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"Afrika im Kleinen" spiegelt sich auch in der ethnischen Vielfalt Kameruns wieder. Bantuvölker (z.B. Ewondo, Bulu, Bassa) und Pygmäen (Baka) besiedeln vorwiegend den Süden, Semibantu (z.B. Bamilekevölker) vor-wiegend den Westen des Landes und Sudanvölker, Peul/Fulbé, ja sogar Araber sind im Norden Kameruns ver-treten. Die Städte Kameruns bieten einen ethnischen Querschnitt, da dort alle Bevölkerungsgruppen des Landes anzutreffen sind. Über die Anzahl der in Kamerun lebenden Völker gehen die Zahlen auseinander. Während in der SIL (Summer Institut of Linguistics) Sprachenliste für Kamerun
insgesamt 278 Sprachen verzeichnet sind, mit Sprecherzahlen zwischen einigen wenigen bis zu mehreren 100 000 Personen, findet man in anderen Quellen die Angabe "über 200 Landessprachen". Deutlich wird auf den Sprachenkarten die kleinräumige Sprachenverteilung in den Mandarabergen und im Hochland der Nord-West Provinz. Daneben gibt es Sprachen mit überregionaler Bedeutung, wie das Fulfuldé im Norden des Landes und das "Pidgin" in den anglophonen Provinzen Süd-West und Nord-West.
Als Amtssprachen wurden auf Grund der geschichtlichen Entwicklung (zwei getrennte Verwaltungsmandate nach dem ersten Weltkrieg) Französisch und Englisch bestimmt, wobei die beiden anglophonen Provinzen Nord-West und Süd-West etwa 20% der Bevölkerung Kameruns stellen.
Karten zur Sprachenvielfalt Kameruns bietet das SIL (Summer Institute of Linguistics, Dallas). Selbst wenn die SIL-Sprachenklassifizierung unter Sprachwissenschaftlern nicht unumstritten ist, die SIL eine zu enge Auffassung bei der Klassifikation unterstellen, geben die Karten doch einen guten Eindruck der Sprachenvielfalt Kameruns.
Darüberhinaus entstand aus dem Französischen eine neue Mischsprache, die Elemente des Französischen, des Cameroon Pidgin-English und verschiedener Landessprachen in sich vereinigt: das Camfranglais.
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In diesem völkerreichen Land treffen somit unterschiedlichste Kulturen, Lebensformen, Sprachen und Religionen - deren Grenzen teilweise auch ethnienübergreifend verlaufen - aufeinander. Gegensätze und Interessenskonflikte zwischen verschiedenen Ethnien
, Nomaden und Sesshaften bzw. Viehhaltern und Ackerbauern
, allochthonen und autochthonen Bevölkerungsgruppen
, Frankophonen und Anglophonen
, Stadt- und Landbevölkerung, "Nordisten" und "Südisten", Christen und Muslimen führten und führen manchmal auch zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Teilweise werden diese Konflikte auch von einzelnen Eliten oder politischen Parteien instrumentalisiert. Trotz, ja vielleicht gerade wegen, seiner Heterogenität zählte Kamerun bisher zu einem der, vergleichsweise, stabilsten Länder der Region. Eine Situation, die aber nicht unbedingt von Dauer
bleiben muss.
Trotz offiziell propagierter Zweisprachigkeit ist die Unterscheidung in französisch- und englischsprachige Kameruner die augenfälligste Trennlinie, die die kamerunische Gesellschaft durchzieht. Französischsprachige Kameruner orientieren sich verstärkt an Frankreich und der Frankophonie
, während sich die Anglophonen mit Großbritannien und dem Commonwealth
identifizieren. Militante sezessionistische Kräfte proklamierten 1999 die Republik Ambazonia
, die Mitglied der "Unrepresented Nations and Peoples Organisation (UNPO)" ist. Trotzdem handelt es sich bei Anglophonen und Frankophonen um keine homogenen Blöcke, sondern innerhalb dieser Gruppen existieren mannigfache interethnische Konflikte. Beispiele hierfür sind die Spannungen zwischen den anglophonen Nordwestlern und Südwestlern
oder den Bamilékévölkern und anderen frankophonen Ethnien. Interessenskonflikte, z.B. um Landnutzungsrechte oder Grundbesitz, aber auch Versorgungsnotlagen, wie z.B. Wassermangel, oder aber parteipolitische Auseinandersetzungen werden häufig ethnisiert oder ethnisch instrumentalisiert. Bei der Besetzung öffentlicher Ämter wird zwar streng auf ethnischen Proporz geachtet, trotzdem stellt es kein Tabu dar, ethnische Konflikte parteipolitisch zu nutzen. Bisher kam es aber nur vereinzelt zu lokal eng begrenzten ethnischen Zusammenstößen.
Die Identifizierung mit der eigenen Ethnie ist stark ausgeprägt. Ob Kirdigruppe aus den Mandarabergen
, Mbororo-Fulani
, Bamun
, Bakweri
, Bamilékévölker
(wie z.B. Baham
, Babadjou
, Bandenkop
), Bassa
, Fang
, Pygmäen
oder Sawa
- die Ethniengruppe Südkameruns - jede Volksgruppe veranstaltet "Kulturtreffen", betreibt eigene Tontines und propagiert ethnische Solidarität und Zusammenhalt, vor allem wenn sich ihre Mitglieder in der "Diaspora", wie z.B. in den Städten außerhalb ihrer Region oder im Ausland, befinden.
Die gewaltigen sozialen Gegensätze
werden in Kamerun vor allem in den großen Städten augenfällig, wo Arm und Reich direkt aufeinandertreffen. Eine gesellschaftliche Mittelschicht ist nur schwach entwickelt. Mittlerweile kommt es immer öfter zu Zerstörungen von städtischen Armenvierteln
.
Statussymbole wie Luxusautos, teure Villen, exklusive Clubmitgliedschaften und der Konsum von Importwaren gehören zum Lebensstil der kamerunischen Eliten. Oder, wie es augenzwinkernd heißt: "Les "V-s": Voiture, villa et ventre", wobei inzwischen auch vidéo und virement hinzugezählt werden.
Andrerseits steht jeder reiche Kameruner unter genauer Beobachtung sowohl durch seine (Groß-) Familie, als auch durch sein Heimatdorf und seiner ethnischen Gruppe,- und dem sozialen Druck zur "Streuung" des Reichtums ist nur schwer auszuweichen.
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Trotz der hohen Verstädterungsrate ist für jeden Kameruner "au village" der "Mutterschoß", in den auch der Städter in regelmäßigen Abständen zurückkehrt.
Einerseits wartet die Stadt mit Möglichkeiten und Verheißungen auf, die vor allem auf junge Leute eine große Anziehungskraft ausüben. Andererseits bietet das Dorf für viele Kameruner angesichts wiederholter ökonomischer Krise eine Lebensgrundlage
, die in der Stadt nicht mehr zu finden ist.
Nach wie vor besteht in Kamerun eine deutliche Diskrepanz zwischen bestehenden Gleichstellungsrechten
und der Wirklichkeit
. Frauen sind in Kamerun zu einem sehr hohen Anteil erwerbstätig. Die große Mehrheit ist Bäuerin
und damit für die Nahrungsmittelproduktion des Landes zuständig. Mehr Frauen als in anderen afrikanischen Ländern bekleiden untere und mittlere Positionen in Verwaltung und Schule oder arbeiten als Kleinunternehmerinnen. Sehr viele verdienen - daneben oder ausschließlich - ihren Lebensunterhalt bzw. das zum Leben notwendige Bargeld im informellen Sektor
. Trotzdem sind sie in Entscheidungspositionen unterrepräsentiert
und auch in familiären Angelegenheiten gilt der Mann als Chef, was durch traditionelles und modernes Familien- und Eherecht
bestätigt wird. Der UNDP-"Gender-Related Development Index (GDI)" gibt Auskunft über den Unterschied in der Lebensqualität (Lebenserwartung, Alphabetisierung, reale Kaufkraft) von Männern und Frauen. Er beträgt für Kamerun 114 (v. 156; 2007/2008).
Alles in allem ein deutlicher Widerspruch
zu den heeren Zielen der Millenium Development Goals.
Es gibt inzwischen viele kamerunische Nichtregierungsorganisationen
, die sich mit Themen wie Gewalt gegen Frauen
, Verheiratung Minderjähriger, Zwangsehen
, Frauenalphabetisierung, Frauengesundheit, aber auch mit der Förderung und Begleitung von Frauen bei der Unternehmensentwicklung
und vielem anderen mehr auseinandersetzen. Aber auch die Frage der politischen Teilhabe von Frauen in der kamerunischen Politik wird aufgegriffen, pressure groups entstehen und es wird Hilfe für Betroffene angeboten. Obendrein ist die internationale Vernetzung
per Internet kein Problem.
Aber auch Männer, vorallem junge Männer, werden von traditioneller Rollenerwartungen
und den Anforderungen des "modernen" Lebens unter Druck gesetzt.
Weitere Themen, die ausschließlich oder schwerpunktmäßig die Rechte von Frauen und Mädchen betreffen sind Prostitution
, auch Kinderprostitution
, Menschenhandel
, Vergewaltigung
und Praktiken wie weibliche Genitalverstümmelung
und das Brustbügeln
.
Die Geschichte der formalen Schulbildung Kameruns begann mit den europäischen Missionaren. Heutzutage existieren in Kamerun zwei Schulsysteme
: die anglophonen Provinzen orientieren sich am britischen Schulsystem, wohingegen im frankophonen Landesteil das französische Modell vorherrscht.
Zuständig für die Bildung ist der Staat
. Auf dem Papier besteht in Kamerun allgemeine Schulpflicht, die staatliche Primarschulbildung
soll kostenlos sein. 50% der Primarschulen sind staatlich, 50% in privater, vorwiegend konfessioneller Trägerschaft. Auch unter den Sekundarschulen
, die es sowohl in allgemeinbildender als auch technischer Ausrichtung gibt, existieren sowohl staatliche als auch private.
Schlecht bezahlte, unmotivierte Lehrer, unangepaßte Lehrinhalte, überfüllte Klassen, hohe Abbruch- und Wiederholungsraten sowie Korruption sind nur einige der vielen Probleme in Kameruns Schulen. Schulbildung für Mädchen
ist keine Selbstverständlichkeit, und diese Aussage gilt nicht nur für den in solchen Fragen als besonders rückständig geltenden Norden.
Universitäten
entstanden in Kamerun nach der Unabhängigkeit 1961/62
.
Staatliche Universitäten bestehen in Yaoundé (Yaoundé I
und II
), Douala
, Dschang
, Ngaoundéré
, Buea
und Maroua
; letztere ist die einzige anglophone Universität Kameruns. Es gibt auch mehrere private Universitäten (z.B. Université des Montagnes
) und Hochschulen.
Seit Jahren befinden sich die Hochschulen Kameruns in einer permanenten Krise: "brain drain"
, unzumutbare Studienbedingungen
und die Frage des Einhaltens einer "Regionalen Balance"
bilden dauerhaften Zündstoff.
Seit den 90-er Jahren befindet sich das staatliche Gesundheitssystem
Kameruns in der Umstrukturierung
. Ziele sind Dezentralisierung, Qualitätskontrolle und die Einbindung der Bevölkerung in Verwaltung und Finanzierung von Gesundheitseinrichtungen. Allerdings waren die bisherigen Ergebnisse der staatlichen Gesundheitspolitik wenig eindrucksvoll
.
Absoluter Ärztemangel aufgrund mangelnder Ausbildungsplätze
, relativer Ärztemangel, denn die wenigen Ärzte lassen sich vorwiegend in den städtischen Zentren nieder, unzulängliche Infrastruktur und knappe Arzneimittel sind nur einige der Missstände, die die medizinische Versorgungslage Kameruns kennzeichnen. Gesundheitsindikatoren
wie Lebenserwartung, Kindersterblichkeit oder Müttersterblichkeit liegen leicht unterhalb des afrikanischen Durchschnitts, auffällig sind aber die starken regionalen Unterschiede, in denen sich, wie schon bei den Armutsindizes, das Süd-Nordgefälle widerspiegelt.
HIV/AIDS
, Malaria
und Tuberkulose
zählen zu den wichtigsten Krankheiten. Seit eines grossen Cholera-Ausbruchs im Mai 2010 scheint sich die Cholera in Kamerun
erst einmal festgesetzt zu haben. Hauptursache dieser Krankheit: Wassermangel, insbesondere der Mangel an sauberem Wasser, und dieser betrifft sowohl die ländlichen Gegenden als auch die Städte.
Laut der Klassifizierung nach Kulturdimensionen (nach Geert Hofstede), kennzeichnet sich die kamerunische Gesellschaft durch eine ausgeprägte Machtdistanz (Hierarchien sind erwünscht, ja notwendig), einen deutlichen Trend zu kollektiven Verhaltensmustern (das "Wir" ist wichtiger als das "Ich"), bei mittlerer bis schwacher Unsicherheitsvermeidung (Ungewissheit ist normal). Die Kultur ist eher feminin (Beziehungen sind wichtig) und kurzzeitorientiert.
Selbstverständlich liefert diese Einteilung nur einen groben Rahmen. Die Feinheiten ergeben sich durch die unterschiedlichen Regionen wie Nord- oder Südkamerun, die verschiedenen ethnischen Komponenten, den Stadt-Land-Gegensatz, die soziale Stellung, den Bildungsstand und vieles andere mehr.
Musik rangiert in Kamerun auf der Beliebtheitsskala gleich hinter Fußball. Ob traditionelle Musik auf dem Land, die unzähligen Kirchenchöre oder moderne Musik, wie Pop, Rock oder Jazz,- jedwede Musikform
erfreut sich größter Beliebtheit und der Musikgeschmack ist breit gefächert.
Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen wird Musik auch als politisches und ethnisches Aushängeschild
benutzt.
Kamerunische Musikstars auf der internationalen Szene sind Manu Dibango
, dessen Stücke auch bei internationalen Pop-Größen heiß begehrt
sind, und Richard Bona
.
Der Musiker und Poet Francis Bebey
ist 2001 gestorben. Er war im Ausland sehr bekannt, lebte jedoch nicht in Kamerun, weil er von offizieller Seite politisch bekämpft wurde. Hier eine Hommage an ihn von der Deutsch-Kamerunischen Gesellschaft
.
Während in der Musik häufig in den Landessprachen gesungen wird, ist die Literatur
faktisch französisch oder englisch. Sie wird auch fast nur im Ausland verlegt, unter anderem weil die meisten relevanten Schriftsteller zur politischen Opposition gehören und häufig im Exil leben oder lebten. Rene Philombe
und Mongo Beti
, zwei Klassiker der kamerunischen Literatur sind beide im Jahr 2001 verstorben. Ferdinand Oyono
, ein weiterer großer alter Mann der kamerunischen Literatur, hat sich mit dem Regime arrangiert und war lange Jahre Regierungsmitglied.
Calixthe Beyala
ist eine der wenigen Frauen in der kamerunischen Literatur. Ihre, vieldiskutierten, Werke behandeln häufig Frauenthemen.
Patrice Nganang
ist ein international sehr erfolgreicher Vertreter der jüngeren Schriftstellergeneration.
Immer wieder machen kamerunische Regisseure auch international von sich reden. Jean Marie Teno
und Jean-Pierre Bekolo
sind wichtige Vertreter des kamerunischen Kinos.
Hochburgen des Kunstgewerbes sind die Städte Foumban im Westen und Maroua im Norden, sowie die grassfields Region
in der Nordwest Provinz.
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Religion ist wichtig in Kamerun. Hinsichtlich der Religionszugehörigkeit zählen sich 40% der Kameruner den christlichen Kirchen zugehörig, 40% den traditionellen Religionen und 20% dem Islam. Letztendlich sind diese Zahlen aber mit Vorsicht zu genießen, da religiöse "Mischformen" weit verbreitet sind.
Das afrikanische Phänomen des zunehmende Sekten(un)wesens
ist auch in Kamerun verbreitet und findet unter den verarmten Bevölkerungsschichten immer mehr Anhänger
.
In Kamerun gibt es keine Staatsreligion. Die kamerunische Verfassung garantiert ihren Bürgern Religionsfreiheit
und in aller Regel respektiert der Staat dieses Grundrecht.
Das Verhältnis der Religionen untereinander ist im Allgemeinen gut. Zwar werden Anhänger traditioneller Religionen im muslimischen Norden oft verächtlich angesehen, auch wurde vereinzelt von kleineren Konflikten zwischen Christen und Moslems berichtet, aber im Großen und Ganzen ist der Umgang der Religionen untereinander (noch?) von gegenseitigem Respekt und Toleranz geprägt.
Jahrgang 1958, Dipl.agr.ing.
1991-1999 Mit dem DED in Rwanda und Kamerun (Schwerpunkt Ländl. Entwicklung und Organisationsförderung)
Seit 1999: freiberufliche Tätigkeit als Referentin in der entwicklungspädagogischen und entwicklungspolitischen Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit des DED u.a.
Seit 2003: landeskundliche Tutorin für Kamerun bei InWEnt-Vorbereitungsstätte für Entwicklungszusammenarbeit
Reiseleiterin für Kamerun bei Projekt- und Begegnungsreisen
Über Anregungen und Kommentare würde ich mich freuen.
Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Januar 2011 aktualisiert.
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