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Oft rühmen sich die Chilenen scherzhaft damit, dass ihr Land ein Land der Superlative sei: das längste Land Südamerikas, die längste Küste, die größten (und besten) Empanadas, die trockenste Wüste, die größten klimatischen Unterschiede, die besten Weine, das schwerverständlichste Spanisch ... Viele dieser Selbstzuschreibungen, die oft von einem Augenzwinkern begleitet werden, sind dem ausgeprägten nationalen Selbstbewusstsein zu verdanken, viele haben aber auch einen wahren Kern.
Sammlungen unterschiedlicher thematischer Karten finden Sie in der Online-Bibliothek der University of Texas
bzw. unter www.weltkarte.com
. Sehr hilfreich ist weiterhin eine Sammlung unterschiedlicher Karten
zu regionalen und thematischen Schwerpunkten.
Mit einer Nord-Süd-Ausdehnung von über 4.500 km ist Chile zwar nicht das größte, wohl aber das längste Land des Subkontinentes. Die längste Grenze teilt es im Osten mit Argentinien. Im Norden grenzt es an Peru, im Nordosten an Bolivien. Mit einer Fläche von 756.096 Quadratkilometern ist es etwa doppelt so groß wie die Bundesrepublik, aber wesentlich dünner besiedelt (ca. 17 Mio. Einwohner). Es liegt ungefähr auf dem 70. Grad westlicher Länge und erstreckt sich vom 17. bis zum 56. Breitengrad südlicher Breite.
Die Hauptstadt ist Santiago de Chile
, die im Zentrum des Landes, in der „Región Metropolitana
“, gelegen ist. In der Stadt selbst leben ca. 5,3 Mio. Menschen, im Großraum Santiago insgesamt 8 Mio., so dass fast die Hälfte der Bevölkerung in und um Santiago lebt. Santiago bildet zweifellos das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des Landes. Um sich in der Stadt besser orientieren zu können, sind online-Stadtpläne von google-Maps
bzw. von planos.amarillos
hilfreich.

Neben der pulsierenden Hauptstadt am Fuße der Andenkette hat jede der insgesamt zwölf Regionen ihren eigenen Reiz. Eine Sammlung von Bildern und Impressionen
kann einen Eindruck von der unglaublichen Vielfalt des Landes vermitteln.
Eine Vielzahl zuverlässiger und aktualisierter Grunddaten zu (Sozial-)Geographie, Wirtschaft und Politik finden sich im CIA-Factbook
und auf den Informationsseiten des Auswärtigen Amtes
. Aktuelle Statistiken zu Demographie
, Wahlen, Umweltfragen, Wirtschaftsentwicklung etc. bietet das Nationale Statistikinstitut INE
.
Wegen seiner Nord-Süd-Ausdehnung von über 4.500 km finden sich in Chile unterschiedlichste Klimazonen
, die von der Atacama-Wüste im Norden, einer der niederschlagsärmsten Regionen der Welt, bis zum Ewigen Eis Patagoniens reichen. So liegt die Jahresdurchschnittstemperatur für das im Norden gelegene Arica bei 18,7 °C, im südlichen Punta Arenas hingegen bei 6°C; bei den Niederschläge liegen bei 375 mm pro Quadratmeter im Süden und bei 1 mm pro Quadratmeter im Norden.
Zum Vergleich die Werte aus Frankfurt/Main: Jahresdurchschnittstemperatur 10,1°C; Niederschlag 611 mm pro Quardatmeter. Das Klima der sogenannten Zona Central um Santiago ist durch ein nahezu mediterranes Klima mit langen, trockenen aber nicht zu heißen Sommern sowie einen ca. dreimonatigen feucht-kühlen Winter gekennzeichnet.
Das chilenische Festland lässt sich grob in fünf Landschaftszonen
unterteilen: Der „Norte Grande“ von Arica bis Copiapó, den „Norte Chico“ von Copiapó bis ca. 300 km nördlich von Santiago, die Zentralzone, an die sich im Süden ab Concepción die Araucanía mit der Region Los Lagos anschließt. Schließlich südlich von Puerto Montt das wenig erschlossene Patagonien. Jede Zone verfügt über eine einzigartige Vegetation
.

Der Norte Grande
ist durch ein wüstenhaftes Klima gekennzeichnet. Hier liegt die Atacama-Wüste, eine der trockensten Regionen der Welt. Mit Ausnahme des fruchtbaren Küstenstreifens und einiger künstlich bewässerter Gebiete spielt die Landwirtschaft im Norte Grande keine Rolle. Dafür ist der Bergbau sehr wichtig: Hier werden v.a. Kupfer, aber auch andere Erze sowie Salpeter abgebaut. Im Nordosten des Landes, nahe der Grenze zu Bolivien, leben Aymara-Bauern, die sich v.a. auf Lama- und Alpaca-Zucht konzentrieren. Die städtischen Zentren des Norte Grande sind Arica, Iquique, Antofagasta und Copiapó.
In den Flusstälern des Norte Chico
sowie in Küstennähe und künstlich bewässerten Gebieten wird Obst- und Weinanbau betrieben. Insgesamt ist der Norte Chico weniger niederschlagsarm, aber dennoch überwiegend karg. Auch hier werden – wenn auch in geringerem Ausmaß als im Norte Grande - Bodenschätze abgebaut. Die wichtigste Stadt des Norte Chico ist das rund 500 km nördlich von Santiago gelegene La Serena.

Das fruchtbare Zentralchile
liegt im sogenannten Valle Central, das von den Anden im Osten und der Küstenkordillere im Westen begrenzt wird. Hier liegen die bedeutendsten Städte Chiles: neben Santiago auch Valparaíso
, der größte Seehafen Chiles und Sitz des Parlamentes, sowie Concepción, die zweitgrößte Stadt Chiles. Mehr als drei Viertel der Gesamtbevölkerung leben in Zentralchile, wie auch eine Karte
verdeutlicht, die die Geographie in Beziehung zur Bevölkerungsdichte setzt. Durch das mediterrane Klima kann die Region für extensive Landwirtschaft genutzt werden. Diese Region spielt auch für den chilenischen Weinbau
eine herausragende Rolle.

Südlich von Concepción stellt der Río Bio-Bio die Grenze zur Araucanía und dem Süden Chiles dar. Hier beginnt das Gebiet der Mapuche
. Die niederschlagsreiche Region ist durch Wälder, Land- und Weidewirtschaft geprägt. Die sich anschließende Region Los Lagos stellt eines der wichtigsten Tourismuszentren
Chiles dar. Wichtige Zentren sind Temuco, Valdivia und Puerto Montt.

Südlich von Puerto Montt beginnt der „wilde Süden“
Patagoniens, der sich bis Feuerland zieht. Die wenig erschlossene und dünn besiedelte Gegend ist von dichten Wäldern, Flüssen und – weiter im Süden – von Gletschern und Inlandeis geprägt. Selbst im Sommer fällt hier sehr viel Niederschlag, die Winter schneit es oft. Die Region lebt vom Fischfang, den Öl- und Gasvorkommen und Wollproduktion.

Der Bergbau
ist die tragende Säule der chilenischen Wirtschaft: Chile ist der größte Kupferzeuger weltweit. Daneben werden Silber, Gold, Eisenerze und Salpeter abgebaut. Wie der Bergbau-Atlas
des Bergbau-Ministeriums
zeigt, werden in allen Regionen Bodenschätze abgebaut, wobei die größten und bedeutendsten Bergbauzentren im Norden des Landes liegen. Bergbau stellt aber nicht nur die wichtigste Einnahmequelle des Landes dar, sondern bringt auch zum Teil erhebliche Probleme für die Umwelt
mit sich.
Der extensive Bergbau stellt eine der größten Belastungen für die Umwelt
dar. Neben der Freisetzung von blei- und arsenhaltigem Staub werden v.a. das Grund- und Oberflächenwasser belastet. Hinzu kommt besonders beim Tagebau aber auch bei der Entsorgung des Abraumes die Zerstörung von Naturlandschaft.
Ein weiteres ökologisches Problem stellt die Holz- und Forstwirtschaft dar: Besonders im Süden wurden bereits große Teile des nativen Baumbestandes abgeholzt und durch schnell wachsende Hölzer in Monokultur ersetzt (v.a. bestimmte Eukalyptus-Arten). Diese Hölzer werden überwiegende für die Zellstoffgewinnung verwendet, die ihrerseits mit erheblichen Umweltbelastungen einhergeht.
Ein weiteres massives Problem bildet die Luftqualität in den urbanen Zentren Chiles: Bedingt durch Industriekonzentration und das ansteigende Verkehrsaufkommen stellt der Smog in den Ballungsgebieten eine ernsthafte Bedrohung für die öffentliche Gesundheit dar, was sich v.a. im gehäuften Auftreten respiratorischer Problem zeigt.
Wie in vielen Ländern des Südens wurde der Umweltschutz erst vor kurzem als wichtiges Politikfeld
erkannt. Die staatliche Umweltkommission CONAMA behandelt war für Umweltfragen zuständig. Im Jahr 2010 aber wurde sie durch das neu geschaffene Umweltministerium
ersetzt. Diese institutionelle Aufwertung macht deutlich, dass der Umweltschutz an (politischer) Bedeutung gewonnen hat.
Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung lebt im Großraum Santiago. Die Verkehrsinfrastruktur ist gut ausgebaut. Die Metro
ist die schnellste und effektivste Art, sich innerhalb von Santiago zu bewegen. Das dichte Busnetz
ermöglicht es, an nahezu jeden Ort in Santiago zu kommen, wobei das hohe Verkehrsaufkommen und die häufigen Staus die Reisezeit teilweise nur schwer kalkulieren lassen.
Für Reisen im Land steht ein gut ausgebautes und komfortables System an Langstreckenbussen zur Verfügung. Wegen der teilweise erheblichen Distanzen
innerhalb des Landes stellt das Flugzeug ein wichtiges Verkehrsmittel dar. Die wichtigsten Anbieter sind Lan Chile und Aerolíneas del Sur. Es gibt Flughäfen in den folgenden Städten: Arica, Antofagasta, Balmaceda, Calama, Concepción, Copiapó, Iquique, Isla de Pascua, La Serena, Osorno, Puerto Montt, Punta Arenas, Temuco und Valdivia.
Die Flagge Chiles
besteht aus den drei Nationalfarben Blau (für den Himmel), Weiß (für den Schnee der Anden) und Rot (für das Blut und den Mut der Helden). Ein weißer Stern auf blauem Grund soll die Ehre und den Fortschritt symbolisieren.
Das Wappen Chiles
zeigt in der Mitte den Nationalbanner, der rechts von einem Kondor und links vom Huemul, dem Andenhirsch, eingerahmt wird. Beide Wappentiere sind bekrönt. Im Wappen findet sich der chilenische Wahlspruch „Por la razón o por la fuerza“ (Durch die Vernunft oder mit Gewalt).

Veit Straßner
(geb. 1975) studierte in Mainz und Santiago/Chile Politikwissenschaft, Soziologie und Erziehungswissenschaft (Dr. phil.) sowie Philosophie und katholische Theologie (Lic. theol.); Studien- und Forschungsaufenthalte in Chile, Argentinien, Uruguay und Peru.
Von 2003 bis 2008 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Mainz, seit 2008 im Schuldienst.
Diese Länderseite wurde zum letzen Mal im November 2011 aktualisiert.
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