Direkt zum Seiteninhalt oder zur Haupt-Navigation oder zur Meta-Navigation oder zum Seitenabschluss.
Sie befinden sich hier: GIZ Start / Webangebote / LIPortal > Laos / Gesellschaft

Die Bevölkerung von Laos lässt sich anhand von anthropo-geographischen, ethno-linguistischen
und sozio-kulturellen Merkmalen in 49 ethnische Gruppen einteilen.
Lao (Pasa Lao) bildet im multiethnischen Laos die überdachende Kommunikationssprache
des Landes, aufgrund der französischen Kolonialgeschichte sprechen vor allem viele ältere Laoten noch Französisch, das durch den massiven Einfluß des Englischen mehr und mehr verdrängt wird. Die Anzahl der im Land existierenden 82 Sprachen
spiegelt die ethnische Heterogenität und Komplexität der nationalen Zusammensetzung wider.
Laos ist eine Männergesellschaft, auch wenn in der laotischen Verfassung die gleichberechtigte Stellung der Frau festgeschrieben ist. Männer sind lediglich für die "schweren" Arbeiten verantwortlich. Alles andere ist Frauensache und bürdet der laotischen Frau
Mehrfachbelastung auf. Auch die Finanzen unterstehen den Frauen, sie haben Sorge zu tragen, dass genügend Geld im Haus ist. Kindererziehung ist Frauensache und bei durchschnittlich 4-6 Kindern sind die Frauen häufig mit der Bewältigung des Alltags überfordert und die Kinder sich selbst überlassen.
Dennoch, der sozialistische Einfluss hat die Frauen per Dekret gestärkt. Im Vergleich zu anderen südostasiatischen Staaten sind die Frauen in Laos emanzipierter. Ein ganz Laos überspannendes Netzwerk mit viel Eigeninitiative bildet die Lao Womens Union
.
Die soziale Ausdifferenzierung ist im letzten Jahrzehnt gut zu beobachten gewesen. Die Lebensbedingungen der Stadt- und der Landbevölkerung unterscheiden sich mehr und mehr. Durch den Ausbau der Infrastruktur in den Städten gibt es dort eine bessere Anbindung an internationale Märkte, dementsprechend mehr Konsumgüter und eine kaufkräftigere Mittelschicht, die sich die angebotenen Waren leisten kann.
Laos verzeichnet eine niedrige Alphabetisierungsrate. So können nur Zweidrittel der Männer und Eindrittel der Frauen über 15 Jahre lesen und schreiben. Rund 40 % der Laoten haben noch nie eine Schule besucht, in den nördlichen Provinzen sind es mehr als 60 %. Zweidrittel der laotischen Kinder brechen vorzeitig die sechs Jahre dauernde Grundschule ab, um zum Lebensunterhalt der Familie etwas beitragen zu können.
Einige Leseprojekte
versuchen Abhilfe zu schaffen, den Kindern Spaß am Lesen
zu vermitteln und den nötigen Lesestoff
bereit zu stellen.
Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit fördert auf Wunsch des laotischen Partners den Aufbau eines nachfrageorientierten dualen Berufsausbildungssytems.
In Kooperation u.a. mit europäischen Partneruniversitäten entstehen die ersten technischen Masterstudiengänge
an der National University of Laos (NUOL)
.
Das Gesundheitswesen in Laos ist unterentwickelt. Umfassende Informationen und Daten zum staatlichen Gesundheitswesen in Laos liefert die Weltgesundheitsorganisation (WHO
).
Der tödliche Siegeszug der Krankheit AIDS
scheint auch in Laos unaufhaltsam. Im Zuge der Modernisierung hat sich das Sozialverhalten junger Leute gewandelt. Traditionelle Moralvorstellungen verblassen, das Nachtleben in Clubs und Diskotheken der Hauptstadt boomt. Kondome sind zwar fast im ganzen Land erhältlich, ihr Gebrauch aber bleibt ein verbreitetes gesellschaftliches Tabu. Das Land hat zwar im Vergleich zu seinen Nachbarn eine niedrige AIDS-Rate von 0,2 %, doch die Zeitbombe tickt: Mit jeder Verbesserung der Infrastruktur, zunehmender Wanderarbeit, Tourismus und dem grassierenden Problem der Armutsprostitution wächst die Bedrohung.
Die "PDR Laos" (People's Democratic Republic) wird unter Laos-Experten gerne zur "Please don't rush"-Gesellschaft umbenannt. In Laos ticken die Uhren eben anders, was im übrigen auch im Lieblingsslogan der Laoten deutlich wird: "Bo pen njang - das macht nichts - wenn nicht heute, dann eben morgen!" Zeit hat jeder Laote und Harmonie, ausgedrückt in Sanftmut und Lächeln, ist oberster Grundsatz des laotischen Beziehungsgeflechtes und Alltagslebens. Nur im Zustand der Konfliktlosigkeit kann man Verdienste für die künftigen Wiedergeburten sammeln.
Das Grundprinzip
des Verhaltens, besonders der buddhistischen Laoten, ist "Het Bun - dai Bun - Tue Gutes und dir wird Gutes widerfahren". Daraus rühren allerdings auch Verhaltensmuster, die auf interkulturelles Missverstehen stoßen können. Die laotische Gesellschaft ist eine inhomogene, von vor- und transbuddhistischem Brauchtum
und einem extrem lokal beeinflussten Theravada Buddhismus
geprägte Gesellschaft.
Laos besitzt eine reiche Literaturtradition
, deren älteste Werke in Form von Palmblatthandschriften - Bai Laan bis in das 15. Jahrhundert zurückgehen, die in den Bibliotheken der rund 2.800 buddhistischen Klöstern (Vat) des Landes aufbewahrt werden. Nähere Informationen über traditionelle und Gegenwartsliteratur bietet die Webseite der Northern Illionois Universität
.
Dem oberflächlichen Betrachter erscheint Laos als ein durch und durch buddhistisches Land. Von 1353 bis 1975 war der Buddhismus zwar Staatsreligion und mehr als 90% der Lao Loum bezeichnen sich auch als Buddhisten. Bei näherer Betrachtung fällt jedoch der massive Einfluss von Ahnenkult, Animismus und vor allem Geisterglaube auf, so dass man von einer extrem spezifischen Ausprägung des laotischen Buddhismus sprechen sollte.
Der laotische Buddhismus
ist durch und durch von dem Glauben an Geister
(Phi) durchdrungen. Durch wohlwollendes Verhalten können die Laoten ihre Beziehung im täglichen Leben zu den einzelnen Geistern regeln. Laotische Geister mischen sich aktiv in das Alltagsleben der Laoten ein!
Der Buddhismus vermittelt moralische und zivilisatorische Werte, an denen sich die laotische Gesellschaft orientiert. Man spricht derzeit von einer Renaissance des Buddhismus in Laos, wobei sich das allerdings weniger im geistig-moralischen Bereich, als vielmehr am Wohlstand der Pagoden dokumentiert. Fast jeder Laote tritt im Laufe seines Lebens ins Kloster
ein - oft auch nur für ein paar Tage.
Was andere Religionen angeht, herrscht jedoch nur bedingt Religionsfreiheit
. Es ist vereinzelt von Übergriffen auf Andersgläubige zu hören.

Anke Timmann. Studium der Sprachen und Kulturen des südostasiatischen Festlandes in Kombination mit Kommunikationswissenschaft. Seit 15 Jahren regelmäßige Arbeits-, Studien- und Rechercheaufenthalte in Laos und weiteren Ländern der Region Südostasien. Darunter die Mitarbeit bei der Vientiane Times
und Deutschunterricht an der National University of Laos
(NUOL) in Vientiane. Regelmäßige Veröffentlichungen, u. a. zum laotischen Mediensystem. Sie arbeitet als Koordinatorin der Graduate School Media and Communication an der Uni Hamburg. Seit mehreren Jahren bereitet sie Ausreisende auf das Arbeiten, Wohnen & Leben in Laos vor. Die Herzlichkeit der Menschen in Laos sowie die unglaubliche Kreativität bei der Ermöglichung von Unmöglichem faszinieren sie nach wie vor noch immer.
Anregungen, Kommentare & konstruktive Kritik dieser Seiten gerne hier.
Weiterführende Literatur zu folgenden Themen:

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im April 2012 aktualisiert.
Die AIZ mit Sitz in Bad Honnef bietet mehr als 50 monatlich stattfindende Trainingskurse zu folgenden Themen an:
Gerne konzipieren wir für Sie maßgeschneiderte Trainingskurse, die sich an Ihren individuellen Bedürfnissen und Interessen orientieren. Wir freuen uns über Ihre Anfragen!