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Chile
ist sicherlich dasjenige Land Lateinamerikas, das das Privatisierungs- und Deregularisierungsparadigma am konsequentesten umgesetzt hat. Diese marktliberale Umstrukturierung der Wirtschaft wurde unter Pinochet eingeleitet – als Gegenmodell zur sozialistisch-staatswirtschaftlichen Politik Allendes. Die demokratischen Regierungen behielten diesen Kurs weitgehend bei, ergänzten ihn aber um dringend notwendige sozialpolitische Aspekte. Ausgenommen von der Deregularisierung und Privatisierung blieb nur der Kupferbergbau, der in staatlicher Hand ist. In wirtschaftlicher Hinsicht
floriert Chile seit Jahren.
Auf die Tatsache, dass Chile eine kleine und stark exportabhängige Volkswirtschaft ist, reagierte die Wirtschaftspolitik
mit einer weitestgehenden Öffnung zum Weltmarkt.
Chiles Wirtschaftsstärke liegt vor allem im Bergbau
: Das Land verfügt über die größten Kupfervorkommen der Welt (circa 40%). Die chilenische Kupferproduktion hat derzeit einen Anteil von 34% an der Weltproduktion. Weitere bedeutende Rohstoffe sind Molybdän, Rhenium, Gold und Lithium. Obwohl die Regierung sich bemüht, die Wirtschaft zu diversifizieren, macht der Bergbau noch immer einen Anteil von über 50% an den Ausfuhren aus. Diese große Bedeutung der Rohstoffexporte für die chilenische Wirtschaftsentwicklung macht diese zugleich stark abhängig von der internationalen Rohstoffnachfrage und der Preisentwicklung. Ein wichtiger Wirtschaftszweig ist weiterhin die Forst
-, Land- und Fischwirtschaft. Chile verfügt über eine der größten Fischfang-Flotten Lateinamerikas. Darüber hinaus spielt die Aquakultur, v.a. die Lachszucht
, eine große Rolle.
Zuverlässige und ständig aktualisierte (Kurz-)Informationen
zur wirtschaftlichen Entwicklung bietet die Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland für Außenwirtschaft und Standortmarketing (Germany Trade & Invest
): Neben Berichten und Analysen zu einzelnen Sektoren findet sich hier auch Jahresbericht über die Wirtschaftsentwicklung Chiles.
Hilfreiche Zusammenfassungen bietet auch die Deutsch Chilenische Industrie- und Handelskammer
, die IHK Pfalz
, die Weltbank
sowie die Homepage des Auswärtigen Amtes
.
Die chilenische Wirtschaftspolitik ist darauf ausgelegt, den Besonderheiten des Wirtschaftssystems Rechnung zu tragen: Exportabhängigkeit und Konzentration auf den primären Sektor. So zielte die Wirtschaftspolitik der Concertación-Regierungen v.a. darauf ab, die Produktionsstrukturen und die Industrie zu diversifizieren. Die Regierung tat dies v.a. durch gezielte Innovations- und Forschungsförderung. Ein bedeutendes wirtschaftspolitisches Feld wurden in den vergangenen Jahren auch die erneuerbaren Energien
und die Energiepolitik
, die auch im Ausland
auf reges Interesse stößt.
Auch hinsichtlich der Außenhandelspolitik konzentrierten sich die vergangenen Regierungen auf die Diversifizierung der Handelsbeziehungen und die regionale und globale Integration. Von besonderer Bedeutung waren auch die transpazifischen Handelsbeziehungen mit dem pazifischen Asien.![]()
Aufgrund seine geringen Größe und der Produktionsstruktur haben Binnenhandel und Binnennachfrage in Chile traditionell eine weit geringere Bedeutung als der Außenhandel. Chile weist deshalb seit Jahren eine positive Außenhandelsbilanz auf.
Die Auslandsverschuldung Chiles erhöhte sich 2009 auf 74,8 Mrd. US$ und somit auf 52,3% des BIP (2008: 38,1%). Diese Verschuldung verteilte sich wie folgt: 68,0% Privatunternehmen (ohne Finanzinstitute), 21,0% Banken, 3,6% die Regierung und 1,9% die Zentralbank.
Obwohl Chile eine prosperierende Volkswirtschaft ist, stellt die Armut
ein dauerhaftes Problem im Land dar. Die Ungleichverteilung zeigt sich beispielsweise an den Erhebungen zur Einkommensverteilung
, die das Nationale Statistikinstitut
(INE) jährlich durchführt. So entfielen 2008 lediglich 7% des Einkommens auf das unterste Quintil, während die oberen 20% insgesamt 47,4% des Gesamteinkommens auf sich vereinen konnten. Im Jahr 2001 war die Lage noch etwas prekärer: 6,4% entfielen auf die unteren, 48,9% auf die oberen 20% der Haushalte.
Trotz der bestehenden Ungleichverteilung
der Haushaltseinkommen konnten in Chilene im Lauf der vergangenen zwei Jahrzehnte eine deutliche Reduzierung der (extremen) Armut erreicht werden. Hierbei ist allerdings zu bedenken, dass nach den Richtlinien der CEPAL „Armut“ (pobre, pobreza) definiert wird als eine Einkommen, dass nicht für zwei festgelegte „Einkaufskörbe“ mit der Mindestmenge an Grundlebensmitteln ausreicht. Als „extrem arm“ (indigente) gelten jene, bei denen das Einkommen noch nicht einmal für einen dieser Körbe reicht. Würde man die in Europa übliche Methode zugrunde legen, nämlich dass jene als „arm“ gelten, die weniger als die Hälfte des nationalen Durchschnittseinkommens zur Verfügung haben, würde man sicher zu anderen Ergebnissen kommen.
Es ist allerdings davon auszugehen, dass durch die verheerenden Erdbeben des Jahres 2010 die Armut in bestimmten Sektoren wieder zunehmen wird. Das endgültige Ausmaß ist allerdings noch nicht abzusehen.
In den vergangenen Jahren bemühte sich die Regierung durch gezielte Programme die Lebenssituation der sozial Schwachen zu verbessern: Reform der Altersversorgung und Renten, Verbesserungen im Bildungsbereich, Programme zur Verbesserung der Wohnverhältnisse in Armenvierteln, Initiativen zur stärkeren Einbindung sozial Schwacher in die Sozialpolitik sowie Großprogramme zur Förderung der Lebenssituation von Frauen, Indígenas, Kindern und Jugendlichen sowie von Senioren und Behinderten.
Hinsichtlich der Millennium Development Goals
(MDGs
) ist es Chile in den vergangenen Jahren gelungen, wichtige Teilerfolge zu erzielen. Im zweiten Bericht der chilenischen Regierung
(2008) zu den MDGs zieht diese eine durchweg positive Bilanz:
Bei der (Grund-)Schulausbildung konnte bislang erreicht werden, dass 88% der Kinder zur Schule gehen und 93% der Schüler die Schule bis zum fünften Schuljahr besuchen. Die Alphabetisierungsrate unter den 15 bis 24-jährigen liegt bei 98,7%.
Hinsichtlich der Gleichstellung der Geschlechter konnte eine Annäherung des Bildungsniveaus und des Zugangs zum öffentlichen Dienst erreicht werden.
Die Kindersterblichkeit wurde von 16 pro 1000 Lebendgeburten (1990) auf 7,9 im Jahr 2006 gesenkt. Ebenso wurde die Müttersterblichkeit reduziert.
Auch im Kampf gegen Infektionskrankheiten konnten Fortschritte erreicht werden.
Im Bereich der nachhaltigen Entwicklung gelang es, den Gebrauch von FCKWs und anderen umweltschädlichen Stoffen einzudämmen. Die Versorgung mit Trinkwasser und die Entsorgung von Abwässern wurde verbessert.
Insgesamt zeigt sich die chilenische Regierung zufrieden mit dem Erreichten und ist zuversichtlich, bis 2015 die MDGs zu erreichen.
Auf der offiziellen Seite der Vereinten Nationen
zu den MDGs findet sich eine Datenbank mit den aktualisierten Daten und Fakten zu den MDGs.
„Chile gilt als Erfolgsmodell“ – so beginnt der kurze Abschnitt zu Chile in der „Informationsmappe Lateinamerika
“ des BMZ
, in der die Grundzüge der deutschen Entwicklungszusammenarbeit mit Lateinamerika und der Karibik resummiert werden. Chile ist kein klassisches Empfängerland mehr. Der Umfang der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit zwischen der Bundesrepublik und Chile belief sich 2007 auf einen Umfang von 20 Millionen Euro.
Die Schwerpunkte der Kooperationsmaßnahmen lag in drei Bereichen:
Über die bilaterale Entwicklungszusammenarbeit des BMZ hinaus sind noch eine Reihe deutscher Organisationen
in Chile vertreten bzw. in die EZ mit Chile eingebunden. Die Links verweisen – wenn möglich – direkt auf die Seiten, auf denen die Organisationen ihre Tätigkeitsschwerpunkte in Chile vorstellen:
)
(Schweiz)
Daneben sind vier parteinahe politische Stiftungen mit einem eigenen Büro in Chile vertreten:
)
Auch die Europäische Union unterhält entwicklungspolitische Kooperationsabkommen mit Chile. Das „Länderstrategie-Papier 2007–2013
“ der Europäischen Kommission gibt Auskunft über die Tätigkeitsschwerpunkte.

Veit Straßner
(geb. 1975) studierte in Mainz und Santiago/Chile Politikwissenschaft, Soziologie und Erziehungswissenschaft (Dr. phil.) sowie Philosophie und katholische Theologie (Lic. theol.); Studien- und Forschungsaufenthalte in Chile, Argentinien, Uruguay und Peru.
Von 2003 bis 2008 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Mainz, seit 2008 im Schuldienst.
Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im März 2012 aktualisiert.
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