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Wie die meisten afrikanischen Länder hat auch Kamerun eine koloniale Vergangenheit. Die Geschichte des Landes
wurde über ein dreiviertel Jahrhundert von Deutschen
, Briten und Franzosen geprägt.
Eine Besonderheit
ergab sich nach dem Ende der deutschen Kolonialherrschaft: 1919 wurde Kamerun Mandatsgebiet des Völkerbunds, der das Land in ein britisch (1/5 des Landes) und ein französisch (4/5 des Landes) verwaltetes Gebiet aufteilte. Diese Teilung wurde erst im Jahre 1961 durch ein UNO-Referendum zumindest teilweise wieder aufgehoben, indem sich der südliche Teil Britisch-Kameruns für die Vereinigung mit dem inzwischen unabhängig gewordenen "französischen" Teil aussprach.
40 Jahre getrennte Geschichte unter zwei verschiedenen "Herren", sowie die Umstände und Nachwirkungen dieser "Vereinigung" hinterließen Spuren bis in die Gegenwart. Die offizielle Zweisprachigkeit, unterschiedliche Schul- und Gerichtssysteme und eine Separatistenbewegung sind die augenfälligsten Zeugnisse.
Auf dem Gebiet des heutigen Kamerun hatten sich bis zum 15. Jahrhundert zahlreiche Kleinkönigtümer herausgebildet. Nach Ankunft der Portugiesen an der Mündung des Wouri 1492 wurde die Küste im 16. Jahrhundert Zentrum des Handels - auch des Sklavenhandels
. Zugleich eroberten die Fulbe das Gebiet von Norden her und gründeten islamische Fürstentümer; bis ins 19. Jahrhundert dehnten sie ihre Herrschaft bis ins Zentrum des heutigen Kamerun aus.
Mit dem Abschluss eines Schutzvertrages zwischen den Douala-"Königen" und dem deutschen Kaiserreich im Jahre 1884 begann die deutsche Kolonialherrschaft in Kamerun. Unter dem Gouverneur Jesko von Puttkamer
erweiterte das deutsche Kaiserreich seine Kolonialherrschaft gewaltsam in Richtung Norden, abgesichert durch Bündnisse mit einem Teil der einheimischen Herrscher und Verträge mit Großbritannien und Frankreich. Aufstände wurden blutig niedergeschlagen und mit Zwangsarbeit Infrastruktur geschaffen: Plantagen
, Straßen, Eisenbahnen.
Im ersten Weltkrieg unterlag die deutsche Kolonialarmee 1916 den alliierten Truppen. Danach wurde Kamerun geteilt und Frankreich und Großbritannien bekamen die jeweiligen Mandatsgebiete vom Völkerbund übertragen. In den 50er Jahren entwickelte sich in Kamerun eine Unabhängigkeitbewegung, deren Führer Ruben Um Nyobe (Biographie)
als einer der großen afrikanischen Visionäre die Sache der Unabhängigkeit auch vor der UNO vertrat. Der kommunistisch genannte Aufstand wurde mit größter Brutalität niedergeschlagen, Ruben Um Nyobe 1958 von französischen Truppen erschossen. Damit war der Esprit des ethnienübergreifenden nationalen Aufbruchs gebrochen.
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Frankreich installierte den Repräsentanten der westlich orientierten Gegner Nyobes, Ahmadou Ahidjo (Biographie)
, als Führungsfigur beim Übergang in die Unabhängigkeit: 1960 wurde Ahidjo Kameruns erster Präsident. 1961 entschieden sich die damaligen "Southern Cameroons", die heutigen anglophonen West-Provinzen, bis dahin Teil des britschen Mandatsgebiets, in einer Volksabstimmung für eine Wiedervereinigung mit dem inzwischen unabhängig gewordenen, ehemals französischen Teil Kameruns. In der Folge installierte sich die klientelistische Diktatur einer Einheitspartei.
Ahidjo trat 1982 das Präsidentenamt aus "Gesundheitsgründen" an Paul Biya (Biographie)
ab; Biya riss kurze Zeit später die gesamte Macht an sich. Es blieb bei der Herrschaft der Einheitspartei RDPC/CPDM
(Rassemblement Democratique du Peuple Camerounais/Cameroon People Democratic Movement). 1990/91 kam es im Zuge des neuen demokratischen Aufbruchs in Afrika auch in Kamerun zu einer Bewegung für eine unabhängige Nationalkonferenz. Nach blutiger Repression hielt sich aber die Partei des Präsidenten an der Macht. In der Folge entwickelte sich eine dosierte demokratische Öffnung mit der Zulassung von Parteien
, unabhängiger Presse und Wahlen, deren demokratischer Charakter aber immer wieder stark umstritten ist. Das System der austarierten Zuwendungen an Parteien und regionale Eliten unter der Vorherrschaft von Partei und Volksgrupppe des Präsidenten hat sich inzwischen derart stabilisiert, dass offene Repression heute die Ausnahme bildet. Trotzdem stellen Korruption, Staatsversagen, vor allem im Bildungs- und Gesundheitsbereich, sowie die zunehmende soziale Ungleichheit Sprengstoff für die kamerunische Gesellschaft dar.
Die Vereinigung des nicht gleichberechtigten anglophonen mit dem frankophonen Teil Kameruns spielt in der Politik des Landes immer wieder eine wichtige Rolle.
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Kamerun ist eine Präsidialrepublik.
Zwar kann die Staatsform als semipräsidentiell bezeichnet werden, d.h. es gibt neben dem Präsidenten
als zweite Exekutivgewalt den Regierungschef (= Premierminister)
, dessen Regierung
dem Parlament
verantwortlich ist, aber die Verfassung
sichert dem Staatspräsidenten ,– seit 1982 ist dies Paul Biya,– eine überragende Stellung.
Die jetzt gültige Verfassung ist die 3. seit dem Erlangen der Unabhängigkeit im Jahr 1960.
Die erste Verfassung
war wegen des Zeitdrucks mit 'heisser Nadel gestrickt' worden und stark vom französischen Vorbild geprägt. Sie galt nur bis zur Vereinigung des frankophonen Teils Kameruns mit den anglophonen "Southern Cameroons" und wurde 1961 abgelöst durch die Verfassung der "Bundesrepublik Kamerun"
mit deutlich föderativem Charakter in Bezug auf den anglophonen Teil Kameruns, bei gleichzeitig starker Stellung des Staatspräsidenten. Am 20. Mai (Nationalfeiertag!) 1972, auf dem Höhepunkt der Ära Ahidjo, wurde die Verfassung der "Vereinigten Republik Kamerun"
per Referendum verabschiedet: Der föderative Traum hatte sich ausgeträumt.
Diese 3. Verfassung wurde unter Biya inzwischen dreimalig einer Revision unterzogen:
1984, in der Phase der Machtkonsolidierung Biyas, wurde der Staat in "Republik Kamerun"
umbenannt und die Provinzgrenzen neu gezogen.
1996
wurden die Weichen für eine moderate Dezentralisierung gestellt. So wurde die Einrichtung einer zweiten Parlamentskammer (Senat) v o r g e s e h e n und die Amtszeit des Staatspräsidenten auf sieben Jahre, mit einmaliger Möglichkeit der Wiederwahl, festgesetzt.
2008
kam es zur vorläufig letzten Verfassungsänderung: die RDPC /CPDM nutzte ihre breite Parlamentsmehrheit und beschloss sowohl eine unbeschränkte Amtszeit des Präsidenten, als auch dessen Immunität über die Zeit der Präsidentschaft hinaus. Mit diesem Schachzug reiht sich Präsident Biya endgültig in die lange Reihe afrikanischer Autokraten
ein.
Inner-
und außerparlamentarischer Protest
blieb wirkungslos.
Seit der Verfassungsänderung 1996 gilt Kamerun als dezentralisierter (!) Einheitsstaat.
Die Gewaltenteilung
in Exekutive, Legislative und Judikative ist verfassungsmäßig festgeschrieben.
Die Exekutive wird gebildet von den Vertretern der Zentralmacht: Präsident, Premierminister und Regierung und den Organen der 'pouvoir déconcentré', d.h. den Staatsvertretern auf Provinz-, Départements-, Arrondissements- und Distriktebene.
Allerdings ist es der Präsident, der den Premierminister, die Kabinettsmitglieder, die Gouverneure, Präfekten etc. ernennt und entlässt. Es ist der Präsident, der das Parlament auflösen kann, der den Streitkräften vorsteht und der die nationale Politik bestimmt.
Die Legislative, die "Assemblée Nationale/National Assembly" wird alle 5 Jahre gewählt und verfügt über 180 Sitze. Das Parlament kann der Regierung das Vertrauen entziehen (Misstrauensvotum). Die zukünftige zweite Kammer, der Senat, soll über 100 Sitze verfügen, d.h. 10 Sitze/Region(ehem. Provinz), davon 7 gewählte Vertreter und 3, die vom Präsidenten ernannt werden. Der Parlamentspräsident vertritt das Staatsoberhaupt.
Über die Verfassung soll zukünftig der Verfassungsrat
wachen, momentan ist hier noch der 'Cour Suprême'
als oberstes Gericht zuständig. Seine Mitglieder werden vom Präsidenten ernannt und eine verfassungsrechtliche Frage kann nur dann geprüft werden, wenn sie durch den Präsidenten vorgelegt wird.
Administrativ gliedert sich Kamerun in
10 Provinzen/Regionen (HAUPTSTADT):










Jeder Provinz
, seit Ende 2008 unter dem Namen Region geführt, steht ein Gouverneur vor, der den Staat auf Provinzebene vertritt und vom Präsidenten ernannt wird. Die Provinz ist in Départements/Divisions
unterteilt, denen ein Präfekt/Senior Divisional Officer vorsteht. Weitere Verwaltungsuntereinheiten sind die Arrondissements/Subdivisions
. Die früheren Distrikte wurden abgeschafft
und zu Arronsissements/Subdivisions erhoben.
Hauptakteure der Dezentralisierung
sind die Kommunen
, da die Regionen nur dem Namen nach eingerichtet sind.
Kommunale Selbstverwaltung spielt sich zwischen den Interessen der staatlichen Vertreter und der traditionellen Autoritäten ab. Ihr Erfolg ist stark von den spezifischen Gegebenheiten in jeder einzelnen Kommune
geprägt.
Von einem einheitlichen Rechtssystem kann in Kamerun nicht gesprochen werden. Neben der traditionellen Rechtsprechung, die für jede Volksgruppe spezifisch ist, existiert das moderne Recht
, das bis vor kurzem, zu allem Überfluss, sowohl von der britischen (common law) als auch von der französischen Rechtskultur (Code Napoléon) bestimmt worden war, bis das Parlament 2005 eine Harmonisierung des Strafgesetzbuchs
verabschiedete.
Moderne Gerichte gibt es auf Arrondissementsebene (tribunal de première instance) und Départementsebene (tribunal de grande instance), Berufungsgerichte auf Provinzebene (cour d´appel).
Probleme
bereitet der absolute Mangel an Gerichten, die Bestechlichkeit der Richter, die Konzentration der Rechtsanwaltsbüros auf Douala und Yaoundé, die mangelnde Unabhängigkeit der Gerichte von der Exekutive und die Blockierung der Gerichte in Douala und Yaoundé aufgrund von Richtermangel.
Die 'Gendarmerie Nationale'
ist die nationale Polizei. Sie hat militärischen Charakter und ist Teil der Streitkräfte. Sie interveniert im nichtstädtischen Bereich, also auf dem Lande.
Dagegen untersteht die 'Police Nationale' dem Innenministerium.
Polizeisondereinheiten sind das Groupement spécial d’opérations/ Special Operation Group (GSO) eine Eliteeinheit der Polizei sowie Spezialeinheiten zur Bekämpfung von Straßenräubern wie die im März 1998 gegründete Brigade anti-gang (auch: Groupement mobile d’intervention GMI, unités antigangs), das 2000 gegründete Commandement Opérationnel (CO, auch: special oder operational command) oder die seit 2006 im Einsatz befindliche Brigade d'intervention rapide (BIR). Probleme der Polizeikräfte sind zunehmende Gewalt und Banditentum auf der einen, Korruption, willkürliche Verhaftungen und Folter auf der anderen Seite.
Die allgemeine Sicherheitslage ist durch zunehmende Gewaltkriminalität, vor allem in den Städten bzw. auf den Überlandstrassen, gekennzeichnet. Da das Vertrauen der Bevökerung in Justiz und Polizei nur sehr beschränkt ist wird immer wieder zur Selbstjustiz gegriffen.
Trotz Mehrparteiensystems
und mehr oder minder ordentlichen Wahlen wird die kamerunische Politik durch den Präsidenten und 'seine' Partei
, nämlich die ehemalige Einheitspartei, dominiert. Wer im öffentlichen Leben Kameruns etwas erreichen will, sollte RDPC/ CPDM-Mitglied sein. Das empfiehlt sich sowohl für den Leiter einer Nichtregierungsorganisation, als auch für den traditionellen Chef. Sogar manch aktiver Oppositioneller betätigt sich heute mal mehr, mal weniger kritisch innerhalb der Regierungspartei. So hat sich die UNDP in die Regierung einbinden lassen und ihr Parteivorsitzender ist momentan Verkehrsminister.
Wie die Regierungspartei sind aber auch die Oppositionsparteien SDF
oder UNDP
sind stark personalisiert und klientelistisch geprägt. Viele Kameruner reagieren darauf, indem sie zumindest zwei Parteimitgliedsausweise besitzen.
Kommunal-, Parlaments- oder Präsidentschaftswahlen sind immer wieder von Fälschungsvorwürfen begleitet - zu schwerwiegenden politischen Auseinandersetzungen ist es jedoch seit Anfang der 90er Jahre nicht mehr gekommen, da die Politik bemüht ist, alle ethnischen Gruppen über Einbindung der Eliten sowie legale und extralegale Verteilungsmechanismen zumindest notdürftig zufriedenzustellen.
Die momentane Regierung umfasst 52 Ministerposten! Häufige Kabinettsumbildungen
durch den Präsidenten spiegeln die autokratische Willkür des Regimes wider.
Anfang Oktober
wurde Paul Biya mit deutlicher Mehrheit im Amt bestätigt und bleibt damit kamerunischer Präsident für die nächsten 7 Jahre. Dann ist er 85 Jahre alt.
Bei einer Wahlbeteiligung von 66% erhielt Paul Biya 78% der Stimmen. Mit ihren 22 Präsidentschaftskandidaten landete die Opposition weit abgeschlagen.
Mitte Oktober
wurde gewählt. Präsident Paul Biya ist mit Mehrheit wiedergewählt worden. Die Opposition war stark zersplittert und konnte sich letztendlich nicht auf einen gemeinsamen Präsidentschaftskandidaten einigen. Die UNDP hatte sogar zur Wahl Biyas aufgerufen. Es fand eine heftige Diskussion über das Ausmaß der Wahlbehinderung durch die Regierungsbehörden statt.
Im Oktober 1997
fanden in Kamerun die vorletzten Präsidentschaftswahlen statt, wobei wiederum Paul Biya den Sieg davontrug. Zuvor hatte er im Parlament eine siebenjährige Amtszeit für den Präsidenten durchgesetzt.
Parlaments- und Kommunalwahlen werden gleichzeitig abgehalten.
Am 22.Juli 2007
konnte die RDPC/CPDM noch mehr Sitze hinzugewinnen und verfügt jetzt über 157 Sitze, während die SDF Sitze verlor. Die SDF und andere Oppositionsparteien zweifeln das Wahlergebnis sowie die offiziellen Zahlen zur Wahlbeteiligung (62%) an. Die Wahlen verliefen ruhig.
2002 fanden die vorletzten Parlamentswahlen statt, die mit großem Vorsprung von der Regierungspartei RDPC/CPDM gewonnen wurden.
Nur die SDF, die im anglophonen Westen und in Douala eine Mehrheit unter den Wählern hat, konnte bei den Parlaments- und Kommunalwahlen 2002 22 Sitze und wichtige Kommunen gewinnen. Sie hat sich jedoch nach diesen Wahlen gespalten
und hat seither immer wieder mit heftigen innerparteilichen Konflikten zu tun, was zu Verlusten bei den darauffolgenden Wahlen führte.
Ein, die Regierungspartei begünstigender, neuer Zuschnitt der Wahlkreise, das Mehrheitswahlsystem, sowie das "Überlaufen" von Oppositionspolitikern lassen viele Wählerinnen und Wähler am Funktionieren des Mehrparteiensystems in Kamerun zweifeln. Unregelmäßigkeiten bei den Wahlen, die immer wieder zu Wahlboykotten durch die beiden Hauptoppositionsparteien SDF und UNDP führten, hatten im Jahr 2000 die Einrichtung einer unabhängigen Wahlkommission ONEL (Observatoire National des Elections)
zur Folge. Allerdings läßt die Zusammensetzung der Kommission - ihre 11 Mitglieder wurden vom Präsidenten ernannt - Zweifel an ihrer tatsächlichen Unabhängigkeit aufkommen.
Ende 2008 wurde das umstrittene "unabhängige"
nationale Wahldurchführungs- (bisher Ministere de l'Administration territoriale) und -prüfungsorgan (bisher ONEL) ELECAM (Elections Cameroon) implementiert.
Bereits erwähnt wurden die Verfassungsreformen von 1996 und 2008 und das Forstgesetz von 1994.
Ein seltenes Beispiel für eine Änderung von Gesetzesbestimmungen durch erfolgreichen Druck von Seiten der Zivilgesellschaft bietet die Initiative von ACDIC (Association Citoyenne de Défense des Intérêts Collectifs). Auf Grund intensiver Öffentlichkeitsarbeit, die einher ging mit der Gründung von Filialen des Vereins in vielen kamerunischen Städten, beschloss die Regierung die Importe gefrorener Hähnchenteile
zu beschränken.
Politische Auseinandersetzungen finden kaum im parlamentarischen Rahmen statt, da die Assemblée Nationale/National Assembly inzwischen weitgehend von der RDPC/CPDM beherrscht wird.
Außerparlamentarisch werden von staatlicher Seite alle Register gezogen, um Versammlungen oder Aktionen der englischsprachigen Separatistenbewegung (Southern Cameroons National Council – SCNC
) und deren Sympathisanten zu be- bzw. zu verhindern.
Aber auch bei politischen Flügelkämpfen innerhalb der gespaltenen Oppositionspartei SDF waren Opfer
zu beklagen.
2005 und 2006 kam es an den Universitäten zu Studentenprotesten. Die Studenten forderten allgemein bessere Studienbedingungen, anglophone Studenten protestierten gegen die Diskriminierung englischsprachiger Studierender. Beim Einsatz von Polizei und Militär wurden in Buea mindestens 2 Studenten getötet
.
Ende Februar 2008 kam es in Kamerun zu schweren Unruhen
. Entzündet hatten sich die Proteste an den steigenden Energiepreisen. Daraus entwickelte sich eine Art Jugendaufstand, in der die allgemeine Perspektivlosigkeit der städtischen Jugend, die Wut über die starken sozialen Gegensätze, die politische Stagnation und die Empörung über das Ansinnen Paul Biyas durch eine Verfassungsänderung seine Amtszeit zu verlängern, in Straßenschlachten Ausdruck fand. Zentren der Auseinandersetzungen waren Douala, Yaoundé und die Städte im Westens des Landes. Über die Anzahl der Opfer
gab es unterschiedliche Angaben.
Kurz vor den Präsidentschaftwahlen im September 2011 kam es in Douala zu einer Blockade der Wouri-Brücke durch ein bewaffnetes Kommando, das sich eine Schießerei mit Polizeikräften
lieferte und den Rücktritt des Präsidenten forderte.
Der Internationale Gewerkschaftsbund (ITUC) veröffentlicht in seinen Jahresberichten (2010
) Meldungen zur Situation der Gewerkschaften in Kamerun. Auch bei den Unruhen 2008 gegen die Teuerungen
waren Gewerkschaften beteiligt.
Ein "außerparlamentarischer" Oppositioneller ist Kardinal Tumi
, ehemaliger Erzbischof von Douala. Er gründete 2003 den privaten Radiosender "Radio Véritas" und geriet deshalb in Konflik mit der Regierung, die sein Urteil fürchtete. Andererseits vertritt Tumi natürlich die Linie der katholischen Kirche hinsichtlich Abtreibungsrecht und den Rechten Homosexueller. So organisierte er 2009 eine Grossdemonstration gegen die Ratifizierung des Maputo-Protokolls durch Kamerun.
Einen aktuellen Überblick gibt ein Bericht über kamerunische Medien
von GRET (Research and Technological Exchange Group).
Zeitungen:
(regierungsamtlich)
Unabhängig:


(anglophon)
(katholisch) 
(anglophon)Das französischsprachige Magazin "L´Intelligent" (ehemals:"Jeune Afrique") bringt regelmäßig Reportagen und Berichte aus Kamerun
.
Die Pressezensur ist formal aufgehoben und erheblich gemildert worden. Trotzdem kommt es immer wieder vor, daß Herausgeber und Redakteure wegen unliebsamer Berichterstattung Repressalien
erleiden. Eine Analyse des Pressegesetzes
erschien 2006 in der kamerunischen Zeitung "MESSAGER". Pius Njawe († 2010) war als Herausgeber dieser alteingesessenen Oppositionszeitung mehrfach in Haft. Aus Anlass des Welttags der Pressefeiheit im Mai 2006 schrieb er einen international beachteten Artikel
.
Die NRO Reporter ohne Grenzen beobachtet kontinuierlich die Situation in Kamerun
.
Auch die NRO IFEX (International Freedom of Expression and eXchange)
berichtet regelmäßig von Übergriffen auf die kamerunische Presse.
Fernsehen wird in den Städten immer wichtiger. Neben dem staatlichen Sender CRTV
gibt es inzwischen auch mehrere Privatsender (CANAL 2 INTERNATIONAL
, STV 1, STV 2, EQUINOX TV, VISION4...)
Online Nachrichtendienste:
Zusammenstellung verschiedenster Meldungen aus Kamerun.
ehemals Africa News Online, zitiert hauptsächlich CAMEROON TRIBUNE und THE POST.
Meldungen und Meinungen aus Kamerun.
bietet Informationen aus Kamerun auf Englisch und Französisch.
wöchentlich aktualisierte kritische Meldungen.
Presseschau kamerunischer Zeitungen, Meldungen internationaler Presseagenturen.
Nachrichtennetzwerk für Menschenrechte und nachhaltige Entwicklung in Afrika.
wurde vom norwegischen Council for Africa überarbeitet und gibt einen zusammenfassenden Überblick zu Landesthemen.
, eine norwegische Afrikaseite, bietet aktuelle Informationen zu kamerunischer Politik und Gesellschaft.
bietet Informationen zu den Themen Soziales und Gesundheit.
die Sicht der Dinge aus der belgischen Diaspora. Die Internetnutzung wird auch in Kamerun billiger
, doch obwohl die Zahl der Internetuser rapide ansteigt
, bleiben große Teile der Bevölkerung, wie z.B. die Landbevölkerung, ausgeschlossen. Ungeachtet der Tatsache, dass soziale Netzwerke für die politische Meinungsäußerung und -bildung in Kamerun eine nur sehr marginale Rolle spielen, werden sie von der Regierung durchaus ernst genommen
.
Wichtigstes Medium für die Verbreitung von Nachrichten ist in Kamerun nach wie vor das Radio
. Neben dem staatlichen Rundfunk, der auch über regionale Programme verfügt, gibt es inzwischen auch viele Privatradiosender.
Die FAO hat eine Fallstudie zur "Rolle von Radiosendungen zum Thema reproduktive Gesundheit in Kamerun"
durchgeführt.
Im Amnesty International Jahresbericht 2010 Kamerun
werden Übergriffe gegen Homosexuelle, Oppositionelle, insbesondere Mitglieder der anglophonen Separatistenbewegung und Teilnehmer an den Unruhen von 2008 , sowie Journalisten angeführt. Darüberhinaus werden die katastrophalen Zustände in den Gefängnissen, Folter
und Mißhandlung durch die Sicherheitskräfte und die Existenz der Todesstrafe angeprangert. Die Übergriffe des Staatsapparats bei den Unruhen 2008 wurden nie Gegenstand von Untersuchungen.
Kamerun verfügt seit 1990 über ein staatliches Menschenrechtskommitee, das Comité National des Droits de l´Homme et des Libertés (CNDHL). 9 Jahre nach dessen Gründung gab Human Rights Watch hierzu seine kritische Einschätzung
, die bis zum heutigen Tag in vielen Punkten Gültigkeit behalten
hat.
In einem Bericht der kamerunischen Menschenrechtorganisation ACAT (Action des Chrétiens pour l´Abolition de la Torture) wird Folter und Misshandlung in Polizeigewahrsam
als "Routine" bezeichnet.
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Korruption
ein kamerunisches Spezifikum? Seit Ende der 90-er Jahre erscheint Kamerun immer wieder an prominenter Stelle in Berichten von Transparency International
. 1998 und 1999 galt Kamerun gar als korruptestes Land der Welt. In den letzten Jahren wurde Kamerun durch andere Länder von dieser Stelle verdrängt.
Die neue Regierung hat 2006 zum wiederholten Male eine Kampagne gegen Korruption
initiiert. Die vom vorhergehenden Premierminister Inoni auf internationalen Druck hin eingeleitete "Operation Sperber"
wird also fortgeführt.
Kameruns Außenpolitik
zeichnet sich durch große Nähe zu Frankreich, mittelbar damit auch zur EU aus. Mit seinem 1995 erfolgten Commonwealthbeitritt
signalisierte Kamerun andererseits aber auch, daß es sich nicht nur auf Frankreich und die Frankophonie festlegen möchte. Eine Absicht, die auch in den, sich in letzter Zeit intensivierenden, Kontakten zu USA, China und Japan deutlich wird.
Innerhalb der Region betreibt Kamerun eine Politik des "Leben und leben lassen". Friedliche Koexistenz mit den Nachbarstaaten ist Leitlinie kamerunischer Außenpolitik, Konflikte werden auf "niedriger Flamme gekocht". Eine Devise, die sich auch während des Bakassikriegs
zwischen Nigeria und Kamerun bewährt hat. Der Konflikt mit Nigeria
um die fisch- und erdölreiche Halbinsel Bakassi im Golf von Bonny, dessen Ursprünge in der Kolonialzeit
liegen, wurde 2002 vom Internationalen Gerichtshof in Den Haag zugunsten Kameruns entschieden. Im August 2008 wurde die Halbinsel an Kamerun übergeben
und damit ein wesentlicher Punkt des Green Tree Agreement
erfüllt.
Regional ist Kamerun in verschiedensten regionalen Organisationen engagiert. Als wichtigste ökonomische Organisationen wären CEEAC
(Communauté Économique des États de l´Afrique Centrale)und CEMAC
(Communauté Économique et Monétaire de l´Afrique Centrale)zu nennen, darüberhinaus existieren aber noch viele andere regionale Initiativen unterschiedlichster Zielsetzung wie z.B. die Zentralafrikanische Forstministerkommission COMIFAC
(Commission des Ministres en charge des Forêts d´Afrique Centrale) oder die LCBC
(Commission du Lac Tchad).
In der COMIFAC haben sich die Regierungschefs der Republiken Kamerun, Zentralafrika, Äquatorialguinea, Gabun, Kongo, Tschad und der Demokratischen Republik Kongo dem Schutz und der nachhaltigen Nutzung der Regenwälder des Kongobeckens verpflichtet.
In der haben sich die Anrainerstaaten des Tschadsees zusammengeschlossen. Zielsetzung ist die Regulation und Nutzung von Wasser und anderen natürlichen Ressourcen, die Förderung von Entwicklungsprojekten und Forschungsvorhaben im der Region.
In Kamerun befinden sich über 100 000 Flüchtlinge aus Nachbarländern
, vorallem aus der Zentralafrikanischen Republik.
Lager für Flüchtlinge aus der Zentralafrikanischen Republik
gibt es in Kamerun seit 2005. Ein humanitäres Problem, das wegen der Vorgänge an der tschadischen Grenze kurzzeitig aus dem Blickwinkel
geraten ist. Im Februar 2008 kam es in der tschadischen Hauptstadt N´Djamena zu Kämpfen zwischen Regierungstruppen und Rebellen, woraufhin sich ein Flüchtlingsstrom Richtung Kamerun
in Bewegung setzte. Inzwischen ist die Flüchtlingsbewegung abgeflaut, einige Tschader sind wieder in ihre Heimat zurückgekehrt, andere haben sich in Nordkamerun niedergelassen.
Jahrgang 1958, Dipl.agr.ing.
1991-1999 Mit dem DED in Rwanda und Kamerun (Schwerpunkt Ländl. Entwicklung und Organisationsförderung)
Seit 1999: freiberufliche Tätigkeit als Referentin in der entwicklungspädagogischen und entwicklungspolitischen Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit des DED u.a.
Seit 2003: landeskundliche Tutorin für Kamerun bei InWEnt-Vorbereitungsstätte für Entwicklungszusammenarbeit
Reiseleiterin für Kamerun bei Projekt- und Begegnungsreisen
Über Anregungen und Kommentare würde ich mich freuen.
Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Januar 2011 aktualisiert.
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