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Kamuzu-Banda-Mausuleum in Lilongwe (Heiko Meinhardt)

Gesellschaft, Kultur und Religion

BeschreibungInhalt
Amtssprache(n):Englisch, Chichewa
Regionalsprachen:Chitumbuka, Chiyao, Chilombwe
bedeutendste Religion:Christen (83%)
weitere bedeutende Religion:Muslime (13%)
Städtische Bevölkerung:19,0 %
Lebenserwartung:54,2 Jahre

Malawi

Landesflagge Malawi

Makrosoziale Struktur

Bevölkerung

Die größte ethnische Gruppe in Malawi bilden die ChewaÖffnet externen Link in neuem Fenster, die knapp 40% (inkl. Nyanja) der Bevölkerung stellen und ihr Hauptsiedlungsgebiet in der Zentralregion haben. Es folgen die LomweÖffnet externen Link in neuem Fenster (17,6% Anteil an der Gesamtbevölkerung) im Südosten, die YaoÖffnet externen Link in neuem Fenster (13,5%), die entlang des Lake Malawi bis hinunter nach Balaka und Machinga siedeln. In der dünn bevölkerten Nordregion leben die TumbukaÖffnet externen Link in neuem Fenster (9%) und die Tonga (in Nkhata Bay; 2%), während die SenaÖffnet externen Link in neuem Fenster (3,6%) im äußersten Süden Malawis (Nsanje, Chikwawa) beheimatet sind. Die NgoniÖffnet externen Link in neuem Fenster (11,5%) leben sowohl in der Zentral- (im Dedza-Distrikt) als auch in der Nordregion (Mzimba). Die NgondeÖffnet externen Link in neuem Fenster (1%) leben in der Nordregion. Der Rest entfällt auf noch kleinere Ethnien. Detaillierte demographische Informationen bietet der BerichtÖffnet externen Link in neuem Fenster der 2008 durchgeführten Volkszählung.

In der Zentral- und der Südregion sind die ethnischen Ordnungen matrilinear geprägt, während die Nordregion und der äußerste Süden (Sena) patrilinear organisiert sind.

In Malawi ist es bisher nicht zu gewaltsam ausgetragenen ethnischen Konflikten gekommen. Ein regionales Identitätsbewußtsein herrscht vor. Diese regionalen Identitätslinien spielen bis heute eine wichtige Rolle, vor allem bei Patron-Klienten-Beziehungen und Nepotismus.

Sprachen

Amtssprachen sind Englisch und ChichewaÖffnet externen Link in neuem Fenster. Fünf weitere größere afrikanische Sprachen werden gesprochen. Das Vorhandensein der Nationalsprache Chichewa hat sich als Vorteil für den Aufbau eines modernen Staates und als Integrationsbrücke zwischen den Ethnien erwiesen. Die Tatsache, dass sich Malawier aller Ethnien untereinander verständigen können, steigert die Integrationschancen. Die seit 1994 praktizierte Politik, auch die anderen Sprachen als Unterrichtssprachen in den jeweiligen Sprachregionen anzuwenden, hat den Charakter der "Lingua Franca" nicht beschädigt, da der Chichewa-Unterricht ab der ersten Grundschulklasse verpflichtend ist.

Sunday School an der Mua Mission in Dedza (Heiko Meinhardt)
Sunday School an der Mua Mission in Dedza (Heiko Meinhardt)

Soziale Lage und Arbeitsmarkt

Armut, Krankheit und geringe Bildung bestimmen den Alltag eines großen Teils der Bevölkerung. Die Lebenserwartung liegt bei 54,2 Jahren. 20% der Malawier haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Etwa 11% der zwischen 15- und 49jährigen gelten als HIV-positiv. Laut Volkszählung gibt es ca. 190.000 AIDS-WaisenÖffnet externen Link in neuem Fenster (2,8% aller Kinder unter 18 Jahren). Über ein Viertel der Einwohner können nicht lesen und schreiben. Knapp 74% der Bevölkerung lebt aktuell unterhalb der Armutsgrenze von 1,25 US-Dollar pro Tag; über 90% haben weniger als 2 US-Dollar täglich zur Verfügung. Das durchschnittliche jährliche Pro-Kopf-Einkommen beträgt gerade einmal 190 US-Dollar (2009).Immense PreissteigerungenÖffnet externen Link in neuem Fenster vor allem bei Grundnahrungsmitteln belasten vor allem die städtischen Haushalte.

Von den geschätzten 6 Mio. Arbeitenden sind 87% in der Landwirtschaft, vorwiegend im Klein- und Subsistenzanbau oder als Plantagenarbeiter tätig. Außerhalb der Städte sind sogar über 90% im Agrarsektor tätig. Es gibt keine verlässlichen Statistiken zum Arbeitsmarkt. Ein großes Problem stellt KinderarbeitÖffnet externen Link in neuem Fenster, vor allem auf den Tabakplantagen dar.

Fischfang in Mangochi (Heiko Meinhardt)
Fischfang in Mangochi (Heiko Meinhardt)

Stadt-Land-Verhältnis

Malawi weist eine niedrige Urbanisierungsrate auf. Lediglich 19% der Einwohner leben in Städten, was jedoch seit 1975 fast eine Verdoppelung bedeutet. Obwohl die Städte ZuwächseÖffnet externen Link in neuem Fenster verzeichnen, sind diese weniger einer signifikanten Landflucht geschuldet, sondern auch auf höhere Geburtenraten und bessere Gesundheitsversorgung zurückzuführen. Das städtische Leben ist teuer, vor allem in Hinblick auf Nahrungsmittel. Somit ist es riskant, ohne Aussicht auf Arbeit und Einkommen umzusiedeln. Da die traditionellen Dorfstrukturen mit ihren Großfamilienverbänden noch weitgehend intakt sind, ist das Leben im eigenen Dorf sicherer als eine Flucht in die Stadt. Somit konnte eine Slumbildung in den Städten bisher weitgehend vermieden werden.

Landleben in Thyolo (Heiko Meinhardt)
Landleben in Thyolo (Heiko Meinhardt)

Geschlechterverhältnis

Die GleichberechtigungÖffnet externen Link in neuem Fenster von Männern und Frauen ist in der VerfassungÖffnet externen Link in neuem Fenster festgeschrieben. In der Realität ist die malawische Gesellschaft — vor allem auf dem Lande — an den Werten und Normen des traditionellen Rechtes ausgerichtet. Ein Beispiel sei hierfür genannt: Obwohl das staatliche Erbrecht die Stellung der Ehefrau und Kinder deutlich verbessert hat (zumeist erben die männlichen Verwandten den Löwenanteil), ist dieses in der Praxis für die betroffenen Witwen nur schwer durchsetzbar, da die traditionellen Autoritäten, die Erbstreitigkeiten meistens im Rahmen ihrer traditionellen Gerichtsbarkeit verhandeln, sich dabei aber nur an den Traditionen der Ethnie orientieren. Zwar bliebe der Witwe das Recht, den staatlichen Rechtsweg zu beschreiten (wo sie auch Recht bekäme), aber das erfordert Geldmittel, einen gewissen Bildungsgrad, viel Geduld, und — was schwerer wiegt — sie würde es sich mit der Familie ihres Mannes gründlich verderben. Somit wird das moderne Recht nur sehr selten angewandt.

Ein Gesetz, das häusliche GewaltÖffnet externen Link in neuem Fenster unter Strafe stellt, wurde vom Parlament 2006 verabschiedet. In der Praxis ist es bisher selten zur Anwendung gekommen, da die betroffenen Frauen aus kulturellen und/oder Bildungsgründen auf gerichtliche Klagen zumeist verzichten.

Über die Rolle der Frau berichtet ausführlich und aktuell mit Zugriff auf Dokumente, Vereinbarungen und Strategie zum Thema Gender Policy in Malawi die Homepage des UN Social Development Networking ProgrammeÖffnet externen Link in neuem Fenster.

Maisverarbeitung in einem Dorf im Zomba-Distrikt (Heiko Meinhardt)
Maisverarbeitung in einem Dorf im Zomba-Distrikt (Heiko Meinhardt)

Bildung

Das BildungssystemÖffnet externen Link in neuem Fenster ist dem britischen Modell angelehnt. Die Primarschule beträgt acht Jahre, gefolgt von der Secondary School, die als weiterführende Schule vier Jahre lang zu absolvieren ist. Während die Primarschulausbildung an staatlichen Schulen kostenlos ist, werden für die Sekundarausbildung Gebühren fällig. Es gibt auch zahlreiche private Primar- und Sekundarschulen, mit zum Teil deutlich besserer Ausstattung an Materialien und Lehrkräften. Die Schulgebühren können sich nur bessergestellte Malawier leisten. Der National Education Sector Plan 2008-17Öffnet externen Link in neuem Fenster gibt einen guten Überblick über den Bildungsbereich.

Das Land verfügt über eine größere Universität, der University of MalawiÖffnet externen Link in neuem Fenster mit Colleges in Zomba (Chancellor CollegeÖffnet externen Link in neuem Fenster), Blantyre und Lilongwe. Eine kleine Universität gibt es in der nördlichen Stadt Mzuzu (Mzuzu University).

Hervorzuheben ist das Centre for Social ResearchÖffnet externen Link in neuem Fenster der University of Malawi, das auf seiner Homepage auch eine Publikationsliste von Papers bereithält.

Bücher und Papers über Politik, Gesellschaft, Theologie, Geschichte und Kultur erscheinen seit vielen Jahren in der Kachere Series, die von Dozenten des Chancellor College herausgegeben wird. Bücher können auch onlineÖffnet externen Link in neuem Fenster bestellt werden.

 

University of Malawi: Chancellor College, Zomba (Heiko Meinhardt)
University of Malawi: Chancellor College, Zomba (Heiko Meinhardt)

Gesundheit

Das malawische GesundheitssystemÖffnet externen Link in neuem Fenster steht vor großen Herausforderungen. Neben den großen Krankenhäusern in Blantyre (Queen-Elisabeth-Hospital, dem die medizinische Fakultät der University of Malawi angegliedert ist) und Lilongwe (Kamusu Central Hospital), die zu den am besten ausgestatteten staatlichen Hospitälern gehören, gibt es eine Reihe von kleineren Einrichtungen (Zomba, Mzuzu) und DistriktkrankenhäusernÖffnet externen Link in neuem Fenster. Die Behandlung ist kostenlos. Es gibt jedoch erhebliche EngpässeÖffnet externen Link in neuem Fenster bei der Versorgung mit Medikamenten und bei der technischen Ausstattung. Die Abteilungen sind zudem heillos überbelegt. Im ganzen Land wirken gerade einmal ca. 250 Ärzte, inklusive der Entwicklungshelfermediziner.

Darüber hinaus gibt es eine Reihe von privaten Krankenhäusern, die zum Teil von den christlichen Kirchen betrieben werden. Diese sind materiell deutlich besser ausgestattet, verlangen aber Gebühren.

Besonders in den ländlichen Gebieten spielt die traditionelle MedizinÖffnet externen Link in neuem Fenster eine immer noch große Rolle.

Die Haupttodesursache stellt AIDSÖffnet externen Link in neuem Fenster dar. Etwa 11% der 15- bis 49-jährigen gelten als infiziert. Es gibt eine größere von AIDS-WaisenÖffnet externen Link in neuem Fenster.

Village Headman in Mangochi (Heiko Meinhardt)

Kultur

Ein freies kulturelles Leben konnte sich in Malawi erst nach der Ablösung des autoritären Banda-Regimes 1994 entfalten. Die Kulturszene ist übersichtlich und wird größtenteils von Künstlern bestimmt, die hauptberuflich einem Broterwerbsjob nachgehen müssen.

Auf dem Land überwiegt afrikanische Kultur, die sich im Wesentlichen an die oral überlieferten Traditionen der einzelnen Ethnien anlehnt. Eine "malawische" Kultur gibt es nicht. Das Banda-Regime hatte — erfolgreich — versucht, Musik und Kunst für seine politischen ZweckeÖffnet externen Link in neuem Fenster zu vereinnahmen und den Kultursektor gleichzuschalten. Das zeigte sich auch im Sprachregime: Neben Chichewa wurde keine andere ethnische Sprache in den Schulen gelehrt oder gefördert. Sie wurden auch aus dem Rundfunk verbannt.

Kunsthandwerk aus Malawi (Archiv Meinhardt)
Kunsthandwerk aus Malawi (Archiv Meinhardt)

Mittlerweile haben westliche Einflüsse begonnen, die afrikanische Kultur auch in den ländlichen Regionen zu überlagern. Da der Einfluss moderner Medien aber begrenzt ist, ist diese Entwicklung noch langsam.

Unter den Chewa spielt der Geheimbund der NyauÖffnet externen Link in neuem Fenster eine wichtige Rolle.

Mua Mission in Dedza (Heiko Meinhardt)
Mua Mission in Dedza (Heiko Meinhardt)

Kunst

Ein wesentlicher Bestandteil der malawischen Kultur ist der traditionelle TanzÖffnet externen Link in neuem Fenster, der zur Zeit der Banda-Dikatur (1964-94) als politisches Propagandainstrument missbraucht wurde. Einige Bedeutung hat auch die traditionelle InstrumentalmusikÖffnet externen Link in neuem Fenster. Aber auch die moderne MusikszeneÖffnet externen Link in neuem Fenster hat einiges zu bieten. Einer der bekanntesten Interpreten ist Lucius BandaÖffnet externen Link in neuem Fenster. Es werden auch MusikfestivalsÖffnet externen Link in neuem Fenster veranstaltet. In 2009 wurde das erste internationale malawische FilmfestivalÖffnet externen Link in neuem Fenster organisiert.

Regelmäßige Theateraufführungen malawischer und ausländischer Ensembles finden im French Cultural Centre in Blantyre statt. Während die Kunst seit 1994 frei von politischer Einflussnahme ist, war sie unter der Banda-Diktatur noch unterdrückt, wie Harri EnglundÖffnet externen Link in neuem Fenster zeigt. In der darstellenden Kunst ragt das Nanzikambe TheatreÖffnet externen Link in neuem Fenster heraus. Die traditionelle KunstÖffnet externen Link in neuem Fenster ist über die Landesgrenzen hinaus bekannt und geschätzt.

Malawi ist bekannt für sein HolzkunsthandwerkÖffnet externen Link in neuem Fenster, das sich auch bei Touristen großer Beliebtheit erfreut.

Banda mit traditionellen Tänzern (Archiv Meinhardt)
Banda mit traditionellen Tänzern (Archiv Meinhardt)

Literatur

Der wichtigste, auch international bekannte, Autor und Lyriker des Landes ist der 1944 geborene Jack MapanjeÖffnet externen Link in neuem Fenster. Zu seinen bekanntesten Werken zählen: Of Chameleons and Gods (1991); The Chattering Wagtails of Mikuyu Prison (1993) und Gathering Seaweed: African Prison Writing (2002). Er wurde von Banda mehrmals ohne Anklageerhebung aufgrund seiner Literatur in Haft genommen, was auch Ausdruck in seinen Werken fand.

Literatur zu Malawi — auch wertvolle antiquarische Ausgaben — bietet Central AfricanaÖffnet externen Link in neuem Fenster an. Von hier kann man auch elektronische Postkarten mit einer großen Auswahl an einheimischen Motiven verschicken.

Empfehlenswert sind auch die Bücher des in Schottland lebenden malawischen Arztes und Schriftstellers John Lwanda Öffnet externen Link in neuem Fenster. Er hat sich auch mit verschiedenen Aspekten der malawischen Musik beschäftigt.

 

Musikinstrumente aus Malawi
Musikinstrumente aus Malawi

Religion

Malawi ist christlich geprägt. Nach Auswertung der letzten Volkszählung von 2008 gibt es 82,7% Christen, von denen bekennen sich 52% zur protestantischen Church of Central Africa PresbyteriansÖffnet externen Link in neuem Fenster (CCAP), 43% zum römisch-katholischen Glauben und 5% zu anderen Kirchen, wie z. B. AnglikanerÖffnet externen Link in neuem Fenster, Pfingstler, Seventh Day Adventists und eine Reihe kleiner und kleinster christlicher Religionsgemeinschaften.

Darüber hinaus gibt es 13.0% MuslimeÖffnet externen Link in neuem Fenster. Der Rest bekennt sich zu keiner offiziellen Kirche. In der malawischen Bevölkerung herrscht eine traditionell große religiöse Toleranz. Die ReligionsfreiheitÖffnet externen Link in neuem Fenster wird vom Staat respektiert.

Moschee in Lilongwe (Heiko Meinhardt)
Moschee in Lilongwe (Heiko Meinhardt)

Sowohl die CCAP als auch die Römisch-Katholische KircheÖffnet externen Link in neuem Fenster verfügen über gut ausgebaute landesweite Organisationsstrukturen. Die Muslim Association of Malawi verfügt noch nicht über eine Website. Jeder Muslime ist qua Geburt Mitglied in der Organisation, die — wie die christlichen Kirchen auch — Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen unterhält.

Die Toleranz zwischen den ReligionenÖffnet externen Link in neuem Fenster ist sehr groß. Es gibt keine signifikanten, gewaltsam ausgetragenen, Konflikte. Religion insgesamt spielt eine wichtige Rolle in Malawi. Gottesdienste sind meistens gut besucht. Neben der Zugehörigkeit zum christlichen Glauben oder zum Islam spielen die traditionellen Rituale und Totenkulte weiterhin eine wichtige Rolle. Wie in den meisten afrikanischen Kulturen sind auch in Malawi HexereiÖffnet externen Link in neuem Fenster und schwarze Magie anzutreffen.

 

Ein muslimischer Geistlicher bei der Arbeit, Chiradzulu-Distrikt (Heiko Meinhardt)
Ein muslimischer Geistlicher bei der Arbeit, Chiradzulu-Distrikt (Heiko Meinhardt)

Über den Autor

Dr. Heiko MeinhardtÖffnet externen Link in neuem Fenster, Politikwissenschaftler. global tätiger International Consultant und Wahlexperte.

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Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Mai 2012 aktualisiert.

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