden.
Der seit dem Ende der sozialistischen Ära begonnene Transformationsprozess zu einer marktwirtschaftlich ausgerichteten Wirtschaftsordnung ist noch nicht abgeschlossen. Die Privatisierung wichtiger Unternehmen sowie die Verwaltungs- und Budgetreform, die Liberalisierung weiterer Wirtschaftssektoren und andere Reformen sollen weiter vorangetrieben werden. Aufgrund der makroökonomischen Stabilisierung während der letzten Jahre mit Wachstumsraten zwischen 4 und 6% sind der IWF
und die Weltbank
mit den bisherigen Strukturreformen zufrieden. Die beninische Regierung
bemüht sich weiterhin verstärkt, ausländische Investoren ins Land zu holen.
Das 2002 von der Regierung verabschiedete Armutsbekämpfungsstrategiepapier
war die Grundlage dafür, dass Benin 2003 im Rahmen der HIPC-Entschuldungsinitiative für die hochverschuldeten Länder in den Genuss weitreichender Schuldenerleichterungen kommt. Eine zweite Auflage
des Poverty Reduction Strategy Paper von 2007 ermöglichte weitere Entschuldungen und ist die heutige Grundlage für die Zusammenarbeit mit IWF und Weltbank. Die Möglichkeiten zur Institutionalisierung
der formulierten Strategien zur Armutsbekämpfung werden dagegen sehr kritisch beurteilt.
Über die wirtschaftlichen Ziele und die Strategien zu ihrer Erreichung in der laufenden Legislaturperiode informieren Sie sich im Wirtschaftsministerium Benins
. Wenn Sie wissen wollen, wie sich die Beniner selbst die sozio-ökonomische und politische Entwicklung des Landes vorstellen, so lesen Sie die Szenarien in Alafia 2025.




Der Landwirtschaftssektor in Benin zeigt klimatisch bedingte Unterschiede bei den Produktionsverfahren im Süden, im Zentralteil und im Norden.
Im Süden werden als wichtigste einjährige Anbaukulturen Mais und Maniok angebaut. Dauerkulturen sind Kokospalmen an der Küste und Ölpalmen weiter im Landesinneren. Der Anbau von Ananas zum Export nimmt in den letzten Jahren an Bedeutung zu. Die Tierhaltung ist extensiv und beschränkt sich auf Schweine, Ziegen und Geflügel. Im Zentrum werden alle jährlichen Kulturen angebaut. Hier und im Norden ist der Jams die bedeutendste Knollenfrucht. Hirse (Sorghum und Perlhirse) ist nach Mais die landesweit wichtigste Getreideart und im Norden Grundnahrungsmittel. Reis spielt weiterhin eine untergeordnete Rolle bei der Getreideproduktion. Bewässerungsperimeter mit Reis wie in der Côte d'Ivoire, Burkina Faso oder Ghana gibt es in Benin noch nicht.
Für Informationen über Produktionsmengen nutzen Sie bitte die FAO-Statistik .
Die landwirtschaftliche Produktionist bei den Nahrungsmittelkulturen auch immer marktorientiert. Jams, Reis, Mais und Maniok werden vor allem in die beninischen Städte, aber auch nach Niger (v.a. Gari, ein Maniokderivat) und Nigeria vermarktet. Die Songhai-Zentren
in Benin sind zur Zeit die wichtigsten landwirtschaftlichen Großbetriebe mit einem nennenswerten Mechanisierungsgrad und diversifizierten Produktionsstrukturen. Ein Atlas
der Universität Hohenheim gibt Ihnen einen Überblick über die Natur- und Agrarressourcen Benins.
Die Abhängigkeit von der Baumwolle, die drei Viertel der Exporterlöse erzielt, ist eine der größten Schwächen der beninischen Wirtschaft, da die Weltmarktpreise durch hohe Subventionen, vor allem für die Baumwolle aus den USA stetig fallen. Angesichts der Baumwollkrise
versucht Benin in der sog. Baumwollinitiative
gemeinsam mit Burkina Faso, Niger und Tschad im Rahmen der Welthandelsorganisation WTO gegen diese Subventionspolitik vorzugehen
Neben diesen ungünstigen Weltmarktbedingungen gibt es auch eine Reihe hausgemachter Probleme im beninischen Baumwollsektor
. Die Abläufe
im Baumwollanbau uns seiner Vermarktung können Sie auf diesem Blog nachlesen.
Die jährlichen Baumwollernten waren in den letzten Jahren durch erhebliche Schwankungen gekennzeichnet, die auch mit der teilweise undurchsichtigen Teil-Privatisierung des Baumwollsektors zu tun hat. Eine Rekordernte brachte die Kampagne 2004/05 mit 426.000 t. Dieses angesichts der Abhängigkeit Benins von der Baumwolle erfreuliche Ergebnis konnte jedoch die strukturellen Defizite des Sektors nicht beseitigen. Seitdem war die Ernte rückläufig und Yayi Boni sah sich bereits gezwungen, den zuständigen Minister auszuwechseln. Zwar konnte die Produktion 2007/08
im Vergleich zum Vorjahr wieder um 12% gesteigert werden (auf 268.054 t gegenüber 240.618 t. ), und auch im Jahr 2008/2009 scheint es einen leicht positiven Trend zugeben, Schätzungen gehen von etwa 300.000 t aus. In Relation zu der Ernte von 2004/05 ist dies jedoch kaum mehr als ein Stop des freien Falls. Viele Bauern wurden zu spät oder garnicht für Ihre letzte Ernte bezahlt und weigern sich, Baumwolle zu pflanzen.Im Oktober 2007 deuteten sich deshalb zunächst Änderungen in der Organisation des Baumwollsektors an. Die staatliche Baumwollgesellschaft SONAPRA sollte durch eine neue privatisierte Gesellschaft SODECO (Société pour le Développement du Coton) ersetzt werden, die nur noch anteilig in öffentlicher Hand bleiben würde. Trotz Verkündung der Auflösung im Herbst 2007 mussten die Pläne wieder aufgegeben werden. Derzeit ist die weitere Zukunft des Baumwollsektors daher ungewiss.
Neben dem Feldbau ist die Rinderhaltung der Fulbe eine wichtige Landnutzungsform, wobei grob zwei große Gruppen zu unterscheiden sind. Die sesshaften beninischen Fulbe betreiben eine Kombination aus Feldbau und trockenzeitlicher Transhumanz. Grenzüberschreitende Weidewanderungen führen zudem Vollnomaden aus den Nachbarländern Niger und Nigeria nach Benin. Für diese stellen insbesondere die großen unbesiedelten Staatswälder Zentral und Nordbenins eine wichtige trockenzeitliche Weide- und Wasserreserve dar.
Die Weidewanderungen der Vollnomaden aus den Nachbarländern sind wie die verstärkte Zuwanderung von Fulbe des nördlichen Borgous seit den 1970er Jahren Elemente eines umfassenden Verlagerungsprozesses von Aktionsräumen der Tierhalter Richtung Süden. Notwendig wurde diese Erschließung neuer Weideplätze durch die periodischen Dürrekrisen seit der zweiten Hälfte der 1960er Jahre, die Vergrößerung der Herdenstärken sowie durch die staatlich geförderte Ausweitung des Baumwollanbaus in Nordbenin und der damit einhergehenden, partiellen räumlichen Verdrängung der dortigen Rinderhalter. Als Pull-Faktor wirkten die urbanen Zentren des Fleischkonsums in Zentral- und Südbenin, in deren Nähe die Herden verlagert wurden.Von zentraler Bedeutung für die beninische Landwirtschaft ist der Umgang mit der Bodenrechtsproblematik in Benin
. Die Zusammenhänge zwischen nachhaltiger Ressourcennutzung und Bodenrecht
in Benin diskutiert Michael Kirk.

Neben der Landwirtschaft hängt Benins Wirtschaft vor allem vom Handel mit den Nachbarstaaten ab
. Die Handelsbilanz Benins ist allerdings chronisch defizitär. 2003 standen Exporterlöse in Höhe von rund 240 Mio. EUR importierte Güter im Werte von 560 Mio. EUR gegenüber. Exportiert werden insbesondere Baumwolle und andere landwirtschaftliche Produkte. Importiert werden v.a. Maschinen/Investitionsgüter, Energie (aus Togo und Ghana), chemische und pharmazeutische Produkte sowie Nahrungsmittel (Reis).
Benin ist durch den Hafen in Cotonou
Transitland für Waren nach Niger, Nigeria, Burkina Faso und Tschad. Zur Größenordnung: Der beninische Staatshaushalt finanziert sich zu etwa 75% aus Steuereinnahmen, davon stammen etwa 45% aus Zolleinnahmen, wovon wiederum rund 80% allein aus dem Hafen von Cotonou kommen. Der florierende Markt für Gebrauchtwagen,
(die vor allem nach Nigeria weiterverkauft werden) der sich in den letzten Jahren in Cotonou etabliert hatte, wurde vor allem durch verschärfte Zoll- und Überführungsbestimmungen nachhaltig geschädigt.
Neben dem offiziellen Handel
über den Hafen, gehören Reexporte und der informelle Handel
vor allem mit dem Nachbarn Nigeria, von dessen konjunktureller Entwicklung Benin stark abhängt, zu den wichtigsten Stützen der Wirtschaft. Viele Beobachter wie der renommierte Soziologe und Parlamentarier Dr. Bako Arifari sprechen von einem komplexen System institutionalisierter Korruption
der Zollbehörden am Hafen. Demnach habe die jährliche Unterschlagung durch den Zoll am Hafen ein Volumen von 75 bis 90 Millionen Euro, die ganz normale tägliche Unterschlagung eines einfachen Zöllners liege bei etwa 1200 Euro.
Nigeria ist aber in letzter Zeit nicht mehr gewillt die meist illegalen Importe aus Benin zu dulden und hat ein Importverbot für vieleProdukte verhängt. Die meist nur wenige Tage währenden Schließungen der Grenze, die die nigerianische Regierung periodisch als Druckmittel einsetzt, wirken sich sofort negativ auf die beninische Wirtschaft aus. Auch die Regierung Yayi Bonis bemüht sich im Rahmen der Korruptionsbekämpfung um eine deutliche Änderung der Zustände am Hafen. Im November 2009 kam es vor der Küste Benins zu einem gewaltsamen Zwischenfall, als Piraten nach somalischem Vorbild versuchten, ein Schiff zu kapern
und dabei einen Seemann töteten. Bislang ist unklar, ob dies ein Eintzelfall bleiben wird, oder ob sich die Sicherheit im Schiffsverkehr vor Benin verschlechtert.
Fischer am Strand von Grand Popo in Südbenin: Um mit der kleinen Piroge die Brandung zu überwinden, ist Geschick und Glück notwenig. Kentert das Boot, ist der Tag für die Fischer meist gelaufen, denn Netze und Material müssen mühsam wieder entrollt und zusammengelegt werden, bevor ein neuer Versuch gestartet werden kann
Gefilmt von Moritz Heldmann, März 2009
Benin ist eines der ärmsten Länder der Welt und nimmt im HDI Ranking
(Human Development Index) der Vereinten Nationen von 2006 den 161. Platz von 177 Ländern ein. Das Land ist von den G8-Staaten 1999 auf die Liste der HIPC
(Heavily Indebted Poor Countries) gesetzt worden und gehört zu den PRSP-Ländern
(Poverty Reduction Strategy Papers). Etwa ein Drittel der Beniner lebt in extremer Armut, die Wirtschaft ist stark von Weltmarktpreisen für Baumwolle abhängig, Analphabetismus und Bildungsschwäche behindern die wirtschaftliche Entwickulung. Armutsbekämpfung ist nicht nur ein zentrales Wahlversprechen und Thema des aktuellen Präsidenten Yayis Bonis, sondern steht auch im Zentrum der Politik vieler Geberländer und internationaler Partner Benins. Die weltweite Preissteigerung von Nahrungsmitteln im Frühjahr 2008 hat sich in Benin bereits bemerkbar gemacht und verschlechtert die Lage der Armen zusätzlich. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation entwickelt.
Das Benin Development Gateway
bietet eine Zusammenfassung entwicklungsrelevanter Informationen zu den Bereichen Gesundheit, Bildung, Mikrokredit, Kinderhandel, Landwirtschaft und Umwelt sowie jeweils nützliche weiterführende Links.

Das zuständige Ministerium in Benin gibt einen jährlichen Rechenschaftsbericht
zur Verwendung der Entwicklungshilfegelder heraus.
Die seit dem Demokratisierungsprozess verstärkt in das Land fließenden Gelder der EZ haben eine überaus rege NGO-Szene mit rund 6.000 NGOs entstehen lassen. Dabei handelt es sich wie in anderen Erdteilen auch nicht unbedingt immer um gemeinnützige Vereinigungen zum Wohle von Nichtmitgliedern, sondern sehr oft um Entwicklungsconsultings, die der Einkommensgenerierung ihrer Mitglieder dienen. Laut Schätzungen des DED sind von diesen Entwicklungsconsultings nur 20 % ernstzunehmende Anbieter. Die Entwicklungsconsultings reagieren auf die Entwicklungsmoden der Geber und beherrschen das einschlägige Vokabular.
Wichtige multilaterale Geber sind Weltbank
, UNDP
, International Fund for Agricultural Development (IFAD
), Europäischer Entwicklungsfond
und die Banque Ouest Africaine de Développement (BOAD
).
Die folgenden Links führen Sie zu landesspezifischen Aktivitäten einzelner Institutionen und Organisationen. Wichtige Partner der bilateralen EZ sind Frankreich mit der AFD
, Deutschland (s.u.), die http://www.deza.admin.ch/de/Home/Laender/Westafrika/BeninSchweiz mit der DEZA
, Holland mit SNV
und die USA mit USAID
. Über die Entwicklungszusammenarbeit zwischen Frankreich und Benin informiert Sie die französische Botschaft
in Cotonou.
Auf der Website des Directory of Development Organizations
finden sie diese Liste
mit verschiedenen Organisationen die in Benin in der Entwicklungszusammenarbeit tätig sind.
Drei Schwerpunkte
der Deutsch-Beninischen Zusammenarbeit wurden Ende 2006 folgendermaßen definiert:1) Dezentralisierung und Kommunalentwicklung, 2) Wasserresourcen und Trinkwasser und 3) Umwelt- und Ressourcenschutz.
Deutschland ist u. a. über die GTZ
und den DED
vertreten. Die drei deutschen politischen Stiftungen Friedrich Ebert Stiftung
, Konrad-Adenauer-Stiftung
und Hanns-Seidel-Stiftung
haben jeweils mit ein Büro in Cotonou.
Diplom Geograph Moritz Heldmann, Jahrgang 1975 aus Köln.
Studium der Geographie, Ethnologie und Afrikanistik. Langjährige Beschäftigung mit Benin im Rahmen von Forschung und Entwicklungszusammenarbeit mit regelmäßigen Forschungsaufenthalten in Benin seit 2002.
Über Feedback freue ich mich
Dank auch an Herrn Dr. Martin Doevenspeck aus Bayreuth für wichtige Beiträge.