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Aktuelle Basisdaten zur Wirtschaftsentwicklung
Regelmäßig aktualisierte Grunddaten zur jordanischen Wirtschaftsentwicklung liefern: die Gesellschaft für Außenwirtschaft
GTAI, der US-Nachrichtendienst CIA im Rahmen seines Länderberichtes Jordanien sowie das Länderprofil Jordanien
und die Kurzdarstellung
der Weltbank. Weitere Wirtschaftsdaten hat das Jordanische Amt für Statistik
. Über Entwicklungen der Öl- und Gaswirtschaft (auch in Jordanien) informiert das Middle East Economic Survey
. Über allgemeine Trends berichtet das Auswärtige Amt.
Jordaniens Wirtschaft hat sich in den letzten Jahren trotz knapper Ressourcen und schwieriger politischer Rahmenbedingungen insgesamt günstig
entwickelt. Die gestiegenen Ölpreise haben der Region einen Geldsegen beschert, von dem auch Jordanien profitiert - fast 90 Prozent der Investitionen in Jordanien stammen derzeit aus der Golfregion, das neue Stadtzentrum Abdali
und die Bürotürme Jordan Gate Towers
in Amman werden mit saudischem und kuwaitischem Geld errichtet. Die Inflationsrate ist im langjährigen Durchschnitt mit zwei bis drei Prozent niedrig und relativ stabil, sie stieg seit 2009 allerdings zeitweise auf fünf Prozent (manchen Quellen zufolge sogar auf 15 Prozent) - als Folge der explodierenden Weltmarktpreise für Öl und Grundnahrungsmittel.
Diesen positiven Entwicklungen stehen allerdings eine hohe Arbeitslosenquote (offiziell 14 Prozent, inoffiziell 25-30 Prozent) sowie ein sehr niedriges Pro-Kopf-Einkommen gegenüber. Der staatlich fixierte Mindestlohn beträgt 115 JD/Monat (ca. 110 Euro), und viele Jordanier verdienen tatsächlich nicht mehr - bei einem amtlichen Existenzminimum von 300 JD pro Monat und Familie und Lebenshaltungskosten, die real auf mitteleuropäischem Niveau liegen. Schätzungsweise 30 Prozent der jordanischen Bevölkerung (offizielle Angaben: 14,2 Prozent) leben unter der relativen Armutsgrenze. Elementare ArbeitnehmerInnenrechte werden oftmals nicht beachtet. Vor allem die Hausangestellten
schuften teilweise unter menschenunwürdigen Bedingungen.
Offiziell bekennt sich Jordanien zur freien Marktwirtschaft. Die Bezeichnung trifft jedoch nur eingeschränkt zu. Zwar ist die Privatisierung von ehemaligen Staatsbetrieben (Fluggesellschaft, Bergbau, Industrie, Telekommunikation) weitgehend abgeschlossen, und es gibt fühlbare positive Effekte. Doch politisch motivierte hohe Geldzuflüsse von außen, die ungebrochene wirtschaftliche Vormachtstellung des haschemitischen Königshauses und das verzweigte Klientel- und Patronagesystem
verzerren den Wettbewerb. Dazu kommt das Mittlersystem wasta
: Persönliche Beziehungen und Abhängigkeiten sind im Wirtschaftsleben vielerorts immer noch wichtiger als Sachkompetenz und betriebswirtschaftliche Rationalität.
Konsolidierung der öffentlichen Haushalte
Jordanien setzt wirtschaftspolitisch auf Konsolidierung der öffentlichen Haushalte, Inflationsvermeidung und die Integration in den Weltmarkt. Im Jahr 2000 trat Jordanien der WTO
bei. 2001 schloß Jordanien ein bilaterales Freihandelsabkommen mit den USA. Seit 2002 ist das Land EU-assoziiert
. Im Zuge der Integration in den Weltmarkt hat Jordanien in den letzten Jahren die ehemaligen Staatsbetriebe fast komplett privatisiert (unter anderem die nationale Fluggesellschaft, Bergbau, Telekommunikation). Einfuhrzölle wurden reduziert sowie mehrere wirtschaftliche Sonderzonen
eingerichtet, die mit Steuererleichterungen und anderen Vergünstigungen Investoren anlocken sollen. Die Auswirkungen der jordanischen Wirtschaftspolitik sind ambivalent: auf der einen Seite sind zahlreiche Konsumgüter preiswerter und damit für die jordanische Mittelklasse erschwinglich geworden (vor allem Computer und andere IT-Produkte). Auf der anderen Seite wird der jordanische Markt mit chinesischen Billigwaren förmlich überschwemmt, was die ohnehin schwache einheimische Industrieproduktion und die Händler weiter unter Druck setzt. Zudem sind die Löhne oft extrem niedrig, während Steuer- und Abgabenlasten
steigen. Die Gewerkschaften sind viel zu schwach, um Arbeitnehmerinteressen zu vertreten. Ende 2009 wurde allerdings zum ersten Mal zwischen Pepsi und einer jordanischen Gewerkschaft eine Vereinbarung
zum Schutz von Arbeitnehmerrechten getroffen.
In den von den USA und Israel initiierten sogenannten Qualifying Industrial Zones (QIZ
) hergestellte Produkte darf Jordanien zu vergünstigten Bedingungen in die USA exportieren, wenn israelische Firmen mit einem Mindestprozentsatz beteiligt sind. Die Angaben über den Erfolg und die Akzeptanz dieser Unternehmen sind uneinheitlich. Die meisten der bisher neu entstandenen Jobs sollen mit ArbeitsmigrantInnen aus Bangladesh, Indonesien oder den Philippinen besetzt worden sein, die nach Berichten von internationalen Gewerkschaftern unter sehr schlechten Bedingungen arbeiten. Auch die Investoren in den QIZ sollen größtenteils nicht aus Jordanien stammen, sondern aus China, Saudi-Arabien und anderen Ländern. Ein Grund dafür dürfte sein, dass nicht wenige jordanische Unternehmer Geschäfte mit Israel weiterhin ablehnen.
Dienstleistungen sind mit gut knapp Prozent des BIP der wichtigste Sektor. Die produzierenden und verarbeitenden Industrien rangieren mit 16,3 Prozent an zweiter Stelle. Weit abgeschlagen folgt die Landwirtschaft mit rund drei Prozent des BIP (Quelle: GTAI), Tendenz sinkend, und am Schluss der Bergbau mit 2,0 Prozent. Die Landwirtschaft verbraucht in Jordanien trotz ihres geringen Anteils am BIP über 50% des verfügbaren Süßwassers. Die sektorale Verteilung der Erwerbstätigen entspricht ungefähr den jeweiligen BIP-Anteilen. Ausnahme: der Agrarsektor. Hier sind mit fünf Prozent überdurchschnittlich viele jordanische Erwerbstätige beschäftigt, plus mehrere zehntausend ArbeitsmigrantInnen.
Wirtschaftsindikatoren, Analysen, Statistiken
Ausführliche Analysen zur jordanischen Wirtschaftsentwicklung finden Sie beim Internationalen Währungsfonds
. Über die Rahmenbedingungen für Investoren informiert die laufend aktualisierte Weltbank-Analyse "Doing Business in Jordan"
.

Jordanien besitzt nur wenige natürliche Ressourcen. Die einzigen nennenswerten Rohstoffe sind Phosphate, Pottasche und Mineralien/Salze aus dem Toten Meer, die zum Teil im Land selbst zu Düngemitteln, Arzneien, Kosmetika und Zement verarbeitet und gewinnbringend exportiert werden. Jordaniens Ölvorräte (Ölschiefer, Ölsand) werden bislang ausschließlich im Land selbst verbraucht. Die inländischen Erdgasvorräte decken knapp 20 Prozent des jährlichen Inlandsbedarfs. Jordaniens Industrie ist wenig entwickelt, weist aber unter anderem dank der sogenannten Qualifying Industrial Zones
beachtliche Wachstumszahlen auf (7-8 Prozent pro Jahr). Ein Schwerpunkt ist die Textilindustrie, wobei die jordanischen Fabriken in erster Linie sogenannte Lohnveredelung betreiben. Das heißt, eine Jeanshose wird nicht komplett in Jordanien hergestellt, sondern es werden nur bestimmte Einzelarbeiten wie das Anbringen von Knöpfen oder Reißverschlüssen durchgeführt. Eine Wachstumsbranche ist auch der Tourismus, doch aufgrund der regionalen Krisen und Konflikte muss dieser Sektor immer wieder Rückschläge hinnehmen.
Die Palette der landwirtschaftlichen Produkte ist begrenzt. Wegen der geringen verfügbaren Anbauflächen (weniger als 4% des Staatsgebietes) und aufgrund der Bodenbeschaffenheit muss Jordanien Weizen und Kichererbsen (die Grundlage der Nationalgerichte Hummus und Falafel) zu 100 Prozent importieren. Die im Norden und im Jordantal angebauten Zitrusfrüchte, Tomaten, Gurken, Oliven, Erdbeeren sowie Geflügel und Milchprodukte werden zum großen Teil im Land selbst verbraucht. Überschüsse werden in die EU, in den Irak und auf die arabische Halbinsel exportiert.
Binnen- und Außenhandel, Handelsbilanz
Über Investitionsmöglichkeiten und Rahmenbedingungen informieren das Jordan Investment Board
sowie die Jordan Chamber of Commerce
und die Free Zones Corporation
.
Jordaniens zuletzt durchaus günstigen Wirtschaftsindikatoren steht eine negative Handelsbilanz
gegenüber (2009: doppelt so viele Importe wie Exporte), sowie zwar leicht gesunkene, aber immer noch hohe Auslandsschulden (2010: 31% des BIP). Andererseits erhält Jordanien umfangreiche Militärhilfe von den USA sowie vergleichsweise hohe Summen im Rahmen der internationalen Entwicklungszusammenarbeit, besonders von den USA, der EU, Japan und Deutschland. Wegen der Abhängigkeit von externen Geldzuflüssen (Entwicklungshilfe, Überweisungen von ArbeitsmigrantInnen, Kredite) bezeichnet man Jordanien als einen "Semi-Rentenstaat".
Ökonomische Potentiale
Jordaniens Standortvorteile sind die gut ausgebildete Bevölkerung, die regionale Mittellage, die innenpolitische Stabilität, das relativ liberale öffentliche Leben (keine formelle Geschlechtertrennung im Alltag, kein offizieller Schleierzwang, kein offizielles Alkoholverbot) sowie das gemäßigte Klima. Mit diesen Voraussetzungen könnte Jordanien zu einem Standort für internationale Dienstleistungs- und Medienunternehmen, wie z.B. Banken, Finanzinstitute, Handelsniederlassungen, Transport-, Logistik- und Filmfirmen werden. Aufgrund der immer noch erschwinglichen Lebenshaltungskosten könnte Jordanien auch versuchen, sich systematisch als regionaler Bildungsstandort zu profilieren. In den arabischen Ländern herrschen in bezug auf Wissenschaft, Forschung und Technologie noch enorme Marktlücken. Die 2005 gegründete German-Jordanian University
, die 2008 eröffnete jordanisch-amerikanische Rote-Meer-Filmhochschule
in Aqaba und die in Amman geplante jordanisch-amerikanische Universität sind Anzeichen, dass Jordanien diese Marktlücke erkannt hat und sie nun füllen will.
Ausbaufähig sind auch die profitträchtigen Segmente der Tourismusindustrie, vor allem der Konferenz-, Incentive- , Gesundheits- und Wellnesstourismus. Jordanien ist hier aktiv, aber die Potentiale sind noch nicht ausgeschöpft.
Nach neuesten Scnätzungen leben zwischen 15 und 30 % der jordanischen Bevölkerung unter der Armutsgrenze, und schätzungsweise ein Drittel der Menschen sind erwerbslos. (Die offiziell veröffentlichten Zahlen halten viele Beobachter für zu niedrig). Da Jordanien eine junge Gesellschaft ist - ein Drittel der Bevölkerung ist jünger als 15 Jahre, gut zwei Drittel sind jünger als 29 Jahre - ist vor allem die Jugend von Erwerbslosigkeit und Armut betroffen. Die Armutsbekämpfung hat für Jordanien deshalb entwicklungspolitische Priorität, auch im Rahmen des Nationalen Entwicklungsplans (Details zur National Agenda unter "Inländische Entwicklungsanstrengungen"). Die staatlichen und nichtstaatlichen Akteure agieren dabei auf mehreren Achsen: 1) Schaffung von Jobs 2) Aufbesserung extrem niedriger Einkommen 3) Bessere Grund- und Berufsbildung.
Millenniumsziele
Jordanien hat im Rahmen der Millennium Development Goals
die Maßnahmen zur Armutsbekämpfung verstärkt. Koordinierende Organisation ist das Jordanien-Büro von UNDP (Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen). Der Jordan Hashemite Fund for Human Development
(vormals Queen Alia Fund/QAF) legte 2004 im Auftrag von UNDP und dem jordanischen Planungsministerium einen nationalen Armutsbericht unter dem Titel Building Sustainable Livelihoods
vor. Der neueste Bericht aus dem Jahr 2011
konzentriert sich auf die Bedeutung von Kleinunternehmen für die menschenliche Entwicklung. Die Vorreiterrolle bei der Armutsbekämpfung beanspruchen in Jordanien sogenannte "RONGOs", Nichtregierungsorganisationen, die Mitgliedern der Königsfamilie unterstehen. All diese Organisationen sind im Bereich der sogenannten "Income Generation" aktiv. Die Königin Noor-Stiftung
hat unter anderem ein Mikrokredit-Programm aufgelegt; der Jordanian Hashemite Fund for Human Development finanziert Maßnahmen für Frauen und Jugendliche; die von Königin Rania gegründete Jordan River Foundation
fördert einkommenschaffende Projekte für Frauen im ländlichen Raum. Die Königliche Naturschutzgesellschaft RSCN hat in einigen Naturparks sogenannte Ökotourismus-Projekte
gegründet, von denen vor allem ländliche Gemeinden profitieren.
Weitgehend ungenutzt sind bislang Jordaniens Potentiale in bezug auf erneuerbare Energien, vor allem Solar- und Windenergie. Bislang gewinnt Jordanien rund 90% seiner Elektrizität durch die Verbrennung von Öl. Die Umstellung der Warmwasserversorgung privater Haushalte auf Solarenergie könnte Arbeitsplätze und Einkommen schaffen. Jordaniens Windkraftpotential wird auf 100 MW geschätzt. Ein 1,35 MW-Windpark im Norden Jordaniens wurde von der deutschen Regierung und durch deutsche Windturbinen unterstützt.
Ob Jordanien seine Standortvorteile produktiv nutzen kann, wird vor allem von der Entwicklung der Löhne und Gehälter im Land abhängen. Bislang verdienen selbst hochqualifizierte Fachleute in Jordanien so wenig, dass sie das Land bei der erstbesten Gelegenheit Richtung arabischer Golf verlassen. Die jordanische Regierung muss Bedingungen schaffen, die den qualifizierten Nachwuchs zum Dableiben bewegen und die es auch Menschen in einfacheren Berufen ermöglichen, von ihrem Verdienst zu leben. Bisher ist das nicht der Fall.
Die Krisen und Konflikte der Region werden oftmals als Erklärung für Jordaniens wirtschaftliche Probleme herangezogen. Doch unterm Strich hat Jordanien von den Konflikten der letzten 30 Jahre fast durchweg profitiert - auch vom Sturz des Baath-Regimes im Irak 2003. Wegen der gefährlichen Lage im Irak hat sich Jordanien zu einer Drehscheibe für Geschäfte mit dem Irak entwickelt. Viele Import-Export-Firmen wickeln ihre Geschäfte von Amman aus ab. Amman ist auch Standort einer jährlichen Handelsmesse für Unternehmen, die am Irak interessiert sind. Zudem haben hunderttausende wohlhabende Irak-Flüchtlinge (nicht alle sind bettelarm) in den letzten fünf Jahren dazu beigetragen, die jordanische Wirtschaft anzukurbeln, indem sie Wohnungen, Häuser und Autos kauften, ihr Geld bei jordanischen Banken anlegten oder anderweitig im Land investierten. Last not least erhält Jordanien wegen der großen Zahl irakischer Flüchtlinge im Land zusätzliche internationale Finanzhilfen.
Institutioneller Rahmen, staatliche Akteure
Seit 2003 gibt es in Jordanien ein Umweltministerium, in Nachfolge der staatlichen Umweltbehörde "General Corporation for Environmental Protection" (GCEP). Die GCEP wurde von 1997 bis 2006 von der deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit GTZ unterstützt. (Die GTZ gehört seit Januar 2011 zur GIZ GmbH).
Neben dem Umweltministerium sind weitere relevante staatliche Akteure im Bereich Umweltschutz das jordanische Ministerium für Planung und Internationale Kooperation
, das Wasserministerium, das Landwirtschaftsministerium
mit der ihm zugeordneten Forstbehörde und diversen Umweltschutzprojekten sowie das Gesundheitsministerium.
Das jordanische Umweltschutzgesetz ist seit September 2006 in Kraft. Nach Auskunft jordanischer Umweltschützer wurde die strafrechtliche Verfolgung von Umweltdelikten seither intensiviert.
Für das wasserarme, trockene Jordanien ist der Klimawandel ein existentielles Thema. Das Umweltschutzgesetz bildet den gesetzlichen Rahmen für nationale Programme zum Erhalt der Wasserressourcen, der Biodiversität und für den Kampf gegen die Wüstenbildung. Die Bedeutung erneuerbarer Energien für Jordanien ist im National Energy Master Plan von 2004
und dem National Indicative Programme 2007 – 2010
(siehe unter Punkt 6) festgehalten. Unter anderem soll die Warmwasserversorgung durch Solarenergie in Haushalten bis 2012 auf 20 Prozent steigen. Initiativen der europäischen Kommission wie MENAREC
(Middle East North Africa Renewable Energy Conference), das MEDA-Programm zur Förderung von Solarthermie und MED-ENEC
für Energieeffizienz in Gebäuden unterstützen die jordanische Regierung bei der Bewältigung der Folgen des Klimawandels.
Jordanien ist in der MENA-Region Schwerpunktland der Clean Development Mechanism-Initiative der Bundesregierung.
Nichtstaatliche Akteure
Viele Menschen spüren die Folgen der Umweltzerstörung in Jordanien jeden Tag: Lebensmittel sind hochbelastet, Trinkwasser muss für teures Geld herangekarrt werden, die Luftverschmutzung führt zu Atemwegs- und Hauterkrankungen, Abfälle verschandeln die Natur, Grünflächen sind viel zu knapp. Doch trotz der spürbaren Probleme verhinderte der Staat lange Zeit öffentliche Debatten über Umweltzerstörung und konkrete Umweltskandale. Etablierte Umweltschutzorganisationen wie die Königliche Gesellschaft für Naturschutz
, mit der Ökotourismusagentur Wild Jordan und die Jordan Environment Society
leisteten zwar respektable Arbeit, standen aber unter direkter Kontrolle des Staates.
Durch die sozialen Medien hat sich das geändert. Die junge Generation jordanischer Umweltaktivisten lässt sich nicht mehr einschüchtern. Die 2010 gegründete jordanische Sektion von Greenpeace
organisiert per Facebook Kampagnen gegen den Einstieg Jordaniens in die Atomenergie. Andere Facebookgruppen mobilisieren gegen lokale Umweltskandale, wie die drohende Abholzung
der ohnehin knappen Baumbestände im Naturschutzgebiet Ajloun.
Die Schwerpunkte der RSCN sind Bildungsarbeit mit Kindern und Erwachsenen, Ressourcenschutz, Artenschutz und - mittels der Agentur Wild Jordan - Öko-Tourismus. Die JES engagiert sich hauptsächlich in der Bildungs- und Gemeindearbeit mit Jugendlichen und Kindern. Beide Organisationen verfügen über eine gewisse Autonomie, aber wegen der restriktiven jordanischen Vereinsgesetze sind sie nicht wirklich unabhängig. Der jordanische Staat erwartet von ihnen, dass sie durch ihre Projekte Entwicklungsgelder akquirieren und Jobs schaffen, aber politische Konfrontationen vermeiden. Trotz dieser Instrumentalisierung hat vor allem die RSCN seit den sechziger Jahren einen wertvollen Beitrag zur Erhaltung der jordanischen Ressourcen und Naturdenkmäler geleistet. Grenzübergreifend arbeitet die Organisation Friends of the Earth Middle East (FOEME
). Die FOEME engagieren sich neben der Umweltbildung für das Monitoring von Umweltgesetzen und für regionale Umweltschutzprojekte , besonders zum Thema Wasser.
Entwicklungsorientierung staatlichen Handelns
Seit den 1950er Jahren bemühte sich der jordanische Staat im Rahmen mehrjähriger Planungen aktiv um Verbesserungen der Infrastruktur (Wasserwirtschaft, Straßenbau), der medizinischen Versorgung und vor allem der Bildung. Vergleichsweise hohe staatliche Investitionen in alle Bereiche des Bildungssystems - von der Grundschule bis zur Universität - führten dazu, dass Jordanien ab den 1960er Jahren qualifizierte Arbeitskräfte in die arabische Welt "exportierte" und in bezug auf das Bildungsniveau im arabischen Bereich an die Spitze rückte. Anfang der achtziger Jahre geriet Jordanien u.a. wegen der gestiegenen Ölpreise immer tiefer in die Staatsverschuldung. Der Internationale Währungsfonds und die Weltbank verordneten dem Land ein Strukturanpassungsprogramm, d.h. die Streichung von Sozialleistungen, Privatisierung maroder Staatsbetriebe und die Ausrichtung der Finanzpolitik auf die Geldwertstabilität. König Hussein I. setzte diese Auflagen teilweise nur zögerlich um, wohl aus Furcht, unpopuläre Maßnahmen könnten ihn die Loyalität traditioneller Verbündeter kosten. Sein Sohn Abdullah II. hingegen hat dem Land einen umfassenden Reformkurs verordnet, flankiert unter anderem von der religionspolitischen Initiative "Amman Message"
von regionalen Entwicklungsprojekten wie der ASEZA
in Aqaba sowie einer ganzen Reihe weiterer Reform-Initiativen
, die auf die Wirtschaft, die Verwaltung und das Bildungssystem zielen.
Haushaltskonsolidierung und regionale Entwicklung
Von 1983 bis 2002 durchlief Jordanien ein IWF-orchestriertes Strukturanpassungsprogramm. Das Kürzen von Sozialleistungen und Subventionen für Grundbedarfsgüter führte mehrfach zu blutigen sozialen Unruhen, unter anderem 1989 und 1996.

Multi- und bilaterale Entwicklungszusammenarbeit
Die nationale Koordination der internationalen Entwicklungszusammenarbeit liegt in Jordanien beim Ministerium für Planung und Internationale Kooperation
. Hier findet man u.a. Informationen über geplante und laufende Projekte sowie den Umfang der jährlichen Entwicklungshilfen für Jordanien.
Jordaniens wichtigste multilaterale Parter sind das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen UNDP
und die Weltbank
. Mit der Europäischen Union
wurde ein 66-seitiges gemeinsames Strategiepapier
erarbeitet, das die mittel- und langfristigen Ziele der Zusammenarbeit beschreibt. Die großen Partner Jordaniens sind hauptsächlich in den Bereichen Wasser, allgemeine Infrastruktur, Armutsbekämpfung, Bildung und gute Regierungsführung aktiv. Daneben werden aber auch kulturelle und wissenschaftliche Projekte gefördert, z.B. archäologische Forschungen.
Bilaterale Hauptgeberländer sind die USA
, Japan
und Deutschland. Darüber hinaus erhält Jordanien staatliche und nichtstaatliche Entwicklungshilfe aus den arabischen Golfstaaten. Weitere relevante bilaterale Partner Jordaniens sind Großbritannien
(Familiäre Gewaltprävention, Gleichstellung von Frauen), Kanada
(Bildung, Frauenrechte), Spanien
(Mikrokredite für Frauen), Dänemark (Familienhilfe)
Jenseits der staatlichen EZ sind in Jordanien auch eine Reihe internationaler Nichtregierungsorganisationen aktiv: Unter anderem Save The Children Jordan
.
Eine Übersicht der laufenden internationalen Entwicklungsprojekte ermöglicht (ohne Gewähr) das Internet-Portal Portal Aida Development Gateway
.
Deutsch-jordanische Entwicklungszusammenarbeit
Jordanien ist (anders als z.B. Ägypten und Marokko) kein Partnerland des BMZ, sondern wird im Rahmen der Regionalkonzeption
des BMZ unterstützt.
Seit Anfang der fünziger Jahre ist Jordanien wegen seiner prowestlichen Haltung und der geografischen Nähe zu Israel ein regionales Schwerpunktland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit
. Im Mittelpunkt der bilateralen deutsch-jordanischen Entwicklungszusammenarbeit
steht der Wassersektor
. Das BMZ sieht die Förderung einer nachhaltigen Nutzung des Wassers in Jordanien und anderen Ländern der Region als "friedens- und sicherheitspolitische Aufgabe". Große Bedeutung wird auch dem Thema Klimawandel/Klimaschutz zugemessen. In der Länderinformation Jordanien des Auswärtigen Amtes
findet man eine (nicht ganz vollständige) Liste wichtiger deutscher Institutionen, die in die EZ mit Jordanien involviert sind.
Zu den staatlichen Institutionen zählen:
* Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit
(GIZ)
* Kreditanstalt für Wiederaufbau
(KfW)
* die DAAD-Außenstelle Amman
* Goethe-Institut Amman
* Deutsch-Jordanische Universität 
* Deutsches Archäologisches Institut in Amman
Neben den staatlichen sind in Jordanien auch eine Anzahl nichtstaatlicher deutscher Organisationen entwicklungspolitisch tätig. Dazu gehören die deutschen politischen Stiftungen, die ihre Standorte in Jordanien bzw. in der Region derzeit auch für zahlreiche irakbezogene Aktivitäten nutzen:
* Friedrich-Ebert-Stiftung
Büro Amman
* Konrad-Adenauer-Stiftung
Büro Amman
* Friedrich-Naumann-Stiftung
Büro Amman
* Heinrich-Böll-Stiftung
Büro Beirut
* Heinrich-Böll-Stiftung
Büro Ramallah
Neben den Organisationen, die mit Büros im Land oder der Region vertreten sind, gibt es noch eine Anzahl deutsch-jordanischer Kooperationen, die von Nichtregierungsorganisationen in Deutschland aus gesteuert werden. Das Evangelische Missionswerk Süd unterstützt die Schneller-Schule in Amman. Der Frankfurter Verein WADI e.V. unterstützt ein Frauenradio im Jordantal
.
Jordanien steigt in die Atomenergie ein
- offiziell, um unabhängiger von Energieimporten zu werden. Die Atompläne der Regierung stoßen jedoch auf Widerstand
. Die Atomkraftgegner sind unter anderem bei Greenpeace Jordan
aktiv.
TIPP: Das deutsche Bundesumweltministerium hat ein Umwelt-Kurzporträt
Jordanien erstellt, mit einer Liste der Organisationen, die in Jordanien direkt oder indirekt zum Thema Klimawandel arbeiten.
Aufschlussreiche Einblicke in das Beziehungsgeflecht zwischen Staatsmacht, Bürokraten, Unternehmern und einflußreichen alteingesessenen Familien bietet die Studie "Wirtschaftseliten und Reform in Jordanien. Zur Relevanz von Unternehmer-Bürokraten-Netzwerken in Entwicklungs-prozessen" von Oliver Wils aus dem Jahr 2003.
Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Januar 2012 aktualisiert.
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