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Im indonesischen Prozess des Nationbuilding spielt neben der Einheit des Staates und der Nation auch die gemeinsame Sprache als äußeres Zeichen und verbindendes Kommunikationsmittel eine wichtige Rolle.
Umfangreiche Informationen zur Nationalsprache 'Bahasa Indonesia', Zugang zu Sprachbeispielen, Informationen zu Sprachschulen in Indonesien oder indonesischen Sprachlehrgängen weltweit finden sie über eine Linksammlung
. Ein gutes indonesisch-englisches
und ein ausbaufähiges deutsch-indonesisches
Online Wörterbuch erleichtern das Erlernen der Sprache.
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, und indonesisch-deutsche
Wörterbücher.
Den Einstieg in die Erlernung der Sprache erleichtert der Kauderwelsch Sprachführer Indonesisch
.
Die 'indonesische Gesellschaft' ist eine Konsens-Gemeinschaft - zumindest in der Selbstdarstellung und bei oberflächlicher Betrachtung. Das Prinzip der 'Einheit in der Vielfalt' greift auch hier. Die Pluralität der Meinungen wird solange gefiltert, bis ein Konzentrat entsteht, in dem sich jeder Einzelne wiederfinden kann oder muss. Der Prozess dieser Konzentrierung basiert auf der Grundlage von musyawarah und mufakat
, d.h. der ausgiebigen Diskussion, deren Ergebnis der Beschluss aller im Konsens ist. Diesem Prinzip widerspricht die hierarchisch geordnete Struktur der indonesischen Gesellschaft. Der Jüngere kritisiert den Älteren nicht, der Untergebene folgt den Anweisungen des Vorgesetzten. Damit kann der Konsens zum konzentrierten Willen einiger Weniger werden, dem sich alle anzuschließen haben. Musyawarah und mufakat - Diskussion und Konsens auf gesellschaftlicher Ebene - können damit zur politischen Waffe werden, die nicht hinterfragt werden darf, weil es sich um den Willen und die Meinung aller handelt. Auch auf individueller Ebene bleibt die Einheit in der Vielfalt oft eine Floskel. Kemunafikan - Heuchlerei – ist eine oft vernommene Vokabel. Wenn es um den eigenen Vorteil geht, werden gesellschaftlich relevante Formeln ausgehebelt.
Gesellschaftliche Werte anderer Art, wie z.B. das ausgeprägte Harmoniebedürfnis, sind ähnlich zweideutig interpretierbar. Sie sind durchaus vorhanden, man spürt sie im Alltagsleben ständig, wie z.B. durch stets nur vorsichtig artikulierte Kritik, positiven Verbalisieren von Negativen u.ä. Dennoch gibt es auch hier die andere Seite. Der gesellschaftliche Zwang zur permanenten Harmonie erlaubt so gut wie keine Ventile zum Abreagieren. Amok (übrigens ein malaiisches Wort) als Reaktion ist ein nicht selten auftretendes Regularium. Allerdings führt der zunehmende Wandel der indonesischen Gesellschaft - insbesondere in den urbanen Zentren - zu einer freieren Möglichkeit der Persönlichkeitsentfaltung.
Landeskundetipp:
Bereiten Sie sich eingehend auf gesellschaftliche Unterschiede zu Ihrem eigenen kulturellen Umfeld vor. Wenn Sie nicht wissen, was die indonesische Seite erwartet, kann das zu 'Gesichtsverlust' führen. Das Verhaltenspapier der InWEnt bereitet Sie vor und stellt Ihnen die Werte der indonesischen Gesellschaft dar. Zusätzliche Informationen bieten Werke wie z.B. 'Culture Shock-'Indonesia, 'Kunci budaya'
, 'Beruflich in Indonesien'
und 'KulturSchock Indonesien'
u.a.
Vor allem in den bevölkerungsreichen Inseln Java und Bali sind die traditionellen Künste stark durch indische Traditionen beeinflusst. Bei dem populären Wayang Puppenspiel werden, im heute vornehmlich islamischen Java, populäre hinduistische Epen aufgeführt.
Das Wayang
- Stabpuppenspiel wurde 2003 von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt. Zum Weltkulturerbe zählen heute auch der in vielen Regionen Indonesiens verbreitete Krisdolch und die Kunst der Batikherstellung.
Die Kunst der Ikatweberei ist vor allem im Osten Indonesiens zu hoher Perfektion gebracht worden.
Gamelan- Musik
, ist vor allem auf Java und Bali beheimatet. Sie basiert meist auf einem Fünf- oder Siebentonsystem. Ein komplettes Orchester besteht in der Regel aus 30-40 Musikern die verschiedene Xylophone, Trommeln, Rasseln, Gongs und Streichinstrumente spielen.
Dangdut- Musik
erfreut sich in Indonesien heute großer Beliebtheit. Bei diesem Musikstil handelt es sich um eine einzigartige Symbiose von malaiischem, nahöstlichen und westlichen Elementen mit Bollywood- Liedgut. Dangdut gilt vielen Indonesiern als Musikstil der Unterschicht. Zu den populärsten Vertretern dieses Musikstils zählen Inul Daratista
und Rhoma Irama
. Keroncong- Musik
trifft hingegen eher den Geschmack der Mittel- und Oberschicht.
Viele zeitgenössische Künstler
Indonesiens finden auch international Beachtung. Unter dem Diktator Suharto engagierten sich viele dieser Künstler mit teils drastischen Werken für eine Demokratisierung des Landes.
Wohlstand, westlicher Einfluss und eine zunehmende Bedeutung 'islamischer Wertvorstellungen' haben in den letzten Jahrzehnten zu einem deutlichen Wandel geführt. Eine verbessertes Bildungssystem ine verbesserte Schulbildung und der zunehmende Kontakt zur 'Außenwelt' haben eine Hinterfragung der alten Werte zur Folge. Der Verlust der Großfamilie und die Geburt des Einfamilienhaushaltes haben eine Umorientierung der Wertevorstellungen im Nukleus der indonesischen Gesellschaft, der Familie, mit sich gebracht. Das Wort des Familienoberhauptes ist nicht mehr unbedingt 'Gesetz'. Die 'adat'
-Systeme, die die hierarchische Struktur der Gesellschaft als notwendige Grundlage des menschlichen Zusammenlebens sahen, werden damit ihrer Basis beraubt.

Ein entscheidender Unterschied zu westlichen Staaten, wie z.B. der Bundesrepublik, liegt in der Diskrepanz zwischen Stadt und ländlicher Region. Während in Jakarta der Wandel zum globalen Zentrum vollzogen ist, mag in manchen Provinzen des riesigen Indonesiens das Alte seine Gültigkeit noch bewahrt haben. Und: der rasante Wandel der Gesellschaft führt dazu, dass kleine Gruppen alte Werte orthodoxer vertreten als sie jemals Bestandteile des indonesischen Systems waren (vgl. orthodoxer Islam in Indonesien).
Am besten lernen Sie Indonesien und seine Menschen kennen, wenn Sie bereit sind, sich der modernen Kultur gegenüber bewusst zu öffnen. Lernen Sie Indonesisch und suchen Sie den Kontakt zu Indonesiern. Sie werden, wie in jedem anderen Land, Vor- und Nachteile feststellen. Die schönen Seiten Indonesiens sollte man genießen, die negativen aber nicht verschweigen. Und denken Sie immer an das Staatsmotto 'Bhinneka Tunggal Ika' – Einheit in der Vielfalt. Indonesien hat viele Gesichter. Unterschiedliche Ethnien, Sprachen, Religionen, Landschaften, Klimata und Kulturdenkmäler demonstrieren die einmalige Vielfalt, die z.T. auf engstem Raum zu finden sind.
Beispielhaft hierfür sind die buddhistischen (Borobodur
) und hinduistischen (Prambanan
) Tempelanlagen in der Nähe von Yogyakarta (Zentraljava), die nur wenige Kilometer auseinanderliegen und fast zeitgleich erbaut wurden.




Generalisierende Aussagen zu Gender- Fragen
sind aufgrund der großen ethnischen Heterogenität des Landes nahezu unmöglich. So haben sich in einzelnen Landesteilen matrilineare Traditionen
erhalten - in den meisten anderen haben Männer eine sehr viel stärkere Rolle, die gleichwohl je nach sozialer Schicht sehr unterschiedlich ausfallen kann.

Vor den nationalen Gesetz werden Männer und Frauen, zumindest grundsätzlich, gleich behandelt. In einzelnen Regionen (z.B. Aceh) führt die Stärkung islamischer Gerichte und die Schaffung von Distriktsverordnungen zu erheblichen Einschränkungen der Bewegungsfreiheit von Frauen.
Im Oktober 2008 wurde nach langer und heftiger Diskussion vom Parlament das sogenannte "Antipornographiegesetz
" verabschiedet, in dem der Begriff Pornographie deutlich weiter gefasst wird als bislang. Unter anderem steht jetzt die "erotisierende Darstellung von Körperteilen" unter Strafe. Da die Öffentlichkeit in dem Gesetz offen aufgefordert wird gegen Amoralität anzugehen, steht zu befürchten, dass Islamisten in den nächsten Jahren zahlreiche Prozesse gegen Frauen anstrengen werden, die sich nicht in einer, aus Islamistensicht, islamkonformen Weise kleiden. Bislang (Dez. 2009) ist das jedoch noch nicht der Fall.
Grundsätzlich wäre es nun auch möglich das Tragen einer Reihe von traditionellen Trachten nichtislamischer Ethnien zu verbieten. Aufgrund einer Ausnahmeregelung ist inzwischen das Tragen von Bikinis nur noch auf Bali erlaubt.
Künstler die Aktdarstellungen verbreiten, aber auch Schriftsteller die offen über das Thema Sexualität schreiben, laufen nun Gefahr verklagt zu werden.
Homosexualität wird in der Regel geduldet, ist aber ein Tabuthema. Nicht wenige gemäßigte indonesische Muslime sehen keinen Widerspruch
zwischen Homosexualität und dem Islam. Allerdings wächst, spätestens seit Verabschiedung des Antipornographiegesetzes, auch der Druck von islamistischer Seite auf die indonesischen Homosexuellen.
Das indonesische Bildungssystem
ist chronisch unterfinanziert. Das Schulsystem
ist dreigliedrig. Es besteht aus einer sechsjährigen Grundschule (Sekolah Dasar – SD) einer dreijährigen Mittelschule (Sekholah Menengah Pertama – SMP) und einer dreijährigen Oberschulen (Sekolah Menengah Atas- SMA). Ferner gibt es Mittel- und Oberschulen, in denen auch berufsrelevante Kenntnisse vermittelt werden. Trotz zunehmender Bemühungen des Bildungsministeriums findet noch wenig direkte Zusammenarbeit mit der Wirtschaft statt.
Im Rahmen der Dezentralisierung bekommen die Regionen derzeit mehr Rechte die Lehrpläne auf den Bedarf auf den lokalen Wirtschaft abzustimmen.
Die Qualität der Schulbildung ist, verglichen mit anderen südostasiatischen Ländern, gering. Bei der Pisa Studie von 2006 landete Indonesien bei den Lesefähigkeiten auf Rang 48 (von 56 Ländern) und im Bereich Naturwissenschaften auf Rang 50 (von 57). Auch die Qualität der Universitäten kann, bis auf wenige staatliche Eliteuniversitäten, im internationalen Vergleich kaum mithalten.
Neben dem staatlichen Schulsystem gibt es in der indonesischen Bildungslandschaft
auch eine große Zahl von Schulen und Hochschulen unter christlicher oder islamischer Trägerschaft.
Die Rolle der traditionellen Medizin für die Gesundheitsversorgung geht ebenfalls zurück. Sie stellt aber gerade für die Armen eine kostengünstige Alternative zum staatlichen Gesundheitssystem
dar, das häufig mit hohen Zuzahlungen verbunden ist. Die Herausforderungen für das staatliche Gesundheitssystem
liegen unter anderem in der Sicherstellung der Versorgung in allen Gebieten des Landes und der nach wie vor hohen Kinder- und Müttersterblichkeit. Dengue- Fieber und Malaria sind in vielen Landesteilen weit verbreitet. Die Infektionsrate mit HIV/Aids ist derzeit, mit Ausnahme der großen Städte und West-Papua
, noch relativ niedrig. Allerdings wird befürchtet, dass die Infektionsrate in den nächsten Jahren erheblich ansteigen wird.
Aus Sicht der Weltbank
gibt die indonesische Regierung weiterhin zu wenig Geld für die Finanzierung des Gesundheitssystems aus.
Nach Angaben des nationalen Statistikamtes liegt die Arbeitslosigkeit bei 8 %. In diesen Zahlen finden jedoch nur registrierte Arbeitnehmer Berücksichtigung die zuvor einen (sozialversicherungspflichtigen) formalen Arbeitsvertrag hatten.
Mehr als die Hälfte der Indonesier arbeiten jedoch ohne Arbeitsvertrag im informellen Sektor. Je nach zugrunde gelegten Parametern fallen die Zahlen über Arbeitslosigkeit und Beschäftigung sehr unterschiedlich aus.
Da Frauen zu einem geringeren Teil im formalen Sektor beschäftigt sind, sind sie beim Zugang zu sozialen Sicherungssystemen deutlich benachteiligt.
Für Arbeitnehmer mit formalen Arbeitsverträgen existieren Mindestlohnregelungen die das örtliche Preisniveau berücksichtigen und daher regional sehr unterschiedlich ausfallen können. So fällt der z.B. der Mindestlohn in der Hauptstadt Jakarta etwa doppelt so hoch aus wie in östlichen Regionen Javas.
Durch die geringe Qualifikation eines großen Teils der indonesischen Arbeitskräfte, durch die hohe Arbeitslosigkeit und durch den schwachen Organisationsgrad von Arbeitnehmern ist die Durchsetzung von Arbeitnehmerrechten derzeit noch sehr schwierig. Starke Gewerkschaften gibt es nur in wenigen Arbeitsfeldern.
Auch auf politischer Ebene zeigen sich generelle Veränderungen von Werten. Seit Beginn der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts wurde zunehmend Kritik gegenüber der herrschenden Gesellschaftsschicht geäußert. Es war nur eine Frage der Zeit, wann eine Partei, die eine gewisse Parteiprogrammatik vorweisen konnte, als Siegerin einer Wahl hervorgehen würde. Dass der Prozess des Wandels jedoch noch immer 'indonesisch' ist, zeigt sich darin, dass nach den ersten freien Wahlen nach dem Sturz Suhartos zunächst nicht die Partei mit den meisten Stimmen den Präsidenten stellte, sondern dieser durch 'musyawarah' und 'mufakat' bestimmt wurde. So konnte Abdurrahman Wahid, als Vertreter einer relativ kleinen Partei an die Macht gelangen. Er ernannte damals Megawati Sukarnoptri, die Vorsitzende der stärksten Partei, zur Vizepräsidentin. Erst nach dem Amtsenthebungsverfahren gegen Wahid konnte Megawati Soekarnoputri auch zur Präsidentin aufsteigen.

Alte Strukturen brechen auf. Der Wandel ist in vielerlei Hinsicht feststellbar. Die Popularität von Wayang
-Vorstellungen hat seit der Einführung des Fernsehens deutlich abgenommen, Gamelan
-Orchester existieren zwar noch in großer Zahl: Aber die Jugend hört vornehmlich moderne Popmusik. Die zusammenwachsende Welt hat damit auch Indonesien spürbar geprägt. Jugendliche in Jakarta oder anderen Großstädten Indonesiens unterscheiden sich zwar, zumindest äußerlich, nicht wesentlich von denen in anderen Metropolen der Welt. Aber eine äußerlich "westliche" Kleidung darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass überlieferte Wertvorstellungen (Familie, Ehe, Hierarchie) im Privatleben auch für diese Jugendlichen noch eine wichtige Rolle spielen.
Alle großen Religionen
sind auch in Indonesien vertreten. 88% der Indonesier sind Muslime. Der Islam in Indonesien
zeigt verschiedene Strömungen. Große Teile der islamischen Bevölkerung (insbesondere im ländlichen Java) orientieren sich an einer traditionalistischen, vom Mystizismus
beeinflussten Form des Islam, der eine große Anpassungsfähigkeit an lokale Bräuche und Traditionen zeigt, von dem u.a. auch die Reaktionen auf Naturkatastrophen
mit beeinflusst werden. Der Islam wahabbitischer Prägung gewinnt derzeit an Popularität.
Schwere innerislamische Konflikte gab es 2008 über die Frage des Verbots der Ahmadiyah-Sekte
. Der Sekte wurde schließlich vom Innen- und Religionsministerium per Dekret untersagt ihre Glaubensgrundsätze weiter zu verbreiten, die von fundamentalistischen Muslimen als ketzerisch betrachtet werden. Viele Beobachter sehen dieses Dekret als einen schweren Eingriff in die Religionsfreiheit.

Der islamistische Terrorismus
hat in Indonesien, gemessen der Zahl der Muslime, nur sehr wenige Unterstützer. Die Gefahren des islamistischen Terrors für die Entwicklung von Demokratie, Rechsstatlichkeit und die wirtschaftliche Entwicklung Indonesiens sind dennoch außerordentlich hoch.
Der Anteil der christlichen Bevölkerung beträgt rund 8%. Dennoch sind die Christen in einigen größeren Landesteilen, wie z.B. Ost-Nusa Tenggara, sogar in der Mehrheit.
Hindus gibt es fast ausschließlich auf Bali. In entlegenen Regionen des Archipels werden z.T. noch traditionelle Religionsformen gelebt, deren wesentliche Merkmale der Ahnenkult und die Verehrung von Geistwesen sind.

Dr. Klaus Fuhrmann ist Ethnologe. Er arbeitet als interkultureller Trainer sowie als freier Hörfunk- und Fernsehjournalist. Langjähriger Lehrbeauftragter an der HTWG-Konstanz im Studiengang "Asien und Management". Mehrere längere Forschungsaufenthalte in Indonesien.
Tel: 0178-4744331