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Minenarbeiter in der Dem. Rep. Kongo

Wirtschaft und Entwicklung

BeschreibungInhalt
geschätztes BIP:11 Mrd. US-$
Pro Kopf Einkommen (Kaufkraftparität):280 US-$
Rang der menschlichen Entwicklung (HDI):Rang 187 (von 187)
Anteil Armut (unter 2  $ pro Tag):73,2 %
Einkommensverteilung (Gini-Koeffizient):44,4
Anteil alphabetisierte Erwachsene:66,8 %

Kongo

Landesflagge Kongo

Wirtschaftslage und -Politik

Obwohl das Land über die größten Naturreichtümer AfrikasÖffnet externen Link in neuem Fenster verfügt, gehört es zu den ärmsten der Welt. Hauptursache hierfür sind die mehr als drei Jahrzehnte Misswirtschaft und Korruption durch das Mobutu RegimeÖffnet externen Link in neuem Fenster, gefolgt von schweren kriegerischen Auseinandersetzungen bis in die Gegenwart.

Anfang der 1990er Jahre brach die Wirtschaft völlig zusammen. Es herrschte Hyperinflation (1994: 7400 %). Durch Unruhen unter den Arbeitern sanken die Exporterlöse, die Infrastruktur im Transportwesen zerfiel, die Auslandsschulden stiegen auf 10 Mrd. Euro. Das Land war anschließend auf Nahrungsmittelimporte angewiesen.

Seit den Wahlen 2006 herrschen große Hoffnungen im Volk. In Kinshasa und Lubumbashi wird viel gebaut. Die sozio-ökonomische LageÖffnet externen Link in neuem Fenster bleibt aber weiterhin prekär und verbessert sich nur langsam.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Demokratischen Republik Kongo ist seit 2003, aufgrund anhaltend hoher Exporteinnahmen aus dem Bergbausektor, um ca. 6 % angestiegen und beträgt ca. 11 Mrd USD (Stand 2010).

Gemäss diverser SchätzungenÖffnet externen Link in neuem Fenster trägt für die letzten Jahre der Primärsektor mit 55,6 zur Entstehung dieses Werts bei (Land- und Forstwirtschaft: ca. 37 %, Bergbau: ca. 13 %), der Industriesektor ca 13 % und der Dienstleistungssektor 35 %. 

Mit dem massiven Verfall der Rohstoffpreise am Weltmarkt erreichte die weltweite Wirtschaftskrise auch die Demokratische Republik Kongo. Für 2009 wurde das  WirtschaftswachstumÖffnet externen Link in neuem Fenster auf knapp 3% stark nach unten korrigiert und erholte sich im Jahr 2010 auf 5,5%.

Die Inflation ist von 18 Prozent (2008) auf rund 41 (2009) bzw. 23 Prozent (2010)  angestiegen. Hauptgrund für diesen massiven Wertverfall der kongolesischen Währung war eine Ausweitung der Geldmenge durch die ZentralbankÖffnet externen Link in neuem Fenster, wodurch die Regierung ihre Haushaltsdefizite zu decken und die militärischen Aktivitäten im Osten des Landes zu finanzieren versuchte sowie geringere Deviseneinnahmen durch fallende Rohstoffpreise. Die Dollarisierung der kongolesischen Wirtschaft schreitet weiter voran.

Das Wirtschaftswachstum wird laut unterschiedlischer aktueller PrognosenÖffnet externen Link in neuem Fenster in den kommenden Jahren auf ca. 7,5% steigen und aufrechterhalten werden.

Trotz dieser positiven Entwicklung würden bei dieser Wachstumsrate mehrere Jahre vergehen müssen um wieder den Stand der 90er Jahre zu erreichen.

Sektoren der Wirtschaft

Bergbauindustrie

Tragende Säule der kongolesischen Wirtschaft ist die BergbauindustrieÖffnet externen Link in neuem Fenster, die lange Zeit über 80% der Exporterlöse einbrachte. Sie war 1974 vom drastischen Verfall des Weltmarktpreises für Kupfer schwer betroffen und vom wirtschaftlichen Niedergang der letzten Jahre auch nicht verschont geblieben. So liegt der Kupferbergbau in der Provinz Katanga mit einer Produktion um 40.000 t bei etwa 10% des Niveaus der 80er Jahre.

Bekannt ist die Demokratische Republik Kongo auch für die reichen ColtanÖffnet externen Link in neuem Fenster-Vorkommen. Coltan enthält zwei der begehrtesten Metallerze (Columbit und Tantalit), die Niob und Tantal enthalten. Tantal ist für die Produktion von diversen Geräten aus der Unterhaltungselektronik (MobiltelefoneÖffnet externen Link in neuem Fenster, Computerchips, Videokameras) von großer Bedeutung. Niob dient der Herstellung hitzebeständiger Bauteile für Raketen, Düsenflugzeuge und Weltraumkapseln.

Goldmine
Goldmine In der Ituri-Provinz, Foto: SZ

Weitere BodenschätzeÖffnet externen Link in neuem Fenster die gefördert werden, sind Kupfer, Kobalt(Weltspitze), Gold, Erdöl, Silber,Mangan, Zink, Zinn, Cadmium, Germanium und Beryllium.

 

Forstwirtschaft

Der HolzreichtumÖffnet externen Link in neuem Fenster ist enorm. Etwa 52 Prozent des Landes sind mit tropischem Regenwald bedeckt. Damit besitzt das Land die zweitgrößte zusammenhängende Regenwaldfläche nach Brasilien. Fast 6 Prozent des weltweiten Regenwaldbestands und etwa die Hälfte des afrikanischen Waldbestands befinden sich in der Demokratischen Republik Kongo. Nur etwa 8 Prozent werden als Nutzholz verwendet, überwiegend als Brennholz für den privaten Haushalt.

Landwirtschaft

Palmenplantage in Gamba, Isiro
Palmenplantage in Gamba, Isiro, © Susanne Schüpbach

Zwei Drittel der erwerbstätigen Bevölkerung arbeiten in der LandwirtschaftÖffnet externen Link in neuem Fenster, die über 30 % zum Bruttoinlandsprodukt beisteuert. 

Große Gebiete sind landwirtschaftlich nutzbar, es werden aber nur rund 3 % kultiviert.

HaupterzeugnisseÖffnet externen Link in neuem Fenster sind Maniok, Obst, Melonen, Kochbananen, Zuckerrohr, Erdnüsse, Bananen und Süßkartoffeln. Außerdem werden noch Reis, Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Kaffee, Kautschuk, Baumwolle und Kakao angebaut.

Industrie

Der industrielle Sektor hat sich vor allem um die Verarbeitung der vorhandenen Bodenschätze entwickelt.

Bedeutend sind auch noch die Ölraffinerien sowie die Herstellung von Zement und Schwefelsäure. Wichtige Erzeugnisse sind Reifen, Schuhe, Textilien, Zigaretten, Nahrungsmittel und Bier.

Der gesamte Bereich wurde durch den wirtschaftlichen Niedergang und vor allem die rasende Inflation seit 1990 schwer geschädigt.

Außenhandel

Die Durchlässigkeit der GrenzenÖffnet externen Link in neuem Fenster macht eine exakte Quantifizierung der Ein- und Ausfuhren der Demokratischen Republik Kongo schwierig. Nach dem wirtschaftlichen Niedergang der 90er Jahre hat sich der informelle Sektor stark entwickelt und spielt heute eine ausschlaggebende Rolle in der Wirtschaft des Landes.

Seit 2002 steigen die ExporteÖffnet externen Link in neuem Fenster kontinuierlich. Investitionen, wachsende Einnahmen und die Unterstützung internationaler Geldgeber für diverse Entwicklungsprojekte sowie die Schwäche der nationalen verarbeitenden Industrie und des Agrarsektors führten auch zu einem steten Wachstum der Einfuhren.

Die Importe bestehen zum großen Teil aus Konsumgütern, die Exporte aus Rohstoffen.

Heute bilden Industriediamanten, Rohöl, Kobalt, Kaffee, Palmöl, pharmazeutische Pflanzen und Nutzholz die wichtigsten Exportgüter.

Die wichtigsten HandelspartnerÖffnet externen Link in neuem Fenster sind Belgien, Südafrika, Brasilien, Frankreich, USA, Deutschland und Indien. Mittlerweile spielt die VR China bei internationaler Wirtschafts- und Handelbeziehungen eine zunehmend bedeutende Rolle. Insbesondere im Rennen um Rohstoffe und Absatzmärkte mit der Demokratischen Republik Kongo macht China den Europäern erfolgreich Konkurrenz. So hat China in September 2008 mit der Demokratischen Republik Kongo lukrative WirtschaftsverträgeÖffnet externen Link in neuem Fenster unterschrieben. Gegenstand der Vereinbarung ist ein über einen Zeitraum von 30 Jahren dauerndes Milliardengeschäft. Dabei will Kongo einer Gruppe chinesischer Firmen "ihre Versorgung mit Rohmetallen garantieren". Im Gegenzug wollen die Chinesen große Infrastruktur- Baumassnahmen in der Demokratischen Republik Kongo durchführen.

Energieversorgung

Hauptstromquelle des Kongo sind seine WasserkraftwerkeÖffnet externen Link in neuem Fenster. Im 150 km flussaufwärts von der Mündung entfernten Dorf Inga entlädt der Fluss Kongo seine gesamte Wassermenge. Hier stehen die beiden Wasserkraftwerke des Inga I und Inga IIÖffnet externen Link in neuem Fenster, die der Diktator Mobutu 1972 und 1982 bauen ließ. Großfirmen aus den USA und Europa schlossen sich zu einem Konsortium zusammen und vergaben die Kredite. Von hier aus wird die Acht-Millionen-Metropole Kinshasa mit Strom versorgt, von hier aus läuft die längste Gleichstromleitung der Welt 1.725 Kilometer quer durch das Land in die im Südosten liegende Kupferregion Shaba (Katanga).

Ingadamm
Inga-Damm

Inga bei Google MapsÖffnet externen Link in neuem Fenster

Inga bzw. Grand IngaÖffnet externen Link in neuem Fenster steht aber auch für die Vision in Afrikas Energiepolitik. Die vorhandene Energiekonzentration ist Afrikas Zukunftshoffnung. Schon baldÖffnet externen Link in neuem Fenster soll der Kongo-Fluss die größten und leistungsfähigsten Staudämme der Welt nähren. Inga IIIÖffnet externen Link in neuem Fenster, eines von zehn "Leitprojekten" des ambitionierten gesamtafrikanischen Entwicklungsplans "Nepad"Öffnet externen Link in neuem Fenster, soll das halbe südliche Afrika versorgen. Ein Konsortium der fünf staatlichen Elektrizitätsgesellschaften von Kongo, Angola, Namibia, Botswana und Südafrika wurde dafür im September 2005 unter dem Namen WestcorÖffnet externen Link in neuem Fenster gegründet.

Entwicklung und Entwicklungspolitik

Nach Jahren des Missmanagements und Kriegswirren muss das Land erst wieder aufgebaut werden. Die zerstörte Infrastruktur, hohe Korruption und mangelhafte soziale Grunddienste sind die Hinterlassenschaft.

Die Umsetzung von politischen ReformenÖffnet externen Link in neuem Fenster, umfangreichen InvestitionenÖffnet externen Link in neuem Fenster in den Wiederaufbau der sozialen und wirtschaftlichen Infrastruktur und Stärkung des öffentlichen Sektors sind Voraussetzung für eine wirtschaftliche Erholung des Landes und eine nachhaltige Armutsbekämpfung. Eine Unterstützung der internationalen Gebergemeinschaft ist dafür unabdingbar.

Deutsche Entwicklungs- und Hilfsorganisationen im Lande

1992 hatte die Bundesregierung aufgrund andauernder Manipulierung des Demokratisierungsprozesses ihre EZ eingestellt. Diesem Schritt folgten andere Geberländer, mit Ausnahme Frankreichs. Vor Ort blieben jedoch kirchliche und nichtstaatliche Entwicklungsorganisationen wie Brot für die Welt, Misereor und die Deutsche Welthungerhilfe, die mit zivilgesellschaftlichen PartnernÖffnet externen Link in neuem Fenster in der Demokratischen Republik Kongo zusammen arbeiteten.

Aufgrund der positiven Anzeichen für Frieden und einer Tendenz zur Stabilisierung sind die Hilfsleistungen der Bundesregierung (ca. 20 Mio. Euro in 2001) in den letzten Jahren beachtlich angestiegen. 2004 erfolgte die Wiederaufnahme der finanziellen ZusammenarbeitÖffnet externen Link in neuem Fenster durch die Bundesregierung, zunächst in Höhe von über 60 Mio. EUR. Mit den Regierungsverhandlungen im Jahr 2008 unterstrich Deutschland die Wichtigkeit der Zusammenarbeit mit der Demokratischen Republik Kongo.

Die von Deutschland für 2009 und 2010 zugesagten MittelÖffnet externen Link in neuem Fenster betrugen insgesamt 150 Mio. Euro . Schwerpunkte der deutschen Entwicklungshilfe in der Demokratischen Republik Kongo  liegen in den Sektoren Wasserver- und -entsorgung, Schutz und nachhaltige Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen und Mikrofinanzen.

Eine wichtige Aktivität des PartnerschaftsprogrammesÖffnet externen Link in neuem Fenster (BMZ-UNHCR-GIZ) ist die Rückführung der Flüchtlinge und intern vertriebenen Menschen und deren nachhaltige Integration.

Aktuell sind Deutsche EZ-Akteure in der Demokratische Republik Kongo neben den staatlichen Durchführungsorganisationen  GIZÖffnet externen Link in neuem Fenster und KfWÖffnet externen Link in neuem Fenster: Die Politische Stiftungen Hanns Seidel StiftungÖffnet externen Link in neuem Fenster (HSS) und Konrad Adenauer StiftungÖffnet externen Link in neuem Fenster (KAS) sowie Nichtregierungsorganisationen bzw. kirchliche und humanitäre Organisationen wie AGEH Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe (AGEH), Brot für die WeltÖffnet externen Link in neuem FensterChristliche Fachkräfte InternationalÖffnet externen Link in neuem Fenster (CFI), Christoffel BlindenmissionÖffnet externen Link in neuem Fenster (CBM) CaritasÖffnet externen Link in neuem FensterDeutsche WelthungerhilfeÖffnet externen Link in neuem FensterDiakonisches WerkÖffnet externen Link in neuem FensterEvangelischer EntwicklungsdienstÖffnet externen Link in neuem Fenster (EED), EIRENEÖffnet externen Link in neuem FensterFranziskanerÖffnet externen Link in neuem FensterJohanniter-AuslandshilfeÖffnet externen Link in neuem FensterMalteser InternationalÖffnet externen Link in neuem FensterMax-Planck InstitutÖffnet externen Link in neuem FensterMisereorÖffnet externen Link in neuem Fenster und Senior Experten Service (SES).

Internationale Entwicklungszusammenarbeit

Der PRS-ProzessÖffnet externen Link in neuem Fenster der Demokratische Republik Kongo - die durch Bürgerkriege von 1997 bis 2003 schwer gezeichnet wurde, hat vergleichsweise spät begonnen. Erst 2002 legte die kongolesische Regierung ihr Interim-PRSP (IPRSP)Öffnet externen Link in neuem Fenster bei IWF und Weltbank vor, das bis zur Veröffentlichung des in 2007 erstellt neuen PRSPÖffnet externen Link in neuem Fenster seine Gültigkeit hatte. 

Etwa 35 Prozent vom Haushalt der kongolesischen Regierung (ca. 7,3 Mrd. US-Dollar in 2011) wird von internationalen Gebern finanziert. Das Land ist kein Empfänger direkter Budgethilfe.

Wichtigste bilaterale Geber, darunter USAÖffnet externen Link in neuem FensterGroßbritannienÖffnet externen Link in neuem Fenster und FrankreichÖffnet externen Link in neuem Fenster, haben seit 2002 ihre Aktivitäten in der Demokratische Republik Kongo intensiviert. 

Bei BelgienÖffnet externen Link in neuem Fenster erfahren die traditionell besonders intensiven Beziehungen zur ehemaligen Kolonie, eine diplomatische KriseÖffnet externen Link in neuem Fenster. Ausgelöst wurde die Krise Juni 2008 durch regierungskritische Äußerungen des damaligen belgischen Außenministers (heutigen EU-Kommissar) Karel de Gucht. In seiner Aussage forderte er, als Gegenleistung zu Investitionen Belgiens in der Demokratischen Republik Kongo, gute Regierungsführung und Demokratie statt einer Elitenherrschaft.  Die Regierung in Kinshasa wehrte sich vehement und warf dem ehemaligen Kolonialherrn Neokolonialismus vor.

Wichtigste multilaterale AkteureÖffnet externen Link in neuem Fenster sind IWFÖffnet externen Link in neuem Fenster und WeltbankÖffnet externen Link in neuem Fensterdie Europäische UnionÖffnet externen Link in neuem Fenster sowie UNDPÖffnet externen Link in neuem Fenster.

Als „hoch verschuldetes, armes Land“ qualifiziert sich Kongo für die Schuldenentlastungsinitiative HIPC. Ein bedeutender SchuldenerlassÖffnet externen Link in neuem Fenster wurde  Anfang Juli 2010 vereinbart als der Internationale Währungsfonds, die Weltbank sowie ein paar Staaten der Demokratischen Republik Kongo 12,3 Mrd US Dollar erließen. Drei Monate später wurde die Umsetzung, aufgrund umstrittener RegierungsentscheidungenÖffnet externen Link in neuem Fenster und Korruptionsverdacht in Zusammenhang mit Rohstoffförderung, vertagt.

Der Autor

Jacques Nshimyumukiza

ist Architekt und in seinem Fachgebiet, Umwelt- und Raumplanung, als Consultant tätig. Nebenberuflich organisiert und leitet er Projekt- und Studienreisen nach Ruanda hauptsächlich im Rahmen der langjährigen Länderpartnerschaft zwischen Ruanda und dem Bundesland Rheinland-Pfalz. Seit 2002 ist er als Landeskunde-Tutor für Ruanda und Burundi bei der V-EZ tätig

Auf Anregungen und Kommentare würde ich mich sehr freuen

Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Dezember 2011 aktualisiert.

Literaturhinweise

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