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Die Geschichte der Demokratische Republik Kongo
wurde von Fremdherrschaft, Diktatoren und Bürgerkriegen geprägt. Unter der Erde schlummern die größten Naturreichtümer Afrikas, Coltan-, Zinn-, Kupfer-, Uran-, Erdöl-, Gold- und Diamantenvorkommen, der Boden ist fruchtbar und die tropischen Regenwälder bergen eine reiche Artenvielfalt.
Gerade das wird dem Kongo immer wieder zum Verhängnis. Sowohl europäische Staaten als auch die afrikanischen Nachbarn waren im Laufe der Geschichte
daran beteiligt die natürliche Schätze Kongos auszubeuten
.

1885 erklärte der belgische König Leopold II
auf der Berliner Konferenz
das Gebiet des Kongo und alle seine Bewohner zu seinem Privatbesitz.
In den Folgejahren (Chronologie)
kam es bei der wirtschaftlichen Ausbeutung zu derart grausamen Exzessen
, dass Leopold auf internationalem Druck hin gezwungen war, den Kongo 1908 als Kolonie an den belgischen Staat zu übergeben. Die weiteren Machenschaften der belgischen Kolonialherren und eine beispiellos kurze Übergangszeit in die Unabhängigkeit (1960) führten ab den 60er Jahren zu schweren Unruhen und bürgerkriegsartigen Zuständen. Der erste Premierminister Patrice Lumumba
, Führer der kongolesischen Unabhängigkeitsbewegung, wurde 1961 Opfer eines politischen Mordes
.

Sezessionsbestrebungen
der an Bodenschätzen überreichen Südprovinz Katanga Anfang der 60er Jahre versetzte die neue unabhängige Republik in ein politisches Chaos.
Während sich in der regionalen Metropole Leopoldville die Politiker um die Macht stritten und in dem riesigen Land die Stämme ihre alten Fehden wieder aufnahmen, versuchte die belgische Bergwerksgesellschaft Union Minière
ihre wichtigsten Pfründe zu retten. Den passenden Verbündeten fanden Sie in Moise Tschombé
, der bereits einige Jahre zuvor die sezessionistische Partei CONAKAT (Conféderation des Associations du Katanga) in Katanga gegründet hatte.
Um seine Macht zu konsolidieren benötigte Tschombé Söldner, die aktiv in die Kämpfe eingriffen. Das änderte sich erst durch UN-Einsatz auf Drängen der USA, die nun den prowestlichen Joseph-Désiré Mobutu
unterstützten.
Obwohl die Söldner und Katanga-Gendarmen
dabei äußerst hartnäckigen Widerstand leisteten, mußten sie 1963 schließlich vor der Überlegenheit der UN-Einsätze weichen. Nach Anfangsschwierigkeiten griffen UN-Truppen ihrerseits zu Indischen Gurkas
als Söldner und nutzten Ihre Luftüberlegenheit.
Mobutu beherrschte 1971-1997 als Diktator das Land, das er in "Republik Zaire" umbenannte. In den 80er Jahren erfolgte der ökonomische Niedergang, Anfang der 90er Jahre brachen die Wirtschaft und die Infrastrukturen völlig zusammen. Nach dem Sturz Mobutus
Mitte der 90er Jahre fiel das Land - seit 1997 wieder "Demokratische Republik Kongo" - in einen verheerenden Krieg, der auch als "afrikanischer Weltkrieg"
bezeichnet wurde.

Seit 1996 gab es eine schwer zu vermietelnde hohe Anzahl Tote
(in manche Medien wird von schätzungsweise 3,5 Mio. ausgegangen). Zwischen 1998 und 2002 kämften kongolesische Rebellengruppen
sowie Truppen aus mindestens sechs anderen Ländern um die Macht und plünderten die Bodenschätze.
Der Staat zerfiel, insbesondere im Osten des Landes hat die Regierung die territoriale Kontrolle verloren. Seit April 2003 war eine Übergangsverfassung in Kraft getreten, die 2006 zunächst mit der Ratifizierung einer neuen Verfassung und schließlich, Ende 2006, mit den jüngsten demokratischen Präsidentschafts- und Parlamentswahlen abgelöst worden ist.
Ein kurzer Abriss
über die wichtigsten Eckdaten und Ereignisse in der Geschichte der Demokratischen Republik Kongo soll ein Einordnen von Ereignissen erleichtern.

Zwei rivalisierende Staatsmänner der Unabhängigkeitsbewegungen Kongos sind Joseph Kasavubu
und Patrice Lumumba
. Bei der ersten freien demokratischen Wahl wurde 1960 Lumumba zum Ministerpräsidenten gewählt und Kasavubu bekam das Präsidentenamt. Patrice Lumumba, dessen Persönlichkeit heute noch in ganz Afrika eine große Ausstrahlung besitzt, wurde im September 1960 abgesetzt und im Januar 1961 heimtückisch ermordet.
Das Land wurde dennoch überwiegend von Mobutu Sese Seko
regiert, der durch ein Militärputsch 1965 Kasavubu stürzte und 32 Jahre an der Macht blieb.

Mit Laurent Désiré Kabila
erschien 1996 ein neuer Diktator auf der politischen Bildfläche. An der Spitze der Rebellion einer neugegründeten Allianz "Alliance des Forces Démocratiques pour la Libération du Congo (AFDL)"
eroberte er das Land und führte 1996/1997, mit Hilfe der Nachbarstaaten Ruanda und Uganda, den alten Diktator Mobutu zum Sturz. Mobutu blieb nichts weiter übrig, als ins Ausland zu fliehen. Das Land hinterließ er im Chaos.
Die AFDL, gegründet am 18. Oktober 1996 durch vier politische Parteien, war ein Zweckbündnis zwischen verschiedenen Gegnern Mobutus, dessen unmittelbare Entstehung zurückging auf den bewaffneten Aufstand der Banyamulenge
in Süd-Kivu gegen das Mobutu Regime.
Präsident Kabila, der bei seinem Einzug in Kinshasa als Retter und Befreier gefeiert worden war, verspielte durch eine Politik, die sich durch Improvisation und Dilettantismus auszeichnete, seine Popularität. Am 2. August 1998 brach, nachdem Präs. Kabila die Vereinbarungen mit seinen ehemaligen Alliierten, Ruanda und Uganda, aufgekündigt hatte, im Osten des Landes erneut eine bewaffnete Rebellion
aus, die sich bis in den Norden des Landes ausbreitete. Während diese Rebellion von Ruanda und Uganda unterstützt wurde, standen dem Regime in Kinshasa Angola, Simbabwe und Namibia militärisch zur Seite. Seitdem war die DR Kongo in 4 Machtzentren aufgeteilt.
Im Januar 2001 wurde Laurent Kabila
bei einem Attentat
getötet. Das von ihm ernannte Parlament wählte seinen Sohn Joseph Kabila
zum Nachfolger.

Mit Joseph Kabila kam der Friedensprozess
besser in Gang. Das im Juli und August 1999 unterzeichnete Friedensabkommen von Lusaka
war aufgrund des fehlenden Willens der Konfliktparteien und wegen des mangelnden Interesses der internationalen Gemeinschaft während der Regierungszeit des Vaters, nicht umgesetzt worden. Der vereinbarte innerkongolesische Dialog wurde umgesetzt. Außerdem stimmte der junge Präsident dem UN-Einsatz zu. Im Juni 2001 verabschiedeten die UN eine Resolution, die den sofortigen Abzug nicht-kongolesischer Truppen forderte.
Nach einer von Spannungen überschatteten Wahl
war im Dezember 2006 mit Joseph Kabila der erste seit mehr als 40 Jahren demokratisch gewählte Präsident vereidigt worden. Die Amtseinführung Kabilas galt als Abschluss der drei Jahre dauernden Übergangsregierung, an der er und vier Vizepräsidenten beteiligt waren.
Den Amtseid legte der mit 58% gewählte Joseph Kabila
unter starken Sicherheitsvorkehrungen in Kinshasa ab. Sein Konkurrent bei der Stichwahl am 29. Oktober 2006, der frühere Rebellen-Chef Jean-Pierre Bemba
, nahm an der Zeremonie vor dem Obersten Gericht nicht teil. Er hatte sich ursprünglich geweigert das Wahlergebnis anzuerkennen, später jedoch erklärt er, er werde in die politische Opposition gehen.
Die seit dem 18. Februar 2006 geltende neue Verfassung
bestimmt eine gemäßigte präsidiale Regierungsform. Das System wird sowohl von zentralistischen als auch föderalistischen Elementen
geprägt.
Die Demokratische Republik Kongo war bisher in zehn Provinzen und einen Hauptstadtdistrikt, der neutralen Stadt (frz. Ville neutre) gegliedert. Künftig soll das Land in 25 Provinzen
und die Stadt Kinshasa gegliedert werden.
Die Provinzen und die dezentralen Einheiten (Stadt, Gemeinde, Sektor, Häuptlingsdistrikte: chefferies) werden durch lokale Organe verwaltet (Parlament und Regierung in den einzelnen Provinzen, Räte in den Städten, Gemeinden, Sektoren und Häuptlingsdistrikten).Gouverneure und Vizegouverneure werden durch den Präsidenten der Republik eingesetzt.
Die Präsidentschafts- und Parlamentswahlen
im Kongo Ende 2006 galten als Nagelprobe für die Zukunft des Landes. Mittlerweile ist die Hoffnung allerdings erheblich getrübt. Mit einem seiner wichtigsten Versprechen
, die Befriedung des Ostens, tut sich Präsident Kabila bis heute sehr schwer.
Hauptbeteiligte Rebellengruppe war bis 2008 der vom General Laurent Nkunda angeführte Nationalkongresses zur Verteidigung des Volkes
(CNDP). Nkunda ist Angehöriger der Volksgruppe der Banyamurenge
– eine aus Ruanda stammende Tutsi-Minderheit in den Kivu-Provinzen - aus der er auch Kämpfer rekrutierte. 2004 lehnte der ehemalige verbündete des Nachbarlandes Ruanda die zwischen der kongolesischen Regierung und Rebellengruppierungen
ausgehandelte Übergangsregierung ab und zog sich in die Provinz Nordkivu zurück. Von dort aus kontrollierte er ein großes Einzugsgebiet, das seine Truppen im Kampf sowohl gegen die kongolesische Regierungsarmee als auch gegen die zweite Rebellengruppe: FDLR
(Forces démocratiques de libération pour le Rwanda) verteidigt.
Nach gescheiterten Friedensgesprächen, Waffenstillstand und eine interne Spaltung
innerhalb CNDP – Rebellen meldete die ruandische Regierung am 22. Januar 2009 die Festnahme Nkundas
auf ruandischem Staatsgebiet nahe an der Grenze zum Kongo. Daraufhin folgte eine politische Einigung
zwischen den langjährigen Konfliktländern Ruanda und der D.R.Kongo was zu deutlich verbesserten Beziehungen und einer Zusammenarbeit im Kampf gegen die FDLR-Hutu-Milizen führte.
In den ostkongolesischen Provinzen Nord- und Sudkivu dauert trotz verbesserter Beziehungen der Konflikt weiter an. Unterstützt durch die UN-Mission "Monusco
" kämpft dort bisheute
die kongolesische Nationalarmee gegen Rebellengruppen um die FDLR und Mayi-Mayi
.
Seit den Präsidentschaftswahlen am 31.07.2006 haben sich zwei relevante Parteienplattformen gebildet: Die AMP
(Alliance pour la majorité parlementaire) um die PPRD (Parti du Peuple pour la Reconstruction et la Démocratie)
; und die UN (Union pour la nation) basierend auf der Partei des unterlegenen Präsidentschaftskandidaten Jean-Pierre Bemba, die MLC
. Die AMP besitzt in der Nationalversammlung
mit 332 von 500 Sitzen die absolute Mehrheit.
Der ehemals wichtigste Oppositionsführer Bemba
sitzt heute in Den Haag in Haft. Seit seiner Ausreise und späteren Verhaftung 2008 blieb Bembas MLC (Mouvement de Libération du Congo), größte Oppositionspartei im Parlament, ohne seinen charismatischen Führer weitgehend wirkungslos.
Die erste Regierungsbildung
von Februar 2007 präsentierte eine aufgeblähte Ministerialbürokratie. Das aus 61 Mitgliedern bestehende Kabinett unter dem 82-jährige Premierminister Antoine Gizenga
kam nur mühsam in Fahrt.
Ende November 2007 erfolgte eine Regierungsumbildung
, die jedoch nicht eine von vielen erhoffte Neuorientierung bedeutete. Frische Köpfe und eine durchgreifende Verschlankung die im Sinne einer größeren Effizienz notwendig gewesen wären, sind dabei ausgeblieben. Im Interesse der Stabilität der Regierungsallianz schien sowohl dem Premierminister als auch Präsident Kabila die Hände gebunden zu sein. Dies geschah bedauerlicherweise zu Lasten einer dringend benötigten handlungsfähigen Regierung.
Ende September 2008 reichte der 83-jährige Antoine Gizenga, nach einer Amtszeit von knapp zwei Jahren, seinen Rücktritt
ein. Zwei Wochen nach dem Rücktritt, berief Präsident Kabila den damaligen Haushaltsminister Adolphe Muzito
zum neuen Regierungschef
. Damit hielt er sich an das Koalitionsabkommen und die Lumumba-Partei PALU (Parti Lumubiste Unifié), der sowohl Muzito als auch sein Vorgänger Gizenga angehören behielt ihre Macht.
Die geforderte Verschlackung des Regierungsapparats erfolgte später. Mit der Regierungsumbildung vom 19. Februar 2010
wurde das Kabinett von 54 auf 44 Mitgliedern reduziert. Der amtierende Premierminister Muzito blieb, trotz vorhergehender Spekulationen, im Amt. Eine Schlüsselrolle kamm dem neuen strategischen Posten eines Sonderberaters des Präsidenten für Sicherheit zu. Mit dem erfahrenen Pierre Lumbi
hat Kabila einem Vertrauten mit weit reichenden Befugnissen ausgestattet und dadurch seinen politischen Einfluss und Machtkonzentration ausgebaut.
Diverse Politiker haben sich in Hinblick auf Präsidentschaftswahlen Ende 2011 bereits positioniert. Zu den Bekanntesten zählt vor allem der 2009 zurückgetretene Parlamentspräsident Vital Kamerhe
, welcher nach anfänglicher Unterstützung Kabilas sich später von ihm gelöst hat und zunehmend gegen diesem kämpferisch auftratt. Kamerhes Ziel, die zersplitterte Opposition in einem Wahlbündnis zu vereinen ist erfolglos geblieben.
Seit Anfang Dezember 2010 ist mit Etienne Tshisekedi
der wohl bekannteste historische Oppositionsführer der D.R. Kongo nach Jahren des Exils auf die politische Bühne der D.R. Kongo zurückgekehrt. Tshisekedi, Präsident von Kongos ältester Oppositionspartei UDPS
(Union für Demokratie und Sozialen Fortschritt) zählt auf alte Anhänger die traditionell aus den Kasai-Provinzen im Landesinneren und Teilen der Hauptstadt Kinshasa.
Die Armee stellt in der D.R. Kongo einen entscheidenden Machtfaktor dar. Die ca. 140000 man starke FARDC
(Forces Armées de la République Démocratique du Congo), leidet jedoch nach Jahrzehnten der Diktatur und Bürgerkriege unter chaotischer Verhältnisse. Die Armeeführung ist unorganisiert, die Ausrüstung ist archaisch und die Soldaten sind schlecht ausgebildet. Der umgerechnet etwas 20 US Dollar hohe Sold ist völlig unzureichend und bleibt regelmäßig mehrere Monate im Jahr aus. Dies führt zu gravierenden Übergriffen an die Zivilbevölkerung, verübt durch außer kontrolle geratenen undisziplinierten Armeeangehörigen. Eine dringend benötigte Reform der Armee
steht seit Jahre auf der Tagesordnung. Bisher kommt dieser Reformprozess trotz Beteiligung internationaler Akteure nicht richtig in Gang.

Oktober 2006 fanden Präsidentschaftswahlen
und Wahlen zu Kongos Provinzparlamenten fanden . Knapp 26 Millionen Wahlberechtigten hatten zum ersten Mal seit über 40 Jahren die Chance in freien Wahlen an ihrer politischen Zukunft mitzuwirken. Die Präsidentschaftswahl konnte der amtierende Staatschef Joseph Kabila mit über 58 Prozent der Stimmen für sich entscheiden. Sein Herausforderer Jean-Pierre Bemba erreichte knapp 42 Prozent.
Bei sehr hoher Wahlbeteiligung (75 Prozent) war der Wahlverlauf des ersten Wahlgangs selbst relativ ruhig, der Gewaltausbruch der wegen der angespannten Lage im Vorfeld befürchtet worden war, ist nicht zuletzt dank eines massiven internationalen Einsatz
, ausgeblieben.
Die letzten Präsidentschafts- und Parlamentswahl
fanden am 28. November 2011. Laut der vom Obersten Gericht verkündeten Endergebnisse gewann der Amtsinhaber Joseph Kabila die Präsidentschaftswahlen mit rund 49 Prozent. Der historische Oppositionsführer Etienne Tshisekedi
kam mit 33 Prozent an zweiter Stelle.
Vertreter von allen bedeutenden Oppositionsparteien neben Tshisekedis UDPS (Union für Demokratie und sozialen Fortschritt) auch UNC (Union für die Kongolesische Nation) vom drittplatzierten Präsidentschaftskandidat Vital Kamerhe lehnen in einer gemeinsamen Erklärung die Wahlergebnisse ab.
Der Opposition war zuvor nicht gelungen einen gemeinsamen Kandidaten gegen Kabila in den Wahlkampf
zu schicken.
Am 20.12.2011 wurde Joseph Kabila trotz umstrittener Wahlergebnisse und Vorwürfen der massiven Wahlfälschung
, im Schatten von Proteste
für eine neue Amtszeit vereidigt
Im Zuge der Wahlvorbereitung hatte Präsident Joseph Kabila Ende Juni 2011 eine umstrittene Änderung des Wahlgesetzes
unterschrieben. Dabei wurde die Stichwahl abgeschafft wodurch sich die Chancen des amtierenden Präsidenten zur Wiederwahl erheblich erhöht haben. Die im Jahr 2005 verabschiedete Verfassung sah Stichwahlen vor wenn kein Kandidat mehr als 50% der Stimmen bekommen hatte.
Die entsprechende Mehrheit in der Nationalversammlung kam zustande, obwohl Oppositionsparteien die Abstimmung aus Protest boykottiert hatten. Zuvor (Januar 2011) hatte eine gemeinsame Sitzung der Nationalversammlung und dem Senat durch eine Verfassungsänderung die Grundlage des neuen Wahlgesetzes geschaffen.
Das neue Wahlgesetz beschränkt auch zukünftige Präsidenten auf eine Amtszeit.
Pressefreiheit in der D.R.Kongo
ist durch entsprechende Gesetzgebung theoretisch garantiert. In der Praxis werden jedoch durch die allgegenwärtige Korruption die Gesetze zum Schutze der Medienschaffenden und der Pressefreiheit von der politischen Elite ignoriert und die Medien für propagandistische Zwecke missbraucht.
Durch die erfolgreiche Hörerreichweite spielt das Radio eine tragende Rolle gefolgt vom Fernsehen. Printmedien leiden dagegen unter mangelhafter Infrastruktur und geringen Auflagen. Auf Grund von fehlenden finanziellen Mitteln und technischen Möglichkeiten. sind die Distributionskanäle der Zeitungen sehr begrenzt und konzentrieren sich hauptsächlich auf die Hauptstadt Kinshasa.
Schätzungszahlen nach gibt es in der DR Kongo mehr als 200 überwiegend kleine Radioanstalten, etwa 50 Fernsehstationen und über 200 Zeitungen.
Politische Machthaber, die die finanziellen Mittel zur Eröffnung einer eigenen Rundfunkanstalt besitzen, benutzen Radio und Fernsehen besonders gern als Plattform für politische Zwecke.
Wichtigste Medien sind private Fernseh- und Radiosender
wie Tropicana, Antenne A, CBS, Horizon oder Raga, die staatliche "Radio et Télévision Nationales du Congo (RTNC)", die Presse-Agentur ACP
(Agence Congolaise de presse) sowie eine Vielzahl von Tages- und Wochenzeitungen, darunter Le Potentiel
, L'Avenir
, Le Palmarès, L'Observateur
, La Tempête des Tropiques und La Référence Plus
.
Eine große Rolle in der aktuellen Medienlandschaft spielt Radio Okapi
, die einzige Informationsquelle, die in der Demokratischen Republik Kongo auf nationaler Ebene arbeitet.
Das Projekt Radio Okapi wurde als Partnerschaft der Vereinten Nationen und der in Lausanne ansässigen Stiftung Hirondelle ins Leben gerufen. Hier ist den Initiatoren etwas Einmaliges gelungen - ein professionelles, multiethnisches Radio
, das in fast jede Ecke dieses Riesenlandes ausstrahlt und seinem Publikum außer Musik, Kultur und Sport auch die Erkenntnis bietet, dass die Öffentlichkeit so machtlos nicht ist.

Die Situation der Pressefreiheit
in der Demokratischen Republik Kongo hat sich im allgemeinen in den letzten Jahren zunehmend verschlechtert. Ständige Übergriffe
auf Journalisten, Erscheinungsverbote und Beschlagnahmungen unerwünschter Medien gehören zur Tagesordnung
In seinem letzten Bericht stellt Reporter ohne Grenzen
fest, dass das Rechtssystem nicht nur extrem repressiv ist, sondern die Richter oft auch keine Ahnung von den derzeit gültigen Pressegesetzen haben.
Mit dem Mord an Floribert Chebeya
Anfang Juni 2010 ist der prominenteste Menschenrechtsaktivist und dauerhafteste Kritiker von Rechtslosigkeit in der Demokratischen Republik Kongo und früheren Zaire zum Schweigen gebracht worden. Chebeya war Leiter der Menschenrechtsorganisation Voix des Sans-Voix
-VSV (Stimme der Stimmlosen) aus Kinshasa. Als mutmaßliche Täter wurden Untergebene des damaligen und später suspendierten Polizeichef John Numbi
verhaftet. Numbi, der zunächst selbst wegen des Mordes an Chebeya festgenommen worden war, blieb ungeschoren.
Menschenrechtsverletzungen in der Demokratischen Republik Kongo
sind seit Anfang November 2006 erstmals Gegenstand eines internationalen Strafprozesses. Dem ehemaligen kongolesischen Milizenführer Thomas Lubanga
wird vor dem Internationalen Strafgerichtshof IStGH
in Den Haag vorgeworfen in den Jahren 2002 und 2003 Kindersoldaten
in einen grausamen Bürgerkrieg geschickt zu haben. Das Verfahren war auch der erste Prozess vor dem IStGH seit Beginn seiner Arbeit im Jahr 2003.
Unter Lubangas Führung kämpfte
die von der Volksgruppe der Hema
dominierte Miliz UPC
- Union der Kongolesischen Patrioten, gegen die traditionell verfeindete Volksgruppe der Lendu
, Anhänger der Partei Front der Nationalisten und Integrationisten (FNI).
die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch
hat hunderte Zeugenaussagen gesammelt, die weit verbreitete Menschenrechtsverletzungen in Ituri dokumentieren.
Auch Germain Katanga
, der wie Lubanga zu jenen Warlords gehört, die zwischen 1999 und 2003 in Ituri, im Nordosten des Kongo, Massaker und Massenvergewaltigungen verübten, wurde in Oktober 2007 aus Kinshasa nach Den Haag überstellt. Februar 2008 traf mit Mathieu Ngudjolo Chui
der dritte Untersuchungshäftling in Den Haag ein. Er war Stabschef der FNI.
Seit Juli 2008 hat der IStGh zweifellos mit Jean Pierre Bemba
seinen vierten. aber ersten wirklich prominenten Fall
. Bemba mischte während des verheerenden Plünderkriegs im Kongo mit seiner eigenen Miliz mit, war Vize-Präsident der Übergangsregierung, dann Präsidentschaftskanditat - bis zu Stiwahlen die er mit 42 % verlor- und nach den Wahlen 2006, Senator des Parlaments.

Kongos Osten bleibt eine Kriegsregion
mit unüberschaubaren Verhältnissen. Menschen fliehen vor Hutu-Milizen
der FDLR, die immer wieder Dörfer überfallen und vor der regierungstreuen Armee, die inzwischen für die meisten Menschenrechtsverletzungen
verantwortlich gemacht wird.
Brutalste Fälle von Vergewaltigung
sind Mittel der Einschüchterung. Im Jahr 2007 haben Hilfsorganisationen allein in Süd-Kivu 4.500 Vergewaltigungen registriert. Angesichts der geringen Reichweite von Helfern und Ärzten dürfte die tatsächliche Ziffer deutlich höher liegen.
Im Zentrum der Außenpolitik der Demokratischen Republik Kongo steht die langjährige Krise in der zentralafrikanischen Region der "Großen Seen".
Der Konflik hat sich durch die Beteiligung nicht-kongolesischer Truppen ausgezeichnet. Besonders Ituri, Nord- und Sud-Kivu sind zum Schlachtfeld im regionalen Konflikt
zwischen Uganda, Ruanda und der Demokratischen Republik Kongo geworden. Regierungen dieser Länder werfen sich gegenseitig vor feindliche Milizen politisch und militärisch zu unterstützten.

Weiteres wichtiges Thema im internationalen Kontext ist die Rolle der UN-Friedensmission
in der Demokratischen Republik Kongo"MONUSCO"
(Mission de l’Organisation des Nations Unies pour la stabilisation en République démocratique du Congo). Die UN-Friedensmission wurde ursprunglich unter dem Namen MONUC (Mission de l'Organisation des Nations Unies en République Démocratique du Congo) 1999 vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zur Überwachung des Lusaka Waffenstillstandsabkommens eingesetzt und erhielt ein umfassendes Mandat. Auf Wunsch von Kongos Regierung hat der UN-Sicherheitsrat ab 1. Juli 2010 unter neuer Führung und mit der neuen Bezeichnung MONUSCO den langsame Abzug
der Friedensmission eingeleitet. Zentrale Aufgabe der Mission ist die Unterstützung der kongolesischen Armee beim Vorgehen gegen bewaffnete Gruppen im Osten des Landes, wo es in den vergangenen Jahren immer wieder zu bewaffneten Auseinandersetzungen
kam. Dort ist auch der Hauptteil der etwa 20.000 MONUC Soldaten und Polizisten stationiert. MONUC spielte ebenfalls eine bedeutende Rolle bei der Absicherung und der logistischen Vorbereitung der Wahlen.
Im entscheidenden Wahljahr 2006 unterstützte die Europäische Union die Vereinten Nationen bei der Sicherung der Wahlen mit der Entsendung der "EUFOR RD Congo"
-Mission zur zeitweisen Unterstützung der MONUC. Die Bundesrepublik stellte dabei 780 Soldaten für die Mission. Die Maßnahmen der Bundesregierung wurden dabei im Rahmen der Europäischen Union und der internationalen Gemeinschaft durchgeführt.
Immer wieder kam es in den letzten Jahren zu massiven Flüchtlingsbewegungen
in der Region der Großen Seen. Hier leben Millionen von Flüchtlingen, Binnenvertriebenen und Rückkehrern
unter dramatischen Bedingungen.


Nach Angaben des Hochkommissars für Flüchtlinge (UNHCR)
wird die Zahl der Vertriebenen
in der Demokratischen Republik Kongo auf rund 2 Mio (Stand: Nov 2011) geschätzt.
Im April 2005 hatte der UNHCR mit der Repatriierung der ersten Flüchtlinge begonnen, die sich durch die anhaltende Unsicherheit äußerst schwierig gestaltete. Kongolesische Flüchtlinge halten sich überwiegend in den Nachbarländern Angola, Burundi, Republik Kongo, Ruanda, Sambia und Tansania auf.
Jacques Nshimyumukiza
ist Architekt und in seinem Fachgebiet, Umwelt- und Raumplanung, als Consultant tätig. Nebenberuflich organisiert und leitet er Projekt- und Studienreisen nach Ruanda hauptsächlich im Rahmen der langjährigen Länderpartnerschaft zwischen Ruanda und dem Bundesland Rheinland-Pfalz. Seit 2002 ist er als Landeskunde-Tutor für Ruanda und Burundi bei der V-EZ tätig
Auf Anregungen und Kommentare würde ich mich sehr freuen
Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Dezember 2011 aktualisiert.
Weiterführende Literatur zu den Themen:
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