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Zeitungen sind wichtig in der politischen Diskussion

Geschichte, Staat und Politik

BeschreibungInhalt
Tag der Unabhängigkeit:12. Dezember 1963
Staatsoberhaupt:Präsident Mwai Kibaki
Regierungschef:Ministerpäsident Raila Odinga
Politisches System:Präsidiale Demokratie
Demokratie Status- Index (BTI):Rang 40 (von 125)
Korruptionsindex (CPI):Rang 147 (von 180)

Geschichte & Staat

Kenyatta als Redner
Der spätere Präsident Jomo Kenyatta bei einer Rede

Geschichte Kenias

Besonderheiten der Landesgeschichte

In den meisten Internetquellen zu Kenia beginnt ein geschichtlicher Abriss mit den archäologischen Funden von Skeletten früher Hominiden und leitet dann mit einem Hinweis auf die 'Herrschaft arabischer Sklavenhändler' an der Küste sehr schnell zum Bau der Uganda Eisenbahn und dem Beginn der britischen Kolonialherrschaft über.

Das Fehlen schriftlicher Quellen bedeutet jedoch nicht, dass es auf dem Gebiet des heutigen Kenias keine geschichtlichen Entwicklungen gegeben hätte. Wie in anderen Teilen Afrikas war auch Ostfafrika geprägt von Migrationsbewegungen unterschiedlicher Kulturen, von gewaltsamen Konflikten aber auch ebenso von Handel und Austausch. Die Geschichte der Swahili-KulturÖffnet externen Link in neuem Fenster an der ostafrikanischen Küste zeigt mindestens genauso viele afrikanische Einflüsse wie arabische. Die archäologischen Ausgrabungen in der verlassenen Stadt GediÖffnet externen Link in neuem Fenster geben Zeugnis über urbanen Lebensstil schon vor mehr als 600 Jahren und Handelsverbindungen bis China.

Das Bild von den geschichtlosen afrikanischen Barbaren (oder bestenfalls 'edlen Wilden'), das auch als Rechtfertigungsmythos von den britischen Kolonialisten der ersten Stunde geprägt wurde, wirkt jedoch immer noch weiter - im Keniabild von europäischen Touristen und Geschäftsleuten aber auch im gebrochenen Geschichtsbewusstsein der Kenianer.

Einen trotz Vorbehalten lesenwerten Abriss der kenianischen GeschichteÖffnet externen Link in neuem Fenster, der auch den Themen Unterdrückung und Widerstand während der Kolonialzeit Rechnung gibt, bietet das Kapitel Geschichte im Online-Reiseführer von 'Lonely Planet'.

Zeittafel zur Geschichte

Einen guten Überblick über wichtige Daten der Geschichte Kenias erhalten Sie mit der Timeline Kenya auf den Seiten der BBC.

 

Entstehung des heutigen Staates

Jomo Kenyatta
Jomo Kenyatta als Präsident

Der Weg zur Unabhängigkeit KeniasÖffnet externen Link in neuem Fenster ist zum einen verbunden mit dem Namen des späteren ersten Präsidenten Jomo Kenyatta zum anderen mit der Guerilla-Bewegung 'Mau Mau'.

Als einer der wenigen afrikanischen Kenianer, die in der Kolonialzeit Gelegenheit zu einem Universitätsstudium bekamen, wurde Kenyatta (eigentlich Johnstone Kamau) in Europa zunächst bekannt durch seine ethnographische Monographie über die Volksgruppe der Kikuyu "Facing Mount Kenya", die 1938 veröffentlicht wurde. Bereits vorher war er jedoch als Journalist und Agitator aktiv in der Interessenvertretung der afrikanischen Bevölkerung Kenias. Als 1952 erstmals eine geheime Bewegung die 'Mau Mau' genannt wurde, durch Überfälle auf weiße Farmen von sich Reden machte, wurde Kenyatta von den Kolonialbehörden schnell als Drahtzieher verdächtigt. Kenyatta wies dies unter anderem in einer Rede vor Anhängern der nach dem Krieg gegründeten Kenya African UnionÖffnet externen Link in neuem Fenster in Nyeri von sich. Trotzdem wurde Kenyatta später als Rädelsführer verhaftet und an einem abgeschiedenen Ort jahrelang unter Hausarrest gestellt.

Die Mau Mau Bewegung selbst hatte mehr symbolische, denn militärische Bedeutung für das Streben der afrikanischen Kenianer nach Unabhängigkeit. Von der britischen Kolonialadministration und den Medien in den 50er Jahren als blutrünstige Buschkrieger diffamiert, wurden die Kämpfer später oft zu heroischen Freiheitskämpfern stilisiert. Tatsache ist, das Mau Mau die Kolonialmacht Großbritannien zu einer Militarisierung des gesamten Lebens in Kenia veranlasste, bei der tausende Kenianer ihr Leben ließen. Britische Historiker bemühen sich um eine geschichtliche Aufarbeitung des schmutzigen KriegesÖffnet externen Link in neuem Fenster.

Der militärische Erfolg der Briten mündete in ein politisches Desaster, das die Regierung in London schließlich zur Aufgabe der Kolonie Kenya zwang. Erster Präsident Kenyas (und wegen seiner außenpolitisch moderaten Führung später von den Briten geschätzt) wurde Jomo Kenyatta.

Staat

Staatsform

Seit dem Ende der britischen Kolonialherrschaft 1963 ist Kenia eine Republik mit weitreichenden Regierungs- und Machtbefugnissen für den vom Volk direkt gewählten Präsidenten. Einen Überblick über die politische Struktur in Kenya (Parlament, Verwaltung, High Court, Parteien) finden sie auf der Seite 'Politics of Kenya'Öffnet externen Link in neuem Fenster.

Als Folge der Auseinandersetzungen nach den Wahlen vom Dezember 2007 einigten sich die Kontrahenden im April 2008 als Kompromis auf eine Machtteilung zwischen dem Präsidenten und einem Ministerpräsidenten.

Jeweils gleichzeitig mit den Präsidentschaftswahlen finden auch die Parlamentswahlen statt. Offiziell dient das ParlamentÖffnet externen Link in neuem Fenster als Korrektiv der präsidialen Macht.

Verfassung

Für die Verfassung KeniasÖffnet externen Link in neuem Fenster ist bereits seit mehreren Jahren eine ReformÖffnet externen Link in neuem Fenster geplant, nach der die Macht zwischen dem Präsidenten und einem Premierminister geteilt werden soll und mehr demokratische Gestaltungsmöglichkeiten in die Provinzen und Distrikte verlagert werden sollen. Nach mehreren heftig umstrittenen Überabeitungen des Verfassungsentwurfs sollte der Präsident allerdings auch in der neuen Verfassung wieder weitreichende Einflussmöglichkeiten haben.

Ende November 2005 votierten allerdings über 60% der stimmberechtigten Kenianer in einem VolksentscheidÖffnet externen Link in neuem Fenster gegen diesen Entwurf.

Ein neuer Verfassungsentwurf soll im Frühjahr 2009 vorliegen.

 

Formaler Staatsaufbau und regionale staatliche Gliederung

Kenia ist administrativ in sieben ProvinzenÖffnet externen Link in neuem Fenster gegliedert. Zusätzlich hat die Region um die Hauptstadt Nairobi einen Sonderstatus. Die Provinzen bestehen jeweils aus mehreren Distrikten, die zum Großteil noch aus der britischen Kolonialzeit stammen. Ebenso aus der Kolonialzeit übernommen ist der hierarchische Verwaltungsaufbau. Der Präsident ernennt die 'Provincial Commissioner' (PC), die die Weisungen des Präsidenten auf Provinzebene umzusetzen haben. Die PCs wiederum ernennen District Commissioner (DC), die die Regierungspolitik auf Distriktebene zu vertreten haben. Auch die lokalen Entscheidungsstrukturen (Local GovernmentÖffnet externen Link in neuem Fenster) sind weiterhin von der Kolonialzeit geprägt. Die Chiefs (Häuptlinge) in den Dörfern sind weder traditionelle Führer noch gewählte Gemeindevertreter, sondern werden von der Distriktverwaltung ernannt.

Recht, Ordnung und staatliche Sicherheit

Das Kenianische RechtsystemÖffnet externen Link in neuem Fenster ist an das britische angelehnt. Schon in der Kolonialzeit wurden jedoch vor allem im Zivilrecht auch 'traditionelle' Rechtsysteme angewandt. Die Rechtsquellen des sogennanten 'Customary Law' basieren auf afrikanischen Traditionen (mit großem Spielraum für Interpretationen) oder in den islamisch geprägten Gemeinden an der Küste auf dem islamischen RechtÖffnet externen Link in neuem Fenster.

Für die Sicherheit innerhalb des Landes ist die kenianische PolizeiÖffnet externen Link in neuem Fenster zuständig, die schlecht ausgerüstet und schlecht bezahlt ist. Gegen die wachsende Gewaltkriminalität ist die Polizei zumeist machtlos. Aufgrund der schlechten Bezahlung sehen es viele Streifenpolizisten als ihr gutes Recht an, insbesondere von Autofahrern unter Androhung von Zwangsmaßnahmen einen 'Wegezoll' zu verlangen.

Die kenianische ArmeeÖffnet externen Link in neuem Fenster ist innenpolitisch allein bei einem gescheiterten Putschversuch gegen den früheren Präsidenten Moi im Jahre 1982 in Erscheinung getreten. Seitdem waren die Streitkräfte einerseits gegenüber dem alten wie dem neuen Präsidenten loyal, ließen sich aber auch nicht für innenpolitische Machtkämpfe missbrauchen. Wiederholt beteiligte sich kenianische Soldaten bei UN-EinsätzenÖffnet externen Link in neuem Fenster, so z.B. in Bosnien.

Innenpolitische Themen

2002:Ende der Einparteienherrschaft

Als demokratischen Aufbruch sahen die Mehrheit der Kenianer und viele ausländische Beobachter den Regierungswechsel bei den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen 2002. Mwai Kibaki, der Kanditat des Oppositionsbündnisses 'National Rainbow Coalition' (NARC), wurde neuer Präsident Kenias. NARC konnte die absolute Mehrheit der Sitze im Parlament erringen. Eine Zusammenfassung des schwierigen Transformationsprozesses Öffnet externen Link in neuem Fensterbis zu den Wahlen 2002 bietet ein Text der Bertelsmannstiftung.

Damit gingen fast 40 Jahre Regierung der Kenia African National Union (KANU) Öffnet externen Link in neuem Fensterzuende. KANU war für den Staatsgründer und ersten Präsidenten Jomo KenyattaÖffnet externen Link in neuem Fenster Basis der Macht. Nach Kenyattas Tod 1978 übernahm als Kompromisslösung Daniel arap MoiÖffnet externen Link in neuem Fenster die Führung der Partei und die Präsidentschaft. Er regierte bis zum Sieg Kibakis das Land 23 Jahre autokratisch. Im Vergleich zu anderen Staaten Afrikas blieb Kenya in dieser Zeit stabil und loyal zum Westen. In Zeiten des kalten Krieges übersahen daher die USA und andere westliche Länder gerne die zunehmenden Menschenrechtsverletzungen und die Korruption. Insgesamt hat die Regierungszeit MoisÖffnet externen Link in neuem Fenster den Kenianern ein schweres Erbe hinterlassen.

Kibaki
Daniel arap Moi (links) und Mwai Kibaki (rechts)

Der offizielle LebenslaufÖffnet externen Link in neuem Fenster auf der Internetseite des Kenya State House zeigt, dass Kibaki selbst lange Jahre Mitglied der KANU-Machtelite war.

An die neue Regierung knüpften nach den Wahlen von 2002 viele Kenianer und auch das Ausland große Erwartungen. Inzwischen hat sich Enttäuschung breitgemacht. Abgesehen von der Einführung einer kostenlosen PrimarbildungÖffnet externen Link in neuem Fenster bis zur achten Klasse hat die Regierung bisher keines der Wahlversprechen erfüllt. Auf der Liste stehen weiterhin die Bekämpfung der KorruptionÖffnet externen Link in neuem Fenster, die Schaffung von Arbeitsplätzen und die Verabschiedung einer neuen Verfassung. Das Presseamt der Regierung präsentiert allerdings die bisherige Bilanz aus Kibakis Präsidentschaft als ErfolgsgeschichteÖffnet externen Link in neuem Fenster.

Einen Überblick über die politische Entwicklung in den Jahren der Präsidentschaft Kibakis gewinnen Sie aus einer ersten ZwischenbilanzÖffnet externen Link in neuem Fenster von Roland Schwartz (Friedrich Ebert Stiftung, Nairobi) zum Zeitpunkt Herbst 2003 und aus einer ziemlich ernüchterten Einschätzung der Situation im Sommer 2006Öffnet externen Link in neuem Fenster, von Fritz Kopsieker und Sophie Kraume (ebenfalls für die FES).

Politische Auseinandersetzungen und Machtkämpfe

Das Bündnis von 2002 gegen die frühere Einheitspartei KANU, die Regenbogenkoalition NARC, zerfiel binnen einen Jahres und die einstigen Partner wurden schärfste politische Gegner. Etliche Politprofis sahen das Wahlbündnis ohnehin nur als Mittel zur Erlangung der Macht und verfolgten ihre eigenen Ambitionen. Im Namen der nationalen Einheit versuchte Kibaki daher auch im Parlament Teile der KANU-Fraktion einzubinden - ohne längerfristigen Erfolg.

Als der Herausforderer Kibakis profilierte sich schließlich Raila OdingaÖffnet externen Link in neuem Fenster, einst Gegner des Moi Regimes, dann Verkehrsminister unter Kibaki und schließlich Führer des Oppositionsbündnisses ODM (Orange Democratic Movement).

Raila Odinga
Raila Odinga

Die Wahlen von 2007: Am Rande eines Bürgerkriegs

Im Verlauf des Wahljahres 2007 gab es überraschende Wendungen in der politischen Landschaft Kenias.

Noch 2006 sah sich die frühere Einheitspartei KANU als eine führende Kraft des Oppositionsbündnisses 'Orange Democratic Movement' (ODM). Zeitweilig war sogar eine Parteiauflösung zugunsten des ODM in der Diskussion. Im September 2007 verkündete dann der Parteivorsitzende Uhuru Kenyatta (wohl auch mit Billigung des früheren Präsidenten Moi), er werde mit KANU Öffnet externen Link in neuem Fensterdie Wahl Kibakis für eine zweite Amtszeit unterstützen.

Kibaki trat als Kandidat seines erst im Herbst 2007 gegründeten Wahlbündnisses 'Party of National Unity' Öffnet externen Link in neuem Fenster(PNU) an.

Auf Seiten des ODM führten die Aspirationen auf die Präsidentschaft zum endgültigen Zerwürfnis zwischen den Parteiführern Raila Odinga und Kalonzo Musyoka. Der als sicher geglaubte Wahlsieg des ODM wurde nicht zuletzt auch durch die Abkehr der KANU und die Spaltung in Odingas ODM und Musyokas ODM-Kenya vereitelt.

Bereits während des Wahltags am 27. DezemberÖffnet externen Link in neuem Fenster kam es zu chaotischen Zuständen. Bei Auszählung der Stimmen wurde dann immer deutlicher, dass es bei der Wahl zu eklantanten UnregelmäßigkeitenÖffnet externen Link in neuem Fenster gekommen war. Die auffälligen Verzögerungen bei der Auszählung der Stimmen führte zu ersten Protesten von Anhängern der OppositionÖffnet externen Link in neuem Fenster. Nach der Bekanntgabe der Wiederwahl KibakisÖffnet externen Link in neuem Fenster durch den Leiter der Wahlkommission kündigten Oppositionspolitiker an, Odinga als GegenpräsidentenÖffnet externen Link in neuem Fenster auszurufen. Eine Spirale von Gewalt und Gegengewalt eskalierte. Während in Nairobi die Polizei mutmaßliche Anhänger der Opposition niederknüppelte, begann im Rift Valley und in der Nyanza Provinz der Mob die Hatz auf Angehörige der Ethnie der Kikuyu und andere Gruppen, die als Unterstützer Kibakis gelten. 'Aufruhr in Kenia'Öffnet externen Link in neuem Fenster und "Nun versinkt alles im Blut" titelte der Spiegel anfang Januar. Die Zahl der Todesopfer stieg in die hunderte, die der innerhalb des Landes Vertriebenen in die hunderttausende. Selbst in den FlüchtlingslagernÖffnet externen Link in neuem Fenster waren die Menschen nicht sicher vor weiteren Angriffen. Menschenrechtsorganisationen berichteten, dass entgegen allen Beteuerungungen auch hochrangige Politiker Gewalttätigkeiten gesteuertÖffnet externen Link in neuem Fenster hätten.

Internationale VermittlungsversucheÖffnet externen Link in neuem Fenster hatten zunächst wenig Erfolg. Erst die hartnäckigen Bemühungen des ehemaligen UNO-Generalsekretärs Kofi Annan brachte die Kontrahenden Kibaki und Odinga zu ernsthaften Gesprächen und schließlich Ende Februar 2008 zu einer Einigung über eine Beteiligung Odingas und der ODM in der RegierungÖffnet externen Link in neuem Fenster. Bei den Verhandlungen über die Besetzung von RegierungspostenÖffnet externen Link in neuem Fenster mussten in beiden Lagern die Befindlichkeiten von regionalen politischen Größen beachtet werden. Daher umfasst die Kabinettsliste 31 Ministerinnen und Minister.

Koalition der Kontrahenden

Internationale VermittlungsversucheÖffnet externen Link in neuem Fenster hatten zunächst wenig Erfolg. Erst die hartnäckigen Bemühungen des ehemaligen UNO-Generalsekretärs Kofi Annan brachte die Kontrahenden Kibaki und Odinga zu ernsthaften Gesprächen und schließlich Ende Februar 2008 zu einer Einigung über eine Beteiligung Odingas und der ODM in der RegierungÖffnet externen Link in neuem Fenster. Bei den Verhandlungen über die Besetzung von RegierungspostenÖffnet externen Link in neuem Fenster mussten in beiden Lagern die Befindlichkeiten von regionalen politischen Größen beachtet werden. Daher umfasst die KabinettslisteÖffnet externen Link in neuem Fenster nun mehr als dreißig Ministerinnen und Minister.


Die Regierung von Kibaki und Odinga hat erstaunlicherweise das Jahr 2008 überstanden. Darüber sind die noch immer zehntausenden von Binnenflüchtlingen fast vergessen. Noch immer Leben die Flüchtlinge in LagernÖffnet externen Link in neuem Fenster, viele von ihnen befürchten bei einer Rückkehr neue GewalttatenÖffnet externen Link in neuem Fenster.

Zwei unabhängige Kommissionen untersuchten die Geschehnisse während und nach der WahlÖffnet externen Link in neuem Fenster. Die eine Kommission unter Leitung des südafrikanischen Richters Johan Kriegler befasste sich mit der Durchführung der umstrittenen Wahl vom Dezember 2007, mit dem Ergebniss, dass eine massive Wahlfälschung zugunsten Kibakis nicht belegbar sei. In der  Kommision zur Untersuchung der Gewalttaten zeigte die kenianische Justiz in Person des leitenden Richters Philip Waki Courage. Waki übergab eine noch geheime Liste mit zehn mutmaßlichen Hauptverantwortlichen (darunter wahrscheinlich auch amtierende Minister aus beiden Lagern) an Präsident Kibaki, Ministerpräsident Odinga und den Vermittler Kofi Annan. Sollte die kenianische Regierung nicht selbst den Weg für ein Verfahren gegen die Drahtzieher der Gewalt in die Wege leiten, droht Waki die Angelegenheit an den internationalen Strafgerichtshof in Den Haag weiterzuleiten. Nachdem Kofi Annan im Juli 2009 tatsächlich einen versiegelten Umschlag mit den Namen der Hauptverantwortlichen und weitere Unterlagen nach Den Haag Öffnet externen Link in neuem Fensterschickte, steht die Regierung Kenias unter Zugzwang.

 

 

Politische Parteien

Auf den ersten Blick ist die Parteienlandschaft Kenias vielfältig. Zur Wahl im Dezember 2007 waren 144 Parteien registriert. Im neuen Parlament sind davon 23 vertreten. Ein Blick auf die Sitzverteilung zeigt, dass die meisten der Parteien keine oder nur wenige Mandate erringen konnten.

Die Programme der ParteienÖffnet externen Link in neuem Fenster unterscheiden sich wenig. De facto sind in der sehr personalisierten kenianischen Politik auch die Parteien jeweils auf wenige beherrschende Personen zugeschnitten. Ein neues ParteiengesetzÖffnet externen Link in neuem Fenster soll die Zahl der 'Briefkastenparteien' reduzieren und in den aktiven Parteien die Strukturen durch staatliche Zuschüsse stärken.

Frauen in der kenianischen Politik

Nur wenigen Frauen gelingt es, in die Männerwelt der kenianischen Politik vorzudringen.

Für eine Sensation sorgte Wangari Maathai: Die langjährige Umweltaktivistin und Gründerin des 'Green Belt Movement' erhielt den Friedensnobelpreis für 2004. Dies ist eine Ermutigung für viele kenianische Frauen, auch gegen Widerstände ihren Weg zu gehen. Als Nobelpreisträgerin war Frau Maathai inzwischen Gastrednerin bei Wirtschaftsforen in der Schweiz und diskutierte beim Kirchentag 2005 in Hannover mit Gerhard Schröder. Mehrere Jahre war Maathai unter Präsident Kibaki Vizeministerin für Umweltfragen. Inzwischen ist sie wieder außerhalb von Regierung und Parlament politisch aktivÖffnet externen Link in neuem Fenster.

Auch in den wechselnden Besetzungen für weitere Ministerien waren unter Kibaki wenige Frauen vertreten. Die ambitionierte Charity Ngilu war mehrere Jahre Gesundheistministerin und gleichzeitig eine erfolgreiche Unternehmerin. Noch als Ministerin wechselte sie im Sommer 2007 die Fronten. Spektakulär war ihre Verhaftung unter Beschuldigung der Fluchthilfe für eine inhaftierte Frauenrechtlerin.

Bei den Wahlen von 2007 konnten konnten immerhin mehr Frauen einen Parlamentssitz erringen als vier Jahre zuvor. Dies, obwohl in den Parteistrukturen Frauen weiterhin benachteiligtÖffnet externen Link in neuem Fenster werden. Doch mit 19 von 220 AbgeordnetenÖffnet externen Link in neuem Fenster des aktuellen Parlaments sind die kenianischen Frauen weiterhin eklatant unterrepräsentiert. Parteiübergreifend fordern die Parlamentarierinnen einen Frauenanteil von mindestens einem DrittelÖffnet externen Link in neuem Fenster der Parlamenstsitze und Parteiposten.

Couragiert zeigt sich die neue Justizministerin Martha Karua, die sowohl für eine lückenlose Aufklärung der politisch motivierten Gewalt nach den Wahlen eintritt, als auch der sexualisierten GewaltÖffnet externen Link in neuem Fenster gegen Frauen den Kampf angesagt hat. Auf Karuas HomepageÖffnet externen Link in neuem Fenster fordern Anhänger ihre Präsidentschaftskandidatur bei den nächsten Wahlen.

Bild Martha Karua
Neue Hoffnungsträgerin: Martha Karua

Zivilgesellschaft und Menschenrechte

Unabhängige Organisationen der Zivilgesellschaft und Menschenrechtsgruppen haben in Kenia wieder an Beteutung gewonnen.

Die Organisation UshahidiÖffnet externen Link in neuem Fenster ('Tatsache') dokumentiert Fälle von politisch motivierter Gewalt.

Dem Thema Korruption widmet sich die Arbeit des kenianischen Landeszweiges von Transparency InternationalÖffnet externen Link in neuem Fenster. Lesen Sie den Bericht für 2008Öffnet externen Link in neuem Fenster zur Korruption in Kenia

Auch die Standesvereinigung der Juristen die 'Law Society of Kenya'Öffnet externen Link in neuem Fenster nimmt häufig Stellung zur laufenden Gesetzgebung. Die bereits während des Moi-Regimes sehr aktive Kenya Human Rights CommissionÖffnet externen Link in neuem Fenster versteht sich weiterhin als Anwalt der Rechtlosen gegenüber staatlicher Willkür. Einen genauen Blick auf die Arbeit der Parlamentarier verspricht die Organisation 'MzalendoÖffnet externen Link in neuem Fenster'.

Von den internationalen Menschenrechtsorganisationen befasst sich Human Rights Watch Öffnet externen Link in neuem Fensterbesonders mit der Frage der Eigentumsrechte der kenianischen Frauen, ein dringendes Problem vor allem für Frauen auf dem Lande. Amnesty International sieht auch im letzten JahresberichtÖffnet externen Link in neuem Fenster die Menschenrechte in Kenia wieder auf dem Rückschritt

Presse und andere öffentlichen Medien

Schon unter dem repressiven Regime des Präsidenten Moi war die Presse zum Teil erstaunlich kritisch gegenüber der Regierungspolitik und maßgeblich bei der Aufdeckung von Korruptionsskandalen beteiligt. Mit Razzien in den Redaktionen und der Verhaftung von Journalisten hatte das Moi-Regime wenig Erfolg. Rundfunk und Fernsehen konnte Moi hingegen weitgehend unter seiner Kontrolle halten.

Heute präsentiert sich das nichtstaatliche MedienangebotÖffnet externen Link in neuem Fenster bunter denn je, oft aber auch kommerzieller.

Maßstab für engagierten Journalismus in Kenia ist nach wie vor die Zeitung 'Daily Nation'Öffnet externen Link in neuem Fenster. Da das Blatt zu dem in Kenia mit Wirtschaftsunternehmen, Schulen, Hospitälern und Entwicklungsprojekten einflussreichen Aga Khan-Imperium gehört, war es bereits unter dem Moi Regime weitgehend unabhängig und frei von Zensur.

Eine Alternative, in der Sie die wichtigsten Artikel der 'Nation' und weiterer Zeitungen mit einem Tag Verzögerung lesen können, ist die Online-Nachrichtenseite 'allafrica.com'Öffnet externen Link in neuem Fenster.

Die Zeitung 'East African Standard'Öffnet externen Link in neuem Fenster ist etwas bunter aufgemacht und beansprucht ebenfalls, die führende Tageszeitung zu sein. Das Blatt gehört zwei Mitgliedern der Nomenklatura um den früheren Präsidenten Moi.

Als Informationsmedium für ganz Ostafrika, vor allem zu Wirtschaftsthemen, versteht sich die Wochenzeitung 'The East African'Öffnet externen Link in neuem Fenster, die ebenfalls zur Nation-Group gehört.

Als modernes Wirtschaftsmagazin präsentiert sich auch die Internetzeitung 'Busines Daily'Öffnet externen Link in neuem Fenster (ebenfalls ein Produkt der Nation-Group).

Hören Sie doch einmal rein in einen der kenianischen Radiosender, die auch über das Internet zu empfangen sind. Der kommerzielle Sender 'Capital.FM'Öffnet externen Link in neuem Fenster ist über Antenne im Großraum Nairobi zu hören und bietet neben internationaler Musik aktuelle Nachrichten und vor allem kenianische 'Lifestyle-Themen'. Auch der staatliche 'Kenya Broadcasting Service'Öffnet externen Link in neuem Fenster bringt aktuelle Nachrichten im Internet.

Obwohl Kibaki unter dem Banner des demokratischen Wandels angetreten war, sind jedoch inzwischen auch unter seiner Präsidentschaft die Medien wieder Ziel von stattlicher WillkürÖffnet externen Link in neuem Fenster geworden. Polizei stürmte die Druckerei des 'Standard' und die Sendeeinrichtungen des KTN (Kenya Television Network). Umstritten war auch ein neues Mediengesetz, das Kibaki noch im Sommer 2007 einführte.

Außenpolitische Themen

Kenia im regionalen und internationalen Kontext

Kämpfe der Warlords in Somalia, Sezessionsbestrebungen der Oromo in Äthiopien, Bürgerkrieg im Süden Sudans: An den nördlichen Landesgrenzen reiht sich eine Konfliktregion an die andere. Auch der Norden des Nachbarlandes Uganda ist trotz gegenteiliger Beteuerungen der ugandischen Regierung weiterhin alles andere als sicher. In diesem Umfeld erscheint Kenia als Hort der Stabilität. Dies würdigt auch die Deutsche Botschaft in Kenia in ihrer Bewertung der Deutsch-Kenianischen BeziehungenÖffnet externen Link in neuem Fenster.

Besondere Beziehungen hat Kenia zu den USA. Nicht von ungefähr startete US-Außenministerin Hillary Clinton ihre erste Afrikareise in KeniaÖffnet externen Link in neuem Fenster. Die Vereinigten Staaten sind der wichtigste Handelspartner Kenias, der Hafen von Mombasa hat für die US-Marine strategische Bedeutung. Immer mehr junge Kenianer studieren an amerikanischen Universitäten - darin besteht aber auch die Gefahr eines 'Brain-Drain'Öffnet externen Link in neuem Fenster.

In der ostafrikanischen Region ist Kenia das wirtschaftlich stärkste Land. Dies stärkt auch seine Position in der East African CommunityÖffnet externen Link in neuem Fenster (EAC), in der Kenia, Tansania und Uganda nach einem gescheiterten Zusammenschluss in früheren Jahrzehnten nun wirtschaftlich und politisch wieder enger zusammen gehen wollen.

Kenias Hauptstadt Nairobi ist Sitz von vielen Firmenvertretungen für Afrika südlich der Sahara und ebenfalls Sitz von internationalen Institutionen wie das United Nations Environment ProgrammeÖffnet externen Link in neuem Fenster (UNEP), HABITATÖffnet externen Link in neuem Fenster, das Regionalbüro des United Nations Development Programme Öffnet externen Link in neuem Fenster(UNDP) und vielen weiteren UN-OrganisationenÖffnet externen Link in neuem Fenster.


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