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Aufgrund seiner Lage im Übergangsbereich zwischen Nord- und Westafrika sowie einer langen Abfolge von Migrationsbewegungen ist Mali ein Vielvölkerstaat
, der von einer großen kulturellen und sprachlichen Vielfalt
geprägt wird. Ausgeprägte Unterschiede bestehen in dieser Hinsicht insbesondere zwischen den v.a. im Norden lebenden hellhäutigen Volksgruppen der Tuareg
und der Mauren
, und der im Zentrum und Süden des Landes dominierenden dunkelhäutigen Bevölkerungsmehrheit. Zahlenmäßig mit weitem Abstand größte Ethnie sind die Bambara
, welche zusammen mit den kleineren verwandten Ethnien der Malinké
und Dioula ca. 51 % der Bevölkerung ausmachen. Weitere größere Ethnien sind Fulbe
(11 %), Sarakollé
(9 %), Senoufo
(9 %) und Songhay
(7 %). Die restliche Bevölkerung verteilt sich auf verschiedene kleinere Ethnien wie Dogon
, Bozo
, Bobo, Tuareg, und Mauren.
Die originären Siedlungsgebiete
der einzelnen Ethnien weisen u.a. als Folge von Migrationsbewegungen eine Reihe von Überlagerungen auf und sind vielfach nicht eindeutig abgrenzbar. So ist z.B. das Hauptsiedlungsgebiet der Dogon
in Zentralmali seit einigen Jahrzehnten immer stärker von Abwanderung geprägt, mit der Folge, daß heute bereits mehr Dogon außerhalb des Dogonlandes als im Dogonland selbst leben.
Bei den traditionell (halb-) nomadischen Tuareg und Mauren lassen sich in zunehmendem Maße Tendenzen der Sesshaftwerdung erkennen, welche in vielen Fällen in Zusammenhang stehen mit sich wandelnden ökologischen und sozioökonomischen Rahmenbedingungen
. Der Anteil der nomadischen Bevölkerung ist seit Jahrzehnten rückläufig und wurde Ende der neunziger Jahre auf unter 4 % der Gesamtbevölkerung geschätzt.
Wichtigste Nationalsprache ist die Bambara-Sprache
, die zunehmend zur Lingua Franca Malis geworden ist und von ca. 80 % der malischen Bevölkerung gesprochen wird. Mittlerweile gibt es auch ein Bambara-Online-Lexikon
. Amtssprache ist Französisch.
Die Masse der malischen Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze
und bestreitet ihren Lebensunterhalt weitestgehend durch Tätigkeiten in der Agrarwirtschaft und zunehmend auch im informellen Sektor.
Die Möglichkeiten, einen Arbeitsplatz im modernen Wirtschaftssektor (Industrie und Dienstleistungen) zu finden, beschränken sich weitgehend auf die Städte. Aufgrund der Schwäche des modernen Wirtschaftssektors und der anhaltend hohen Zuwanderung aus dem ländlichen Raum stellt die Arbeitslosigkeit
auch in den Städten ein ernstes Problem dar, wovon auch zahlreiche Hochschulabsolventen
betroffen sind. Hieran konnten bislang auch staatliche Förderprogramme nur wenig ändern.
Gewerkschaften
engagieren sich gegen den Arbeitsplatzabbau in Folge der Privatisierung staatlicher Unternehmen.
In den letzten Jahrzehnten hat der Anteil der städtischen Bevölkerung stark zugenommen, wobei die Hauptursache hierfür in einer massiven Land-Stadt-Wanderung zu sehen ist. Die Gründe für die Abwanderung
aus dem ländlichen Raum sind komplex und umfassen sowohl ökonomische, soziale und ökologische Ursachen.
Von großer Bedeutung ist die Auswanderung
, die vielfach unter gefahrvollen Bedingungen
erfolgt. In vielen Fällen investieren Familien relativ hohe Geldbeträge
, um jüngeren Familienmitgliedern die Auswanderung nach Europa zu ermöglichen. Schätzungsweise drei bis vier Mio. Malier leben dauerhaft außerhalb der malischen Staatsgrenzen, insbesondere in der Elfenbeinküste
sowie anderen Nachbarstaaten. Nach unterschiedlichen Schätzungen leben 80.000 bis 200.000 Malier in Frankreich
, von denen schätzungsweise ein Drittel keinen gültigen Aufenthaltsstatus hat. Aus Frankreich werden zahlreiche Zwangsabschiebungen
malischer Emigranten gemeldet, wobei in Mali selber die Selbstorganisation von Abgeschobenen
allmählich an Bedeutung gewinnt.
Es ist zu befürchten, dass zahlreiche malische Immigranten in libyschen Internierungslagern
festgehalten werden.
In Mali - wie auch in vielen anderen Staaten Afrikas - sind Frauen gegenüber der männlichen Bevölkerung weitgehend benachteiligt. Dies gilt sowohl hinsichtlich des Zugangs zu Bildung und Beschäftigung, wie auch des sozialen und ökonomischen Status von Frauen. Jedoch bestehen Unterschiede zwischen den verschiedenen Ethnien. Bei den Bambara beschränkt sich der Einflußbereich der Frauen weitgehend auf das Familiengehöft, während die Vertretung der Familieninteressen auf dem Niveau der Dorfebene von den Männern wahrgenommen wird. Im Vergleich zu anderen Ethnien herrscht bei den Tuareg eine weitgehende Gleichberechtigung
zwischen Frauen und Männern.
Die weitverbreitete Migration sowie die zunehmenden Probleme, traditionelle soziale Sicherungssysteme aufrechtzuerhalten bzw. durch neue Systeme zu ersetzen, haben häufig negative Auswirkungen auf die Lebenssituation von Frauen
sowie auf Aktivitäten zur Verbesserung ihrer Lebens- und Wirtschaftsbedingungen
.
Obgleich Frauen traditionell eine bedeutende Rolle im Marktwesen
spielen, lässt sich vor allem in den Städten eine zunehmende berufliche Dynamik
von Teilen der weiblichen Bevölkerung beobachten.
In der malischen Verfassung ist der Grundsatz der Gleichheit der Geschlechter festgeschrieben. Zudem hat Mali internationale Konventionen zur Beseitigung jeglicher Benachteiligung aufgrund von Geschlecht und Rasse ratifiziert. Dennoch existiert eine gesetzlich verankerte Benachteiligung der Frauen in dem Sinne, dass nach dem malischen Heiratsrecht eine Ehefrau nach der Scheidung kein Anrecht auf ihre Kinder hat, welche in der Regel im Scheidungsfall beim Vater verbleiben. Der traditionellen Praxis folgend können Väter ihre Töchter gegen ihren Willen verheiraten, wobei in manchen Fällen ein sehr frühes Heiratsalter
zu beobachten ist. Die Polygamie ist noch weit verbreitet.
Im Dezember 2011 verabschiedete die Regierung ein neues Familiengesetz
. Das Gesetz gilt als wesentlich konservativer als der ursprüngliche Gesetzentwurf
, der insbesondere die Rechte der weiblichen Bevölkerung gestärkt hätte. Letzterer war auf die entschiedene Ablehnung seitens einflussreicher islamischer Vereinigungen und eines Teils der Bevölkerung gestossen. Obwohl nahezu alle Parlamentsabgeordnete für den Entwurf des neuen Familiengesetzes gestimmt hatten, verweigerte Präsident Touré im August 2009 die Unterzeichnung
des ursprünglichen Gesetzentwurfs. Da das neue Gesetz die Gesellschaft zu spalten drohe, so der Präsident, verwies er den Gesetzentwurf zwecks Überarbeitung
an das Parlament zurück. In dem überarbeiteten Gesetzentwurf fanden zahlreiche Forderungen der islamischen Vereinigungen Berücksichtigung. Teile der Zivilgesellschaft, und insbesondere Frauenrechtsvereinigungen, kritisieren das neue Gesetz hingegen als einen Rückschritt
.
In Mali gibt es eine Vielzahl von NGO, die sich für eine bessere Teilhabe von Frauen am gesellschaftlichen Leben einsetzen. Sie sind zudem bemüht, Frauen für konkrete gesellschaftliche Themen, die keine reinen Frauenfragen sind, zu interessieren. Seit 1997 orientiert sich das Ministerium für die Förderung von Frauen, Kindern und Familien
, das in 2007 einen umfassenden Bericht zur Lage der Frauen
publiziert hat, an einem genderorientierten Gleichstellungsansatz. In der Realität besetzen Frauen in weitaus geringerem Maße öffentliche Ämter
und insbesondere Entscheidungspositionen.
Die traditionelle Gesellschaftsordnung wird durch Hierarchien geprägt. Man wird in ethnische Gruppen hineingeboren, die in Kasten unterteilt sind, wobei es zwischen den Ethnien Unterschiede geben kann. Neben der Kaste der Noblen gibt es Handwerkerkasten
sowie die Kaste der Griots
. Jede Kaste hat spezifische Aufgaben, Rechte und Pflichten, welche für die Bedeutung und Stellung der Kaste im sozialen Gefüge ausschlaggebend sind. In zahlreichen Ethnien gibt es zudem die Kaste der ehemaligen Sklaven. So teilt sich die Fulbe-Gesellschaft
in drei Kasten: Noble, Handwerker und Künstler (Weber, Schmiede, Griots) und Nachkommen ehemaliger Sklaven, die vielfach noch heute einer starken Stigmatisierung ausgesetzt sind. Auch bei den Tuareg gibt es traditionell eine Unterteilung in Noble und Abhängige (Bellah). Viele Bellah konnten sich jedoch aus den Abhängigkeitsbeziehungen lösen und haben weitgehende Eigenständigkeit erreicht. Dennoch gibt es auch weiterhin Berichte über Fälle von sklavenähnlichen Abhängigkeitsbeziehungen
. Eine Vereinigung von Betroffenen fordert seit einiger Zeit Entschädigung
und ein konsequenteres Vorgehen
der Regierung gegen offene und verdeckte Sklaverei.
Insbesondere in den ländlichen Regionen spielen Traditionen noch immer eine große Rolle. In den Städten hingegen lassen sich auf mikrosozialer Ebene erhebliche Wandlungsprozesse beobachten, welche sich an veränderten Lebensstilen und einer sich wandelnden Einstellung zu Traditionen erkennen lassen. Als Ursachen für die angesprochenen Wandlungsprozesse sind beispielsweise Migration und Schulbesuch zu nennen.
Angesichts unzureichender staatlicher Grundsicherungssysteme spielen jedoch soziale Netzwerke und die Solidarität in den Großfamilien weiterhin eine sehr große Rolle für die Absicherung und das Überleben vieler unter ärmlichen Bedingungen lebender Menschen.
Die malische Bevölkerung wird geprägt von einem hohen Anteil junger Menschen. In 2010 waren 48 % der Einwohner jünger als 15 Jahre, was eine große Herausforderung gerade für das Schulwesen bedeutet.
Im Bildungs- wie auch im Gesundheitswesen konnte Mali in den vergangenen zwei Jahrzehnten beachtliche Fortschritte erzielen. Bei der Bewertung der erzielten Fortschritte sind die selbst im afrikanischen Vergleich äußerst niedrigen Ausgangswerte sowie die insgesamt schwierigen Rahmenbedingungen zu berücksichtigen. Zudem bestehen ernste Probleme
fort, die regelmäßig zu Protesten von Teilen der Bevölkerung sowie Streiks
führen.
Das Schulsystem
gliedert sich in eine sechsjährige Grundschule und eine zweistufige Sekundarschule. Mali verfügt über ein nur unzureichend ausgebautes Grundbildungssystem
. Das vielfach niedrige Unterrichtsniveau, die großen Klassenstärken und die hohe Wiederholer- und Abbrecherquote verursachen erhebliche Akzeptanzprobleme des aktuellen Grundschulwesens bei Teilen der Bevölkerung. Problematisch wirkt sich auch die weit verbreitete Mitarbeit von Kindern
zum Beispiel in der Agrarwirtschaft oder im mobilen Handel
aus.
Der Unterricht wird zumeist in Französisch gehalten, obwohl gerade auf dem Lande viele Schüler die Sprache kaum beherrschen. Trotz allgemeiner Schulpflicht und Gebührenfreiheit in den staatlichen Schulen (im Gegensatz zu den immer zahlreicheren sogenannten kommunalen Schulen, an deren Errichtung und Betrieb die Bevölkerung stark beteiligt ist), betrug nach Angaben der Weltbank die Netto-Einschulungsrate in 2008 72 % (2005: 61 %). Bis 2015 soll allen Kindern im schulpflichtigen Alter der Schulbesuch ermöglicht werden, wobei einer der Schwerpunkte auf die Förderung des Schulbesuchs von Mädchen
gelegt werden soll. Eine Besonderheit stellen in Nordmali eingerichtete mobile Schulen für Nomadenkinder
dar, die zum Beispiel von der Welthungerhilfe unterstützt werden.
Gegenwärtig besucht lediglich eine Minderheit unter den Schülern im Anschluss an die Grundschule eine weiterführende Schule
. Der Besuch von Privatschulen
bleibt auf Grund relativ hoher Schulgebühren auf eine kleine, zumeist städtische, Minderheit begrenzt, was zu einer weiteren Verschärfung der sozialen Disparitäten beitragen könnte.
Im Rahmen des nationalen Zehnjahresprogrammes zur Entwicklung des Bildungswesens
(PRODEC) wurde in der Region Mopti mit Unterstützung der einstigen GTZ ein neues Grundbildungskonzept ausgearbeitet und umgesetzt. Das GTZ-Grundbildungsprojekt
förderte dabei unter anderem den Unterricht in Nationalsprachen
. Bei erfolgreicher Umsetzung sollen die Ergebnisse des Projekts auch auf andere Regionen Malis übertragen werden.
Die berufliche Ausbildung
gewinnt vor allem in den Städten an Bedeutung, und weist eine zunehmende Vielfalt von einfacher handwerklicher Ausbildung
bis hin zu spezialisierten Ausbildungszentren auf.
In Mali gibt es sechs Hochschulen und eine Universität
in Bamako. An der Universität Bamako, deren Umwandlung
in vier separate Universitäten im Dezember 2011 beschlossen wurde, studieren gegenwärtig über 80.000 Studenten. Die Studenten haben die Möglichkeit Stipendien
der Regierung zu beantragen. Zahlreiche malische Studenten studieren zudem an Hochschulen in Übersee
.
Die Studien- und Lehrbedingungen an der im Ausbau
befindlichen Universität Bamako werden weiterhin von ernsten Problemen
geprägt, die bisweilen Streikaktionen
und gewaltsame Proteste
nach sich ziehen.
Die Regierung plant die Errichtung neuer Universitäten in Regionshauptstädten, um das Hochschulwesen zu dezentralisieren und den Hochschulstandort Bamako zu entlasten. Die VR China hat Mali für den Bau der Universitäten in Ségou und Mopti erhebliche finanzielle Unterstützung zugesagt. Im Januar 2012 wurde die Universität Ségou
eröffnet. Im Juni 2011 beschloss die Regierung die Errichtung einer Universität in Timbuktu
.
In zunehmendem Maße entstehen vor allem in Bamako private Hochschulen
, deren Besuch aber sehr kostspielig ist.
Von großer Bedeutung sind insbesondere in Nord- und Zentralmali die zahlreichen Koranschulen
, in denen das Erlernen und Rezitieren von Koransuren im Vordergrund steht. Allerdings wird immer öfter von Fällen berichtet, in denen die Ausbildung der Talibés
genannten Koranschüler gegenüber dem Betteln und anderen Formen des Gelderwerbs zurücktritt. Ein Teil der Koranschüler kann zur Gruppe der Straßenkinder
gezählt werden, deren Zahl vor allem in Bamako steigt.
Im Bereich der Gesundheitsversorgung weist Mali eine Reihe besorgniserregender Indikatoren
auf. Unzureichender Zugang zu Gesundheitseinrichtungen, Armut, fehlende Sanitäranlagen
, weitverbreitete Unter- und Mangelernährung
sowie mangelndes sauberes Trinkwasser
stellen vielfach eng miteinander verknüpfte Probleme dar, welche in einer erhöhten Anfälligkeit weiter Kreise der Bevölkerung gegenüber schwerwiegenden Erkrankungen (zum Beispiel Malaria, ernste Durchfallerkrankungen) resultieren. Im Sommer 2011 wurde aus verschiedenen Landesteilen der Ausbruch einer Choleraepidemie
gemeldet.
Ein erhebliches Problem stellt der Verkauf gefälschter Medikamente dar.
Malaria ist weiterhin die häufigste tödlich endende Erkrankung. In verstärktem Maße engagiert sich die malische Regierung in der Malariabekämpfung
. So steht Kindern bis zum fünften Lebensjahr und schwangeren Frauen die Möglichkeit einer kostenlosen Malariaprävention zu. Gefördert wird auch die Verwendung von imprägnierten Moskitonetzen
, welche das Infektionsrisiko reduzieren helfen sollen, sowie die Erforschung neuer Methoden
in der Malariabekämpfung. Hingegen haben sich Tests mit Anti-Malariaimpfstoffen als nicht erfolgreich erwiesen. Im Nachbarland Senegal erzielte Fortschritte bei der Bekämpfung von Malaria
könnten möglicherweise auch für das malische Gesundheitswesen interessant sein.
Unterstützung bei der Bekämpfung der Malaria, sowie von Tuberkulose und Aids, erhält Mali unter anderem vom Global Fund
. Allerdings wurde offenbar ein Teil der in diesem Rahmen geleisteten Unterstützung veruntreut
, was von wichtigen Geberländern klar verurteilt wurde.
Verstärkte Aufmerksamkeit wird auch der Förderung der modernen Familienplanung
gewidmet, die bislang nur von einer kleinen Minderheit praktiziert wird.
Ein wichtiges Kernelement der nationalen Gesundheitspolitik ist das PRODESS
, ein auf die Verbesserung des Gesundheitswesens abzielendes nationales Entwicklungsprogramm. Im Rahmen der Dezentralisierung des Gesundheitswesens wurde als eine neue Institution der Basisgesundheitsversorgung die CSCOM gegründet. Insbesondere auf dem Lande sind in den letzten fünfzehn Jahren zahlreiche neue CSCOM gebaut worden. Bei den CSCOM handelt es sich um Gesundheitszentren
, die von Nutzergruppen betrieben werden und vor allem in den folgenden Bereichen tätig sind: Impfungen
gegen die wichtigsten ansteckenden Krankheiten, Erste-Hilfe-Versorgung, Entbindungen sowie die Bekämpfung der Kindersterblichkeit
. Mali wies in 2010 die zweithöchste Kindersterblichkeitsrate weltweit auf (178 Sterbefälle auf 1000 Lebendgeborene; z.Vgl.: Niger 143, Burkina Faso 176, Senegal 75).
Angestrebt wird eine engere Zusammenarbeit zwischen Kommunen und den CSCOM.
Wesentliche Probleme bei der Verbesserung der Basisgesundheitsversorgung
sind in einem Evaluierungsbericht auf der Internetseite der KfW zusammengefasst. Informationen über neue Ansätze zur Verbesserung des Zugangs zur Basisgesundheitsversorgung finden sich unter anderem auf der Internetseite der Novartis Stiftung
.
Ein erheblicher Teil des staatlichen Gesundheitsbudgets wird für Löhne, Verwaltung, Transportkosten, Trainings- und Weiterbildungsmaßnahmen und spezialisierte Weiterbehandlung ausgegeben. Programme der Basisgesundheitsversorgung und der Gesundheitserziehung werden hingegen weitgehend von Gebern finanziert. Krankenhäuser
gibt es bislang weitgehend nur in den größeren Städten.
Vor allem in Bamako gibt es eine rasch steigende Zahl privater Arztpraxen und Kliniken
, deren Leistungen in vielen Fällen jedoch Gegenstand einer kontroversen Debatte sind.
Aids
stellt ein zunehmend ernstes Problem dar. In Mali waren in 2009 offiziell 1 % der Bevölkerung im Alter von 15 bis 49 Jahren HIV-positiv, wobei der Anteil in Bamako und bei Risikogruppen
(Prostituierte
, LKW-Fahrer) aber erheblich höher lag. Im Übrigen weist die weibliche Bevölkerung eine höhere Infizierungsrate als die männliche Bevölkerung auf.
Der staatliche Gesundheitsdienst, Teile der Medien
und der Privatwirtschaft
, sowie zahlreiche NRO haben begonnen, auf die Aidsproblematik mit vielfältigen Informationskampagnen
und Präventionsmaßnahmen
zu reagieren. Der Zugang zu Behandlungsmöglichkeiten ist bislang extrem eingeschränkt.
Die Praxis der weiblichen Genitalverstümmelung
ist in Mali in fast allen Ethnien weit verbreitet. Lediglich bei den Songhay und Tuareg ist nur ein geringer Prozentsatz der Mädchen und Frauen beschnitten. Das Eintreten gegen die Genitalverstümmelung
ist mittlerweile ein wichtiger Bestandteil der malischen Gesundheits- und Bevölkerungspolitik wie auch der Entwicklungszusammenarbeit geworden. Forderungen nach einem gesetzlichen Verbot der verschiedenen Formen der Beschneidung werden schon seit längerer Zeit erhoben, lassen sich allerdings noch nicht durchsetzen. Sinnvoller und erfolgreicher erscheinen hingegen Informations- und Sensibilisierungsaktivitäten
wie Theateraufführungen und Radiosendungen
. Hintergrundinformationen
zur Verbreitung und zu den Praktiken der weiblichen Genitalverstümmelung sowie zu Ansätzen ihrer Prävention kann man beispielsweise auf den Internetseiten der GIZ und von INTACT
finden.
Es bleibt abzuwarten, ob auch in Mali Korangelehrte eine Fatwa gegen die weibliche Genitalverstümmelung
erlassen werden, wie in 2010 in Mauretanien geschehen.
Im Hinblick auf die kulturelle Vielfalt
gehört das Vielvölkerland Mali zu den interessantesten Staaten des subsaharischen Afrika. Im Lande findet man ein reiches Mosaik an Traditionen
und kulturellen Ausdrucksformen.
In der malischen Gesellschaft wird viel Wert auf Konsens und Zusammenhalt gelegt, sei es in der Großfamilie oder im Dorf. Kritik und Meinungsverschiedenheiten werden, zumindest in traditionellen Milieus, nur selten offen geäußert, wobei es jedoch - gewissermaßen als Ventile für das Reduzieren von Spannungen - bestimmte Kommunikations- und Konfliktlösungsmechanismen gibt. In diesem Zusammenhang spielen die Griots eine Rolle, die zum Beispiel bei Familienstreitigkeiten vermitteln. In erster Linie fungieren die Griots als Bewahrer des oralen Wissens, beispielsweise der Geschichte bestimmter Familien, sowie des musikalischen Erbes (zur Griot-Musik der Fulbe
: oneworld). Sie singen Balladen, musizieren und erzählen, wobei sie als gesellschaftliche Außenseiter auch Kritik und Spott äußern können. Bei vielen Zeremonien und Feierlichkeiten
ist die Anwesenheit eines Griots erforderlich und erwünscht. Viele der berühmtesten malischen Musiker, wie zum Beispiel Cheick Hamala Diabaté
, stammen aus Griot-Familien. Wandlungen in der Griot-Kultur sowie die Stellung der Griots in der heutigen Gesellschaft Malis wurden von einem Forschungsprojekt der FU Berlin untersucht.
Viele Malier führen die innergesellschaftliche und zwischenethnische Harmonie auf die Existenz der sogenannten Scherzbeziehungen
(auch Cousinage genannt) zurück, welche erlauben, fremde Personen „auf den Arm zu nehmen“ und dadurch Konflikten schon im Ansatz zu begegnen. Zudem helfen Scherzbeziehungen, Allianzen zwischen Ethnien, beispielsweise zwischen Dogon und Bozo, beziehungsweise zwischen Familienclans, so zum Beispiel zwischen Keita und Coulibaly, zu schaffen und aufrechtzuerhalten. Die Scherzbeziehungen, die bis heute von vielen Maliern aktiv und gerne gepflegt werden, leisten einen wesentlichen Beitrag zum friedlichen Zusammenleben sehr unterschiedlicher Individuen und Gruppen. Ausführliche Hintergrundinformationen zu den Scherzbeziehungen sowie zu traditionellen Konfliktvermeidungs- und Regelungsmechanismen findet man bei Doulaye Konaté
.
In der Architektur des in Mali weit verbreiteten Sudanstils lassen sich zahlreiche nordafrikanische Einflüsse finden, welche auf die engen historischen Verbindungen zwischen Nordafrika und dem Sahel-Sudan-Raum zurückzuführen sind. Eine der beeindruckendsten Städte Westafrikas ist die tausendjährige Stadt Djenné, eines der Zentren der traditionellen sudanesischen Lehmarchitektur. Die Altstadt von Djenné
mit ihrer beeindruckenden Großen Moschee wurde 1988 von der UNESCO zum Weltkulturerbe
erklärt. Wenige Kilometer von Djenné entfernt liegt die kulturhistorisch bedeutende Ausgrabungsstätte Djenné Djéno
. Dorfmoscheen
prägen das Gesicht vieler Dörfer und sind sowohl Ausdruck einer tiefen Religiosität wie auch der sudanesischen Lehmarchitektur. In den Jahren 2004 bis 2006 wurde eine der landesweit wichtigsten Moscheen in Mopti
umfassend restauriert.
Das Handwerk ist in Mali weit verbreitet. Hergestellt werden sowohl Werkzeuge, Geräte und Güter des täglichen Lebens (z.B. Töpferwaren
), wie auch eine Vielzahl von kunsthandwerklichen Produkten, wie z.B. im traditionellen Puppentheater verwendete Marionetten
sowie die über die Landesgrenzen hinaus berühmten gefärbten Bogolan-Stoffe
, welche die Grundlage für innovatives Textilhandwerk
bilden.
Eine erhebliche Bedrohung des kunsthistorischen Erbes des Landes stellt der Handel mit geraubten Kunstgegenständen
dar.
Die malische Musikkultur
vereinigt eine Vielzahl traditioneller und moderner Einflüsse und Stilrichtungen
. Zahlreiche malische Musiker
sind auch in Europa bekannt, beispielsweise Ali Farka Touré
, Oumou Sangaré
, Salif Keita, Rokia Traoré
, Bassekou Kouyaté
, Babani Koné
, das blinde Sängerpaar Amadou und Mariam
, Toumani Diabaté
, Fatoumata Diawara
, die Rapband Smod
und die Tuaregband Tinariwen
, in der sich ehemalige Rebellen
zusammengefunden haben. Europäische und amerikanische Musiker, wie Jasper van't Hof
und Ry Cooder haben sich von der traditionellen Musik Malis inspirieren lassen.
Zahlreiche Künstler, so zum Beispiel der Sänger Salif Keita
, beziehen zu sozialen Fragen Stellung. So tritt Salif Keita gegen die Diskriminierung von Albinos
ein, die auch in Mali anzutreffen ist. Für sein Engagement erhielt er im Juni 2009 den Festivalpreis
des Afrika-Festivals Würzburg.
Zunehmende internationale Beachtung erlangte das Musikfestival in Essakane
in Nordmali. Allerdings findet das Festival, das als Festival au Désert
bekannt ist, seit 2010 aus Sicherheitsgründen in Timbuktu statt. Persönliche Eindrücke von einer Reise zum Musikfestival in Essakane findet man im Reisetagebuch des Musikers Hubert von Goisern
. Ebenfalls seit einigen Jahren findet in Ségou das Nigerfestival
statt.
In Djenné wird anlässlich des alljährlichen feierlichen Verputzens der Außenwände der Großen Moschee
das Djennery-Festival
organisiert.
Sehr sehenswert ist auch das alljährliche Volksfest der Fulbe anlässlich der Nigerüberquerung von Rinderherden in Diafarabé
(Region Mopti).
International bekannte malische Filmemacher sind Souleymane Cissé
, Assane Kouyaté und Cheick Oumar Sissoko
. Hintergrundinformationen zum Film Kabala
des Regisseurs Assane Kouyaté findet man auf der Internetseite von Africa Alive. Viel Beachtung fand der in 2006 produzierte globalisierungskritische Film Bamako
des mauretanischen Filmemachers Abderrahmane Sissoko. Mit der Emigrationsproblematik setzen sich das Theaterstück „Pourquoi partir?“ und der Film Mirages
auseinander.
Der Fotograph Malick Sidibé
zählt zu den bedeutendsten Fotographen des subsaharischen Afrikas. Als erster Bürger Afrikas erhielt er bei der Biennale 2007 in Venedig einen Goldenen Löwe
. Die Auszeichnung wurde ihm für sein Lebenswerk verliehen. Eine Auswahl seiner Fotografien lässt sich zum Beispiel auf der Internetseite von Afronova
finden.
Als berühmtester malischer Schriftsteller gilt Amadou Hampaté Bâ
.
Aktuelle Informationen zum kulturellen Angebot in Bamako und zum Kulturgeschehen lassen sich auf der Internetseite von Bamako culture
finden. Empfehlenswert ist auch die Internetseite des Französischen Kulturzentrums
.
Schätzungsweise 90 % der Malier bekennen sich zum Islam (fast ausschliesslich Sunniten). Die zweitgrößte Religionsgruppe stellen die Anhänger von Naturreligionen, die zahlenmäßig schwer erfassbar sind. Christen machen lediglich wenige Prozente der Bevölkerung aus, wobei Katholiken in der Mehrzahl sind und Christen vor allem unter den Angehörigen kleinerer Ethnien anzutreffen sind.
Die größte aus Lehm errichtete Moschee der Welt befindet sich in Djenné, ca. 500 km nordöstlich von Bamako. Die in den Jahren 1907 bis 1909 errichtete Moschee ist ein exzellentes Beispiel für den sudanesischen Moschee-Baustil. Einmal die Woche findet auf dem weitläufigen Vorplatz der Moschee ein großer Markt
statt (im Bildvordergrund).
In 2009 wurde in Timbuktu ein mit südafrikanischer Unterstützung errichtetes modernes Forschungs- und Studienzentrum
eröffnet, das sich der Erforschung und dem Erhalt des reichen islamischen Schriftschatzes der Stadt widmet. Zahlreiche der alten Schriften werden in privaten Haushalten und in einer Privatbibliothek
aufbewahrt.
Die Übergänge zwischen Islam und Christentum auf der einen Seite, und traditionellen Glaubensvorstellungen
der Naturreligionen auf der anderen Seite sind bisweilen fliessend.
Obwohl sich ca. 90 % der Malier zum Islam bekennen, haben traditionelle Glaubensvorstellungen einen hohen Stellenwert beibehalten und fließen weiterhin in viele Bereiche des Lebens ein. Eine Besonderheit bei den Bambara ist das Fortbestehen von Geheimbünden
. Auch in der traditionell geprägten Dogon-Kultur
spielen traditionelle Glaubensvorstellungen immer noch eine große Rolle. Bei allen Volksgruppen weit verbreitet sind sogenannte Gris-Gris
, worunter man eine Vielzahl von Schutz- und Glücksamuletten versteht. Sie sollen vor Unglück bewahren und Glück bringen.
Der in Mali praktizierte Islam kann als gemäßigt bezeichnet werden. Allerdings gewinnen Befürworter
einer strikteren Glaubenslegung und -ausübung an Bedeutung. Dennoch stellen verschleierte Frauen in der Öffentlichkeit weiterhin die Ausnahme dar. Mit Besorgnis wird in Bamako jedoch das bisweilen gewaltsame Vorgehen
einer Minderheit unter den Moslems gegen als unmoralisch gebrandmarkte Bars und Hotels beobachtet.
Der Islam hat einen prägenden Einfluß auf die Gesellschaft und das Alltagsleben, was sich vor allem während des Fastenmonats Ramadan
beobachten lässt. Insbesondere im ländlichen Raum prägen die fünf Gebete den Tagesablauf. Koranlehrer und Schriftgelehrte genießen hohes Ansehen und spielen eine große Rolle sowohl als Ratgeber wie auch als Schlichter von Streitigkeiten. Hoch angesehen sind auch Mekka-Pilger
.
Wichtigste Feste sind das islamische Opferfest Aid el Kebir, in Mali Tabaski
genannt, sowie das Fest am Ende des islamischen Fastenmonats Ramadan.
Das Verhältnis zwischen der Regierung und den einflussreichen islamischen Vereinigungen
wurde durch die Pläne der Regierung zur Einführung eines neuen Familiengesetzes auf eine ernste Probe gestellt. In dem im Dezember 2011 verabschiedeten Gesetz fanden letztlich zahlreiche Forderungen der islamischen Vereinigungen Berücksichtigung. Das Gesetz gilt daher als wesentlich konservativer als der ursprüngliche Gesetzentwurf, der von den islamischer Vereinigungen und einem Teil der Bevölkerung abgelehnt wurde. Ingesamt lässt sich seit einigen Jahren ein zunehmender Einfluß
der islamischen Vereinigungen auf die Politik ausmachen.
Hintergrundinformationen zum Verhältnis von Islam und Politik in Westafrika
bietet die FES. Hinsichtlich der Berücksichtigung islamischer Werte bei der Planung von Entwicklungsprojekten
hat das Kleinkreditprogramm des GTZ-Programms Mali-Nord grundlegende Erfahrungen gesammelt.
Der Diplom-Geograph Kai-Uwe Seebörger lebt in Berlin.
Seit 1993 ist er in der Entwicklungszusammenarbeit tätig. Mehrjährige Arbeitsaufenthalte und verschiedene Gutachtereinsätze in westafrikanischen Staaten mit Schwerpunkt Mali. Tutor in der Akademie für internationale Zusammenarbeit (AIZ) der GIZ. Lehraufträge an Universitäten und Fachhochschulen.
Ich freue mich auf Ihre Anregungen, Kommentare, Kritik.
Weiterführende Literatur zu den Themen:
Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im März 2012 aktualisiert.
Die AIZ mit Sitz in Bad Honnef bietet mehr als 50 monatlich stattfindende Trainingskurse zu folgenden Themen an:
Gerne konzipieren wir für Sie maßgeschneiderte Trainingskurse, die sich an Ihren individuellen Bedürfnissen und Interessen orientieren. Wir freuen uns über Ihre Anfragen!