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Die Wirtschaft Kameruns
ist marktwirtschaftlich orientiert. Die Monopolstellung, die der Staat bis weit in die 90-er Jahre in vielen Wirtschaftszweigen innehatte, ist zum größten Teil abgebaut. Von der großen Privatisierungswelle der letzten 10 Jahre profitierten vor allem ausländische Unternehmen: zu den Gewinnern zählten französische, aber auch südafrikanische und US-amerikanische Firmen. Wichtigster Wirtschaftssektor ist traditionell die Landwirtschaft mit 44 % , gefolgt vom Dienstleistungssektor mit 39 % und der Industrie mit 17 % des BSP.
Ob Jahresbericht von African Economic Outlook
oder Länderanalyse der Banque de France
, letztendlich kommen sie zu ähnlichen Ergebnissen: nachdem es 2007 bis 2009 aufgrund der Verschlechterung der Handelsbilanz, des geringeren Steueraufkommens, der Nahrungsmittelkrise und dem Energiedefizit wirtschaftlich bergab ging, z.T. als Folge der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise, z.T. aber auch aus "hausgemachten" Gründen, scheint sich die kamerunische Wirtschaft mit Wachstumsrate von 3% (2010) bis zu prognostizierten 5% (!?) zu stabilisieren.
Auf dem Weltmarkt "erholten sich" Holz, Kaffee und Baumwolle, weswegen der primäre Sektor stark zum jüngsten Wachstumserfolg beitrug.
Im industriellen Sektor schnitten vorallem lebensmittelverarbeitende Betriebe und der Baubereich, aufgrund von staatlich geförderten Infrastrukurmassnahmen, gut ab. Allerdings stellt die Energieknappheit in diesem Komplex weiterhin die größte Bremse dar.
Im Dienstleistungsbereich boomten Telekommunikationsbranche, Transportwesen und Handel.
Aufgrund der Beruhigung der Lebensmittelpreise sank auch die anfänglich hohe Inflationsrate (5,3% in 2008) auf mittlerweile 1,3%. Staatliche Bemühungen den Ausbau von Infrastruktur, von Bildungs- und Gesundheitsbereich zu forcieren, zeichnen sich ab.
Die http://www.gtai.de/ext/Export-Einzelsicht/DE/Content/__SharedDocs/Links-Einzeldokumente-Datenbanken/fachdokument,templateId=renderPrint/MKT201002238021.pdfWirtschaftstrends in Kamerun werden als mäßig gut eingeschätzt. Beklagt wird das investitionsfeindliche Geschäftsklima
aufgrund von fehlender Infrastruktur, bürokratischen Hürden, Behinderung durch Justiz und Finanzverwaltung, sowie Korruption. Aber auch hier scheint es einen leichter Aufwärtstrend zu geben.
Auch Informationen für ausländische Investoren
sind im Internet abzurufen.
Dank des Erdölbooms galt Kamerun Anfang der achtziger Jahre, zusammen mit Südafrika und Nigeria, als ein, für afrikanische Verhältnisse, wohlsituiertes Land. Es hatte den Ruf eines "Musterländles".
Hohe Staatsausgaben für Prestigeprojekte und einen aufgeblähten Staatsapparat, gepaart mit ungünstigen weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen, hatten eine massive interne und externe Verschuldung zur Folge, die Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre zum wirtschaftlichen Zusammenbruch Kameruns führten. Mehrere Strukturanpassungsprogramme des IWF blieben erfolglos
. Ende der 90-er Jahre zählte Kamerun zu den ärmsten Ländern und qualifizierte sich im Oktober 2000 als HIPC-Land
(decision point). Die Bedingung für den Schuldenerlass: Kamerun musste sich einem speziellen Strukturanpassungsprogramm
unterwerfen. Verlangt wurde u. a. die Ausarbeitung eines Strategiepapiers zur Armutsbekämpfung und Maßnahmen gegen Korruption. Im April 2006 erreichte Kamerun den "completion point"
und im Juni 2006 war es soweit: Kamerun bekam vom Pariser Club einen großen Teil der Schulden erlassen
.
Seit der Wirtschaftskrise in den 90-er Jahren veröffentlicht die kamerunische Regierung in regelmäßigen Abständen Stellungnahmen und Absichtserklärungen
zur Wirtschafts- und Finanzpolitik um ihren "good will" gegenüber internationalen Geldgebern unter Beweis zu stellen. Die Fortsetzung der Privatisierung staatlicher Unternehmen, eine Diversifizierung der Produkte bzw. eine Stärkung des Nichtölsektors, die Schaffung eines investitionsfreundlichen Klimas, die Erhöhung der Staatseinnahmen und ein entsprechendes Ausgaben-Monitoring sowie Transparenz und Korruptionsbekämpfung sind vielzitierte Zielsetzungen kamerunischer Wirtschaftspolitik.
Die Privatisierung
staatlicher und parastaatlicher Unternehmen bleibt in Kamerun weiterhin sehr umstritten. Undurchsichtige Geschäftspraktiken
sowie das Schüren alter und neuer Konfliktlinien
, wie z.B. zwischen Anglo- und Frankophonen, erregen immer wieder die Skepsis gegenüber diesem Instrument. Auch brachten viele Privatisierungen nicht die gewünschte Leistungsverbesserung
.
Die Trinkwasserversorgung
basiert mittlerweile als Public Private Partnership (PPP) auf der Basis von output-based aid
.
Die wichtigste Säule der kamerunischen Ökonomie stellt die Landwirtschaft
dar. Traditionelle "Cash crop"-Kulturen sind Kakao
, Kaffee
, Baumwolle
, Bananen, Kautschuk, Tee, Zuckerrohr und Palmöl, wobei Kamerun bis vor kurzem von den guten Weltmarktpreisen für einige der Produkte (Kakao, Kaffee, Kautschuk) profitierte.
Während z.B. Kakao
(SW, Centre, Sud), Kaffee (Oest) und Baumwolle (Nord, EN) von Kleinbauern produziert werden, liegen Bananen- u. Palmölproduktion z.T., Kautschuk- und Teeproduktion vollständig in den Händen von Agroindustrieunternehmen, die z.T. parastaatlich
sind, z.T. mittlerweile privatisiert.
Der Großteil der Nahrungsmittelproduktion liegt in den Händen von Kleinbauern und konkurriert mit der "Cash crop"-Produktion. Internationale Krisen und Schwankungen der Rohstoffpreise treffen immer wieder die kamerunische Landwirtschaft, wie z.B. die Baumwollproduktion
, und haben damit direkte Auswirkungen auf die ländliche Bevölkerung.
Seit 2005 stieg Kamerun verstärkt in die Biodieselproduktion mit Ölpalmen ein. Konkrete Zahlen zum Umfang werden unter Verschluss gehalten, wohl auch deshalb weil die Palmölproduktion bereits für den Eigenverbrauch, d.h. für Speiseöl- und Seifenherstellung, nicht ausreicht.
Videos zum Thema:
Holz, das grüne Gold Kameruns, stellt einen wichtigen Rohstoff dar, dessen Nutzung für die Wirtschaft Kameruns von großer Bedeutung ist. Die Einkünfte aus der Forstwirtschaft stellen einen nicht unbeträchtlichen Anteil an den Staatseinnahmen, der sich aus Einschlagskonzessionen, Steuern und Exportzöllen zusammmensetzt. Allerdings ist hierbei eine nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes von ausschlaggebender Bedeutung, alles andere hieße nur "sein Tafelsilber zu verscherbeln". Zum Schutz der eigenen holzverarbeitenden Industrie besteht ein Verbot für den Export von Rundholz.
Beim Holzexport machte sich die globale Wirtschaftskrise als Erstes bemerkbar
, internationale Aufkäufer stornierten die Aufträge. 2010 unterzeichnet zumindest EU und Kamerun ein Abkommen zur Zertifizierung von Exportholz
...
Erdöl- und Erdgasvorkommen
gibt es in Kamerun zum einen in Küstenbereich des Rio del Rey-, des Douala- und des Kribi-Campo Beckens (on-und offshore), als auch im Logone-Birni Becken.
Nach Förderrückgängen in den letzten Jahren wird ein Anstieg aufgrund der Erschliessung neuer Lagerstätten für 2012 prognostiziert
. Das Erdöl
, das vorallem im Golf von Guinea
von europäischen (z.B. Total bzw. mittlerweile Perenco
, Pecten/Shell) und mittlerweile auch chinesischen Mineralölunternehmen
gefördert wird, eine wichtige Einnahmequelle für den kamerunischen Staat.
Die Nutzung der Gasreserven steht noch am Anfang.
Oktober 2003 wurde die Erdölpipeline Tschad-Kamerun offiziell eröffnet. Die über 1000 km lange Pipeline führt von den tschadischen Ölfeldern Dobas
zum kamerunischen Kribi. Das Projekt eines Konsortiums der Firmen ExxonMobil (USA), Chevron Texaco (USA) und Petronas (Malaysia), das auch von der Weltbank
mitfinanziert wurde, ist hinsichtlich seiner sozialen und ökologischen Brisanz
nach wie vor sehr umstritten.
Es bildete sich ein internationales Netzwerk von Arbeitsgruppen
, das sich mit den Auswirkungen des Projekts beschäftigte und versuchte gewisse ökologische und soziale Mindeststandards durchzusetzen.
Die Einnahmen Kameruns durch das Erdöl
setzen sich aus dem Eigengeschäft, Steuern, Zöllen, Transitgebühren und Konzessionen zusammen, allerdings lässt die Transparenz hinsichtlich der fließenden Gelder stark zu wünschen übrig und steht immer wieder in der Kritik
.
Auch in Kamerun sind die großen Hoffnungen hinsichtlich der Effekte des Projekts im Bereich der Armutsbekämpfung zerstoben.
Videos zum Thema:
Auch in Bezug auf die Ausbeutung anderer Bodenschätze, wie
Eisenerz (Mbalam/Est),
Kobalt, Nickel u. Mangan (Nkamouna, Lomié/Est),
Uran (Lolodorf/Sud, Nki/Est),
Gold (Djoum, Ntem, Nkout/Sud, Batouri/Est, Rey Bouba/Nord) oder
Bauxit (Minim-Martap, Ngaoundal/Adamoua)
haben internationale Bergbaukonzerne ein Auge auf Kamerun. In den letzten Jahren wurden Bergbaulizenzen an verschiedene ausländische Investoren
vergeben. Vorallem kanadische, australische und US-Firmen sind in diesem Sektor aktiv.
Innerhalb des Dienstleistungssektors boomt die Informationstechnologie
. Während sich Computer und Internet nur in den Städten konzentrieren, sind Mobiltelefone
allgemein verbreitet und haben innerhalb kürzester Zeit sogar die kamerunischen Dörfer erobert.
Seriösen Vermutungen zufolge erwirtschaftet der informelle Sektor
Kameruns mehr als der formelle. Besonders im urbanen Bereich hält sich ein Großteil der Bevölkerung (Schätzungen sprechen von weit über 50%) mit Aktivitäten im informellen Sektor über Wasser.
75 % der Bevölkerung legen ihr Geld in informellen Sparvereinen (Tontines
) an, die auch ein System sozialer Absicherung darstellen.
Der Binnenhandel findet zumeist in Süd-Nord Richtung statt: Fisch, Holz, Früchte und Importgüter, die über den Hafen von Douala ins Land kommen, werden nach Norden, Fleisch und Zwiebeln Richtung Süden transportiert.
Kamerun hatte in den letzten Jahren eine fast ausgeglichen Handelsbilanz, die aber in den letzten Jahren aus dem Gleichgewicht
geriet. Dieser Trend setzt sich fort. Die weltweite Finanzkrise macht(e) sich auch in Kamerun massiv bemerkbar
.
Haupthandelspartner ist nach wie vor die europäische Union, insbesondere Frankreich. Die Bedeutung Chinas nimmt rasant zu und China ist inzwischen Hauptexportabnehmer Kameruns (Rohholz!).Die USA sind führend in Bezug auf Investitionen (Tschad-Kamerun-Pipeline, AES SONEL).
Hauptexportprodukte
sind Erdöl, Holz
, Kaffee, Kakao
, Aluminium und Baumwolle
.
Über die Hälfte der Kameruner sind von mehrdimensionaler Armut
betroffen. Bei den Armutindikatoren
wie die landsspezifische durchschnittlichen Schuljahre (5,9) die Lebenserwartung (51,6) oder die Müttersterblichkeit (600 Sterbefälle auf 100 000 Geburten) dürfen die großen regionale Unterschiede nicht vergessen werden. Das Schlagwort:"Armut ist weiblich", kann für Kamerun wie folgt ergänzt werden: "Armut ist weiblich, ländlich und bewohnt den Norden."
Die Millenium Development Goals für Kamerun
wurden wie folgt festgesetzt: Halbierung von Hunger und Armut, Grundschulausbildung für alle Kinder, keine Genderdisparität in der Schulausbildung, Senkung der Kinder- und Müttersterblichkeit, Aufhalten der HIV-und Malariaverbreitung, Zugang zu Trinkwasser und die Etablierung eines Handels-und Finanzsystems, das an die Erfordernisse eines Entwicklungslandes angepasst ist. - Schon ohne Weltwirtschaftkrise eine ambitionierte Zielvorgabe
. So wurde beispielsweise eine Wachstumsrate von 7% errechnet, um das Milleniumsziel "Armutshalbierung" bis 2015 zu erreichen,- faktisch wurden in den Jahren 2000-2010 jährliche Raten zwischen 2 und 3,5% erreicht.
Das Programme National de Développement Participatif (PNDP)
ist ein Programm der kamerunischen Regierung für partizipative Entwicklung, das sich an die ländliche Bevölkerung wendet (Sicherung der Grundversorgung, lokale selbstbestimmte Entwicklung, Dezentralisierung) und das von Weltbank, der KfW Entwicklungsbank und der Agence Française de Développement (AFD) mitgetragen wird.
Das Weltbankentwicklungskonzept, das Comprehensive Development Framework (CDF)
, das einen ganzheitlichen Ansatz verfolgt,- indem Wirtschafts-, Fiskal- und Sozialpolitik und -geschichte sowie die Struktur eines Landes berücksichtigt werden, findet auch in Kamerun seine Anwendung. Die Weltbank (WB, BM) engagiert sich momentan mit 24 Projekten
.
Die UN-Organisation IFAD (International Fund for Agricultural Development)
engagiert sich ebenfalls mit einem IFAD Landesprogramm
in der Armutsbekämpfung.
Die African Development Bank Group (AfDB)
finanziert Projekte z.B. im Gesundheitsbereich oder zur Verbesserung der Infrastruktur.
Kamerun gehörte zu den frühen Partnern deutscher Entwicklungszusammenarbeit. So feierte der DED im Jahr 2005 das 40. Jubiläum seines Engagements in Kamerun.
Seit der Fusion von DED
, GTZ
und InWEnt 2011 setzt die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) die Arbeit in Kamerun fort. Schwerpunktbereiche sind Gesundheit (u.a. HIV/AIDS), Umwelt (Nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen) und Dezentralisierung, partizipative Entwicklung und Regierungsführung.
Der Evangelische Entwicklungsdienst
arbeitet ebenfalls in Kamerun und unterstützt, neben z.B. Projekten zur Stärkung der Zivilgesellschaft, unter anderem die Kampagne der kamerunischen NRO ACDIC (Association Citoyenne de Defense des Interets Collectifs)
, die u.a. gegen den Import von Geflügelresten aus Europa nach Afrika kämpft.
Durch intensive Öffentlichkeitsarbeit, die einher ging mit der Gründung von Filialen des Vereins in vielen kamerunischen Städten, ist es gelungen, die Importe gefrorener Hähnchen zurückzudrängen.
Auf der Seite der KfW Entwicklungsbank in Kamerun
können die aktuellen Projekte der finanziellen Zusammenarbeit eingesehen werden
Die Agence Française de Développement (AFD)
unterhält Projekte u.a. im Bereich Landwirtschaft, Infrastruktur, Gesundheit und Bildung.
Der niederländische Entwicklungsdienst SNV
arbeitet u.a. in einem Projekt mit Baka Pygmäen.
Der Europäische Entwicklungsfonds (EDF, FED)
engagiert sich ebenfalls in der Armutsbekämpfung in den Bereichen: ländliche Entwicklung, Dezentralisierung, Unterstützung nichtstaatlicher Akteure etc.
Jahrgang 1958, Dipl.agr.ing.
1991-1999 Mit dem DED in Rwanda und Kamerun (Schwerpunkt Ländl. Entwicklung und Organisationsförderung)
Seit 1999: freiberufliche Tätigkeit als Referentin in der entwicklungspädagogischen und entwicklungspolitischen Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit des DED u.a.
Seit 2003: landeskundliche Tutorin für Kamerun bei InWEnt-Vorbereitungsstätte für Entwicklungszusammenarbeit
Reiseleiterin für Kamerun bei Projekt- und Begegnungsreisen
Über Anregungen und Kommentare würde ich mich freuen.
Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Januar 2011 aktualisiert.
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