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Obwohl das Land über die größten Naturreichtümer Afrikas
verfügt, gehört es zu den ärmsten der Welt. Hauptursache hierfür sind die mehr als drei Jahrzehnte Misswirtschaft und Korruption durch das Mobutu Regime
, gefolgt von schweren kriegerischen Auseinandersetzungen bis in die Gegenwart.
Anfang der 1990er Jahre brach die Wirtschaft völlig zusammen. Es herrschte Hyperinflation (1994: 7400 %). Durch Unruhen unter den Arbeitern sanken die Exporterlöse, die Infrastruktur im Transportwesen zerfiel, die Auslandsschulden stiegen auf 10 Mrd. Euro. Das Land war anschließend auf Nahrungsmittelimporte angewiesen.
Seit den Wahlen 2006 herrschen große Hoffnungen im Volk. In Kinshasa und Lubumbashi wird viel gebaut. Die sozio-ökonomische Lage
bleibt aber weiterhin prekär und verbessert sich nur langsam.
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Demokratischen Republik Kongo ist seit 2003, aufgrund anhaltend hoher Exporteinnahmen aus dem Bergbausektor, um ca. 6 % angestiegen und beträgt ca. 11 Mrd USD (Stand 2010).
Gemäss diverser Schätzungen
trägt für die letzten Jahre der Primärsektor mit 55,6 zur Entstehung dieses Werts bei (Land- und Forstwirtschaft: ca. 37 %, Bergbau: ca. 13 %), der Industriesektor ca 13 % und der Dienstleistungssektor 35 %.
Mit dem massiven Verfall der Rohstoffpreise am Weltmarkt erreichte die weltweite Wirtschaftskrise auch die Demokratische Republik Kongo. Für 2009 wurde das Wirtschaftswachstum
auf knapp 3% stark nach unten korrigiert und erholte sich im Jahr 2010 auf 5,5%.
Die Inflation ist von 18 Prozent (2008) auf rund 41 (2009) bzw. 23 Prozent (2010) angestiegen. Hauptgrund für diesen massiven Wertverfall der kongolesischen Währung war eine Ausweitung der Geldmenge durch die Zentralbank
, wodurch die Regierung ihre Haushaltsdefizite zu decken und die militärischen Aktivitäten im Osten des Landes zu finanzieren versuchte sowie geringere Deviseneinnahmen durch fallende Rohstoffpreise. Die Dollarisierung der kongolesischen Wirtschaft schreitet weiter voran.
Das Wirtschaftswachstum wird laut unterschiedlischer aktueller Prognosen
in den kommenden Jahren auf ca. 7,5% steigen und aufrechterhalten werden.
Trotz dieser positiven Entwicklung würden bei dieser Wachstumsrate mehrere Jahre vergehen müssen um wieder den Stand der 90er Jahre zu erreichen.
Tragende Säule der kongolesischen Wirtschaft ist die Bergbauindustrie
, die lange Zeit über 80% der Exporterlöse einbrachte. Sie war 1974 vom drastischen Verfall des Weltmarktpreises für Kupfer schwer betroffen und vom wirtschaftlichen Niedergang der letzten Jahre auch nicht verschont geblieben. So liegt der Kupferbergbau in der Provinz Katanga mit einer Produktion um 40.000 t bei etwa 10% des Niveaus der 80er Jahre.
Bekannt ist die Demokratische Republik Kongo auch für die reichen Coltan
-Vorkommen. Coltan enthält zwei der begehrtesten Metallerze (Columbit und Tantalit), die Niob und Tantal enthalten. Tantal ist für die Produktion von diversen Geräten aus der Unterhaltungselektronik (Mobiltelefone
, Computerchips, Videokameras) von großer Bedeutung. Niob dient der Herstellung hitzebeständiger Bauteile für Raketen, Düsenflugzeuge und Weltraumkapseln.
Weitere Bodenschätze
die gefördert werden, sind Kupfer, Kobalt(Weltspitze), Gold, Erdöl, Silber,Mangan, Zink, Zinn, Cadmium, Germanium und Beryllium.
Der Holzreichtum
ist enorm. Etwa 52 Prozent des Landes sind mit tropischem Regenwald bedeckt. Damit besitzt das Land die zweitgrößte zusammenhängende Regenwaldfläche nach Brasilien. Fast 6 Prozent des weltweiten Regenwaldbestands und etwa die Hälfte des afrikanischen Waldbestands befinden sich in der Demokratischen Republik Kongo. Nur etwa 8 Prozent werden als Nutzholz verwendet, überwiegend als Brennholz für den privaten Haushalt.

Zwei Drittel der erwerbstätigen Bevölkerung arbeiten in der Landwirtschaft
, die über 30 % zum Bruttoinlandsprodukt beisteuert.
Große Gebiete sind landwirtschaftlich nutzbar, es werden aber nur rund 3 % kultiviert.
Haupterzeugnisse
sind Maniok, Obst, Melonen, Kochbananen, Zuckerrohr, Erdnüsse, Bananen und Süßkartoffeln. Außerdem werden noch Reis, Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Kaffee, Kautschuk, Baumwolle und Kakao angebaut.
Der industrielle Sektor hat sich vor allem um die Verarbeitung der vorhandenen Bodenschätze entwickelt.
Bedeutend sind auch noch die Ölraffinerien sowie die Herstellung von Zement und Schwefelsäure. Wichtige Erzeugnisse sind Reifen, Schuhe, Textilien, Zigaretten, Nahrungsmittel und Bier.
Der gesamte Bereich wurde durch den wirtschaftlichen Niedergang und vor allem die rasende Inflation seit 1990 schwer geschädigt.
Die Durchlässigkeit der Grenzen
macht eine exakte Quantifizierung der Ein- und Ausfuhren der Demokratischen Republik Kongo schwierig. Nach dem wirtschaftlichen Niedergang der 90er Jahre hat sich der informelle Sektor stark entwickelt und spielt heute eine ausschlaggebende Rolle in der Wirtschaft des Landes.
Seit 2002 steigen die Exporte
kontinuierlich. Investitionen, wachsende Einnahmen und die Unterstützung internationaler Geldgeber für diverse Entwicklungsprojekte sowie die Schwäche der nationalen verarbeitenden Industrie und des Agrarsektors führten auch zu einem steten Wachstum der Einfuhren.
Die Importe bestehen zum großen Teil aus Konsumgütern, die Exporte aus Rohstoffen.
Heute bilden Industriediamanten, Rohöl, Kobalt, Kaffee, Palmöl, pharmazeutische Pflanzen und Nutzholz die wichtigsten Exportgüter.
Die wichtigsten Handelspartner
sind Belgien, Südafrika, Brasilien, Frankreich, USA, Deutschland und Indien. Mittlerweile spielt die VR China bei internationaler Wirtschafts- und Handelbeziehungen eine zunehmend bedeutende Rolle. Insbesondere im Rennen um Rohstoffe und Absatzmärkte mit der Demokratischen Republik Kongo macht China den Europäern erfolgreich Konkurrenz. So hat China in September 2008 mit der Demokratischen Republik Kongo lukrative Wirtschaftsverträge
unterschrieben. Gegenstand der Vereinbarung ist ein über einen Zeitraum von 30 Jahren dauerndes Milliardengeschäft. Dabei will Kongo einer Gruppe chinesischer Firmen "ihre Versorgung mit Rohmetallen garantieren". Im Gegenzug wollen die Chinesen große Infrastruktur- Baumassnahmen in der Demokratischen Republik Kongo durchführen.
Hauptstromquelle des Kongo sind seine Wasserkraftwerke
. Im 150 km flussaufwärts von der Mündung entfernten Dorf Inga entlädt der Fluss Kongo seine gesamte Wassermenge. Hier stehen die beiden Wasserkraftwerke des Inga I und Inga II
, die der Diktator Mobutu 1972 und 1982 bauen ließ. Großfirmen aus den USA und Europa schlossen sich zu einem Konsortium zusammen und vergaben die Kredite. Von hier aus wird die Acht-Millionen-Metropole Kinshasa mit Strom versorgt, von hier aus läuft die längste Gleichstromleitung der Welt 1.725 Kilometer quer durch das Land in die im Südosten liegende Kupferregion Shaba (Katanga).

Inga bzw. Grand Inga
steht aber auch für die Vision in Afrikas Energiepolitik. Die vorhandene Energiekonzentration ist Afrikas Zukunftshoffnung. Schon bald
soll der Kongo-Fluss die größten und leistungsfähigsten Staudämme der Welt nähren. Inga III
, eines von zehn "Leitprojekten" des ambitionierten gesamtafrikanischen Entwicklungsplans "Nepad"
, soll das halbe südliche Afrika versorgen. Ein Konsortium der fünf staatlichen Elektrizitätsgesellschaften von Kongo, Angola, Namibia, Botswana und Südafrika wurde dafür im September 2005 unter dem Namen Westcor
gegründet.
Nach Jahren des Missmanagements und Kriegswirren muss das Land erst wieder aufgebaut werden. Die zerstörte Infrastruktur, hohe Korruption und mangelhafte soziale Grunddienste sind die Hinterlassenschaft.
Die Umsetzung von politischen Reformen
, umfangreichen Investitionen
in den Wiederaufbau der sozialen und wirtschaftlichen Infrastruktur und Stärkung des öffentlichen Sektors sind Voraussetzung für eine wirtschaftliche Erholung des Landes und eine nachhaltige Armutsbekämpfung. Eine Unterstützung der internationalen Gebergemeinschaft ist dafür unabdingbar.
1992 hatte die Bundesregierung aufgrund andauernder Manipulierung des Demokratisierungsprozesses ihre EZ eingestellt. Diesem Schritt folgten andere Geberländer, mit Ausnahme Frankreichs. Vor Ort blieben jedoch kirchliche und nichtstaatliche Entwicklungsorganisationen wie Brot für die Welt, Misereor und die Deutsche Welthungerhilfe, die mit zivilgesellschaftlichen Partnern
in der Demokratischen Republik Kongo zusammen arbeiteten.
Aufgrund der positiven Anzeichen für Frieden und einer Tendenz zur Stabilisierung sind die Hilfsleistungen der Bundesregierung (ca. 20 Mio. Euro in 2001) in den letzten Jahren beachtlich angestiegen. 2004 erfolgte die Wiederaufnahme der finanziellen Zusammenarbeit
durch die Bundesregierung, zunächst in Höhe von über 60 Mio. EUR. Mit den Regierungsverhandlungen im Jahr 2008 unterstrich Deutschland die Wichtigkeit der Zusammenarbeit mit der Demokratischen Republik Kongo.
Die von Deutschland für 2009 und 2010 zugesagten Mittel
betrugen insgesamt 150 Mio. Euro . Schwerpunkte der deutschen Entwicklungshilfe in der Demokratischen Republik Kongo liegen in den Sektoren Wasserver- und -entsorgung, Schutz und nachhaltige Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen und Mikrofinanzen.
Eine wichtige Aktivität des Partnerschaftsprogrammes
(BMZ-UNHCR-GIZ) ist die Rückführung der Flüchtlinge und intern vertriebenen Menschen und deren nachhaltige Integration.
Aktuell sind Deutsche EZ-Akteure in der Demokratische Republik Kongo neben den staatlichen Durchführungsorganisationen GIZ
und KfW
: Die Politische Stiftungen Hanns Seidel Stiftung
(HSS) und Konrad Adenauer Stiftung
(KAS) sowie Nichtregierungsorganisationen bzw. kirchliche und humanitäre Organisationen wie AGEH Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe (AGEH), Brot für die Welt
, Christliche Fachkräfte International
(CFI), Christoffel Blindenmission
(CBM) Caritas
, Deutsche Welthungerhilfe
, Diakonisches Werk
, Evangelischer Entwicklungsdienst
(EED), EIRENE
, Franziskaner
, Johanniter-Auslandshilfe
, Malteser International
, Max-Planck Institut
, Misereor
und Senior Experten Service (SES).
Der PRS-Prozess
der Demokratische Republik Kongo - die durch Bürgerkriege von 1997 bis 2003 schwer gezeichnet wurde, hat vergleichsweise spät begonnen. Erst 2002 legte die kongolesische Regierung ihr Interim-PRSP (IPRSP)
bei IWF und Weltbank vor, das bis zur Veröffentlichung des in 2007 erstellt neuen PRSP
seine Gültigkeit hatte.
Etwa 35 Prozent vom Haushalt der kongolesischen Regierung (ca. 7,3 Mrd. US-Dollar in 2011) wird von internationalen Gebern finanziert. Das Land ist kein Empfänger direkter Budgethilfe.
Wichtigste bilaterale Geber, darunter USA
, Großbritannien
und Frankreich
, haben seit 2002 ihre Aktivitäten in der Demokratische Republik Kongo intensiviert.
Bei Belgien
erfahren die traditionell besonders intensiven Beziehungen zur ehemaligen Kolonie, eine diplomatische Krise
. Ausgelöst wurde die Krise Juni 2008 durch regierungskritische Äußerungen des damaligen belgischen Außenministers (heutigen EU-Kommissar) Karel de Gucht. In seiner Aussage forderte er, als Gegenleistung zu Investitionen Belgiens in der Demokratischen Republik Kongo, gute Regierungsführung und Demokratie statt einer Elitenherrschaft. Die Regierung in Kinshasa wehrte sich vehement und warf dem ehemaligen Kolonialherrn Neokolonialismus vor.
Wichtigste multilaterale Akteure
sind IWF
und Weltbank
, die Europäische Union
sowie UNDP
.
Als „hoch verschuldetes, armes Land“ qualifiziert sich Kongo für die Schuldenentlastungsinitiative HIPC. Ein bedeutender Schuldenerlass
wurde Anfang Juli 2010 vereinbart als der Internationale Währungsfonds, die Weltbank sowie ein paar Staaten der Demokratischen Republik Kongo 12,3 Mrd US Dollar erließen. Drei Monate später wurde die Umsetzung, aufgrund umstrittener Regierungsentscheidungen
und Korruptionsverdacht in Zusammenhang mit Rohstoffförderung, vertagt.
Jacques Nshimyumukiza
ist Architekt und in seinem Fachgebiet, Umwelt- und Raumplanung, als Consultant tätig. Nebenberuflich organisiert und leitet er Projekt- und Studienreisen nach Ruanda hauptsächlich im Rahmen der langjährigen Länderpartnerschaft zwischen Ruanda und dem Bundesland Rheinland-Pfalz. Seit 2002 ist er als Landeskunde-Tutor für Ruanda und Burundi bei der V-EZ tätig
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Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Dezember 2011 aktualisiert.
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