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Industrie und Landwirtschaft. © Collage, Honorat Badiel

Wirtschaft und Entwicklung

BeschreibungInhalt
BIP:
BIP/Kopf:
8,82 Mrd US$ 
570 US$
BIP/Kopf  (Kaufkraftparität):1.141 US$
Rang menschl. Entwicklung (HDI):Rang 181 / 187
Anteil Armut (unter 1,25  $ pro Tag):51,0%
Wirtschaftswachstum:5,6 %
Anteil alphabetisierte Erwachsene:21,8 %

Burkina Faso

Landesflagge Burkina Faso

Wirtschaft

Burkina Faso gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Auf dem Human Development Index  HDI 2011Öffnet externen Link in neuem Fenster des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDPÖffnet externen Link in neuem Fenster) rangiert das Land mit einem Index von 0,331 auf Platz 181 von insgesamt 187 Länder. Über 50% der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze von 1,25 US$ pro Tag. Das BruttonationaleinkommenÖffnet externen Link in neuem Fenster (BNE)  betrug 2011  1.141 US$ pro Kopf. In Deutschland liegt es 30-mal höher, nämlich bei 34.854 US$. Sehr schwankende Wetterbedingungen (Überschwemmungen 2009, 2010, Dürre 2011), ungünstige Binnenlage mit hohen Transportkosten, Mangel an abbaubaren Rohstoffen und preisgünstigen Energiequellen sowie sehr geringes Ausbildungs- und Produktivitätsniveau sind neben zunehmender Korruption einige von zahlreichen Standortnachteilen, die die WirtschaftsentwicklungLeitet Herunterladen der Datei ein beeinträchtigen und auch in absehbarer Zukunft in erheblichem Maße beeinträchtigen werden.

Kreativität im informellen Sektor - Selbstgebastelter Kompressor einer Zweiradwerkstatt © Jörg Lange

=> System und Sektoren

Burkina Faso ist ein AgrarlandÖffnet externen Link in neuem Fenster. Mehr als 80 % der Bevölkerung leben und arbeiten in ländlichen Gebieten. Insgesamt trägt der Primärsektor (LandwirtschaftÖffnet externen Link in neuem Fenster , ViehzuchtÖffnet externen Link in neuem Fenster, Fischerei und Forsten) durchschnittlich mit ca. 35 bis 39% zum BIPÖffnet externen Link in neuem Fenster bei. Er stellt die Haupteinnahmequelle des Landes dar.

Das Ziel, hinter Ägypten zweitgrößtes Anbauland für Baumwolle in Afrika zu werden, konnte Burkina Faso tatsächlich erreichen. Dieser Erfolg ist der NeuorganisationÖffnet externen Link in neuem Fenster und Teilprivatisierung des BaumwollsektorsÖffnet externen Link in neuem Fenster, der zuvor ein Monopol der Vertriebsgesellschaft "Société burkinabè des Fibres Textiles" SOFITEXÖffnet externen Link in neuem Fenster war, zu verdanken. Burkina Faso hat als erster Staat Westafrikas Versuche mit gentechnisch veränderter BaumwolleÖffnet externen Link in neuem Fenster zugelassen und damit heftige Verunsicherungen bei den Bauern hervorgerufen. Nach den ersten, sogenannten erfolgreichen Testergebnissen hat der Minister für Landwirtschaft beschlossen, die Kultur der gentechnisch veränderten Baumwolle ab 2007 zu verbreiten. Dies soll helfen, die Produktionskosten zu senken. Die NRO CV-OGM/BFÖffnet externen Link in neuem Fenster, Hauptgegner der genmanipulierten KulturenÖffnet externen Link in neuem Fenster in Burkina Faso, versuchte diese vorschnelle Entscheidung auch mit rechtlichen Mitteln zu verhindern.

Baumwolle ist neben Gold Hauptexportware. Seit Schließung der Fabrik Faso Fani (früher Voltex) 2000 wird Baumwolle kaum noch im eigenen Land verarbeitet. Unter dem Gesichtspunkt globalen Handels beschreibt der österreichische mit dem Deutschen Dokumentarfilm Preis 2009 ausgezeichnete Film "Let´s make MoneyÖffnet externen Link in neuem Fenster" den Baumwollhandel als Symbol des unfairen Handels. Auch die Deutsche Welthungerhilfe DWHHÖffnet externen Link in neuem Fenster weist auf die Folgen von Subventionen für Baumwolle in anderen Ländern auf die Situation in Burkina Faso hin.

Über 75% der Anbauflächen werden für die Getreideproduktion genutzt, die im Wesentlichen der Eigenversorgung dient. Im trockenen Norden dominiert die Kultur der kleinkörnigen PerlhirseÖffnet externen Link in neuem Fenster, während im übrigen Land SorghumÖffnet externen Link in neuem Fenster (großkörnige rote und weiße Hirse) und Perlhirse gleichermaßen angebaut werden. In den sudano-guineischen Vegetationsgebieten werden zusätzlich Reis, Mais und Wurzelknollen (YamsÖffnet externen Link in neuem Fenster, ManiokÖffnet externen Link in neuem Fenster, Süßkartoffeln) angebaut. Reis und Mais werden auch zunehmend in anderen Teilen des Landes in Bewässerungsperimetern angebaut. Der Anbau von Gemüse wird hauptsächlich in der Trockenzeit aus Brunnen, Rückhaltebecken oder Flüssen intensiv betrieben. Weitere Kulturen, die sowohl der eigenen Ernährung dienen, als auch für den Export bestimmt sind, sind Sesam, Erdnüsse, FonioÖffnet externen Link in neuem Fenster, KaritéÖffnet externen Link in neuem Fenster- und Cashewnüsse.

Die Bilanz für die Getreideproduktion war in den Jahren 2000-2010 - wie die "Direction Générale der Prévisions et Statistiques Agricoles", DGPSAÖffnet externen Link in neuem Fenster, bestätigt - überdurchschnittlich. Ausnahme bleibt der seit eh und je defizitäre Anbau von Reis. Die jüngste Getreideproduktion von 2011 ist aber in vielen Gegenden defizitär. Nach vorläufigen Bilanzen der Bourse Céréalière NationaleÖffnet externen Link in neuem Fenster sind im Jahr 2012 1,4 Millionen Menschen in Burkina Faso vom Hunger bedroht.

Die ViehzuchtÖffnet externen Link in neuem Fenster ist die zweitwichtigste Wirtschaftsaktivität des primären Sektors. Der Norden ist das Hauptgebiet der Viehwirtschaft. Vorherrschend ist traditionelle Wanderviehwirtschaft oder TranshumanzÖffnet externen Link in neuem Fenster. Eine ModernisierungÖffnet externen Link in neuem Fenster dieses Sektors ist noch nicht weit fortgeschritten. Rinder und Häute werden exportiert, hauptsächlich in die Elfenbeinküste.

Viermarkt
Viehmarkt in Fada N'Gourma.
© Charles Bakyono

Der landwirtschaftliche Sektor verfügt über Potentiale, deren Ausschöpfung von zahlreichen Problemen behindert wird:

  • ungünstige klimatische Bedingungen (u.a. starke Regenabhängigkeit, die lediglich durch Bewässerungsmaßnahmen und Erosionsschutz abgemildert werden kann),
  • wenig ertragreiche Böden,
  • unzulängliche Anbaumethoden und Viehzuchttechniken der traditionellen Subsistenzwirtschaft,
  • unzureichende Managementkapazitäten bzw. -kompetenzen zur optimalen Nutzung der vorhandenen Potenziale.

Die Anbautechnik (mit der DabaÖffnet externen Link in neuem Fenster = traditionelle Hacke) ist weitgehend rudimentär. Traktor und Pflug - wenn überhaupt erschwinglich - können auf Böden mit zu dünner Humusschicht oft mehr schaden als nutzen.
Sollten die Böden nicht ausreichend gegen Erosion geschützt werden, droht langfristig die Degradierung der natürlichen Ressourcen. Damit stehen die Produktionsgrundlagen insgesamt in Frage. Die etwas ertragreicheren Böden im Süden, Südwesten und Südosten werden für den Baumwollanbau unter Einsatz von Pestiziden intensiv genutzt, was unter Umweltgesichtspunkten weitere schwerwiegende Probleme darstellt.

Der Anteil des sekundären Sektors am BIP liegt bei 19%. Dieser Sektor ist noch weitgehend von staatlichen Unternehmungen (ElektrizitätÖffnet externen Link in neuem Fenster und WasserÖffnet externen Link in neuem Fenster) und dem Bausektor geprägt. Das Telekommunikationsunternehmen ONATELÖffnet externen Link in neuem Fenster wurde 2006 zu 49 % privatisiert. Nahrungsmittelverarbeitung, Montage von Mopeds und Getränkefabrikation sind weitere Industriezweige. Daneben umfasst der schwer messbare informelle Bereich über 60%.

Der tertiäre Sektor ist regelmäßig mit 40 bis 45% am BIP beteiligt. Er wird geprägt durch Export - und ImporthandelÖffnet externen Link in neuem Fenster sowie den weit verbreiteten Kleinhandel. Auch in diesem Sektor ist der Anteil der informellen Tätigkeit (z.B. der weit verbreitete Kleinhandel) beträchtlich.

Eine Reihe negativer Standortfaktoren stehen einer nennenswerten industriellen Entwicklung im Wege. Zu nennen sind:

  • die ungünstige Binnenlage mit hohen Transportkosten
  • der Mangel an preisgünstigen Energiequellen
  • geringes Ausbildungs- und Produktionsniveau

Als Folge der schwach entwickelten Wirtschaft und der klimabedingt schwankenden Ernteerträge arbeiten 2 bis 3 Mio. burkinische ArbeitnehmerInnen im AuslandÖffnet externen Link in neuem Fenster, hauptsächlich in der Elfenbeinküste. Der Bürgerkrieg im Nachbarland hatte starke negative Auswirkungen auf die Wirtschaft Burkina Fasos befürchten lassen. Diese sind jedoch weniger dramatisch ausgefallen als ursprünglich erwartet. Die Inflationsrate hat sich von 4,2 % (2010) auf  5,3 % im Jahr 2011 erhöht.  

In Burkina Faso könnte die MineralindustrieÖffnet externen Link in neuem Fenster bald eine herausragende Rolle im Exporthandel spielen. Die Revision der BergbaugesetzgebungÖffnet externen Link in neuem Fenster 2003 hat den Sektor anscheinend belebt. Zahlreiche Bodenforschungsunternehmen haben sich mittlerweile im Land niedergelassen. Die aktivsten Unternehmen sind kanadische Firmen. Zu diesen gehören Axmin IncÖffnet externen Link in neuem Fenster, Semafo IncÖffnet externen Link in neuem Fenster, Orezone Resources IncÖffnet externen Link in neuem Fenster, High River Gold Mines LtdÖffnet externen Link in neuem Fenster, Goldcrest Resources LtdÖffnet externen Link in neuem Fenster und Etruscan Resources Inc. Nach ersten Schätzungen verfügt Burkina Faso neben den reichen Gold- und Manganvorkommen auch über Kupfer, Eisenerz, Kassiterit (Zinnstein) und Phosphate in den etwa 75.000 km² birimischen Sedimenten. Produziert werden bereits Dolomit, Gold, Granit, Marmor, Phosphate, Bimsstein und andere Vulkangesteine sowie Salze. Der Einstieg der kommerziellen Gesellschaften in die GoldförderungÖffnet externen Link in neuem Fenster eröffnet neue Perspektive und leistet seit 2005 einen zunehmenden Beitrag zum Exporthandel. Im Jahre 2009 entthronte Gold die Baumwolle als wichtigstes Exportgut des Landes. Das verkündete der Minister für BergbauÖffnet externen Link in neuem Fenster und Energie bei einem interministeriellen TreffenÖffnet externen Link in neuem Fenster am 15. April 2010 in Ouagadougou. Dies beflügelte den Traum der aktuellen Regierung, das Land noch im Jahre 2010 zum viertgrößten Goldproduzenten Afrikas aufsteigen zu lassen.

Baumwollpflücker in Tapoa © Jörg Lange

=> Indikatoren und Statistiken

In Burkina Faso sind die WirtschaftsindikatorenÖffnet externen Link in neuem Fenster sehr schlecht. Mehrere Gründe dürften dies erklären. Die WirtschaftÖffnet externen Link in neuem Fenster leidet maßgeblich unter schwankenden Weltmarktpreisen für die Hauptexportprodukte. Manche Experten führen die desolate Wirtschaftslage auch auf das niedrige Bildungsniveau und das verhältnismäßig schnelle Bevölkerungswachstum zurück. Die ungünstige geographische Lage als Binnenland und der fehlende Anschluss an Wirtschaftsmärkte wirkten sich zuletzt nicht weniger negativ aus. Obwohl das Land über großes Potential im Hinblick auf Bodenschätze (Mangan, Silber, Gold, Zink, Kupfer, Phosphat, Titan, Nickel, Blei und Bauxit) verfügt, fehlen dort noch die Infrastrukturen zum Abbau.  Die sehr schwankenden Wetterbedingungen wirken sich stark auf das jährliche Wirtschaftswachstum aus. Subventionen, Billigimporte und Geschenke führender Industrie- und Schwellenländer (USA - Baumwolle, Textilien aus Asien, EG - Milchpulver und Fleisch, Japan - Reis...) sorgen dafür, dass Burkina Faso in seinen ureigensten Bereichen als Agrarland nicht nur nicht mehr für den Export produzieren kann, sondern selbst auf dem Binnenmarkt nicht mehr konkurrenzfähig ist. Dass Korruption, Oligarchiebildung und schlechte Regierungsführung ebenfalls Hemmnisse für Wirtschaftsentwicklung sind, zeigt die Lizenzvergabe für den GoldabbauÖffnet externen Link in neuem Fenster. Es ist nicht transparent, in wie weit die enormen GewinneÖffnet externen Link in neuem Fenster, die in diesem Sektor eingefahren werden, in angemessener WeiseÖffnet externen Link in neuem Fenster zur Erhöhung des Bildungsniveaus beitragen oder die InfrastrukturÖffnet externen Link in neuem Fenster aufbauen und somit die Wirtschaftsindikatoren verbessern. 

Das Wirtschaftswachstum wird 2011 voraussichtlicht wie im Vorjahr bei 5,6 % liegen, woran der steigende Goldpreis seinen Anteil hat. Angesichts eines Bevölkerungswachstums von 3,1 % und dem hohen Grad an Unterentwicklung bedeutet eine solche Ziffer eher Stagnation als Entwicklung.

Dass Burkina Faso wirtschaftlich zu den "Verdammten dieser Erde" gehört, darüber sind sich alle Statistiken einig. Die Zahlen fallen dennoch unterschiedlich aus und die Angaben, die erhältlich sind, werden nicht immer regelmäßig aktualisiert. Hier einige Quellen:

Wirtschaftspolitik

Die PrivatisierungÖffnet externen Link in neuem Fenster staatlicher Unternehmen stieß in den letzten Jahren an ihre Grenzen. Nach negativen Erfahrungen mit ONATELÖffnet externen Link in neuem Fenster wurde die Privatisierung der für Wasser, Strom und Gas zuständigen Unternehmen ONEAÖffnet externen Link in neuem Fenster, SONABELÖffnet externen Link in neuem Fenster und  SONABHYÖffnet externen Link in neuem Fenster gestrichen. Sie wirtschaften zufriedenstellend und bleiben wegen ihrer Schlüsselfunktion in der Hand des Staates.

Zu Erreichung der Millenniumsziele OMDÖffnet externen Link in neuem Fenster (Objectifs du millénaire pour le développement) und zur Umsetzung des Programms zur Bekämpfung der Armut CSLPÖffnet externen Link in neuem Fenster (Cadre stratégique de lutte contre la pauvreté) ließ Wirtschafts- und Finanzminister Lucien Marie Noël BembambaÖffnet externen Link in neuem Fenster als Orientierung der Wirtschaftspolitik die SCADD 2011-2015Öffnet externen Link in neuem Fenster (Stratégie de croissance accélérée et de développement durable) ausarbeitenÖffnet externen Link in neuem Fenster. Ziel ist ein zweistelliges Wirtschaftswachstum. SCADD orientiert sich auf vier Achsen:

  • Fördern der wachstumsrelevanten Bereiche und Verminderung wirtschaftlicher Hemmnisse,
  • Entwickeln einer wirtschaftlichen Infrastruktur,
  • Fördern menschlicher Potentiale,
  • die Rahmenbedingungen für Entwicklung nachhaltig verstärken.

Das Programm wurde im Oktober 2011 vom Minister der Weltbank und dem IWF vorgestellt, wobei auf einige Punkte besonders eingegangen wurde: Im Vordergrund steht ein umfangreiches Beschäftigungsprogramm, insbesondere für Frauen und Jugendliche. Weiterer Punkt ist die Subventionnierung von Benzin. Die Landwirtschaft soll durch Subventionierung von verbessertem Saatgut, Dünger, Mechanisierung und Verarbeitung der Produkte gefördert werden. Der Bergbau soll besser und gewinnbringender organisiert werden. Ferner sollen Tourismus, Infrastruktur und Energie gefördert werden. Neue Großprojekte werden in Angriff genommen. Zurzeit werden Studien zum weiteren Ausbau der Eisenbahn bis Accra und bis Niamey erstellt. Für den Bau des neuen Flughafens Donsin (35 km nord-östlich von Ouagadougou) ist ein Ausschuss gebildet worden, der in Kürze eine Delegation der Weltbank in Ouagadougou erwartet. Weiterhin sind Straßenrehabilitierung und Elektrifizierung im ländlichen Raum geplant. Ob das mit viel Sachverstand ausgearbeitete Programm zu mehr Entwicklung führen kann als seine Vorgängerprogramme, wird nicht zuletzt von den Akteuren an der Basis abhängen.

Das Finanzsystem unterliegt dem "Plan de renforcement de la gestion budgétaire" - PRGBÖffnet externen Link in neuem Fenster, einem strengen Reformpaket, dessen Umsetzung allgemein als positiv beurteilt wird. Die Geld-, Kredit und Währungspolitik liegt in der Hand der Zentralbank der Westafrikanischen Staaten (Banque Centrale des Etats de l'Afrique de l'Ouest - BCEAOÖffnet externen Link in neuem Fenster). Seit der Einführung des Euro steht der FCFA (Franc de la Communauté Financière Africaine) in festem Wechselkurs zum Euro. Dieses System scheint sich - trotz der Krise in Côte d'Ivoire - bewährt zu haben.

Die Außenwirtschaftspolitik Burkina Fasos ist sehr stark auf den Prozess der regionalen Integration gerichtet. Das Land ist Mitglied der Westafrikanischen Wirtschafts- und Währungsunion, UEMOAÖffnet externen Link in neuem Fenster, sowie der Wirtschaftsgemeinschaft Westafrikanischer Staaten, ECOWASÖffnet externen Link in neuem Fenster.  

 

Karte und Logo der UEMOA
UEMOA: Die Westafrikanische Wirtschafts- und Währungsunion umfasst acht Länder.
Karte von ECOWAS
ECOWAS: Die Wirtschaftsgemeinschaft wurde 1975 gegründet. Ihr gehören fünfzehn Länder an.

Im Rahmen der UEMOA sind die Handelsschranken weitgehend abgebaut worden. Die Mitgliedsstaaten haben zum 01.01.2000 einen gemeinsamen Außentarif eingeführt. Langfristig haben ECOWAS und UEMOA das Ziel, einen einheitlichen Markt mit einer Währung zu schaffen.

Handel

Über den Binnenhandel liegen selten zuverlässige Statistiken und Analysen vor.

Der Exporthandel erhöhte sich in den letzten 5 Jahren um etwa 40 %. Während 2007 die Exporte bei 617,8 Mio. US$ lagen, erreichten sie im Jahr 2010  812,9 Mio. US$. Die Importe lagen 2010 bei 1.235,2 Mio. US$. Die HandelsbilanzLeitet Herunterladen der Datei ein lag 2010 somit bei – 422,3 Mio. US$. Hauptabnehmerländer waren 2008 Singapur (12,4 %), Belgien (9,5 %), VR China (8,3 %), Thailand (6,7 %), Ghana (4,1 %).

Quelle: EIU, Country Report

Auf Grund des geringen Zuflusses  von privatem Kapital schließt Burkina Faso die Finanzierungslücke hauptsächlich durch bilaterale und multilaterale Zuschüsse und Darlehen. Im Jahre 2010 hatte der Anteil ausländischer Zuschüssen zur Finanzierung des Staatshaushalts eine Höhe von 219,9 Mrd. FCFA, das sind 335,2 Mio. EURO. Das macht 22,7 % aus. Zusätzlich kam es zu ausländischen Finanzierungen in Höhe von 153,6 Mrd. FCFA, das sind ca. 234 Mio. Euro. 

Quelle: IMF, Country Report

Staatsverschuldung

Laut Angaben von EIU, Country Report beliefen sich die Auslandsschulden von Burkina Faso im Jahr 2010 auf fast 2,2 Mrd. US$. Burkina Faso zählt damit zu den hoch verschuldeten Ländern der Welt.

Im April 2002 hatte Burkina Faso den "Completion PointÖffnet externen Link in neuem Fenster" unter der HIPC-Initiative erreicht. Ein umfassendes Entschuldungsprogramm wurde damit wirksam. Insgesamt wurden dem Land mehr als 500 Mio. $US Schulden erlassen. Aufgrund der im Juni 2005 getroffenen EinigungLeitet Herunterladen der Datei ein der acht führenden Industriestaaten (G-8) wurden Burkina Faso (zusammen mit vorerst 17 weiteren HIPC-Staaten) sämtliche Schulden bei Weltbank, IWF und Afrikanischer Entwicklungsbank erlassen. Die Schulden erreichten damit im Jahre 2006 einen Tiefstand von 700 Mio. US$ und hatten sich bis 2011 wieder verdreifacht. 

Der Bestand ausländischer Direktinvestitionen in Burkina Faso lag Ende 2007 bei 770 Mio. US$.

Entwicklung und Entwicklungspolitik

=> Armutsbekämpfung und Milleniumsziele

Seit dem Millenniumsgipfel der Vereinten Nationen im September 2000 läuft das ArmutsbekämpfungsprogrammÖffnet externen Link in neuem Fenster von Burkina Faso in enger Abstimmung mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF), der WeltbankÖffnet externen Link in neuem Fenster (WB) und den Gebern von Entwicklungshilfegeldern.

Es besteht darin, bis 2015 Armut und Hunger zu halbieren und sichtbare Fortschritte im Bildungswesen zu machen. Weitere Punkte sind die Gleichstellung und Unabhängigkeit der Frau, gesundheitlicher Schutz für Mutter und Kind, AIDS-Bekämpfung und Umweltschutz. 2003/04 wurde das Programm überarbeitetÖffnet externen Link in neuem Fenster und fortentwickeltÖffnet externen Link in neuem Fenster. Nach dem ersten Fortschrittsbericht 2003 hat Burkina Faso 2010 einen zweiten vorgelegt. Darin wurden ermutigende Fortschritte in den Bereichen Grundbildung, Trinkwasserversorgung, Gesundheitsversorgung und AIDS-Bekämpfung hervorgehoben. Von den Vereinten Nationen wurden vor allem die Fortschritte in der Trinkwasserversorgung auf dem Gipfel September 2010 gelobt. Bei einigen Zielen ist die BilanzÖffnet externen Link in neuem Fenster negativ. Es scheint, dass sie bis 2015 nicht erreicht werden können. Das gilt für die Abwasserentsorgung, die Bekämpfung der monetären Armut und den Hunger und der Verringerung der Mütter- und Kindersterblichkeit.  Die Regierung reagierte mit „Beschleunigungsprogrammen“, die seit 2011 umgesetzt werden:

  • Stratégie nationale d’accélération de l’atteinte des OMD (SNAOÖffnet externen Link in neuem Fenster)
  • Cadre d’accélération pour les OMD (CAOÖffnet externen Link in neuem Fenster)
  • Stratégie de croissance accélérée et de développement durable (SCADDÖffnet externen Link in neuem Fenster)

=> Deutsche Entwicklungspolitk im Lande

Burkina Faso ist ein Schwerpunktland der bilateralen deutschen EntwicklungszusammenarbeitÖffnet externen Link in neuem Fenster des BMZÖffnet externen Link in neuem Fenster. Am 30.11. und 01.12.2011 fanden in Ouaga­dou­gou turnusgemäß die ent­wick­lungs­po­li­ti­schen Re­gie­rungs­ver­hand­lungenÖffnet externen Link in neuem Fenster zwi­schen beiden Ländern statt. Dabei wurden für einen Zeit­raum von drei Jahren Mittel von ins­gesamt 82 Millionen Euro für die Ent­wick­lungs­zu­sam­men­arbeit in den nächsten drei Jahren zugesagt.

Mit seiner Finanziellen Zusammen­arbeitÖffnet externen Link in neuem Fenster (FZ) fördert das BMZ dabei In­ves­ti­tionen durch güns­tige Kre­dite, Be­tei­ligungs­kapital oder Zu­schüsse, die nicht zurück­ge­zahlt wer­den müs­sen. Ver­ant­wort­liche Orga­ni­sa­tion für die Fi­nan­zielle Zu­sam­men­arbeit ist die KfW Ent­wick­lungs­bankÖffnet externen Link in neuem Fenster.

Die Technische Zusammenarbeit (TZ) berät, liefert in begrenztem Umfang Sachgüter, erstellt Anlagen, Studien und Gutachten. Die Vor­haben der TZ werden über­wie­gend im Auf­trag des BMZ von der Deut­schen Gesell­schaft für Inter­natio­nale Zu­sam­men­arbeit (GIZ)Öffnet externen Link in neuem Fenster um­ge­setzt. Tech­nische Zu­sam­men­arbeit er­folgt immer als Direkt­leistung, die vom Empfän­ger­land nicht zurück­er­stattet werden muss.

Mit der Regierung von Burkina Faso wurden drei Schwerpunkte der Zusammenarbeit verabredet. Sie ergänzen das Engagement anderer Geber in Burkina Faso:

In weiteren Bereichen engagiert sich Deutschland durch sogenannte Querschnittsprogramme: Förderung der Menschen-, besonders der Frauenrechte, Verbesserung der sexuellen Gesundheit besonders von Jugendlichen, Bekämpfung von HIV/AIDS und Engagement gegen Kinderarbeit.

Gestaltungsprinzip aller Zusammenarbeit ist die PartizipationÖffnet externen Link in neuem Fenster der Nehmer. Ein wichtiger Akzent der Beratertätigkeit in der TZ ist capacity building.

=> Andere bilaterale Entwicklungsorganisationen

Das Binnenland Burkina Faso ist sehr stark auf ausländische Hilfe angewiesen. Nach wie vor ist Frankreich mit der Agence Française de DéveloppementÖffnet externen Link in neuem Fenster noch der wichtigste Patner der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit. Neben Frankreich sind auch:

Im Jahre 2005 hat sich Burkina Faso für den Millenium Challenge AccountÖffnet externen Link in neuem Fenster (MCA), ein neues Instrument der Entwicklungszusammenarbeit der USA, qualifiziert. Dieses neue Instrument zeichnet sich durch besonders strenge, aber transparente Vergabebedingungen aus. In dieser Hinsicht bringt die Qualifizierung für Burkina Faso ein gutes Ansehen auf internationaler Ebene. 

=> Multilaterale Entwicklungspolitik im Lande

Wichtige Partner in der multilateralen Entwicklungszusammenarbeit sind:

Autor

Jörg LangeÖffnet externen Link in neuem Fenster, Mag., Dipl.-Ing., geb. 1959, wohnhaft in Bad Honnef, Theologe und Wasserbau-ingenieur, seit 1985 mehrjährige Aufenthalte in Burkina Faso, 17 Jahre lang in der EZ in Westafrika, 11 Jahre mit dem DED, seit 2009 selbständige Fachkraft in der EZ.

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Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzen Mal im Dezember 2011 aktualisiert.

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