Direkt zum Seiteninhalt oder zur Haupt-Navigation oder zur Meta-Navigation oder zum Seitenabschluss.
Das Land der Lao (Pathet Lao) fand erstmalig im Jahre 1353 Erwähnung als nationalstaatliches Gebilde unter dem Prinzen Fa Ngum mit der Proklamation des Königreiches der Millionen Elefanten unter dem weißen Schirm (Lan Xang Hom Khao).
1641 erkundete der Niederländer Gerrit van Wuysthoff
das Land. Seine Reiseeindrücke sind auf niederländisch und französisch erschienen und gelten als erste europäische Beschreibungen über das Land.
Im 17 Jahrhundert zerfiel das Reich aufgrund von Streitigkeiten innerhalb der Herrscherfamilie in drei einzelreiche: Luang Prabang in Nordlaos, Vientiane in Zentrallaos und Champassak in Südlaos.
Im 18. Jahrhundert kamen diese Einzelreiche teilweise unter siamesische teilweise unter burmesische Herrschaft. 1867 begann mit der Einsetzung August Pavies als Vizekonsul die französische Besetzung. Auf der Genfer Indochinakonferenz 1954 wird Laos unabhängig, alle fremden Truppen mussten das Land verlassen.
In den 1940er Jahren enstand unter Führung von Kaysone Phomvihane die laotische Befreiungsbewegung Pathet Lao
, ein Vorläufer der Laotischen Revolutionären Volkspartei (LRVP).
Nach Zeiten langer Kolonisierung und einem Bürgerkrieg mit drei Fraktionen in den 1960er und 1970er Jahren übernahm die Pathet Lao am 2. Dezember 1975 die Macht. Die Demokratische Volksrepublik Laos entstand.
Durch den Bruch von knapp sechs Jahrhunderten Königreich zum sozialistischen Staat ist die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte in Laos schwierig. Die formale sozialistische Orientierung des Landes gemischt mit der starken jahrhundertaalten buddhistischen Prägung und teilweise animistischen Ritualen stellt einen nicht einfach zu fassenden ideologischen Hintergrund dar. Laos befindet sich zwischen Marx und Money
im Prozess der Nationsbildung
.
Ausführliche Informationen zur Geschichte des Landes finden Sie auf den Seiten der Library of Congress
übersichtlich und ausführlich recherchiert.
Sathalanalat Paxathipatai Paxaxon Lao (Demokratische Volksrepublik Laos) - so der offizielle Name des Landes. Laos ist eine Volksdemokratie mit sozialistischer Orientierung,
die am 19. Juli 1949 von Frankreich unabhängig wurde.
Die Laotische Revolutionäre Volkspartei
(LRVP) erhebt seit dem Sieg der revolutionären Kräfte am 2. Dezember 1975 den alleinigen Führungsanspruch. Die Volksrepublik wird vom ehemaligen Vorsitzenden der Kommunistischen Partei und ersten Staatspräsidenten Kaysone Phomvihane
mit der Abschaffung der Monarchie und dem absoluten Führungsanspruch der Laotischen Revolutionären Volkspartei (LRVP) proklamiert.
Die Partei regiert mittels eines 11-köpfigen Politbüros, dem mit Pany Yathotou
seit der Wahl im Jahr 2006 erstmals auch eine Frau angehört. Der Staatspräsident Choumaly Sayasone
hat gleichzeitig das Amt des Parteivorsitzenden inne. Unter dem Politbüro ist das Zentralkommitee
mit weiteren 44 Mitgliedern angesiedelt.
Der Premierminister
als Oberhaupt der Regierung, seine Stellvertreter
, der Präsident des Staatlichen Planungskomitees, der Außenminister und der stellvertretende Premierminister sowie auch der Ministerrat werden vom Staatspräsidenten für einen Zeitraum von 5 Jahren berufen. Die Nationalversammlung
muss der Berufung zustimmen. Die Ministerien
unterstehen dem Premierminister.
Die Nationalversammlung
, deren 115 Abgeordnete entweder Mitglieder der Laotischen Revolutionären Volkspartei (LRVP), oder von der LRVP vorgeschlagene unabhängige Nicht-Parteimitglieder sind, wird in geheimen und direkten Wahlen vom Volk für einen Zeitraum von 5 Jahren gewählt. Die letzten Wahlen
fanden im April 2006 statt.
In Laos gibt es neben dem obersten Gerichtshof Gerichte auf Provinz- und Distriktebene und Militärgerichte. Der Justizminister ist offiziell kein Partei-Mitglied. Die Umsetzung bestehender Gesetze erfolgt nur inkonsequent, die Rechtssicherheit ist gering ausgeprägt, so dass Schlichtung bei Konflikten einen großen Stellenwert einnimmt. Viele Programme der Internationalen Zusammenarbeit unterstützen die Stärkung der Rechtssicherheit
.
Laos ist in drei Regionen eingeteilt: Nord-, Zentral,- und Südlaos.
Administrativ ist Laos in 16 Provinzen
(Khoueng), eine Regierungsprovinz (Khampeng Nakhon) und bis vor zwei Jahren noch in eine "Sonderverwaltungszone - Xaisomboun" (Khet Piset) gegliedert. Die Provinzen sind jeweils in Distrikte
unterteilt.
Das Staatmotto ist "Frieden, Unabhängigkeit, Demokratie, Einheit und Wohlstand".
In Laos bestimmen nicht Parteien, sondern personelle und traditionelle Verflechtungen seit Jahrhunderten das politische Geschehen. Diese entstehen aus Familienbindungen und Hochschulcliquen. Die einzige Partei des Landes, die Laotische Revolutionäre Volkspartei (LRVP)
hat ihre Ursprünge in der KP Indochinas. Der alleinige Führungsanspruch der einzigen Partei des Landes ist in der Verfassung
gesichert, die mit Unterstützung der ehemaligen DDR ausgearbeitet wurde. Die Verfassung wurde am 14. August 1991 verabschiedet und im Jahr 2003 ergänzt. Oppositionelle Parteien und Bewegungen sind verboten.
Die laotische Regierung nutzt die laotische Kultur
- vor allem buddhistische Rituale - als sozial integrierendes und Nationalidentität stiftendes Element. Im Bewusstsein, dass Kultur eine große Chance ist, das bildungspolitische, soziale und ökonomische Leben zu gestalten, versucht die Regierung verschiedene regionale kulturelle Traditionen zu pflegen und darüber hinaus gleichzeitig eine gemeinsame laotische Nationalkultur zu prägen.
Immer wieder wird versucht, die unzähligen ethnischen Gruppen zu kategorisieren. Eine der Klassifizierungen wird - obwohl offiziell schon abgeschafft - immer noch gerne benutzt:
die Einteilung in drei Gruppen je nach Lebensumgebung. Gut zu sehen auf dem 1000 Kip-Schein
:
Das Nebeneinander zahlreicher Ethnien ist zwar einerseits Quelle kulturellen Reichtums des Landes, stellt aber im Hinblick auf seine weitere Entwicklung zugleich eine große politische Herausforderung
dar und bildet den Nährboden für weitreichendes Konfliktpotential
.
So verfolgen z.B. die Hmong
, die größte Gruppe der Lao Sung (auch "Meo" genannt), die während des II. Indochinakrieges unter ihrem Führer General Vang Pao auf der Seite der USA gekämpft haben, nach wie vor Unabhängigkeitsbestrebungen. In ihren Siedlungsgebieten kommt es immer wieder zu Zwischenfällen. Laut Regierungsberichten handelt es sich dabei um bewaffnete Aufstände gegen die Regierung. Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International
und die Gesellschaft für bedrohte Völker
liefern in Hintergrundberichten genauere Fakten zum Geschehen.
Der alleinige Führungsanspruch der LRVP
und die wachsende Diskrepanz zwischen dem politischen Überbau und der neu entstehenden finanzkräftigen Mittelschicht ist ein weiteres Konfliktfeld.
Die Bevölkerung steht unter strikter Kontrolle der LRVP und ist von sozialistischen Strukturen geprägt, d.h. Gewerkschaften, Jugendorganisationen und Verbänden existieren als Alternative zu den offiziell verbotenen Parteien. Die Parteiführung behält jedoch die Kontrolle über diese Organisationen. Legal sind nur die offiziellen Massenorganisationen (Gewerkschaften, Frauenverbände
, Jugendverbände
oder offizielle Bauernverbände).
Das Verzeichnis aller NGOs in Laos
gibt einen guten Überblick über die in Laos tätigen internationalen NGOs.
Die laotische Medienlandschaft
ist staatlich kontrolliert und konzentriert sich vor allem im Printbereich auf die Hauptstadt. So ist die Presse leicht überschaubar. Die einzige Nachrichtenagentur Khaosan Pathet Lao (KPL)
veröffentlicht ein tägliches Neswbulletin auf Laotisch, Englisch und Französisch. Die Tageszeitungen Paxason
, Vientiane Mai
und Pathet Lao erscheinen auf Laotisch. Aufgrund der sprachlichen Verwandtschaft zum Thailändischen nutzen viele Laoten regelmäßig thailändische Medien, vor allem das Fernsehen. Neben der englischsprachigen Tageszeitung Vientiane Times
bietet das französischsprachige Wochenmagazin Le Renovateur
regelmäßig nationale und internationale Nachrichten. Seit einiger Zeit ist eine beginnende Vielfalt an Zeitschriften
in Privat- oder Unternehmensbesitz in der Hauptstadt zu beobachten, die jedoch noch keine Lockerung der staatlichen Medienüberwachung bedeutet. Die Herausgeber sind in vielen Fällen linientreue Parteimitglieder.
Laos erhofft sich von seiner Mitgliedschaft in der ASEAN
seit Juli 1997, neben wachsender Akzeptanz innerhalb der Region, vor allem wirtschaftliche Vorteile und starke asiatische Bündnispartner. Laos konzentriert sich dabei auf die "Brüderländer" China und Vietnam, die in wirtschaftlicher und politischer Hinsicht Vorbilder bleiben.
Gleichzeitig versucht Laos durch die Einbindung
in die südostasiatische Staatengemeinschaft dem starken einseitigen thailändischen Einfluss zu begegnen. 1997 wurde Laos durch die Abhängigkeit von Thailand in die Wirtschaftskrise hineingezogen. Das Verhältnis zu Thailand bleibt jedoch zwiespältig.
Die Regierung versucht verstärkt, die Kräfte der Globalisierung und der Regionalisierung zu nutzen (ASEAN, AFTA, bald auch WTO). Allerdings geht damit auch ein wirtschaftlicher und politischer Reformdruck einher, da die internationalen Geldgeber Forderungen stellen.
Einen zusammenfassenden Überblick über die Innen
- und Außenpolitik
bietet die Laos Informationsseite des Auswärtigen Amtes.
Anke Timmann, Studium der Sprachen und Kulturen des südostasiatischen Festlandes mit Schwerpunkt Laos & Thailand sowie Journalistik und Kommunikationswissenschaft. Regelmäßige Arbeits- und Studienaufenthalte in Laos & anderen Ländern der Region. U.a. Mitarbeit bei der englischsprachigen Zeitung in Vientiane und Deutschunterricht an der National University of Laos (NUOL). Veröffentlichungen zum laotischen Mediensystem. Zurzeit Lehrbeauftragte an der Universität Hamburg und Landesspezialistin Laos und Deutschland für verschiedene Organisationen.