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Idiofa - viele Kinder wachsen als Waisen auf, foto: Caritas Idiofa

Gesellschaft, Kultur und Religion

BeschreibungInhalt
Amtssprache(n):Lingala, Französisch
Regionalsprachen:Kisuaheli, Kikongo, Tshiluba
bedeutendste Religion:Christen (überwiegend röm. kath.) 50 %
weitere bedeutende Religion:Kimbanguisten 10 %, afrik. Freikirchen
Städtische Bevölkerung:ca. 30 %
Lebenserwartung:48 Jahre

Kongo

Landesflagge Kongo

Regionalismus, Ethnizität, Tribalismus

Insgesamt leben in der Demokratischen Republik Kongo bis zu 250 Volksgruppen. Die wichtigsten heute sind die Luba Öffnet externen Link in neuem Fenster (18%), die MongoÖffnet externen Link in neuem Fenster (17%), Die BakongoÖffnet externen Link in neuem Fenster(16%),  und die ZandeÖffnet externen Link in neuem Fenster (10%) 

Einige Quellen gehen von der Existenz von etwa 200 SprachenÖffnet externen Link in neuem Fenster aus, die sich wiederum in 25 linguistische GruppenÖffnet externen Link in neuem Fenster gliedern. 4 Hauptsprachen werden als Nationalsprachen angesehen: LingalaÖffnet externen Link in neuem Fenster, KisuaheliÖffnet externen Link in neuem FensterKikongoÖffnet externen Link in neuem Fenster und TshilubaÖffnet externen Link in neuem Fenster. Der Gegensatz zwischen Kinshasa und Shaba kommt auch in dem Gegensatz zwischen Lingala und Kisuaheli zum Ausdruck. Die von der Kolonialmacht Belgien mitgebrachte Amts- und Schriftsprache Französisch wird als Mittel eingesetzt sprachliche Barrieren zu überbrücken und den staatlichen Zusammenhalt zu sichern.

Der ethnische Nationalismus und eigene regionale Identitäten bleiben bis in die Gegenwart erhalten, gesteuert und teilweise umgeformt durch die Politik der Kolonialverwaltung und der Missionen. Die europäischen Kolonisatoren waren verantwortlich für die Schaffung neuer "Stämme", bevorzugten einzelne dieser Gesellschaften gegenüber anderen und verstärkten die von ihnen geweckte Identität der ethnischen Gruppen durch Sprach- und Bildungspolitik. Dieser Partikularismus war Teil des kolonialen "Teile- und Herrsche", spielte in der Zeit der Entkolonisierung und bei den Unruhen nach der Unabhängigkeit eine wichtige Rolle und trat auch nach der Aufweichung des totalitären Regimes, seit Beginn der "Demokratisierungsdiskussion" Anfang der 90er Jahre, erneut deutlich in Erscheinung.

In kolonialer Tradition halten sich noch etliche tausend Europäer, vor allem Belgier und US-Amerikaner, dauerhaft im Lande auf - zu einem Großteil als Unternehmer oder Berater für Zivilprojekte und das Militär. Außerdem gibt es eine größere Zahl v.a. libanesischer, pakistanischer, westafrikanischer Händler und zunehmend Chinesen.

Altersgruppen

Kinderbilder aus dem Nordosten Kongos (Provinz Oriental), © Susanne Schüpbach
Kinderbilder aus dem Nordosten Kongos (Provinz Oriental), © Susanne Schüpbach

Die in den Entwicklungsländern zu beobachtenden hohen Geburtenraten haben "eine junge BevölkerungÖffnet externen Link in neuem Fenster" zur Folge. In Bezug auf die Demokratische Republik Kongo ist knapp die Hälfte der Bevölkerung (47,5%) weniger als 15 Jahre alt, 50% sind zwischen 15 und 64 Jahren alt und 2,5% haben das Alter von 65 und mehr Jahren.

 

 

 

 

Familie, Verwandtschaft, Solidargruppen

Im Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens steht immer noch die Großfamilie mit Solidarstrukturen, die für die ärmeren Bevölkerungsschichten einen Schutz vor Verelendung und Hunger bilden. Diese für das Überleben wichtigen Strukturen führen zur Klientel- und Pfründenwirtschaft.

Das von der Kolonialzeit übernommene politisch-administrative System wurde für die Bedürfnisse der Staatsklasse modifiziert. Selbstprivilegierung und Machterhalt sind die vorrangigen Ziele, denen es zu dienen hat. Günstlinge der Machthaber spielen in der Bürokratie eine tragende Rolle und kontrollieren die Implementierung von Entwicklungsvorhaben.

Die systematische Korruption machte die formal existierenden modernen Institutionen zur Farce und eine rationale Entwicklungspolitik so gut wie unmöglich.

Ohne das Engagement kirchlicher Einrichtungen wäre vielerorts selbst ein Minimalniveau in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Transport nicht vorhanden.

Gesundheit- und Sozialwesen

"MSF": wichtiger Partner in der Gesundheitsversorgung
"MSF": wichtiger Partner in der Gesundheitsversorgung

Fotoserie: "MSF in Nord-Kivu"Öffnet externen Link in neuem Fenster

In einem großen Teil der Demokratischen Republik Kongo sind die allgemeinen Krankenhauseinrichtungen unzureichend. Die meisten Krankenhauseinrichtungen wurden in der Kolonialzeit gebaut und befinden sich dementsprechend in einem starken Zerfallstadium. Dies trifft ganz besonders für die größte medizinische Einrichtung des Landes, das Krankenhaus von Kinshasa, zu. Oft müssen Patienten mehrere Monate auf einen Operationstermin warten weil sie nicht in der Lage sind sich das für die Operation erforderliche Material zu verschaffen oder zu bezahlen.

Die mangelnde Organisation und das Fehlen staatlicher medizinischer Einrichtungen führten zu einer explosionsartigen Entwicklung des Privatsektors, dessen Kosten für stationäre und ambulante Behandlung nur für eine Minderheit von Wohlhabenden bezahlbar sind. In wichtigen privaten Kliniken gibt es kompetentes medizinisches und paramedizinisches Personal, die dem zahlenden Patienten nahezu jede Behandlung anbieten.

Durch das Zusammenbrechen der Infrastruktur ist im Landesinneren die medizinische Versorgung höchstens nur noch in Missionskrankenhäusern vorhanden. Viele Menschen sterben an behandelbaren Krankheiten wie Malaria. In den meisten Regionen muss sich die überwiegende Mehrheit der Kranken auf kleine Ambulanzstationen von karitativen Organisationen beschränken, wie beispielsweise der "Heilsarmee"Öffnet externen Link in neuem Fenster, die allein in Kinshasa bis zu 20 Gesundheitszentren und Ernährungszentren unterhält.

In den abgelegenen Regionen des Hinterlandes hat die Bevölkerung keine andere Wahl als die traditionelle Medizin und die Selbstmedikation mit den entsprechenden Vergiftungsrisiken. Zahlreiche Kranke geben sich fetischistischen und okkulten Praktiken, ja sogar intensiven Gebetssitzungen und Wunderheilungen hin.

AidsÖffnet externen Link in neuem Fenster stellt auch in der Demokratischen Republik Kongo ein schwerwiegendes gesellschaftliches Problem dar. Aidspatienten haben kaum Aussicht auf Behandlung. Einige Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne GrenzeÖffnet externen Link in neuem Fenster sind mit Aufklärungskampagnen aktiv. Dazu werden Menschen, die bereit sind, sich einem Aidstest zu unterziehen begleitet und beraten. Auch Begleiterkrankungen werden bei Aidspatienten behandelt.

Programme, in denen schwer kranke Aidspatienten mit lebensverlängernden antiretroviralen MedikamentenÖffnet externen Link in neuem Fenster behandelt werden, sind nur in der Hauptstadt Kinshasa und in wenigen andere Städte wie Bukavu (Provinz Süd-Kivu) vorhanden.

Musik und Kunst

"ndunga Maske", Musee Royal de L'Afrique Centrale
"ndunga Maske", Musee Royal de L'Afrique Centrale

Musik und Kunst in der Demokratischen Republik Kongo sind über die Grenzen hinweg berühmt. Bei der Kunst dominiert die Schnitzkunst. Sie sind in den bekanntesten Museen der Welt zu finden wie "American Museum of Natural HistoryÖffnet externen Link in neuem Fenster" sowie vor allem das koloniale Afrikamuseum "Musee Royal de L'Afrique Centrale"Öffnet externen Link in neuem Fenster in Tervuren bei Brussel.

Die moderne kongolesische TanzmusikÖffnet externen Link in neuem Fenster hat, ungeachtet aller Kriegs- und Krisenzeiten, in Afrika und weltweit einen beachtlichen Erfolg zu verzeichnen.

Kinshasa, die Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo, gilt auch als das kreative Zentrum der modernen afrikanischen Musik. Nach dem Ende der MakossaÖffnet externen Link in neuem Fenster-Ära vor etwa zwanzig Jahren hat sich der SoukousÖffnet externen Link in neuem Fenster-Stil fest etabliert

Unter Begriffen wie Kwassa KwassaÖffnet externen Link in neuem Fenster, N'domboloÖffnet externen Link in neuem Fenster etc. erlang diese Tanzmusik eine hohe Popularität und eroberte mit Künstlern wie Tabu Ley RocherauÖffnet externen Link in neuem FensterZaiko Langa-Langa,Öffnet externen Link in neuem Fenster Tschala MuanaÖffnet externen Link in neuem FensterKoffi OlomideÖffnet externen Link in neuem Fenster oder Wenge B.C.B.G./J.P. M'PianaÖffnet externen Link in neuem Fenster. Diskotheken Zentral- und Ostafrikas.

Auch in der afrikanischen Diaspora ist der Erfolg groß. So trugen die o.g. Künstler voller Selbstbewusstsein ihre Musik in die ganze Welt. In europäischen Großstädten sind sie vor allem in Paris und Brüssel, gelegentlich auch in Deutschland, in Konzerten zu bewundern.

Religion

Die Katedrale in Bukavu, Ost DR Kongo
Die Katedrale in Bukavu, Ost DR Kongo

Mehr als 80%der Bevölkerung bekennen sich zu christlichen Religionen. Mit 50% ist die einflussreichste Konfessionsgemeinschaft die Katholische KircheÖffnet externen Link in neuem Fenster; 20% sind evangelisch und 10% gehören der einheimischen christlichen Kirche der KimbanguistenÖffnet externen Link in neuem Fenster an. Daneben gibt es kleine muslimische Gemeinden. Die verbleibenden ca. 10% hängen traditionellen Religionen an. In den letzten Jahren haben afrikanische Freikirchen eine zunehmende Bedeutung erlangt.

Der Autor

Jacques Nshimyumukiza

ist Architekt und in seinem Fachgebiet, Umwelt- und Raumplanung, als Consultant tätig. Nebenberuflich organisiert und leitet er Projekt- und Studienreisen nach Ruanda hauptsächlich im Rahmen der langjährigen Länderpartnerschaft zwischen Ruanda und dem Bundesland Rheinland-Pfalz. Seit 2002 ist er als Landeskunde-Tutor für Ruanda und Burundi bei der V-EZ tätig

Auf Anregungen und Kommentare würde ich mich sehr freuen

Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im März 2011 aktualisiert.

Literaturhinweise

Weiterführende Literatur zu den Themen:

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