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Ethnisch bunt gemischt, aber religiös homogen
Was die Bevölkerung betrifft, so fällt Jordanien im regionalen Vergleich etwas aus dem Rahmen: anders als zum Beispiel in Syrien oder dem Irak gibt es in Jordanien nur eine winzig kleine "Ur"-bevölkerung. Die große Mehrheit der heutigen BewohnerInnen Jordaniens sind Nachkommen von Menschen, die seit dem 19. Jahrhundert als politische Flüchtlinge, aus wirtschaftlicher Not oder sogar per Zwangsansiedlung in diesen Teil der Welt kamen und die sich mit den Umständen arrangieren mussten, ohne selbst viel entscheiden zu können. Das gilt für die Palästinenser
, die mehr als die Hälfte der Bevölkerung Jordaniens ausmachen, aber auch für die Armenier
, die kaukasischen Tscherkessen
und Tschetschenen
, oder - brandaktuell - für hunderttausende Iraker
, die sich mangels Alternativen in Jordanien niedergelassen haben.
Das Risiko religiöser Konflikte ist in Jordanien gering, denn die Bevölkerung ist in bezug auf die Religions- und Konfessionszugehörigkeit recht homogen: Rund 97 Prozent der Menschen sind sunnitische Muslime
. Etwa zwei Prozent sind Christen, die sich auf ein rundes Dutzend christliche Glaubensgemeinschaften verteilen. Darüber hinaus gibt es noch kleine Gruppen von Drusen, Bahai und Yeziden.
Altersstruktur
Wegen der hohen Geburtenrate (3,4 Kinder pro Frau, Bevölkerungswachstum 2,2% pro Jahr) ist die jordanische Bevölkerung im Schnitt extrem jung. Ein Drittel der Bevölkerung ist jünger als 15 Jahre, zwei Drittel sind jünger als 29 Jahre.
Stadt-Land-Verhältnis
Bei anhaltender Landflucht leben heute über 80% der Gesamtbevölkerung in Städten, davon der größte Teil in Amman (ca. 2,5 Millionen Einwohner), Zarqa (ca. 600.000 Einwohner) und Irbid (ca. 500.000 Einwohner). Ein noch junges, aber aufstrebendes regionales Zentrum ist Aqaba am Roten Meer (ca. 120.000 Einwohner).
Ethnien und Religionen
2008 lebten etwa 6,3 Millionen Menschen in Jordanien. Rund 60 Prozent waren palästinensischer Herkunft
, davon gut zwei Drittel registrierte Palästina-Flüchtlinge.
Ethnisch und religiös ist Jordanien weit homogener als die meisten arabischen Nachbarstaaten. Ca. 98% der Einwohner sind Araber
und 97% bekennen sich zum sunnitischen Islam
. Etwa 200.000 Jordanier gehören verschiedenen christlichen Kirchen
an, die meisten der griechisch-orthodoxen Richtung
. An zweiter Stelle folgen die mit Rom unierten griechisch-katholischen Melkiten
.
Die beduinische Lebensweise
ist in Jordanien auf dem Rückzug. Weniger als ein Prozent der Bevölkerung leben Schätzungen zufolge noch als Nomaden oder Halbnomaden. Dennoch genießen die beduinischstämmigen Familien wegen ihrer Loyalität zu den (nicht beduinischen) Haschemiten weiterhin eine besondere Stellung im politischen System, ebenso wie die anderen Minderheiten im Land. Dazu zählen neben Armeniern, Kurden und iranischstämmigen Bahai (zusammen ein Prozent der Bevölkerung) auch die seit dem 19. Jahrhundert von den Osmanen angesiedelten sunnitisch-muslimischen Tscherkessen
und Tschetschenen
aus dem Kaukasus (zusammen ca. ein Prozent). Die Beduinen sind in der Wüstenpolizei und in Teilen der Armee (Aufstandsbekämpfung) überrepräsentiert. Die Tscherkessen, die zu den ersten Bewohnern der modernen Stadt Amman gehörten und die schon Jordaniens Staatsgründer Abdullah I. loyal zur Seite standen, sind heute überproportional in den Sicherheitsdiensten, bei der Polizei und in der höheren Verwaltung vertreten. Auch die Tschetschenen genießen traditionell eine Sonderstellung. Augrund der Verwicklung tschetschenischer Islamisten in Terrorstrukturen von Al-Qaida hat das Vertrauensverhältnis allerdings gelitten. Für Beduinen, Kaukasier und Christen sind im jordanischen Parlament überproportional viele Sitze vorgesehen.

Die Beziehungen zwischen Palästinensern und Jordaniern
sind zwiespältig. Obwohl Palästinenser heute mehr als die Hälfte jordanischen Gesamtbevölkerung ausmachen und die jordanische Wirtschaft auf das Kapital und das Know How der palästinensischstämmigen Bevölkerung existentiell angewiesen ist (die Arab Bank gehört einer palästinensischen Familie), sind die Palästinenser bislang formalpolitisch nicht angemessen repräsentiert. Der Zugang zu Posten im öffentlichen Dienst und bei den Sicherheitskräften ist zwar nicht unmöglich, aber erschwert.
Die jordanische Sozialstruktur
ist pyramidal. Ethnische, religiöse, tribale Identitäten verlaufen dabei quer zur Klassenzugehörigkeit. An der Spitze der Gesellschaft stehen die folgenden Gruppen:
Die führenden Gesellschaftsschichten sind in Jordanien eng mit dem haschemitischen Herrscherhaus verbunden. Die Verbindung einiger besonders wohlhabender oder einflussreicher palästinensischen Familien mit der haschemitischen Dynastie kann man bis in die 1920er-1930er Jahre zurückverfolgen.
Sozial, ökonomisch und politisch von großer Bedeutung sind in Jordanien die Großfamilien (arab. hamula, ´aschira, qabila). Der Familienname kann entscheidend sein, wenn es um Arbeitsplätze, Einkommen oder den Zugang zu anderen Ressourcen geht. Der Zusammenhalt in den Familien ist auch aufgrund der Cousinehe
stark, die in Jordanien trotz des erhöhten Risikos von Erbkrankheiten und trotz Kampagnen gegen die Cousinehe immer noch weit verbreitet ist.

Gemessen an der Gesamtzahl der Bevölkerung leben in Jordanien sehr viele Ausländer. Sehr stark vertreten sind Iraker, die schon vor dem Sturz Saddam Husseins zu Hunderttausenden nach Jordanien kamen. Seit dem Irak-Krieg im Frühjahr 2003 ist die Zahl der in Jordanien lebenden Iraker auf mindestens 750.000 gestiegen. Die meisten leben in Amman. Jordanien klagt, dass die Iraker die ohnehin schwächelnde Wirtschaft zusätzlich belasten. Doch es gibt auch Anzeichen, dass Jordanien von dem Flüchtlingsdrama profitiert.
Seit dem Frühjahr 2011 kommen auch immer mehr Flüchtlinge aus dem benachbarten Syrien nach Jordanien. Die Gesamtzahl ist unbekannt, aber es dürften mehrere zehntausend Menschen sein. Die meisten bleiben in der Nähe der syrischen Grenze im Norden, in Irbid oder Amman.
Jordanien beschäftigt seit jeher eine große Zahl ArbeitsmigrantInnen: rund 200.000 Ägypter arbeiten in der Landwirtschaft, der Gastronomie und im Tourismus. Bis zu 100.000 Syrer sollen in der Baubranche tätig sein. Rund 80.000 ArbeitsmigrantInnen aus Süd- und Südostasien sind in der verarbeitenden Industrie und in Privathaushalten beschäftigt.
In Amman befindet sich das regionale Headquarter
der UN-Unterorganisation UNIFEM, zu deren Aufgaben das Gendermainstreaming innerhalb der UN gehören sowie die Stärkung von Frauenrechten im Rahmen globaler Strukturpolitik. Gender-segregierte Daten zu Bildung, Beschäftigung und politischer Repräsentation in Jordanien finden Sie auf dem Portal des Jordanischen Amtes für Statistik
. Wichtiger Hinweis zur Nutzung des Portals: Wenn Sie die Daten in englischer Sprache suchen, so finden Sie nicht alle Tabellen komplett hinter dem "English"-Button, sondern Sie müssen trotzdem die arabischen Links anklicken (klicken Sie drauf, auch wenn Sie die Links mit Ihrem Browser nicht lesen können!). Die arabischen Buttons führen zu zweisprachigen arabisch-englischen Tabellen, die man zum großen Teil nicht auf dem englischsprachigen Teil des Portals findet. Weitere gender-segregierte Basisdaten finden Sie im Human Development Report "Jordanien" von UNDP und im World Fact Book Jordan der CIA.
Vorbehalte gegen Anti-Diskriminierungskonvention CEDAW
Jordanien hat die CEDAW
ratifiziert - allerdings wie die meisten arabischen und islamischen Länder mit Einschränkungen
, da Jordanien bestimmte Gesetze
nicht als Diskriminierung von Frauen betrachtet sehen möchte, sondern als Teil der kulturellen und religiösen (arabisch-islamischen) Identität. Das optionale Protokoll zur CEDAW von 2000 hat Jordanien bislang nicht ratifiziert. Beim jüngsten Gender-Empowerment-Ranking des UNDP lag Jordanien im internationalen Mittelfeld.
Alltag von Frauen und Mädchen in Jordanien
Der Zugang von Frauen und Mädchen zu formaler Bildung hat sich in Jordanien deutlich verbessert. Die Alphabetisierungsrate beträgt bei Jungen und Mädchen nahezu 100 Prozent; das Abitur und die Universität schaffen laut Statistik sogar mehr Mädchen als Jungen, und nicht nur in den typischen Frauenfächern. An den naturwissenschaftlichen und technischen Fakultäten sind in Jordanien ein Drittel der Studierenden weiblich, in den medizinischen Fächern knapp die Hälfte.
Verbesserter Schutz vor häuslicher Gewalt
In den letzten Jahren wurden auf jordanischen Polizeiwachen eigene Abteilungen für von Gewalt betroffene Frauen eingerichtet. Seit 2007 gibt es in Amman das Dar Aman
, ein Zufluchtshaus für mißhandelte Kinder. Außerdem wurde mit britischer Unterstützung ein Frauenhaus eingerichtet. Derzeit ist Jordanien im Begriff ein regionales Trainingszentrum zum Thema familiäre Gewalt einzurichten. Das gestiegene Bildungsniveau von Frauen und die Aktivitäten in der Gewaltprävention werden häufig zitiert, um die Fortschritte Jordaniens in Sachen Gendergerechtigkeit zu illustrieren. Die Errungenschaften sind zweifellos beachtlich. Dennoch läßt sich nicht verhehlen, dass Frauen in Jordanien weiterhin massiv benachteiligt sind. So sind trotz der hohen Zahl weiblicher Studierender die meisten Hochschulabsolventen Männer - ein Indiz, dass viele junge Frauen und ihre Eltern die Universität in erster Linie als Heiratsmarkt betrachten und auf den Abschluss verzichten, sobald der Richtige gefunden ist. Das spiegelt sich auch in der niedrigen Frauenerwerbsquote: Trotz des hohen Bildungsgrades der Jordanierinnen sind nur knapp 15 Prozent der Frauen im erwerbstätigen Alter berufstätig.
Mehr über Gender in arabischen/islamischen Kontexten
Die GIZ hat im Auftrag des BMZ diverse Handbücher und Broschüren über Frauenrechte in der arabischen/islamischen Welt
veröffentlicht.
Women Living under Muslim Laws
(kurz WLUML) ist ein internationales Solidaritätsnetzwerk muslimischer Frauen mit Sitz in Kanada, das über die rechtliche Situation von Frauen in muslimischen Ländern weltweit berichtet und das Kampagnen zur Abschaffung religiös begründeter rechtlicher Diskriminierungen von muslimischen Frauen durchführt. Auf den Seiten von WLUML findet man auch Informationen über die Lage von Frauen und Mädchen in Jordanien.
Auch wenn Jordanien keine gesetzliche Geschlechtertrennung und keinen Schleierzwang kennt: Die Gesellschaft ist mehrheitlich sehr konservativ, und die Lebenswirklichkeit von Frauen und Mädchen ist geprägt durch patriarchale Denkweisen und diskriminierende Gesetze. Ein Ausdruck der patriarchalen Mentalität ist die starke kulturelle Präferenz für männliche Nachkommen
: Umfragen zufolge möchten die meisten JordanierInnen lieber männliche als weibliche Babies, damit der Familienname bestehen bleibt. Diese Einstellung ist nach Ansicht jordanischer SoziologInnen und FrauenrechtlerInnen auch eine Ursache der mit gut 3 Kindern pro Frau immer noch hohen Geburtenrate. Zwar freuen sich jordanische Familien auch über Töchter; doch die Familienplanung gilt in den meisten Fällen erst dann als abgeschlossen, wenn die Frau mindestens zwei Söhne geboren hat.
Mädchen und Frauen als GarantInnen der Familienehre
Ein zentrales Element der patriarchalen Mentalität ist ferner die Vorstellung, dass Mädchen die Familienehre bedrohen, da sie ihre Jungfräulichkeit verlieren könnten. Spätestens mit dem Eintritt der Pubertät, oft auch schon vorher werden Mädchen deshalb umfassenden Überwachungs- und Kontrollmechanismen unterworfen, die sie - aus Unkenntnis ihrer Rechte oder aus Angst vor Sanktionen - meist ohne großen Protest akzeptieren. Beide Vorstellungen - die Bevorzugung von Jungen und dass die weibliche Sexualität kontrolliert werden muss - sind übrigens keine Frage der Religionszugehörigkeit, sondern unter muslimischen und christlichen Jordaniern/Palästinensern gleichermaßen verbreitet.
Familien- und Personenstandsrecht je nach Religionszugehörigkeit
Das Personenstands- und Familienrecht
(arab. al-ahwal al-shakhsiya), das existentielle Belange wie Heirat, Scheidung, Erbe etc. regelt, ist in Jordanien (wie übrigens auch in Israel) konfessionsabhängig. Das bedeutet, dass es in Jordanien kein einheitliches Heirats-, Scheidungs- und Erbrecht gibt, sondern dass bei Christinnen das Kirchenrecht angewandt wird, während für die große Mehrheit der Musliminnen ein Personenstandsrecht gilt, das auf der Scharia
basiert. In seinen augenblicklichen Interpretationen (christlich und muslimisch) diskriminiert das jordanische Personenstandsrecht Frauen auf vielfache Weise.
Streng konservative Interpretation der religiösen Rechtsquellen
Die in Jordanien vorherrschende hanafitische Rechtsschule
läßt theoretisch zwar Lösungen zu, die Frauen nicht diskriminieren. Doch in der jordanischen Gesetzgebung und im Rechtsalltag wird von dieser Möglichkeit kein Gebrauch gemacht: Frauen können gegen ihren Willen verheiratet werden, sie brauchen zur Eheschließung die Genehmigung des Vaters oder eines männlichen Vertreters; sie müssen bis zu drei Nebenfrauen akzeptieren; sie selbst können sich nur unter großen Schwierigkeiten scheiden lassen, während ein Mann seine Frau jederzeit ohne Angabe von Gründen verstoßen kann; sie müssen im Falle einer Scheidung und Wiederheirat auf ihre Kinder verzichten; sie dürfen ohne Erlaubnis des Mannes nicht berufstätig sein, ja nicht einmal die eigenen Eltern besuchen. Frauen erben nur halb so viel wie Männer, und sie müssen Gewalt in der Ehe akzeptieren. Zwar rechtfertigt nach Ansicht zeitgenössischer muslimischer TheologInnen
der Koran keine Gewalt gegen Frauen, doch das jordanische Gesetz und vor allem die jordanischen Richter folgen nicht dieser, sondern einer älteren, frauenfeindlicheren Interpretation des Korans.
Mord unter dem Vorwand der Familienehre
Besonders gravierend ist, dass das jordanische Gesetz Morde an Frauen um der sogenannten "Familienehre" willen bislang nur schwach sanktioniert. Unter dem Vorwand der Familienehre (oft geht es um ganz andere Dinge, z.B. Erbstreitigkeiten) werden in Jordanien pro Jahr schätzungsweise 30 Frauen und Mädchen ermordet (hochgerechnet auf die Einwohnerzahl, wären das in Deutschland rund 450 Frauen pro Jahr). Die Proteste bekannter jordanischer Frauenrechtlerinnen und Journalistinnen wie Rana Husseini
haben daran bisher nichts ändern können.
Im Parlament und auf kommunaler Ebene
Politisch sind Frauen in Jordanien stark unterrepräsentiert. Dank einer vor wenigen Jahren eingeführten Quote sind aktuell 13 der 120 Parlamentsabgeordneten Frauen
, davon wurden 12 per Quote gewählt, nur eine Frau schaffte direkt den Sprung ins Parlament. König Abdullah II. hat darüber hinaus insgesamt 9 Frauen in das 60-köpfige Oberhaus (Senat) berufen. In den Kommunen ist die staatlich festgesetzte Frauenquote mit 20% vergleichsweise hoch und mehr Frauen stellen sich zur Wahl. Optimistisch stimmt, dass die Quote bei den Kommunalwahlen 2007 voll ausgeschöpft wurde und dass offenbar viele Frauen für weibliche Kandidatinnen stimmten.
Frauenorganisationen
Unabhängige Frauenorganisationen, die sich für verbesserte Lebensbedingungen von Frauen und Mädchen einsetzen, gibt es in Jordanien seit den 1950er Jahren. Die Wirkung der Arbeit der Frauenorganisationen blieb aber aus zwei Gründen begrenzt: 1) die starke Politisierung eines Teils der Organisationen (z.B. für die Befreiung Palästinas), die zu Konflikten mit dem Regime bzw. zur Schließung von Organisationen führte; 2) die Vereinnahmung und Monopolisierung des Genderthemas durch Mitglieder der Königsfamilie, vor allem durch Prinzessin Basma
, eine Schwester von König Hussein I. Exemplarisch ist hier das Nationale Jordanische Frauenkomitee zu nennen, das mit Hilfe internationaler Entwicklungsgelder unter der Schirmherrschaft von Prinzessin Basma über Jahre tonnenweise Hochglanzbroschüren produziert hat, ohne dass sich die für Frauen miserablen Gesetzeslage wesentlich geändert hätte.
Alle jordanischen Frauenorganisationen (nach staatlichen Angaben gibt es 95) sind Mitglieder der staatlich kontrollierten General Federation of Jordanian Women
(GFJW), die über ein großes Netz an Zweigstellen auch in ländlichen Gebieten verfügt, und die sich seit einigen Jahren zunemend an kontroversere Themen wie z.B. Gewalt gegen Frauen heranwagt. Zu den relativ unabhängigen Organisationen, die sich in Jordanien für Frauen und Frauenrechte einsetzen, gehören unter anderem
Arab Women's Organisation
(Vorsitzende: Leila Hamarneh)
Sisterhood is Global/Jordan
(Vorsitzende: Asma Khader), Partnerin von WLP![]()
Bushra-Frauenstudienzentrum
in Zarqa
Schule und Berufsbildung
Bei der Reform des Bildungssektors kooperiert Jordanien eng mit US-amerikanischen Institutionen
. Das jordanische Bildungssystem
basiert auf der zehnjährigen Pflichtschule (6 bis 16 Jahre), bestehend aus sechs Jahren Elementarschule (arab. ibtida'i), gefolgt von vier Jahren Mittelschule (arab. i´dadi). Danach können die Schüler je nach Qualifikation zwischen dem zweijährigen Gymnasium (arab. thanawi) mit Abitur (arab. taudschihi) oder einer Berufsausbildung (ta'drib/ta'hil mihani) wählen. Nicht mehr ganz aktuell, aber recht umfassend ist ein Bericht der Europäischen Union über das jordanische Bildungssystem
.
Um dem Facharbeitermangel entgegenzuwirken, wurde das System der beruflichen Bildung in den letzten zehn Jahren reformiert und ausgebaut. Zuständig ist das Arbeitsministerium
, das ein nationales Ausbildungs- und Beschäftigungsprogramm für Schulabbrecher und junge Erwachsene
aufgelegt hat.
Staatliche Grund- und Sekundarschulen sind in Jordanien kostenlos. Immer mehr Eltern schicken ihre Kinder jedoch auf kostenpflichtige Privatschulen, weil sie diese für qualitativ besser halten, vor allem in bezug auf den Englischunterricht.
Jordanien investiert jährlich hohe Summen in das Bildungssystem. Doch der Sektor weist immer noch zahlreiche Schwächen auf. Die Klassen sind zu groß, die Unterrichtsmethoden autoritär, die Lehrpläne veraltet, Fortbildungen für das Lehrpersonal kaum existent. Eine zusätzliche Belastung resultiert daraus, dass die Schulen des Palästinenserhilfswerkes UNRWA, die einen sehr guten Ruf genossen, mit immer heftigeren Finanzproblemen kämpfen. Die Klassenstärke in den UNRWA-Schulen beträgt teilweise bis zu 50-60 SchülerInnen. Last not least spielt der jordanische Staat in der vorschulischen Bildung bislang kaum eine Rolle. Zwar gibt es Vorschulen, doch diese sind in der Regel teuer und stehen nur einer bestimmten Schicht offen. Zur Modernisierung des Bildungssystems hat Jordanien von 2003-2008 ein umfassendes nationales Reformprojekt namens ERFKE durchgeführt, das unter anderem von der US-amerikanischen Entwicklungsagentur USAID mit 380 Millionen US-Dollar gesponsort wurde, und das mittlerweile in ein Nachfolgeprogramm mit kanadischer Unterstützung (Supporting Education in Jordan) eingebunden wurde.
Hochschulbildung
Der Weg zur Universität führt über das Zentralabitur (taudschihi)
. Mit bestandener Prüfung können junge JordanierInnen sich an einer der staatlichen oder privaten Hochschulen des Landes bewerben. Beide sind kostenpflichtig, die staatlichen Universitäten sind allerdings etwas günstiger.Qualitativ gute Hochschulen gibt es sowohl im staatlichen als auch im privaten Sektor.
Die Studienplätze an den staatlichen Universitäten werden nach einem rigiden Numerus-Clausus-System vergeben: Die AbiturientInnen mit der höchsten Punktzahl dürfen medizinische Fächer, Ingenieurwesen und Informatik studieren, diejenigen mit der niedrigsten Punktzahl werden in geisteswissenschaftliche Studiengänge wie Pädagogik, Literatur oder auch Jura geschoben. Laut Zeitungsberichten haben einzelne Studierende aber in der Vergangenheit mit Geld "nachhelfen" können, um den gewünschten Studienplatz zu bekommen.
Die Aufsicht über das Hochschulwesen in Jordanien obliegt dem Ministerium für Hochschulbildung und wissenschaftliche Forschung. Eine wichtige Ergänzung der Hochschul-Landschaft in Jordanien sind die internationalen Universitäten, die neuerdings überall im Land gegründet werden:
Die German-Jordanian University
(2005)
Die Jordanisch-amerikanische Rote-Meer-Filmhochschule
in Aqaba (RSICA 2008)
Die in Amman geplante jordanisch-amerikanische Universität
Schließlich seien noch die internationalen Fernstudiengänge erwähnt, die wegen der geringeren Kosten und der besseren Vereinbarkeit mit Nebenjobs in Jordanien immer beliebter werden. Führend sind die Arab Open University
und die britische Open University.
Offiziell anerkannte Religionen
Aufschluss über den Grad an Religionsfreiheit, über die Größe der Glaubensgemeinschaften und ihre regionale Verteilung in Jordanien gibt der Bericht des US-Außenministeriums über Religiöse Freiheit
in Jordanien.
97 Prozent der jordanischen Gesamtbevölkerung sind sunnitische Muslime
. Zwei Prozent sind Christen
(vorrangig griechisch-orthodox, römisch-katholisch und griechisch-katholisch (melkitisch
). Da der Islam das Christentum und das Judentum als Vorgängerreligionen (arab. ahl al-kitab) ansieht, genießen diese Glaubensgruppen als sogenannte "Buchreligionen"
besonderen Schutz.
Tolerierte Religionen
Ansonsten leben in Jordanien noch Drusen
(ca. 12-14.000), Baha'i
(ca. 1000), Samaritaner
sowie einige Yeziden
. Diese Religionsgemeinschaften werden in ihrer Glaubensausübung nicht behindert, aber auch nicht besonders unterstützt. Die Zahl der Schiiten
ist in Jordanien verschwindend gering. Allerdings dürften viele der im Land lebenden Iraker Schiiten sein. Ihre Zahl lässt sich nicht schätzen, da schiitische Iraker nicht mehr nach Jordanien hineingelassen werden und sich deshalb zahlreiche Schiiten aus dem Nachbarland als Sunniten ausgeben.

Islam als Staatsreligion
Der Islam ist in Jordanien Staatsreligion. Die haschemitischen Herrscher führen ihre Abstammung auf einen Verwandeten des Propheten Muhammad zurück. Bevor sie sich 1916 gegen die Osmanen erhoben, waren die Haschemiten auf der arabischen Halbinsel jahrhundertelang für die Bewachung der heiligen Stätten Mekka und Medina sowie für die Organisation der Pilgerfahrt zuständig gewesen. Die Haschemiten legitimieren ihren Herrschaftsanspruch über Jordanien somit religiös, wodurch der Islam in Jordanien nicht nur gesellschaftlich, sondern auch politisch eine herausragende Stellung innehat. Nichtdestrotrotz sind hohe Ämter im Staat nicht an die Religion gebunden: auch ein christlicher Jordanier kann Ministerpräsident werden.
Religion im täglichen Miteinander
Feindseligkeiten zwischen Christen und Muslimen waren in Jordanien bisher eher die Ausnahme. Seit 1997 wird in Jordanien christlicher Religionsunterricht auch an Schulen erteilt. Liebesbeziehungen zwischen Musliminnen und Muslimen, Christinnen und Christen werden ungern gesehen.
Insgesamt spielt die Religion in Jordanien eine große Rolle. Das beginnt bei der persönlichen Identität: zwei von drei JordanierInnen gaben bei einer Umfrage des US-amerikanischen PEW-Institutes an, dass sie sich in erster Linie als Muslime und erst dann als Jordanier fühlen. Zudem ist ein wesentlicher Teil des jordanischen Rechtssystems konfessionell geprägt. Zwar orientieren sich das Straf- und Handelsrecht an westlichen Modellen und sind säkular, doch in Anlehnung an die islamisch-osmanische Tradition gilt in Jordanien (wie in allen anderen arabischen Ländern) bei Personenstands- und Erbfragen das konfessionelle Recht, also islamisches Recht (Scharia) für Muslime und christliches Recht (Kirchenrecht) für Christen.
Islam im Rechtssystem
Muslimische JordanierInnen regeln ihre Familien- und Erbangelegenheiten vor den sogenannten "Geistlichen Gerichten" (Sharia Courts). Traditionell gab es im Islam keine zentrale religiöse Autorität, die eine bestimmte Rechtsprechung für alle verbindlich setzte. Der moderne Nationalstaat hat es jedoch notwendig gemacht, das an sich dezentrale islamische Rechts- und Fatwawesen (Fatwa=Rechtsgutachten) zu kodifizieren und in ein für alle BürgerInnen verbindliche einheitliche Form zu gießen. Ausschlaggebend sind hier die Rechtsgutachten der staatlich bestellten und beaufsichtigten islamischen Theologen (Ulama, Muftis), die in Jordanien dem Ministerium für religiöse Angelegenheiten und Stiftungswesen zugeordnet sind oder einer der staatlichen Hochschulen. Einschlägige Gesetze, z.B. zur Familienplanung oder Abtreibung, werden zwischen den gesellschaftlichen Interessengruppen, den religiösen Würdenträgern sowie dem Parlament und dem König ausgehandelt. Für die MuslimInnen Jordaniens ist dabei das islamische Recht in seiner hanafitischen Ausprägung
maßgeblich.
Zunehmender Einfluss islamistischer Kräfte
Während linke und säkulare Oppositionsgruppen in Jordanien jahrzehntelang unterdrückt wurden, konnten islamistische Kräfte
sich relativ unbehelligt in den Moscheen entfalten. Das hat dazu geführt, dass die einzig nennenswerten Oppositionskräfte in Jordanien heute durchweg Islamisten sind, wobei die ideologische und strategische Ausrichtung stark variiert. Die Mehrheit der in Jordanien ansässigen Islamisten (mehrheitlich palästinensischer, aber auch urjordanischer Herkunft) befürwortet eine gewaltlose Islamisierung der Gesellschaft. Nur eine winzige Minderheit strebt eine islamische Republik nach dem Vorbild der Taliban an. Dass islamische Extremisten made in Jordan dennoch eine große Gefahr darstellen, zeigt das Beispiel des 2006 im Irak getöteten Top-Terroristen Abu Mus'ab Az-Zarqawi
, der für unzählige extrem brutale Anschläge, unter anderem auf drei Hotels in Amman
sowie für das sadistische Abschlachten ausländischer Geiseln verantwortlich war. Der jordanische Dokumentarfilm "Recycle
" schildert auf beeindruckende Weise das bedrückende gesellschaftliche Klima in der Millionenmetropole Zarqa, der Heimatstadt von Zarkawi. Nicht von ungefähr stammt aus Zarqa auch einer der führenden islamistischen Ideologen und Weggefährten von Abu Mus'ab Al-Zarqawi: Abu Muhammad Al-Maqdisi
steht nach jahrzehntelanger Haft in Jordanien unter Hausarrest.
Die radikalen Islamisten halten die gegenwärtigen Regierungen der arabischen Länder für ungläubig und für Marionetten des Westens, vor allem der USA. Ihr Ziel ist die Errichtung eines islamischen Staates, in dem die Scharia nicht nur - wie es gegenwärtig der Fall ist - das Familien-, Ehe- und Erbrecht bestimmt, sondern alle Bereiche des täglichen Lebens und des geltenden Rechts (also auch das Strafrecht und das Handelsrecht). Außerdem sollen der jordanisch-israelische Friedensvertrag aufgekündigt und die Zusammenarbeit mit Israel, den USA und anderen westlichen Verbündeten aufgegeben werden.
Religionspolitische Maßnahmen als Versuch der Eindämmung
Der jordanische Staat setzt beim Kampf gegen radikale Islamisten zum einen auf Waffengewalt und Repression, zum anderen auf Vereinnahmung und Argumente. König Hussein I. wollte dem Einfluss der Islamisten ideologisch entgegenwirken, indem er alle Moscheen und Prediger des Landes unter staatliche Aufsicht (Innenministerium und Religionsministerium) stellte und die Freitagspredigten der Zensur unterwarf. Außerdem ließ König Hussein I. 1992 die staatstragende theologische Hochschule Al Al-Bayt gründen.
König Abdullah intensivierte nach seiner Inthronisierung die religionspolitischen Maßnahmen durch
die Gründung des Al Al Bayt Instituts für Islamisches Denken
das nationale religiöse Modernisierungsprojekt "Amman Message"
, das in allen Handlungsfeldern der Politik Berücksichtigung finden soll
das königliche Institut für Interreligiöse Studien (RIIFS)
, das unter Schirmherrschaft von Prinz Hassan bin Talal den interreligiösen Dialog auf internationaler Ebene betreibt
die Unterstützung der Baptisten-Initiative "A Common Word"

Medizinische Versorgung verbessert
Das Gesundheitssystem
hat sich in Jordanien insgesamt verbessert, aber es gibt ein ausgeprägtes Stadt-Land-Gefälle und eine sich immer weiter öffnende Schere zwischen Arm und Reich. Im Großraum Amman ist die medizinische Versorgung gut, in den ländlichen Gebieten deutlich schlechter. Als Folge der allgemeinen Verbesserung des Lebensstandards ist die Säuglingssterblichkeit auf 60 auf 21 pro tausend gesunken. Die durchschnittliche Lebenserwartung stieg von 47 Jahre (1960) auf 75 Jahre (Männer) und 80 Jahre (Frauen) im Jahr 2011.
Nachdem es im Gefolge des 11. September 2001 für Araber immer schwieriger wurde, zur medizinischen Behandlung in westliche Länder zu reisen, verzeichnet Jordanien ordentliche Zuwächse beim Gesundheitstourismus. Genaue Zahlen gibt es hierzu allerdings nicht.
Staatsbeamte und Militärs privilegiert
Staatstragende Berufsgruppen wie Beamte, Polizisten und Militärs wurden in Jordanien seit jeher kostenlos medizinisch behandelt und erhielten ein Ruhestandsgeld. Alle anderen Berufstätigen waren in Krisensituationen auf ihre Familien, ihre Ersparnisse oder auf Almosen angewiesen. Im Zuge der Privatisierung ehemaliger Staatsbetriebe hat Jordanien im Jahr 2001 eine allgemeine Kranken- und Rentenversicherung eingeführt, die unter anderem bei Arbeitsunfällen, Krankheit und Schwangerschaft einspringt. Diese Versicherung gilt allerdings nur für einen Teil der Beschäftigten und sie schützt nicht die vielen tausend ArbeitsmigrantInnen in Jordanien. Landwirtschaftliche Helfer, Hausangestellte und eine Reihe anderer Berufe sind von der Versicherung bislang ausgeschlossen, ebenso wie von der Unfallversicherung.
Eine Arbeitslosenversicherung gibt es in Jordanien nicht. Generell wird erwartet, dass im Notfall die Familie einspringt. In Härtefällen helfen islamische karitative Vereine und gelegentlich auch quasi-staatliche NRO mit Kleidung, Essen oder Geldspenden. Gewerkschaften sind zwar legal, doch wenig einflussreich, wie sich einem Bericht
des Internationalen Gewerkschaftsbundes ITUC entnehmen läßt.
Kulturelle Identitäten
Jordanien ist in erster Linie ein arabischsprachiges
Land. Durch das Arabische als gemeinsame Hochsprache ist Jordanien kulturell
mit über 240 Millionen Menschen vom Atlantik bis zum Golf verbunden. Als Sprache des Korans, der islamischen Offenbarung, hat das Arabische für MuslimInnen einen geradezu heiligen Status. Mehr noch als die Sprache ist in den letzten Jahren der Islam zum wichtigsten Bestandteil der kulturellen Identität geworden. Es hat sich gezeigt, dass das Bedürfnis nach einer klaren, abgrenzbaren Identität vor allem bei jungen Leuten sehr stark und dass dieses Bedürfnis gefährlich missbraucht werden kann. Der Identitätspolitik kommt deshalb in Jordanien eine besondere Bedeutung zu.
Neben der panarabischen und der islamischen Komponente - die aktuell durch die arabischen Satellitensender gestärkt werden - wird in Jordanien vor allem das Beduinentum als identitätsstiftendes Element propagiert. Doch die haschemitische Herrscherdynastie stammt selbst nicht von Beduinen ab, ebenso wenig übrigens wie der Prophet Muhammad.
Wesentlich bedeutender ist für das Gros der jordanischen Bevölkerung die Frage nach der palästinensischen Identität. Zwar haben die meisten Jordanier palästinensischer Herkunft die Heimat ihrer Eltern und Großeltern nie gesehen, doch die Identifikation mit dem historischen Palästina und seiner Kultur ist vorhanden. Dabkeh-Tänze, palästinensische Lieder und Gedichte, die Hanzala-Figur, die schwarz-weiße Kuffiye und die palästinensische Fahne sind die Zeichen dieser kulturellen Identifikaion.
Auch die kaukasischstämmigen Jordanier halten an ihren Traditionen fest. Der jordanische Staat bestärkt die Tscherkessen und Tschetschenen darin - wohl nicht nur aus Respekt vor der kulturellen Identität, sondern auch um die Palästinenser nicht zu stark werden zu lassen. An Jordaniens staatlichen Schulen werden Tscherkessisch und Tschetschenisch unterrichtet. Nicht wenige junge Leute üben in ihrer Freizeit für kaukasische Tanzvorführungen, die an hohen Feiertagen auch vom jordanischen Staatsfernsehen übertragen werden.
Quer zu diesen religiös und ethnisch fundierten Identitätssträngen hat die angloamerikanisch geprägte kulturelle Globalisierung die jordanische Gesellschaft voll erfasst - Satelliten-TV, Internet, Handy und last not least der Onkel in Amerika lassen grüßen. So manche ausländische Studierende, die nach Jordanien kamen, um Arabisch zu lernen, reisten genervt wieder ab, weil sie auf der Straße kaum Gelegenheit hatten, die Sprache zu üben - die jordanischen Freunde sprachen lieber Englisch. Der westliche und amerikanische way of life fasziniert beileibe nicht nur die Kinder reicher Eltern; auch weniger betuchte Jordanier mögen Amerika. Und sogar manche Islamisten, die sich bei politischen Diskussionen in antiamerikanischer Rhetorik ergehen, sind gleichzeitig fasziniert vom Westen.
Boom-Town Amman
Die Hauptstadt Amman entwickelt sich derzeit zu einem neuen kulturellen Zentrum
im Nahen Osten. Dazu tragen nicht nur die jungen jordanischen Kulturschaffenden bei, sondern auch eine Anzahl Kulturinitiativen und Kulturcafés in der Hauptstadt Amman. Dazu zählen
die multidisziplinäre Kulturinitiative Makan
das Kunsthaus Darat Al-Funun
(kostenlos für alle)
die (kostenlos zugängliche) DVD-thek und das Freilichtkino
der Königlichen Filmkommission die Jordanische Nationalgalerie
die Orfali Gallery
Innovative Kulturcafés wie das "Jafra Café
" und das "Rakwat Arab"
Dynamisiert wird die jordanische Kulturszene auch durch eine Reihe Intellektuelle und Künstler aus dem arabischen Ausland, die sich in Jordanien niedergelassen haben: z.B. der irakische Maler Rafa Al-Nasiri
.
Mäzene sind wichtig
Jordanien hat in den vergangenen Jahrzehnten eine Reihe bedeutender Architekten hervorgebracht. Der bekannteste von ihnen ist Ammar Khammash
. Die bildenden Künste (vor allem die Malerei und Bildhauerei) haben in Jordanien in den vergangenen Jahren einen Aufschwung erlebt. Insgesamt ist die Zahl der jordanischen Künstler, die im internationalen Vergleich mithalten können, aber noch gering. Zu ihnen zählt die Prinzessin Wijdan Ali
, die selbst Malerin ist und gleichzeitig das Kunstschaffen in Jordanien fördert. Ebenfalls sehr bedeutend ist der Maler Muhanna Al-Durra
, der als einer der ersten arabischen Künstler mit abstrakter Malerei und kubistischen Elementen experimentierte. Al-Durra unterrichtet Kunst an der University of Jordan und ist Mitglied der jordanischen Akademie der Künste
.
Noch wenig bekannt, aber lesenswert
Das jordanische Literaturschaffen ist teilweise auch für westliche LeserInnen durchaus interessant. Leider ist bislang wenig in europäische Sprachen übersetzt. Auf deutsch zu haben und auch vom literarischen Gesichtspunkt sehr lesenswert sind die Romane "Wie Säulen aus Salz
" von Fadia Faqir und "Wadi und die Heilige Milada" von Ghalib Halasa
, der von der Literaturgeschichtsschreibung als bedeutendster jordanischer Schriftsteller
des 20. Jahrhunderts eingeschätzt wird. Literarisch nicht ganz so anspruchsvoll, aber interessant wegen der historischen Schilderungen ist das autobiografische Buch "Amman - Geschichte einer Stadt" von dem arabischen Bestsellerautor Abdulrachman Munif
. Wer sich nicht scheut, jordanische Literatur in englischer Übersetzung zu lesen: Unlängst erschien in Großbritannien ein neuer Band mit Gedichten des Lyrikers Amjad Nasser in englischer Übersetzung, Titel "Hirte der Einsamkeit
". Die britische Literaturzeitschrift "BANIPAL"
veröffentlichte anläßlich der arabischen Kulturhauptstadt Amman im Jahr 2002 ein Sonderheft Jordanien
, mit Übersetzungen von Kurzgeschichten, Lyrik und Romanauszügen jordanischer AutorInnen.


Jordanien - wichtiger TV-Standort der arabischen Welt
Hätten Sie's gewusst? Jordanien wird immer interessanter als Kulisse
für regionale Filmproduktionen. Außerdem sind jordanische Fimen wichtige Akteure auf dem arabischen TV-Markt. In Amman ist mit Arab Telemedia Productions (ATP)
eine der größten unabhängigen arabischen Fernsehproduktionsfirmen zuhause. Zahlreiche ausländische TV-Produktionen, darunter auch Kinderserien aus Deutschland werden in Jordanien für den arabischen Markt bearbeitet und synchronisiert. ATP exportiert u.a. Ramadan-Vorabendserien in arabische und andere Länder der Region, z.B. die Türkei und Iran. Auch unabhängiges Internet-TV gibt es in Jordanien mittlerweile: Unter dem Namen Jordan Days
veröffentlicht eine Gruppe linker Aktivisten täglich zahlreiche Videos über das gesellschaftliche und soziale Leben in Jordanien. Jordan Days ist so dabei, zu einem Archiv der sozialen Bewegungen in Jordanien zu werden.
Während kommerzielle TV-Unterhaltung made in Jordan floriert, fällt die Bilanz des jordanischen Kinoschaffens bislang eher bescheiden aus. Zu den wenigen international wettbewerbsfähigen Regisseuren zählt der in den Niederlanden lebende, aus Zarqa stammende jordanische-niederländische Filmemacher Mahmoud Al-Massad. Al-Massads Debütfilm Shatter Hassan
(2001) wurde international mehrfach ausgezeichnet. Sein jüngster Film "Recycle
" porträtiert einen ehemaligen Afghanistan-Kämpfer aus der Stadt Zarqa und zählt zum Besten, was bis jetzt über das Thema gezeigt worden ist.
Ein weiterer erfolgreicher Regisseur aus Jordanien ist Amin Matalqa
. Sein Spielfilm "Captain Abu Raed"
(2007) wurde bei internationalen Festivals mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Die 2003 gegründete private Filminitiative Amman Filmmakers Cooperative
fördert die Verbreitung von Kino-, Film- und Multimediakultur. Zielgruppen sind sowohl Profis als auch Amateure. Das Portal der Amman Filmmakers ist voller Überraschungen (unter anderem gibt es eine Reihe aktueller Kurzfilme zu sehen).
Herz, Schmerz und Loblieder auf Gott, König, Vaterland
Wie überall in der arabischen Welt, hören die Menschen auch in Jordanien gern die arabischen "Klassiker" des 20. Jahrhunderts: Umm Kulthum
(Ägypten), Fairuz
(Libanon). Darüber hinaus sind in Jordanien auch Sängerinnen und Sänger aus dem Irak wie Kazim As-Sahir
sehr beliebt sowie aus der der arabischen Golfregion, wie zum Beispiel der kuwaitische Schlagerstar Abdallah Al-Roweished
. Die jordanische populäre Musik (z.B. Omar Abdallat
) ist stark von beduinischen Elementen geprägt und die Texte sind oft Elogen auf die herrschenden Dynastie der Haschemiten.
Eine der wenigen Schlagersängerinnen made in Jordan ist Diana Karazon
, die die arabische Version von DSDS gewann.
Alternative Arabische Musik
Jenseits von Volksmusik und Schlager gibt es in Jordanien eine kleine, aber wachsende Musikszene, die sich an internationalen Weltmusiktrends orientiert. Diese Szene konzentriert sich in Amman und Umgebung. Zu den jordanischen Jazz-Bands der ersten Stunde gehört die Rum Group um den Pianisten Tareq Al Nasser
. Dem Fusion-Jazz zuzurechnen ist der Gitarrist Kamal Musallam
. Hörbar von Folk und Pop beeinflusst sind die Liedermacherin Ruba Saqr
und der Allroundmusiker Yazan Al Rousan
. Hörenswert sind außerdem die Band
Sign of Thyme
und die Sängerin
Macadi Nahas
.
Die Geburtenrate in Jordanien ist um fast die Hälfte auf 2,5 Kinder pro Frau gesunken. Doch arme Familien bekommen nach wie vor 4-5 Kinder und ein Viertel aller Mütter sind zwischen 15 und 19 Jahre alt, heisst es in einem aktuellen Bericht
der Weltbank.
Beim Thema Gender-Gerechtigkeit
hat Jordanien Nachholbedarf, urteilt die OECD.
Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Januar 2012 aktualisiert.
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