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Mosambiks heutige Gesellschaft ist das Ergebnis eines jahrhundertelangen Formationsprozesses, in dem portugiesisch-europäische und afrikanische Gesellschaftsstrukturen weitgehend nebeneinander koexistierten. Der überwiegende Teil der Bevölkerung lebt auf dem Land; ein urbaner Lebenstil, bei dem sich europäische und afrikanische Einflüsse stärker vermischten, hat sich in größerem Umfang nur in der Hauptstadt Maputo, dem ehemaligen Lourenço Marques, in der Hafenstadt Beira sowie einigen Provinzhauptstädten entfaltet.
Mosambiks Amtssprache ist Portugiesisch, doch nur ein gutes Drittel der Mosambikaner spricht oder versteht Portugiesisch. Abgesehen von den wenigen Portugiesen (etwa 1 Prozent der Bevölkerung), Indern, Chinesen und anderen Staatsangehörigen sprechen die meisten Mosambikaner muttersprachlich eine Bantusprache. Der Katalog Ethnologue.com
listet 43 Sprachen auf, dort können Sie auch eine Verbreitungskarte
ansehen. Durch den Tourismus und Handel mit den Nachbarstaaten gewinnt Englisch eine zunehmende Bedeutung.
In Mosambik leben viele ethnische Gruppen, die in etwa 40 Volks- bzw. 15 Sprachgruppen eingeteilt werden. Obwohl die Makhuwa
und Lomwe
, die im Norden Mosambiks bis weit nach Tansania hinein siedeln, mit ihren Untergruppen etwa 40 Prozent der Bevölkerung ausmachen, teilt Mosambik nicht das Problem einer dominanten ethnischen Gruppe vieler anderer afrikanischer Staaten. In direkter Nachbarschaft in der Provinz Cabo Delagdo leben die Makonde
als zwar kleine, aber selbstbewusste Gruppe. Sie sind vor allem durch ihr kunsthandwerkliches Geschick bekannt geworden. Von ihnen ging in den 1960er Jahren der Befreiungskampf gegen die Kolonialmacht aus. In der Nordprovinz Niassa ist die Heimat der auch in Malawi lebenden Yao
und Chewa
.
In der Tieflandzone beiderseits des Sambesi siedeln die Sena, Nyanja und Nyungwe. In Zentralmosambik leben die Shona
, Tonga
, Manyika und Ndau
, weiter im Süden die für ihre Timbila-Musik bekannte kleine Gruppe der Chopi
(Inhambane) und schließlich in Gaza und Maputo die Tswa, Ronga und Shangaana
, die zu den Tsonga
, wie sie in Südafrika genannt werden, gehören.
Der Sambesi trennt die matrilinearen Gruppen des Nordens von den übrigen Ethnien, deren Sozialstruktur der für afrikanische Gesellschaften typischen hierarchischen Gliederung mit Chiefs und Ältesten entspricht.
Weil die Frelimo-Regierung eine nicht-rassische und anti-tribale Bevölkerungspolitk verfolgte, spielte die ethnische Komponente im Bürgerkrieg eine eher untergeordnete Rolle, wenn auch die Führungsriege der Renamo sich fast ausschließlich aus den Sena rekrutierte. Vorwürfe nach einer Benachteiligung des Nordens und Zentrums und Rufe nach einer "Afrikanisierung" der politischen Institutionen wurden erst im Zuge der Demokratisierungs- und Dezentralisierungsbestrebungen lauter.
Mangelernährung, Krankheiten und Armut bestimmen den Alltag eines Großteils der Bevölkerung Mosambiks. Die Lebenserwartung liegt bei 50.2 Jahren (HDI 2011, nach dem Census 2007
: 49,4). 42 Prozent der Bevölkerung hatten 2006 keinen Zugang zu sauberem Wasser. 55 Prozent der Bevölkerung können laut HDI 2011 (Census 2007: 50,4 Prozent) lesen und schreiben. Etwa 70 Prozent leben unter der nationalen Armutsgrenze. Ein Mosambikaner verdient jährlich im Schnitt umgerechnet etwa 290 US-Dollar. Trotz der guten Wachstumsraten der Wirtschaft von im Durchschnitt über sieben Prozent in den vergangenen zehn Jahren bleibt die Arbeitslosigkeit
vor allem unter Jugendlichen in Mosambik sehr hoch. Es gibt keine verlässlichen Zahlen, nach Schätzungen des World Factbook
lag sie 1997 bei 21 Prozent, andere Schätzungen gehen aber von weit über 50 Prozent Arbeitslosigkeit aus.
Von den geschätzen 9 bis 10 Mio. Arbeitenden sind 76 Prozent in der Landwirtschaft, vornehmlich im Subsistenzanbau, beschäftigt. Etwa sechs Prozent sind im Industriesektor und 18 Prozent im Dienstleistungssektor tätig.
Im Mai 2007 hat das Parlament nach langen und heftigen Debatten das neue Arbeitsgesetz
verabschiedet, das im Oktober 2007 in Kraft trat. Das Gesetz (engl. Fassung)
beschneidet die Arbeiterrechte, weswegen die Gewerkschaften lange um einen Kompromiss gerungen haben und das Streikrecht im Wesentlichen erhalten konnten. Sie fordern eine Erhöhung des Mindestlohns um 17 Prozent, weil die umgerechnet 68 US-Dollar monatlich nur zur Hälfte zum Lebensunterhalt beitragen können.
Um die Schlichtung von Arbeitskonflikten kümmert sich das u.a. von der GIZ finanzierte Labour Arbitration Center (CAL, Centro de Arbitragem Laboral), eine Initiative von Mozlegal. 2010 hat das Arbeitsministerium die Labour Mediation and Arbitration Commission
(COMAL) eingerichtet, in die sechs Mitglieder aus Regierung, Unternehmer und Gewerkschaften berufen werden. 2012 sollen solche Schlichtungsstellen in allen Provinzen operieren.
Mosambik gehört zu den vergleichsweise noch schwach urbanisierten Staaten Afrikas. Andererseits weist es wegen der massiven Wanderungsprozesse aus dem ländlichen in den städtischen Raum eine relativ hohe Verstädterungsrate auf (in der letzten Dekade 1990-2000 7,1 Prozent). Wegen der wachsenden Urbanisierung leben mittlerweile etwa sieben Millionen Menschen (30 Prozent der Bevölkerung) in Städten
. Auf Grund der Anziehungskraft der Hauptstadt leidet Mosambik auch unter einem starken regionalen Ungleichgewicht
.
Mosambik hat eine lange Tradition von Migration
und Wanderarbeit innerhalb und außerhalb seiner Grenzen. Etwa eine Million Mosambikaner – vorwiegend aus den Südprovinzen Gaza, Inhambane und Maputo – arbeiten legal oder illegal als Wanderarbeiter
in Südafrikas Bergwerken, Landwirtschaft und der Industrie. Seit der Welle der Hatz auf Ausländer
in den südafrikanischen Townships im Mai 2008 leben viele mosambikanische Wanderarbeiter in Angst, und es wird immer schwieriger, einen Arbeitsplatz im Nachbarland zu finden.
Für das ländliche Mosambik gilt die für afrikanische Gesellschaften typische geschlechtsspetzifische Arbeitsteilung, bei der den Männer die Jagd, das Roden der Felder sowie das Zäunebauen, Dachdecken und der Hausbau obliegt, während die Frauen für das Sammeln von Früchten, das Hacken, Jäten und Ernten, Holzsammeln, Wasserholen, Kochen und die Kindererziehung verantwortlich sind. Zwangsarbeit unter der portugiesischen Kolonialherrschaft, zu der auch Frauen gezwungen waren, und die Wanderarbeit der Männer haben die familiären Strukturen vor allem im Süden drastisch verändert.
Seit der Unabhängigkeit haben Frauen Zugang zu allen Lebens- und Verwaltungsbereichen. Es ist ein Verdienst der Frelimo, dass Mosambik mit knapp 30 Prozent der Abgeordneten heute den höchsten Frauenanteil aller Parlamente im Südlichen Afrika vorzuweisen hat. Gleichwohl bleibt der tatsächliche Einfluss der Frauen im Parlament auf die Politikgestaltung gering, und der Anteil an Frauen an bezahlter Arbeit beträgt nur vier Prozent. Dafür werden die afrikanischen Märkte von Frauen bestimmt, ihr Anteil am Handel beträgt über 50 Prozent.
Auf der Ranking-Liste des GID
(Gender-relatet development Index), bei dem es um den Index von Frauendiskriminierungen und Frauenrechte geht, liegt Mosambik auf Rang 172 von 182. Im Social Institutions and Gender Index (SIGI Ranking 2009
) liegt Mosambik auf Platz 77 von 102. Nicht-OECD-Ländern. Gender-Politik und "Feminisierung" der Armutsbekämpfung
gehören also, wie eine Studie aufzeigt, eng zusammen.
Im Dezember 2003 hat das mosambikanische Parlament ein neues Familiengesetz
verabschiedet, das Frauen den Männern gesetzlich gleichgestellt und auch traditionelle Formen der Eheschließung unter bestimmten Bedingungen erlaubt. Frauen dürfen nach dem Gesetz eigene Verantwortung in der Ehe ausüben. Zum Schutz der Mädchen wurde das Heiratsalter auf 18 Jahre heraufgesetzt. Von dieser gesetzlichen Gleichstellung profitieren allerdings in erster Linie die städtischen Frauen. Auf dem Land herrschen weiterhin traditionelle Gewohnheitsrechte vor, Frauen sind beim Erbrecht benachteiligt, ihnen wird der Zugang zu Bildungseinrichtungen erschwert und sie nehmen kaum am politischen und gesellschaftlichen Leben teil. Die Folge ist, dass die Frauenalphabetisierung 2005 mit 31,4 Prozent wesentlich niedriger lag als jene der Männer mit 60,1 Prozent. Eine Studie zu Frauenrechten
in Mosambik zeigt auf, dass mangelnder Schutz vor HIV/Aids und vor häuslicher Gewalt sowie der niedrige Bildungsstand die Frauen weiterhin benachteiligt.
Im Juni 2009 hat das Parlament einmütüg ein Gesetz gegen die häusliche Gewalt
verabschiedet. Das Verprügeln einer Ehefrau galt bislang lediglich als bloßer Körperverletzungsdelikt. Häusliche Gewalt fällt hinfort unter öffentliches Verbrechen, das mit Gefängnis bestraft werden kann. Es braucht dafür keine Anzeige des Opfers mehr.
Die Kleinbäuerinnen müssen trotz des Landgesetzes von 1997 noch um ihre Landrechte
kämpfen. Die Benachteiligung der Frauen auf dem Lande hat eine Studie am Beispiel der krisengeschüttelten Cashew-Industrie in Nampula
untersucht (zur vollständigen Studie als Word-Datei
).
Von Frauen geführte
Haushalte machen ca. 22 Prozent der ländlichen Haushalte aus. Ihr Einkommen ist nur halb so hoch wie das der von Männern geführten Haushalte. Der Anteil getrennter und alleinstehender
Frauen auf dem Lande ist relativ hoch, interessanter Weise haben sie oft einen besseren Zugang zum Arbeitsmarkt als verheiratete Frauen und können auch eher in die Bildung ihrer Töchter investieren. Besonders im Süden haben sich die Geschlechterbeziehungen durch die Wanderarbeit der Männer gewandelt. Man spricht mittlerweile von einer Feminisierung der Landwirtschaft
.
Eine Seite zu Frauen in Mosambik hat der KKM
(links Link "Über Mosamik" "Frauen" klicken) zusammengestellt. Bei Peace Women
finden Sie einige Adressen zu Frauenorganisationen in Mosambik.
Kinder machen heute über 50 Prozent der Bevölkerung aus. Daher sind Kinderarmut und Kinderrechte wichtige Themen, denen sich etwa die AWEPA-Konferenz zu Kinderechten
angenommen hat. Mosambik hat die Konvention zu Kinderrechten
ebenso ratifiziert wie die Afrikanische Kinderrechtscharta und in jüngerer Zeit die ILO-Konvention zur Alterbegrenzung beim Zugang zum Arbeitsmarkt.
Wie sonst in der Region gibt es auch in Mosambik eine wachsende Zahl von Waisenkindern
. Laut einer UNICEF-Studie
gibt es derzeit 1,6 Mio. Waisen, 380.000 haben ihre Eltern auf Grund von HIV/Aids verloren. Nicht immer, fanden Experten von Save the Children
heraus, werden sie von ihren Großfamilien unterstützt, es gibt auch Fälle von Ausbeutung der Kinderarbeit.
Arbeit unter 15 Jahren ist in Mosambik laut Arbeitsgesetz nur bei von Zustimmung durch das Gesundheits-, Bildungs-, Arbeitsministerium und den gesetzlichen Erziehern erlaubt, dennoch waren laut einem UNDP-Bericht 1999 43.000 Kinder vorwiegend im Agarsektor und Dienstleistungsbereich tätig. Die Dunkelziffer liegt weit höher. Ein Viertel der Kinder wird gar nicht erst eingeschult, denn Kinder müssen zum Lebensunterhalt der Familien beitragen und das geschwächte familiäre Einkommen aufbessern. Kinder dürfen maximal 38 Stunden in der Woche und bis zu 7 Tage arbeiten. Sie dürfen keinen gesundheitsschädigenden oder gefährlichen Arbeitsplätzen ausgesetzt werden und müssen vor dem Antritt einer Arbeit medizinisch untersucht werden. Gesetzlich muss den Kindern der Mindestlohn oder zwei Drittel des Erwachsenenlohns bezahlt werden. Das Arbeitsministerium reguliert die Kinderarbeit im formellen wie auch informellen Sektor.
Staatliche Schutzregelungen kapitulieren freilich angesichts des auch in Mosambik vorkommenden illegalen Kinderhandels
. Laut SANTAC
, dem "Südafrikanischen Netzwerk gegen Kindesmissbrauch und Kinderhandel", das auf Initiative von terre des hommes Deutschland gegründet wurde, ist Kinderhandel in allen Staaten des Südlichen Afrika ein Problem. Jährlich gelangen mehrere tausend Kinder und Jugendliche aus Mosambik nach Südafrika, wo sie zur Prostitution gezwungen oder als Arbeitskräfte missbraucht werden. terre des hommes
engagiert sich auch in Mosambik gegen den Kinderhandel.
Die SWR-Sendung Planet Schule hat ein Portrait eines Kinderalltags: Im Rhythmus der Straße
ins Netz gestellt, das Sie auch in einem Filmausschnitt sehen können.
Der freie Zugang zur Bildung
war eines der vorrangigen Ziele der Regierung nach der Unabhängigkeit. Mitte der 1980er Jahre trat das Nationale Bildungsgesetz
(Sistema Nacional de Educação, SNE) in Kraft, das in seinen Grundsätzen bis heute gültig ist. Der Primarschulbereich (Ensíno Primario, EP) gliedert sich in die Primarschule erster Stufe (EP1) von der ersten bis zur fünften Klasse und der Primarschule zweiter Stufe (EP2), welche die sechste und siebte Klasse umfasst. Der Sekundarschulbereich ist ebenfalls in zwei Stufen unterteilt: ESG1 umfasst die Klassen acht bis zehn, ESG2 die Abiturklassen elf und zwölf.
Im Bürgerkrieg ist nahezu die Hälfte aller Primarschulen zerstört worden, in einigen Distrikten war das Schulwesen völlig zum Erliegen gekommen. Nach dem Friedensvertrag hat sich die Regierung bemüht, das Programm "Bildung für alle" als einen wichtigen Baustein zur Armutsbekämpfung wieder aufzunehmen. Zwischen 1992 und 2003 wuchs die Zahl der Primarschulen von 2800 auf über 8000 an.
Gleichwohl hat Mosambik in der Grundschulbildung noch mit zahlreichen Problemen zu kämpfen. Das angestrebte Ziel, dass bis 2015 alle Kinder die ersten fünf Schuljahre durchlaufen können, ist kaum erreichbar. Noch heute verlassen nahezu 60 Prozent der Schülerinnen und Schüler das Schulsystem, ohne wirklich Lesen, Schreiben und Rechnen gelernt zu haben. Die Zahl der Schulabschlüsse
bleibt also noch hinter den Erwartungen der Regierung zurück. Die Aids-Pandemie hat zudem zu einen extremen Lehrermangel geführt. Die Schüleranzahl im Primarbereich 1 stieg von 2,3 Millionen in 1999 auf drei Millionen im Jahr 2004 an. Zur Zeit verfügen 41 Prozent der Primarschullehrer und 33 Prozent der Sekundarlehrer über keine pädagogische Ausbildung, Tendenz steigend.
Die Grundschulbildung leidet darunter, dass die Mehrzahl der Kinder kein Portugiesisch spricht. Deswegen muss der Unterricht in einer der zahlreichen Landessprachen beginnen. Die Lehrpläne und deren Begriffe sind aber noch in Portugiesisch. Mit Hilfe und Lehrmaterial des dem Bildungsministerium
angegliederten Instituto Nacional para o Desenvolvimento da Educação (INDE)
und des Direcção Nacional do Ensino Básico (DNEB) wird vor allem in den Nordprovinzen ein Programm zur zweisprachigen Bildung
erprobt, das noch in der Experimentierphase steckt. Neben Portugiesisch wird dort in Makua-Metto (Cabo Delgado), Njanya (Tete), Emakua (Nampula), Sena und Ndau (Sofala) und Changana (Gaza) unterrichtet.
Einen Überblick über das Bildungssystem
finden Sie auf der Seite des KKM (links "Über Mosambik" "Bildung" klicken). Der KKM hat den Mosambik-Rundbrief 75 vom Mai 2008 dem Thema Bildungsreformen in Mosambik
gewidmet.
Erschreckend sind jüngste Daten zur sexuellen Belästigung von Schülern. Danach sind 43 Prozent aller Schülerinnen und Schüler schon einmal sexuell beästigt worden.
Das BMZ fördert die Grund- und Berufsbildung
mit einem 10-Mio.-Projekt.
In der Hochschulbildung gibt es unterschiedliche Abschlüsse: den Bachelor (drei Jahre), die Licenciatura (vier Jahre) sowie zweijährige Master-Kurse. Promovieren (drei bis fünf Jahre) lässt sich nur an ausländischen Hochschulen, die Universitäten Mosambiks fühlen sich noch nicht reif dafür. Im Juni 2009 hat das Parlament eine Ergänzung zum Hochschulgesetz
verabschiedet, dass den Licenciatura-Abschluss, wie er vor allem auf der Eduardo-Mondlane-Universität bislang galt, den internationalen Richtlinien für einen Bachelor-Abschluss anpasst.
Neben der Eduardo-Mondlane-Universität UEM
hat die Regierung die Pädagogische Universität Maputo UP
und das Institut für Internationale Beziehungen ISRI
sowie die Marineschule (ENM) und die Polizeiakademie (ACIPOL) eingerichtet. Daneben gibt es verschiedene private Einrichtungen, etwa das Polytechnische Institut ISPU
, das Institut für Wissenschaft und Technologie (ISCTEM), das Institut für Transport und Kommunikation (ISUTC), die Katholische Universität UCM
in Beira und die moslemische Mussa Bin Bique-Universität (UMBB
) mit Sitz in Nampula.
Eine ausführliche Studie zur Higher Education in Mozambique
zeigt den gegenwärtigen Stand der Hochschulbildung auf. Eine Adressliste aller Hochschulinstitute liefert die Seite Instituições de Ensino Superior
der Regierung.
Weitere Links zum Bildungswesen in Mosambik finden Sie beim Deutschen Bildungsserver
.
Die Reduzierung der Mütter- und Kindersterblichkeit ist in den MDGs 4 und 5 festgeschrieben. In den letzten Jahren hat es im Gesundheitsbereich dazu einige Fortschritte gegeben, doch es ist noch "ein weiter Weg"
, bis Mosambik diese Ziele erreicht hat. So ist bei einer Rate von 0,3 Ärzten
auf 10.000 Einwohner (2,3 im regionalen Durchschnitt) die medizinische Versorgung des staatlichen Gesundheitssystems
alles andere als ausreichend. Im ganzen Lande waren nach WHO-Angaben
2004 nur 514 Ärzte tätig, oft tragen die knapp 4000 Krankenschwestern die Hauptlast der Versorgung. Gut ausgestattete Krankenhäuser gibt es nur in den Städten. Und während das Zentralkrankenhaus in Maputo mit medizinischer Hochtechnologie ausgerüstet, aber restlos überlastet ist, sind die staatlichen Gesundheitsstationen auf dem Lande oft viele Kilometer entfernt, so dass in dringenden Fällen keine Hilfe erreichbar ist. Nur etws 30 bis 50 Prozent der Bevölkerung leben in einer Entfernung von weniger als 10 Kilometern von einem Gesundheitsposten entfernt.
Ausführlich hat eine Weltbankstudie
die Leistung der Gesundheitsversorgung Mosambiks untersucht. Auf der Seite von USAID Mozambique
finden Sie eine Zusammenstellung wichtiger Programme und Dokumente des Gesundheitsministeriums
, darunter auch den Strategischen Plan zur Malariakontrolle
der Regierung. Umfangreiche Daten zum Gesundheitswesen, zu verbreiteten Krankheiten und zur medizinischen Versorgung gibt das Büro der Weltgesundheitsorganisation
WHO. Aktuelles zur Gesundheit finden Sie auf der Seite des KKM
("Über Mosambik" "Gesundheit").
Aids wird auch in Mosambik zu einem bedrohlichen Thema. Nach Angaben von UNAIDS
sind 11,5 Prozent der Bevölkerung zwischen 15 und 49 Jahren von der Immunschwäche HIV/Aids betroffen – immerhin ein Rückgang gegenüber der letzten Erhebungen von UNAIDS, wo es noch 12,5, im Jahr davor 16,1 Prozent waren. Die Regierung hält es jedoch kaum für möglich, den in den MDGs festgelegten Stillstand der Infizierungen zu erreichen, weil die Umsetzung der HIV/Aids-Bekämpfung
hakt. In ihrem Fortschrittsbericht zur Bekämpfung von HIV und Aids
legt sie gegnüber den zuständigen UN-Gremien Rechenschaft über ihre Aids-Politik ab.
Bislang konnte es Wochen, manchmal Monate dauern, bis die Kliniken aus den weit entfernt liegenden Laboren Blutwerteergebnisse von Patienten erhalten haben. Nach einem erfolgreichen Pilotprojekt aus dem Jahre 2009 hat das Gesundheitsministerium jetzt eine neue, von der Clinton Health Access Initiative entwickelte Methode der Datenübertragung
via SMS und Textübermittlungsdrucker eíngeführt, mit denen die Blutwerte innerhalb von drei Tagen übermittelt werden können. Die Anzahl der Kinder, die eine ARV-Behandlung bekommen, konnte um 60 Prozent gesteigert werden.
Nach einer Studie der Regierung sind 20 Prozent der im öffentlichen Dienst
Beschäftigten HIV-positiv. Das Problem ist, dass viele der Angestellten ihren Status nicht öffentlich zugeben wollen.
58 Prozent der HIV-Positiven in Mosambik sind Frauen, die wegen der gesellschaftlichen Benachteiligung einem größeren Risiko ausgesetzt sind, angesteckt zu werden. Mit der Verbreitung der Krankheit geht zusehends landwirtschaftliches Wissen verloren
. Im Süden Mosambiks verbreitet sich die Immunschwächekrankeit über "diskrete Wege"
, nämlich im tragischen Zusammenspiel von Armut, Aids und Wanderarbeit.
Die katholische Kirche kritisiert das Verteilen von Kondomen. Der angesehene Erzbischof von Maputo, Francisco Chimoio, hat im September 2007 sogar behauptet, dass europäische Länder absichtlich mit HIV infizierte Kondome nach Afrika schicken würden, um die Afrikaner zu töten. Aids-Aktivisten habe diese Aussagen scharf kritisiert.
Der Aids-Problematik haben sich viele ausländische Organisationen angenommen, etwa die Unicef
oder die Deutsche Welthungerhilfe, die Aids-Waisen
und betroffenen Kinder unterstützt. Die Regierung selber hat ein breit angelegtes Medienprojekt
zur Aids-Aufklärung angeleiert.
Die Aids-Pandemie hat dazu geführt, dass die traditionellen Heiler
wieder mehr Bedeutung bekommen, sie helfen, wo es keine Heilung
mehr gibt. Indigene Konzepte von Krankheit und Ansteckung werden seither in der HIV/Aids-Prävention
mehr diskutiert. Die "Curandeiros" waren nach der Unabhängigkeit Mosambiks zunächst unerwünscht. Heute sind die traditionellen Heiler im 1990 gegründeten Dachverband AMETRAMO (Associação dos Médicos Tradicionais de Moçambique) vereint und werden staatlich gefördert.
Im Mosambik gibt es heute ca. 70.000 Heiler. Während einer Zeremonie rufen sie die Geister von wilden Tieren, toten Soldaten oder verstorbenen Familienmitgliedern an, stellen für sie ihren Körper zur Verfügung und verabreichen ihren Patienten nach der Sitzung Tabletten aus getrockneten Kräutern und Wurzeln oder veranlassen sie zu Zeremonien wie das Baden in Ziegenblut und Ähnlichem (s. Videos: Mozambican traditional healers
und A traditional African healer
, das in beeindruckender Weise zeigt, wie ein Heiler die Geister beschwört, in seinen Körper zu treten). Die Heiler von AMETRAMO grenzen sich im Übrigen deutlich von den "zweitrangigen", "mit dem Bösen verbundenen" Medizinmännern
ab.
Die Kenntnis von Heilpflanzen spielt in der traditionellen Medizin eine große Rolle. Der Christenrat fördert mit dem Garden Project
den Anbau von Heilpflanzen in Mosambik.
Traditionelle Heilungsriten spielen bei der Behandlung kriegstraumatisierter Kinder
eine wichtige Rolle. Zur sozialen Eingliederung von Kindersoldaten
können Sie sich eine Studie des Berghof Forschungszentrums für konstruktive Konfliktberatung aus dem Netz holen.
Ein umfassendes System sozialer Sicherheit gab es in Mosambik bislang nicht. Seit Mitte der 1990er Jahre hat die Regierung aber ein Sozialhilfeprogramme für bedürftige Haushalte in den Städten und städtischen Randgebieten aufgelegt. Für die Bewilligungsverfahren war die quasi-autonome Organisation GAPVU zuständig. In den Genuss von Sozialhilfe kamen neben Haushalten und Kleinhändlern auch demobilisierte Soldaten und Flutopfer. Nachdem GAPVU wegen Korruptionsskandalen 1997 schließen musste, wurde das Instituto Nacional de Acção Social
(INAS) gegründet, das direkt dem Ministerium für Frauen und Soziales (MMAS) unterstellt ist. INAS unterstützt Haushalte mit monatlich umgerechnet 3-6 US-Dollar, die unterhalb der absoluten Armutsgrenze leben und die nicht in der Lage sind zu arbeiten. Unterstützt werden auch unterernährte schwangere Frauen. Programme für den ländlichen Raum werden derzeit überprüft.
Obwohl die Sozialhilfeprogramme in allen Provinzen angeboten werden, profitiert bislang aber nur ein verschwindend kleiner Anteil der Bevölkerung von Beihilfen
zu Lebensmitteln und Einkommen. Der Staat gibt derzeit nicht mehr als 1 bis 1,5 Prozent des Haushalts für soziale Sicherheit aus.
Im Dezember 2006 hat das Parlament ein Gesetz zur Sozialen Sicherheit verabschiedet, das am 7. Februar 2007 veröffentlicht wurde und den rechtlichen Rahmen für die staatliche Sozialhilfe
festlegt. Noch ist die Einführung einer allgemeinen Sozialhilfe
Gegenstand von Expertenrunden. Einen Schritt weiter gekommen ist man durch die Verabschiedung von Regelungen zu Basissozialhilfe im Dezember 2009 und die Verabschiedung der Nationalen Strategie für Basissozialhilfe (ENBSS)
im April 2010.
Eine Studie des Instituto de Estudos Sociais e Económicos sieht die Soziale Sicherung in Mosambik als einen Imperativ
an. Unicef Mozambique
hat seinen Fokus auf die Unterstützung der Sozialen Sicherheit in Mosambik gelegt.
Die Entwicklung der sozialen Fürsorge und Gesetzgebung sowie der einzelnen Sozialhilfeprogramme kann in einem informativen virtuellen Workshop
bei "slideshare" nachvollzogen werden. Regelmäßige Berichte zur sozialen Sicherung im Südlichen Afrika liefert wahenga.net
.
Mosambik besitzt eine großen kulturellen Reichtum, der sich in den Jahren nach dem Bürgerkrieg erst so richtig entfalten konnte. Einen Überblick über Kultur- und Bildungspolitik
bietet das Auswärtige Amt. Mit der Organisation von regionalen Kulturfestivals versucht die Regierung, die kulturelle Vielfalt
zu pflegen.
Eine Seite zu Musik, Literatur, Theater, bildende Kunst und Film hat der KKM
eingerichtet ("Über Mosambik": "Kultur"). Die Mosambik-Rundbriefe 68 und 82 sind dem Thema Kultur in Mosambik
gewidmet.
Aktuelle Bücher und CDs aus dem portugiesischsprachigen Raum werden bei nova cultura
vorgestellt.
Im Bairro Hulene nordöstlich der Zementstadt Maputos gibt es eine Künstlervereinigung, die Associação Cultural Lhluvuka Arte, die Künstlern verschiedener Richtungen ein Forum bietet. Um schon einmal einen Vorgeschmack auf die pulsierende Kulturszene der Hauptstadt zu bekommen, sollten Sie den Beitrag Maputo bei Nacht
lesen. Mittlerweile hat sich Maputo zum kulturellen Geheimtipp
, zum "Klein-Havanna", gemausert. Schließlich lohnt sich auch ein Link auf die Seite Casa de Moçambique
.
Ausländische Kulturinstitutionen:



Wie andere afrikanische Staaten besitzt auch Mosambik eine reiche orale Märchen- und Erzähltradition. Eine schriftliche Literatur
entstand erst im 20. Jahrhundert. In der Kolonialzeit verliehen Autoren wie Jesé Craveirinha (geboren 1922) und die damals einzige schwarze Autorin Noémia de Sousa (1926) den Aspirationen der schwarzen Mehrheit Worte. Nach der Unabhängigkeit zeigte eine neue Generation von Autoren wie Lilia Momplé, Albino Magaia oder Calane da Silva ihr Talent für neue Formen der Literatur, vor allem in der Alltagsprosa. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte, wie bei Ungulani Ba Ka Khosa
, mit Unabhängigkeit und Bürgerkrieg, prägen bis heute die mosambikanische Literatur. Zunehmend verschafft sich aber auch eine Generation junger Autoren
Gehör, die einen unbelasteten Blick auf die Geschichte des Landes haben und eine kritischen, ironischen und engagierten Stil pflegen. Einer von ihnen ist Pedro Muiambo
, dessen erster Roman "A Enfermeira da Bata Negra" mit subtilem Humor die großen Gestalten seines Landes entmystifiziert.
Eine Liste mosambikanischer Schriftsteller
zeigt Wikipedia. Für die Belange der Schriftsteller/innen setzt sich die 1982 gegründete Mosambikanische Schriftstellervereinigung AEMO
ein. Auf der Poesieseite des brasilianischen Schriftstellers Antonio Miranda
lassen sich – neben Gedichten anderer mosambikanischer Poeten – auch Gedichte des derzeitigen Präsidenten Armando Guebuza finden.

Bekanntester mosambikanischer Schriftsteller und nach dem Nobelpreisträger Saramango in Portugal meist gelesener Autor portugiesischer Sprache ist Mia Couto
. Der 1955 als Sohn portugiesischer Einwanderer in Beira geborene Couto gehört zu den großen afrikanischen Literaten. Er verwischt in seiner Prosa mit kraftvoller poetischer Sprache die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Fiktion, zwischen Wahrscheinlichem und Unwahrscheinlichem. Seine Werke, darunter "Unter dem Frangipanibaum"
(2000), beschreiben den Alltag, die Hoffnungen, Sehnsüchte und Wunden der Mosambikaner. In Terra Sonâmbula ("Das schlafwandelnde Land", in Deutscher Übersetzung leider vergriffen) beschreibt Couto in eindringlicher Weise die tragische Odyssee Mosambiks während des Bürgerkrieges. Der Roman wurde von der Jury des internationalen Buchfestivals in Simbabwe zu einem der zwölf besten afrikanischen Bücher des 20. Jahrhunderts gewählt und 2007 von der portugiesischen Regisseurin Teresa Prata (Interview unter Youtube
) verfilmt (Filmkritik
und Trailer
zum Film).
Couto mischt sich auch immer wieder mit kritischen Kommentaren in die Tagespolitik ein. Wenn Obama ein Afrikaner wäre ("Se Obama fosse Africano"
), hätte er in vielen Staaten Afrikas keine Chance, meint er in seinem seiner provozierenden Essays.
Unter Wikipedia
finden Sie eine aktuelle Werkübersicht zu Mia Couto.

Einen Namen gemacht hat sich auch die ebenfalls 1955 geborene Paulina Chiziane
, die sich als eine der wenigen Schriftstellerinnen Mosambiks immer wieder mit der Realität der einfachen Leute, den traditionellen Bräuchen und Erwartungen und den Erfahrungen der Frauen auseinandersetzt. Von ihr sind drei Romane in deutscher Sprache erschienen: In "Wind der Apokalypse"
(1997) deckt sie in schonungsloser Offenheit Gräuel des Bürgerkrieges auf. "So etwas will ich nie wieder schreiben", hat sie später gestanden, weil die Gesichter und Bilder des Krieges jedes Mal wieder zurückkämen. Hier können Sie einen kleinen Textauszug
daraus lesen. 2001 erschien die deutsche Ausgabe von "Liebeslied an den Wind"
, 2003 der Roman "Das siebte Gelöbnis"
. Ihr 2002 erschienener vierter Roman "Niketche. Uma história de poligamia"
, ist bislang noch nicht in deutscher Übersetzung erschienen.
Die beiden neusten, 2008 erschienenen Werke von Mia Couto "Venenos de Deus, remédios do diabo" und Paulina Chiziane "O Alegre Canto da Perdiz" zeigen Verwirrspiele und bittere Wahrheiten
in einem Mosambik, in dem es "kein wahres Leben im Falschen" gibt.
Eine weitere bekannte Autorin ist die 1935 auf der Insel Mosambik geborene Lilia Momplé
, deren Kurzgeschichte "Stress"
ihren Erzählband "Os olhos da cobra verde" einleitet und mit Melancholie den Verlust der nationalen Identität durch die Globalisierung beschreibt.
Traditionelle Tänze sind auch heute noch im mosambikanischen Alltag sehr lebendig und aufgrund der Völkervielfalt verschiedenartig (hier als Beispiel das Video Sons de Moçambique
auf YouTube). Die Schweizer Choreographin Bettina Holzhausen
, die einige Monate mit der Companhia Nacional de Canto e Dança (CNCD)
in Mosambik arbeitete, studierte auf ihrer Reise in den Norden auch die traditionellen Tänze
in den Dörfern und Städten.
Die 1983 gegründete CNCD genießt staatliche Förderung und ist auf vielen ausländischen Bühnen aufgetreten.
Aus der heutigen Theaterszene
in Maputo ragt das Teatro Avenida
heraus. Es hat durch das Engagement des bekannten schwedischen Autors Henning Mankell
internationale Anerkennung bekommen, der seit 20 Jahren seine Stücke inszeniert. "Ein armes Theater ist in gewisser Weise ein gutes Theater", sagt Mankell in einer brigitte-Reportage
. Interessant ist auch die Theatergruppe Mutumbela Gogo
, die Schillers klassisches Stück "Die Räuber" in den mosambikanischen Kontext übertragen hat.
Die Nationale Schule für visuelle Kunst (ENAV) hat einen Video- und Tanz-Workshop mit Studenten durchgeführt und die Ergebnisse unter dem Titel Videodance in Maputo
ins Netz gestellt.
Ebenso reichhaltig wie beim traditionellen Tanz sind die Musikstile
in Mosambik. Über die Landesgrenzen hinaus bekannt sind die Timbila-Musik der Chopi
in der Provinz Inhambane und die Marrabenta-Musik, die städtischen Ursprungs ist. Das Orchestra Marrabenta
besteht seit 1979.
Mangelnder Rechteschutz, Raubkopien, fehlende Förderung und schlechte Technik machen es den modernen Musikern Mosambiks nicht leicht, auf dem internationalen Markt zu bestehen, wie Sie im Beitrag "Verstummender Gesang"
aus dem Mosambik-Rundbrief lesen können. Die NRO Pro Music
unterstützt mosambikanische Musiker dabei.
Die Internetseite Mozambique Music Magazine
bietet seit Februar 2005 erstmals die Möglichkeit an, Musik aus Mosambik direkt herunterzuladen. Dort werden über 150 Musiker und Bands
wie Eyuphuro, Ghorwane, Kakana Band, Mabulu oder Stewart Sukuma
vorgestellt. Ghorwane
besitzt eine eigene Homepage. Links zu den Alben einiger Bands bei afromix
.
Wenn Sie selber singen wollen, bitte schön: Auf der Seite von mosambik.info
können Sie mosambikanische Lieder im MP3-Format runterladen.
Mosambiks künsterlisches Aushängeschild war für lange Zeit der Maler Malangatana Valente Ngwenya
, der in Deutschland durch sein riesiges Gemälde
(unter Kultur) bekannt wurde, das 1988 auf einer Konferenz in Bonn entstand. Im Juni 2006 ist Malangatana zu seinem 70. Geburtstag mit dem Mondlane-Orden, der höchsten Auszeichnung Mosambiks, geehrt worden. Zugleich wurde in seinem Geburtsort Matalana eine Stiftung gegründet, die seinen Namen tragen wird und die Künste und Kultur Mosambiks fördern will. Im Januar 2011 ist Malangatana im Alter von 74 jahren gestorben. Afrika hat einen seiner größten Söhne
verloren. Auf der Seite der Contemporary African Art Gallery
können Sie sich einige Werke von Malangatana anschauen.
Mittlerweile haben sich etliche bildende Künstler einen eigenen Namen gemacht und sich in der Künstlerkooperative Arte Feliz zusammengetan. Sie haben sich vom großen Malangatana längst emanzipiert und ihren eigenen Stil geschaffen, wie etwa die Bilder von Kheto Lualuali
zeigen. Einen Namen als Maler und Plastiker gemacht hat sich auch Inácio Matsinhe
, der 1945 in Maxixe geboren wurde.
Werke zeitgenössischer mosambikanischer Künstler wie Anesia Manjate, Mudaulane, Mauro Pinto, Matine und Kester waren im Juni 2009 in der Ausstellung "Neue Wege – Andere Gesten"
im meinbau Kunst- und Atelierhaus Berlin zu sehen.
Mit der Korbflechtkunst der Makhuwa
, die ein Zahlensystem entwickelt haben, das aus einer Mischung aus 5er- und 10er-System besteht, beschäftigte sich der interessante Forschungszweig der "Ethnomathematik".

Mosambik besitzt eine der bedeutendsten Schulen der Fotografie auf dem afrikanischen Kontinent. Der 1956 in Maputo geborene Sérgio Santimano
ist einer ihrer prominenten Vertreter. Nach seinem Studium in Portugal und Schweden arbeitete er als Reporter in Maputo und wurde bald durch seine Fotoreportagen, internationalen Ausstellungen und Bildbände zu aktuellen und politisch brisanten Themen zu einem Fotografen mit internationalem Renommée.
Der beeindruckende Bildband Iluminado Vidas
zeigt Bilder des Fotografen Ricardo Rangel und vierzehn seiner Kollegen
. 126 Bilder sind auch in einer Ausstellung
zusammengefasst.
"Die Fotografie", sagte Ricardo Rangel
l, der im Juni 2009 im Alter von 85 Jahren in Maputo gesorben ist, einmal, "kann dich zu Orten führen, die fremder und wundervoller sind, als du sie dir jemals vorstellen könntest."
Schätzungen über die Zahl der Gläubigen in Mosambik sind sehr ungenau. Nach Angaben des Nationalen Statistikinstitutes gab die Hälfte der Bevölkerung an, nicht gläubig zu sein. Wissenschaftler nehmen an, dass nahezu alle Menschen in Mosambik in irgendeiner Weise traditionelle religiöse Riten anerkennen oder praktizieren. Von den 8 Millionen, die einer anerkannten Religion angehören, sind schätzungsweise 24 Prozent römisch-katholisch, 22 Prozent protestantisch und 20 Prozent muslimisch.
Bei der Abteilung für religiöse Angelegenheiten im Justizministerium sind 732 verschiedene Konfessionen und 124 religiöse Organisationen registriert. Etliche Links zu Kongregationen bietet die Seite Religion in Mozambique
von Le Fait Missionnaire.
Die katholische Kirche
war als Staatskirche vor der Unabhängigkeit eng mit der portugiesischen Kolonialmacht verflochten und größter Grundbesitzer, weswegen sie von der Frelimo bekämpft wurde. Mit der Übernahme einer vermittelnden Rolle bei den Friedensverhandlungen 1990-92 durch die katholische Kirche hat sich deren Verhältnis zur Regierung entspannt. Sie hat die früheren kolonialen Besitztümer wieder übernommen und in Nampula eine eigene Universität
, die Universidade Católica de Moçambique (UCM)
errichtet.
Eine wichtige gesellschaftspolitische Rolle spielt auch der Christenrat
von Mosambik (CCM), dem 22 protestantische Kirchen
und zwei Vereinigungen angehören (falls der Link zum CCM gerade nicht funktioniert, einen Überblick liefert der Ökumenische Rat der Kirchen
). Weil die protestantischen Kirchen nicht so eng mit der portuguiesischen Kolonialmacht verbunden waren, konnten sie eine vom Staat unabhängigere Position wahren. Der CCM spielte deshalb beim Versöhnungsprozess
in Mosambik von Beginn an eine vermittelnde Rolle, auf welche die katholiche Kirche erst später aufgestiegen ist. Sein aktuelles Projekt "Choose Life"
richtet sich gegen die ausufernde Gewaltkriminalität in Maputo und knüpft an Erfahrungen der Konfliktvermittlung aus Bürgerkriegszeiten an. Der CCM gehört zu den Kirchen im Östlichen und Südlichen Afrika, dei bei einer Konsultation in Daressalam/Tansania im April 2007 kritisch Stellung bezogen haben gegen die von der EU geplanten Wirtschaftspartnerschaftsabkommen.
Etliche Kirchen wie die evangelisch-methodistische Kirche
oder der Lutherische Weltbund engagieren sich mit verschiedenen Projekten im sozialen Bereich.
Die Kirchen haben sich im Kampf gegen die Ausbreitung von HIV/Aids stark engagiert, doch durch ihre selbstdefinierte Moral bringt sich vor allem die katholische Kirche in eine zweispältige Haltung. Die katholischen Bischöfe haben trotz der zahlreichen Aids-Programme der Kirchen den Gebrauch von Kondomen in einem Hirtenbrief verdammt und die Propaganda für Kondome in Sekuandarschulen für die Vervielfältigung der Ansteckungen unter Jugendlichen verantwortlich gemacht. Der Oberhirte der katholischen Kirche, Francisco Chimoio, verstieg sich sogar zu der Behauptung, dass die Europäer Afrika mit Aids-infizierten Kondomen
ausrotten wolle.
Nicht ganz so extrem in Sachen HIV/Aids verhält sich der Islam
, der vor allem im Norden und in den Küstenregionen verbreitet ist und etwa 2,7 Millionen Anhänger hat. Moslemische Lehrer in Koranschulen in Pemba
etwa predigen zwar auch Enthaltsamkeit, gleichzeitig aber verschließt man nicht die Augen vor der Realität des HIV/Aids-Problems und lehnt den Gebrauch von Kondomen nicht kategorisch ab.
Der Islam hatte sich mit der Entfaltung der mit arabischen, persischen und afrikanischen Elementen bestückten Swahili-Kultur
von Tansania aus nach Nordmosambik ausgebreitet. Seit 1990 offiziell wieder Religionsfreiheit gilt, kommen die Missionare und Koranlehrer nach Mosambik zurück und können dort zunehmend an Einfluss gewinnen. Die Muslime konnten zwar in Maupto eine große Moschee errichten und in Nampula eine eigene Universität eröffnen, doch Mosambik ist, wie die meisten Staaten im Südlichen Afrika, kein Land, in dem der islamische Fundamentalismus leicht Fuß fassen könnte. Selbst die muslimischen Führer im Norden
berufen sich mehr auf afrikanisches Häuptlingstum und afrikanische Kultur als auf den Islam.
Nach dem International Religious Freedom Report
2010 gibt es drei wesentliche moslemische Vereinigungen in Mosambik: Die Mohammedanische Gemeinschaft, der Islamische Kongress und der Islamische Rat. Einen Überblick über moslemische Organisationen finden Sie auf der Seite von Islamic Finder
. Es gibt in Mosambik auch kleine jüdische, hindusitische und Bahai-Gruppen.
Der größte Teil der Mosambikaner verbindet traditionellen Glauben mit dem Islam oder dem Christentum. In manchen Regionen ist der spirituelle Glauben noch stark verankert. Ein bemerkenswertes Beispiel für den Glauben an die Wiedergeburt ist die soziale Bewegung der Naparamas
in Nordmosambik, die während des Bürgerkrieges dem Terror der Renamo unter ihrem Führer Manuel Antonio lange Zeit die Stirn bieten konnten.
Lothar Berger, M.A., geb. 1953, Studium der Ethnologie, Afrikanistik, Soziologie und Musikwissenschaften.
Langjähriger Redakteur von "afrika süd" in der informationsstelle südliches afrika (issa
), Bonn.
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Diese Länderseite wurde zum letzten Mal am 10. Dezember 2011 aktualisiert.
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