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Die Bevölkerung Burkina Fasos ist aus etwa 60 unterschiedlichen ethnischen Gruppen zusammengesetzt. Zahlenmäßig dominieren die Mossi
mit einem Anteil von über 40 %. Weitere wichtige Gruppen sind die Peul
(Fulbe), Lobi
, Bobo
, Senufo
, Gurunsi
, Gourmantché
, Bissa
, Sanan
, Kurumba
.
Mooré
(die Sprache der Mossi), Dioula
im Westen und Fulfulde
im Norden des Landes sind die wichtigsten einheimischen Verkehrssprachen
. (Karte zur Verbreitung der einheimischen Sprachen
).

Die räumliche Verteilung der lokalen Bevölkerung spiegelt die spezifische Wanderungs- und Siedlungsgeschichte der jeweiligen Volksgruppen wider. Viele der heutigen Ethnien haben sich während einer Zeit großer Völkerwanderungen vor ca. 500 - 800 Jahren durch Eroberung, Überlagerung, Gewaltenteilung oder friedliche Mischung mit autochthonen Völkern (Nioniosi
) in ihrem heutigen Siedlungsgebiet formiert (Mossi, Gourmantché...). Die Sprache der Einwanderer dominierte, während die Sprache der Nioniosi bis heute als Sakralsprache fortbesteht. Mit Handel und modernem Berufsleben ist es zu einem immer stärkeren Miteinander- und Ineinanderleben der Ethnien gekommen. Dabei entstanden neue Ethnien wie die Silmi-Mossi, aus der Thomas Sankara hervorgegangen ist.
Zu gewalttätigen ethnischen Auseinandersetzungen kommt es in Burkina Faso so gut wie nie. Burkiner haben gelernt, mit Gegensätzen umzugehen und verhalten sich dem Fremden gegenüber ausgesprochen tolerant. Wenn trotzdem von Konflikten zwischen Ethnien berichtet wird, liegen die Motive meist in sozio-professionellen Differenzen. So liefern sich Hirten (Fulbe) und Bauern (Mossi) seit Jahrhunderten Keilereien. Meist geht es um Nutzung von Brunnenwasser oder Zertrampeln oder Kahlfressen von Feldern durch Viehherden, was die Gemüter erhitzt. Ein Beispiel ist ein dramatischer Konflikt
zwischen Viehzüchtern und Bauern nahe der Provinzhauptstadt Manga. In Verbindung mit Migration kann es leicht zu Konflikten um Ressourcen mit der autochthonen Bevölkerung kommen, insbesondere wenn dabei Schürfrechte in Goldminengebieten
auf dem Spiel stehen.
Zwischen gewissen ethnischen Gruppen (z.B. Gurunsi/Bissa, Samo/Mossi, Fulbe/Bobo etc.) wird eine Kommunikationsform gepflegt, die in Burkina Faso unter der Bezeichnung "Parenté à plaisanterie
" (übersetzt "Scherzverwandtschaft" oder "joking relationship") bekannt ist
. Bei solchen rituellen Komödien geht es darum, den anderen herabzusetzen bzw. sein Gegenüber als negatives Stereotyp seiner Volksgruppe zu verspotten, um sich zum Schluss über ihn zu stellen. Im "Gespräch" zwischen Angehörigen scherzverwandter Ethnien kommt es oft zu rituellem Beschimpfen und Beleidigen bis hin zu ausschüttendem Lachen. Neben einem mitunter hohen Unterhaltungswert trägt diese Art verbaler Rivalität dazu bei, Spannungen abzubauen und den sozialen Frieden in der multi-ethnischen Gesellschaft Burkina Fasos zu sichern. Ein Schuhputzer darf in diesem Spiel einen hohen Boss der scherzverwandten Ethnie beleidigen und die soziale Ungleichheit für einen Moment humorvoll aufheben. Ursprung der Scherzverwandtschaft zwischen Ethnien, die Beleidigungen bei Hochzeits- und Beerdigungsriten vorschreibt aber gleichzeitig beide Ethnien zu unbedingter Hilfeleistung und Solidarität verpflichtet, sind oft über 500 Jahre alte Friedensverträge zwischen den Ethnien und die Einsicht, dass kein Stamm den anderen physisch dominieren kann. Kaiser Soundiata Keita
befahl seinen unter sich verfeindeten Stammesführern, ihren kriegswütigen Untertanen zu sagen: "Zieht mit den Waffen gegen die Feinde, aber wenn ihr sie seht, beschimpft sie erst solange, bis ihr euch krümmt vor Lachen, dann überlegt euch, ob ihr kämpft!" So entstand das erste afrikanische Großreich in Westafrika - im 13. Jahrhundert.
In Burkina Faso finden alle 10 Jahre Volkszählungen statt. Die letzte Erhebung auf nationalem Niveau fand 2006 statt. Die Daten sind beim "Institut National de la Statistique et de la Démographie" INSD
einzusehen. Daneben gibt es keine verlässlicheren Quellen. Trotzdem hat World Fact Book eigene abweichende Zahlen. Deutlich wird, dass 46 % der Gesamtbevölkerung von 2006 jünger als 15 Jahre alt ist. Die folgende Tabelle bietet einen Vergleich der Altersstruktur in Deutschland und Burkina Faso nach Schätzungen von Juli 2011.
Burkina Faso | Deutschland | ||
Durchschnittsalter | 16,82 | 44,90 | |
Bevölkerungsanteil 0-14 Jahre (%) | 45,80 | 13,30 | |
Bevölkerungsanteil 15-64 Jahre (%) | 51,70 | 66,10 | |
Bevölkerungsanteil über 65 Jahre (%) | 2,50 | 20,60 | |
Verhältnis Männer/Frauen | 0,96 | 0,99 | |
Quelle: CIA - The World Fact Book | |||
Das Geschlechterverhältnis der Bevölkerung in Burkina Faso zeigt eine deutliche Mehrzahl der Männer im Alter von 0 bis 14. Das Geschlechterverhältnis schlägt nach dem 15. Lebensjahr um. Besonders im Alter zwischen 20 und 39 liegen die Zahlen der Männer und Frauen weit auseinander. Das dürfte daran liegen, dass der hohe Anteil im Ausland nach Arbeit suchender Männer bei Volkszählungen nicht erfasst werden kann.

Die Kluft zwischen Stadt und Land kennzeichnet deutlich den Übergang von Tradition zu Moderne, in dem Burkina Faso ein Jahrtausend Entwicklung zu überspringen scheint. Die Infrastruktur auf dem Land (Wasser- und Stromversorgung, Schulen, Krankenanstalten, Straßen...) ist sehr dürftig bis inexistent. Es gibt auch heute noch Dörfer ohne Brunnen und ohne Schule. Die Analphabetenquote liegt in manchen ländlichen Gebieten über 90%. Für Jugendliche übt die Stadt mit ihren trügerischen Möglichkeiten einen starken Sog aus, während sie genug haben von der gähnend langweiligen Arbeit ihrer Eltern auf den Feldern, und für sie Arbeit auf dem Land keinen finanziellen Anreiz hat. Die Folge ist Landflucht
. Ouagadougou und Bobo-Dioulasso wachsen dadurch rasant.
Während in früheren Jahrzehnten Arbeitermigration hauptsächlich eine Domäne von Männern war, hat die Migration von Mädchen - schon ab 12 Jahren - aus ländlichen Gebieten in die Städte oder Nachbarländer, wo sie etwas Geld als Haushaltshilfe in Familien verdienen wollen, enorm zugenommen. Terre des hommes weist am Beispiel der Provinz Sourou auf die soziale und rechtliche Unsicherheit der Mädchen
hin.

Das Leben im Dorf bedeutet Leben als Teil einer Großfamilie. Die Prinzipien des Zusammenlebens sind weitgehend archaisch. Mit wenigen Ausnahmen (z.B. Lobi) ist die Familienstruktur patriarchal, es gilt Polygamie und Exogamie, d.h. die Frauen eines Dorfes stammen aus anderen Dörfern (ausgeweitetes Inzesttabu). Weitere Kennzeichen sind ein innerer Egalitarismus und Seniorenprinzip. Über die Regeln des Zusammenlebens wachen die Ahnen, mit denen ein Ältestenrat oder der Erdpriester in Verbindung steht. Vor allem das Eheversprechen von unmündigen Töchtern bzw. die Zwangsheirat haben in den letzten Jahrzehnten für viele Konflikte mit oft tödlichem Ausgang gesorgt.
Auf den Feldern arbeitet die ganze Familie, wobei Frauen u.U. auch eigene Felder bewirtschaften können. Frauen können durch Handel auf Märkten ihr Haushaltsgeld aufstocken. Ihnen obliegen die täglichen Aufgaben innerhalb des Hofes, während Männer für Bau und öffentliche Angelegenheiten zuständig sind.
Heute gibt es in so gut wie in jedem Dorf mindestens eine Bauern-Selbsthilfegruppe. Darunter sind viele Frauengruppen oder Jugendgruppen.
Infolge von ländlicher Armut und Landflucht fällt heute zunehmend auf, dass Dörfer von Alten und Kindern bewohnt werden, während die Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter in den Städten lebt.
Die bäuerliche Tradition lebt auch bei denen, die längst in der Stadt wohnen, weiter. Auch ein Mossi, der seit Jahrzehnten in Abidjan arbeitet, fürchtet dort die Ahnen seiner Familie. Wer meint, sich von der alte Tradition lösen zu können, wird von ihr wieder eingeholt. Denn er bleibt ein Element in der tabubesetzten Vorstellungswelt seiner Familie.
Ein gewählter "Délégué" vertritt das Dorf gegenüber dem Präfekten des Departements, gibt ihm Rechenschaft über Vorgänge im Dorf ab und hat exekutive Gewalt. Einem Ältesten oder Erdpriester obliegt die sakrale Macht. Er regelt auch Streitfälle und entscheidet über Landnutzung. An einzelnen Orten haben noch feudale Familien die sog. Chefferie traditionnelle
. Während zur Zeit Sankaras der Einfluss der traditionellen Leader zugunsten der jungen CDR-Vertreter zurückgedrängt wurde, instrumentalisiert heute die regierende Partei CDP das Ansehen traditioneller Autoritäten für ihre Wahlergebnisse.
Bis heute gibt es in ländlichen Gegenden Burkina Fasos sozio-professionelle Gruppen, die alle Kennzeichen einer Kaste tragen. Dies gilt insbesondere für Schmiede in Yatenga oder Griots
im Südwesten oder bei den Fulbe. Das "Wir-Gefühl" als Kaste ist bei Schmieden im Norden von Burkina Faso ausgeprägter als die ethnische Zugehörigkeit. Als Beherrscher von Blitz, Feuer und Metall werden ihnen magische Fähigkeiten zugeschrieben. Sie werden von der bäuerlichen Gesellschaft zugleich ausgestoßen, gefürchtet, respektiert und gebraucht. Einem Schmied ein Huhn zu schenken kann eventuell Unheil abwehren. Keramikgefäße dürfen nur die Frauen der Schmiede herstellen.

Das moderne Zivilrecht steht traditionellen Vorstellungen von Ehe und Recht der Frau diametral entgegen. Über eine Frau bestimmt nach patriarchalem Denken bis zur Verheiratung ihr Vater, danach ihr Ehemann und nach dessen Tod einer seiner Brüder. Ein Mann behält somit die Kontrolle über weibliche Sexualität, um die gesellschaftlich bedeutsame Abstammung des Kindes von einem Mann sicherzustellen. Dass eine Frau ein Selbstbestimmungsrecht hat, ist für eine Burkinerin eine noch sehr junge Entdeckung, die mit dem Einbruch der Moderne, also Ende des 20.Jahrhundert gekommen ist.
Laut Verfassung sind Männer und Frauen gleichberechtigt. Auch das Arbeitsrecht und die Gesetze zum Grundbesitz nehmen Bezug auf die Gleichbehandlung der Geschlechter. Im Eherecht stehen als Optionen Monogamie und Polygamie offen, wobei natürlich beide Ehepartner zustimmen müssen.
Ein Essay
beschreibt, wie die Burkinerin auf einem Motoroller, der Yamaha dame, zu neuem Selbstbewusstsein in der Stadt gelangte. Entscheidende Impulse zur Übernahme neuer Rollen der Frau setzte die Zeit der Revolution 1983-1987, die sich auch Revolution der Frau nannte. Durch skurrile Maßnahmen wie Einkaufsverbotstage für Frauen wurde versucht, die Perspektiven der Frauen in den gesellschaftlichen Mittelpunkt zu stellen.
Das panafrikanische Netzwerk der Organisationen für Frauenrechte und Entwicklung WiLDAF/FeDAFF
bietet ein umfassendes Statement über die Stellung der Frau
in Burkina Faso. Die Regierung versucht, die auf der Weltfrauenkonferenz von Peking verabschiedeten Instrumente zur Anwendung (nationaler Aktionsplan
, Fortschrittsberichte an CEDAW etc.) zu bringen.

Brisante Themen in der burkinischen Gesellschaft, die sich mit den Rechten der Frau beschäftigen, sind die weibliche Genitalverstümmelung
, die Zwangsheirat und die Vertreibung von Hexen
.
Weit mehr als die Hälfte aller erwachsenen Burkinerinnen erlitten Beschneidungen
durch Klitoridekotomie oder Exzision. Das Durchschnittsalter ist 6 Jahre. Traditionelle Beschneiderinnen führen die Operation mit unsterilen Messern oder Klingen durch, was ein hohes Infektionsrisiko mit sich bringt. Sinn und Ursprung dieser Praxis, die quer durch Ethnien und Religionen geht, liegen im Dunkeln. Seit November 1996 ist Beschneidung per Gesetz verboten und muß angezeigt werden. Umfangreiche
Sensibilisierungskampagnen
, an denen auch Imame beteiligt sind, haben in den letzten 15 Jahren für einen starken Rückgang dieser Praxis gesorgt.
Die Verheiratung von Töchtern ist traditionell bei den Mossis dem zwischenfamiliären Beziehungsnetz des Familienchefs untergeordnet. D.h. der Vater kann seine Tochter schon zum Zeitpunkt der Geburt oder davor einem Freund oder dessen Sohn versprechen und erhält darauf über Jahre Geschenke wie Tabak oder Kolanüsse. Er kann mit dem Versprechen auch Schuld sühnen oder wichtige Beziehungen einfädeln. Die spätere Weigerung der Tochter ist Tabubruch und wird mit Verbannung streng geahndet. Das moderne Gesetz verbietet Zwangsheirat
, kann damit aber familiäre Tragödien nicht verhindern.
Schweres Unheil hat nach traditionellem Denken seine Ursache im Willen eines anderen Menschen. Mit Hilfe von Magie werden Schuldige aufgespürt. Sündenböcke für den Tod von Kindern sind dabei alte Frauen, die als Seelenesserinnen
entlarvt werden. Sie müssen aus ihren Dörfern fliehen und einige gelangen bis in die Hauptstadt Ouagadougou. Sie verbringen den Rest ihres Lebens in Asylen wie dem "Centre d´accueil de Delwende", das über 400 Frauen
beherbergt. Im November 2011 berichtete das burkinische Fernsehen über die Umsiedlung des Asyls nach Sakoula, dem nord-östlichen Stadtrand von Ouagadougou. Die vertriebenen Frauen wurden dabei als "Pensionnaires
" bezeichnet.

Das formelle Ausbildungssystem
ist weitgehend vom französischen Vorbild übernommen, genauso wie die Schulabschlüsse C.E.P., B.E.P.C. und BAC. Obwohl Schulpflicht ab 6 Jahre besteht, durchlaufen weniger als die Hälfte aller Kinder die sechsjährige Grundschule. Es gibt viel zu wenig Lehrer und Schulen. Vorallem in der Ost-Region werden notdürftig Klassen unter Strohdächern
eingerichtet. Da ein Schulabschluss keinen bezahlten Job mehr garantiert, ist die Bereitschaft der Eltern, ihre Kinder zur Schule zu schicken, gesunken. Kosten für Elternbeitrag, Schulmaterial und Kleidung belaufen sich bei einem Grundschüler auf nicht mehr als 10,- EURO pro Jahr. Schulkinder fallen aber als Haushaltshilfen oder zum Hüten von Schafen in den Familien aus. In Städten können Klassen mit 102
Kindern - manchmal auch noch mehr - besetzt sein. Bei solchen Verhältnissen sinkt die Qualität des Unterrichts stetig. 14 % aller Kinder erreichen weiterführende Schulen, also Collège (Realschule) oder Lycée (Gymnasium), die sich zu 90 % in Städten befinden.
Wer über Geldmittel verfügt, schickt seine Kinder - wie es die verantwortlichen Politiker und ausländischen Entwicklungsexperten tun - auf private Schulen, die teure französische oder amerikanische Schule und läßt sie im Ausland studieren. Das Vertrauen in die staatlichen Schulen und Universitäten unter dem Ministère de l´Enseignement de Base et de l´Alphabetisation (MEBA
) und dem Ministère de l´Enseignement Secondaire Supérieure et de la Recherche Scientifique (MESSRS
) ist bei fehlender Ausstattung und schlecht bezahlten Lehrern gering.
Die letzte Analyse der UNESCO
zur Schulsituation in Burkina Faso stammt aus dem Jahr 2009. Aus den Zahlen geht u.a. hervor, dass die Benachteiligung von Mädchen bei der Einschulung zurückgeht, weniger aber bei weiterführenden Schulen.
Versuche mit einem zweisprachigen Grundschulsystem, "école bilingue
", mit besonderer Unterstützung der Schweizerischen NRO OSEO
, stecken noch in den Anfängen.
Laut HDI
von 2011 hat Burkina Faso die niedrigste Quote im Schulbesuch auf der ganzen Welt. Es fehlt der politische Wille, Grundbildung als vorrangiges Ziel der Entwicklung des Landes anzuerkennen und zu fördern. Auch für die deutsche Entwicklungszusammenarbeit ist Bildung in Burkina Faso kein Schwerpunkt.
Es gibt in Burkina Faso drei staatliche Universitäten (die Université de Ouagadougou
, die Université Polytechnique
de Bobo-Dioulasso und die Université de Koudougou
) und zwei katholische Privatuniversitäten (die Université St Thomas d'Aquin
bei Ouagadougou und die Université Catholique d'Afrique de l'Ouest
in Bobo-Dioulasso). Die größte ist die Université de Ouagadougou. Bis heute fehlt es immer noch an ausreichenden Studienmöglichkeiten. Die Regierung gewährt deshalb für die Ausbildung an europäischen und afrikanischen Universitäten Stipendien. Die Universitäten bieten teilweise berufsbezogene Ausbildungsprogramme an.
Neben den Universitäten gibt es einige regionale Fachhochschulen wie 2ie
. Weitere Informationen über die Hochschulausbildung in Burkina Faso bieten das MESSRS
(Ministère de l'Enseignement Supérieur et de la Recherche Scientifique) und die Datenbanken des Internationalen Büros für Erziehung
der UNESCO an. Ein weiterer Online-Service derselben Institution, UNEVOC
, führt eine aktuelle Liste international anerkannter technischer Berufsschulen in Burkina Faso. Insgesamt bleiben berufsspezifische Ausbildungsangebote in Burkina Faso aber Mangelware.
Die non-formale Bildung umfasst im Wesentlichen das Alphabetisierungsprogramm
des MEBA (Ministère de l'Enseignement de Base et de l'Alphabétisation). Geldgeber für dieses Programm sind die EU, UNICEF, die Weltbank, PAM und die Afrikanische Entwicklungsbank, Frankreich, Kanada, Belgien, Niederlande, Schweden, Luxemburg, VR China, Dänemark.
Alphabetisierung in lokalen Sprachen bietet unter anderem die Selbsthilfeorganisation "Association Tin Tua
" mit Sitz in Fada N´Gourma an. Tin Tua wurde 2009 dafür mit einem Preis der UNESCO
ausgezeichnet.
Laut Statistik der WHO
(Weltgesundheitsorganisation) sind Infektionen der Atemwege (insbesondere Lungenentzündung) die häufigste Krankheit und häufigste Ursache für den Tod von Kindern. Dicht darauf folgen Malaria und Durchfallerkrankungen. Ein weiteres Problem ist eine hohe Infektionsrate von HIV/AIDS
. Eine gefährliche und oft tödlich verlaufende Infektionskrankheit ist auch Meningitis
. Burkina Faso wird während der Trockenzeit in den Monaten Februar bis April regelmäßig von Epidemien der Meningokokken-Hirnhautentzündung (Meningitis) heimgesucht.
Die moderne Gesundheitsversorgung
ist auf insgesamt fünf Ebenen (vergleichsweise Dorf, Departement, Provinz, Region, Land) organisiert:
Centre Hospitalier National (CHN)
Auf unterster Ebene ist die Ausstattung sehr schlecht bis gar nicht vorhanden. In einem CSPS ist normalerweise kein Arzt anzutreffen. Das Zentrum wird von einem Krankenpfleger geleitet, der hier die Kompetenzen eines Chefarztes haben soll. Der "CHN Yalgado Ouedraogo
" in Ouagadougou hat den Ruf, eine Sterbestation zu sein. Ärzte sind hier überfordert und schlecht bezahlt. Gelder fließen unter der Hand. Die Zustände sind für europäische Maßstäbe chaotisch. Wer es sich leisten kann, bringt seine Kranken in private Krankenanstalten, wo oft dieselben Ärzte aus "Yalgado" nach Feierabend behandeln.
Die nach französischer Medizin ausgebildeten Ärzte verschreiben oft ellenlange Rezepte und haben wenig Vorbehalte gegen die Anwendung von Antibiotika. Das schreckt bereits viele ab, für die "weiße" Medikamente unerschwinglich teuer sind, überhaupt zu einem Arzt zu gehen. Der Verkauf unkontrollierter Medikamente von fliegenden Händlern, die meist aus Ghana eingeführt werden, blüht trotz vieler Gegenkampagnen
("Les médicaments de la rue
, ça tue!").
Viele gehen zu Heilern mit magischen Fähigkeiten oder Scharlatanen, die Gris-gris
(Glücksbringer) verkaufen oder geisterbeschwichtigende Handlungen auferlegen (z.B. ein Ei im Straßenverkehr aus einem Taxi fallen lassen, einem Blinden ein Tuch geben, Brot an bettelnde Koranschüler, einen roten Hahn an einen Schmied...). Nach ihrem Verständnis hat Krankheit seinen Ursprung in einer verborgenen Welt, in der sie auch durch Beruhigung der Geister (Kinkirgha) geheilt werden kann.
Daneben ist die traditionelle Medizin auf pflanzlicher Basis
(pharmacopée
) Bestandteil des Gesundheitssystems geworden. Sie ist in Burkina Faso seit 1994 gesetzlich anerkannt. Im Jahre 2004 hat Burkina Faso dieser Medizin einen bezeichnenden Impuls gegeben. So ist eine nationale Politik
zur Regulierung des Sektors am 13. Oktober 2004 von der Regierung angenommen worden. Die Praxisbedingungen und die Zulassung für Naturheilmittel sind ebenfalls von der Regierung in Zusammenarbeit mit den Akteuren des Fachgebietes definiert worden. Über 30.000 Heilpraktiker soll es im ganzen Land geben. Der Bereich entwickelt sich weiter. Moderne Strukturen und Unternehmen wie PROMETRA
Burkina, Phytosalus
, Phytofla
usw. sind in städtischen Gebieten bereits anerkannte Institutionen.

Im sozialen Bereich verfügt Burkina Faso über eine Vielzahl von Nichtregierungsorganisationen oder Selbsthilfegruppen aller Art. Die Vernetzung und Koordination dieser NRO wird durch eine Reihe von Dachorganisationen, wie beispielsweise das Sekretariat der NRO (SPONG
) gesichert.
Eine der wichtigsten staatlichen Institutionen für Gesundheits- und Altersversorgung ist die seit über 50 Jahren bestehende CNSS
(Caisse Nationale de Sécurité Sociale). Ihre Aufgabe ist es, die sozialen Sicherungssysteme für Lohnabhängige und ihre Familienangehörigen (ca. 20 % der Bevölkerung) in Burkina Faso zu verwalten. Die Vorsorge-Institution ist in drei Zweige gegliedert:
- Die Familienversicherung zahlt Leistungen (z.B.: Schwangerschaftsgeld, Familienzulagen und Unterstützungsleistungen für Mutter und Kind in Form von Sachleistungen) an Familienangehörige.
- Die betriebliche Versicherung ist zuständig für Leistungen bei Unfällen und Berufskrankheiten.
- Die Rentenversicherung greift bei Altersversorgung
, Invalidität und Tod des Versicherten.
Diese Leistungen werden mit gesundheitlichen und sozialen Maßnahmen ergänzt.
In Burkina Faso besteht eine Pflichtversicherung für alle Arbeitnehmer.
Die CNSS bietet keine allgemeine Krankenversicherung an. Diese wird nur von privaten Versicherungsgesellschaften angeboten. Allerdings sind die Leistungen auch dort sehr beschränkt.
Der Bauernschaft, die 80 % der Bevölkerung ausmacht, kommen solche Möglichkeiten nicht zugute. Für sie ist weiterhin die Großfamilie Solidargemeinschaft im Fall von Hunger und Krankheit.
Um soziale Randgruppen wie Bettler, Verrückte (les fous), vertriebene Hexen, wegen Schwangerschaft verstoßene Teenager... aufzufangen, gibt es ein Sozialamt, "L´Action Sociale
", deren Möglichkeiten bei knappen Geldmitteln bescheiden ausfallen.

Das bekannteste weltweit beachtete kulturelle Großereignis von Burkina Faso sind die Filmfestspiele "Festival Panafricain du Cinéma et de la Télévision de Ouagadougou", die FESPACO
. Diese finden seit 1969 alle zwei Jahre in Ouagadougou statt. Sie gelten als "Schaufenster" des afrikanischen Kinos. Das 22. Festival des afrikanischen Films fand vom 26. Februar bis zum 05. März 2011 statt. Sieger des "Grand Prix Etalon de Yennenga" wurde der äthiopische Film "Teza
" von Hailé Germia, der in Deutschland und Äthiopien in den 1970er Jahren spielt. Die FESPACO ist inzwischen eine volksfestartige Massenveranstaltung geworden mit kilometerlangen Verkaufsständen. Einen Platz im Kino muß man sich schwer erobern. Beeindruckend ist, wie das Publikum bei Filmen "mitgeht".
Zweitgrößtes kulturelles Ereignis ist die SIAO
, der "Salon International de l'Artisanat de Ouagadougou", eine Kunsthandwerksmesse. Sie findet in zweijährigem Rhythmus statt. Die 12. Ausgabe der SIAO wird vom 26.10.2012 bis 04.11.2012 stattfinden. Sie zeigt auf fast 10.000 m² Ausstellungsfläche Produkte aus ganz Afrika. Das reichhaltige Angebot an burkinischem Kunsthandwerk zeugt von der handwerklichen Tradition. Als wichtigste Handelswaren sind Bronzestatuetten, die mit der Technik der verlorenen Form hergestellt werden, Holzarbeiten, wie Masken und Statuetten, aber auch Musikinstrumente (Djembé, Balafone etc.), Lederwaren, Flechtwaren, Baumwolldecken und traditionelle Stoffe, sowie mit unterschiedlichen Batiktechniken eingefärbte und bemalte Stoffe und Bilder zu nennen. Die Veranstalter der SIAO nahmen im November 2011 auch am Import Shop
in Berlin teil.
Ebenfalls zweijährig wird die "Semaine Nationale de la Culture" (SNC
) abgehalten. Ziel der SNC ist die Förderung der nationalen Kulturszene. Mit wechselnder Themenstellung wird sie seit 1990 in Bobo-Dioulasso
abgehalten. Bei der Preisvergabe werden in unterschiedlichen Kategorien auch die kulturellen Unterschiede der Regionen berücksichtigt.
Nicht nur vom Staat wird die Kulturszene animiert, sondern auch von privaten und professionellen Kulturinstitutionen. Eine Agenda aller nennenswerten Veranstaltungen findet sich auf der Seite von Association Culture et Partage
.
Einige international bekannte unabhängige Veranstaltungen sind:
[Musikfestival]
[Märchen und Musik]
[Masken und Kunst in Dedougou]
[Tanztheater]
[Verschiedene regionale Kulturevents]
) [Mischkulturevent]
)
[Scherzverwandtschaft]
Ouaga-ca-bouge.net
bietet aktuelle Informationen über bald in Ouagadougou (aber auch an anderen Orten des Landes) stattfindende kulturelle Veranstaltungen an.
Neben der Austragung der FESPACO als größte afrikanische Filmfestspiele hat Burkina Faso selber international renommierte Filmemacher
hervorgebracht. Unter anderem erhielten die Filme "Wend Kuuni" und "Buud Yam" von Gaston Kaboré
sowie "Tilai" von Idrissa Ouedraogo
mehrere große Preise, auch in Cannes. Die Filme behandeln meist Probleme der Tradition Afrikas und sind ästhetisch und filmtechnisch vom französischen Film beeinflußt. Weiterhin international bekannt wurden Fanta Régina Nacro
, Pierre Yaméogo
, Appoline Traore, Sanou Kollo David und Dani Kouyaté
, der Sohn des bekannten Schauspielers Sotigui Kouyaté.
Komödienhafte Fernsehserien werden im eigenen Land gedreht. Besonders beliebt sind "Commissariat de Tampy
", "Kadi Jolie
" und "Les Bobodiouf
", "Faits de société
" oder "Vis A Vis
". Viel beachtet ist augenblicklich die Serie "Le Testament
" von Appoline Traore, in der es nicht immer komödienhaft zugeht.
Die Theaterlandschaft ist sehr bunt. Es gibt viele kleine Theater, die zum Teil versuchen, über soziale Probleme aufzuklären. Viele kämpfen dabei selber mit dem Überleben. Inspiriert vom brasilianischen "Theater Forum" gründete Prosper Compaore 1978 das Atelier-Théâtre-Burkinabé
als "soziales Theater" oder "Entwicklungstheater". Der Schauspieler Etienne Minougou
war bereits mehrmals in Deutschland auf der Bühne zu sehen.
Unter den Künstlern ist der Bildhauer Jean-Luc Bambara
durch Ausstellungen in Europa bekannt. Er war auch an der Entstehung des Skulpturenparks in Laongo
beteiligt. Adama Pacode (geb.1970) ist für seine Assemblagen bekannt, in denen er Mythen und Riten als lebendige Kräfte beschreibt. Als noch junge Maler
sind Christoph Sawadogo, Mahamoudou Zinkoné ("naive" Malerei), Kader Boly und Inoussa Simporé zu nennen.
Literatur begann in Burkina Faso mit dem ersten Aufschreiben alter Mythen und Legenden. Literaturgeschichte
begann aber erst nach der Unabhängigkeit mit dem Werk von Nazi Boni
(1909-1969) "Crépuscule des temps anciens" aus dem Jahr 1962. Es geht dabei um die Konfrontation traditioneller Werte mit dem herrschenden Kolonialismus. Das Buch ist gleichzeitig eine Chronik der Geschichte seines Stammes, der Bwamu
. Wie Boni waren Roger Nikiema, Pierre Dabiré und Maître Titinga Frédéric Pacéré
als Schriftsteller von der Négritude
beeinflußt, nicht zu vergessen Joseph Ki-Zerbo ("Die Geschichte Schwarz-Afrikas"). Als Schriftstellerinnen traten in neuerer Zeit Monique Ilboudo (Juristin, Politikerin, Romanautorin), Bernadette Sanou und Sophie Heidi Kam (geb. 1968, Dichterin und Dramaturgin) in Erscheinung. Mit Tradition und Kolonialismus befasst sich auch die esoterisch anmutende Autobiographie "Vom Geist Afrikas
- Das Leben eines afrikanischen Schamanen" (Original: "Of water and the spirit") von Malidoma Patrice Somé
, der seit langem als Professor in den USA lehrt. Sein Buch führt in Geheimnisse der magischen Welt der Dagara. Somé
wurde als 6-jähriges Kind von einem französischen Pater entführt und auf einer Jesuitenschule erzogen.
Musik als ästhetisches Klangerlebnis kennt man in Burkina Faso erst seit dem 20. Jahrhundert. Traditionell hat Musik ihren Sitz im kultischen oder sakralen Leben. Geschichte(n) wurde(n) von Griots
gesungen.
Das in Pentatonik gestimmte Balafon
mit bis zu 21 Stäben ist im Westen von Burkina Faso vor allem bei den Senufo (Weltkulturerbe der Unesco
) verbreitet, während im Osten und im Mossigebiet traditionelle Musik aus Trommeln und Flöten hervorgebracht wird. Dabei ist Musik immer mit Bewegung verbunden. Flöten sind manchmal nur auf einen Ton gestimmt. Die Tonfolge entsteht, indem mehrere Flötisten ihren unterschiedlichen Ton synchron zu gemeinsamen rhythmischen Gehbewegungen blasen, jeder an seiner Stelle. In Ouagadougou befindet sich ein Museum für Musikinstrumente
.
In der Rock- und Reggeamusik errang Black So Man
internationalen Ruhm. Der scharfe Systemkritiker starb 2002 an den Folgen eines Autounfalls. Ein weiterer bekannter Reggaekünstler ist seit 20 Jahren Zêdess
.
Bil Aka Kora
konnte schon zweimal den Prix de Kundé d´or
gewinnen. Er greift auf traditionellen Tanz und Musik seines Stammes der Kassena zurück.
Der im Februar 2012 gestorbene
Georges Ouédraogo
prägte als Sänger und Komponist fast fünf Jahrzehnte lang burkinische Musik. In den 1960er Jahren war er Schlagzeuger im "Volta-Jazz
" und tingelte - nach Aufenthalten im "Jazz club quartier latin" von Treichville/Abidjan - in den 70ern mit der karibisch-afrikanischen Gruppe Bozambo
durch Westdeutschland. Ins eigene Land zurückgekehrt ließ er mit langsamen oder schnellen Takten Generationen von Burkinabé tanzen. Er integrierte auch Elemente des Warba
(dem traditionellen Tanz der Mossi) in seine zeitgenössisch popartige Rhythmen und sang auf Französisch, Mooré und Dioula. Georges Ouedraogo wurde 2000 von Kundé zum "besten Künstler aller Zeiten" gewählt. 2003 schuf er mit "Rosalie
" einen Hit, der bis heute in burkinischen Ohren wurmt. Sein Spitzname auf Mooré lautete "Gandaogo (= der, der wagt) National".
Drei Monate später, am 03.05.2012, verstarb auch der virtuose Saxophonist Thomas Tiendrébéogo
, der 1963 die "L`Echo Volta" und 1975 "Les suprêmes Kombemba
" gründete und mit ihnen die Jazzszene Obervoltas der 60er und 70er Jahre bereicherte.
Wie Georges Ouédraogo erhielt auch Amety Meria
den Prix de Kundé d´or.
Augenblicklich werden Floby
und Wendy
viel gehört.
Im Bereich des Hiphop sind Smockey
(Serge Bambara) und das Duo Yeleen
bekannt.
Die Liste
weiterer Sänger und Sängerinnen ist lang.
Die Provinz Sourou
ist Hochburg des in Westafrika verbreiteten "Lutte traditionnelle
", eines Jahrhunderte alten Ringkampfes. In Toma finden jährlich Wettbewerbe statt.
Im Radrennsport findet jedes Jahr in Burkina Faso die "Tour du Faso
" statt. Die erfolgreichsten Radfahrer der letzten Jahre sind Jérémie Ouédraogo
und Abdoul Wahab Sawadogo
.
Irène Tiendrébéogo
nahm als Hochspringerin an Weltmeisterschaften und den Olympischen Spielen in Atlanta 1996 teil. Zurzeit sorgt Marthe Koala
als Athletin für Schlagzeilen.
Der Boxsport wurde Anfang der 1990er Jahre von dem Münchener Tourismusveranstalter Siggi Krigar († 2009) gefördert und brachte im Superfedergewicht den Afrikachampion 1996 Nabaloum Dramane
hervor. Er wurde zu einem Idol der Jugend und ist noch heute unter dem Namen Boum-Boum
bekannt.
Im Fußball kämpfen traditionelle Mannschaften wie ASFA Yennenga
, EFO
(Etoile filante de Ouagadougou), Planète Champion (Verein der Fußballakademie) oder Santos FC Ouagadougou
jedes Jahr um die burkinische Meisterschaft. International konnte sich die burkinische Fußballnationalmannschaft
von 1978 bis 2012 für 8 Afrikameisterschaften (CAN) qualifizieren, schied jedoch regelmäßig, zuletzt im Januar 2012
, in der Vorrunde aus. Lediglich 1998 belegten die "Étalons" im eigenen Land den vierten Rang. Alle Nationalspieler sind bei ausländischen Vereinen verpflichtet. Fußballer wie Jonathan Pitroipa
, Patrick Zoundi
, Wilfried Sanou
oder Aristide Bancé
spielten in der 1. oder 2. Bundesliga.



In ländlichen Gebieten behaupten sich bis heute Formen eines seit Jahrhunderten, vielleicht Jahrtausenden gelebten "Animismus", deren Wesen die Kommunikation mit den Ahnen und die Beschwichtigung von Geistern ist. Nach den vorherrschenden religiös-metaphysischen Vorstellungen hat sich Gott "Wende", der Baumeister des Kosmos, weit von der Welt entfernt und die Herrschaft über Erde und Luft Geistwesen überlassen. Maskentänze - vorallem bei Totenfeiern -, Fetischopfer, rituelle Befragung der Ahnen, Ältestenräte, Talismane und übernatürliche Kraftausflüsse sind einige kultische Bestandteile, die das Leben in den Dörfern maßgebend bestimmen und deren Einfluß bis in das Stadtleben reicht.
Bis auf die Fulbe, die zu 99 % Moslems sind, sind die Ethnien - ja sogar die Familien - in ihrer Religionszugehörigkeit durchmischt. Weil Schulbildung ursprünglich in der Hand der katholischen Missionare lag, ist die überwiegende Zahl der Professoren und Politiker katholisch, obwohl Katholiken
kaum 15 % der Bevölkerung ausmachen. Kaufleute sind in der Mehrheit Moslems und sind zum Teil in Koranschulen
unterrichtet worden. Eine fanatisch intolerante Form des Islam ist in Burkina Faso
nicht anzutreffen. Moslems besuchen ihre dem Christentum anhängenden Freunde an christlichen Feiertagen und umgekehrt.
In der Ausübung ihrer Religion greifen sowohl Moslems als auch Katholiken auf viele Elemente des Ahnen- und Geisterglaubens zurück. Sofern diese Elemente nicht integriert werden können, leben ihre Derivate in den Städten als Parallelreligion weiter. Halb bedeckt bis offen blühen vielfältige Formen der Scharlatanerie und des "Maraboutage
", in denen sich einige die Verunsicherung vieler zunutze machen und die mit Spiritualität nichts zu tun haben. Protestantische Gruppen (ca. 5 % der Bevölkerung) benutzen den Animismus eher als Folie, von der sie die neue Lehre abheben wollen und haften ihr dadurch weiterhin negativ an.
Jörg Lange
, Mag., Dipl.-Ing., geb. 1959, wohnhaft in Bad Honnef, Theologe und Wasserbauingenieur, seit 1985 mehrjährige Aufenthalte in Burkina Faso, 17 Jahre lang in der EZ in Westafrika, 11 Jahre mit dem DED, seit 2009 selbständige Fachkraft in der EZ.

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