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Handelshafen von Valparaíso; Bild lizenzfrei unter http://es.wikipedia.org/wiki/Archivo:Valparaiso%27s_Port_and_cityscape.jpg

Wirtschaft und Entwicklung

BeschreibungInhalt
geschätztes BIP:135,8 Mrd. US-$
Pro Kopf Einkommen (Kaufkraftparität):10.250 US-$
Rang der menschlichen Entwicklung (HDI):Rang 44 (von 187)
Anteil Armut (unter 2 $ pro Tag):2,4 %
Einkommensverteilung (Gini-Koeffizient):54,9
Anteil alphabetisierte Erwachsene:96 %

Chile

Landesflagge Chile

Das Wirtschaftssystem und seine Sektoren

ChileÖffnet externen Link in neuem Fenster ist sicherlich dasjenige Land Lateinamerikas, das das Privatisierungs- und Deregularisierungsparadigma am konsequentesten umgesetzt hat. Diese marktliberale Umstrukturierung der Wirtschaft wurde unter Pinochet eingeleitet – als Gegenmodell zur sozialistisch-staatswirtschaftlichen Politik Allendes. Die demokratischen Regierungen behielten diesen Kurs weitgehend bei, ergänzten ihn aber um dringend notwendige sozialpolitische Aspekte. Ausgenommen von der Deregularisierung und Privatisierung blieb nur der Kupferbergbau, der in staatlicher Hand ist. In wirtschaftlicher HinsichtÖffnet externen Link in neuem Fenster floriert Chile seit Jahren.

Auf die Tatsache, dass Chile eine kleine und stark exportabhängige Volkswirtschaft ist, reagierte die WirtschaftspolitikÖffnet externen Link in neuem Fenster mit einer weitestgehenden Öffnung zum Weltmarkt.

Chiles Wirtschaftsstärke liegt vor allem im BergbauÖffnet externen Link in neuem Fenster: Das Land verfügt über die größten Kupfervorkommen der Welt (circa 40%). Die chilenische Kupferproduktion hat derzeit einen Anteil von 34% an der Weltproduktion. Weitere bedeutende Rohstoffe sind Molybdän, Rhenium, Gold und Lithium. Obwohl die Regierung sich bemüht, die Wirtschaft zu diversifizieren, macht der Bergbau noch immer einen Anteil von über 50% an den Ausfuhren aus. Diese große Bedeutung der Rohstoffexporte für die chilenische Wirtschaftsentwicklung macht diese zugleich stark abhängig von der internationalen Rohstoffnachfrage und der Preisentwicklung. Ein wichtiger Wirtschaftszweig ist weiterhin die ForstÖffnet externen Link in neuem Fenster-, Land- und Fischwirtschaft. Chile verfügt über eine der größten Fischfang-Flotten Lateinamerikas. Darüber hinaus spielt die Aquakultur, v.a. die LachszuchtÖffnet externen Link in neuem Fenster, eine große Rolle.

Die Sektoren der chilenischen Wirtschaft

Wirtschaftsindikatoren, Analyse und Statistiken

Zuverlässige und ständig aktualisierte (Kurz-)InformationenÖffnet externen Link in neuem Fenster zur wirtschaftlichen Entwicklung bietet die Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland für Außenwirtschaft und Standortmarketing (Germany Trade & InvestÖffnet externen Link in neuem Fenster): Neben Berichten und Analysen zu einzelnen Sektoren findet sich hier auch Jahresbericht über die Wirtschaftsentwicklung Chiles.

Hilfreiche Zusammenfassungen bietet auch die Deutsch Chilenische Industrie- und HandelskammerÖffnet externen Link in neuem Fenster, die IHK PfalzÖffnet externen Link in neuem Fenster, die WeltbankÖffnet externen Link in neuem Fenster sowie die Homepage des Auswärtigen AmtesÖffnet externen Link in neuem Fenster.

Wirtschaftspolitik

Die chilenische Wirtschaftspolitik ist darauf ausgelegt, den Besonderheiten des Wirtschaftssystems Rechnung zu tragen: Exportabhängigkeit und Konzentration auf den primären Sektor. So zielte die Wirtschaftspolitik der Concertación-Regierungen v.a. darauf ab, die Produktionsstrukturen und die Industrie zu diversifizieren. Die Regierung tat dies v.a. durch gezielte Innovations- und Forschungsförderung. Ein bedeutendes wirtschaftspolitisches Feld wurden in den vergangenen Jahren auch die erneuerbaren EnergienÖffnet externen Link in neuem Fenster und die EnergiepolitikÖffnet externen Link in neuem Fenster, die auch im AuslandÖffnet externen Link in neuem Fenster auf reges Interesse stößt.

Auch hinsichtlich der Außenhandelspolitik konzentrierten sich die vergangenen Regierungen auf die Diversifizierung der Handelsbeziehungen und die regionale und globale Integration. Von besonderer Bedeutung waren auch die transpazifischen Handelsbeziehungen mit dem pazifischen Asien.Öffnet externen Link in neuem Fenster

Handel: Binnen- und Außenhandel, Handelsbilanz

Aufgrund seine geringen Größe und der Produktionsstruktur haben Binnenhandel und Binnennachfrage in Chile traditionell eine weit geringere Bedeutung als der Außenhandel. Chile weist deshalb seit Jahren eine positive Außenhandelsbilanz auf.

Importe und Exporte Chiles (2009)

Die Auslandsverschuldung Chiles erhöhte sich 2009 auf 74,8 Mrd. US$ und somit auf 52,3% des BIP (2008: 38,1%). Diese Verschuldung verteilte sich wie folgt: 68,0% Privatunternehmen (ohne Finanzinstitute), 21,0% Banken, 3,6% die Regierung und 1,9% die Zentralbank.

Entwicklung & Entwicklungspolitik

Armut und Armutsbekämpfung

Obwohl Chile eine prosperierende Volkswirtschaft ist, stellt die ArmutÖffnet externen Link in neuem Fenster ein dauerhaftes Problem im Land dar. Die Ungleichverteilung zeigt sich beispielsweise an den Erhebungen zur EinkommensverteilungÖffnet externen Link in neuem Fenster, die das Nationale Statistikinstitut Öffnet externen Link in neuem Fenster (INE) jährlich durchführt. So entfielen 2008 lediglich 7% des Einkommens auf das unterste Quintil, während die oberen 20% insgesamt 47,4% des Gesamteinkommens auf sich vereinen konnten. Im Jahr 2001 war die Lage noch etwas prekärer: 6,4% entfielen auf die unteren, 48,9% auf die oberen 20% der Haushalte.

Trotz der bestehenden Ungleichverteilung Öffnet externen Link in neuem Fenster der Haushaltseinkommen konnten in Chilene im Lauf der vergangenen zwei Jahrzehnte eine deutliche Reduzierung der (extremen) Armut erreicht werden. Hierbei ist allerdings zu bedenken, dass nach den Richtlinien der CEPAL „Armut“ (pobre, pobreza) definiert wird als eine Einkommen, dass nicht für zwei festgelegte „Einkaufskörbe“ mit der Mindestmenge an Grundlebensmitteln ausreicht. Als „extrem arm“ (indigente) gelten jene, bei denen das Einkommen noch nicht einmal für einen dieser Körbe reicht. Würde man die in Europa übliche Methode zugrunde legen, nämlich dass jene als „arm“ gelten, die weniger als die Hälfte des nationalen Durchschnittseinkommens zur Verfügung haben, würde man sicher zu anderen Ergebnissen kommen. 

Armutsentwicklung in Chile

Armutsentwicklung in Chile 1990 bis 2009 (Quelle: MIDEPLAN, www.mideplan.cl/casen2009/RESULTADOS_CASEN_2009.pdf)
Armutsentwicklung in Chile 1990 bis 2009 (Quelle: MIDEPLAN, www.mideplan.cl/casen2009/RESULTADOS_CASEN_2009.pdf)

Es ist allerdings davon auszugehen, dass durch die verheerenden Erdbeben des Jahres 2010 die Armut in bestimmten Sektoren wieder zunehmen wird. Das endgültige Ausmaß ist allerdings noch nicht abzusehen.

In den vergangenen Jahren bemühte sich die Regierung durch gezielte Programme die Lebenssituation der sozial Schwachen zu verbessern: Reform der Altersversorgung und Renten, Verbesserungen im Bildungsbereich, Programme zur Verbesserung der Wohnverhältnisse in Armenvierteln, Initiativen zur stärkeren Einbindung sozial Schwacher in die Sozialpolitik sowie Großprogramme zur Förderung der Lebenssituation von Frauen, Indígenas, Kindern und Jugendlichen sowie von Senioren und Behinderten.

UN-Milleniumsziele

Hinsichtlich der Millennium Development GoalsÖffnet externen Link in neuem Fenster (MDGsÖffnet externen Link in neuem Fenster) ist es Chile in den vergangenen Jahren gelungen, wichtige Teilerfolge zu erzielen. Im zweiten Bericht der chilenischen RegierungÖffnet externen Link in neuem Fenster (2008) zu den MDGs zieht diese eine durchweg positive Bilanz:

  • Im Kampf gegen Armut und Hunger ist es gelungen, die Armut von 38,6% (1990) auf 15,1% (2009) zu reduzieren.
  • Bei der (Grund-)Schulausbildung konnte bislang erreicht werden, dass 88% der Kinder zur Schule gehen und 93% der Schüler die Schule bis zum fünften Schuljahr besuchen. Die Alphabetisierungsrate unter den 15 bis 24-jährigen liegt bei 98,7%.

  • Hinsichtlich der Gleichstellung der Geschlechter konnte eine Annäherung des Bildungsniveaus und des Zugangs zum öffentlichen Dienst erreicht werden.

  • Die Kindersterblichkeit wurde von 16 pro 1000 Lebendgeburten (1990) auf 7,9 im Jahr 2006 gesenkt. Ebenso wurde die Müttersterblichkeit reduziert.

  • Auch im Kampf gegen Infektionskrankheiten konnten Fortschritte erreicht werden.

  • Im Bereich der nachhaltigen Entwicklung gelang es, den Gebrauch von FCKWs und anderen umweltschädlichen Stoffen einzudämmen. Die Versorgung mit Trinkwasser und die Entsorgung von Abwässern wurde verbessert.

Insgesamt zeigt sich die chilenische Regierung zufrieden mit dem Erreichten und ist zuversichtlich, bis 2015 die MDGs zu erreichen.

Auf der offiziellen Seite der Vereinten NationenÖffnet externen Link in neuem Fenster zu den MDGs findet sich eine Datenbank mit den aktualisierten Daten und Fakten zu den MDGs.

 

Entwicklungszusammenarbeit

„Chile gilt als Erfolgsmodell“ – so beginnt der kurze Abschnitt zu Chile in der „Informationsmappe LateinamerikaÖffnet externen Link in neuem Fenster“ des BMZ Öffnet externen Link in neuem Fenster, in der die Grundzüge der deutschen Entwicklungszusammenarbeit mit Lateinamerika und der Karibik resummiert werden. Chile ist kein klassisches Empfängerland mehr. Der Umfang der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit zwischen der Bundesrepublik und Chile belief sich 2007 auf einen Umfang von 20 Millionen Euro.

Die Schwerpunkte der Kooperationsmaßnahmen lag in drei Bereichen:

  • Erneuerbare Energie und Energieeffizienz
  • Staatsreform (Justizreform, Dezentralisierung, Soziale Sicherung)
  • Dreieckskooperationen (es handelt sich hierbei um Projekte, bei denen Chile mit deutscher Unterstützung Entwicklungserfahrungen an andere Länder der Region weitergeben soll – beispielsweise im industriellen Umweltschutz).

Über die bilaterale Entwicklungszusammenarbeit des BMZ hinaus sind noch eine Reihe deutscher OrganisationenÖffnet externen Link in neuem Fenster in Chile vertreten bzw. in die EZ mit Chile eingebunden. Die Links verweisen – wenn möglich – direkt auf die Seiten, auf denen die Organisationen ihre Tätigkeitsschwerpunkte in Chile vorstellen:

 

Daneben sind vier parteinahe politische Stiftungen mit einem eigenen Büro in Chile vertreten:

  • Friedrich Ebert-Stiftung (FESÖffnet externen Link in neuem Fenster)
  • Hanns Seidel-Stiftung (HSSÖffnet externen Link in neuem Fenster)
  • Heinrich Böll-Stiftung (HBSÖffnet externen Link in neuem Fenster)
  • Konrad Adenauer-Stiftung (KASÖffnet externen Link in neuem Fenster).

 

Auch die Europäische Union unterhält entwicklungspolitische Kooperationsabkommen mit Chile. Das „Länderstrategie-Papier 2007–2013Öffnet externen Link in neuem Fenster“ der Europäischen Kommission gibt Auskunft über die Tätigkeitsschwerpunkte.

Der Autor

Veit StraßnerÖffnet externen Link in neuem Fenster (geb. 1975) studierte in Mainz und Santiago/Chile Politikwissenschaft, Soziologie und Erziehungswissenschaft (Dr. phil.) sowie Philosophie und katholische Theologie (Lic. theol.); Studien- und Forschungsaufenthalte in Chile, Argentinien, Uruguay und Peru.

Von 2003 bis 2008 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Mainz, seit 2008 im Schuldienst.

 

Feedback an den Verfasser.

 

Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im März 2012 aktualisiert.

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