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Daten zu Entwicklung und Zusammensetzung der Bevölkerung in ethnischer Hinsicht werden in Bolivien nicht geführt. Schätzungen zufolge wird die Bevölkerung des Landes wie folgt gruppiert: 14% Weiße, 26% Mestizen und ca. 60% Quechua und Aymara. Weitere indianischen Bevölkerungsgruppen sind die Arawacan, Guarani , Chiquito, Chiriguano, Moxos, usw.
Die Indianer leben im Bergland oder in den Randsiedlungen der Großstädte; sie stellen den höchsten Anteil der Armen
dar, haben kaum Zugang zu Dienstleistungen, Information, Transport, Medien, Märkten, Bildung, Strom und Wasser und hatten geringe politische Partizipation. In Bolivien gelten 50% der Gesamtbevölkerung als arm, davon sind zwei Drittel indigene Völker.
In Bolivien wurde 1994 mit Víctor Hugo Cárdenas von der Movimiento Revolucionario Túpac Katari de Liberación (MRTKL) erstmals ein Angehöriger der indigenen Bevölkerung zum Vizepräsidenten gewählt.
Die Lage der bolivianischen Frau
ist die schlechteste in Lateinamerika. Das Vizeministerium für Frauenfragen
zieht Bilanz über die Erfolge der Regierungspolitik. Ein Interview mit der Ex-Ministerin für Justiz und Menschenrechte Casimira Rodriguez Romero
-indianischen Ursprungs und ehemalige Hausangestellte- gibt Aufschluss über den neuen politischen Stil der Regierung. Die NRO „Pro-mujer“ führt erfolgreich Projekte mit Minikrediten
bei ländlichen Frauen durch.
Das UNDP präsentiert alljährlich den Human Development Index. Daraus abgeleitet werden zwei Gender-sensitive Indizes: der Gender-Related Development Index
und ein Gender Empowerment Measure
. Bolivien liegt jeweils auf Platz 102 und 67 von 177 Ländern, die im 2007/08er Bericht aufgelistet werden.
In den letzten Jahren hat die Regierung grosse Anstrengungen zur Förderung des Erziehungssystems unternommen. So lag der Anteil des Staatshaushalts für das Bildungswesen zwischen 1992 und 2006 bei 21%. Nach der CEPAL beträgt der Durchschnitt in Lateinamerika 18%.
Der Alphabetisierungsgrad konnte nach dem INE zwischen 1997 und 2006 von 82,8% auf 87% erhöht werden. Der Besuch öffentlicher Schulen ist unentgeltlich. Für die Grundschule in Bolivien besteht seit 1998 eine achtjährige Schulpflicht. 60% der Kinder jedoch besuchen keine oder nur sehr unzureichend die Schule, noch weniger erreichen einen Abschluß. Im Dezember 2008 erklärte Evo Morales das Land als analphabetenfrei
, nachdem in einer 3-jährigen Kampagne mehr als 800 Tsd. menschen alphabetisiert wurden.
Sowohl die staatliche als auch die private Bildung ist in folgende Stufen unterteilt:
In Bolivien wird Hochschulbildung von Universitäten
und fachhochschulähnlichen Einrichtungen vermittelt. Es existieren staatliche, kirchliche und private Einrichtungen. Die Lehrerausbildung findet an pädagogischen Hochschulen statt. Die Hochschulen genießen volle Autonomie. Ein Universitätsstudium ist meist der reichen Oberschicht vorbehalten.
Die zweisprachige Erziehung (spanisch-quechua,, spanisch-aymara) wurde mit der Erziehungsreform von 1998 eingeführt und gesetzlich verankert. Hierzu waren entsprechende Erfahrungen und Lehrkräften notwendig. Im Rahmen eines Projektes der deutschen EZ wurden die Grundlagen für die Ausbildung von Lehrkräften in interkultureller zweisprachiger Erziehung (IZE) für Quechua und Aymara 2004 erarbeitet, erprobt und dem bolivianischen Bildungssystem übergeben. Zentrale Ziele der IZE sind die Verwendung der Muttersprache als Unterrichtsprache, die Stärkung der kulturellen Identität der Schüler und das Einräumen von mehr Chancen für Mädchen. Für die Verbreitung der IZE sind die Rolle des Staates und die Beteiligung der indigenen Organisationen von Bedeutung.
Die Regierung Morales hat 2006 dem Kongress ein neues Erziehungsgesetz
vorgelegt, die die bestehenden Lehrpläne zu „kommunalisieren und entkolonialisieren“ beabsichtigt. In breit angelegten Diskussionsforen wurden alle gesellschaftlichen Gruppen und Organisationen eingeladen, an einem nationalen Konsens zum neuen Erziehungsgesetz mitzuwirken. Dieser Entwurf steckt jetzt mitten in einer konfliktvollen Umsetzungsphase. Das neue Schulwesen soll gleichzeitig „universal, einheitlich und divers“, seine Praxis aber ebenso „kommunitär, demokratisch und partizipativ“ sein, um in seinen Zielen „revolutionär, antiimperialistisch, antiglobalisierend, befreiend und verändernd“ wirken zu können und dabei sowohl die Prinzipien des Laizismus als auch den Respekt vor der Spiritualität der indigenen Bevölkerung zu garantieren.
Folgende Links führen Sie zu Aktivitäten einzelner Institutionen und Organisationen im Bildungsbereich:





für Postgraduierten Studien
(La Paz)
(Sucre)

Der Anteil an jungen Menschen -auch in lateinamerikanischen Vergleich- ist hoch.
Im Jahre 2000 betrug der Anteil von Menschen unter 15 Jahren 40%, der unter 25 Jahren gar 59%. Die Lebenserwartung laut WHO beläuft sich auf 61,4 Jahre, die Kindersterblichkeit mit 79/1000 für 2000 (bei Indigenas des Chaco sogar auf 145/1000) ist immer noch recht hoch. Magen- Darmerkrankungen sind die häufigste Todesursache bei Kindern.
Die medizinische Versorgungslage variiert gemäß dem Stadt-Land-Gefälle, wobei die ländlichen Regionen benachteiligt sind. Der häufig fehlende oder erschwerte Zugang zu Gesundheitsdiensten, soziale Probleme, Umweltverschmutzungen, mangelhafte Nahrungsversorgung, unzureichende Hygienepraktiken und fehlender Zugang zu (Trink-) Wasser sind oft der Grund für Krankheiten und Epidemien. Bedingt durch Mangelernährung und schlechte Wohnverhältnisse sind Tuberkulose, Malaria, Chagas
-Krankheit (Wikipedia), Gelbfieber und Cholera immer noch in großen Teilen des Landes verbreitet. 2009
ist eine Denguefieber
Epidemie in Bolivien ausgebrochen, von der mehr als 30 000 Personen betroffen sind. Mittlerweile greift die Epidemie in die Nachbarstaaten über. Mehr Information zur Gesundheitssituation
und zu Indikatoren
im Land befinden sich bei der PAHO (Panamerikanische Gesundheitsorganisation). Zwar betrifft AIDS Bolivien weit weniger als andere Entwicklungsländer, die Verfolgung der Entwicklung ist jedoch empfehlenswert (USAID
, ausführlicher Bericht
).
Neben der Schulmedizin spielen die "Kallawaya" oder Naturheiler in Bolivien eine wichtige Rolle; neben der Anwendung von Medizin aus Flora, Fauna und Mineralien setzen sie spezifische Rituale bei verschiedenen Krankheitsbildern ein.
Zwar haben die Indianer eine vielseitige und reiche Kultur, sie verdecken und verstecken jedoch ihre Kultur und Ausdrucksformen. Das Wort "Indio" ist negativ geprägt, weil es mit Leibeigenschaft, Zwangsarbeit, Misshandlung und Minderwertigkeit verbunden wird. Wenn die Indianer in die Randsiedlungen der Großstädte migrieren, dann setzt sofort der Prozess der "cholificación" ein, die Anpassung an die weisse Kultur (Sprache, Nahrung, Kleidung). Ausnahmen bilden die Aymara, die eine differenzierte städtische indigene Kultur in der Stadt El Alto entwickelt haben. El Altos Stadtild ist geprägt von Aymaras, die selbstbewusst ihre Kultur (z.B. Kleidung und Sprache) ausdrücken, und in dieser Form und Größe (500 Tsd. Einwohner) sicher einmalig ist. Erfolgreiche Händlerinnen bilden sogar eine spezifische indigene Mittelschicht. Die Aymara haben sich auch sehr gut organisiert.
Die vorherrschende Kultur in Bolivien ist die Kultur der Weißen und des Bürgertums. Lediglich in der Architektur der Kolonialzeit, läßt sich ein eindeutiger Einfluß der indianischen Kultur finden, der zu einem eigenständigen Stil, dem „Mestizo“, geführt hat. In der sonst von Weißen geprägten Literatur sind der Quechua-Schriftsteller Fausto Reynaga und sein Sohn Ramiro Reynaga, sowie die Minenarbeiterfrau Domitila weitere einzelne Ausnahmen.
An dieser Stelle können Sie die Biographien und Werke von zeitgenössischen Künstlern ansehen, zum Beispiel der Künstlerin Marina Nuñez del Prado
.
Nach wie vor sind die Schätze der prähispanischen Kulturen, die im Archeologischen Museum
, im Regionalmuseum Tiwanaku
, im Kokamuseum
oder im Textil-Ethnografischen Museum
sowie im Nationalen Kunstmuseum
und Ministerium der Kulturen
zu sehen sind, für Bolivien von großer Bedeutung.
Sie können Kunst und Gegenwartskunst in der virtuellen Galerie
bewundern oder einen Überblick über Theater
oder Literatur
erhalten.
Der bolivianische Film
war traditionell ein Film des Protestes und der Anklage gegen die herrschenden Missstände. Der wohl bekannteste bolivianische Regisseur ist Jorge Sanjinés, der bereits 1966 mit seinem ersten Film „Ukamau“ die Situation der indianischen Bevölkerung zu seinem Thema machte. 1995 inszenierte er den Film „Das Lied der Vögel“, der die Schwierigkeiten einer Filmcrew beschreibt, Dorfbewohner des Hochlands als Statisten für einen Film der Konquista zu gewinnen. Ein wichtiges Kennzeichen der meisten Sanjinés-Filme, ist die Tatsache, dass in ihnen vorwiegend Quechua bzw. Aymara gesprochen wird. Seit den 90er sind neue Filme
und neue Regisseure hinzugekommen.
Bolivien bietet eine reichhaltige und bunte Folklore. Ob Sie Auskunft über typische Instrumente
, Karnevalstänze
, Trachten
oder Musik
suchen, Sie finden alles im Web.
Sport
Die beliebteste Sportart des Landes ist Fußball. Wer sich dafür interessiert kann sich über die Nationalmannschaft oder die Nationalliga
informieren. In der Boomstadt Santa Cruz, wo die Kinder armer Tagelöhner früh den Gefahren von Drogen und Kriminalität ausgesetztsind, setzt die sozialpädagogische Fußballschule Tahuichi
erfolgreich an der Spielfreude und dem Bewegungstalent der Jungen an und holt sie damit von der Straße.
Die römisch-katholische Kirche
in Bolivien hat ihren Ursprung in der Kolonisation Südamerikas, also bereits im 16. Jahrhundert. Ihr gehören heute etwa 80 % der Bevölkerung an. Die katholische Kirche
hatte in Bolivien von jeher einen grossen Einfluß auf Politik und Gesellschaft, der bis heute anhält.
So ist auch sie durch die Spannungen im Lande stark betroffen.
Die protestantische Kirche führte lange ein Schattendasein. Sowohl die evangelische lutherische
, die evangelisch-methodische Kirche
als auch die katholische Kirche
unterhalten Projekte und Partnerschaften in Bolivien. Wie in vielen lateinamerikanischen Ländern erleben auch in Bolivien seit einigen Jahrzehnten basiskirchliche Strömungen und Gruppen der Pfingstbewegung Zuspruch. Durch die von Indigenen ausgeübten Kulte sind heute synkretische
Mischformen zu beobachten, welche besonders bei religiösen Festen ihren Ausdruck finden.

Gerardo Basurco Valverde, Dr. phil, Dipl. Volkswirt, geb. 1953, Studium der Volkswirtschaft und Politikwissenschaft.
Gutachter von Projekten der Entwicklungszusammenarbeit.
Für Anregungen und Kommentare wäre ich Ihnen dankbar.
Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Juni 2011 aktualisiert.
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