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Wenn Sie sich einen historischen Überblick über die Geschichte Mosambiks verschaffen wollen, schauen Sie auf den chronologischen Abriss
auf der Mosambik-Seite der issa. Einen tieferen Einblick in die Geschichte Mosambiks finden Sie auch bei Wikipedia
. Und eine in einzelne historische Epochen bis zur gegenwärtigen Regierung Guebuza aufgeteiltelte politische Geschichte
liefert das Institut EISA, das sich für glaubwürdige Wahlen und demokratisches Regieren in Afrika einsetzt.
Mosambik hat eine facettenreiche Geschichte. Die Besiedlung des Landes durch die in das Südliche Afrika vorstoßenden Bantuvölker fand in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung statt. Es gibt Zeugnisse von der Existz blühender Reiche
und einem regen Fernhandel.
Die meisten mosambikanischen Gemeinschaften waren in "vorkolonialer" Zeit in unabhängige Häuptlingstümer organisiert. Sie wurden von Landchiefs regiert, die oft auch religiöse Authoritäten waren. Der Chief besaß das ausschließliche Recht, Untergebenen Landparzellen zuzuteilen. Jährliche Abgaben in landwirtschaftlichen Gütern oder in Form von Arbeit für den Chief zeigten eine soziale Differenzierung, die lange vor Ankunft der Portugiesen bereits bestand. In ihrem Familiensystem waren die Bantu-Gemeinschaften in Großfamilien über drei Generationen organisiert. Die Arbeit wurde zwischen den Geschlechtern geteilt. Im Norden gilt bis heute matrilineares, weiter im Süden patrilineares Erbrecht. Vom 13. bis 16. Jahrhundert erlebten verschiedene Stadtstaaten ihre Blütezeit, als wichtigste das Groß-Zimbabwe-Reich
(1250-1450) und das Monomotapa-Reich
(Muenemutapa, Munhumutapa).
Das Monomotapa-Reich bestand bis zum 18. Jahrhundert. Es erstreckte sich über ein riesiges Territorium, das etwa vom Südufer des Sambesi bis zum Save und in die Highlands des heutigen Simbabwe reichte. Es umfasste eine Anzahl verschiedener ethnischer Gruppen und war wohl das größte und mächtigste Reich in Zentral- und Südafrika mit eigenem Heer, eigener Polizei und Steuerbehörde. Die Dorfgemeinschaften mussten monatlich sieben Tage für den Staat arbeiten. Es gab eine fortgeschrittene Arbeitsteilung, Förderung von Gold und Silber, Beginn der Eisenverarbeitung und Handel mit arabischen Ländern.
Neben dem Monomotapa-Reich existierten die Marave-Staaten (Malawi-Konföderation), nordöstlich des Monomotapa-Reiches. Seit 1600 expandierte das Reich in ein weites Gebiet zwischen Sambesi, Nyasa-See, Luangwa-Tal und den Indischen Ozean. Auch hier hatte die Aristokratie das Monopol über Handel, vorwiegend Eisen, inne und berief sich auf eine göttliche Macht.
Die Händler, die mit beiden Reichen Handel treiben, gehören zum Handelssystem der Swahili
, das sich über den Indischen Ozean zwischen Mittlerem Osten und Asien erstreckt. Mitte des 15. Jahrhunderts gab es eine Kette von Handels- und Religionssultanaten an der mosambikanischen Küste zwischen den Inseln Angoche und Moçambique im Norden und Sofala im Süden.
Ca. 1820 wurde das Gaza-Reich
durch Soshangane
im Süden Mosambiks gegründet. Es erstreckte sich vom Maputo bis zum Sambesi. Daneben existierten Militärstaaten im Sambesital und die Ajauastaaten. Anfang des 19. Jahrhunderts trotzte das Gaza-Reich den Angriffen der portugiesischen Expeditionen. Die Herrscher waren gegen den Sklavenhandel eingestellt und gewährten geflohenen Sklaven Asyl.
In seinen heutigen Grenzen ist Mosambik ein Produkt der Kolonialzeit. Als die Portugiesen 1497/98 unter Vasco da Gama an die ostafrikanische Küste kamen, übernahmen sie die Insel Mosambik
als ihren Hauptsitz, blockierten von der See her lange Küstenstriche und eroberten Beira als den wichtigsten südlichen Hafen des arabischen Einflussbreiches. Mit der Vergabe von Landstrichen als Erblehen seitens des portugiesischen Königs begann am unteren Sambesi die Landnahme durch portugiesische Siedler. Mosambik wurde zur landwirtschaftlichen Rohstoffkolonie Portugals, welches das Territorium in seinen heutigen Grenzen auf der Berliner Afrika-Konferenz 1884/85 zugesprochen bekam.
Ab 1886 begann Portugal mit der militärischen Besetzung des gesamten Territoriums des heutigen Mosambik. 10.000 Krieger des Gaza-Reiches wehrten sich am Limpopo mit Pfeil und Bogen sowie Speeren gegen die überlegenen Kanonen und Karabiner der Portugiesen. 1896 schließlich wurde der Widerstand König Gungunhanas
(ausfl. Biographie
in Portugiesisch) gebrochen und das Gaza-Reich brach zusammen. Gungunhana wird bis heute in Mosambik verehrt.
1952 erhielt Mosambik den Status einer portugieischen "Überseeprovinz". Unter der Kolonialherrschaft musste sich Mosambik an den Vorgaben des Mutterlandes orientieren, landwirtschaftliche Produkte erzeugen und Waren aus Portugal einführen. Grundlage der wirtschaftlichen Aktivitäten war die Zwangsarbeit, die 1938 zuerst auf den Baumwollplantagen eingeführt wurde. Portugal investierte kaum in die Erschließung des Landes und in die Ausbildung von Fachkräften. Es war nicht in der Lage, seine Kolonie gewinnbringend zu nutzen. Die Handelsgesellschaften wie die Mozambique Company
und die Niassa Company
waren vielmehr in der Hand englischen und südafrikanischen Kapitals, was dazu führte, dass ausländische Firmen als Hauptarbeitgeber des Landes fungierten. Zudem erbte Mosambik von Portugal eine überladene und ineffiziente Verwaltung.
Fast 30 Jahre lang waren Geschichte und Politik Mosambiks vom Krieg geprägt. 1962 bildete sich die Frente de Libertação de Moçambique
(Frelimo) aus dem Zusammenschluss dreier Organisationen als antikoloniale Befreiungsbewegung und begann zwei Jahre später, 1964, von Tansania aus einen 10 Jahre dauernden antikolonialen Befreiungskampf
. In den von ihr befreiten Gebieten im Norden des Landes baute die Frelimo eine Verwaltungsorganisation auf.
Mit der so genannten Nelkenrevolution
portugiesischer Offiziere brach das Kolonialreich zusammen und Mosambik erhielt am am 25. Juni 1975 seine Unabhängigkeit. Viele portugiesische Plantagenbesitzer, Händler, Geschäftsleute und Kolonialbeamte verließen das Land, nicht ohne ihr Kapital mitzunehmen und das zurückgelassene Anlagevermögen zu zerstören. Die wenigen verbliebenen Plantagen und Produktionsbetriebe waren zudem technisch überholt, weswegen der unabhängige Staat vor einer desolaten Ausgangslage stand.
Erster Präsident des unabhängigen Mosambik war der aus der Provinz Gaza stammende Samora Machel
. Machel hatte das Amt des Frelimo-Präsidenten von Eduardo Mondlane übernommen, der 1969 von einer Briefbombe des portugiesischen Geheimdienstes getötet worden war. Unter dem charismatischen Machel schlug Mosambik einen sozialistischen Kurs ein, doch politische Fehlentwicklungen, der eskalierende Bürgerkrieg und eine verheerende Dürre Anfang der 80er Jahre brachten das Land in Bedrängnis. Machel, der als einer der Wortführer der so genannten Frontstaaten gegen die Apartheid in Südafrika galt, suchte den Kontakt zum Westen. Den von ihm noch vorsichtig eingeleiteten politischen Kurswechsel konnte er jedoch nicht mehr erleben. Im Oktober 1986 kam Machel bei einem Flugzeugabsturz
, der vom südafrikanischen Militär verursacht worden war, ums Leben. Bis heute sind Untersuchungen
in dem Fall noch nicht zur Zufriedenheit der mosambikanischen Regierung abgeschlossen, die Täterschaft des südafrikanischen Militärs
gilt aber inzwischen als gesichert, auch wenn Rainer Grajek auf seiner Homepage auf Widersprüchlichkeiten hinweist, die einer endgültigen Aufklärung
im Wege stehen.
Es war seinem Nachfolger Joaquim Alberto Chissano
, der als "besonnen" geltender Außenminister Mosambiks ein besseres Standing im Westen hatte, vergönnt, die entscheidenden politischen Veränderungen einzuleiten. Unter Chissano vollzog Mosambik den Übergang vom demokratischen Zentralismus zur Mehrparteiendemokratie
.
Dass Chissano im Oktober 2007 den zum ersten Mal vergebenen Mo-Ibrahim-Preis
für gute Regierungsführung erhielt, fand nicht überall ungeteilte Zustimmung. Chissano hatte zwar 2005 nach 18 Jahren an der Macht freiwillig auf eine Wiederwahl als Staatspräsident Mosambiks verzichtet, doch afrikanische Vordenker wie Issa Shivji
sehen die Preisverleihung als "Beleidigung für die afrikanische Bevölkerung" an und weisen darauf hin, das Chissanos Familie (wie auch die seines Nachfolgers Guebuza) sich auf Kosten der Armen bereichert habe. Chissano soll auch seinen inzwichen verstorbenen Sohn Nyimpine, der wegen Wirtschaftsverbrechens und Beihilfe zum Mord an dem Journalisten Carlos Cardoso angeklagt wurde, vor einer Verurteilung geschützt haben.
Schon ein Jahr nach der Unabhängigkeit erlebte das Land den Beginn eines langjährigen Bürgerkrieges zwischen der Regierung und der Renamo (Resistência Nacional Moçambicana
), die von den weißen Minderheitenregimen in Rhodesien und später Südafrika unterstützt wurde. Dem Apartheidregime ging es um die "Destabilisierung"
des sozialistischen Experiments der Frelimo, weniger um eine politische Unterstützung der Renamo. Ob allerdings die Geschichte anders verlaufen wäre, wenn der Renamo-Generalsekretär Evo Fernandes
1987 nicht vom Geheimdienst Südafrikas (oder nach anderen Quellen Mosambiks) ermordet worden wäre, wie der damals für Fernandes tätige Portugiese Abrantes Sousa behauptet, sei dahingestellt. Das während der Entstehungsphase der Renamo vieles im Geheimen ablief, zeigte 2008 eine Kontroverse um die richtige Geschichtsinterpretation zwischen der Witwe von Fernandes
und Renamo-Präsident Afonso Dhlakama.
Die Frelimo-Regierung hatte den Konflikt indes allzu lange allein als Intervention von Außen gesehen und seine wachsende innere Dynamik ignoriert. Mehr und mehr wurde aus dem Destabilisierungs- ein Bürgerkrieg, in dem die Zivilbevölkerung die Leidtragende war. Untersuchungen aus Zentralmosambik haben gezeigt, dass die Renamo-Warlords nicht allein auf die Mittel des Terrors setzten, sondern unter einigen Bevölkerungsgruppen wie den Shona-sprachigen Ndau auch Rückhalt hatten. In manchen Distrikten wie etwa dem Angonia-Distrikt
im Norden der Tete-Provinz ist die Renamo zu einem politischen Faktor geworden.
Während des Bürgerkrieges erlebte die Zivilbevölkerung eine beispiellose Grausamkeit. Die Renamo – vom US-Außenministerium als eine der schlimmsten Terrororganisationen eingestuft – bediente sich auch der Kindersoldaten. Die unzähligen kriegstraumatisierten Kinder
sind sicherlich eine der schrecklichsten Folgen des Krieges. Tausende von ihnen waren von den Renamo-Rebellen, aber auch von der Regierungsarmee als Kindersoldaten missbraucht worden. Gegen Ende der Auseinandersetzungen häuften sich auch Übergriffe der Regierungssoldaten, die oftmals vergeblich auf ihren Sold warteten.
Dem Krieg fielen Hunderttausende zum Opfer, 1,5 Millionen Menschen mussten in die Nachbarstaaten flüchten, 3,5 Millionen wurden aus ihrem Heimatgebiet vertrieben und ihrer Lebensgrundlage beraubt. Die direkten und indirekten Kosten des Krieges gingen in die zweistellige Milliardenhöhe. Und ein besonders schlimmes Erbe für den Wiederaufbau sind die etwa zwei Millionen Landminen
, die im ganzen Land gelegt wurden und den Zugang zu Gebäuden, Feldern, Quellen und Flüssen erschwerten. Mehr als 10.000 Mosambikaner sind seit dem Ende des Bürgerkrieges durch Landminen gestorben. Tausende Minen wurden bis heute entschärft. Die Regierung hatte ursprünglich gehofft, bis 2009 alle Landminen zu finden und zu zerstören – das ist die äußerste Frist, die der Ottawa-Vertrag zur Ächtung von Anti-Personen-Minen gesetzt hat. Mosambik hat diesen Vertrag unterschrieben. Doch in jüngster Zeit wurden weitere Minenfelder entdeckt, weswegen das Ziel der endgültigen Minenräumung
auf das Jahr 2014 verschoben wurde. Wenn die Geber sich nicht von der Minenräumung zurückziehen, wie teilweise geschehen, dann könnte die Beseitigung der Minen doch noch eine Geschichte sein, die nicht endlos
ist.
Gegen Ende der 1990er Jahre kam es in Rom endlich zu Friedensverhandlungen, die von der Gemeinschaft Sant'Egidio
vermittelt wurden. Der Friedensvertrag von 1992 markierte einen Meilenstein in der Geschichte Mosambiks und leitete die ersten Mehrparteienwahlen von 1994 ein. Man darf es als Glücksfall für Mosambik werten, dass Sant'Egidio es in den zweijährigen harten Verhandlungen
geschafft hatte, das tiefe Misstrauen
der beiden Kriegsparteien mit viel Geduld, Zurückhaltung und Einfühlungsvermögen zu brechen.
Mosambik hat ein präsidiales Regierungssystem
, an dessen Spitze ein auf fünf Jahre direkt vom Volk gewählter Staatspräsident steht. Er sitzt dem Ministerrat vor und ernennt die Gouverneure, die in den 10 Provinzen plus der Hauptstadt die Zentralgewalt repräsentieren.
Gegenwärtiger Staatspräsident ist Armando Guebuza
, der nach den Wahlen von 2004 dem langjährigen Präsidenten Joaquim Chissano nachfolgte und am 2. Februar 2005 sein Amt antrat. Chissano hob sich positiv von so manchem Staatspräsidenten im Südlichen Afrika ab, weil er freiwillig auf eine dritte Amtsperiode verzichtete. Bei den Präsidentschaftswahlen im Oktober 2009 wurde Guabuza mit deutlicher Mehrheit wiedergewählt.
Guebuza gehört der ersten Generation von Frelimo-Politikern an und galt unter der Regierung Machel als Hardliner. Heute ist er einer der reichsten Männer des Landes. Seine Wahl zum Präsidentschaftskandidaten der Frelimo beendete lange Spekulationen um die Nachfolge Chissanos. Zwischen "Traditionalist und Reformer" siedelt der Journalist Marcello Mosse
Guebuza in einem Portrait an. In einem Interview
, das die Deutschen Welle anlässlich des 15. Jahrestages der Friedensvereinbarungen mit Guebuza im Oktober 2007 führte, können Sie sich ein Bild über die Persönlichkeit Guebuzas machen.
In der Chissano-Ära pflegte man in Mosambik vom "deixar andar", dem Schlendrian in Politik und Verwaltung, zu reden. Guebuza hatte im Wahlkampf versprochen, wieder mehr Disziplin einzufordern und gegen die ausufernde Korruption vorzugehen. Der mosambikanische Journalist Machado da Graça hat im August 2006 ein Resümee der ersten anderthalb Jahre der Regierung Guebuza gezogen und stellte enttäuschte Erwartungen
fest. Im April 2007 tourte Guebuza im Rahmen seiner Kampagne für "offene Präsidentschaft" durch die Provinzen und Distrikte des Landes. In einer Rede in der Zambezia-Provinz tadelte er die Bauern wegen ihrer angeblichen Untätigkeit als "Faulpelze"
. Für diese eher kalkulierte als unbedachte Bemerkung handelte er sich viel Kritik bei der Bauerngewerkschaft und der Presse ein, die dabei an seine unrühmliche Rolle als Innenminister in den 1980er Jahren erinnerte.
Mit keinen eigenen Entscheidungsbefugnissen ausgestattet ist das Amt des Ministerpräsidenten, das seit Januar 2010 vom bisherigen Kulturminister Aires Ali
bekleidet wird. Seine Vorgängerin Luisa Diogo
, die als ehemalige Finanzministerin im Februar 2004 Pascoal Mocumbi abgelöst hatte, bleibt Abgeordnete ohne Regierungsamt. Dem Ministerpräsidenten obliegt die Koordinierung des Kabinetts, das gegenwärtig aus 28 Ministern
besteht, die alle der Mehrheitspartei Frelimo angehören. Sieben Ministerien werden von Frauen bekleidet. Eine regelmäßig aktualisierte Liste der Kabinettsmitglieder
liefert der CIA.
Im März 2008 hatte Präsident Guebuza eine Kabinettsumbildung
vorgenommen und dabei auf größere Disziplin sowie schnellere Ergebnisse im Abbau von Bürokratie und Schlendrian und im Kampf gegen Korruption und Kriminalität gesetzt. Die Mehrheit der bisherigen Minister sitzt auch im neuen Kabinett von 2010
. Aktueller Erziehungsminister ist Zeferino Martins, neue Gesichter sehen ansonsten nur die Ministerien für Frauen und Soziales, Fischerei, Öffentliche Arbeiten und Wohnung, Staatsverwaltungg und Veteranenangelegenheiten.
Die im November 1990 in Kraft getretene neue Verfassung, mit der die zentralistische Verfassung von 1975 abgelöst wurde, machte den Weg frei für ein Mehrparteiensystem. Grundlage der Verfassung
(engl. Version
) sind die Versammlungs-, Rede- und Pressefreiheit, Gewaltenteilung, Mehrheitswahlrecht und politischer Pluralismus. Im November 2004 wurden mit einer umfassenden Verfassungsänderungsreform u.a. auch Wahlen zu beratenden Provinzversammlungen eingeführt.
Zwar wurde 1990 auch ein Verfassungsrat
geschaffen, doch über zehn Jahre lang wurde kein Richter ernannt; seine Aufgaben wurden vom Obersten Gericht übernommen. Erst 2003 wurde der Verfassungsrat mit sieben Richtern tatsächlich eingerichtet. Seine Hauptaufgabe ist es, Wahlergebnisse zu erklären, als letzte Instanz bei Wahlanfechtungen zu gelten und über Verfassungsfragen zu entscheiden. Er entscheidet auch über die Rechtmäßigkeit von Kandidaturen zu Präsidentschaftswahlen und von politischen Parteien. Staatspräsident Guebuza hat sich trotz einer Entscheidung des Verfassungsrates gegen ein von ihm erlassenes Dekret im November 2007 hinter das Gremium gestellt. Das Zentrum für öffentliche Integrität (Centro de Integridade Publica) hat die Entscheidung des Verfassungsrates als zu restriktiv kritisiert und fordert mehr Unabhängigkeit des Gremiums.
Oberstes Staatsorgan ist die Nationalversammlung der Republik, das Einkammerparlament mit 250 Abgeordneten, die in freien, fairen und geheimen Direktwahlen auf fünf Jahre gewählt werden. Die Frelimo hält gegenwärtig 191 Sitze, die Renamo 51, die MDM (Demokratische Bewegung Mosambiks) 8 Sitze.
Das Parlament tritt zwei Mal im Jahr für eine Sitzungsperiode von 90 Tagen zusammen, die im Februar und Oktober eröffnet werden. Bei Beschlüssen gilt die einfache Mehrheit, für Verfassungsänderungen ist jedoch eine Zweidrittelmehrheit erforderlich. In den letzten Jahren hat die Nationalversammlung versucht, sich von der Exekutive unabhängiger zu machen. 1999 etwa stammte über die Hälfte der verabschiedeten Gesetze aus den Reihen des Parlaments.
Mosambik ist in 10 Provinzen und die Hauptstadt Maputo aufgeteilt. Die Provinzen gliedern sich in insgesamt 128 Distrikte mit 394 Distriktposten. Bislang waren die Provinzgouverneure
sowie die Distriktregierungen von der Zentralregierung eingesetzt worden. Die Reform der öffentlichen Verwaltung wird von der Regierung als wichtige Maßnahme zur erfolgreichen Implementierung der Strategie zur Armutsbekämpfung (PRSP) gesehen. Dazu ist eine Ausdehnung der staatlichen Verwaltung auf Dorfgemeinschaften (1042 Localidades) vorgesehen. Die angestrebte Auflockerung der bislang ausgeprägten Zentralisierung kommt allerdings nur zögerlich voran. 1998 wurden zum ersten Mal in 33 größeren Orten Kommunalwahlen durchgeführt. Für die dritten Kommunalwahlen im November 2008 ist die Zahl der Munizipalitäten um zehn Ortschaften auf 43 erweitert worden.
Im November 2006 hatte das Parlament einstimmig einer Gesetzesvorlage zur Einführung von direkt gewählten Provinzparlamenten
zugestimmt. Nach mehrmaligem Verschieben und einer entsprechenden Anpassung der Verfassung im November 2007 wurden schließlich parallel zu den Parlamentswahlen im Oktober 2009 auch die Wahlen zu den Provinzparlamenten
abgehalten. Die Frelimo siegte in 137 der 141 Stimnbezirken und hat damit in allen Provinzen ein deutliche Mehrheit.
Die Bevölkerung in den ländlichen Distrikten hat ungeachtet der bisherigen Verwaltungsreform kaum eine Möglichkeit, die eigene Entwicklung zu beeinflussen. Dem soll als weiterer Schritt in der kommunalen Selbstverwaltung
durch die Verlagerung von Entscheidungsbefugnissen und Finanzen von der zentralen auf Distriktebene abgeholfen werden. Dazu soll in den nächsten Jahren mit Hilfe internationaler Geldgeber das als Pilotprojekt in den Nordprovinzen begonnene "Programm zu dezentraler Planung und Finanzierung"
(PPFD) landesweit umgesetzt werden.
Die Frelimo hatte in ihrer sozialistischen Phase die "Regulos", die traditionellen Chiefs
, als "rückständig" entmachtet, zumal viele mit den portugiesischen Kolonialherren kollaboriert hatten. Nach dem Gesetz 15/2000 sind Chiefs und Gemeindeführer wieder anerkannt und beanspruchen vielerorts ihre traditionelle Macht. Seither ist die Debatte um die Dezentralisierung des ländlichen Raums von unterschiedlichen Einschätzungen um die Rolle der Chiefs
geprägt.
Die traditionellen Autoritäten werden von der Regierung instrumentalisiert
. Als problematisch erweist sich dabei die nicht durch Wahlen oder lokale Legitimität erfolgte Ernennung von Gemeindeführern, was bisweilen zu Streitigkeiten um die Erbfolge führt. Fallstudien aus Macumbi
oder Chirindzene
im Südmosambik zeigen etwa auf, dass das Gesetz zur Anerkennung von Gemeindeführern der ländlichen Bevölkerung eher die Stimme in Ortswahlen vorenthält, statt zur angestrebten Demokratisierung zu führen.
Mosambiks Verfassung garantiert die Unabhängigkeit der Gerichte. Der Präsident des Obersten Gerichtes wird vom Staatspräsidenten ernannt. Die Richter werden vom Parlament gewählt und sollen unabhängig sein. Das Ansehen des Justizapparates hatte allerdings wegen der Verwicklung in Korruptionsaffären, die Ex-Präsident Chissano zum Handeln und Austauch von Staatsanwälten zwangen, Schaden genommen.
Ein Testfall für die angeschlagene Justiz war der spektakuläre, vom Fernsehen live übertragene Cardoso-Prozess
, der mit der Verurteilung der Angeklagten endete. Carlos Cardoso war einer der prominentesten Journalisten des Landes. Er recherchierte unermüdlich gegen politische Fehlentwicklungen und ausufernde Korruption, vor allem im Bankensektor. Das kostete ihm im November 2000 das Leben. Der Cardoso-Mord
hatte die Öffentlichkeit stark erschüttert, und es war auch internationaler Druck, der dazu führte, dass die Täter gefasst und gegen sie ermittelt wurde. Am 1. Dezember 2005 ist das Verfahren wieder aufgenommen worden. Der Cardoso-Mörder "Anibalzinho" wurde im Januar 2006 zu 30 Jahren Haft verurteilt. Im Dezember 2008 konnte er zum dritten Mal mit Hilfe hoher Polizeibeamter aus dem Gefängnis ausbrechen
. Innenminister José Pacheco entließ daraufhin die gesamte Polizeispitze Maputos. Erst im August 2009 wurde Anibalzinho in Südafrika wieder gefasst
.
2006 wurde auch endlich gegen Nyimpine Chissano, den Sohn des früheren Präsidenten, ein Verfahren aufgenommen. Er war von den verurteilten Tätern schwer belastet worden. Unter offensichtlichem Einfluss hoher Kreise und seiner Familie schleppte sich das Verfahren allerdings ohne Ergebnis dahin, am 19. November 2007 ist der nierenkranke 37-jährige Nyimpine Chissano gestorben
. Die Wahrheit über seine mögliche Mittäterschaft wird wohl im Dunkeln bleiben.
Eine Studie von AfriMAP
kommt zu dem Ergebnis, dass die Unabhängigkeit der Gerichte sowie der Justiz trotz Verbesserungen noch nicht garantiert ist. Gewisse Hoffnungen werden auf den von Staatspräsident Guebuza am 29. August 2007 neu ernannten Generalstaatsanwalt
Augustino Paulino und die folgende Absetzung aller sechs stellvertretenden Staatsanwälte des Landes gesetzt. Paulino, der Joaquim Madeira ablöste, erlangte als vorsitzender Richter im Cardoso-Prozess Berühmtheit.
Eine Herausforderung für Justiz und Polizei ist die Kriminalität. Durch seine geografische Lage hat sich Maputo zu einer Drehscheibe für das organisierte Verbrechen
entwickelt. Drogenhandel, Geldwäsche, Autodiebstahl und auch Kinderhandel sind eine Bedrohung für das friedliche Zusammenleben der Gesellschaft. Trotz ständiger Beteuerungen des Innenministeriums vom "Kampf gegen das Verbrechen" ist die Verbrechensrate
zwischen 2004 und 2008 um durchschnittlich 15 Prozent pro Jahr gestiegen. Der Einbruch in das Haus von Ex-Präsident Chissano, das in einem der am stärksten bewachten Viertel Maputos liegt, hatte im Oktober 2006 Aufsehen erregt.

Durch die Verfassung von 1990 entstand eine breitere Parteienstruktur. Bis dahin hatte die 1962 als Befreiungsbewegung gegründete Frelimo das gesamte politische Leben als Staats- und Einheitspartei beherrscht. Auf der Frelimo-Homepage
lassen sich die Statuten sowie das aktuelle Wahlprogramm
der Partei herunterladen. Im November 2006 hatte die Frelimo ihren 9. Kongress
in Quelimane abgehalten. Noch immer fühlt die Partei sich von den "Prinzipien des demokratischen Sozialismus" geleitet, doch in ihren Thesen für den 9. Kongress sieht sie für die Regierung keine ökonomische Rolle vor, Armutsreduzierung müsse durch den "Privatsektor und die Gemeinden" geschehen (These 5). Die Zusammensetzung des neu gewählten Zentralkomitees und der durch dieses Gremium gewählten Politischen Kommission zeigt, dass es der Frelimo gelungen ist, die verschiedenen politischen Positionen innerhalb der Partei auszutarieren.

Die 1976 gegründete, antikommunistische Rebellenbewegung Renamo (Renamo-Homepage
) musste sich nach dem Friedensabkommen von 1992 erst in eine politische Partei mit entsprechenden Statuten
umwandeln und bildet das einzige Gegengewicht zur Frelimo. Ihr Wahlmanifest von 2004
zeichnet sich in erster Linie durch eine Abgrenzung von der Frelimo aus, gefordert wird u.a. eine Privatisierung von Land. Das Wahlmanifet von 2009
verliert sich in seinem Bekenntnis zu Demokratie, Freiheit und Toleranz nur noch in Allgemeinplätzen.
Renamo-Präsident Afonso Dhlakama
, seit 1979 intern nicht unumstrittener Chef der Ex-Rebellen, hat bislang vergeblich gehofft, die Präsidentschaftswahlen zu gewinnen. Die Niederlage des Renamo-Kandidaten in den Bürgermeisterwahlen von Beira im November 2008 und die Solidaritätsbekundung des Renamo-Fraktionsführers für den wiedergewählten Ex-Renamo-Bürgermeister Daviz Simango hat die Partei weiter gespalten
.
Laut Verfassung hat Mosambik zwar ein Mehrparteiensystem, de facto wird die Politik des Landes aufgrund des Erbes des Bürgerkrieges, in dem sich die sozio-politische Basis der Kontrahenten Frelimo und Renamo im jeweiligen Einfussgebiet festigte, von einem Zweiparteiensystem
bestimmt.
Die zahlreichen, teilweise aus Frelimo- oder Renamo-Abtrünnigen neu gegründeten kleineren Parteien konnten sich bislang zwischen diesen beiden Kontrahenten kaum behaupten. Ihre Zahl schwankt, 2004 waren 43 Parteien in Mosambik registriert. Ein Teil von ihnen hat sich in der Hoffnung auf mehr Einflussnahme dem Renamo-Wahlbündnis angeschlossen. Einzig der "Partei für Frieden, Demokratie und Entwicklung" PDD
des ehemaligen Renamo-Generalsekretärs Raul Domingos wurde bei den Wahlen von 2004 die Rolle einer "dritten Kraft" zugetraut. Sie kam jedoch nicht über zwei Prozent der Stimmen hinaus.
Diese Rolle als dritte Kraft konnte dafür die Demokratische Bewegung Mosambiks (Movimento Democrático Moçambicano, MDM
) übernehmen. Die MDM
wurde im März 2009 in Beira gegründet und hat den Bürgermeister von Beira, Daviz Simango, zu ihrem Präsidenten gewählt. Schon eine Woche nach der Gründungsveranstaltung sind 1600 Renamo-Mitglieder
zur neuen Partei übergelaufen, was in der Renamo zu nervösen Reaktionen geführt hat. Es wird sich zeigen, ob die neue Partei das Parteiensystem in Mosambik nachhaltig verändern kann. Dass Renamo-Mitglieder im Juni 2009 das Fahrzeug von Daviz Simango
angegriffen haben, der Renamo-Chef Dhlakama hinter dem Anschlag vermutet, zeigte auf, wie heftig sich der Machtkampf auch innerhalb der Opposition entwickeln kann.
Eine Auflistung mit Gründungsjahr und Führung von den Parteien, die 2009 an den Wahlen teilgenommen haben, finden Sie auf der Seite von EISA
.
Die ersten Mehrparteienwahlen fanden 1994 unter Aufsicht von über 6000 UN-Blauhelmen
und großer internationaler Wahlbeobachtung statt. Die bis dahin allein regierende Frelimo konnte die Wahlen gegen die frühere Rebellenbewegung Renamo gewinnen. Noch deutlicher war der Sieg Chissanos über Renamo-Präsident Dhlakama bei den Präsidentschaftswahlen. Diese historischen Wahlen verliefen erstaunlich reibungslos. Die Menschen drückten nach dem langen Bürgerkrieg ihr "Votum für den Frieden" aus und bestätigten im Großen und Ganzen die Machtverhältnisse im Lande, wie sie zum Ende des Krieges bestanden: Das bedeutete eine Frelimo-Mehrheit im Norden (Niassa und Cabo Delgado), wo sie ihren Befreiungskampf führte, und Süden, dem Zentrum der politischen Macht (Maputo, Gaza, Inhambane), sowie eine Renamo-Mehrheit in den Zentralprovinzen (vor allem Sofala, Manica und Zambezia), deren Bevölkerung sich nie richtig mit der Frelimo-Verwaltung anfreunden konnte und anfällig für die Renamo-Propaganda war. Eher ausgewogen ist das Kräfteverhältnis in der wichtigen Nordprovinz Nampula.
Die Wahlen von 1999 und 2004
bestätigten eine Frelimo-Mehrheit, die politische Dreiteilung des Landes und ein De-Facto-Zweiparteiensystem, denn die kleinen Parteien konnten lediglich auf dem Trittbrett der Renamo-Wahlunion Vertreter ins Parlament schicken. In dem im Dezember 2006 verabschiedeten neuen Wahlgesetz wurde die Fünfprozentklausel gestrichen. Dennoch ist es für die kleinen Parteien schwierig, Parlamentssitze zu bekommen.
Bei den vierten Wahlen Ende Oktober 2009
konnte die Frelimo mit knapp 75 Prozent der Stimmen ihren Vorsprung und damit auch ihre hegemoniale Stellung
ausbauen. Sie verfügt jetzt nicht nur über eine Zweidrittelmehrheit im Parlament (191 von 250 Sitzen), sondern sie konnte erstmals auch die Provinzen Zambezia und Sofala, bis dahin Renamo-Hochburgen, für sich entscheiden. Neben der Frelimo kandidierte nur die Renamo in allen 13 Wahlkreisen (10 Provinzen, Maputo Stadt, Mosambikaner in Afrika und Europa). Sie erhielt nur noch 17,7 Prozent (51 Sitze). Die Wahlkommission hatte dagegen die Kandidatur der neuen MDM
nur in den vier Provinzen Niassa, Sofala, Inhambane und Maputo Stadt zugelassen. Begründet wurde dies mit unvollständig eingereichten Dokumenten. So hatte die MDM kaum Chancen und erreichte nur 3,9 Prozent (8 Sitze). Beobachter
sahen den MDM-Ausschluss als gröbsten Verstoß in den ansonsten friedlich verlaufenen und gut organisierten Wahlen. Alle anderen 16 kleinen Parteien blieben unter einem Prozent.
Bei den Präsidentschaftswahlen
gewann Guabuza mit 75 Prozent deutlich vor Dhlakama, der auf 16,4 Prozent zurückgefallen ist, und MDM-Kandidat Simango (8,6 Prozent). Zum ersten Mal fanden zeitgleich auch die Wahlen zu den Provinzparlamenten
statt. In allen zehn Provinzen siegte die Frelimo, die 137 der insgesamt 141 Distrikte des Landes für sich verbuchen konnte. In Sofala erreichte die MDM ein Viertel der 80 Sitze im Provinzparlament, nur einer ging an die Renamo.
Ein Vergleich der Wahlergebnisse
seit 1994 zeigt, dass die Frelimo unter Guebuza ihren Vorsprung gegenüber der Opposition deutlich ausbauen konnte. Alle wichtigen Wahldaten sind auf dem Election Archive von EISA
abrufbar.
Noch bei fast jeder Wahl hat der unterlegene Dhlakama von Wahlbetrug gesprochen. Tatsächlich haben technische Probleme und mangelnde Transparenz den Wahlprozess in den Wahlen von 1999 und 2004 in Frage gestellt. Deswegen weigerte sich die Opposition, die Wahlergebnisse anzuerkennen, doch der Oberste Gerichtshof bestätigte jedes Mal die Korrektheit der Wahl. Die Renamo tut sich immer noch schwer, sich als ehemalige Rebellenbewegung an parlamentarische Gepflogenheiten zu gewöhnen. Arrogantes Verhalten mancher Frelimo-Politiker leistet dem gegenseitigen Misstrauen ebenso Vorschub, doch die Renamo schaft es kaum, sich effektiv zu organisieren.
Die ersten Kommunalwahlen 1998 hat die Opposition aufgrund der Unstimmigkeiten über die Auswahl der 33 zu wählenden Kommunalverwaltungen boykottiert, bei den Kommunalwahlen von 2003
konnte die Renamo zwar weniger Bürgermeisterämter als erwartet erringen, sie stellte aber mit Daviz Simango den Bürgermeister in Beira. Dieser erwies sich in seiner Amtszeit als äußerst aktiv und schaffte es, das ehemals schmutzige Beira in eine saubere Stadt zu verwandeln. Für die Kommunalwahlen 2008
, die in 43 Gemeinden stattfanden, stellte die Renamo den beliebten Simango nicht mehr auf und trat mit einem anderen Kandidaten zu den Bürgermeisterwahlen von Beira
an. Prompt verlor sie diese deutlich an Simango, der als unabhängiger Kandidat angetreten war. Die Frelimo, die sich ansonsten in 41 der 43 Kommunen
zumeist deutlich behaupten konnte, tat sich ebenso mit der Popularität des Bürgermeisters von Maputo, Eanaes Comiche, schwer und ersetzte ihn durch einen neuen Kandidaten.
Aktuell über den Wahlprozess in Mosambik informieren das Auslandsbüro Mosambik/Malawi
der Konrad-Adenauer-Stiftung und das Mozambique Political Process Bulletin
.
Der Erfolg der Demokratisierung der gesellschaftlichen und politischen Institutionen Mosambiks hängt davon ab, inwieweit das Land sich vom Erbe seiner wechselvollen und leidgeprüften Vergangenheit befreien kann. Nach dreieinhalb Jahren Guebuza-Regierung lässt sich eine wachsende Distanz
zwischen dem von der Frelimo beherrschten Staat und der Bevölkerung feststellen. Mosambik ist eine Demokratie ohne Mehrwert
geworden.
Eine ausführliche Bewertung der Demokratisierung liefert das Ländergutachten der Bertelsmann-Stiftung
. Im Vergleich zur ersten Bewertung von 2003
hat sich Mosambik beim Statusindex nur wenig (von 5,4 auf 5,71) verbessern können. Mit Rang 64 von 125 Ländern liegt es weiter auf einem mittleren Rang, während im BTI 2006 Mosambik noch mit 6,01 Punkten bewertet wurde. Eine Rückstufung von Platz 29 im BTI 2006 auf Platz 51 im BTI 2010 (2008: 63, 2003: 43) erfolgte beim Management-Index
. Ob der vom BTI postulierte unmittelbare Zusammenhang zwischen Demokratisierung und Marktwirtschaft (=Statusindex) so besteht, mag allerdings dahin gestellt sein.
Eine Studie des Crisis States Research Centre stellt die Frage nach der Legitimität der Demokratie
. Sie stellt eine zunehmende Entfremdung der Wählerschaft fest, auf die sich die Frelimo früher gestützt hatte, auf welche die heutige Elite aber nicht mehr angewiesen zu sein scheint. Diese Hegemonie der Frelimo
über einen durch den Bürgerkrieg zusammengebrochenen Staat und die Gefahr einer gesellschaftlichen Spaltung sieht auch eine weitere Studie von Crisis States.
Zu dem gleichen Ergebnis einer wachsenden Kluft zwischen der politischen Elite und der armen Bevölkerung kommt die 180 Seiten starke Studie "Mozambique: Democracy and Political Participation"
von AfriMAP und der Open Society Initiative for Southern Africa, die im August 2009 vorgestelt wurde. Bewertet werden die Themen Demokratisierung, Bürgerrechte, Wahlen, politische Parteien und Parlamentspolitik, Zivilgesellschaft, lokale Regierung und Entwicklungshilfe. Sowohl die Gesamtstudie
als auch eine Zusammenfassung
können auf der Seite von AfriMAP heruntergeladen werden.
Eine verantwortliche Regierungsführung ist die immer wieder angemahnte Forderung der Gebergemeinschaft zur Konsolidierung von Frieden und Demokratie. Verschiedene Gutachten, die im Auftrag der Geber verfasst werden, befassen sich regelmäßig mit dem Stand der Umsetzung der von ihnen gesetzten, bisweilen auch fragwürdigen Kriterien. Dabei sind, wie Elísio Macamo in seiner Studie Political Governance
in Mosambik bemerkt, Indikatoren wie Finanzmanagement, Verwaltungsapparat und Verfolgung von Kriminalität für die Bewertung von politischer Stabilität leichter anwendbar als die für die Presse und Zivilgesellschaft schwerer zugänglichen Politikpapiere, offiziellen Berichte und Gesetzesvorhaben. Eine Studie zum Stategic Conflict Assessement
sieht die wachsende Gefahr von Klientelismus, Patronage, ökonomischer Ausgegrenztheit und weit verbreiteter Wählerapathie.
In vielen Landesteilen Mosambiks spielen Aberglaube und Hexerei eine wichtige gesellschaftliche Rolle. Während die Frelimo in ihrer "sozialistischen" Phase solche Praktiken als der Modernisierung abträglichen "Obskurantismus" verurteilt hat, werden heute individueller Glaube und Hexenvorstellungen respektiert. Doch ohne eine genaue Kenntnis und Achtung traditioneller Wertvorstellungen und Konfliktregelungen bleibt die Demokratisierungspolitik eine von außen aufgesetzte Leerformel, in den Augen mancher Dorfbewohner dient der neue Respekt der lokalen politischen Eliten gegenüber Hexerei eher als Vorwand zu deren eigenen Bereicherung. Im Mueda-Plateu in der Nordprovinz Cabo Delgado hatten im Jahre 2002 Löwen über Monate Menschen angefallen und getötet. Die Dorfbevölkerung, die seit Generationen glaubt, dass sich einige von ihnen in Löwen verwandeln können, hatte nach der Untätigkeit der Behörden das Heft in die eigene Hand genommen und nicht nur die Löwen getötet, sondern auch der Hexerei angeklagte Nachbarn gelyncht. Die Fallstudie "Govern Yourselves!"
, welche diese Ereignisse aufgegriffen hat, zeigt anschaulich auf, dass die lokale Bevölkerung ihre eigenen Vorstellungen von Demokratie und Konfliktregelungen hat.
Die Lynchjustiz
ist in den letzten Jahren mehr und mehr zum Symbol für den Unmut der Menschen angesichts staatlichen und polizeilichen Versagens in der Verbrechensbekämpfung geworden. In den Armenvierteln der Hauptstadt, wo die gestiegenen Lebensmittelpreise besonders schmerzen, ist am 5. Februar 2008 ein lange gährendes soziales Pulverfass explodiert: Nach der Ankündigung der Behören, die Fahrpreise für die Minibusse – die so genannten "chapas" – zu erhöhen, hat es einen Aufruhr der Armen
gegeben. Die Rücknahme der Preiserhöhungen noch am gleichen Abend der spontanen, von Straßenblockaden und Zerstörungen begleiteten Aufstände zeigt, dass die Regierung von Demonstrationen solchen Ausmaßes offensichtlich überrascht war. Drei Tote und 268 Verletzte waren zu beklagen.
Erste Berichte über den Aufstand kamen von dem Soziologen Carlos Serra vom Zentrum für Afrikastudien in Maputo, der in seinem Internet-Blog die sozialen Ursachen
für die Unruhen untersucht. Überhaupt sind es die Blogschreiber, welche den von Handys und SMS organisierten Aufruhr begleiten. Auf einer solchen Seite lässt sich auch ein Amatuer-Video
von den demonstrierenden Jugendlichen betrachten. Hier wächst dem Staat ein soziales Problem heran, das anzugehen mehr Fingerspitzengefühl erfordert, als voreilig mit dem Vorwurf des "Vandalismus" fehlgeleiteter Jugendlicher zu reagieren.
Von der Welle der Ausländerhatz
, die Südafrikas Townships Anfang 2008 durchzogen hat, waren vor allem Simbabwer und Mosambikaner betroffen. Über 15.000 Mosambikaner sind aus Angst vor den fremdenfeindlichen Progromen in ihre Heimat zurückgekehrt. Die Regierung rief den Notstand aus und musste die Rückkehr unter Polizeischutz stellen.
Deutliche Anzeichen eines Machtkampfes in der Regierung ist die spektakuläre Verhaftung von Innenminister Almerino Manhenje
im Septmeber 2008. Sein Nachfolger José Pacheco wirft ihm Geldwäsche in großem Stil vor. Zusammen mit Manhenje wurden acht weitere Beamte des Innenministeriums verhaftet. Gegen Manhenje wird in 49 Fällen
ermittelt. Die gemeinsame Flucht des Cardoso-Mörders Anibalzinho sowie zweier weiterer Schwerverbrecher aus der Haft (siehe "Recht und Justiz") im Dezember 2008 sowie die Ermordung des Direktors für öffentliche Ordnung der Polizei von Maputo, Feliciano Juvane, im gleichen Monat lassen auf einen regelrechten Krieg innerhalb der Polizei schließen.

Die Mosambikaner gebrauchen für Korruption das Wort "cabritismo
", was soviel wie "Ziegerei" bedeutet.
Einer Konsolidierung der Demokratie steht die Staatsbürokratie und eine politische Kultur entgegen, in der Korruption zum festen Bestandteil geworden ist. Liest man die Liste der Publikationen
, die das Mosambik-Büro der Friedrich-Ebert-Stiftung veröffentlicht hat, fällt auf, dass alle Beiträge aus dem Jahre 2006 sich mit Korruption in öffentlichen Sektoren wie Jusiz, Bildung oder Gesundheit beschäftigen. Im Korruptionswahrnehmungsindex 2009 von Transparency International
ist Mosambik mit 2,5 Punkten auf Platz 130 (von 180 Ländern) zurückgefallen. Nur noch Angola, Simbabwe und die DR Kongo werden in der Region schlechter bewertet.
Eine eigene Bewertung der Korruption leistet die Corruption Assessement
von USAID.
Das Global Advice Network mit Sitz in Kopenhagen hat auf ihrem Business Anti-Corruption Portal
die Häufigkeit der individuellen, wirtschaftlichen und politischen Korruption in den verschiedenen Sektoren der Gesellschaft zusammengestellt. "Es gibt zwar eine neue Gesetzgebung gegen Korruption", heißt es da, "welche eine Machtübertragung auf die neue Korruptionsbekämpfungseinheit vorsieht, doch bislang ließen sich noch keine aktuellen Auswirkungen des Gesetzesreform feststellen."
Die Regierung bemüht sich, die Forderungen der Gebergemeinschaft, für die die Korruptionsbekämpfung oberste Priorität hat, ernst zu nehmen. 2005 wurde das Antikorruptionsreferat, das bei der Untersuchung und strafrechtlichen Verfolgung einer Reihe publizitätsträchtiger Korruptionsfälle seine Effizienz mehrfach unter Beweis stellen konnte, zu einer Zentralstelle für die Bekämpfung der Korruption ("Gabinete Central de Combate a Corrupção", GCCC) aufgewertet und mit größeren personellen und materiellen Ressourcen ausgestattet. Allerdings hat die Karruptionsbekäpfungsbehörde keine Befugnis, Korruptionsfälle strafrechtlich zu verfolgen
. Dies bleibt dem Generalstaatsanwalt vorbehalten.
Mit der 2006 vorgstellten Anti-Korruptions-Strategie will die Regierung eine verantwortliche Staatsführung sicherstellen, Entscheidungsprozesse der oberen Verwaltungshierarchien transparent gestalten und die öffentliche Sicherheit gewährleisten. Man kann sich frelich zurecht fragen, ob eine effektive Korruptionsbekämpfung
unter den Bedingungen staatlicher Abhänggkeit von den Auflagen der Weltbank überhaupt möglich ist.
Im März 2007 hat Präsident Guebuza den Startschuss für ein 78-köpfiges Anti-Korruptions-Forum FNAC ("Fórum Nacional Anti-Corrupção") gegeben, das unter Vorsitz von Premierministerin Luisa Diogo steht. Die unabhängige Presse sowie das Centro de Integridade Pública
stehen dem Forum wegen der möglichen Interessenskonflikte beteiligter hoher Funktionäre skeptisch gegenüber. Der Vorschlag der Zivilgesellschaft, die Sitzungen des Gremiums öffentlich abzuhalten, schien bei der Mehrheit der Forumsmitglieder auf offene Ohren zu stoßen, doch nach nicht mal einem Jahr hat Guebuza das Forum wieder abgeschafft, weil seine Einrichtung als verfassungswidrig eingestuft wurde. Die Befugnisse gehen an die Interministerielle Kommission für die Reform des Öffentlichen Sektors (CIRESP) über. Zu diesem Regierungsgremium hat die Zivilgesellschaft freilich keinen Zugang.
Die Gebergemeinschaft mahnte im April 2008 in einem Aide-Memoire
an, dass die Anti-Korruptionsmaßnahmen beschleunigt werden müssten. Kein einziger Korruptionsfall sei bislang strafrechtlich verfolgt worden. Dem widersprechen allerdings Angaben der Korruptionsbekämpfungsbehörde vom Dezember 2009, wonach in einem Zeitraum von drei Jahren seit 2006 in 1524 Fällen ermittelt und in 325 Fällen Anklage erhoben worden sei. 86 Prozesse wegen Korruption
seien geführt worden. Der bislang spektakulärste Korruptionsprozess bagann im November 2009 und betrifft unter anderem den früheren Transportminister Antonio Munguambe
sowie den früheren Direktor der Fluggesellschaft Mosambiks (ADM).
Die Zivilgesellschaft in Mosambik ist noch recht jung, denn unter der Alleinherrschaft der Frelimo gab es zwar Frauen-, Jugend- und Gewerkschaftsverbände, doch sie waren der Partei angegliedert. Die meisten zivilgesellschaftliche Gruppen sind erst dann entstanden, als die Geberstaaten ins Land kamen und Ansprechpartner vor Ort brauchten. Da es kein Gesetz gibt, was den Status von "Nichtregierungsorganisationen" (NRO) definiert, fällt auch eine Abgrenzung zu den vielen "informellen" zivilgesellschaftlichen Grupppen schwer. Eine Bestandsaufnahme über die mosambikanischen NRO
Ende der 1990er Jahre kam bereits auf etwa 400. Das aktuelle Directory of Development Organizations
können Sie sich als pdf-Datei herunterladen.
Die NRO sind weitgehend von ausländischer Hilfe abhängig und stehen im eigenen Wettbewerb um Hilfsgelder. Ihre Abhängigkeit vom Norden ist ein immerwährendes Thema. Lesen Sie dazu die Abhandlung von Jose Negrão
.
Die zivilgesellschaftlichen Gruppen haben sich in zahlreichen Foren und Netzwerken etwa zur Schuldenproblematik, zur Armutsbekämpfung, zum Thema HIV/Aids oder im Monitoringbereich zusammengeschlossen. Eine wichtige Organisation ist hier das Centro de Integridade Publica
, mit dem sich der Journalist Marcello Mosse selbständig gemacht hat. Eine der mosambikanischen NRO, die u.a. als Informationszentrum zur Unterstützung für andere NRO fungiert, ist Kulima
. Daneben existiert auch das Link Forum Moçambicano de ONG's.
Der PRSP-Watch-Bericht
weist darauf hin, dass sich im Rahmen des PRS/PARPA-Prozesses zwar ein wichtiges Forum von 20 zivilgesellschaftlichen Akteuren gebildet hat, die "informelle" Zivilgesellschaft aber bei den politischen Entscheidungsprozessen außen vor bleibt. Eine lesenswerte Dokumentation ist der Seminarbericht "Stimmen gegen Armut
– Zivilgesellschaft und Armutsbekämpfung in Mosambik und Deutschland".
Am Beispiel der Provinz Chimoio untersucht eine Magisterarbeit die zivilgesellschaftliche Partizipation
bei lokalpolitischen Strukturen und Entscheidungsprozessen, ohne die die Bevölkerung der Willkür der Kommunalverwaltung ausgeliefert wäre.
Das staatliche Radio (Radio Moçambique
, lange Ladezeit!) mit seinem Antena Nacional-Netzwerk ist die Hauptinformationsquelle für die meisten Mosambikaner. Es berichtet neben Portugiesisch und Englisch auch in etlichen lokalen Sprachen. Das Privatsender sind zumeist auf die Städte begrenzt, in denen auch das staatliche Fernsehen TVM
(Televisão de Moçambique) zunehmend an Bedeutung gewinnt. Sowohl der Afrika-Service des portugiesischen Staatsfernehens, RTP Africa, als auch der brasilianische Sender TV Miramar werden viel gesehen.
Wichtigste Nachrichtienquelle ist die halbstaatliche Agentur Agência de Informação de Moçambique (AIM
), die einen vierzehntäglichen englische Dienst und einen Fotoservice unterhält. Die Zeitungen werden wegen der hohen Analphabetenrate auf dem Lande kaum außerhalb der Städte gelesen. Haupttageszeitung ist die halb-staatliche Notícias
, die in Maputo hergestellt wird. In Beira erscheint zudem die Diário de Moçambique
(lange Ladezeit!).
Seit Anfang der 1990er Jahre die freie Presse zugelassen wurde, hat sich der Medienmarkt grundlegend gewandelt. Besonders innovativ waren die Gründer der Nachrichtenblattes mediaFax: Sie umgingen eine mögliche Zensur mit der Versendung von Faxnachrichten, deren Verbreitung naturgemäß zwar begrenzt war, die aber in die Büros von wichtigen Entscheidungsträgern gelangten. Diese Art der Nachrichtenvermittlung hat viele Nachahmer auch außerhalb Mosambiks gefunden. In den letzten Jahren sind mehrere neue Nachrichtenblätter, Wochenzeitungen und private Radiosender gegründet worden. Mosambik verfügt über eine relativ lebendige Medienszene
. Unterstützung erhält sie u.a. von der UNESCO, die ein Media Project
in Maputo unterhält, das mit der Förderung der Medien die Entwicklung der Demokratie unterstützen will.
Laut offiziellen Angaben vom staatichen Presseamt (Gabinfo) sind zwischen 1992 und 2005 etwa 117 private Printmedien registriert (und teilweise auch wieder suspendiert) worden. Ein Überblick über den Medienmarkt
zeigt allerdings, dass die Anzahl von wichtigeren Medien weit geringer ist. Einige sind im Netz vertreten, neben Notícias etwa Zambeze (zur Zeit inaktiv), Fim de Semana
oder Zambézia Online
. Seit Februar 2006 gibt es mit Canal de Moçambique
eine neue Internetzeitung. Salomão Moyana, einer der bekanntesten Journalisten Mosambiks, gibt seit 2008 das alle vierzehn Tage erscheinende Blatt Diário Independente
heraus.
Die freie Presse ist einer der Garanten für eine transparente demokratische Entwicklung. Dafür stand vor allem der unerschrockene Carlos Cardoso, der seinen Einsatz für Demokratie mit dem Leben bezahlen musste (s. Kapitel "Recht und Justiz"). Seither haben viele Journalisten doch eher Angst, sich kritisch zu äußern
, wie Moyana in einem Interview meinte.
Das Media Institut of Southern Africa (MISA), das die Presselandschaft in den Ländern der Region überwacht, unterhält auch ein MISA-Büro in Maputo
.
Ein Gesetz, welches das Recht auf Informationsfreiheit regelt, ist schon länger überfällig. Die bisherige Gesetzgebung zur Informations- und Pressefreiheit wird in einer Studie der Konrad Adenauer Stiftung
analysiert.
In der Bewertung des African Media Barometer
erhält Mosambik für seine Pressefreiheit eine 3
(2005: 2,0, 2007: 2,5) von fünf möglichen Punkten. Die Meinungsfreiheit ist zwar garantiert, doch einer besseren Bewertung steht eine undemokratische Rundfunkgesetzgebung, zunehmende Verleumdungsklagen von Politikern gegen Journalisten und die Kontrolle über staatseigene Zeitungen im Wege.
Im Pressefreiheitsindex
von "Reporter ohne Grenzen" hat sich Mosambk sogar deutlich verschlechtert. 2006 noch hatte es mit Platz 45 besser als die USA (53) dagestanden, für 2009 ist es auf Platz 82 (Vorjahr 90) zurückgefallen. Gründe dafür sind u.a., dass sich die Gerichte mehrmals in die Arbeit der Medien eingemischt haben. Beleidigungsklagen gefährden die Existenz von Provinzzeitungen, zudem gibt es noch kein Gesetz zum Recht auf Informationen.
Vor wachsenden Tendenzen, das Recht auf Zugang zu Informationen einzuschränken, warnt der Direktor des Integritätszentrums (CIP) in Maputo, Marcello Mosse. Der Vorentwurf eines Pressegesetzes
soll der Regierung eine größere Kontrollmacht über die Medien verleihen und die Pressefreiheit und Meinungsvielfalt einschränken. Kernpunkte sind Artikel, welche die Registrierung und Verbreitung von Publikationen und die Einführung eines Presseausweises regeln. Der Verdacht liegt nahe, dass die Regierung kritischen Zeitungen die Zulassung entziehen und mit dem Presseausweis bestimmen könnte, wer den Beruf "Journalist" ausüben darf.
Mosambik ist friedlicher als die USA! Zu diesem Ergebnis kommt der im Mai 2008 vorgestellte Global Peace Index (GPI)
, der 140 Staaten, davon 35 afrikanische, untersucht hat. Mosambik liegt danach auf Platz 50 – das viertbeste Ergebnis in Afrika nach Ghana, Madagaskar und Botswana –, während die USA auf Platz 97, Russland gar auf Platz 131 aufgelistet sind. Solche Ranglisten mögen ein Spielfeld für Statistiker sein, sie zeigen immerhin, das Berichte über Gewalt und Kriminalität ein armes Land wie Mosambik leichter in Verruf bringen als die reichen Länder des Nordens, in denen wir uns trotz alltäglicher Gewalt subjektiv sicherer fühlen.
Eine systematische Verletzung von Menschenrechten gibt es nicht. Doch die Sicherheitskräfte wie die Polizei genießen keinen guten Ruf. Amnesty international wirft ihnen einen unverhältnismäßigen Einsatz von Gewalt und Schusswaffen vor. Auch Todesfälle in Polizeigewahrsam kommen noch vor. Im Jahresbericht 2009
beklagt AI die anhaltende Liquidierung von Straftatverdächtigen durch die Polizei. Seit Januar 2006 wurden mindestens 46 Menschen Opfer von Polizeikugeln. Amnesty hat zu den ungesetzlichen Tötungen
einen 59-Seiten-Bericht veröffentlicht, der die Brutalität der Polizei
, wie sie im Falle der Liquidierung dreier Personen an der Küste bei Maputo im April 2007 deutlich wurde, erneut aufzeigt. Auf den Todesfall Abranches Afonso Penicelo
machte Amnesty Ende 2008 aufmerksam.
Die Regierung unternimmt immerhin größere Anstrengungen bei der Korruptions- wie auch der Kriminalitätsbekämpfung. Das zeigt nicht nur die Verhaftung des für die Korruption in der Polizei verantwortlichen früheren Innenministers Almerino Manhenje im September 2008. Mit dem Konzept bürgernaher Polizeiarbeit versucht sie das Vertrauen in die Ordnungshüter zu stärken. Im Armenviertel Chamanculo B von Maputo dient ein Friedensrat als Bindeglied von Bürgern und Polizei. Die Krminalität ist dort durch die Bürger in Uniform
zurückgegangen.
Im Dezember 2005 ratifizierte Mosambik das Protokoll der afrikanischen Menschenrechtscharta zu den Rechten der Frauen in Afrika und das Protokoll zur Anerkennung des afrikanischen Gerichtshofes.
Ein Sicherheitsproblem ist die durch den früheren Bürgerkrieg begünstigte Verfügbarkeit von Kleinwaffen
. Im August 2001 hat Mosambik das SADC-Protokoll zur Kontrolle von Feuerwaffen, deren Teilen, Komponenten und Munition unterzeichnet, mit dem der illegale Handel mit Leichtwaffen in der Region unterbunden werden soll. Eine Studie des südafrikanischen Instituts für Sicherheitsstudien hat verschiedene Initiativen zur Entwaffnung
und die Auswirkungen von Kleinwaffen auf Gemeinden in der Provinz Chimoio
untersucht. Hier, wo der für Handel und Verkehr wichtige Beira-Korridor durchläuft, haben Jahrzehnte des Konflikts mit verschiedensten Kriegsparteien (rhodesische, portugiesische, simbabwische und mosambikanische Armee, Frelimo-, Zanu-PF- und Renamo-Kämpfer) eine prekäre Sicherheitslage hinterlassen.
Der mosambikanische Christenrat unterhält seit Oktober 1995 das Projekt "Schwerter zu Pflugscharen" (TAE Project: "Troco Armas a Enxadas"), das bis Oktober 2003 7850 Waffen einsammeln und zerstören konnte. Im gleichen Zeitraum hat die offizielle, von der mosambikanischen sowie der südafrikanischen Regierung getragene Kampagne "Operation Rachel" 35.000 Waffen zerstört. Gemeinsam mit dem Internationalen Konversionszentrum in Bonn (BICC) hat das TAE Project eine Auswertung seines Programms zur Konvertierung von Kleinwaffen
veröffentlicht.
Die wiederholte Explosion von Munitionsdepots
Anfang 2007 in Maputo hat allerdings nicht nur eine erschreckende Nachlässigkeit bei der Lagerung von Munition aufgezeigt. Für Sicherheitsexperten offenbarte die Tragödie auch, dass das mosambikanische Militär den Verpflichtungen des Landes nach dem SADC-Waffenprotokoll noch lange nicht nachgekommen ist, welches seine Unterzeichner dazu verpflichtet, nationale Bestandslisten über Schusswaffen zu führen sowie überschüssige und veraltete Schusswaffen zu vernichten.
Trotz des anfänglichen Bekenntnisses zum Sozialismus hat Mosambik immer versucht, in der Außenpolitik
einen neutralen Kurs zu halten. Die enge Bindung an den Nachbarn Südafrika erlaubte allerdings besonders während der Apartheidära keine wirkliche Neutralität. Wie die anderen Anrainerstaaten setzte auch Mosambik seine Hoffnung auf die Gründung der SADC
, der Southern African Development Community, im Jahre 1980. Ziel war, die einseitige Abhängigkeit von Südafrika aufgrund der Verflechtung von Verkehr, Energieversorgung, Handel und Arbeitsmigration zu lockern. Südafrika ist Mosambiks wichtigster Handelspartner.
Mosambik kommt vor allem wegen seiner verkehrstechnisch günstigen Lage eine wichtige Rolle für den Transportsektor innerhalb der Regionalgemeinschaft zu. In regionalen Konflikten (Kongo, Simbabwe) nimmt die mosambikanische Regierung eher eine neutrale oder Mittlerrolle ein.
Seit 1. September 2005 ist der mosambikanische Ökonom Tomaz Augusto Salomão zum Exekutivsekretär der SADC gewählt worden. Als langjähriger Minister im Kabinett Chissano ist er ein auch international anerkannter Politiker mit viel regionaler Erfahrung im Bereich Infrastruktur und Informationstechnologie. Präsident Guebuza ist beim letzten SADC-Gipfel im August 2008 zum stellvertretenden Vorsitzenden des SADC-Organs zur politischen, Verteidigungs- und Sicherheitszusammenarbeit gewählt worden.
Mosambik gehört auch der NEPAD-Initiative
(New Partnership for Africa's Development) an, die es sich zum Ziel gesetzt hat, mehr Eigenverantwortung für Frieden, Demokratie und die wirtschaftliche Entwicklung des Kontinents zu übernehmen. Außerdem ist das Land Mitglied in der Afrikanischen Union
, im Commonwealth Secretariat sowie in der Afrikanischen Entwicklungsbank
(ADB). 1997 hat es seine Mitgliedschaft im Common Market for Eastern & Southern Africa
(Comesa) aufgekündigt. Bei den Verhandlungen um Wirtschaftspartnerschaftsabkommen mit der EU
(EPAs) gehört Mosambik mit Angola, Botswana, Lesotho, Namibia, Swasiland und Tansania zur SADC-EPA-Gruppe
. Es hat nach dem Scheitern der Abkommen am 15. Juni 2009 ein Interimsabkommen
mit der EU geschlossen.
Wegen seiner regionalpolitischen Vormachtstellung und seiner massiven wirtschaftlichen Interessen spielt Südafrika eine bedeutende Rolle in den bilateralen Beziehungen Mosambiks. Südafrika ist Mosambiks wichtigster Handelspartner. Zwischen beiden Ländern besteht seit Juli 1994 eine Joint Permanent Commission for Co-operation
, die Vereinbarungen über Grenzkontrollen, Verbrechensbekämpfung, Gesundheit, See- und Luftfahrt, Wirtschaft, Transport, Zoll- und Tourismusfragen aushandelt. Die staatliche bilaterale Wirtschaftskommission
wird von den Staatspräsidenten beider Länder geleitet.
"Die diplomatischen Beziehungen mit der Bundesrepublik Deutschland bestehen seit 1976 und sind frei von Problemen", heißt es auf der Seite des Auswärtigen Amtes zu den bilateralen Beziehungen
mit Mosambik. Das war freilich nicht immer so, denn in den Anfangsjahren war das Verhältnis der damaligen Bonner Regierung zu Maputo äußerst unterkühlt. Das soziallistische Experiment der Frelimo und ihre engen Beziehungen zur DDR passten nicht in die Vorstellungen Bonner Außenpolitik – im übrigen auch nicht der konservativen Regierungen Reagan in den USA und Thatcher in Großbritannien. Politische Meinungsverschiedenheiten bezüglich der Einbindung Westberlins in Verträge (sie sog. Berlin-Klausel) verhinderten jahrelang die Aufnahme einer Entwicklungszusammenarbeit. Erst mit dem Besuch des damaligen mosambikanischen Außenministers Chissano in Bonn Mitte 1982 konnte dieses Hindernis beseitigt werden. Die Unterzeichnung eines Rahmenabkommens für Technische Zusammenarbeit erfolgte dann drei Jahre später im Oktober 1985.
Inzwischen ist Mosambik längst ein Schwerpunktland der deutschen EZ und eines der vier Pilotländer des Aktionsprogramms 2015 der Bundesregierung geworden. Gefördert werden der Aufbau demokratischer Strukturen und die Armutsbekämpfung (s. folgendes Kapitel "Wirtschaft und EZ").
Im April 2006 besuchte Bundespräsident Horst Köhler
auf seiner Afrikareise neben Madagaskar und Botswana auch Mosambik. Es war der erste Besuch eines deutschen Bundespräsidenten in Maputo. Vom 1. bis 5. November 2007 war Staatspräsident Guebuza auf Einladung von Bundespräsident Köhler auf Staatsbesuch in Deutschland. In einer Tischrede zu Ehren Guebuzas
bezeichnete Köhler dessen Besuch in Deutschland als "historisch". Am 24. Juni 2009 war der mosambikanische Außenminister Oldemiro Baloi in Berlin
.
Bilaterale Beziehungen zu Österreich
bestehen seit 1976, die Schweiz
hat Mosambik seit 1979 als Schwerpunktland der Entwicklungszusammenarbeit aufgenommen.
Lothar Berger, M.A., geb. 1953, Studium der Ethnologie, Afrikanistik, Soziologie und Musikwissenschaften.
Langjähriger Redakteur von "afrika süd" in der informationsstelle südliches afrika (issa
), Bonn.
Ich freue mich auf Ihre Kommentare, Anregungen und Kritik.