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Moschee in Dschenné, Foto: Kai-Uwe Seebörger

Gesellschaft, Kultur und Religion

BeschreibungInhalt
Amtssprache(n):französisch
Regionalsprachen:Bambara, Fulfulde
bedeutendste Religion:Islam (ca. 90 %)
weitere bedeutende Religion:Naturreligionen
Städtische Bevölkerung:33 %
Lebenserwartung:54 Jahre

Mali

Landesflagge Mali

Makrosoziale Struktur

Regionalismus, Ethnizität und Tribalismus

Aufgrund seiner Lage im Übergangsbereich zwischen Nord- und Westafrika sowie einer langen Abfolge von Migrationsbewegungen ist Mali ein VielvölkerstaatÖffnet externen Link in neuem Fenster , der von einer großen kulturellen und sprachlichen VielfaltÖffnet externen Link in neuem Fenster geprägt wird. Ausgeprägte Unterschiede bestehen in dieser Hinsicht insbesondere zwischen den v.a. im Norden lebenden hellhäutigen Volksgruppen der TuaregÖffnet externen Link in neuem Fenster und der MaurenÖffnet externen Link in neuem Fenster, und der im Zentrum und Süden des Landes dominierenden dunkelhäutigen Bevölkerungsmehrheit. Zahlenmäßig mit weitem Abstand größte Ethnie sind die BambaraÖffnet externen Link in neuem Fenster, welche zusammen mit den kleineren verwandten Ethnien der MalinkéÖffnet externen Link in neuem Fenster und Dioula ca. 51 % der Bevölkerung ausmachen. Weitere größere Ethnien sind FulbeÖffnet externen Link in neuem Fenster (11 %), SarakolléÖffnet externen Link in neuem Fenster (9 %), SenoufoÖffnet externen Link in neuem Fenster (9 %) und SonghayÖffnet externen Link in neuem Fenster (7 %). Die restliche Bevölkerung verteilt sich auf verschiedene kleinere Ethnien wie DogonÖffnet externen Link in neuem Fenster, BozoÖffnet externen Link in neuem Fenster, Bobo, Tuareg, und Mauren.

Die originären SiedlungsgebieteÖffnet externen Link in neuem Fenster der einzelnen Ethnien weisen u.a. als Folge von Migrationsbewegungen eine Reihe von Überlagerungen auf und sind vielfach nicht eindeutig abgrenzbar. So ist z.B. das Hauptsiedlungsgebiet der DogonÖffnet externen Link in neuem Fenster in Zentralmali seit einigen Jahrzehnten immer stärker von Abwanderung geprägt, mit der Folge, daß heute bereits mehr Dogon außerhalb des Dogonlandes als im Dogonland selbst leben.

 

Tuareg
Fotos: Kai-Uwe Seebörger
Fulbe-Hirten

Vielvölkerstaat Mali: Die Bilder zeigen Tuareg (links oben), Fulbe-Hirten (rechts oben) sowie einen Songhay-Bauer (unten)

Songhay-Bauer
Foto: Kai-Uwe Seebörger

Bei den traditionell (halb-) nomadischen Tuareg und Mauren lassen sich in zunehmendem Maße Tendenzen der Sesshaftwerdung erkennen, welche in vielen Fällen in Zusammenhang stehen mit sich wandelnden ökologischen und sozioökonomischen RahmenbedingungenÖffnet externen Link in neuem Fenster. Der Anteil der nomadischen Bevölkerung ist seit Jahrzehnten rückläufig und wurde Ende der neunziger Jahre auf unter 4 % der Gesamtbevölkerung geschätzt.

Wichtigste Nationalsprache ist die Bambara-SpracheÖffnet externen Link in neuem Fenster, die zunehmend zur Lingua Franca Malis geworden ist und von ca. 80 % der malischen Bevölkerung gesprochen wird. Mittlerweile gibt es auch ein Bambara-Online-LexikonÖffnet externen Link in neuem Fenster. Amtssprache ist Französisch.

Soziale Lage und soziale Klassen

Die Masse der malischen Bevölkerung lebt unterhalb der ArmutsgrenzeÖffnet externen Link in neuem Fenster und bestreitet ihren Lebensunterhalt weitestgehend durch Tätigkeiten in der Agrarwirtschaft und zunehmend auch im informellen Sektor.

Die Möglichkeiten, einen Arbeitsplatz im modernen Wirtschaftssektor (Industrie und Dienstleistungen) zu finden, beschränken sich weitgehend auf die Städte. Aufgrund der Schwäche des modernen Wirtschaftssektors und der anhaltend hohen Zuwanderung aus dem ländlichen Raum stellt die ArbeitslosigkeitÖffnet externen Link in neuem Fenster auch in den Städten ein ernstes Problem dar, wovon auch zahlreiche HochschulabsolventenÖffnet externen Link in neuem Fenster betroffen sind. Hieran konnten bislang auch staatliche Förderprogramme nur wenig ändern.

GewerkschaftenÖffnet externen Link in neuem Fenster engagieren sich gegen den Arbeitsplatzabbau in Folge der Privatisierung staatlicher Unternehmen.

Stadt-Land-Verhältnis und Migration

In den letzten Jahrzehnten hat der Anteil der städtischen Bevölkerung stark zugenommen, wobei die Hauptursache hierfür in einer massiven Land-Stadt-Wanderung zu sehen ist. Die Gründe für die AbwanderungÖffnet externen Link in neuem Fenster aus dem ländlichen Raum sind komplex und umfassen sowohl ökonomische, soziale und ökologische Ursachen.

Von großer Bedeutung ist die AuswanderungÖffnet externen Link in neuem Fenster, die vielfach unter gefahrvollen BedingungenÖffnet externen Link in neuem Fenster erfolgt. In vielen Fällen investieren Familien relativ hohe GeldbeträgeÖffnet externen Link in neuem Fenster, um jüngeren Familienmitgliedern die Auswanderung nach Europa zu ermöglichen. Schätzungsweise drei bis vier Mio. Malier leben dauerhaft außerhalb der malischen Staatsgrenzen, insbesondere in der ElfenbeinküsteÖffnet externen Link in neuem Fenster sowie anderen Nachbarstaaten. Nach unterschiedlichen Schätzungen leben 80.000 bis 200.000 Malier in FrankreichÖffnet externen Link in neuem Fenster, von denen schätzungsweise ein Drittel keinen gültigen Aufenthaltsstatus hat. Aus Frankreich werden zahlreiche ZwangsabschiebungenÖffnet externen Link in neuem Fenster malischer Emigranten gemeldet, wobei in Mali selber die Selbstorganisation von AbgeschobenenÖffnet externen Link in neuem Fenster allmählich an Bedeutung gewinnt.

Es ist zu befürchten, dass zahlreiche malische Immigranten in libyschen Internierungslagern Öffnet externen Link in neuem Fensterfestgehalten werden.

Geschlechterverhältnis

In Mali - wie auch in vielen anderen Staaten Afrikas - sind Frauen gegenüber der männlichen Bevölkerung weitgehend benachteiligt. Dies gilt sowohl hinsichtlich des Zugangs zu Bildung und Beschäftigung, wie auch des sozialen und ökonomischen Status von Frauen. Jedoch bestehen Unterschiede zwischen den verschiedenen Ethnien. Bei den Bambara beschränkt sich der Einflußbereich der Frauen weitgehend auf das Familiengehöft, während die Vertretung der Familieninteressen auf dem Niveau der Dorfebene von den Männern wahrgenommen wird. Im Vergleich zu anderen Ethnien herrscht bei den Tuareg eine weitgehende GleichberechtigungÖffnet externen Link in neuem Fenster zwischen Frauen und Männern.

Die weitverbreitete Migration sowie die zunehmenden Probleme, traditionelle soziale Sicherungssysteme aufrechtzuerhalten bzw. durch neue Systeme zu ersetzen, haben häufig negative Auswirkungen auf die Lebenssituation von FrauenÖffnet externen Link in neuem Fenster sowie auf Aktivitäten zur Verbesserung ihrer Lebens- und WirtschaftsbedingungenÖffnet externen Link in neuem Fenster.

Obgleich Frauen traditionell eine bedeutende Rolle im MarktwesenÖffnet externen Link in neuem Fenster spielen, lässt sich vor allem in den Städten eine zunehmende berufliche DynamikÖffnet externen Link in neuem Fenster von Teilen der weiblichen Bevölkerung beobachten.

Frauen beim Stampfen von Hirse
Foto: Kai-Uwe Seebörger

 

 

Frauen in einem Dorf in Zentralmali beim Stampfen von Hirse. Das gewonnene Mehl dient der Zubereitung von Hirsebrei

In der malischen Verfassung ist der Grundsatz der Gleichheit der Geschlechter festgeschrieben. Zudem hat Mali internationale Konventionen zur Beseitigung jeglicher Benachteiligung aufgrund von Geschlecht und Rasse ratifiziert. Dennoch existiert eine gesetzlich verankerte Benachteiligung der Frauen in dem Sinne, dass nach dem malischen Heiratsrecht eine Ehefrau nach der Scheidung kein Anrecht auf ihre Kinder hat, welche in der Regel im Scheidungsfall beim Vater verbleiben. Der traditionellen Praxis folgend können Väter ihre Töchter gegen ihren Willen verheiraten, wobei in manchen Fällen ein sehr frühes HeiratsalterÖffnet externen Link in neuem Fenster zu beobachten ist. Die Polygamie ist noch weit verbreitet.

Im Dezember 2011 verabschiedete die Regierung ein neues FamiliengesetzÖffnet externen Link in neuem Fenster. Das Gesetz gilt als wesentlich konservativer als der ursprüngliche GesetzentwurfÖffnet externen Link in neuem Fenster, der insbesondere die Rechte der weiblichen Bevölkerung gestärkt hätte. Letzterer war auf die entschiedene Ablehnung seitens einflussreicher islamischer Vereinigungen und eines Teils der Bevölkerung gestossen. Obwohl nahezu alle Parlamentsabgeordnete für den Entwurf des neuen Familiengesetzes gestimmt hatten, verweigerte Präsident Touré im August 2009 die UnterzeichnungÖffnet externen Link in neuem Fenster des ursprünglichen Gesetzentwurfs. Da das neue Gesetz die Gesellschaft zu spalten drohe, so der Präsident, verwies er den Gesetzentwurf zwecks ÜberarbeitungÖffnet externen Link in neuem Fenster an das Parlament zurück. In dem überarbeiteten Gesetzentwurf fanden zahlreiche Forderungen der islamischen Vereinigungen Berücksichtigung. Teile der Zivilgesellschaft, und insbesondere Frauenrechtsvereinigungen, kritisieren das neue Gesetz hingegen als einen RückschrittÖffnet externen Link in neuem Fenster.

In Mali gibt es eine Vielzahl von NGO, die sich für eine bessere Teilhabe von Frauen am gesellschaftlichen Leben einsetzen. Sie sind zudem bemüht, Frauen für konkrete gesellschaftliche Themen, die keine reinen Frauenfragen sind, zu interessieren. Seit 1997 orientiert sich das Ministerium für die Förderung von Frauen, Kindern und FamilienÖffnet externen Link in neuem Fenster, das in 2007 einen umfassenden Bericht zur Lage der FrauenÖffnet externen Link in neuem Fenster publiziert hat, an einem genderorientierten Gleichstellungsansatz. In der Realität besetzen Frauen in weitaus geringerem Maße öffentliche ÄmterÖffnet externen Link in neuem Fenster und insbesondere Entscheidungspositionen.

Mikrosoziale Struktur

Die traditionelle Gesellschaftsordnung wird durch Hierarchien geprägt. Man wird in ethnische Gruppen hineingeboren, die in Kasten unterteilt sind, wobei es zwischen den Ethnien Unterschiede geben kann. Neben der Kaste der Noblen gibt es HandwerkerkastenÖffnet externen Link in neuem Fenster sowie die Kaste der GriotsÖffnet externen Link in neuem Fenster. Jede Kaste hat spezifische Aufgaben, Rechte und Pflichten, welche für die Bedeutung und Stellung der Kaste im sozialen Gefüge ausschlaggebend sind. In zahlreichen Ethnien gibt es zudem die Kaste der ehemaligen Sklaven. So teilt sich die Fulbe-GesellschaftÖffnet externen Link in neuem Fenster in drei Kasten: Noble, Handwerker und Künstler (Weber, Schmiede, Griots) und Nachkommen ehemaliger Sklaven, die vielfach noch heute einer starken Stigmatisierung ausgesetzt sind. Auch bei den Tuareg gibt es traditionell eine Unterteilung in Noble und Abhängige (Bellah). Viele Bellah konnten sich jedoch aus den Abhängigkeitsbeziehungen lösen und haben weitgehende Eigenständigkeit erreicht. Dennoch gibt es auch weiterhin Berichte über Fälle von sklavenähnlichen AbhängigkeitsbeziehungenÖffnet externen Link in neuem Fenster. Eine Vereinigung von Betroffenen fordert seit einiger Zeit EntschädigungÖffnet externen Link in neuem Fenster und ein konsequenteres VorgehenÖffnet externen Link in neuem Fenster der Regierung gegen offene und verdeckte Sklaverei.

Bellah
Fotos: Kai-Uwe Seebörger

 

 

 

 

 

 

 

Die Tuareg-Frau (unten) und der Bellah (links) stehen stellvertretend für die ethnische Vielfalt das Landes

Tuareg-Frau

 

Insbesondere in den ländlichen Regionen spielen Traditionen noch immer eine große Rolle. In den Städten hingegen lassen sich auf mikrosozialer Ebene erhebliche Wandlungsprozesse beobachten, welche sich an veränderten Lebensstilen und einer sich wandelnden Einstellung zu Traditionen erkennen lassen. Als Ursachen für die angesprochenen Wandlungsprozesse sind beispielsweise Migration und Schulbesuch zu nennen.

Angesichts unzureichender staatlicher Grundsicherungssysteme spielen jedoch soziale Netzwerke und die Solidarität in den Großfamilien weiterhin eine sehr große Rolle für die Absicherung und das Überleben vieler unter ärmlichen Bedingungen lebender Menschen.

 

Bildung

Schule und Berufsbildung

Die malische Bevölkerung wird geprägt von einem hohen Anteil junger Menschen. In 2010 waren 48 % der Einwohner jünger als 15 Jahre, was eine große Herausforderung gerade für das Schulwesen bedeutet.

Im Bildungs- wie auch im Gesundheitswesen konnte Mali in den vergangenen zwei Jahrzehnten beachtliche Fortschritte erzielen. Bei der Bewertung der erzielten Fortschritte sind die selbst im afrikanischen Vergleich äußerst niedrigen Ausgangswerte sowie die insgesamt schwierigen Rahmenbedingungen zu berücksichtigen. Zudem bestehen ernste ProblemeÖffnet externen Link in neuem Fenster fort, die regelmäßig zu Protesten von Teilen der Bevölkerung sowie StreiksÖffnet externen Link in neuem Fenster führen.

Das SchulsystemÖffnet externen Link in neuem Fenster gliedert sich in eine sechsjährige Grundschule und eine zweistufige Sekundarschule. Mali verfügt über ein nur unzureichend ausgebautes GrundbildungssystemÖffnet externen Link in neuem Fenster. Das vielfach niedrige Unterrichtsniveau, die großen Klassenstärken und die hohe Wiederholer- und Abbrecherquote verursachen erhebliche Akzeptanzprobleme des aktuellen Grundschulwesens bei Teilen der Bevölkerung. Problematisch wirkt sich auch die weit verbreitete Mitarbeit von KindernÖffnet externen Link in neuem Fenster zum Beispiel in der Agrarwirtschaft oder im mobilen HandelÖffnet externen Link in neuem Fenster aus.

Der Unterricht wird zumeist in Französisch gehalten, obwohl gerade auf dem Lande viele Schüler die Sprache kaum beherrschen. Trotz allgemeiner Schulpflicht und Gebührenfreiheit in den staatlichen Schulen (im Gegensatz zu den immer zahlreicheren sogenannten kommunalen Schulen, an deren Errichtung und Betrieb die Bevölkerung stark beteiligt ist), betrug nach Angaben der Weltbank die Netto-Einschulungsrate in 2008 72 % (2005: 61 %). Bis 2015 soll allen Kindern im schulpflichtigen Alter der Schulbesuch ermöglicht werden, wobei einer der Schwerpunkte auf die Förderung des Schulbesuchs von MädchenÖffnet externen Link in neuem Fenster gelegt werden soll. Eine Besonderheit stellen in Nordmali eingerichtete mobile Schulen für NomadenkinderÖffnet externen Link in neuem Fenster dar, die zum Beispiel von der Welthungerhilfe unterstützt werden.

Gegenwärtig besucht lediglich eine Minderheit unter den Schülern im Anschluss an die Grundschule eine weiterführende SchuleÖffnet externen Link in neuem Fenster. Der Besuch von PrivatschulenÖffnet externen Link in neuem Fenster bleibt auf Grund relativ hoher Schulgebühren auf eine kleine, zumeist städtische, Minderheit begrenzt, was zu einer weiteren Verschärfung der sozialen Disparitäten beitragen könnte.

Im Rahmen des nationalen Zehnjahresprogrammes zur Entwicklung des BildungswesensÖffnet externen Link in neuem Fenster (PRODEC) wurde in der Region Mopti mit Unterstützung der einstigen GTZ ein neues Grundbildungskonzept ausgearbeitet und umgesetzt. Das GTZ-GrundbildungsprojektÖffnet externen Link in neuem Fenster förderte dabei unter anderem den Unterricht in NationalsprachenÖffnet externen Link in neuem Fenster. Bei erfolgreicher Umsetzung sollen die Ergebnisse des Projekts auch auf andere Regionen Malis übertragen werden.

Die berufliche AusbildungÖffnet externen Link in neuem Fenster gewinnt vor allem in den Städten an Bedeutung, und weist eine zunehmende Vielfalt von einfacher handwerklicher AusbildungÖffnet externen Link in neuem Fenster bis hin zu spezialisierten Ausbildungszentren auf.

Hochschulbildung

In Mali gibt es sechs Hochschulen und eine UniversitätÖffnet externen Link in neuem Fenster in Bamako. An der Universität Bamako, deren UmwandlungÖffnet externen Link in neuem Fenster in vier separate Universitäten im Dezember 2011 beschlossen wurde, studieren gegenwärtig über 80.000 Studenten. Die Studenten haben die Möglichkeit StipendienÖffnet externen Link in neuem Fenster der Regierung zu beantragen. Zahlreiche malische Studenten studieren zudem an Hochschulen in ÜberseeÖffnet externen Link in neuem Fenster.

Die Studien- und Lehrbedingungen an der im AusbauÖffnet externen Link in neuem Fenster befindlichen Universität Bamako werden weiterhin von ernsten ProblemenÖffnet externen Link in neuem Fenster geprägt, die bisweilen StreikaktionenÖffnet externen Link in neuem Fenster und gewaltsame ProtesteÖffnet externen Link in neuem Fenster nach sich ziehen.

Die Regierung plant die Errichtung neuer Universitäten in Regionshauptstädten, um das Hochschulwesen zu dezentralisieren und den Hochschulstandort Bamako zu entlasten. Die VR China hat Mali für den Bau der Universitäten in Ségou und Mopti erhebliche finanzielle Unterstützung zugesagt. Im Januar 2012 wurde die Universität SégouÖffnet externen Link in neuem Fenster eröffnet. Im Juni 2011 beschloss die Regierung die Errichtung einer Universität in TimbuktuÖffnet externen Link in neuem Fenster.

In zunehmendem Maße entstehen vor allem in Bamako private HochschulenÖffnet externen Link in neuem Fenster, deren Besuch aber sehr kostspielig ist.

Non-formale Bildung

Von großer Bedeutung sind insbesondere in Nord- und Zentralmali die zahlreichen KoranschulenÖffnet externen Link in neuem Fenster, in denen das Erlernen und Rezitieren von Koransuren im Vordergrund steht. Allerdings wird immer öfter von Fällen berichtet, in denen die Ausbildung der TalibésÖffnet externen Link in neuem Fenster genannten Koranschüler gegenüber dem Betteln und anderen Formen des Gelderwerbs zurücktritt. Ein Teil der Koranschüler kann zur Gruppe der StraßenkinderÖffnet externen Link in neuem Fenster gezählt werden, deren Zahl vor allem in Bamako steigt.

Schüler einer Grundschule, Sikasso
Fotos: Kai-Uwe Seebörger
Koranschule in Ségou

Obere Bilder: Das linke Bild zeigt Schüler einer Grundschule in Sikasso, die Kinder auf dem rechten Bild besuchen eine Koranschule in Ségou. Die unteren Bilder zeigen eine im Bau befindliche Grundschule (links) und ein CSCOM (rechts) in der Region Timbuktu

im Bau befindliche Grundschule
CSCOM in der Region Timbuktu

Gesundheit und Sozialwesen

Gesundheitsversorgung

Im Bereich der Gesundheitsversorgung weist Mali eine Reihe besorgniserregender IndikatorenÖffnet externen Link in neuem Fenster auf. Unzureichender Zugang zu Gesundheitseinrichtungen, Armut, fehlende SanitäranlagenÖffnet externen Link in neuem Fenster, weitverbreitete Unter- und MangelernährungÖffnet externen Link in neuem Fenster sowie mangelndes sauberes TrinkwasserÖffnet externen Link in neuem Fenster stellen vielfach eng miteinander verknüpfte Probleme dar, welche in einer erhöhten Anfälligkeit weiter Kreise der Bevölkerung gegenüber schwerwiegenden Erkrankungen (zum Beispiel Malaria, ernste Durchfallerkrankungen) resultieren. Im Sommer 2011 wurde aus verschiedenen Landesteilen der Ausbruch einer CholeraepidemieÖffnet externen Link in neuem Fenster gemeldet.

Ein erhebliches Problem stellt der Verkauf gefälschter Medikamente dar.

Malaria ist weiterhin die häufigste tödlich endende Erkrankung. In verstärktem Maße engagiert sich die malische Regierung in der MalariabekämpfungÖffnet externen Link in neuem Fenster. So steht Kindern bis zum fünften Lebensjahr und schwangeren Frauen die Möglichkeit einer kostenlosen Malariaprävention zu. Gefördert wird auch die Verwendung von imprägnierten MoskitonetzenÖffnet externen Link in neuem Fenster, welche das Infektionsrisiko reduzieren helfen sollen, sowie die Erforschung neuer MethodenÖffnet externen Link in neuem Fenster in der Malariabekämpfung. Hingegen haben sich Tests mit Anti-Malariaimpfstoffen als nicht erfolgreich erwiesen. Im Nachbarland Senegal erzielte Fortschritte bei der Bekämpfung von MalariaÖffnet externen Link in neuem Fenster könnten möglicherweise auch für das malische Gesundheitswesen interessant sein.

Unterstützung bei der Bekämpfung der Malaria, sowie von Tuberkulose und Aids, erhält Mali unter anderem vom Global FundÖffnet externen Link in neuem Fenster. Allerdings wurde offenbar ein Teil der in diesem Rahmen geleisteten Unterstützung veruntreutÖffnet externen Link in neuem Fenster, was von wichtigen Geberländern klar verurteilt wurde.

Verstärkte Aufmerksamkeit wird auch der Förderung der modernen Familienplanung Öffnet externen Link in neuem Fenstergewidmet, die bislang nur von einer kleinen Minderheit praktiziert wird.

Ein wichtiges Kernelement der nationalen Gesundheitspolitik ist das PRODESSÖffnet externen Link in neuem Fenster, ein auf die Verbesserung des Gesundheitswesens abzielendes nationales Entwicklungsprogramm. Im Rahmen der Dezentralisierung des Gesundheitswesens wurde als eine neue Institution der Basisgesundheitsversorgung die CSCOM gegründet. Insbesondere auf dem Lande sind in den letzten fünfzehn Jahren zahlreiche neue CSCOM gebaut worden. Bei den CSCOM handelt es sich um GesundheitszentrenÖffnet externen Link in neuem Fenster, die von Nutzergruppen betrieben werden und vor allem in den folgenden Bereichen tätig sind: ImpfungenÖffnet externen Link in neuem Fenster gegen die wichtigsten ansteckenden Krankheiten, Erste-Hilfe-Versorgung, Entbindungen sowie die Bekämpfung der KindersterblichkeitÖffnet externen Link in neuem Fenster. Mali wies in 2010 die zweithöchste Kindersterblichkeitsrate weltweit auf (178 Sterbefälle auf 1000 Lebendgeborene; z.Vgl.: Niger 143, Burkina Faso 176, Senegal 75).

Angestrebt wird eine engere Zusammenarbeit zwischen Kommunen und den CSCOM.

Wesentliche Probleme bei der Verbesserung der BasisgesundheitsversorgungÖffnet externen Link in neuem Fenster sind in einem Evaluierungsbericht auf der Internetseite der KfW zusammengefasst. Informationen über neue Ansätze zur Verbesserung des Zugangs zur Basisgesundheitsversorgung finden sich unter anderem auf der Internetseite der Novartis StiftungÖffnet externen Link in neuem Fenster.

Ein erheblicher Teil des staatlichen Gesundheitsbudgets wird für Löhne, Verwaltung, Transportkosten, Trainings- und Weiterbildungsmaßnahmen und spezialisierte Weiterbehandlung ausgegeben. Programme der Basisgesundheitsversorgung und der Gesundheitserziehung werden hingegen weitgehend von Gebern finanziert. KrankenhäuserÖffnet externen Link in neuem Fenster gibt es bislang weitgehend nur in den größeren Städten.

Vor allem in Bamako gibt es eine rasch steigende Zahl privater Arztpraxen und KlinikenÖffnet externen Link in neuem Fenster, deren Leistungen in vielen Fällen jedoch Gegenstand einer kontroversen Debatte sind.

HIV / Aids

AidsÖffnet externen Link in neuem Fenster stellt ein zunehmend ernstes Problem dar. In Mali waren in 2009 offiziell 1 % der Bevölkerung im Alter von 15 bis 49 Jahren HIV-positiv, wobei der Anteil in Bamako und bei RisikogruppenÖffnet externen Link in neuem Fenster (ProstituierteÖffnet externen Link in neuem Fenster, LKW-Fahrer) aber erheblich höher lag. Im Übrigen weist die weibliche Bevölkerung eine höhere Infizierungsrate als die männliche Bevölkerung auf.

Der staatliche Gesundheitsdienst, Teile der MedienÖffnet externen Link in neuem Fenster und der PrivatwirtschaftÖffnet externen Link in neuem Fenster, sowie zahlreiche NRO haben begonnen, auf die Aidsproblematik mit vielfältigen InformationskampagnenÖffnet externen Link in neuem Fenster und PräventionsmaßnahmenÖffnet externen Link in neuem Fenster zu reagieren. Der Zugang zu Behandlungsmöglichkeiten ist bislang extrem eingeschränkt.

Weibliche Genitalverstümmelung

Die Praxis der weiblichen GenitalverstümmelungÖffnet externen Link in neuem Fenster ist in Mali in fast allen Ethnien weit verbreitet. Lediglich bei den Songhay und Tuareg ist nur ein geringer Prozentsatz der Mädchen und Frauen beschnitten. Das Eintreten gegen die GenitalverstümmelungÖffnet externen Link in neuem Fenster ist mittlerweile ein wichtiger Bestandteil der malischen Gesundheits- und Bevölkerungspolitik wie auch der Entwicklungszusammenarbeit geworden. Forderungen nach einem gesetzlichen Verbot der verschiedenen Formen der Beschneidung werden schon seit längerer Zeit erhoben, lassen sich allerdings noch nicht durchsetzen. Sinnvoller und erfolgreicher erscheinen hingegen Informations- und SensibilisierungsaktivitätenÖffnet externen Link in neuem Fenster wie Theateraufführungen und RadiosendungenÖffnet externen Link in neuem Fenster. HintergrundinformationenÖffnet externen Link in neuem Fenster zur Verbreitung und zu den Praktiken der weiblichen Genitalverstümmelung sowie zu Ansätzen ihrer Prävention kann man beispielsweise auf den Internetseiten der GIZ und von INTACTÖffnet externen Link in neuem Fenster finden.

Es bleibt abzuwarten, ob auch in Mali Korangelehrte eine Fatwa gegen die weibliche GenitalverstümmelungÖffnet externen Link in neuem Fenster erlassen werden, wie in 2010 in Mauretanien geschehen.

Kultur

Kulturelle Identitäten

Im Hinblick auf die kulturelle VielfaltÖffnet externen Link in neuem Fenster gehört das Vielvölkerland Mali zu den interessantesten Staaten des subsaharischen Afrika. Im Lande findet man ein reiches Mosaik an TraditionenÖffnet externen Link in neuem Fenster und kulturellen Ausdrucksformen.

In der malischen Gesellschaft wird viel Wert auf Konsens und Zusammenhalt gelegt, sei es in der Großfamilie oder im Dorf. Kritik und Meinungsverschiedenheiten werden, zumindest in traditionellen Milieus, nur selten offen geäußert, wobei es jedoch - gewissermaßen als Ventile für das Reduzieren von Spannungen - bestimmte Kommunikations- und Konfliktlösungsmechanismen gibt. In diesem Zusammenhang spielen die Griots eine Rolle, die zum Beispiel bei Familienstreitigkeiten vermitteln. In erster Linie fungieren die Griots als Bewahrer des oralen Wissens, beispielsweise der Geschichte bestimmter Familien, sowie des musikalischen Erbes (zur Griot-Musik der FulbeÖffnet externen Link in neuem Fenster: oneworld). Sie singen Balladen, musizieren und erzählen, wobei sie als gesellschaftliche Außenseiter auch Kritik und Spott äußern können. Bei vielen Zeremonien und FeierlichkeitenÖffnet externen Link in neuem Fenster ist die Anwesenheit eines Griots erforderlich und erwünscht. Viele der berühmtesten malischen Musiker, wie zum Beispiel Cheick Hamala DiabatéÖffnet externen Link in neuem Fenster, stammen aus Griot-Familien. Wandlungen in der Griot-Kultur sowie die Stellung der Griots in der heutigen Gesellschaft Malis wurden von einem Forschungsprojekt der FU Berlin untersucht.

Viele Malier führen die innergesellschaftliche und zwischenethnische Harmonie auf die Existenz der sogenannten ScherzbeziehungenÖffnet externen Link in neuem Fenster (auch Cousinage genannt) zurück, welche erlauben, fremde Personen „auf den Arm zu nehmen“ und dadurch Konflikten schon im Ansatz zu begegnen. Zudem helfen Scherzbeziehungen, Allianzen zwischen Ethnien, beispielsweise zwischen Dogon und Bozo, beziehungsweise zwischen Familienclans, so zum Beispiel zwischen Keita und Coulibaly, zu schaffen und aufrechtzuerhalten. Die Scherzbeziehungen, die bis heute von vielen Maliern aktiv und gerne gepflegt werden, leisten einen wesentlichen Beitrag zum friedlichen Zusammenleben sehr unterschiedlicher Individuen und Gruppen. Ausführliche Hintergrundinformationen zu den Scherzbeziehungen sowie zu traditionellen Konfliktvermeidungs- und Regelungsmechanismen findet man bei Doulaye KonatéÖffnet externen Link in neuem Fenster.

Kunst

In der Architektur des in Mali weit verbreiteten Sudanstils lassen sich zahlreiche nordafrikanische Einflüsse finden, welche auf die engen historischen Verbindungen zwischen Nordafrika und dem Sahel-Sudan-Raum zurückzuführen sind. Eine der beeindruckendsten Städte Westafrikas ist die tausendjährige Stadt Djenné, eines der Zentren der traditionellen sudanesischen Lehmarchitektur. Die Altstadt von DjennéÖffnet externen Link in neuem Fenster mit ihrer beeindruckenden Großen Moschee wurde 1988 von der UNESCO zum WeltkulturerbeÖffnet externen Link in neuem Fenster erklärt. Wenige Kilometer von Djenné entfernt liegt die kulturhistorisch bedeutende Ausgrabungsstätte Djenné DjénoÖffnet externen Link in neuem Fenster. DorfmoscheenÖffnet externen Link in neuem Fenster prägen das Gesicht vieler Dörfer und sind sowohl Ausdruck einer tiefen Religiosität wie auch der sudanesischen Lehmarchitektur. In den Jahren 2004 bis 2006 wurde eine der landesweit wichtigsten Moscheen in MoptiÖffnet externen Link in neuem Fenster umfassend restauriert.

Das Handwerk ist in Mali weit verbreitet. Hergestellt werden sowohl Werkzeuge, Geräte und Güter des täglichen Lebens (z.B. TöpferwarenÖffnet externen Link in neuem Fenster), wie auch eine Vielzahl von kunsthandwerklichen Produkten, wie z.B. im traditionellen Puppentheater verwendete MarionettenÖffnet externen Link in neuem Fenster sowie die über die Landesgrenzen hinaus berühmten gefärbten Bogolan-StoffeÖffnet externen Link in neuem Fenster, welche die Grundlage für innovatives TextilhandwerkÖffnet externen Link in neuem Fenster bilden.

Eine erhebliche Bedrohung des kunsthistorischen Erbes des Landes stellt der Handel mit geraubten KunstgegenständenÖffnet externen Link in neuem Fenster dar.

 

Töpferin in der Region Ségou
Foto: Kai-Uwe Seebörger

Die malische MusikkulturÖffnet externen Link in neuem Fenster vereinigt eine Vielzahl traditioneller und moderner Einflüsse und StilrichtungenÖffnet externen Link in neuem Fenster. Zahlreiche malische MusikerÖffnet externen Link in neuem Fenster sind auch in Europa bekannt, beispielsweise Ali Farka TouréÖffnet externen Link in neuem Fenster, Oumou SangaréÖffnet externen Link in neuem Fenster, Salif Keita, Rokia TraoréÖffnet externen Link in neuem Fenster, Bassekou KouyatéÖffnet externen Link in neuem Fenster, Babani KonéÖffnet externen Link in neuem Fenster, das blinde Sängerpaar Amadou und MariamÖffnet externen Link in neuem Fenster, Toumani DiabatéÖffnet externen Link in neuem Fenster, Fatoumata DiawaraÖffnet externen Link in neuem Fenster, die Rapband SmodÖffnet externen Link in neuem Fenster und die Tuaregband TinariwenÖffnet externen Link in neuem Fenster, in der sich ehemalige RebellenÖffnet externen Link in neuem Fenster zusammengefunden haben. Europäische und amerikanische Musiker, wie Jasper van't HofÖffnet externen Link in neuem Fenster und Ry Cooder haben sich von der traditionellen Musik Malis inspirieren lassen.

Zahlreiche Künstler, so zum Beispiel der Sänger Salif KeitaÖffnet externen Link in neuem Fenster, beziehen zu sozialen Fragen Stellung. So tritt Salif Keita gegen die Diskriminierung von AlbinosÖffnet externen Link in neuem Fenster ein, die auch in Mali anzutreffen ist. Für sein Engagement erhielt er im Juni 2009 den FestivalpreisÖffnet externen Link in neuem Fenster des Afrika-Festivals Würzburg.

Zunehmende internationale Beachtung erlangte das Musikfestival in EssakaneÖffnet externen Link in neuem Fenster in Nordmali. Allerdings findet das Festival, das als Festival au DésertÖffnet externen Link in neuem Fenster bekannt ist, seit 2010 aus Sicherheitsgründen in Timbuktu statt. Persönliche Eindrücke von einer Reise zum Musikfestival in Essakane findet man im Reisetagebuch des Musikers Hubert von GoisernÖffnet externen Link in neuem Fenster. Ebenfalls seit einigen Jahren findet in Ségou das NigerfestivalÖffnet externen Link in neuem Fenster statt.

In Djenné wird anlässlich des alljährlichen feierlichen Verputzens der Außenwände der Großen MoscheeÖffnet externen Link in neuem Fenster das Djennery-FestivalÖffnet externen Link in neuem Fenster organisiert.

Sehr sehenswert ist auch das alljährliche Volksfest der Fulbe anlässlich der Nigerüberquerung von Rinderherden in DiafarabéÖffnet externen Link in neuem Fenster (Region Mopti).

International bekannte malische Filmemacher sind Souleymane CisséÖffnet externen Link in neuem Fenster, Assane Kouyaté und Cheick Oumar SissokoÖffnet externen Link in neuem Fenster. Hintergrundinformationen zum Film KabalaÖffnet externen Link in neuem Fenster des Regisseurs Assane Kouyaté findet man auf der Internetseite von Africa Alive. Viel Beachtung fand der in 2006 produzierte globalisierungskritische Film BamakoÖffnet externen Link in neuem Fenster des mauretanischen Filmemachers Abderrahmane Sissoko. Mit der Emigrationsproblematik setzen sich das Theaterstück „Pourquoi partir?“ und der Film MiragesÖffnet externen Link in neuem Fenster auseinander.

Der Fotograph Malick SidibéÖffnet externen Link in neuem Fenster zählt zu den bedeutendsten Fotographen des subsaharischen Afrikas. Als erster Bürger Afrikas erhielt er bei der Biennale 2007 in Venedig einen Goldenen LöweÖffnet externen Link in neuem Fenster. Die Auszeichnung wurde ihm für sein Lebenswerk verliehen. Eine Auswahl seiner Fotografien lässt sich zum Beispiel auf der Internetseite von AfronovaÖffnet externen Link in neuem Fenster finden.

Als berühmtester malischer Schriftsteller gilt Amadou Hampaté BâÖffnet externen Link in neuem Fenster.

Aktuelle Informationen zum kulturellen Angebot in Bamako und zum Kulturgeschehen lassen sich auf der Internetseite von Bamako cultureÖffnet externen Link in neuem Fenster finden. Empfehlenswert ist auch die Internetseite des Französischen KulturzentrumsÖffnet externen Link in neuem Fenster.

Religion

Offizielle Religionen

Schätzungsweise 90 % der Malier bekennen sich zum Islam (fast ausschliesslich Sunniten). Die zweitgrößte Religionsgruppe stellen die Anhänger von Naturreligionen, die zahlenmäßig schwer erfassbar sind. Christen machen lediglich wenige Prozente der Bevölkerung aus, wobei Katholiken in der Mehrzahl sind und Christen vor allem unter den Angehörigen kleinerer Ethnien anzutreffen sind.

 

die Große Moschee in Djenné
Foto: Kai-Uwe Seebörger

Die größte aus Lehm errichtete Moschee der Welt befindet sich in Djenné, ca. 500 km nordöstlich von Bamako. Die in den Jahren 1907 bis 1909 errichtete Moschee ist ein exzellentes Beispiel für den sudanesischen Moschee-Baustil. Einmal die Woche findet auf dem weitläufigen Vorplatz der Moschee ein großer MarktÖffnet externen Link in neuem Fenster statt (im Bildvordergrund).

In 2009 wurde in Timbuktu ein mit südafrikanischer Unterstützung errichtetes modernes Forschungs- und StudienzentrumÖffnet externen Link in neuem Fenster eröffnet, das sich der Erforschung und dem Erhalt des reichen islamischen Schriftschatzes der Stadt widmet. Zahlreiche der alten Schriften werden in privaten Haushalten und in einer PrivatbibliothekÖffnet externen Link in neuem Fenster aufbewahrt.

Politische und gesellschaftliche Bedeutung von Religion

Die Übergänge zwischen Islam und Christentum auf der einen Seite, und traditionellen GlaubensvorstellungenÖffnet externen Link in neuem Fenster der Naturreligionen auf der anderen Seite sind bisweilen fliessend.

Obwohl sich ca. 90 % der Malier zum Islam bekennen, haben traditionelle Glaubensvorstellungen einen hohen Stellenwert beibehalten und fließen weiterhin in viele Bereiche des Lebens ein. Eine Besonderheit bei den Bambara ist das Fortbestehen von GeheimbündenÖffnet externen Link in neuem Fenster. Auch in der traditionell geprägten Dogon-KulturÖffnet externen Link in neuem Fenster spielen traditionelle Glaubensvorstellungen immer noch eine große Rolle. Bei allen Volksgruppen weit verbreitet sind sogenannte Gris-GrisÖffnet externen Link in neuem Fenster, worunter man eine Vielzahl von Schutz- und Glücksamuletten versteht. Sie sollen vor Unglück bewahren und Glück bringen.

Der in Mali praktizierte Islam kann als gemäßigt bezeichnet werden. Allerdings gewinnen BefürworterÖffnet externen Link in neuem Fenster einer strikteren Glaubenslegung und -ausübung an Bedeutung. Dennoch stellen verschleierte Frauen in der Öffentlichkeit weiterhin die Ausnahme dar. Mit Besorgnis wird in Bamako jedoch das bisweilen gewaltsame VorgehenÖffnet externen Link in neuem Fenster einer Minderheit unter den Moslems gegen als unmoralisch gebrandmarkte Bars und Hotels beobachtet.

Der Islam hat einen prägenden Einfluß auf die Gesellschaft und das Alltagsleben, was sich vor allem während des Fastenmonats RamadanÖffnet externen Link in neuem Fenster beobachten lässt. Insbesondere im ländlichen Raum prägen die fünf Gebete den Tagesablauf. Koranlehrer und Schriftgelehrte genießen hohes Ansehen und spielen eine große Rolle sowohl als Ratgeber wie auch als Schlichter von Streitigkeiten. Hoch angesehen sind auch Mekka-PilgerÖffnet externen Link in neuem Fenster.

Wichtigste Feste sind das islamische Opferfest Aid el Kebir, in Mali TabaskiÖffnet externen Link in neuem Fenster genannt, sowie das Fest am Ende des islamischen Fastenmonats Ramadan.

Das Verhältnis zwischen der Regierung und den einflussreichen islamischen VereinigungenÖffnet externen Link in neuem Fenster wurde durch die Pläne der Regierung zur Einführung eines neuen Familiengesetzes auf eine ernste Probe gestellt. In dem im Dezember 2011 verabschiedeten Gesetz fanden letztlich zahlreiche Forderungen der islamischen Vereinigungen Berücksichtigung. Das Gesetz gilt daher als wesentlich konservativer als der ursprüngliche Gesetzentwurf, der von den islamischer Vereinigungen und einem Teil der Bevölkerung abgelehnt wurde. Ingesamt lässt sich seit einigen Jahren ein zunehmender EinflußÖffnet externen Link in neuem Fenster der islamischen Vereinigungen auf die Politik ausmachen.

Hintergrundinformationen zum Verhältnis von Islam und Politik in WestafrikaÖffnet externen Link in neuem Fenster bietet die FES. Hinsichtlich der Berücksichtigung islamischer Werte bei der Planung von EntwicklungsprojektenÖffnet externen Link in neuem Fenster hat das Kleinkreditprogramm des GTZ-Programms Mali-Nord grundlegende Erfahrungen gesammelt.

Über den Autor

Der Diplom-Geograph Kai-Uwe Seebörger lebt in Berlin.

Seit 1993 ist er in der Entwicklungszusammenarbeit tätig. Mehrjährige Arbeitsaufenthalte und verschiedene Gutachtereinsätze in westafrikanischen Staaten mit Schwerpunkt Mali. Tutor in der Akademie für internationale Zusammenarbeit (AIZ) der GIZ. Lehraufträge an Universitäten und Fachhochschulen.

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Literaturhinweise

Weiterführende Literatur zu den Themen:

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