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Bogenschütze von Poni © 2008, SNC Burkina

Gesellschaft, Kultur, Religion

BeschreibungInhalt
Amtssprache(n):Französisch
Regionalsprachen:Mooré, Dioula, Peul
Religionen:Islam 50 %, Kath. 15 %
Lebenserwartung:53 Jahre
Städtische Bevölkerung:20 %

Burkina Faso

Landesflagge Burkina Faso

Gesellschaft

=> Makrosoziale Struktur

Die ethnischen Gruppen

Die Bevölkerung Burkina Fasos ist aus etwa 60 unterschiedlichen ethnischen Gruppen zusammengesetzt. Zahlenmäßig dominieren die MossiÖffnet externen Link in neuem Fenster mit einem Anteil von über 40 %. Weitere wichtige Gruppen sind die PeulÖffnet externen Link in neuem Fenster (Fulbe), LobiÖffnet externen Link in neuem Fenster, BoboÖffnet externen Link in neuem Fenster, SenufoÖffnet externen Link in neuem Fenster, GurunsiÖffnet externen Link in neuem Fenster, GourmantchéÖffnet externen Link in neuem Fenster, BissaÖffnet externen Link in neuem Fenster, SananÖffnet externen Link in neuem Fenster, KurumbaÖffnet externen Link in neuem Fenster. 

MooréÖffnet externen Link in neuem Fenster (die Sprache der Mossi), DioulaÖffnet externen Link in neuem Fenster im Westen und FulfuldeÖffnet externen Link in neuem Fenster im Norden des Landes sind die wichtigsten einheimischen VerkehrssprachenÖffnet externen Link in neuem Fenster. (Karte zur Verbreitung der einheimischen SprachenÖffnet externen Link in neuem Fenster).

Landeskarte zu den wichtigsten ethnischen Gruppen.
Die wichtigsten ethnischen Gruppen auf einen Blick.
© Honorat Badiel

Die räumliche Verteilung der lokalen Bevölkerung spiegelt die spezifische Wanderungs- und Siedlungsgeschichte der jeweiligen Volksgruppen wider. Viele der heutigen Ethnien haben sich während einer Zeit großer Völkerwanderungen vor ca. 500 - 800 Jahren durch Eroberung, Überlagerung, Gewaltenteilung oder friedliche Mischung mit autochthonen Völkern (NioniosiÖffnet externen Link in neuem Fenster) in ihrem heutigen Siedlungsgebiet formiert (Mossi, Gourmantché...). Die Sprache der Einwanderer dominierte, während die Sprache der Nioniosi bis heute als Sakralsprache fortbesteht. Mit Handel und modernem Berufsleben ist es zu einem immer stärkeren Miteinander- und Ineinanderleben der Ethnien gekommen. Dabei entstanden neue Ethnien wie die Silmi-Mossi, aus der Thomas Sankara hervorgegangen ist.

Zu gewalttätigen ethnischen Auseinandersetzungen kommt es in Burkina Faso so gut wie nie. Burkiner haben gelernt, mit Gegensätzen umzugehen und verhalten sich dem Fremden gegenüber ausgesprochen tolerant. Wenn trotzdem von Konflikten zwischen Ethnien berichtet wird, liegen die Motive meist in sozio-professionellen Differenzen. So liefern sich Hirten (Fulbe) und Bauern (Mossi) seit Jahrhunderten Keilereien. Meist geht es um Nutzung von Brunnenwasser oder Zertrampeln oder Kahlfressen von Feldern durch Viehherden, was die Gemüter erhitzt. Ein Beispiel ist ein dramatischer KonfliktÖffnet externen Link in neuem Fenster zwischen Viehzüchtern und Bauern nahe der Provinzhauptstadt Manga. In Verbindung mit Migration kann es leicht zu Konflikten um Ressourcen mit der autochthonen Bevölkerung kommen, insbesondere wenn dabei Schürfrechte in GoldminengebietenÖffnet externen Link in neuem Fenster auf dem Spiel stehen.

Scherzverwandtschaften

Zwischen gewissen ethnischen Gruppen (z.B. Gurunsi/Bissa, Samo/Mossi, Fulbe/Bobo etc.) wird eine Kommunikationsform gepflegt, die in Burkina Faso unter der Bezeichnung "Parenté à plaisanterieLeitet Herunterladen der Datei ein" (übersetzt "Scherzverwandtschaft" oder "joking relationship") bekannt istÖffnet externen Link in neuem Fenster. Bei solchen rituellen Komödien geht es darum, den anderen herabzusetzen bzw. sein Gegenüber als negatives Stereotyp seiner Volksgruppe zu verspotten, um sich zum Schluss über ihn zu stellen. Im "Gespräch" zwischen Angehörigen scherzverwandter Ethnien kommt es oft zu rituellem Beschimpfen und Beleidigen bis hin zu ausschüttendem Lachen. Neben einem mitunter hohen Unterhaltungswert trägt diese Art verbaler Rivalität dazu bei, Spannungen abzubauen und den sozialen Frieden in der multi-ethnischen Gesellschaft Burkina Fasos zu sichern. Ein Schuhputzer darf in diesem Spiel einen hohen Boss der scherzverwandten Ethnie  beleidigen und die soziale Ungleichheit für einen Moment humorvoll aufheben. Ursprung der Scherzverwandtschaft zwischen Ethnien, die Beleidigungen bei Hochzeits- und Beerdigungsriten vorschreibt aber gleichzeitig beide Ethnien zu unbedingter Hilfeleistung und Solidarität verpflichtet, sind oft über 500 Jahre alte Friedensverträge zwischen den Ethnien und die Einsicht, dass kein Stamm den anderen physisch dominieren kann. Kaiser Soundiata KeitaÖffnet externen Link in neuem Fenster befahl seinen unter sich verfeindeten Stammesführern, ihren kriegswütigen Untertanen zu sagen: "Zieht mit den Waffen gegen die Feinde, aber wenn ihr sie seht, beschimpft sie erst solange, bis ihr euch krümmt vor Lachen, dann überlegt euch, ob ihr kämpft!" So entstand das erste afrikanische Großreich in Westafrika - im 13. Jahrhundert.

Altersgruppen und Geschlechterverhältnisse

In Burkina Faso finden alle 10 Jahre Volkszählungen statt. Die letzte Erhebung auf nationalem Niveau fand 2006 statt. Die Daten sind beim "Institut National de la Statistique et de la Démographie" INSDÖffnet externen Link in neuem Fenster einzusehen. Daneben gibt es keine verlässlicheren Quellen. Trotzdem hat World Fact Book eigene abweichende Zahlen. Deutlich wird, dass 46 % der Gesamtbevölkerung von 2006 jünger als 15 Jahre alt ist. Die folgende Tabelle bietet einen Vergleich der Altersstruktur in Deutschland und Burkina Faso nach Schätzungen von Juli 2011.

Burkina Faso

Deutschland

Durchschnittsalter

16,82

44,90

Bevölkerungsanteil 0-14 Jahre (%)

45,80

13,30

Bevölkerungsanteil 15-64 Jahre (%)

51,70

66,10

Bevölkerungsanteil über 65 Jahre (%)

2,50

20,60

Verhältnis Männer/Frauen

0,96

0,99

Quelle: CIA - The World Fact BookÖffnet externen Link in neuem Fenster

Das Geschlechterverhältnis der Bevölkerung in Burkina Faso zeigt eine deutliche Mehrzahl der Männer im Alter von 0 bis 14. Das  Geschlechterverhältnis schlägt nach dem 15. Lebensjahr um. Besonders im Alter zwischen 20 und 39 liegen die Zahlen der Männer und Frauen weit auseinander. Das dürfte daran liegen, dass der hohe Anteil im Ausland nach Arbeit suchender Männer bei Volkszählungen nicht erfasst werden kann.

Stadt-Land-Verhältnis

Migration in Burkina Faso © Jörg Lange

Die Kluft zwischen Stadt und Land kennzeichnet deutlich den Übergang von Tradition zu Moderne, in dem Burkina Faso ein Jahrtausend Entwicklung zu überspringen scheint. Die Infrastruktur auf dem Land (Wasser- und Stromversorgung, Schulen, Krankenanstalten, Straßen...) ist sehr dürftig bis inexistent. Es gibt auch heute noch Dörfer ohne Brunnen und ohne Schule. Die Analphabetenquote liegt in manchen ländlichen Gebieten über 90%. Für Jugendliche übt die Stadt mit ihren trügerischen Möglichkeiten einen starken Sog aus, während sie genug haben von der gähnend langweiligen Arbeit ihrer Eltern auf den Feldern, und für sie Arbeit auf dem Land keinen finanziellen Anreiz hat. Die Folge ist LandfluchtÖffnet externen Link in neuem Fenster. Ouagadougou und Bobo-Dioulasso wachsen dadurch rasant.

Während in früheren Jahrzehnten Arbeitermigration hauptsächlich eine Domäne von Männern war, hat die Migration von Mädchen - schon ab 12 Jahren - aus ländlichen Gebieten in die Städte oder Nachbarländer, wo sie etwas Geld als Haushaltshilfe in Familien verdienen wollen, enorm zugenommen. Terre des hommes weist am Beispiel der Provinz Sourou auf die soziale und rechtliche Unsicherheit der MädchenÖffnet externen Link in neuem Fenster hin.

=> Mikrosoziale Struktur

 

Dorfgemeinden, Clans und Familie

Im Gehöft eines Mossibauern © Jörg Lange

Das Leben im Dorf bedeutet Leben als Teil einer Großfamilie. Die Prinzipien des Zusammenlebens sind weitgehend archaisch. Mit wenigen Ausnahmen (z.B. Lobi) ist die Familienstruktur patriarchal, es gilt Polygamie und Exogamie, d.h. die Frauen eines Dorfes stammen aus anderen Dörfern (ausgeweitetes Inzesttabu). Weitere Kennzeichen sind ein innerer Egalitarismus und Seniorenprinzip. Über die Regeln des Zusammenlebens wachen die Ahnen, mit denen ein Ältestenrat oder der Erdpriester in Verbindung steht. Vor allem das Eheversprechen von unmündigen Töchtern bzw. die Zwangsheirat haben in den letzten Jahrzehnten für viele Konflikte mit oft tödlichem Ausgang gesorgt.

Auf den Feldern arbeitet die ganze Familie, wobei Frauen u.U. auch eigene Felder bewirtschaften können. Frauen können durch Handel auf Märkten ihr Haushaltsgeld aufstocken. Ihnen obliegen die täglichen Aufgaben innerhalb des Hofes, während Männer für Bau und öffentliche Angelegenheiten zuständig sind.

Heute gibt es in so gut wie in jedem Dorf mindestens eine Bauern-Selbsthilfegruppe. Darunter sind viele Frauengruppen oder Jugendgruppen.

Infolge von ländlicher Armut und Landflucht fällt heute zunehmend auf, dass Dörfer von Alten und Kindern bewohnt werden, während die Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter in den Städten lebt.

Die bäuerliche Tradition lebt auch bei denen, die längst in der Stadt wohnen, weiter. Auch ein Mossi, der seit Jahrzehnten in Abidjan arbeitet, fürchtet dort die Ahnen seiner Familie. Wer meint, sich von der alte Tradition lösen zu können, wird von ihr wieder eingeholt. Denn er bleibt ein Element in der tabubesetzten Vorstellungswelt seiner Familie.

Hierarchien und Kasten

Ein gewählter "Délégué" vertritt das Dorf gegenüber dem Präfekten des Departements, gibt ihm Rechenschaft über Vorgänge im Dorf ab und hat exekutive Gewalt. Einem Ältesten oder Erdpriester obliegt die sakrale Macht. Er regelt auch Streitfälle und entscheidet über Landnutzung. An einzelnen Orten haben noch feudale Familien die sog. Chefferie traditionnelleÖffnet externen Link in neuem Fenster. Während zur Zeit Sankaras der Einfluss der traditionellen Leader zugunsten der jungen CDR-Vertreter zurückgedrängt wurde, instrumentalisiert heute die regierende Partei CDP das Ansehen traditioneller Autoritäten für ihre Wahlergebnisse.

Bis heute gibt es in ländlichen Gegenden Burkina Fasos sozio-professionelle Gruppen, die alle Kennzeichen einer Kaste tragen. Dies gilt insbesondere für Schmiede in Yatenga oder GriotsÖffnet externen Link in neuem Fenster im Südwesten oder bei den Fulbe. Das "Wir-Gefühl" als Kaste ist bei Schmieden im Norden von Burkina Faso ausgeprägter als die ethnische Zugehörigkeit. Als Beherrscher von Blitz, Feuer und Metall werden ihnen magische Fähigkeiten zugeschrieben. Sie werden von der bäuerlichen Gesellschaft zugleich ausgestoßen, gefürchtet, respektiert und gebraucht. Einem Schmied ein Huhn zu schenken kann eventuell Unheil abwehren. Keramikgefäße dürfen nur die Frauen der Schmiede herstellen.

Chef de Mahadaga
Traditioneller Chef Gourmantché in Mahadaga/Tapoa © Jörg Lange

Eherecht und Frauenrechte

Das moderne Zivilrecht steht traditionellen Vorstellungen von Ehe und Recht der Frau  diametral entgegen. Über eine Frau bestimmt nach patriarchalem Denken bis zur Verheiratung ihr Vater, danach ihr Ehemann und nach dessen Tod einer seiner Brüder. Ein Mann behält somit die Kontrolle über weibliche Sexualität, um die gesellschaftlich bedeutsame Abstammung des Kindes von einem Mann sicherzustellen. Dass eine Frau ein Selbstbestimmungsrecht hat, ist für eine Burkinerin eine noch sehr junge Entdeckung, die mit dem Einbruch der Moderne, also Ende des 20.Jahrhundert gekommen ist.

Laut Verfassung sind Männer und Frauen gleichberechtigt. Auch das Arbeitsrecht und die Gesetze zum Grundbesitz nehmen Bezug auf die Gleichbehandlung der Geschlechter. Im Eherecht stehen als Optionen Monogamie und Polygamie offen, wobei natürlich beide Ehepartner zustimmen müssen.

Ein EssayLeitet Herunterladen der Datei ein beschreibt, wie die Burkinerin auf einem Motoroller, der Yamaha dame, zu neuem Selbstbewusstsein in der Stadt gelangte. Entscheidende Impulse zur Übernahme neuer Rollen der Frau setzte die Zeit der Revolution 1983-1987, die sich auch Revolution der Frau nannte. Durch skurrile Maßnahmen wie Einkaufsverbotstage für Frauen wurde versucht, die Perspektiven der Frauen in den gesellschaftlichen Mittelpunkt zu stellen. 

Das panafrikanische Netzwerk der Organisationen für Frauenrechte und Entwicklung WiLDAF/FeDAFFÖffnet externen Link in neuem Fenster bietet ein umfassendes Statement über die Stellung der FrauÖffnet externen Link in neuem Fenster in Burkina Faso. Die Regierung versucht, die auf der Weltfrauenkonferenz von Peking verabschiedeten Instrumente zur Anwendung (nationaler AktionsplanÖffnet externen Link in neuem Fenster, Fortschrittsberichte an CEDAW etc.) zu bringen. 

Weibliche Genitalverstümmelung, Zwangsheirat, Hexenvertreibung

Tapoa, im Osten von Burkina Faso
Mädchen in Tapoa © Jörg Lange

Brisante Themen in der burkinischen Gesellschaft, die sich mit den Rechten der Frau beschäftigen, sind die weibliche GenitalverstümmelungÖffnet externen Link in neuem Fenster, die Zwangsheirat und die Vertreibung von HexenÖffnet externen Link in neuem Fenster.

Weit mehr als die Hälfte aller erwachsenen Burkinerinnen erlitten BeschneidungenÖffnet externen Link in neuem Fenster durch  Klitoridekotomie oder Exzision. Das Durchschnittsalter ist 6 Jahre. Traditionelle Beschneiderinnen führen die Operation mit unsterilen Messern oder Klingen durch, was ein hohes Infektionsrisiko mit sich bringt. Sinn und Ursprung dieser Praxis, die quer durch Ethnien und Religionen geht, liegen im Dunkeln. Seit November 1996 ist Beschneidung per Gesetz verboten und muß angezeigt werden. UmfangreicheÖffnet externen Link in neuem Fenster SensibilisierungskampagnenÖffnet externen Link in neuem Fenster, an denen auch Imame beteiligt sind, haben in den letzten 15 Jahren für einen starken Rückgang dieser Praxis gesorgt.

Die Verheiratung von Töchtern ist traditionell bei den Mossis dem zwischenfamiliären Beziehungsnetz des Familienchefs untergeordnet. D.h. der Vater kann seine Tochter schon zum Zeitpunkt der Geburt oder davor einem Freund oder dessen Sohn versprechen und erhält darauf über Jahre Geschenke wie Tabak oder Kolanüsse. Er kann mit dem Versprechen auch Schuld sühnen oder wichtige Beziehungen einfädeln. Die spätere Weigerung der Tochter ist Tabubruch und wird mit Verbannung streng geahndet. Das moderne Gesetz verbietet ZwangsheiratÖffnet externen Link in neuem Fenster, kann damit aber familiäre Tragödien nicht verhindern.

Schweres Unheil hat nach traditionellem Denken seine Ursache im Willen eines anderen Menschen. Mit Hilfe von Magie werden Schuldige aufgespürt. Sündenböcke für den Tod von Kindern sind dabei alte Frauen, die als SeelenesserinnenÖffnet externen Link in neuem Fenster entlarvt werden. Sie müssen aus ihren Dörfern fliehen und einige gelangen bis in die Hauptstadt Ouagadougou. Sie verbringen den Rest ihres Lebens in Asylen wie dem "Centre d´accueil de Delwende", das über 400 FrauenÖffnet externen Link in neuem Fenster beherbergt. Im November 2011 berichtete das burkinische Fernsehen über die Umsiedlung des Asyls nach Sakoula, dem nord-östlichen Stadtrand von Ouagadougou. Die vertriebenen Frauen wurden dabei als "PensionnairesÖffnet externen Link in neuem Fenster" bezeichnet.

Bildung

=> Schulausbildung

Schulkinder in Burkina Faso
Schulkinder in Fada N´Gourma
© Jörg Lange

Das formelle AusbildungssystemÖffnet externen Link in neuem Fenster ist weitgehend vom französischen Vorbild übernommen, genauso wie die Schulabschlüsse C.E.P., B.E.P.C. und BAC. Obwohl Schulpflicht ab 6 Jahre besteht, durchlaufen weniger als die Hälfte aller Kinder die sechsjährige Grundschule. Es gibt viel zu wenig Lehrer und Schulen. Vorallem in der Ost-Region werden notdürftig Klassen unter StrohdächernÖffnet externen Link in neuem Fenster eingerichtet. Da ein Schulabschluss keinen bezahlten Job mehr garantiert, ist die Bereitschaft der Eltern, ihre Kinder zur Schule zu schicken, gesunken. Kosten für Elternbeitrag, Schulmaterial und Kleidung belaufen sich bei einem Grundschüler auf nicht mehr als 10,- EURO pro Jahr. Schulkinder fallen aber als Haushaltshilfen oder zum Hüten von Schafen in den Familien aus. In Städten können Klassen mit 102Öffnet externen Link in neuem Fenster Kindern - manchmal auch noch mehr -  besetzt sein. Bei solchen Verhältnissen sinkt die Qualität des Unterrichts stetig. 14 % aller Kinder erreichen weiterführende Schulen, also Collège (Realschule) oder Lycée (Gymnasium), die sich zu 90 % in Städten befinden.

Wer über Geldmittel verfügt, schickt seine Kinder - wie es die verantwortlichen Politiker und ausländischen Entwicklungsexperten tun - auf private Schulen, die teure französische oder amerikanische Schule und läßt sie im Ausland studieren. Das Vertrauen in die staatlichen Schulen und Universitäten unter dem Ministère de l´Enseignement de Base et de l´Alphabetisation (MEBAÖffnet externen Link in neuem Fenster) und dem Ministère de l´Enseignement Secondaire Supérieure et de la Recherche Scientifique (MESSRSÖffnet externen Link in neuem Fenster) ist bei fehlender Ausstattung und schlecht bezahlten Lehrern gering.

Schulausbildungsstand in den Provinzen
Entwicklungsstand der Schulbildung in den einzelnen Provinzen.
© IRD

Die letzte Analyse der UNESCOÖffnet externen Link in neuem Fenster zur Schulsituation in Burkina Faso stammt aus dem Jahr 2009. Aus den Zahlen geht u.a. hervor, dass die Benachteiligung von Mädchen bei der Einschulung zurückgeht, weniger aber bei weiterführenden Schulen.

Versuche mit einem zweisprachigen Grundschulsystem, "école bilingueÖffnet externen Link in neuem Fenster", mit besonderer Unterstützung der Schweizerischen NRO OSEOÖffnet externen Link in neuem Fenster, stecken noch in den Anfängen.

Laut HDIÖffnet externen Link in neuem Fenster von 2011 hat Burkina Faso die niedrigste Quote im Schulbesuch auf der ganzen Welt. Es fehlt der politische Wille, Grundbildung als vorrangiges Ziel der Entwicklung des Landes anzuerkennen und zu fördern. Auch für die deutsche Entwicklungszusammenarbeit ist Bildung in Burkina Faso kein Schwerpunkt.

=> Fach- und Hochschulausbildung

Es gibt in Burkina Faso drei staatliche Universitäten (die Université de OuagadougouÖffnet externen Link in neuem Fenster, die Université PolytechniqueÖffnet externen Link in neuem Fenster de Bobo-Dioulasso und die Université de KoudougouÖffnet externen Link in neuem Fenster) und zwei katholische Privatuniversitäten (die Université St Thomas d'AquinÖffnet externen Link in neuem Fenster bei Ouagadougou und die Université Catholique d'Afrique de l'OuestÖffnet externen Link in neuem Fenster in Bobo-Dioulasso). Die größte ist die Université de Ouagadougou. Bis heute fehlt es immer noch an ausreichenden Studienmöglichkeiten. Die Regierung gewährt deshalb für die Ausbildung an europäischen und afrikanischen Universitäten Stipendien. Die Universitäten bieten teilweise berufsbezogene Ausbildungsprogramme an.

Neben den Universitäten gibt es einige regionale Fachhochschulen wie 2ieÖffnet externen Link in neuem Fenster. Weitere Informationen über die Hochschulausbildung in Burkina Faso bieten das MESSRSÖffnet externen Link in neuem Fenster (Ministère de l'Enseignement Supérieur et de la Recherche Scientifique) und die Datenbanken des Internationalen Büros für ErziehungÖffnet externen Link in neuem Fenster der UNESCO an. Ein weiterer Online-Service derselben Institution, UNEVOCÖffnet externen Link in neuem Fenster, führt eine aktuelle Liste international anerkannter technischer Berufsschulen in Burkina Faso. Insgesamt bleiben berufsspezifische Ausbildungsangebote in Burkina Faso aber Mangelware. 

=> Non-formale Ausbildung

Die non-formale Bildung umfasst im Wesentlichen das AlphabetisierungsprogrammÖffnet externen Link in neuem Fenster des MEBA (Ministère de l'Enseignement de Base et de l'Alphabétisation). Geldgeber für dieses Programm sind die EU, UNICEF, die Weltbank, PAM und die Afrikanische Entwicklungsbank, Frankreich, Kanada, Belgien, Niederlande, Schweden, Luxemburg, VR China, Dänemark. 

Alphabetisierung in lokalen Sprachen bietet unter anderem die Selbsthilfeorganisation "Association Tin TuaÖffnet externen Link in neuem Fenster" mit Sitz in Fada N´Gourma an. Tin Tua wurde 2009 dafür mit einem Preis der UNESCOÖffnet externen Link in neuem Fenster ausgezeichnet.

Gesundheit und Sozialwesen

=> Moderne Medizin

Laut Statistik der WHOÖffnet externen Link in neuem Fenster (Weltgesundheitsorganisation) sind Infektionen der Atemwege (insbesondere Lungenentzündung) die häufigste Krankheit und häufigste Ursache für den Tod von Kindern. Dicht darauf folgen Malaria und Durchfallerkrankungen. Ein weiteres Problem ist eine hohe Infektionsrate von HIV/AIDSÖffnet externen Link in neuem Fenster. Eine gefährliche und oft tödlich verlaufende Infektionskrankheit ist auch MeningitisÖffnet externen Link in neuem Fenster. Burkina Faso wird während der Trockenzeit in den Monaten Februar bis April regelmäßig von Epidemien der Meningokokken-Hirnhautentzündung (Meningitis) heimgesucht. 

Die moderne GesundheitsversorgungÖffnet externen Link in neuem Fenster ist auf insgesamt fünf Ebenen (vergleichsweise Dorf, Departement, Provinz, Region, Land) organisiert:

  • Poste de Santé Primaire (PSP)
  • Centre de Santé et de Promotion Sociale (CSPS)
  • Centre Médical (CM) bzw. Centre Médical avec Antenne Chirurgicale (CMA)
  • Centre Hospitalier Regional (CHR)
  • Centre Hospitalier National (CHN)

Auf unterster Ebene ist die Ausstattung sehr schlecht bis gar nicht vorhanden. In einem CSPS ist normalerweise kein Arzt anzutreffen. Das Zentrum wird von einem Krankenpfleger geleitet, der hier die Kompetenzen eines Chefarztes haben soll. Der "CHN Yalgado OuedraogoÖffnet externen Link in neuem Fenster" in Ouagadougou hat den Ruf, eine Sterbestation zu sein. Ärzte sind hier überfordert und schlecht bezahlt. Gelder fließen unter der Hand. Die Zustände sind für europäische Maßstäbe chaotisch. Wer es sich leisten kann, bringt seine Kranken in private Krankenanstalten, wo oft dieselben Ärzte aus "Yalgado" nach Feierabend behandeln.

=> Traditionelle Medizin

Die nach französischer Medizin ausgebildeten Ärzte verschreiben oft ellenlange Rezepte und haben wenig Vorbehalte gegen die Anwendung von Antibiotika. Das schreckt bereits viele ab, für die "weiße" Medikamente unerschwinglich teuer sind, überhaupt zu einem Arzt zu gehen. Der Verkauf unkontrollierter Medikamente von fliegenden Händlern, die meist aus Ghana eingeführt werden, blüht trotz vieler GegenkampagnenÖffnet externen Link in neuem Fenster ("Les médicaments de la rueÖffnet externen Link in neuem Fenster, ça tue!").

Viele gehen zu Heilern mit magischen Fähigkeiten oder Scharlatanen, die Gris-grisÖffnet externen Link in neuem Fenster (Glücksbringer) verkaufen oder geisterbeschwichtigende Handlungen auferlegen (z.B. ein Ei im Straßenverkehr aus einem Taxi fallen lassen, einem Blinden ein Tuch geben, Brot an bettelnde Koranschüler, einen roten Hahn an einen Schmied...). Nach ihrem Verständnis hat Krankheit seinen Ursprung in einer verborgenen Welt, in der sie auch durch Beruhigung der Geister (Kinkirgha) geheilt werden kann. 

Daneben ist die traditionelle Medizin auf pflanzlicher BasisÖffnet externen Link in neuem Fenster (pharmacopéeÖffnet externen Link in neuem Fenster) Bestandteil des Gesundheitssystems geworden. Sie ist in Burkina Faso seit 1994 gesetzlich anerkannt. Im Jahre 2004 hat Burkina Faso dieser Medizin einen bezeichnenden Impuls gegeben. So ist eine nationale PolitikÖffnet externen Link in neuem Fenster zur Regulierung des Sektors am 13. Oktober 2004 von der Regierung angenommen worden. Die Praxisbedingungen und die Zulassung für Naturheilmittel sind ebenfalls von der Regierung in Zusammenarbeit mit den Akteuren des Fachgebietes definiert worden. Über 30.000 Heilpraktiker soll es im ganzen Land geben. Der Bereich entwickelt sich weiter. Moderne Strukturen und Unternehmen wie PROMETRAÖffnet externen Link in neuem Fenster Burkina, PhytosalusÖffnet externen Link in neuem Fenster, PhytoflaÖffnet externen Link in neuem Fenster usw. sind in städtischen Gebieten bereits anerkannte Institutionen.  

Bilder ausgewählter Produkte der Naturheilpraktiker-Genossenschaft, Phytosalus
Ausgewählte Produkte der Naturheilpraktiker-Genossenschaft, Phytosalus.
© Phytosalus

=> Sozialwesen: Organisationen und Institutionen

Im sozialen Bereich verfügt Burkina Faso über eine Vielzahl von Nichtregierungsorganisationen oder Selbsthilfegruppen aller Art. Die Vernetzung und Koordination dieser NRO wird durch eine Reihe von Dachorganisationen, wie beispielsweise das Sekretariat der NRO (SPONGÖffnet externen Link in neuem Fenster) gesichert.

Eine der wichtigsten staatlichen Institutionen für Gesundheits- und Altersversorgung ist die seit über 50 Jahren bestehende CNSSÖffnet externen Link in neuem Fenster (Caisse Nationale de Sécurité Sociale). Ihre Aufgabe ist es, die sozialen Sicherungssysteme für Lohnabhängige und ihre Familienangehörigen (ca. 20 % der Bevölkerung) in Burkina Faso zu verwalten. Die Vorsorge-Institution ist in drei Zweige gegliedert:
- Die Familienversicherung zahlt Leistungen (z.B.: Schwangerschaftsgeld, Familienzulagen und Unterstützungsleistungen für Mutter und Kind in Form von Sachleistungen) an Familienangehörige.
- Die betriebliche Versicherung ist zuständig für Leistungen bei Unfällen und Berufskrankheiten.
- Die Rentenversicherung greift bei AltersversorgungÖffnet externen Link in neuem Fenster, Invalidität und Tod des Versicherten.
Diese Leistungen werden mit gesundheitlichen und sozialen Maßnahmen ergänzt.
In Burkina Faso besteht eine Pflichtversicherung für alle Arbeitnehmer.

Die CNSS bietet keine allgemeine Krankenversicherung an. Diese wird nur von privaten Versicherungsgesellschaften angeboten. Allerdings sind die Leistungen auch dort sehr beschränkt.

Der Bauernschaft, die 80 % der Bevölkerung ausmacht, kommen solche Möglichkeiten nicht zugute. Für sie ist weiterhin die Großfamilie Solidargemeinschaft im Fall von Hunger und Krankheit.

Um soziale Randgruppen wie Bettler, Verrückte (les fous), vertriebene Hexen, wegen Schwangerschaft verstoßene Teenager... aufzufangen, gibt es ein Sozialamt, "L´Action SocialeÖffnet externen Link in neuem Fenster", deren Möglichkeiten bei knappen Geldmitteln bescheiden ausfallen. 

Kultur

=> Events

Plakat vom FESPACO 2011
Plakat vom FESPACO 2011
©FESPACO

Das bekannteste weltweit beachtete kulturelle Großereignis von Burkina Faso sind die Filmfestspiele "Festival Panafricain du Cinéma et de la Télévision de Ouagadougou", die FESPACOÖffnet externen Link in neuem Fenster. Diese finden seit 1969 alle zwei Jahre in Ouagadougou statt. Sie gelten als "Schaufenster" des afrikanischen Kinos. Das 22. Festival des afrikanischen Films fand vom 26. Februar bis zum 05. März 2011 statt. Sieger des "Grand Prix Etalon de Yennenga" wurde der äthiopische Film "TezaÖffnet externen Link in neuem Fenster" von Hailé Germia, der in Deutschland und Äthiopien in den 1970er Jahren spielt. Die FESPACO ist inzwischen eine volksfestartige Massenveranstaltung geworden mit kilometerlangen Verkaufsständen. Einen Platz im Kino muß man sich schwer erobern. Beeindruckend ist, wie das Publikum bei Filmen "mitgeht".

Zweitgrößtes kulturelles Ereignis ist die SIAOÖffnet externen Link in neuem Fenster, der "Salon International de l'Artisanat de Ouagadougou", eine Kunsthandwerksmesse. Sie findet in zweijährigem Rhythmus statt. Die 12. Ausgabe der SIAO wird vom 26.10.2012 bis 04.11.2012 stattfinden. Sie zeigt auf fast 10.000 m² Ausstellungsfläche Produkte aus ganz Afrika. Das reichhaltige Angebot an burkinischem Kunsthandwerk zeugt von der handwerklichen Tradition. Als wichtigste Handelswaren sind Bronzestatuetten, die mit der Technik der verlorenen Form hergestellt werden, Holzarbeiten, wie Masken und Statuetten, aber auch Musikinstrumente (Djembé, Balafone etc.), Lederwaren, Flechtwaren, Baumwolldecken und traditionelle Stoffe, sowie mit unterschiedlichen Batiktechniken eingefärbte und bemalte Stoffe und Bilder zu nennen. Die Veranstalter der SIAO nahmen im November 2011 auch am Import ShopÖffnet externen Link in neuem Fenster in Berlin teil.

Ebenfalls zweijährig wird die "Semaine Nationale de la Culture" (SNCÖffnet externen Link in neuem Fenster) abgehalten. Ziel der SNC ist die Förderung der nationalen Kulturszene. Mit wechselnder Themenstellung wird sie seit 1990 in Bobo-DioulassoÖffnet externen Link in neuem Fenster abgehalten. Bei der Preisvergabe werden in unterschiedlichen Kategorien auch die kulturellen Unterschiede der Regionen berücksichtigt.

Nicht nur vom Staat wird die Kulturszene animiert, sondern auch von privaten und professionellen Kulturinstitutionen. Eine Agenda aller nennenswerten Veranstaltungen findet sich auf der Seite von Association Culture et PartageÖffnet externen Link in neuem Fenster.

Einige international bekannte unabhängige Veranstaltungen sind:

 

Ouaga-ca-bouge.netÖffnet externen Link in neuem Fenster bietet aktuelle Informationen über bald in Ouagadougou (aber auch an anderen Orten des Landes) stattfindende kulturelle Veranstaltungen an. 

=> Film und Theater

Neben der Austragung der FESPACO als größte afrikanische Filmfestspiele hat Burkina Faso selber international renommierte FilmemacherÖffnet externen Link in neuem Fenster hervorgebracht. Unter anderem erhielten die Filme "Wend Kuuni" und "Buud Yam" von Gaston KaboréÖffnet externen Link in neuem Fenster sowie "Tilai" von Idrissa OuedraogoÖffnet externen Link in neuem Fenster mehrere  große Preise, auch in Cannes. Die Filme behandeln meist Probleme der Tradition Afrikas und sind ästhetisch und filmtechnisch vom französischen Film beeinflußt. Weiterhin international bekannt wurden Fanta Régina NacroÖffnet externen Link in neuem Fenster, Pierre YaméogoÖffnet externen Link in neuem Fenster, Appoline Traore, Sanou Kollo David und Dani KouyatéÖffnet externen Link in neuem Fenster, der Sohn des bekannten Schauspielers Sotigui Kouyaté.

Komödienhafte Fernsehserien werden im eigenen Land gedreht. Besonders beliebt sind "Commissariat de TampyÖffnet externen Link in neuem Fenster", "Kadi JolieÖffnet externen Link in neuem Fenster" und "Les BobodioufÖffnet externen Link in neuem Fenster", "Faits de sociétéÖffnet externen Link in neuem Fenster" oder "Vis A VisÖffnet externen Link in neuem Fenster". Viel beachtet ist augenblicklich die Serie "Le TestamentÖffnet externen Link in neuem Fenster" von Appoline Traore, in der es nicht immer komödienhaft zugeht.

Die Theaterlandschaft ist sehr bunt. Es gibt viele kleine Theater, die zum Teil versuchen, über soziale Probleme aufzuklären. Viele kämpfen dabei selber mit dem Überleben. Inspiriert vom brasilianischen "Theater Forum" gründete Prosper Compaore 1978 das Atelier-Théâtre-BurkinabéÖffnet externen Link in neuem Fenster als "soziales Theater" oder "Entwicklungstheater". Der Schauspieler Etienne MinougouÖffnet externen Link in neuem Fenster war bereits mehrmals in Deutschland auf der Bühne zu sehen.

=> Kunst und Literatur

Unter den Künstlern ist der Bildhauer Jean-Luc BambaraÖffnet externen Link in neuem Fenster durch Ausstellungen in Europa bekannt. Er war auch an der Entstehung des Skulpturenparks in LaongoÖffnet externen Link in neuem Fenster beteiligt. Adama Pacode (geb.1970) ist für seine Assemblagen bekannt, in denen er Mythen und Riten als lebendige Kräfte beschreibt. Als noch junge MalerÖffnet externen Link in neuem Fenster sind  Christoph Sawadogo, Mahamoudou Zinkoné ("naive" Malerei), Kader Boly und Inoussa Simporé zu nennen.

Literatur begann in Burkina Faso mit dem ersten Aufschreiben alter Mythen und Legenden. LiteraturgeschichteÖffnet externen Link in neuem Fenster begann aber erst nach der Unabhängigkeit mit dem Werk von Nazi BoniÖffnet externen Link in neuem Fenster (1909-1969) "Crépuscule des temps anciens" aus dem Jahr 1962. Es geht dabei um die Konfrontation traditioneller Werte mit dem herrschenden Kolonialismus. Das Buch ist gleichzeitig eine Chronik der Geschichte seines Stammes, der BwamuÖffnet externen Link in neuem Fenster. Wie Boni waren Roger Nikiema, Pierre Dabiré und Maître Titinga Frédéric PacéréÖffnet externen Link in neuem Fenster als Schriftsteller von der NégritudeÖffnet externen Link in neuem Fenster beeinflußt, nicht zu vergessen Joseph Ki-Zerbo ("Die Geschichte Schwarz-Afrikas"). Als Schriftstellerinnen traten in neuerer Zeit Monique Ilboudo (Juristin, Politikerin, Romanautorin), Bernadette Sanou und Sophie Heidi Kam (geb. 1968, Dichterin und Dramaturgin) in Erscheinung. Mit Tradition und Kolonialismus befasst sich auch die esoterisch anmutende Autobiographie "Vom Geist AfrikasÖffnet externen Link in neuem Fenster - Das Leben eines afrikanischen Schamanen" (Original: "Of water and the spirit") von Malidoma Patrice SoméÖffnet externen Link in neuem Fenster, der seit langem als Professor in den USA lehrt. Sein Buch führt in Geheimnisse der magischen Welt der Dagara. SoméÖffnet externen Link in neuem Fenster wurde als 6-jähriges Kind von einem französischen Pater entführt und auf einer Jesuitenschule erzogen.

=> Musik

Musik als ästhetisches Klangerlebnis kennt man in Burkina Faso erst seit dem 20. Jahrhundert. Traditionell hat Musik ihren Sitz im kultischen oder sakralen Leben. Geschichte(n) wurde(n) von GriotsÖffnet externen Link in neuem Fenster gesungen.

Das in Pentatonik gestimmte BalafonÖffnet externen Link in neuem Fenster mit bis zu 21 Stäben ist im Westen von Burkina Faso vor allem bei den Senufo (Weltkulturerbe der UnescoÖffnet externen Link in neuem Fenster) verbreitet, während im Osten und im Mossigebiet traditionelle Musik aus Trommeln und Flöten hervorgebracht wird. Dabei ist Musik immer mit Bewegung verbunden. Flöten sind manchmal nur auf einen Ton gestimmt. Die Tonfolge entsteht, indem mehrere Flötisten ihren unterschiedlichen Ton synchron zu gemeinsamen rhythmischen Gehbewegungen blasen, jeder an seiner Stelle. In Ouagadougou befindet sich ein Museum für MusikinstrumenteÖffnet externen Link in neuem Fenster.

In der Rock- und Reggeamusik errang Black So ManÖffnet externen Link in neuem Fenster internationalen Ruhm. Der scharfe Systemkritiker starb 2002 an den Folgen eines Autounfalls. Ein weiterer bekannter Reggaekünstler ist seit 20 Jahren ZêdessÖffnet externen Link in neuem Fenster.

Bil Aka KoraÖffnet externen Link in neuem Fenster konnte schon zweimal den Prix de Kundé d´orÖffnet externen Link in neuem Fenster gewinnen. Er greift auf traditionellen Tanz und Musik seines Stammes der Kassena zurück. 

Der im Februar 2012 gestorbeneÖffnet externen Link in neuem Fenster Georges OuédraogoÖffnet externen Link in neuem Fenster prägte als Sänger und Komponist fast fünf Jahrzehnte lang burkinische Musik. In den 1960er Jahren war er Schlagzeuger im "Volta-JazzÖffnet externen Link in neuem Fenster" und tingelte - nach Aufenthalten im "Jazz club quartier latin" von Treichville/Abidjan - in den 70ern mit der karibisch-afrikanischen Gruppe BozamboÖffnet externen Link in neuem Fenster durch Westdeutschland.  Ins eigene Land zurückgekehrt ließ er mit langsamen oder schnellen Takten Generationen von Burkinabé tanzen. Er integrierte auch Elemente des WarbaÖffnet externen Link in neuem Fenster (dem traditionellen Tanz der Mossi) in seine zeitgenössisch popartige Rhythmen und sang auf Französisch, Mooré und Dioula. Georges Ouedraogo wurde 2000 von Kundé zum "besten Künstler aller Zeiten" gewählt. 2003 schuf er mit "RosalieÖffnet externen Link in neuem Fenster" einen Hit, der bis heute in burkinischen Ohren wurmt. Sein Spitzname auf Mooré lautete "Gandaogo (= der, der wagt) National".
Drei Monate später, am 03.05.2012, verstarb auch der virtuose Saxophonist Thomas TiendrébéogoÖffnet externen Link in neuem Fenster, der 1963 die "L`Echo Volta" und 1975 "Les suprêmes KombembaÖffnet externen Link in neuem Fenster" gründete und mit ihnen die Jazzszene Obervoltas der 60er und 70er Jahre bereicherte.

Wie Georges Ouédraogo erhielt auch Amety MeriaÖffnet externen Link in neuem Fenster den Prix de Kundé d´or.

Augenblicklich werden FlobyÖffnet externen Link in neuem Fensterund WendyÖffnet externen Link in neuem Fenster viel gehört.

Im Bereich des Hiphop sind SmockeyÖffnet externen Link in neuem Fenster (Serge Bambara) und das Duo YeleenÖffnet externen Link in neuem Fenster bekannt.

Die ListeÖffnet externen Link in neuem Fenster weiterer Sänger und Sängerinnen ist lang.

=> Sport

Die Provinz SourouÖffnet externen Link in neuem Fenster ist Hochburg des in Westafrika verbreiteten "Lutte traditionnelleÖffnet externen Link in neuem Fenster", eines Jahrhunderte alten Ringkampfes. In Toma finden jährlich Wettbewerbe statt.

Im Radrennsport findet jedes Jahr in Burkina Faso die "Tour du FasoÖffnet externen Link in neuem Fenster" statt. Die erfolgreichsten Radfahrer der letzten Jahre sind Jérémie OuédraogoÖffnet externen Link in neuem Fensterund Abdoul Wahab SawadogoÖffnet externen Link in neuem Fenster.

Irène TiendrébéogoÖffnet externen Link in neuem Fensternahm als Hochspringerin an Weltmeisterschaften und den Olympischen Spielen in Atlanta 1996 teil. Zurzeit sorgt Marthe KoalaÖffnet externen Link in neuem Fenster als Athletin für Schlagzeilen.

Der Boxsport wurde Anfang der 1990er Jahre von dem Münchener Tourismusveranstalter Siggi Krigar († 2009) gefördert und brachte im Superfedergewicht den Afrikachampion 1996 Nabaloum DramaneÖffnet externen Link in neuem Fenster hervor. Er wurde zu einem Idol der Jugend und ist noch heute unter dem Namen Boum-BoumÖffnet externen Link in neuem Fenster bekannt.

Im Fußball kämpfen traditionelle Mannschaften wie ASFA YennengaÖffnet externen Link in neuem Fenster, EFOÖffnet externen Link in neuem Fenster (Etoile filante de Ouagadougou), Planète Champion (Verein der Fußballakademie) oder Santos FC OuagadougouÖffnet externen Link in neuem Fenster jedes Jahr um die burkinische Meisterschaft. International konnte sich die burkinische FußballnationalmannschaftÖffnet externen Link in neuem Fenster von 1978 bis 2012 für 8 Afrikameisterschaften (CAN) qualifizieren, schied jedoch regelmäßig, zuletzt im Januar 2012Öffnet externen Link in neuem Fenster, in der Vorrunde aus. Lediglich 1998 belegten die "Étalons" im eigenen Land den vierten Rang. Alle Nationalspieler sind bei ausländischen Vereinen verpflichtet. Fußballer wie Jonathan PitroipaÖffnet externen Link in neuem Fenster, Patrick ZoundiÖffnet externen Link in neuem Fenster, Wilfried SanouÖffnet externen Link in neuem Fenster  oder Aristide BancéÖffnet externen Link in neuem Fenster spielten in der 1. oder 2. Bundesliga.

Logo der Afrikameisterschaft in Burkina Faso 1998

Religion

Unvollendete Kathedrale von Ouagadougou © Kyselak
Moschee von Ouagadougou © Kyselak

In ländlichen Gebieten behaupten sich bis heute Formen eines seit Jahrhunderten, vielleicht Jahrtausenden gelebten "Animismus", deren Wesen die Kommunikation mit den Ahnen und die Beschwichtigung von Geistern ist. Nach den vorherrschenden religiös-metaphysischen Vorstellungen hat sich Gott "Wende", der Baumeister des Kosmos, weit von der Welt entfernt und die Herrschaft über Erde und Luft Geistwesen überlassen. Maskentänze - vorallem bei Totenfeiern -, Fetischopfer, rituelle Befragung der Ahnen, Ältestenräte, Talismane und übernatürliche Kraftausflüsse sind einige kultische Bestandteile, die das Leben in den Dörfern maßgebend bestimmen und deren Einfluß bis in das Stadtleben reicht.

Bis auf die Fulbe, die zu 99 % Moslems sind, sind die Ethnien - ja sogar die Familien - in ihrer Religionszugehörigkeit durchmischt. Weil Schulbildung ursprünglich in der Hand der katholischen Missionare lag, ist die überwiegende Zahl der Professoren und Politiker katholisch, obwohl KatholikenÖffnet externen Link in neuem Fenster kaum 15 % der Bevölkerung ausmachen. Kaufleute sind in der Mehrheit Moslems und sind zum Teil in KoranschulenÖffnet externen Link in neuem Fenster unterrichtet worden. Eine fanatisch intolerante Form des Islam ist in Burkina FasoÖffnet externen Link in neuem Fenster nicht anzutreffen. Moslems besuchen ihre dem Christentum anhängenden Freunde an christlichen Feiertagen und umgekehrt.

In der Ausübung ihrer Religion greifen sowohl Moslems als auch Katholiken auf viele Elemente des Ahnen- und Geisterglaubens zurück. Sofern diese Elemente nicht integriert werden können, leben ihre Derivate in den Städten als Parallelreligion weiter. Halb bedeckt bis offen blühen vielfältige Formen der Scharlatanerie und des "MaraboutageÖffnet externen Link in neuem Fenster", in denen sich einige die Verunsicherung vieler zunutze machen und die mit Spiritualität nichts zu tun haben. Protestantische Gruppen  (ca. 5 % der Bevölkerung) benutzen den Animismus eher als Folie, von der sie die neue Lehre abheben wollen und haften ihr dadurch weiterhin negativ an.

Autor

Jörg LangeÖffnet externen Link in neuem Fenster, Mag., Dipl.-Ing., geb. 1959, wohnhaft in Bad Honnef, Theologe und Wasserbauingenieur, seit 1985 mehrjährige Aufenthalte in Burkina Faso, 17 Jahre lang in der EZ in Westafrika, 11 Jahre mit dem DED, seit 2009 selbständige Fachkraft in der EZ.

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Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzen Mal im Mai 2012 aktualisiert.

Literaturhinweise

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