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Geschichtskarte © WEBTIMBRES

Geschichte, Staat und Politik

BeschreibungInhalt
Tag der Unabhängigkeit:05.08.1960
Staatsoberhaupt:Blaise Compaoré
Regierungschef:Luc Adolphe Tiao
Politisches System:Präsidiale Demokratie
Demokratie Status- Index (BTI):Rang 68 (von 128)
Korruptionsindex (CPI):Rang 100 (von 183)

Burkina Faso

Landesflagge Burkina Faso

Die Geschichte

Burkina Faso hat selber einen der größten Historiker Afrikas hervorgebracht, Prof. Joseph Ki-ZerboÖffnet externen Link in neuem Fenster, 1922-2006. Er war nicht nur Professor für afrikanische Geschichte in Ouagadougou, Orléans und Paris, sondern auch seit der Unabhängigkeit bis zu seinem Tod führender Oppositionspolitiker. Sein Hauptwerk, die „Geschichte Schwarz-Afrikas“, ist auf Deutsch bei Fischer 1981 erschienen und umfasst 774 Seiten.

Eine deutschsprachige Referenz für die Geschichte des Landes Öffnet externen Link in neuem Fenster Burkina Faso im Internet ist bei Wikipedia zu finden. In der Diplomarbeit von Johannes SarrÖffnet externen Link in neuem Fenster findet sich eine weitere deutschsprachige Geschichtsdarstellung.

Auf der Website "Histoire de l'Afrique de l'OuestÖffnet externen Link in neuem Fenster " bieten der burkinische Archäologe Jean-Baptiste KiéthégaÖffnet externen Link in neuem Fenster und der Historiker Yénouyaba Georges Madiega eine chronologische Zusammenfassung Öffnet externen Link in neuem Fenster der Geschichte des Landes an. Eine Sammlung von 355 einzelnen Artikeln zur Geschichte von Burkina Faso ist unter der Rubrik "Arrêrt sur l´histoireÖffnet externen Link in neuem Fenster" der Wochenzeitschrift Bendre zu finden.

In den meisten historischen Überblicken wird die Geschichte des Landes in vier Epochen gegliedert: die prähistorische, die vorkoloniale, die koloniale und die post-koloniale Zeit. 

=> Die prähistorische Zeit

Kiéthéga schreibt in seiner Darstellung der Prähistorie Burkina FasosÖffnet externen Link in neuem Fenster den ersten bearbeiteten Steinfunden am mare d´Oursi ein Alter von 400.000 Jahren zu.

Weitere archäologische Funde weisen auf eine Siedlungsgeschichte hin, die vor mindestens 14.000 Jahren begonnen hat. Die ersten Bewohner wurden vor etwa 5.000 Jahren sesshaft. Siedlungshügel, Friedhöfe mit Tonsärgen, Scherben, Felsmalereien, Reste von HochöfenÖffnet externen Link in neuem Fenster oder Verteidigungsanlagen bieten über das ganze Land Objekte archäologischer StudienÖffnet externen Link in neuem Fenster.

Wegen starker Völkerwanderungen lassen sich archäologische Funde wie Felssiedlungen in Sidou oder Yobiri, Felsgravuren in Pobe-MengaoÖffnet externen Link in neuem Fenster, Aribinda oder MarkoyeÖffnet externen Link in neuem Fenster, Ausgrabungen wie die von Archäologen der Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt in OursiÖffnet externen Link in neuem Fenster oder die Ruinen von Loropeni Öffnet externen Link in neuem Fenster [VideoÖffnet externen Link in neuem Fenster] im Südwesten (seit 2009 erstes Objekt des Landes auf der Liste des UNESCO-WelterbesÖffnet externen Link in neuem Fenster) nicht genau ethnisch zuordnen. 

=> Die vorkoloniale Zeit

Die vorkoloniale GeschichteÖffnet externen Link in neuem Fenster wird in zwei Epochen unterteilt. Die erste ist die Epoche der ältesten Siedler (Dogon, Nioniosi, Gourounsi, Bissa, Bobo, Sénoufo) die schon zum Ende des ersten Jahrtausends nach Christus auf dem heutigen Gebiet ansässig waren. Im 12. Jahrhundert beginnt die zweite Epoche der vorkolonialen Geschichte. Es war eine Zeit der großen Migration. Die Gründe der Migration waren vielfältig: Flucht vor Eroberern und Sklavenjägern, Krankheit, Dürren, Hunger, Flüche, Suche nach fruchtbarem Land…. Folge dieser Bewegungen wurde die Entstehung und Entwicklung von streng organisierten sozialpolitischen Systemen. Das sind die Systeme der Gurmantche, Fulbe, Marka, Dafing, Yarcés, Bobo-Diula, Diula und MossiÖffnet externen Link in neuem Fenster. Die letztere Volksgruppe (die Mossi), deren Vorfahren wohl aus der Tschadgegend in den Norden des heutigen Ghana eingewandert waren, etablierte sich im zentralen und zentralnördlichen Teil des heutigen Burkina Faso und gründete die beiden bekanntesten und straff hierarchisch organisierten Mossi-Reiche Öffnet externen Link in neuem Fenster. Der Gründungsmythos der Mossi, die Geschichte der Amazonenprinzessin YennengaÖffnet externen Link in neuem Fenster, gibt dem Vordringen der MossiÖffnet externen Link in neuem Fenster von Gambaga nach Norden seine eigene Bedeutung. Der Mythos betont dabei das Verschmelzen von autochthonen Stämmen mit den Neuankömmlingen um das 15.Jahrhundert, wodurch die heutige burkinische Bevölkerung entstanden ist. Einheiten von Mossireitern eroberten etwa die Hälfte des heutigen Burkina Faso und begründeten eine Feudalherrschaft. Während sie die DogonÖffnet externen Link in neuem Fenster (Kibsi) bis nach BandiagaraÖffnet externen Link in neuem Fensterzurückdrängten, verständigten sie sich mit anderen autochthonen Bevölkerungen, insbesondere den Nioniose, auf eine Teilung der Gewalt in weltliche und sakrale Macht. Die Nachkommen des Mossiherrschers, die sich Nakomse nannten und meist der Familie OuédraogoÖffnet externen Link in neuem Fenster angehörten, erhielten die politische Macht („naam“ oder franz. „chefferie“). Die Erdpriester der Nioniose, die Familie Sawadogo (=“Wolke“), erhielten die Gewalt über Luft, Regen, Erde und Geister. Diese Machtteilung hat bis heute Bestand. So tauschen die Familien Ouédraogo und Sawadogo mancherorts noch heute ihre Töchter untereinander aus.

Bis 1600 verfestigten sich die beiden Herrschaftsbezirke Moogo und Yatenga als eigenständige KönigtümerÖffnet externen Link in neuem Fenster, verloren aber zunehmend an Zentralgewalt. Die Reiche zeichneten sich durch eine hochentwickelte Verwaltungsorganisation und die göttliche Verehrung, die ihre Herrscher genossen, aus. Es gab Adelige, Freie und Sklaven. In manchen Gegenden wie Yatenga gab es Kasten (z.B. Schmiede). Ketten sowie Hand- und Fußfesseln sind oft zu findende Überbleibsel dieser Epoche. Verbale Überlieferungen und frühkoloniale DokumenteÖffnet externen Link in neuem Fenster lassen ahnen, wie sehr EisenproduktionÖffnet externen Link in neuem Fenster und SklavenhaltungÖffnet externen Link in neuem Fenster die vorkoloniele Zeit bestimmten.

Wie das mit den ihnen verwandte Reich GurmaÖffnet externen Link in neuem Fenster im Osten widerstanden die Mossireiche den Angriffen anderer Eroberer (insbesondere der Fulbe und HaussaÖffnet externen Link in neuem Fenster aus dem Nigerbogen) bis zur Kolonisierung durch Frankreich im Jahre 1896. Zu diesem Zeitpunkt waren die Reiche im heutigen zentralen und östlichen Burkina Faso von Nachfolgekriegen geschwächt und unter sich zerstritten.

Im Westen konnten viele Stämme ihre Unabhängigkeit behaupten. Es entstanden die Dynastie der OuattaraÖffnet externen Link in neuem Fenster mit einem Machtzentren in KongÖffnet externen Link in neuem Fenster , dem Zentrum Gwiriko sowie das von SénoufoÖffnet externen Link in neuem Fenster gegründete KenedougouÖffnet externen Link in neuem Fenster. Ein wirkliches Reich entstand dabei aber nicht. Zwischen dem 18. und 19. Jh. setzte sich dort die Migration fort. Weniger zentralisierte Gruppen kamen aus Ghana und der Elfenbeinküste, unter ihnen die LobiÖffnet externen Link in neuem Fenster und DagaraÖffnet externen Link in neuem Fenster im Südwesten von Burkina Faso.  

=> Die koloniale Geschichte

Erstaunlich spät, im Jahr 1853 erreichte der erste Europäer, nämlich der deutsche Afrikaforscher Heinrich BarthÖffnet externen Link in neuem Fenster, das heutige Burkina Faso und kam –noch erstaunlicher- lebendig zurück. Ebenfalls ein Deutscher, Gottlob KrauseÖffnet externen Link in neuem Fenster, gelangte nachweislich als erster Europäer am 24.09.1886 nach Ouagadougou.

Im Wettrennen mit den anderen Kolonialmächten gelang es den Franzosen 1895 unter Desternave von Französisch-Sudan aus, Verträge mit den bestehenden Reichen von Yatenga und Gurma zu schließen. Dabei konnten deren interne Konflikte geschickt ausgespielt werden. Der Mossikönig von Ouagadougou, der Moogho Naaba, ließ sich auch von Louis-Gustave BingerÖffnet externen Link in neuem Fenster nicht durch Verträge binden und leistete bewaffneten Widerstand. Ouagadougou wurde im September 1896 von Oberst Voulet innerhalb von zwei Stunden gewaltsam eingenommen, anschließend niedergebrannt. Die Feuerkraft der Franzosen erwies sich gegenüber Speeren und Giftpfeilen der Mossikrieger als effektiver. Der Moogho Naaba floh auf britisches Gebiet, sein Bruder wurde als Vasall eingesetzt. Die Expedition Voulet-ChanoineÖffnet externen Link in neuem Fenster erlangte wegen des eigenwilligen und grausamen Vorgehens ihrer beiden Führer traurige Berühmtheit. Sie bleibt Beispiel für Willkür und dem Wahnsinn verfallene Konquistadoren kolonialer Eroberungszüge.

Während die SamoÖffnet externen Link in neuem Fenster und LobiÖffnet externen Link in neuem Fenster grausam unterworfen wurden, schlossen andere südliche Stämme Protektoratsverträge mit den Franzosen. Diese errichteten Garnisonen und konsolidierten 1904 ihre Macht durch Eingliederung der Gebiete in die Kolonie Obersenegal und NigerÖffnet externen Link in neuem Fenster.

Für die französische Verwaltung galten die Gebiete im oberen Voltabecken während der gesamten Kolonialzeit als Arbeitskräftereservoir. Mit dem Jahr 1914 wurde es zum Rekrutenreservoir. Etwa ein Fünftel (ca. 35.000 Mann) der tirailleurs sénégalaisÖffnet externen Link in neuem Fenster, die Frankreich während des Ersten Weltkrieges in Französisch-Westafrika rekrutiert hatte, kamen aus dem späteren Obervolta. An einzelnen Orten kam es bei Zwangsrekrutierungen zu Revolten. Die Zahl der Aufständigen bei den Marka, Bwaba, Bobo, Samo und Gourounsi wird von Kiéthéga auf 300.000 geschätzt. 

1919 entstand die eigenständige Kolonie Obervolta. Zwischen 1932 und 1947 wurde die Kolonie aus Gründen der Rentabilität aufgeteilt und den Nachbarkolonien Niger, dem französischen Sudan (heute Mali) und der Elfenbeinküste zugerechnet.

Von 1919 bis 1932 und nach 1947 musste die Kolonie Obervolta als Eigenterritorium eigene Exportgüter produzieren.

Mit Abgabenforderungen, Plantagenarbeit am Niger und an der Elfenbeinküste, Bau von Straßen- und Eisenbahn (Regie Abidjan NigerÖffnet externen Link in neuem Fenster) sollte die Kolonie für Frankreich gewinnbringend wirtschaften. Baumwolle stand im Vordergrund. Der Preis der Baumwolle hatte sich nach dem Ersten Weltkrieg in Frankreich verdoppelt. Die Regierung versuchte, die Textilproduktion, die rund 300.000 Menschen beschäftigte, durch die Förderung des Baumwollanbaus in den eigenen Kolonien von den immer teurer werdenden Importen aus anderen Ländern unabhängig zu machen. Ein Teil der Mossibevölkerung wurde zwangsdeportiert. Zwangsarbeit, Zwangsmigration, Zwangsrekrutierung, Kopfsteuer und exportorientierte Monokulturen waren neben entmündigender arroganter Bevormundung die Wunden, die die Kolonialherren den beherrschten afrikanischen Stämmen schlugen und die zu einem euphorischen Aufschrei nach Unabhängigkeit und Selbstbestimmung führen sollten. Das Erbe des Kolonialismus beschränkt sich aber nicht auf innere Wunden. Während der Kolonialzeit wurden die Grundlagen eines modernen Staates gelegt: Grenzziehung, Verwaltungsstruktur, Amtssprache, Geldwirtschaft, Schulen und Gesundheitswesen sowie die Einführung von Gedanken der Aufklärung. Die Einbindung des Landes in die Entwicklung einer sich globalisierenden Welt geschah unter europäischer Diktion.

Während mit dem ersten Weltkrieg das Zeitalter des Imperialismus endete, lief der Zweite Weltkrieg auf das Ende des Kolonialismus hinaus.

Unabhängigkeit

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Rückkehrer und Veteranen, die „anciens combattantsÖffnet externen Link in neuem Fenster“, zu Gestalten des Übergangs. Stellung, Ansehen und monatliche Rente verdankten sie keinem traditionellen System, sondern der Kolonialmacht Frankreich, deren Untertanen sie waren. Ihre Enttäuschung war groß, nicht wie erhofft als gleichberechtigte Bürger des Landes anerkannt zu werden, für das sie ihr Leben eingesetzt hatten. Mit ihrer Unzufriedenheit wuchs das Streben nach Emanzipation von Frankreich. Der erste Schritt dazu war die 1947 auf Drängen des Moogho NaabaÖffnet externen Link in neuem Fenster und seiner Partei, der Union Voltaïque (UV)Öffnet externen Link in neuem Fenster, wieder hergestellte Kolonie ObervoltaÖffnet externen Link in neuem Fenster mit einer starken Dominanz der Mossi. Als von Charles de Gaulle eingeführtes Überseedepartement konnte Obervolta nun afrikanische Abgeordnete in das französische Parlament entsenden. Die von traditionellen Würdeträgern und der politischen Elite bestimmte UV wurde bald von der antikolonialen und auf Gleichheit aller Afrikaner ausgerichteten RDAÖffnet externen Link in neuem Fenster unter Führung von Daniel Ouezzin CoulibalyÖffnet externen Link in neuem Fenster verdrängt, die 1957 die Wahlen zu einem neu gegründeten Regierungsrat gewannen. 

Nach Gründung der Fünften Republik in Frankreich entschied sich Obervolta wie alle anderen Kolonien außer Guinea in einem Referendum für einen vorübergehenden Verbleib in der Communauté françaiseÖffnet externen Link in neuem Fenster und wurde am 11.12.1958 eine nach innen autonome RepublikÖffnet externen Link in neuem Fenster.

Félix Houphouët-BoignyÖffnet externen Link in neuem Fenster von der Elfenbeinküste, der mit Leopold SengorÖffnet externen Link in neuem Fenster aus Senegal einer der Hauptbetreiber der Unabhängigkeit war, ließ eine westafrikanische Föderation scheitern, die sich Mali-Föderation nannte. Mit dem Namen Mali wurde ein Brückenschlag zu einem alten afrikanischen Reich gesucht, um eine neue panafrikanische Identität zu stiften.

Am 5. August 1960 wurde von Maurice Yameogo die UnabhängigkeitÖffnet externen Link in neuem Fenster proklamiert. 

=> Die postkoloniale Geschichte

1960-1966: Die erste Republik

Bild des ersten Präsidenten des unabhängigen Landes Obervolta
Maurice YAMÉOGO
(31.12.1921 - 09.09.1993)
Quelle: La Petite Académie

Maurice Yaméogo Öffnet externen Link in neuem Fenster wurde zum ersten Präsidenten Obervoltas, das am 22. September 1960 als Mitglied der Vereinten Nationen aufgenommen wurde. Er ist bis heute unter den sechs Präsidenten der einzige, der nicht dem Militär angehörte und durch keinen Militärputsch an die Macht gelangte.

YaméogoÖffnet externen Link in neuem Fenster war gleichzeitig Außenminister und Verteidigungsminister und versuchte, Obervolta innerhalb der afrikanischen Staaten und der Weltgemeinschaft zu positionieren. InnenpolitischÖffnet externen Link in neuem Fenster versuchte er, den Einfluß der traditionellen MachtÖffnet externen Link in neuem Fenster zurückzudrängen. Er schaltete die Opposition aus bis hin zu Verhaftungen ihrer Führer und regierte mit einer Partei. Bildung klientelistischer Patronagenetzwerke, Nepotismus, Autokratie, Wahlbetrug und ein verschwenderischer Regierungsstil führten zu Misswirtschaft und brachten das Land mit einer Überschuldung von 4,5 Mrd. F CFA an den Rand des Ruins. Frankreich hatte leichtes Spiel, neu Einfluss und Entscheidungsgewalt zu gewinnen. Ein von Jacques FoccartÖffnet externen Link in neuem Fenster ausgearbeiteter "accord de coopération" ließ Frankreich eine Dominanz über Währung, Wirtschaft und Finanzen, Post und Telekommunikation, Kultur, Bildung, Justiz... Es etablierte sich eine Oberschicht, die einerseits große persönliche Vorteile genießen wollte, andererseits Einfluß und Entscheidungsgewalt an Frankreich vermittelte. Militärbasen wurden Frankreich allerdings auf voltaischem Boden verwehrt.

Yaméogos rigide und gleichzeitig verschwenderische Staatsführung polarisierten Ende 1965 Volk und Präsident. Von seinem Wahlsieg mit 99,98 % der Stimmen im Oktober 1965 geblendet nahm er nicht wahr, wie neben den Parteien neue städtische Akteure die politische Bühne betraten: Gewerkschaften, Militär, Schüler.
Yameogo wurde von der Elfenbeinküste zur Deckung des Haushaltsdefizits ein Kredit in Höhe von 20 Mdr. F CFA angeboten. Um nicht in Abhängigkeit anderer Staaten zu geraten, ordnete Yameogo aber am 28.12.1965 Lohnkürzungen in Höhe von 20 % an, was angesichts seiner wenige Wochen zuvor pompös gefeierten 2. Hochzeit mit der Ivorerin Suzanne de Monaco und der anschließenden gemeinsamen Reise nach Brasilien auf helle Empörung stieß. Am 1. Januar 1966 kam es zu einem VolksaufstandÖffnet externen Link in neuem Fenster der Gewerkschaften angeführt vom ehem. Bürgermeister von Ouagadougou Joseph OuédraogoÖffnet externen Link in neuem Fenster. Am 2. Januar wurde Polizei, Gendarmerie und Militär mobilisiert, die Ordnung wieder herzustellen. Sie konnten nicht verhindern, dass die Mädchen vom Collège du Cours Normal mit ihrer Direktorin Jacquline Ki-Zerbo, Ehefrau des erwähnten Historikers Joseph Ki-Zerbo, zum "Place des Armes" (später "Place du 03. janvier, dann "Place de la Révolution", heute "Place de la Nation") marschierten. Die Gymnasiasten vom Lycée Philippe Zinda Kaboré folgten. Aus der Parole "Brot, Wasser, Demokratie!" wurde „Armee an die Macht!“. Oberst-Leutnant Sangoulé Lamizana hatte angeblich den Befehl erhalten, auf die Massen schießen zu lassen, zog es in dieser Situation aber vor, selber "die Verantwortung zu übernehmen". Am 3. Januar 1966Öffnet externen Link in neuem Fenster erklärte Maurice Yameogo seinen Rücktritt.

1966-1980: Die Herrschaft Lamizanas

Sangoulé Lamizana
Sangoulé LAMIZANA
(31.01.1916 - 26.05.2005)
Quelle: Mémoires - Général Sangoulé Lamizana
  • 1966-1970: "Provisorische Militärregierung"
  • 1971-1974: Die zweite Republik
  • 1974-1976: Regierung der "nationalen Erneuerung" unter Militärherrschaft
  • 1977: Übergangsregierung der "nationalen Einheit"
  • 1978-1980: Dritte Republik

 

Um mit freier Hand die Staatsfinanzen sanieren zu können, verbot Sangoulé Lamizana Öffnet externen Link in neuem Fenster für vier Jahre alle politischen Aktivitäten und setzte einen obersten Militärrat, den Conseil Supérieur des Forces Armées (CSFA) ein. Durch drastische Sparmassnahmen gelang es ihm, den defizitären Haushalt 1968 in einen Überschuß zu verwandeln.

1970 wurde durch Referendum eine neue Verfassung angenommen. Lamizana sicherte sich dabei als Soldat mit höchstem Diestgrad für die ersten vier Jahre per Verfassung die Präsidentschaft. Ein Drittel der Regierungsposten sollte mit Armeeangehörigen besetzt werden. Vier Parteien wurden in das für 57 Abgeordnete vorgesehene Parlament gewählt. Stärkste Fraktion war die UDV-RDA mit 37 Sitzen. Die im Wahlkampf diffamierte sozialistisch orientierte MLN unter Führung von Joseph Ki-Zerbo erhielt nur 6 Sitze und wurde von der Regierung ausgeschlossen. Da die Gewerkschaften und Schüler der MLN nahe standen, folgten politische Spannungen. Innerhalb der Regierung kam es zu einem Zerwürfnis zwischen dem Premierminister und Parteivositzenden Gérard Kango OuédraogoÖffnet externen Link in neuem Fenster und dem Parlamentspräsidenten und Generalsekretär der RDA Joseph OuédraogoÖffnet externen Link in neuem Fenster. Sie blockierten gegenseitig ihre Handlungsfähigkeit und machten das Land unregierbar. Am 8. Februar 1974 übernahm das Militär mit Lamizana an der Spitze neu die Macht und beendete die II. Republik.

Verhängnisvoll für die Entwicklung des Landes wirkte sich zu dieser Zeit auch die falsche Hoffnung aus, Obervolta könne durch Manganförderung oder Industrialisierung zu Reichtum gelangen, während gleichzeitig die Landwirtschaft vernachlässigt und die Desertifikation nicht entschieden genug bekämpft wurde.

Ab Februar 1974 stand das öffentliche Leben, das Militär, die territoriale Verwaltung wie die zivilen Institutionen unter dem Vorzeichen der "Erneuerung". Radio hieß nicht mehr "Radio", sondern "Stimme der Erneuerung". In diese Phase der „Regierung der nationalen Erneuerung“ platzten neue Probleme: Die Folgen der großen DürreÖffnet externen Link in neuem Fenster von 1973, der erste Grenzkrieg mit MaliÖffnet externen Link in neuem Fenster, Rezession infolge der Ölpreiskrise und die Opposition der alten Parteien und der Gewerkschaften. Während der Hungersnot wurden Hilfsgüter unterschlagen und für die Militärregierung Cadillacs in den USA bestellt. Die Stimmung schlug zu ungunsten der vom Militär proklamierten "Erneuerung" um. Im Dezember 1975 kam es zu einem Generalstreik. Lamizana reagierte mit Anhebung von Gehältern und Stipendien und mit einer Regierungsumbildung unter Beteiligung von Vertretern der Parteien und Gewerkschaften. Lamizana stellte eine neue Verfassung in Aussicht. Durch sein Entgegenkommen gelang es ihm sogar, die Gewerkschaften zu spalten. Im Januar 1977 wurde unter Beteiligung von drei Parteien eine Übergangsregierung gebildet, die eine neue Verfassung ausarbeitete, die durch ein Referendum am 27.November 1977 angenommen wurde.

Stärkste Fraktion in dem neuen Parlament der III. Republik wurde die UDV-RDA, von der sich aber 6 Abgeordnete um Joseph Ouédraogo zur "RDA-Front de Refus" abspaltete und einen Teil der Opposition bildete. Die starken Männer waren nun der wiedergewählte Präsident General Lamizana, Ministerpräsident Joseph ConomboÖffnet externen Link in neuem Fenster und Parlamentspräsident Gérard Kango Ouédraogo. Sie verfügten im Parlament nur über eine hauchdünne Mehrheit. Dennoch dominierte die RDA in fast allen Sektoren und schloss alle anderen Parteiangehörige aus. Dies führte zu mehr Geschlossenheit innerhalb der oppositionellen und gewerkschaftlichen Gruppierungen, zu denen sich neue kommunistische Parteien und Studentengruppen gesellten. Eine oppositionelle Großdemonstration auf dem "Place de 3.janvier" am 24. Februar 1979 wurde zum Auftakt für immer mehr Streiks, die im November 1980 durch den u.a. von Lehrern angezettelten „Streik der 56 Tage“ das Land paralysierten. Wieder machte die Armee, in der nun ein Generationenkonflikt brodelte, von ihrer Kontrollfunktion Gebrauch und löste die Regierungskrise militärisch. Oberst Saye Zerbo, ein Kousin von Lamizana, übernahm die Macht und löste die III. Republik auf.

1980-1982: Comité Militaire de Redressement pour le Progrès National (CMRPN)

Bild des dritten Präsidenten, Saye Zerbo
Saye Zerbo
(27.08.1932 -)
Quelle: Primature - Burkina

Oberst Saye Zerbo Öffnet externen Link in neuem Fenster übernahmÖffnet externen Link in neuem Fenster die Spitze der CMRPN (auf Deutsch: „Militärisches Sanierungskomitee für den Nationalen Fortschritt“). Sein Versuch, das öffentliche Leben zu modernisieren und zu moralisieren, stieß zunächst auf euphorische Zustimmung. Zerbo begann, Korruption und Laxheit der Staatsbediensteten zu bekämpfen. Der Gebrauch staatlicher Fahrzeuge wurde reglementiert und die höchsten Gehälter gekürzt. Sein Vorgehen wurde später als "vorrevolutionär" bezeichnet.

Ein Stimmungsumschwung trat mit Schließung von Bars während der Arbeitszeiten ein, war doch "la bièrre voltaïque" um 10:00 Uhr unter Funktionären zur Tradition geworden. Ungeschicklichkeiten und taktische Fehler folgten. Die Popularität des Regimes stumpfte weiter abÖffnet externen Link in neuem Fenster, als das Streikrecht beschränkt wurde und durch Forderung von Ausreisevisa die Emigration begrenzt wurde. Zerbo meinte, für die notwendigen Massnahmen das Land nach aussen abschotten zu müssen. Schnell fiel das Land in ein altes Kräftemessen zwischen Repressalien der Militärs und streikender Zivilbevölkerung zurück.

Innerhalb der Armee herrschte ein Generationenkonflikt zwischen Veteranen wie Lamizana, an modeneren Militärschulen ausgebildeten Obersten wie Zerbo und einer dritten Generation junger politisierter Hauptmänner, die die Regierung als "lax" und "bürgerlich" scharf kritisierten. Um diese "jungen Wilden" an den Regierungsgeschäften zu beteiligen, ernannte Zerbo Hauptmann Thomas SankaraÖffnet externen Link in neuem Fenster zum Staatssekretär für Informationspolitik. Dessen Aufsehen erregende Radioansprache zu seinem Rücktritt fünf Monate später („Schande denen, die das Volk knebeln!“) machte Sankara enorm populär und schweißte die jungen Militärs eng zusammen. Sankara kritisierte neben Repressalien der Regierung insbesondere, dass die gewählte Form der politischen Gestaltung nur einer Minderheit dienen konnte.

Eine politisch eher heterogene Gruppe von Militärs unter dem Namen "Mouvement du Salut du Peuple" geführt vom Chef des Panzerregiments Leutnant Kamboule putschte sich am 7. November 1982 an die Macht.  Oberst Zerbo wurde Verrat, Verschwendung, Korruption, Repressalien und Verletzung von Freiheitsrechten vorgeworfen.

1982-1983: Conseil de Salut du Peuple (CSP)

Jean-Baptiste Ouédraogo
Jean-Baptiste Ouédraogo
(30.06.1942 -)
Quelle: Primature - Burkina

Die Putschisten, die zuerst einen neuen Präsidenten bestimmen mußten, waren in ein rechtes Lager um Oberst Gabriel Yoryan Somé und Major Fidèle Guébré und ein linkes Lager gespalten, das von Thomas Sankara erwartete, das Amt des Präsidenten zu übernehmen. Doch der lehnte ab. Die jungen Offiziere konnten nur noch die Wahl eines der beiden konservativen Kandidaten verhindern, indem sie als Kompromiss Sanitätsmajor Jean-Baptiste OuédraogoÖffnet externen Link in neuem Fenster wählten. Der gerade promovierter Kinderarzt wurde somit als VerlegenheitskandidatÖffnet externen Link in neuem Fenster  Staatspräsident. Ouédraogo tendierte mehr und mehr zum konservativen Lager, während die linke Fraktion Thomas Sankara als Premierminister durchsetzen konnte. Die Folge war eine doppelköpfige Regierung. Ouédraogo wollte nur Kinderarzt sein und legte es darauf an, die Macht möglichst schnell wieder einer zivilen Regierung zu übergeben. Sankara sah darin nur die Wiedereinsetzung einer alten bourgeoisen Herrscherschicht, die zu bekämpfen die Jungoffiziere angetreten waren. Seiner Meinung nach musste erst die Korruption beseitigt und das Volk alphabetisiert, jeder Bürger zu einem "citoyen éclairé" werden. Die formale Demokratie mußte zurückgeschraubt werden, um die Grundlagen tatsächlicher Demokratie legen zu können. Zwei Lager standen sich unversöhnlich gegenüber. Frankreich übte durch seinen Afrikabeauftragten Guy PenneÖffnet externen Link in neuem Fenster erpresserischen Druck aus, woraufhin Sankara - angeblich wegen eines Blitzbesuches von Lybiens Staatschef Gaddafi - am 17.05.1983Öffnet externen Link in neuem Fenster durch einen Militärstreich verhaftet wurde. Dies löste wegen Sankaras großer Popularität vor allem unter Jugendlichen heftige Proteste aus. Sein enger Freund und Gefährte Blaise Compaoré floh in die Garnison Pô nahe der Grenze zu Ghana. Auch durch Rehabilitierung, Versetzung und der Aussicht auf eine neue Verfassung konnte Ouédraogo die Wogen nicht mehr glätten. Da nun auch Oberst Zerbo seine alten Getreuen neu formierte, standen sich drei Gruppen innerhalb der Armee Anfang August 1983 gegenüber und waren entschlossen, die Krise militärisch zu lösen. Blaise Compaoré reagierte als erster und organisierte von Pô aus den "Marsch auf Ouagadougou" am 04.08.1983Öffnet externen Link in neuem Fenster.

Der "Conseil National de la Révolution" (CNR) wurde gebildetÖffnet externen Link in neuem Fenster

1983-1987: Der Conseil National de la Révolution (CNR)

Thomas Sankara
Thoma Sankara
(21.12.1949 - 15.10.1987)
Quelle: Centre National de Presse Norbert Zongo

Die vier Jahre der RevolutionÖffnet externen Link in neuem Fenster, die nun folgten, waren stark von der PersönlichkeitÖffnet externen Link in neuem Fenster Thomas Sankaras bestimmt. Seine Politik trug Züge charismatischer Herrschaft. Er regierte das Land nach außen wie nach innen aus einem starken und kompromisslosen Gerechtigkeitsempfinden. Sein Ehrgeiz bestand darin, das Volk aktiv werden zu lassen, die eigenen Geschicke in die Hand zu nehmen  (Video: Der Che AfrikasÖffnet externen Link in neuem Fenster), um in Freiheit und Würde zu leben. Kein anderer burkinische Präsident dachte so panafrikanisch und zugleich so aufgeklärt europäisch wie Sankara und keiner bekämpfte so entschieden die patriarchalische Tradition.

Während die Vorgängerregierungen durch kurzfristige kostenintensive Industrialisierung das Land entwickeln wollten, den Staatsapparat aufblähten und sich auf das Militär stützten, hing nach Sankaras Meinung die Entwicklung des Landes von dem Willen und den Fähigkeiten der ländlichen Bevölkerung ab. Hier setzte er an, um einen Staatsapparat neu zu gestalten, in dem sich der Wille des Volkes entfalten konnte. Im Kern dieses Apparates stand der Viererrat der vier historischen Führer der Revolution, die Offiziere Thomas Sankara, Blaise Compaoré, Henri ZongoÖffnet externen Link in neuem Fenster und Jean-Baptiste Lingani. Darum befand sich als oberstes Entscheidungsorgan der CNR (Conseil National de la Révolution), welcher aus 20 - 60 revolutionär gesonnenen Führern und Militärs des Landes bestand. Die oft wechselnde wenig transparente Besetzung des CNR sollte Vetternwirtschaft, Begünstigungen und Politkarrieren von vorn herein ausschließen. Aus der CNR ging die Regierung aus überwiegend Zivilen hervor. Die Schnittstelle zwischen Volk und CNR bildeten die lokalen CDR (Comités de Défense de la Révolution), die basisdemokratisch auf allen Stufen des öffentlichen Lebens vertreten waren und deren Aufgabe die Entwicklung des Volkes an der Basis war.

Außenpolitisch fuhr die neue Revolutionsführung einen strikt antiimperialistischen Kurs, indem sie Vormachtstellungen einzelner Länder kritisierte und Verwerfungen der Globalisierung aufdeckte. Sie blieb betont blockfrei. Im Vordergrund stand die Unabhängigkeit und Selbstbestimmung aller Völker. Burkina Faso legte sich mit allen Ländern an, die als neokolonial galten, also wirtschaftliche und militärische Überlegenheit gegen afrikanische Völker oder revolutionäre Länder wie Nicaragua und Kuba ausspielten oder die das Apartheitsregime in Südafrika unterstützten. Besonders begegnete Sankara FrankreichÖffnet externen Link in neuem Fenster und den USA mit einer sehr offenen Sprache. Vor der Afrikanischen Union (Video)Öffnet externen Link in neuem Fenster forderte er alle afrikanischen Staaten auf, ihre Schulden nicht zurückzuzahlen.

Wirtschaftlich wurde – durch Slogen wie „consommons burkinabé“ propagandistisch unterstützt –  Eigenproduktion und Binnenmarkt gefördert. Z.B. mussten Beamte Kleidung aus nationaler ProduktionÖffnet externen Link in neuem Fenster tragen, den Faso dan faniÖffnet externen Link in neuem Fenster. Flaschenbier wurde aus einheimischer Hirse, nicht nach bayrischem Rezept gebraut (was aus Geschmacksgründen aber bald wieder rückgängig gemacht werden mußte).

InnenpolitischÖffnet externen Link in neuem Fenster stand der Kampf um soziale Gerechtigkeit im Mittelpunkt. Privilegien wurden gestrichen. Dabei fing Sankara als erstes bei sich selber an, indem er sein Gehalt kürzte und den Mercedes des Präsidenten der staatlichen Lotterie schenkte, um ihn gegen einen gebrauchten Renault 5 einzutauschen. Er flog in der Economy Class oder bat um Mitfluggelegenheiten etc.

Die Umbenennung des Landes von Obervolta in Burkina Faso („Land der Unbestechlichen“) geschah im Rahmen eines Programms zur Korruptionsbekämpfung, zu der auch Volksgerichtshöfe (TPR Tribunal Populaire RévolutionnaireÖffnet externen Link in neuem Fenster) mit Radio- und Fernsehübertragung eingerichtet wurden. Die TPR waren propagandistisch höchst effektiv, konnten sie doch auch vor Analphabeten die Klasse, die Jahrzehnte geherrscht hatte, als Diebe bloßstellen. Die Strafen für Korruptionsfälle fielen dabei eher milde aus, etwa „Pflanzen von zwei Hektar Wald“. Solche Strafen unterstrichen auch den hohen Stellenwert, dem der Umweltschutz nun zukam. Jeder Schüler kannte die „trois luttes“: Bekämpfung von Buschfeuer, Abholzung und Überweidung.

Mit CDR und TPR hatte Sankara die beiden Instrumente geschaffen, mit denen er auf breiter Basis seine PolitikÖffnet externen Link in neuem Fenster gegen bürgerlich-konservative und reaktionäre Kräfte absicherte und ein Gegengewicht zur Macht der traditionellen Chefs schuf.

Volksentwicklungspläne (PPD programme populaire de développement und plan quinquennal) ermöglichten die Erhöhung der Schulbesuchsquote, verbesserte die Volksgesundheit (Bau von Sanitätsstationen, Impfkampagnen), den Bau von Sozialwohnungen, Bau von Brunnen, Rückhaltebecken und Bewässerungssystemen und förderte die Gleichstellung der FrauÖffnet externen Link in neuem Fenster (Zugang zu Agrarflächen, Kampf gegen Polygamie, Zwangsehe, Brautpreis, Genitalverstümmelung…). Mit tatkräftigem Beitrag der Bevölkerung wurde der größte Teil dieser Entwicklungsprojekte umgesetzt. Für den wirtschaftlichen Pragmatismus bei der Sanierung staatlicher Unternehmen erhielt Burkina Faso sogar ein Lob der Weltbank. Das zivile Leben in der Stadt wurde durch Bekämpfung von Prostitution und von übermäßigem Alkoholgenuss moralisiert und die Staatsdiener diszipliniert. Volkssport wurde zur Pflicht. Strafgefangene wurden als Opfer sozialer Missstände resozialisiert. Am Nationalfeiertag bestritt die Mannschaft der Minister ein Fußballspiel gegen die Mannschaft der Strafgefangenen.

Der zum vaterländischen Kampf hochstilisierte Eisenbahnbau aus eigenen Kräften, battaille de railÖffnet externen Link in neuem Fenster, wurde – als sich de Ausbau als unrentable erwies - zu einem ersten großen Fiasko der Revolution. Viele Maßnahmen stellten sich – so richtig sie erkenntnistheoretisch waren – praktisch als kommandohaft übereilt, nicht fundiert und wenig nachhaltig heraus. Das banditenhafte Vorgehen unmündiger CDR-Kader, an die leichtfertig Waffen verteilt wurde, schuf der Revolution immer mehr Gegnerschaft. Sankara räumte Fehler der Revolution ein und stellte in Aussicht, dem Volk im nächsten Jahr (1988) weniger Opfer abzuverlangen. Doch das nächste Jahr sollte er nicht mehr erleben (24:30 Min Video  zur Epoche Sankara "L´assasinat de Thomas SankaraÖffnet externen Link in neuem Fenster").

Was Sankara qualitativ vom Typus des afrikanischen Präsidenten unterschied und heute als MythosÖffnet externen Link in neuem Fenster in ganz Afrika weiterleben läßt: Er pervertierte authentisch das Selbstverständnis aller seiner Vorgänger und vor allem das seines Nachfolgers. Der Präsident und die Regierenden hatten zur Zeit Sankaras dem Volk zu dienen anstatt s i c h  zu  b e dienen. Außergewöhnlich war, dass seinem Reden Taten folgten. Sankara wurde zu einer Hoffnung auf eine grundlegende Änderung des status quo. Auch wenn die Zeit der Revolution nicht unblutiger war als andere, sie wurde wie keine andere vom menschlichen Geist bestimmt, nicht vom gefräßigen Bauch.

Das Massaker vom 15.10.1987

Von Beginn der Regierung Sankaras an arbeiteten politische Fraktionen und Lobbyisten an der Beseitigung Sankaras. Für die USA war Burkina Faso auch noch zurzeit des ausgehenden Kalten Krieges militärisch-strategischen Interessen im Ost-Westkonflikt untergeordnet. Abdriften ins östliche Lager wurde nicht hingenommen. Für einen franco-afrikanischen Komplex (vor allem FrankreichÖffnet externen Link in neuem Fenster, Elfenbeinküste, Togo) mußten wirtschaftliche, politische und militärische Interessen gegen Sankara gewahrt bleiben. Mehrmals entkam Sankara AnschlägenÖffnet externen Link in neuem Fenster. Wer im eigenen Land gegen ihn putschen wollte, konnte sich zumindest auf die Zusammenarbeit und Anerkennung der politischen Führungen genannter Länder verlassen. Aber die Gründe für den Sturz Sankaras lassen sich nicht ausschließlich auf externe oder exogene FaktorenÖffnet externen Link in neuem Fenster reduzieren.

In nie gekannter Weise hatte die Revolution das Zivilleben politisiert und ideologisiert. Die Handlungsfähigkeit wurde durch zermürbende Diskussionen geschwächt, die mehr und mehr Verwirrung auslösten. An der Stelle der Viererführung des CNR stand 1987 ein 16-köpfiges „bureau politique“, in dem die politischen Organisationen, die das Regime unterstützten, vertreten waren und in endlosen Streitereien auseinander gingen. Flugblätter unbekannter Herkunft diffamierten Sankara im Juni 1987 als paranoid.  

Die Freundschaft zwischen Thomas Sankara und Blaise Compaoré erhielt tiefe Risse nach der sehr persönlichen Hinwendung des letzteren zum konterrevolutionären Lager der Elfenbeinküste und seinem – ganz anderen - mondänen Lebensstil: Er heiratete 1985 Chantal TerrassonÖffnet externen Link in neuem Fenster, die als Adoptivtochter des „reaktionären“ Félix Houphouët-BoignyÖffnet externen Link in neuem Fenster, Präsident der Elfenbeinküste, gilt. Die bekannte Handballerin und Hostess im Hotel Ivoire ist Enkelin des kolonialen Gouverneurs Terrasson de Fougère.

Hinter den entzweiten Freunden gruppierten sich zwei Lager, die sich in verhängnisvoller Weise militärisch gegenüberstanden und sich gegenseitig bedroht fühlten. Das Klima der Führenden beider Lager wurde zunehmend bestimmt von Misstrauen und Sprachlosigkeit (10 Min Video von TV 5 Monde, "Thomas SANKARA trahi et tué par son amiÖffnet externen Link in neuem Fenster").

Am Nachmittag des 15. Oktober 1987 gegen 16.20 Uhr begab sich Sankara im Jogginganzug in eine Sitzung seines speziellen Kabinetts im Regierungsviertel, um über die Herausgabe einer neuen Zeitschrift des CNR zu beraten. Wenige Minuten nach Beginn wurden die Teilnehmer von einem Erschießungskommando überrascht und auf der Stelle niedergemäht. Es sollte keine Zeugen des Massakers geben, daher wurden auch Chauffeure, Leibwächter und ein Botengänger ermordet. 13 Leichen, darunter die des Präsidenten, wurden auf einem Lastwagen zum Friedhof Dagnoen gefahren und sofort verscharrt. Gleichzeitig wurden engste Vertraute von Sankara verhaftet oder erschossen. Am RadioÖffnet externen Link in neuem Fenster meldete sich am späten Nachmittag eine „Front Populaire“. Als Chef der Volksfront wurde Hauptmann Blaise Compaoré Öffnet externen Link in neuem Fenster genannt. 

1987-1991: Front Populaire

Blaise Compaoré
Blaise Compaoré
(03.12.1951 -)
© L'Evénement

Zunächst beschuldigte die neue „Volksfront“ Sankara der Autokratie und des Abweichlertums vom rechten revolutionären Weg und leitete eine Phase der „RectificationÖffnet externen Link in neuem Fenster“ (="Begradigung") ein.

Der Front PopulaireÖffnet externen Link in neuem Fenster, dem im Kern etwa 30 Getreue von Blaise Compaoré angehörten, schaffte den CNR ab, löste das Parlament auf und entließ die 30 Provinzleiter (Haut-Commissaires). Die CDR wurde aufgelöst und durch die dem Lager von Compaoré gleichgeschaltete CR ersetzt. Obwohl die Vorzeichen revolutionär blieben, suchte Compaoré Unterstützung in konservativen Kreisen. Der Wiedereinstellung von 1.200 Lehrern, die wegen Streiks unter Sankara entlassen wurden, stellte er sich jetzt nicht mehr entgegen, konnte er sie so zu willigen Handlangern seiner Machtkonsolidierung gebrauchen. Liberalismus und Kapitalismus lebten wieder auf, gleichzeitig wurden Massenveranstaltungen nach stalinistischem Vorbild inszeniert. Aus der angekündigten Begradigung der Revolution wurde binnen kurzer Zeit die Wiederherstellung konservativer und neokolonialer Machtverhältnisse in Burkina Faso. Rigide Maßnahmen – so auch die Nicht-Aufnahme von Schulden – wurden zurückgenommen.

Kurz nach dem Massaker an tausenden Studenten in Peking 1989 reiste Compaoré als erster Staatschef der Welt wieder in das isolierte China. Bei seiner Rückkehr wurden Henri Zongo und Jean Baptiste Lingani, die mit Sankara und Compaoré zu den vier historischen Führern der Revolution gehörten, wegen angeblichem Putschversuch standrechtlich erschossenÖffnet externen Link in neuem Fenster und damit mundtot gemacht. Compaoré sicherte sich die Alleinherrschaft.

ab 1991: Demokratisierung und Liberalisierung

Politische und wirtschaftliche UmstrukturierungenÖffnet externen Link in neuem Fenster folgten Auflagen, die Burkina Faso von außen auferlegt wurden.

Auf dem franco-afrikanischen Gipfel von La BauleÖffnet externen Link in neuem Fenster im Juni 1990 machte der französische Staatspräsident François MitterrandÖffnet externen Link in neuem Fenster Entwicklungshilfe von Fortschritten in der Demokratisierung der Nehmerländer abhängig. Im Zuge einer weltweiten Demokratiebewegung (wind of change) und des Druckes der Zivilgesellschaft wurde in Burkina Faso daraufhin eine neue Verfassung ausgearbeitet und per Referendum am 11. Juni 1991 angenommen. Parteien formierten sich. Blaise Compaoré verließ das Militär und gründete die ODP-MT (Organisation pour la démocratie populaire – Mouvement du travail). Die Forderung der Opposition nach einer Nationalkonferenz blieb ohne Resonanz, woraufhin sie die Präsidentschaftswahlen von 1991 boykottierten. Die Wahlbeteiligung blieb sehr gering. Blaise Compaoré gewann als einziger Kandidat mit etwa 80 % der Stimmen und wurde erster Präsident der IV.Republik. Demonstrierende Regimegegner vor allem Schüler tobten auf der Straße und wurden niedergeknüppelt. Professor Oumarou Clément OuedraogoÖffnet externen Link in neuem Fenster , Bildungsminister und Generalsekretär der ODP-MT, wurde von Militärs auf Motorrad am 9. Dezember 1991 auf offener Straße erschossen.    

Bei den Parlamentswahlen erhielt die ODP-MT eine 2/3 Mehrheit.

Durch große Geldgeschenke an kleine Parteien, Presse und Gewerkschaften sowie gewaltsame Drohungen und Einschüchterungen stabilisierte Blaise Compaoré in den folgenden Jahren seine Macht. Oppositionelle Parteien wie die CNPP-PSD Öffnet externen Link in neuem Fenster unter Führung von Moussa Boly liessen sich im Februar 1996 mit der ODP-MP zur CDPÖffnet externen Link in neuem Fenster (Congrès pour la Démocratie et le Progrès) verschmelzen, die 1997 101 von 110 Mandate erzielte.

Weltbank, Welthandelsorganisation und Internationaler Währungsfonds (IWF) legten dem hochverschuldeten Burkina Faso ein Strukturanpassungsprogramm (PAS – programme d´ajustement structureÖffnet externen Link in neuem Fenster) auf, nachdem Staatsbetriebe privatisiert, Funktionäre entlassen und Sozialleistungen eingeschränkt werden sollten. Die Regierung akzeptierte die Auflagen der Weltbank und bekam neue Kredite. Intransparente Vergabepraktiken bei Privatisierungen führten weiter zum Heranwachsen einer reichen Oberschicht.

1998: Mord an dem Jounalisten Norbert Zongo

Norbert Zongo, ermordeter Journalist
Norbert Zongo
07.1949 - 13.12.1998
© www.mdbhp.org

Während es in den ersten Jahren der Herrschaft Compaorés zu zahlreichen Fällen von Folter, Mord und Verschwinden lassen (z.B. des Studentenführers Dabo BoukaryÖffnet externen Link in neuem Fenster) kam, weitete sich die Ermordung des investigativen Journalisten Norbert ZongoÖffnet externen Link in neuem Fenster am 13.12.1998 zu einem Politthriller aus, der die Macht des Präsidenten vorrübergehend erschütterte.

Norbert Zongo war Gründer und Herausgeber der unabhängigen Wochenzeitung L'IndépendantÖffnet externen Link in neuem Fenster und hatte bereits schwere Fälle von Wirtschaftskriminalität im Zuge von Privatisierungen aufgedeckt. 1998 recherchierte er über die Hintergründe der Folterung und Ermordung des Chauffeurs und Soldaten David Ouédraogo. Dies wurde für die Regierung unerträglich, da das Motiv dieses Verbrechens offenbar ein heikler AuftragÖffnet externen Link in neuem Fenster des Präsidentenbruders François CompaoréÖffnet externen Link in neuem Fenster an David Ouédraogo war, der auf keinen Fall bekannt werden durfte.

Unter der Parole „trop c´est tropÖffnet externen Link in neuem Fenster“ (="genug der politischen Morde") wurde das Land durch Streiks und DemonstrationenÖffnet externen Link in neuem Fenster mehr als zwei Jahre lang in Atem gehaltenÖffnet externen Link in neuem Fenster. Das akademische Jahr 1999-2000 der Universität wurde annulliert. Die Regierung antwortete den Demonstranten zunächst mit Prügeln und Tränengas und den oppositionellen Politikern, die sich zur "Gruppe des 14. Februar" oder zum "Collectif"Öffnet externen Link in neuem Fenster (Kollektiv gegen Straflosigkeit) zusammengeschlossen hatten, mit Arrest. Sie erkannte aber auch die Grenzen ihrer Willkürherrschaft und verstand, dass sie auf die neuen Gegebenheiten „zahm“ reagieren musste.

Der Präsident berief einen Rat bestehend aus den noch lebenden früheren Präsidenten sowie religiösen und traditionellen Oberhäuptern zusammen. Dieses „Kollegium der WeisenÖffnet externen Link in neuem FensteruntersuchteÖffnet externen Link in neuem Fenster politische Morde seit 1960 und formulierte 7-Punkte, auf die sich der Staatschef verpflichteteÖffnet externen Link in neuem Fenster. Ein Punkt war die Feier eines Tags der nationalen Versöhnung ("Journée Nationale de PardonÖffnet externen Link in neuem Fenster"), die mit großem Propagandaaufwand am 30.03.2001 zelebriert wurde. Die Opposition sprach von einer „Selbstabsolution“, an der die Witwen von Thomas Sankara und Nobert Zongo ihre Teilnahme absagten. Trotzdem gelang es Compaoré wie bei früheren Krisen auch dieses Mal – wider alle Erwartung – aus der „Affaire Norbert Zongo“ gestärkt hervorzugehen. Folter und Mord zur Durchsetzung innenpolitischer Ziele ließen nach. Am Grundproblem der Affäre, nämlich der StraflosigkeitÖffnet externen Link in neuem Fenster für staatlich gedeckte Verbrechen, änderte sich jedoch so gut wie nichts. Die Klage gegen den einzig noch verbliebenen Beschuldigten - einer starb gleich nach Prozessbeginn an einer seltsamen Gehirnkrankheit - wurde am 19. Juli 2006 aufgehoben.

=> Das System Compaoré

2005 kam Blaise Compaoré an das Ende seiner zwei verfassungsmäßig zulässigen Mandate. Doch er kandidierte ein drittes Mal. Verfassungsrichter erklärten den Art. 37Öffnet externen Link in neuem Fenster - der weiterhin nur zwei Mandate zuließ und in dem die Mandatszeit des Präsidenten von 7 auf 5 Jahre verkürzt wurde - wegen seiner zweimaligen Änderung für nicht rückwirkend. Sie holten somit für das faktisch 3. Mandat von Blaise Compaoré ein erneutes legales 1. Mandat aus dem Hut. Deutlich wurde bei allen Manövern um den Art. 37 (und dabei um nur eine Person), dass die Gewaltenteilung (Legislative, Exekutive, Judikative), Grundlage jeder Demokratie, in Burkina Faso faktisch inexistent ist.

Die Exekutivgewalt des Präsidenten dominiert nicht nur die Legislative und Judikative, sie setzt auch alle staatlichen Strukturen (Funktionäre, landesweite Institutionen, Fahrzeuge...) massiv für den Wahlkampf nur eines Kandidaten ein und lässt den zersplitterten Oppositionskandidaten kaum eine Chance, überhaupt bekannt zu werden. Für seinen Wahlkampf 2005 und 2010 erfreute sich Blaise Compaoré auch großzüger Spenden der Finanzeliten. Der Opposition dagegen fehlte zu jeder Zeit das wesentliche Mittel politischer Strategie: Geld. Compaoré präsentierte sich 2005 in den Dörfern archaisch als großer reicher Chef, der mit offenem „Hummer“ ankommt oder im Fesselballon einschwebt. Das Szenario wiederholte sich fünf Jahre später im November 2010Öffnet externen Link in neuem Fenster. Blaise Compaoré konnte sich jeweils etwa 80 % der Stimmen sichern.

Garantierte und weitgehend tolerierte Presse- und Meinungsfreiheit, Wahl von dezentralen Städte- und Gemeindeparlamenten (seit 1995) sowie die Duldung und Kandidatur oppositioneller Parteien bleiben gegenüber dem Machtmonopol des Präsidenten lediglich Kennzeichen eines semiautoritären Regimes. Sie können die Macht des Präsidenten nicht unterminieren. Wer seine Laufbahn in staatlichen Institutionen bestreiten will, stellt sich als erstes hinter den Präsidenten. Parteizugehörigkeit kommt erst an zweiter Stelle. So unterstützen manche Oppositionspolitiker wie Gilbert Ouédraogo (ADF-RDA)Öffnet externen Link in neuem Fenster die Kandidatur von Blaise Compaoré als Präsident, um nach der Parlamentswahl z.B. mit einem Ministerposten belohnt zu werden. Der Präsident ist die Spitze unzähliger miteinander verknüpfter Netze, in denen politische Entscheidungen in personenabhängiger Informalität getroffen werden. In Burkina spricht man vom "System CompaoréÖffnet externen Link in neuem Fenster".

Blaise Compaoré ist nach inzwischen 24-jähriger Herrschaft in die Reihe der sog. Dinosaurier AfrikasÖffnet externen Link in neuem Fenster getreten. Damit bezeichnet man Staatschefs, die - unter Ausnutzung institutioneller Schwächen insbesondere der Justiz - über Jahrzehnte alle politischen Mittel primär dafür einsetzen, bis zu ihrem Tod Präsident zu bleiben oder darüber hinaus Dynastien zu gründen (z.B. Familie Gnassingbé Eyadéma, Paul Biya, Familie Oumar Bongo, Robert Mugabe, Muammar al-Gaddafi...).

Zu den staatsmännischen Qualitäten von Blaise Compaoré gehören seine ausdauernde Ruhe, sein gemäßigtes aber festes Auftreten, seine strategische Weitsicht und kluge Manöver zwischen aufkommenden Stimmungen und externen oder internen Zwängen. Sein rhetorisches Unvermögen lässt ihn dabei eher menschlich erscheinen.

In Diplomatenkreisen genoss Blaise Compaoré zunehmend Ansehen, weil er als Garant für innere Stabilität galt und als gefragter Vermittler in Konflikten von Nachbarländern (Togo, Sierra Leone, Elfenbeinküste, Guinea) auftrat. Die Vorwürfe, Burkina Faso habe diese Konflikte selber geschürt (in LiberiaÖffnet externen Link in neuem Fenster, Sierra LeoneÖffnet externen Link in neuem Fenster, ElfenbeinküsteÖffnet externen Link in neuem Fenster), sind inzwischen - wenn auch nicht widerlegt so doch - folgenlos verhallt. Die Grundlagen der Stabilität, die Compaoré garantiert, scheinen manchem jedoch zweifelhaft. Es handelt sich nicht um eine institutionelle Stabilität, d.h. beruhend auf einer intra- und interorganisatorischen Stabilität demokratischer Institutionen. Sie steht und fällt mit einer Person und seiner Beherrschung der institutionellen Sektoren, seiner Komplizenschaft mit der Wirtschaft und seiner Verankerung im Militär. Diese personenbezogene Stabilität ist inzwischen zum stärksten Argument geworden, Blaise Compaoré als Präsident zu wählen. Da er keine Nachfolge organisiert hat, käme sein Abgang in den Augen vieler einem Zusammenbruch oder einem freien Fall ins Chaos gleich, in dem der Staatszerfall droht.

Blaise Compaoré hat bisher nicht klargestellt, dass er 2015 sein Präsidentenamt einem Nachfolger zu übergeben bereit ist. Alles deutet darauf hin, dass das "System Compaoré" an seinem weiteren Machterhalt arbeitet. Schon 2010 wurde von Seiten der CDPÖffnet externen Link in neuem Fenster eine DiskussionÖffnet externen Link in neuem Fenster um eine erneute Änderung des Artikel 37 entfachtÖffnet externen Link in neuem Fenster, an der sich auch in Deutschland lebende BurkinerÖffnet externen Link in neuem Fenster beteiligten. Während der Unruhen in der ersten Hälfte von 2011 ebbte die Diskussion ab. Von verlängerten ArmenÖffnet externen Link in neuem Fenster des Präsidenten wird aber seit Ende 2011 wieder versucht, eine Verfassungsänderung und eine erneute Kandidutur von Blaise Compaoré 2015 herbeizureden. Befürworter eines Machtwechsels ("l´alternance") nahmen diese Diskussion zum Anlass, die Ausarbeitung einer neuen VerfassungÖffnet externen Link in neuem Fenster zu fordern und ein Referendum darüber entscheiden zu lassen. Dabei greifen sie die von Salif DialloÖffnet externen Link in neuem Fenster Mitte 2009 geäußerte IdeeÖffnet externen Link in neuem Fenster auf, Exekutivrechte des Präsidenten auf das Parlament zu übertragen. Damit soll der Patrimondialisation des Staates entgegen getreten und das "System Compaoré" durch eine vom Parlament dominierten Regierungsform abgelöst werden.

Nach Thomas Sankara hat die burkinische Gesellschaft keinen neuen charismatischen Führer hervorgebracht, der eine Neuorientierung verkörpert und das Gemeinwesen auf neue Grundlagen zu stellen verspricht.

Trotz wechselvoller Entwicklungen in über 50 Jahren bleibt Demokratie in Burkina Faso ein loses Bündel an mehr oder weniger funktionierenden aber oft doch lebendigen Institutionen in der Hand eines Statthalters, dessen Prinzipien Geld und Machterhalt sind.

Der Staat

=> Staatsform, Verfassung und Gewaltenteilung

Burkina Faso ist laut Verfassung Öffnet externen Link in neuem Fenster von 1991 eine laizistische präsidiale Republik mit Mehrparteiensystem. Der Präsident wird als Staatsoberhaupt alle 5 Jahre direkt gewählt und besitzt weitreichende Vollmachten. Der Präsident ernennt den Premier ministre Öffnet externen Link in neuem Fenster und das Regierungskabinett. Präsident und Regierungskabinett bilden die exekutive Gewalt. Die Legislative liegt bei der Assemblée Nationale Öffnet externen Link in neuem Fenster (dem Parlament). Die 111 Parlamentarier werden für 5 Jahre gewählt.
Das oberste Verfassungsgericht hat die Judikative. Gemäß geschriebenem Recht ist die Justiz unabhängig und institutionell ausdifferenziert. Sie wird jedoch von der Exekutiven dominiert und politisiert. Ihre Funktionsweisen sind in erheblichem Maße dysfunktional, was am Deutlichsten in Fällen von Straflosigkeit zutage tritt. Politischer Druck, mangelnde Ausbildung und schlechte Ausstattung stehen in direktem Zusammenhang mit der tief im burkinischen Justizwesen verwurzelten Korruption, bemängelt der Tranformationsindex Öffnet externen Link in neuem Fenster der Bertelsmannstifung (Zurzeit ist Burkina Faso auf Rang 68 von 128 Ländern in Demokratieentwicklung).
Die Dominanz des Präsidenten, sein uneingeschränkter Zugriff auf die Sicherheitskräfte, sein Einfluss auf die Exekutive, die Legislative und das Justizsystem sowie sein Einfluss auf die Berufung der Verfassungsrichter beschränken substantiell das Prinzip der Gewaltenteilung.

 

Recht, Rechtssystem und Ordnung

Als Forderung des  Kollegium der Weisen (s.o.) wurde im April 2000 das hauptsächlich nach französischem Vorbild aufgebaute Rechtssystem reformiert und die Cours Suprême (oberster Gerichtshof) in vier unabhängige Rechtssprechungsinstanzen zersplittert: Den Conseil Constitutionne Öffnet externen Link in neuem Fenster (Verfassungsgericht), die Cours de Cassation Öffnet externen Link in neuem Fenster (Kassationsgericht), den Conseil d'EtatÖffnet externen Link in neuem Fenster (Verwaltungsgericht) und die Cours des Comptes Öffnet externen Link in neuem Fenster (Rechnungshof).
Die Unabhängigkeit der Justizbeamten ist im Artikel 129 der Verfassung verankert. Die Beamten sind unabsetzbar. Das JustizministeriumsÖffnet externen Link in neuem Fenster und die Banque de données juridiques du BurkinaÖffnet externen Link in neuem Fenster bieten weitere Informationen über das Rechtssystem und aktuelle Gesetzestexte.

Die Todesstrafe ist weiter schärfste Sanktion, wurde aber von 1988 bis 2009 in zivilen Gerichtsverfahren nicht verhängt.

Für innere Sicherheit sind die Polizei und die dem Militär zugehörige Gendarmerie (zusammen etwa 8.000 Einsatzkräfte) zuständig. Sie gehen gegen Klein- und Gewaltkriminalität vor, werden aber seit Jahren nicht Herr über das Unwesen der coupeurs de routeÖffnet externen Link in neuem Fenster (Wegelagerer, bewaffnete Straßenräuber) vor allem im Südosten des Landes. Festgenommene coupeursÖffnet externen Link in neuem Fenster de route landen selten vor einem zivilen Gericht.

Daneben sind traditionelle Rechtsinstanzen wie Erdpriester oder Stammesälteste, die mit Hilfe der Ahnen ungeschriebenes überliefertes Stammes- bzw. Familienrecht in Geltung setzen, weiterhin existent. Häufig beklagte Hexereidelikte oder Tabubrüche (z.B. Verweigerung nach Eheversprechen) werden von dem modernen Rechtssystem nicht behandelt.

Politische Parteien

Es gibt heute in Burkina Faso über 120 ParteienÖffnet externen Link in neuem Fenster. Im 2007 gewählten Parlament (111 Sitze) vertreten sind die

Regierungspartei:

  • Congrès pour la Démocratie et le Progrès (CDPÖffnet externen Link in neuem Fenster )  73 Sitze

Oppositionsparteien:

  • Alliance pour la Démocratie et la Fédération-Rassemblement Démocratique    Africain (ADF/RDA Öffnet externen Link in neuem Fenster14 Sitze
  • Union pour la Renaissance/ Parti Sankariste (UNIR/PS Öffnet externen Link in neuem Fenster)  6 Sitze
  • Union pour la République (UPR)  5 Sitze
  • Convention des Force Démocratique du Burkina (CFD/B)  3 Sitze
  • Parti pour la Démocratie et le Progrès - Parti Socialiste (PDP/PS)  2 Sitze
  • Parti pour la Démocratie et le Socialisme (PDS)  2 Sitze
  • Rassemblement pour le Développement du Burkina (RDB)  2 Sitze
  • Parti Africain de l´Indépendance (PAI)  1 Sitz
  • Parti de la Renaissance National (PAREN)  1 Sitz
  • Rassemblement Populaire des Citoyens (RPC)  1 Sitz
  • Union pour la Démocratie et le Progrès Social (UDPS)  1 Sitz


Die Opposition bleibt nach wie vor heillos zerstritten und stellt kein wirkliches Gegengewicht zur Regierungspartei dar. Dennoch kann sie Auswüchse unkontrollierter Willkürherrschaft der Regierungspartie eindämmen.

Auch bei Kommunalwahlen gewannen die Oppositionsparteien weniger als 30 % der Sitze.

Formaler Staatsaufbau

Die 13 Regionen des Landes Burkina Faso
Aktuelle Regionen und Provinzen.
Quelle: IGB (Institut de Géographie du Burkina)

Burkina Faso ist  in 13 RegionenÖffnet externen Link in neuem Fenster aufgeteilt, die aus 45 Provinzen bestehen. Den Provinzen sind wiederum 350 Departements untergeordnet. Die Departements bilden die unterste Verwaltungsebene. Der Staat ist auf dem gesamten Territorium mit grundlegender Verwaltungsinfrastruktur präsent, auch wenn diese in weiten Teilen des Landes mangelhaft funktioniert. Verantwortlich ist das Ministère de l´Administration Territoire et de la Décentralisation (MATDÖffnet externen Link in neuem Fenster).

Den Regionen stehen als oberste lokale Autoritäten Gouverneure (les treize gouverneursÖffnet externen Link in neuem Fenster) vor, den Provinzen Kommissare (haut-commissaires) und den Departement Präfekten (préfets).

Dezentralisierung

Im Februar 1995 startete in der Praxis die Dezentralisierungspolitik Öffnet externen Link in neuem Fenster, als die ersten Kommunalwahlen in 33 Stadtgemeinden abgehalten wurden. Die Dezentralisierungspolitik Öffnet externen Link in neuem Fenster, deren Sinn eine verstärkte Wahrnehmung der Eigenverantwortung der ländlichen oder städtischen Gemeinden durch Kompetenz- und Ressourcenübertragung ist, beruht auf der Verfassung vom 2. Juni 1991. Im September 2000 wurden die Gemeinderäte in diesen 33 städtischen Kommunen erneuert und 16 neue Stadtgemeinden geschaffen. Die ersten flächendeckenden KommunalwahlenÖffnet externen Link in neuem Fenster fanden am 23. April 2006 statt. Die Wahlen haben in 357 Kommunen (davon 308 Landkommunen) stattgefunden. 70 politische Parteien warben mit ihren Kandidatenlisten um 17.786 Ratssitze. Nach den endgültigen Wahlergebnissen der "Commission Electorale Nationale Indépendante" (CENI Öffnet externen Link in neuem Fenster) hatte die präsidentennahe Regierungspartei CDP 72 % der zu besetzenden Sitze errungen.   
Die Umsetzung der schrittweisen Dezentralisierungsreformen unterstützt die GIZ mit deutschen Entwicklungsgeldern bis voraussichtlich 2017 in ihrem Projekt „Dezentralisierung und KommunalentwicklungÖffnet externen Link in neuem Fenster“, dabei vor allem die Punkte   

  •   Stärkung der Fähigkeiten der lokalen Akteure,
  •   Förderung der lokalen Entwicklungsplanung,
  •   Steuerung und Koordination des Reformprozesses.

Nach Meinung der Projektverantwortlichen „befindet sich der Aufbau bürgernaher lokaler Regierungs- und Selbstverwaltungsstrukturen trotz erklärten politischen Willens noch in den Anfängen. Die Entwicklung der gesetzlichen Grundlagen ist zudem noch nicht abgeschlossen, was insbesondere die Übertragung der Kompetenzen und Ressourcen an die Gemeinden behindert. Die Ausstattung der meisten Gemeinden und regionalen Behörden sowie die administrativen und technischen Kompetenzen sind folglich weiterhin unzureichend.“ (www.gtz.de)

=> Die Innenpolitik

Machthaber und Machtgruppe

Die Dezentralisierung wird in einem Kontext durchgeführt, in dem unterschiedliche Machtstrukturen, die alle eine Rolle hinsichtlich der Regulierung der Gesellschaft spielen, bereits mehr oder weniger lose koexistieren. Vor allem in Krisensituationen (z.B. Kollegium der Weisen mit Königen, Kardinälen und Imame) wird diese Koexistenz traditioneller, religiöser und staatlicher Machtstrukturen heraufbeschworen.  Nachdem die Regierung Thomas Sankaras die traditionellen Herrschaftssysteme als feudale Gesellschaftsordnung angeprangert und durch die Verteidigungskomitees deutlich eingeschränkt hatte, wurden sie von seinem Nachfolger rehabilitiert ohne deren Status genau zu definieren. Der Schulterschluss mit den traditionellen Häuptlingen kam nicht von ungefähr, da die traditionellen MachtstrukturenÖffnet externen Link in neuem Fenster im neuen Kontext der "freien Wahlen" für die Stimmengewinnung durch Geschenke und Huldigungen massiv genutzt werden können. 

Wahlen und politische Partizipation

Die letzten PräsidentschaftswahlenÖffnet externen Link in neuem Fenster fanden am 21. November 2010 statt. Die Wahlbeteiligung lag bei 54,9 %. Unter den 6 Bewerbern wurde der amtierende Präsident Blaise Compaoré mit offiziell 80,2 % der Stimmen gewählt. Zweiter wurde Hama Arba DialloÖffnet externen Link in neuem Fenster mit 8,2 % und Dritter Bénéwende Stanislaw SankaraÖffnet externen Link in neuem Fenster mit 6,3 % der Stimmen. Dem geänderten und vieldiskutierten Artikel 37 der Verfassung zufolge wird der Präsident alle fünf Jahre gewählt und ist einmal wiederwählbar. Der Präsident hat damit (gemäß allen Interpretationen von Art. 37) sein definitiv letztes Mandat angetreten.

Die letzten ParlamentswahlenÖffnet externen Link in neuem Fenster fanden am 6. Mai 2007 statt. Alle fünf Jahre wird das Einkammerparlament, die Assemblée NationaleÖffnet externen Link in neuem Fenster, gewählt. Bei einer Wahlbeteiligung von 56,43 % behielt die regierende Partei CDP weiterhin mit insgesamt 73 von 111 Sitzen im GesamtergebnisÖffnet externen Link in neuem Fenster dieser Wahlen die absolute Mehrheit im Parlament.
Die aktuelle RegierungÖffnet externen Link in neuem Fenster umfasst 30 Minister. Fünf davon sind stellvertretende Minister (ministres délégués). Als Reaktion auf Unruhen und Meutereien kam es am 18. April 2011 zu einer Regierungsumbildung. RegierungschefÖffnet externen Link in neuem Fenster ist seitdem Luc-Adolphe TiaoÖffnet externen Link in neuem Fenster, der Tertius ZongoÖffnet externen Link in neuem Fenster ablöste.

Die Verfassung garantiert allen Bürgern die Bestimmung der Volksvertreter durch direkte, allgemeine, gleiche und freie Wahlen. Das aktive und passive Wahlrecht ist gewährleistet. Politische und zivilgesellschaftliche Gruppen können sich frei bilden.
In der Regel respektiert die Regierung auch das in der Verfassung verankerte Recht der Versammlungsfreiheit. Sie hat aber wiederholt versucht, das Demonstrations- und Streikrecht der Bürger einzuschränken. 

Die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Wahlkampf sind für Parteien und Kandidaten jedoch ungleich. Während der amtierende Präsident und die Regierungspartei über ausreichende Geldmittel sowie Verankerung im staatlichen Verwaltungsapparat und in staatlichen Medien verfügen, ist es für alle anderen nahezu aussichtslos, sich landesweit als politische Alternative zu positionieren. Kauf, Einschüchterung und Zersplitterung der Opposition sowie Manipulation von Wahllisten zählen zu den Strategien der Regierungspartei. Die Existenz der Opposition dient weitgehend als Deckblatt zur formellen Wahrung äußerer demokratischer Strukturen.

Zivilgesellschaft

Burkina Faso verfügt über eine sehr bunte zivilgesellschaftliche Landschaft Öffnet externen Link in neuem Fenster, die frei vom Einfluss des Präsidenten und der regierenden Einheitspartei blüht. Die zahlreichen aktiven Organisationen konnten bisher erheblichen Einfluss auf die politische Gestaltung von Sozial- und Wirtschaftspolitik nehmen. Die dominierenden Organisationen sind Gewerkschaften, Schüler- und Studentenvereinigungen sowie Menschenrechtsorganisationen. Insbesondere das Gewerkschaftssystem mit dem Dachverband "Confédération Générale du Travail Burkina (CGTB Öffnet externen Link in neuem Fenster)" verfügt über einen hohen Organisationsgrad und hat oft dezidiert Einfluss auf den politischen Kurs nehmen können.

Zu den Hauptorganisatoren von Massenproteste der letzten Jahre gehört die Menschenrechtsbewegung "Mouvement Burkinabè des Droits de l'Homme et de Peuples" (MBDHPÖffnet externen Link in neuem Fenster). In Burkina Faso steht sie an der Spitze einer Demokratiebewegung und führte maßgeblich die Proteste nach dem Tod von Norbert Zongo. Der MBDHP ist in 27 Provinzen mit lokalen Büros vertreten.

In den Dörfern gibt es Tausende von Bauern- und Selbsthilfegruppen, Frauenvereinigungen, sowie NROs zur Lösung von Entwicklungsproblemen.

Frühjahr 2011 - Tunesien in Koudougou

In den vergangenen Jahren, vor allem im März und April 2008, kam es in Ouagadougou zu großen KundgebungenÖffnet externen Link in neuem Fenster und Streiks gegen die Teuerung des Lebens. Unter dem Slogan „vie chère“ entstand eine Bewegung, die sich durch Demonstrationen mit brennenden Autoreifen Gehör verschaffte. Die staatlichen Organe reagierten mit Massenverhaftungen. Ohne rechtliche Grundlage wurden auch Gruppen von Kindern verhaftet.

Im Frühjahr 2011 kam es durch die Entwicklung in der Elfenbeinküste zu erneuten Preissteigerungen, was für neuen sozialen Brennstoff sorgte. Die Unzufriedenheit über die Preise mischte sich mit anderen sozialen Missständen, aufgestauter Wut und einem Funken Revolution, der aus Tunesien und Ägypten überzuspringen verhieß. Am 22.Februar 2011 löste der Tod des Schülers Justin Zongo in Koudougou infolge von Misshandlungen durch die Polizei (und die infame Lüge der offiziellen Seite, er sei an Meningitis gestorben) heftige ProtesteÖffnet externen Link in neuem Fenster unter Schülern ausÖffnet externen Link in neuem Fenster. Ein Slogan lautete: „Tunesien in Koudougou“.  Nicht nur in Koudougou, auch in Fada N`Gourma, Ouahigouya, Gaoua, Po, Leo, Tenkodogo… gingen Polizeistationen und Polizeiautos in Flammen auf. Allein Koudougou beklagte dabei ein halbes Dutzend Toter, darunter 4 weitere Schüler. Der Anlass wie die Entladung der angestauten Wut blieb jedoch unpolitisch. Der Versuch von 34 Oppositionsparteien, im Zuge dieser Unruhen den Präsidenten zu stürzen ("dégage BlaiseÖffnet externen Link in neuem Fenster"), misslang kläglich.

Mitte AprilÖffnet externen Link in neuem Fenster meuterten Soldaten der Präsidentengarde, weil sie sich um Prämien betrogen sahen. Selbst im Präsidentenpalast wurde geschossen. Der Präsident musste in seine Heimat nach Ziniare fliehenÖffnet externen Link in neuem Fenster, ernannte vier Tage später einen neuen Premierminister und arrangierte sich mit seiner Elitetruppe. Vielerorts kam es zu neuen Meutereien und PlünderungenÖffnet externen Link in neuem Fenster durch Polizei und Militär. Der Justizpalast wurde angegriffen. Schließlich gab es kein Entgegenkommen des Präsidenten. Er schickte seine Elitesoldaten nach Bobo Dioulasso, um eine Meuterei blutig niederzuschlagenÖffnet externen Link in neuem Fenster.

In der zweiten Hälfte von 2011 beruhigte sich die Lage. Unruhen solchen Ausmaßes, bei denen es um Prämien und materielle Güter ging, hatte es in Burkina Faso vorher noch nicht gegeben. Die Tatsache, dass der Justizpalast in Fada N´GourmaÖffnet externen Link in neuem Fenster beschossen wurde und gefangene MilitärsÖffnet externen Link in neuem Fenster auch in Ouagadougou willkürlich befreitÖffnet externen Link in neuem Fenster wurden, deckte die institutionelle Instabilität des Landes auf.

Presse und Medien

Medienlandschaft
Medienlandschaft.
Graphik und Bildbearbeitung: Honorat Badiel.

Printmedien

In Burkina Faso erscheinen über 30 Zeitungen, von denen etwa die Hälfte auch online zu lesen ist. Mediensprache ist Französisch. Daneben gibt es Zeitschriften in lokalen Sprachen.

Tagespresse:

  •    L'Observateur PaalgaÖffnet externen Link in neuem Fenster        (bis 10.000 Ex.)
  •    Le PaysÖffnet externen Link in neuem Fenster                          (liberal, 3.000 Ex.)
  •    SidwayaÖffnet externen Link in neuem Fenster                         (staatlich, 3.000 Ex.) 
  •    L'Express du Faso Öffnet externen Link in neuem Fenster           (Bobo-Dioulasso, 1.500 Ex.)

Wochenzeitschriften:

Onlinemedien (Presserückschau):

Als kritische Presse kann man l´Indépendant, Bendré, und l´Evénement mit zum Teil namhaften Journalisten bezeichnen. Printmedien spielen aber nur eine geringe Rolle in der Medienlandschaft. Daher kann die Regierung tolerant mit ihnen umgehen. Der hohe Anteil an Analphabeten (ca. 80%) und die mangelnde Kaufkraft sind einige der großen Hindernisse für die Entwicklung dieser Medien. Vermutlich erreichen Print- und Onlinemedien lediglich 5 % der Bevölkerung.

Rundfunk und Fernsehen

Online sehen + hören:

Radiodiffusion-Télévision du Burkina (RTBÖffnet externen Link in neuem Fenster) ist der Name der nationalen Hörfunk- und Fernsehanstalt Burkina Fasos. Neben ihr gibt es heute über 70 private Radiostationen (RepertoireÖffnet externen Link in neuem Fenster der Medien und Frequenzen auf FMÖffnet externen Link in neuem Fenster), davon etwa die Hälfte auf dem Land.

Mehrere internationale FM-Radiostation (RFI, BBC, V.O.A., Africa N°. 1) befinden sich in Ouagadougou und senden.

Der Musiker Moustapha Thiombiano ist legendärer Radiopionier in Burkina Faso. Thiombiano hatte in den USA mit Stevie WonderÖffnet externen Link in neuem Fenster gearbeitet und Musiksendungen in Los Angelos moderiert, bevor er 1986 nach Burkina Faso zurückkehrte. Noch zur Zeit Sankaras hat er „das erste freie Radio im frankophonen West-Afrika“ installiert und 1990 unter dem Namen Horizon FM Fréquence Magique, 104.4Öffnet externen Link in neuem Fenster“ in Betrieb genommen. Er installierte über ganz Burkina Faso zahlreiche lokale Sender. Inzwischen sind viele dem Beispiel Thiombianos gefolgt. Radio PulsarÖffnet externen Link in neuem Fenster z.B. ist ein 1996 als GmbH in Zusammenarbeit mit BBC gegründeter Musiksender, der heute besonders Jugendliche anspricht. Radio Savane FMÖffnet externen Link in neuem Fenster wurde 1999 von drei Aktionären gegründet, sendet auch in Yako und bald in Kaya.

Während in den Städten die Programmgestaltung hauptsächlich Musik, Werbung, Sport oder Nachrichten vorwiegend in Französisch umfassen, wird das Programm auf dem Land in den Nationalsprachen gesendet und gilt besonders der Bildung, Unterhaltung und Aufklärung der Menschen dort. Sehr beliebt auf dem Land sind Sendungen, bei denen alte Mythen und Märchen vorgetragen werden.

Neben dem staatlichen RTB kann man in Burkina noch mit einer speziellen billigen Antenne das französische TV 5 empfangen. Außerdem gibt es in Ouagadougou private TV-Anstalten, die auch im Umkreis anderer größerer Städte analog zu empfangen sind:

sowie die beiden konfessionellen Sender


Canal 3 gehört der größten libanesisch dominierten Unternehmensgruppe im Land, der „Groupe Fadoul Afrique“. Besonderer Beliebtheit erfreut sich die Komödienepisode „Le BobodioufÖffnet externen Link in neuem Fenster“. Canal 3 bietet auch Informationen und Debatten. Pay TV ermöglicht den Empfang von über 90 Kanälen weltweit, zu haben bei isecÖffnet externen Link in neuem Fenster. Das Bezahlfernsehen Canal+ kann auch abonniert werden.

Eine kommentierte Liste der wichtigsten Zeitungen und Radio- und Fernsehanstalten bietet das Centre National de Presse Norbert ZongoÖffnet externen Link in neuem Fenster an sowie eine Seite über die Medien in Burkina Faso.Öffnet externen Link in neuem Fenster

Pressefreiheit

Auch wenn Burkina Faso als semiautoritäres Regime klassifiziert wird, besitzt das Land einen pluralistischen MediensektorÖffnet externen Link in neuem Fenster.

Fortschritte in der Wahrung der Pressefreiheit bestätigt die internationale NRO Reporter ohne Grenzen (RoG) Burkina Faso in ihrem Jahresbericht 2010Leitet Herunterladen der Datei ein, der das Land in seinem Ranking 2010 erstmals in die Top 50 aufgenommen hat. Sie erinnert jedoch daran, dass die Strafverfolgung der Ermordung des Journalisten Norbert Zongo vor zwölf Jahren keinen richterlichen Abschluss gefunden hat. Hintergrund ist auch, dass Robert Ménard, Gründer und Generalsekretär von RoG, selber in Burkina Faso an diesem Fall recherchierte und dafür ein Einreiseverbot nach Burkina Faso erhielt.  Auf der aktuellen WeltranglisteÖffnet externen Link in neuem Fenster zur Pressefreiheit steht Burkina Faso zusammen mit Italien auf Rang 49 von 178 Ländern, aber weit hinter den Nachbarländern Ghana und Mali (beide auf Rang 26) (zum Vergleich: Schweiz Rang 1, Österreich Rang 7, Deutschland Rang 17). 

Wenn die Pressefreiheit heute mehr geachtet wird, liegt dies einmal am internationalen Druck, andererseits an mutigen Journalisten wie Norbert Zongo oder Moustapha Thiombiano.

Da die Printmedien nur eine kleine intellektuelle Oberschicht erreicht, geht bei Zeitschriften die äußere Freiheit am weitesten. In kritischen Zeitschriften können heikle Themen aufgegriffen werden oder gegen Regierung und Präsidenten polemisiert werden.

Die Freiheit des Radios hat Moustapha Thiombiano in zähem Kampf der Regierung abgerungen. Er war in Burkina Faso vielen Repressalien ausgesetzt, mußte Razzien über sich ergehen lassen, untertauchen und während der Krise um Nobert Zongo nach Ghana fliehen.

Über lange Zeit war das staatlich gelenkte Fernsehen von RTB das einzige burkinische Fernsehen, obwohl Moustapha ThiombianoÖffnet externen Link in neuem Fenster neben seinen privaten Radiostationen von Horizont FMÖffnet externen Link in neuem Fenster längst komplett ausgestattete Fernsehstudios in Bereitschaft hielt. Er erhielt 1995 eine Lizenz für seinen Fernsehsender TVZ. Da aber niemand mehr die Nachrichten der staatlichen RTB schaute, die bei TVZ in einem neuen politischen Couleur erschienen, wurden ihm die Frequenzen nach wenigen Wochen wieder entzogen und durch andere ersetzt, die nicht seiner Ausrüstung entsprachen. Das Verhalten des Informationsministeriums war eindeutig politisch motiviert. Thiombiano wartet weiter auf die zugesagte Wiederzulassung von TVZÖffnet externen Link in neuem Fenster.

Der politische Informationsgehalt der bisher zugelassenen privaten TV-Sender, die sich vorwiegend mit Spiritualität, Musik und Sport befassen, ist zu gering, als dass von einem Pluralismus im Bereich des Fernsehens die Rede sein kann.

In einem Land wie Burkina Faso, das zu den ärmsten der Welt zählt, stoßen Medien, insbesondere die Printmedien, schnell an wirtschaftliche Grenzen. Zeitschriften können sich selten aus sich selbst finanzieren und müssen subventioniert werden. Daraus entstehen Abhängigkeiten .

Nachrichtensendungen auf der staatlichen RTB um 20.00 Uhr bestehen neben den aktuellen Meldungen aus Burkina und der Welt (meist vom französischen Fernsehen übernommen) zu einem großen Teil aus einer Aneinanderreihung 2-minütigen Reportagen von Entwicklungsprojekten, Workshops oder diplomatischen Empfängen, die alle einen monoton optimistischen Ton anschlagen und die Situation beschönigen. Das liegt daran, dass sich das Fernsehen für die Ausstrahlung solcher Beiträge wie Dienstleister bezahlen lässt. Somit steht von vornherein die Welt im Fokus, in der Geld fließt. Auch wenn soziale Themen des Landes im Mittelpunkt vieler Beiträge stehen, werden sie aus der Sicht von „Entwicklungsmarklern“ gezeigt, die selber im Lande eine Oberschicht bilden.

Menschenrechte und Korruption

Formal ist Burkina Faso ein demokratischer Staat, in dem die Menschenrechte garantiert sind. Laut Amnesty International ist die Todesstrafe in der Praxis abgeschafft. Trotzdem werden im Bericht von 2010 6 Todesurteile von zivilen Gerichten in Dedougou beklagt, die ersten seit 1988.

Laut Bericht von Amnesty International 2011Öffnet externen Link in neuem Fenster  wurde erneut ein Todesurteil in Bobo Dioulasso gegen einen Brudermörder ausgesprochen. Ferner berichtet amnesty von Misshandlungen von verdächtigten Straftätern mit tödlichem Ausgang.

Berichte über Mißhandlung der Polizei an Schülern und Kaufleuten in Koudougou und anderen Orten mit Todesfolgen sowie Zwischenfälle bei Soldatenmeutereien und deren Niederschlagung sind für den Jahresbericht 2012 zu erwarten.Im Dezember 2011 wurde erneut von Todesurteilen in GaouaÖffnet externen Link in neuem Fenster berichtet.

Seit einigen Jahren weist amnesty auf die hohe Müttersterblichkeitsrate in Burkina Faso hin und versucht, mit Appellen an die Verantwortlichen der Gesundheitsbehörden durch mehr Engagement und politische Entschlossenheit eine Verbesserung zu erzielen.

Die burkinische Menschenrechtsbewegung MBDHP gibt ebenfalls regelmäßig BerichteÖffnet externen Link in neuem Fenster zu den Menschenrechten in Burkina Faso heraus.

Praktiken der Hexenvertreibung, Genitalverstümmelung und Zwangsheirat sind mit universellen Menschen- bzw. Frauenrechten nicht vereinbar. Es handelt sich hierbei um alltägliche Vorkommnisse, die seit langem aber keine Tabuthemen mehr sind.

Die KorruptionÖffnet externen Link in neuem Fenster stellt, zusammen mit der Straflosigkeit, das eigentliche Krebsgeschwür der burkinischen Gesellschaft dar. In der Liste des Korruptionswahrnehmungsindex 2008 (CPI) von Tansparency International belegte Burkina Faso mit dem nicht sonderlich schmeichelhaften Wert 3,5 den 80. Platz und verbesserte sich 2009 nur geringfügig. In dem CPI 2010Öffnet externen Link in neuem Fenster hat das Land seinen Wert verschlechtert und ist mit 3,1 Punkten auf den 98. Platz von 178 Ländern abgerutscht und teilte sich laut CIP 2011Öffnet externen Link in neuem Fenster mit 7 anderen Ländern Platz 100 von 183.

Die Unruhen Anfang 2011 sind nicht zuletzt auf dem Hintergrund des massiven Anstiegs der Korruption auf allen Ebenen zu verstehen. Es handelt sich um ein Überhandnehmen einer Mentalität der Schattenlegalität, die durch eine Kultur der Straflosigkeit und privater Bereicherungen und Begünstigungen von Politikern und Funktionären vorgelebt wird und zu einer klassenübergreifenden Normalität wird. Nicht Gemeinsinn und Gesetz bestimmen das Handeln, sondern das private „business“.

=> Die Außenpolitik

Burkina Faso bemüht sich sehr stark, auf internationaler Ebene wahrgenommen zu werden und versucht verstärkt, Einfluss auf die Vorgänge in den Ländern Westafrikas auszuüben. Burkina Faso ist Mitglied aller großen regionalen Organisationen wie ECOWASÖffnet externen Link in neuem Fenster, UEMOAÖffnet externen Link in neuem Fenster, CEN-SADÖffnet externen Link in neuem Fenster und AUÖffnet externen Link in neuem Fenster(Afrikanische Union) und war wiederholt Gastgeber internationaler Gipfel. Ouagadougou ist Sitz von UEMOA und CILSSÖffnet externen Link in neuem Fenster.

Die Anlehnung an Frankreich, gute Beziehungen zu westlichen Geberländern sowie Loyalität zu IWF und Weltbank sind unter Compaoré zum Fundament der AußenpolitikÖffnet externen Link in neuem Fenster geworden.

Spezielle Beziehungen unterhält Burkina Faso zu Taiwan und bis 2011 zu Libyen. Diplomatische Beziehungen wurden zuletzt mit Japan, Brasilien, Südafrika, Australien und Kasachstan aufgenommen.

Nach zahlreichen Vorwürfen, Burkina Faso würde Bürgerkriege und Putschversuche in Nachbarländern (Liberia, Sierra Leone, Elfenbeinküste, Mauretanien) unterstützen und mit blutigen Diamanten aus Angola handeln, trat Blaise Compaoré in den letzten Jahren als Schlichter von Konflikten auf das internationale Parkett. So wurde er in TogoÖffnet externen Link in neuem Fenster 2006 zum Vermittler im langwierigen Konflikt zwischen Regierung und Opposition erkoren. Seit Oktober 2009 vermittelt der burkinische Präsident auch zwischen den Konfliktparteien im westafrikanischen GuineaÖffnet externen Link in neuem Fenster.

Im Rahmen der Organisation der Afrikanischen Einheit (OAU) engagierte sich Burkina Faso auch verstärkt als Vermittler bei Konflikten in Sierra Leone, Äthiopien-Eritrea, Tschad, Komoren, Tuareg-Frage in Mali und Niger.

Seit September 2002 war der BürgerkriegÖffnet externen Link in neuem Fenster im Nachbarland Elfenbeinküste das größte außenpolitische Thema. Die Regierung der Elfenbeinküste hatte über Jahre hinweg der burkinischen Regierung vorgeworfen, die Rebellion im Norden zu unterstützen. Im Süden der Elfenbeinküste kam es zu gewalttätigen Übergriffen gegen burkinische Staatsbürger, die Massenflucht zur Folge hatten.  Schließlich wurde Präsident Blaise Compaoré einvernehmlich vom ivorischen Präsidenten Laurent GbagboÖffnet externen Link in neuem Fenster und dem Rebellenführer Guillaume SoroÖffnet externen Link in neuem Fenster als Vermittler für die Befriedung des Landes Elfenbeinküste ausgewählt. Blaise Compaoré überzeugte in seiner Vermittlerrolle, verteidigte dabei aber auch die vitalen Interessen Burkina Fasos, standen doch das Wohl von mehr als 2.000.000 Burkinern in der Elfenbeinküste und der Zugang zum Hafen von Abidjan auf dem Spiel. Am 04. März 2007 unterzeichneten die Konfliktpartner den Vertrag von OuagadougouÖffnet externen Link in neuem Fenster (accord de Ouagadougou), der u.a. die Wiedervereinigung, neue Präsidentschaftswahlen, Entwaffnung und Demokratisierung vorsah.

Am 17. und 18.11.2011 wurden der gewählte ivorische Präsident Alassane Dramane OuattaraÖffnet externen Link in neuem Fenster (ADO) und sein Premierminister Guillaume Soro zu Konsultationen in Ouagadougou empfangen.

Der Tod Gaddafis am 20.10.2011 wurde in Burkina Faso mehrheitlich mit BestürzungÖffnet externen Link in neuem Fenster aufgenommen, galt er doch als engster Freund von Blaise Compaoré, der ohne ihn heute sicher nicht Präsident von Burkina Faso wäre. Gaddafi galt in Burkina Faso als panafrikanischer Streiter, bei dem alle Fäden militärisch, finanziell und machtpolitisch zusammenliefen, und als großer Wohltäter des burkinischen Volkes. Eine wichtige diplomatische Achse brach ab. Blaise Compaoré passte sich aber rechtzeitig der internationalen Wetterlage an indem er die lybische Übergangsregierung ohne Zögern anerkannte.

Autor

Jörg LangeÖffnet externen Link in neuem Fenster, Mag., Dipl.-Ing., geb. 1959, wohnhaft in Bad Honnef, Theologe und Wasserbau-ingenieur, seit 1985 mehrjährige Aufenthalte in Burkina Faso, 17 Jahre lang in der EZ in Westafrika, 11 Jahre mit dem DED, seit 2009 selbständige Fachkraft in der EZ.

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Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Januar 2012 aktualisiert.

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