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Die wirtschaftliche Entwicklung
seit den 70er Jahren wurde durch die Erdöleinnahmen getragen und war durch eine wachsende Rolle des Staates charakterisiert. Fallende Erdölpreise, Ineffizienz der Staatsunternehmen und die stark zunehmende Verschuldung hatten das Land in eine schwierige Lage gebracht. Der ehemalige Präsident Duran-Ballen
versuchte durch die Einführung eines Strukturanpassungsprogrammes die wirtschaftliche Entwicklung auf eine stabile Basis zu stellen. Dieses hatte erhebliche negative Folgen auf die Bevölkerung, was den Präsidenten veranlaßte, einen Sozialfonds zur Abfederung dieser Auswirkungen aufzulegen. Die Anpassungspolitik ist von den verschiedenen Regierungen halbherzig betrieben worden. Auch der Versuch von Präsident Mahuad
, mit einem strengen neoliberalen Kurs und Strukturanpassungsmaßnahmen dringend benötigte ausländischen Investitionen anzulocken, scheitere. Eine tiefe Wirtschaftskrise begann 1998 u.a. infolge der verheerenden Auswirkungen des Klimaphänomens "El Niño" und der Asienkrise (Verfall der Erdölpreise), vor allem aber aufgrund interner Probleme. Als Hauptstrategie zur Überwindung der Krise beschloss noch die Mahuad-Regierung eine Dollarisierung
der Volkwirtschaft. Mahuad scheiterte an diesem Plan, doch seinem Nachfolger Noboa gelang es, die Zustimmung des Parlaments zu erhalten und im März 2000 die Einführung des Dollar als offizielles Zahlungsmittel durchzusetzen. Die neue Verfassung von 2008 stärkt die staatliche Kontrolle über die Wirtschaft - so verliert etwa die Zentralbank ihre Autonomie. Die großen Finanz- und Industriekonglomerate des Landes dürfen keine Medien mehr besitzen. Die Verfassung schreibt ausserdem eine Reihe von sozialen Rechten fest, etwa kostenfreien Zugang zum Gesundheits- und Bildungssystem und Sozialversicherung für alle.
Ein Report des IWF
analysiert anschaulich die Gründe für die ökonomischen Probleme Ecuadors
und geht auch auf die Zielsetzungen und Ergebnisse der Dollarisierungspolitik ein. Für aktuelle Daten und Analysen zur wirtschaftlichen (wie politischen) Transformation siehe auch den ausführlichen Ecuador Report des Bertelsmann Transformation Index 2012
.

Der im aktuellen Human Development Report des UNDP veröffentlichte Human Development Index
- er berücksichtigt Lebenserwartung, Bildung und Lebensstandard - weist Ecuador Platz 80 von 182 Ländern zu. Das Land hat damit zwar den Sprung in die Kategorie "high human development" geschafft, gehört aber weiterhin zu den Schlusslichtern in Südamerika
. Ob das Land die Millennium Development Goals
erreichen kann, gilt derzeit - trotz leichter Fortschritte in den vergangenen Jahren - als sehr unsicher. Der nationale MDG Bericht
stellt fest, dass bei fünf von acht Zielen mehr Anstrengung notwendig ist, um die Vorgaben zu erreichen. Defizite gibt es vor allem bei der Beseitigung der extremen Armut und bei der Bekämpfung von HIV/AIDS und anderen Krankheiten.
Die wirtschaftliche Entwicklung
Ecuadors verlief in den vergangenen Jahren positiv, wenn man dies allein auf der Grundlage der makroökonomischen Daten bewertet. Das Land profitiert insbesondere von der erhöhten Ölnachfrage auf dem Weltmarkt und der Abwertung des US-Dollar. Die ecuadorianische Wirtschaft wuchs 2011 um real 5,8% (nach 3,2% und 0,4% in den Jahren 2010 and 2009). Die Inflation bewegt sich auf konstant niedrigem Niveau und lag 2011 bei 4,7%. Ecuador ist der fünftgrößte Rohölproduzent
Südamerikas (etwa 530,000 Barrels pro Tag), verfügt selbst aber nur über geringe Raffineriekapazitäten und muß deshalb den Großteil der Treibstoffe importieren. Im Oktober 2007 trat Ecuador nach 15jähriger Abstinenz wieder der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC)
bei. Allerdings hat der Erdölsektor seit 2007 an relativem Gewicht verloren, bedingt durch geringere Erdölproduktion. Dies wiederum ist das Ergebnis unzureichender Investitionen im staatlichen Ölsektor einerseits und drastisch eingeschränkter Investitionen des privaten Ölsektors andererseits (Folge einer deutlichen Verschlechterung der staatliche gesetzten Rahmenbedingungen im April 2006 und Oktober 2007). Der Erdölsektor ist statistisch der führende Wirtschaftszweig und hat im Jahr 2009 6,2 Mrd. USD erwirtschaftet; der Anteil am BIP beträgt etwa 12%. Mit einem Anteil von Anteil am BIP von 11,3% ist ist der Groß- und Einzelhandel der zweitwichtigste Wirtschaftszweig. Der Agrarsektor
erwirtschaftet hingegen nur knapp 6% des BIP. Dieser Wert ist niedrig in Anbetracht der Tatsache, dass rund ein Drittel der Bevölkerung auf dem Land lebt und großenteils in der Landwirtschaft tätig ist. Jüngst scheint Ecuador von einer steigenden Nachfrage in Europa nach "fair gehandelten" Argarprodukten
, wie z.B. Bananen, zu profitieren. Von den traditionellen Exporten, Bananen
, Kakao und Kaffee, spielen nur noch die ersten eine wichtige Rolle. Nicht-traditionelle Exporte wie Metallwaren, Shrimps und Schnittblumen sind zwar seit den 1980er Jahren stark angewachsen, jedoch gegenüber den Erdöleinnahmen immer noch weitgehend bedeutungslos.
Ende 2010 hatte Ecuador etwa 14,7 Mrd. US$ öffentliche Schulden
. Dies entsprach 24% des BIP (57 Mrd US$). Im Dezember 2008 setzte Präsident Rafael Correa Zinszahlungen in Millionenhöhe aus. Damit folgte er einer Empfehlung der Nationalen Kommission zur Schuldenprüfung und löste ein Wahlversprechen ein. Ein Großteil der zwischen 1976 und 2006 aufgenommenen Schulden sei "nicht rechtmäßig und unmoralisch
". Zugleich kündigte Correa an, er werde den Gläubigern demnächst einen Restrukturierungsplan für die Rückzahlung der Schulden präsentieren. Ecuador wird somit Zinsen in Höhe von umgerechnet 22,9 Millionen Euro für die Staatsanleihen Global Bonds 2012 zunächst nicht zahlen
. Als Resultat dieser Politik hat Ecuador international an Ansehen verloren
.

Mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf von circa 4.290 US$ im Jahr 2010 befindet sich Ecuador laut Weltbankklassifizierung im oberen Bereich der lower-middle-income-countries. Das Volkseinkommen ist dabei sehr ungleich zwischen einer schmalen Oberschicht und der armen Bevölkerung verteilt. Trotz Erdöl und anderer natürlicher Ressourcen leben zwischen 30 und 65 Prozent in Armut der Bevölkerung in Armut
- je nachdem welche Statistiken zugrunde liegen; die UNDP
geht von einem Wert am oberen Spekrum aus, während laut BMZ
36% der Menschen in Ecuador unterhalb der nationalen Armutsgrenze leben. Staatliche Strukturen zur Armutsreduzierung sind nach wie vor nur schwach ausgeprägt. Auf der Grundlage der neuen Verfassung hofft Präsident Correa die Armut effektiver als bisher bekämpfem zu können. Ein enormes soziales Problem ist die Kinderarbeit
. In Ecuador gibt es anderthalb Millionen Kinder, die arbeiten müssen - das sind fast 40% aller Kinder im Land. Bereits Siebenjährige verdienen mit dem Verkauf von Feuerzeugen und Kaugummi auf der Straße ein paar Cent. Die Regierung setzte bisher auf eine Politik der Befriedigung der Grundbedürfnisse
, um die Armutssituation zu überwinden. So ist es z.B. Ziel des Ministeriums für städtische Entwicklung und Wohnungsfragen, durch die Förderung der städtischen Entwicklung, im Wohnungsbau sowie in der Wasserversorgung und Abwässerentsorgung die Lebensbedingungen in den Städten zu verbessern. In diesen und anderen Bereichen (Nachhaltiges Management natürlicher Ressourcen, Modernisierung des Staates, Dezentralisierung
, Kommunalentwicklung) engagiert sich auch die deutschen EZ-Organisationen. Armut hat auch maβgeblich zur Migrationswelle
der vergangenen Jahre beigetragen. Schätzungsweise haben insgesamt etwa 10% bis 15% der Ecuadorianer in den vergangenen 25 Jahren ihre Heimat verlassen. 2009 hat sich die geschätzte Quote
(0.8 Emigranten pro 1000 Einwohner) jedoch erstmals seit etlichen Jahren deutlich reduziert.
Deutschland engagiert sich seit den 1950er Jahren entwicklungspolitisch in Ecuador. Die Bundesrepublik ist nach den USA und Spanien der drittwichtigste bilaterale Geber. Zwischen 2008 und 2010 erhilelt Ecuador 25,5 Millionen Euro an Entwicklungshife. Die nächste Runde der Regierungsverhandlungen übder die EZ sind für 2012 geplant. In Absprache mit der ecuadorianischen Regierung ist die deutsche Unterstützung
auf zwei Schwerpunkte ausgerichtet:
Dezentralisierung und Modernisierung des Staatsaufbaus
Die Gleichstellung der Geschlechter und die Minderung der Benachteiligung indigener und afro-ecuadorianischer Bevölkerungsgruppen
werden als Querschnittsthemen in allen Vorhaben berücksichtigt. Die EU wird in Ecuador im Zeitraum von 2007 bis 2013 mit ingesamt 137 Mio. Euro die Schaffung von Arbeitsplätzen, die Förderung des Produktionssektors und die Modernisierung des Bildungswesens unterstützen.
Folgende Links führen zu den landesspezifischen Aktivitäten einzelner Institutionen und Organisationen.

Dr. Ana Lucía Salinas-Dosch ist Medien- und Kommunikationswissenschaftlerin und lehrt Ibero-Amerika Studien an der Leeds Metropolitan University in Großbritannien. Sie ist Autorin eines Buches über die Medien in Ecuador.
Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im März 2012 aktualisiert.
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