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Gebäude der Nationalversammlung in Vientiane (© Anke Timmann)

Geschichte, Staat und Politik

BeschreibungInhalt
Tag der Unabhängigkeit:19. Juli 1949
Staatsoberhaupt:Choummaly Sayasone
Regierungschef:Bouasone Bouphavanh
Politisches System:Sozialistisches Einparteiensystem
Demokratie Status- Index (BTI):Rang 112 (von 125)
Korruptionsindex (CPI):Rang 158 (von 180)

Geschichte & Staat

Geschichte

Der Reichsgründer Fa Ngum
Der Reichsgründer Fa Ngum © Anke Timmann

Das Land der Lao (Pathet Lao) fand erstmalig im Jahre 1353 Erwähnung als nationalstaatliches Gebilde unter dem Prinzen Fa Ngum mit der Proklamation des Königreiches der Millionen Elefanten unter dem weißen Schirm  (Lan Xang Hom Khao).

1641 erkundete der Niederländer Gerrit van WuysthoffÖffnet externen Link in neuem Fenster das Land. Seine Reiseeindrücke sind auf niederländisch und französisch erschienen und gelten als erste europäische Beschreibungen über das Land.

Im 17 Jahrhundert zerfiel das Reich aufgrund von Streitigkeiten innerhalb der Herrscherfamilie in drei einzelreiche: Luang Prabang in Nordlaos, Vientiane in Zentrallaos und Champassak in Südlaos.

Im 18. Jahrhundert kamen diese Einzelreiche teilweise unter siamesische teilweise unter burmesische Herrschaft. 1867 begann mit der Einsetzung August Pavies als Vizekonsul die französische Besetzung. Auf der Genfer Indochinakonferenz 1954 wird Laos unabhängig, alle fremden Truppen mussten das Land verlassen.

In den 1940er Jahren enstand unter Führung von Kaysone Phomvihane die laotische Befreiungsbewegung Pathet LaoÖffnet externen Link in neuem Fenster, ein Vorläufer der Laotischen Revolutionären Volkspartei (LRVP).

Nach Zeiten langer Kolonisierung und einem Bürgerkrieg mit drei Fraktionen in den 1960er und 1970er Jahren übernahm die Pathet Lao am 2. Dezember 1975 die Macht. Die Demokratische Volksrepublik Laos entstand.

Durch den Bruch von knapp sechs Jahrhunderten Königreich zum sozialistischen Staat ist die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte in Laos schwierig. Die formale sozialistische Orientierung des Landes gemischt mit der starken jahrhundertaalten buddhistischen Prägung und teilweise animistischen Ritualen stellt einen nicht einfach zu fassenden ideologischen Hintergrund dar. Laos befindet sich zwischen Marx und MoneyÖffnet externen Link in neuem Fenster im Prozess der NationsbildungÖffnet externen Link in neuem Fenster.

Ausführliche Informationen zur Geschichte des Landes finden Sie auf den Seiten der Library of CongressÖffnet externen Link in neuem Fenster übersichtlich und ausführlich recherchiert.

Staat

Die Nationalversammlung in Vientiane
Die Nationalversammlung in Vientiane © Anke Timmann

Sathalanalat Paxathipatai Paxaxon Lao (Demokratische Volksrepublik Laos) - so der offizielle Name des Landes. Laos ist eine Volksdemokratie mit sozialistischer Orientierung,Öffnet externen Link in neuem Fenster die am 19. Juli 1949 von Frankreich unabhängig wurde.

Die Laotische Revolutionäre VolksparteiÖffnet externen Link in neuem Fenster (LRVP) erhebt seit dem Sieg der revolutionären Kräfte am 2. Dezember 1975 den alleinigen Führungsanspruch. Die Volksrepublik wird vom ehemaligen Vorsitzenden der Kommunistischen Partei und ersten Staatspräsidenten Kaysone PhomvihaneÖffnet externen Link in neuem Fenster mit der Abschaffung der Monarchie und dem absoluten Führungsanspruch der Laotischen Revolutionären Volkspartei (LRVP) proklamiert.

Die Partei regiert mittels eines 11-köpfigen Politbüros, dem mit Pany YathotouÖffnet externen Link in neuem Fenster seit der Wahl im Jahr 2006 erstmals auch eine Frau angehört. Der Staatspräsident Choumaly SayasoneÖffnet externen Link in neuem Fenster hat gleichzeitig das Amt des Parteivorsitzenden inne. Unter dem Politbüro ist das  ZentralkommiteeÖffnet externen Link in neuem Fenster mit weiteren 44 Mitgliedern angesiedelt.Öffnet externen Link in neuem Fenster

Der PremierministerÖffnet externen Link in neuem Fenster als Oberhaupt der Regierung, seine StellvertreterÖffnet externen Link in neuem Fenster, der Präsident des Staatlichen Planungskomitees, der Außenminister und der stellvertretende Premierminister sowie auch der Ministerrat werden vom Staatspräsidenten für einen Zeitraum von 5 Jahren berufen. Die NationalversammlungÖffnet externen Link in neuem Fenster muss der Berufung zustimmen. Die MinisterienÖffnet externen Link in neuem Fenster unterstehen dem Premierminister.

Die NationalversammlungÖffnet externen Link in neuem Fenster, deren 115 Abgeordnete entweder Mitglieder der Laotischen Revolutionären Volkspartei (LRVP), oder von der LRVP vorgeschlagene unabhängige Nicht-Parteimitglieder sind, wird in geheimen und direkten Wahlen vom Volk für einen Zeitraum von 5 Jahren gewählt. Die letzten WahlenÖffnet externen Link in neuem Fenster fanden im April 2006 statt.

In Laos gibt es neben dem obersten Gerichtshof Gerichte auf Provinz- und Distriktebene und Militärgerichte. Der Justizminister ist offiziell kein Partei-Mitglied. Die Umsetzung bestehender Gesetze erfolgt nur inkonsequent, die Rechtssicherheit ist gering ausgeprägt, so dass Schlichtung bei Konflikten einen großen Stellenwert einnimmt. Viele Programme der Internationalen Zusammenarbeit unterstützen die Stärkung der Rechtssicherheit Öffnet externen Link in neuem Fenster.

Laos ist in drei Regionen eingeteilt:  Nord-, Zentral,- und Südlaos. Öffnet externen Link in neuem FensterAdministrativ ist Laos in 16 ProvinzenÖffnet externen Link in neuem Fenster (Khoueng), eine Regierungsprovinz (Khampeng Nakhon) und bis vor zwei Jahren noch in eine "Sonderverwaltungszone - Xaisomboun" (Khet Piset) gegliedert. Die Provinzen sind jeweils in DistrikteÖffnet externen Link in neuem Fenster unterteilt.

Das Staatmotto ist "Frieden, Unabhängigkeit, Demokratie, Einheit und Wohlstand". 

Innenpolitik

Die Flagge des Vielvölkerstaates Laos
Die Flagge des Vielvölkerstaates Laos © Anke Timmann

In Laos bestimmen nicht Parteien, sondern personelle und traditionelle Verflechtungen seit Jahrhunderten das politische Geschehen. Diese entstehen aus Familienbindungen und Hochschulcliquen. Die einzige Partei des Landes, die Laotische Revolutionäre Volkspartei (LRVP)Öffnet externen Link in neuem Fenster hat ihre Ursprünge in der KP Indochinas. Der alleinige Führungsanspruch der einzigen Partei des Landes ist in der VerfassungÖffnet externen Link in neuem Fenster gesichert, die mit Unterstützung der ehemaligen DDR ausgearbeitet wurde. Die Verfassung wurde am 14. August 1991 verabschiedet und im Jahr 2003 ergänzt. Oppositionelle Parteien und Bewegungen sind verboten.

Die laotische Regierung nutzt die laotische KulturÖffnet externen Link in neuem Fenster - vor allem buddhistische Rituale - als sozial integrierendes und Nationalidentität stiftendes Element. Im Bewusstsein, dass Kultur eine große Chance ist, das bildungspolitische, soziale und ökonomische Leben zu gestalten, versucht die Regierung verschiedene regionale kulturelle Traditionen zu pflegen und darüber hinaus gleichzeitig eine gemeinsame laotische Nationalkultur zu prägen.

Immer wieder wird versucht, die unzähligen ethnischen Gruppen zu kategorisieren. Eine der Klassifizierungen wird - obwohl offiziell schon abgeschafft - immer noch gerne benutzt:
die Einteilung in drei Gruppen je nach Lebensumgebung. Gut zu sehen auf dem 1000 Kip-ScheinÖffnet externen Link in neuem Fenster:

  • die Lao Loum (Lebensraum Tiefland) stellen etwa 68 Prozent der Bevölkerung und dominieren in Wirtschaft, Politik und Administration.
  • Die Lao Theung (Lebensraum Berhänge und Hügel) stellen etwa 22 Prozent und die
  • Lao Sung (Lebensraum höher als 1000 Meter) als zahlenmäßig kleinste Gruppe ungefähr 9 Prozent.
  • Chinesen und Vietnamesen stellen das restliche eine Prozent.

Das Nebeneinander zahlreicher Ethnien ist zwar einerseits Quelle kulturellen Reichtums des Landes, stellt aber im Hinblick auf seine weitere Entwicklung zugleich eine große politische HerausforderungÖffnet externen Link in neuem Fenster dar und bildet den Nährboden für weitreichendes KonfliktpotentialÖffnet externen Link in neuem Fenster.

So verfolgen z.B. die HmongÖffnet externen Link in neuem Fenster, die größte Gruppe der Lao Sung (auch "Meo" genannt), die während des II. Indochinakrieges unter ihrem Führer General Vang Pao auf der Seite der USA gekämpft haben, nach wie vor Unabhängigkeitsbestrebungen. In ihren Siedlungsgebieten kommt es immer wieder zu Zwischenfällen. Laut Regierungsberichten handelt es sich dabei um bewaffnete Aufstände gegen die Regierung. Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty InternationalÖffnet externen Link in neuem Fenster und die Gesellschaft für bedrohte VölkerÖffnet externen Link in neuem Fenster liefern in Hintergrundberichten genauere Fakten zum Geschehen.

Der alleinige Führungsanspruch der LRVPÖffnet externen Link in neuem Fenster und die wachsende Diskrepanz zwischen dem politischen Überbau und der neu entstehenden finanzkräftigen Mittelschicht ist ein weiteres Konfliktfeld.

Die Bevölkerung steht unter strikter Kontrolle der LRVP und ist von sozialistischen Strukturen geprägt, d.h. Gewerkschaften, Jugendorganisationen und Verbänden existieren als Alternative zu den offiziell verbotenen Parteien. Die Parteiführung behält jedoch die Kontrolle über diese Organisationen. Legal sind nur die offiziellen Massenorganisationen (Gewerkschaften, FrauenverbändeÖffnet externen Link in neuem Fenster, JugendverbändeÖffnet externen Link in neuem Fenster oder offizielle Bauernverbände).

Das Verzeichnis aller NGOs in LaosÖffnet externen Link in neuem Fenster gibt einen guten Überblick über die in Laos tätigen internationalen NGOs.

Die laotische MedienlandschaftÖffnet externen Link in neuem Fenster ist staatlich kontrolliert und konzentriert sich vor allem im Printbereich auf die Hauptstadt. So ist die Presse leicht überschaubar. Die einzige Nachrichtenagentur Khaosan Pathet Lao (KPL)Öffnet externen Link in neuem Fenster veröffentlicht ein tägliches Neswbulletin auf Laotisch, Englisch und Französisch. Die Tageszeitungen PaxasonÖffnet externen Link in neuem Fenster, Vientiane MaiÖffnet externen Link in neuem Fenster und Pathet Lao erscheinen auf Laotisch. Aufgrund der sprachlichen Verwandtschaft zum Thailändischen nutzen viele Laoten regelmäßig thailändische Medien, vor allem das Fernsehen. Neben der englischsprachigen Tageszeitung Vientiane TimesÖffnet externen Link in neuem Fenster bietet das französischsprachige Wochenmagazin Le RenovateurÖffnet externen Link in neuem Fenster regelmäßig nationale und internationale Nachrichten. Seit einiger Zeit ist eine beginnende Vielfalt an ZeitschriftenÖffnet externen Link in neuem Fenster in Privat- oder Unternehmensbesitz in der Hauptstadt zu beobachten, die jedoch noch keine Lockerung der staatlichen Medienüberwachung bedeutet. Die Herausgeber sind in vielen Fällen linientreue Parteimitglieder.

Außenpolitik

Laos als Gastgeber des 10. ASEAN-Gipfels
Laos als Gastgeber des 10. ASEAN-Gipfels © Anke Timmann

Laos erhofft sich von seiner Mitgliedschaft in der ASEANÖffnet externen Link in neuem Fenster seit Juli 1997, neben wachsender Akzeptanz innerhalb der Region, vor allem wirtschaftliche Vorteile und starke asiatische Bündnispartner. Laos konzentriert sich dabei auf die "Brüderländer" China und Vietnam, die in wirtschaftlicher und politischer Hinsicht Vorbilder bleiben.

Gleichzeitig versucht Laos durch die EinbindungÖffnet externen Link in neuem Fenster in die südostasiatische Staatengemeinschaft dem starken einseitigen thailändischen Einfluss zu begegnen. 1997 wurde Laos durch die Abhängigkeit von Thailand in die Wirtschaftskrise hineingezogen. Das Verhältnis zu Thailand bleibt jedoch zwiespältig.

Die Regierung versucht verstärkt, die Kräfte der Globalisierung und der Regionalisierung zu nutzen (ASEAN, AFTA, bald auch WTO). Allerdings geht damit auch ein wirtschaftlicher und politischer Reformdruck einher, da die internationalen Geldgeber Forderungen stellen.

Einen zusammenfassenden Überblick über die InnenÖffnet externen Link in neuem Fenster- und AußenpolitikÖffnet externen Link in neuem Fenster bietet die Laos Informationsseite des Auswärtigen Amtes.

Über die Erstellerin

Anke Timmann, Studium der Sprachen und Kulturen des südostasiatischen Festlandes mit Schwerpunkt Laos & Thailand sowie Journalistik und Kommunikationswissenschaft. Regelmäßige Arbeits- und Studienaufenthalte in Laos & anderen Ländern der Region. U.a. Mitarbeit bei der englischsprachigen Zeitung in Vientiane und Deutschunterricht an der National University of Laos (NUOL). Veröffentlichungen zum laotischen Mediensystem. Zurzeit Lehrbeauftragte an der Universität Hamburg und Landesspezialistin Laos und Deutschland für verschiedene Organisationen.

Kontakt

Thorsten Hölzer
+49 2224 926144

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