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Gemessen am jährlichen Pro-Kopf-Einkommen von ca. 400 US-Dollar zählt Mosambik weiterhin zu den ärmsten Ländern der Welt. Nach dem Human Development Report
nimmt es hier derzeit Rang 184 von 187 Staaten ein. Makro-ökonomisch gehört Mosambiks Wirtschaft zu einer der am schnellsten wachsenden in Afrika südlich der Sahara (jährlich etwa 8 Prozent). Durch die Reichhaltigkeit an Bodenschätzen besitzt es ein gutes Wirtschaftspotenzial.
Etwa 80 Prozent der Bevölkerung sind in der Landwirtschaft tätig. Die wichtigsten landwirtschaftlichen Marktprodukte sind Cashewnüsse, Zucker, Baumwolle, Sisal, Kopra und Tee sowie Garnelen und Langusten. Weil die Kleinbauern überwiegend Subsistenzwirtschaft betreiben, um ihren Bedarf an Grundnahrungsmitteln wie Maniok, Mais und Hirse abzudecken, trägt der Agrarsektor mit 22,3% weniger zum BIP bei als die Industrie (29,8%). Den größten Anteil am BIP hält immer noch der Dienstleistungssektor (47,9%). Der Industriesektor profitiert allerdings von nur wenigen Großprojekten vorwiegend im Süden des Landes. Das Wirtschaftswachstum geht also an dem größten Teil der Bevölkerung vorbei. Deshalb ist die Bekämpfung der Armut – über die Hälfte der Bevölkerung lebt in absoluter Armut – eine der großen Herausforderung für Regierung wie Geber, die immer noch einen großen Teil der Entwicklungsausgaben tragen.
Einen Überblick über die Wirtschaft verschafft der Länderbericht
des Auswärtigen Amtes. Auf der Seite der German Trade & Invest (gtai) lassen sich die aktuellen Wirtschaftstrends
herunterladen. Verschiedene Wirtschaftsstatistiken
liefert das Statistikamt Mosambiks (lange Ladezeiten), detailierte Wirtschaftsindikatoren des IWF zu Mosambik sind auf der Seite Trading Economics
aufgelistet..
Mosambik hat aus der Kolonialzeit eine Wirtschaftsstruktur ererbt, die das Land ökonomisch eng mit dem Südlichen Afrika verflochten hat. Bis zur Unabhängigkeit hatte es eine ausgeprägte Dienstleistungsfunktion gegenüber Südafrika: Die Einkünfte aus dem internationalen Transitverkehr über seine Häfen und Eisenbahnen sowie die Transferzahlungen der Wanderarbeiter, die in den Kohle- und Erzminen Südafrikas arbeiteten, waren zur tragenden Säule des Devisenaufkommens Mosambiks geworden.
Nach der Unabhängigkeit erlebte Mosambik eine Entwicklung von der Planwirtschaft zur Marktwirtschaft, der sich in drei Phasen vollzog:
scheiterte, die Regierung die starke Verflechtung mit den Nachbarländern ignorierte und vor allem, weil die Renamo mit Hilfe Südafrikas die wirtschaftliche Infrastruktur zerstörte. Die Dominanz des Staates, Überzentralisierung und ausufernder Bürokratismus führten zur krassen Ressourcenverschwendung und zu einer Verschlechterung der Lebensbedingungen.Eine wirtschaftliche Erholung war allerdings erst nach dem Ende des Bürgerkrieges möglich. Die Regierung hat seitdem ein stringentes Wirtschaftsreformprogramm (über 1200 überwiegend kleine Staatsunternehmen sind bislang privatisiert worden) durchgeführt, das Mosambik zu einem "Musterschüler" von IWF und Weltbank auf Kosten eines hohen Anteils an Selbstständigkeit gemacht hat.
Im Mai 2005 legte die damalige Premierministerin Luisa Diogo den Wirtschafts- und Sozialplan
der Regierung für den Zeiraum 2005-2009 vor. Die jeweils gültigen aktuellen Programme zur Wirtschaftsentwicklung
mit den angestrebten Wachstumszielen veröffentlicht die Regierung auf ihrer Seite.
Eine kritische Bewertung der Privatisierungspolitik liefert ein Diskussionspapier
des UN-Wirtschaftsforschungsinstituts WIDER. Den gegenwärtigen Stand der Wirtschaftspolitik bewertet der Transformationsindex
der Bertelsmannstiftung (Kapitel 2).
Mosambik ist ein Agrarland, etwa 62 Prozent der Gesamtfläche sind landwirtschaftlich nutzbar
, doch 88 Prozent dieser Nutzfläche sind noch nicht kultiviert, wenngleich Weltbankangaben für die Jahre seit 2000 einen deutlichen Anstieg der permanenten Anbauflächen
aufzeigen. Da liegt aber noch viel Investitionspotenzial, denn die Landwirtschaft zählt in Mosambik zu den Schlüsselsektoren. Ein Problem sind aber die schlechte Infrastruktur, unzureichende Handelsnetze und die Abhängigkeit von sinkende Weltmarktpreisen.
Einen Überblick über Landwirtschaft, Ernährungslage und Wasserressourcen liefert die FAO
(FAO-Factsheet
zu Mosambik).
Die Kornkammer Mosambiks ist das Sambesigebiet. Im feuchtwarmen Sambesi-Delta gedeihen neben den Getreidearten auch Zuckerrohr, Sisal, Ölssaten und Kokospalmen. Baumwolle findet man in den Provinzen Cabo Delgado, Nampula, Zambezia und Inhambane, die besten Cashewnüsse kommen aus Nampula und die Bergregion Gurué im Nordwesten Zambezias ist wegen ihres Teeanbaus berühmt. Das größte agrarische Potenzial bietet das Gebirgsland der an Simbabwe angrenzenden Provinz Chimoio.
Über den Subsistenzanbau haben sich viele Familien auf dem Lande aus der unmittelbar drohenden Armut befreien können. Doch drei Viertel der Kleinbauern verfügen nicht über die Mittel, sich Saatgut und Ausrüstung zu kaufen, um die Ernteerträge zu steigern. Nach Ansicht von Firmino Mucavele von der Universität Eduardo Mondlane fehlt Mosambik eine Agro-Industrie
, die den Kleinbauern aus der Armutsfalle heraushelfen könnte.
Wegen immer wieder vorkommenden Dürreperioden ist die Ernährungssituation in einigen Regionen oftmals prekär. Deswegen bereitet sich auch Mosambik auf gentechnisch veränderte Pflanzen vor, um die Erträge zu steigern. Der Beitrag "Teuer und Anspruchsvoll"
zeigt allerdings, dass Grüne Gentechnik keine Lösung für die Kleinbauern ist. Gleichwohl will Mosambik vom Hunger des Westens nach Biosprit profitieren und riesige Flächen für den Anbau der Jatropha-Pflanze
, aus deren Saft Ethanol zur Herstellung von Biosprit gewonnen werden kann, bereitstellen. Organisationen wie Via Campesina warnen vor einer Invasion durch Jatropha
, weil damit die Ernährungssouveränität des Landes in Frage gestellt wírd. Außerdem droht der Kooperativenwirtschaft das Aus
, je mehr dem Begehren der Biospritproduzenten vor allem aus Brasilien nachgegeben wird.
Die Erklärung von Bern
hat zu den Mythen um die Agritreibstoffe eine Seite eingerichtet, auf der auch die Studie "Jatropha! A socio-economic pitfall for Mozambique"
aufgerufen werden kann. Die deutsche Zusammenfassung
der Studie räumt mit den Mythen um Jatropha auf und empfielt ein Moratorium für die Jatropha-Pruduktion in Mosambik. Ein 24-Seiten Dossier zu Agrartreibstoffen in der Diskussion ist im Mosambik-Rundbrief 79
enthalten.
Wie nicht nur das Beispiel Jatropha zeigt, wird "Land Grabbing"
in Mosambik wie in vielen anderen Staaten Afrikas zu einem für die Ernährungsgrundlage der Bevölkerung bedrohlichen Thema. Großkonzerne ziehen fette Dividenden aus Afrikas Böden, ihre Profite gehen vor dem Kampf gegen Hunger. Bei FIAN ist im April 2010 eine Studie zu "Land Grabbing in Kenya and Mozambique"
erschienen, welche die Auswirkungen des Landraubs auf ländliche Gemeinden untersucht.
Land ist in Mosambik Staatseigentum, doch man konnte auch nach der Unabhängigkeit Nutzungsrechte auf Boden beanspruchen. In den ländlichen Dorfgemeinschaften gilt eher das traditionelle Recht der Landzuweisung durch den Dorfchef oder das religiöse Oberhaupt. Anders als in Simbabwe gibt es durch das reichhaltige Land in Mosambik keinen Landdruck. Erst nach dem Friedensschluss von 1992 haben ausländische Investoren, vor allem südafrikanische Farmer und Portugiesen, Mosambiks landwirtschaftliche Vorzüge entdeckt und Boden in guterschlossenen Regionen beansprucht. Das hat zu vermehrten Landkonflikten mit der ansässigen Bevölkerung geführt, nicht zuletzt, weil korrupte Administratoren und Gouverneure ihnen illegal Land vermachten.
Westliche Geldgeber, allen voran die USA und der IWF, drängten auf eine Privatisierung von Landeigentum. Das mosambikanische Parlament hat dem Druck mit Hilfe einer breit angelegten Kampagne von Kleinbauernverbänden und Nichtregierungsorganisationen widerstanden – ein Stück gelebte Demokratie.
Das 1997 novellierte Landgesetz
belässt allen Grund und Boden in staatlicher Hand, beteiligt aber Gemeinden und Dorfälteste an der Verteilung von Landtiteln. Die Beteiligung der Zivilgesellschaft bei der Erstellung des Landgesetzes
gilt als vorbildhaft für einen innovativen Landreformprozess in Afrika. Seither sind die illegalen Landenteignungen, die vor allen in den Südprovinzen an der Tagesordnung waren, zurückgegangen. Die Bauernorganisation ORAM
(Associação Rural de Ajuda Mútua) unterstützt Bauerngenossenschaften bei der Registrierung und dem Erwerb von Landtiteln. Der 1993 gegründete ländliche Verband ist in fünf Provinzen vertreten. Auch der Bauernverband União Nacional de Camponeses UNAC
, Mitglied beim internationalen Verband Via Campesina
, stärkt die Stimme der Kleinbauern. UNAC-Direktor Diamantino Namphosa
gibt ihnen auf den Via Campesina-Foren auch international Gehör..
Die Landreform
ist ein wichtiger Beitrag zur Armutsbekämpfung. Über die Bedeutung der mosambikanischen Landkampagne
für die Zivilgesellschaft berichtet ihr Koordinator José Negrão. Der 2005 verstorbene Landaktivist und Ökonom ist 2006 posthum für die Arbeit seines Bündnisses von 20 Zivilgruppen zur Armutsbekämpfung mit dem Southern Africa Trust´s Drivers of Change Award
ausgezeichnet worden. Detailliert können Sie sich auch in einem Bericht der Land Tenure in Development Cooperation der GIZ über Bodenrecht und Landnutzung
am Beispiel der Manica-Provinz informieren.
In jüngster Zeit kommen vermehrt Farmer aus Simbabwe nach Mosambik. Die Krise in ihrem Land hat 90 Prozent der weißen Großfarmer vertrieben. In Mosambik bekommen sie neues Land
zugewiesen. Doch der mit ihnen erhoffte Boom in der landwirtschaftlichen Entwicklung war nur von kurzer Dauer, wie der Beitrag "Das Wunder von Manica ist vorbei"
zeigt. Ohne staatliche Unterstützung können auch willige Farmer wenig bewirken.
Je weiter die Globalisierung voran schreitet, desto mehr bedarf die Landwirtschaft gezielter Investitionen und Anreize, um die Produktion zu stimulieren und den Zugang zum Markt zu erleichtern. Die Kleinbauern sehen die geringe und kostspielige Versorgung mit Saatgut als ihr Hauptproblem an, neue Technologie akzeptieren sie aber, wenn sie billig ist. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Econ Policy Research Group
von September 2006, die auf diesem Gebiet durchaus gute Ansätze sieht. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine Studie zur Auswirkung der Armut auf die Baumwollproduktion
im Zambezi-Tal, die bei entsprechender Produktivitätsförderung große Wachstumspotenziale aufweist.
Joseph Hanlon stellt regelmäßig die neusten Studien und über Land, Landreform, Land Grabbing und Biokraftstoffe
ins Netz. Sie zeigen, wie rege die Debatten um die brisante Landfrage unter Experten geführt werden.
Als im wahrsten Sinne des Worts "harte Nuss" zeigte sich die von der Weltbank verordnete Cashew-Liberalisierung
und Aufhebung der Exportbeschränkungen für rohe Cashewnüsse, was die gerade erst privatisierte Cashew verarbeitende Industrie ruinierte. Von 18 Betrieben, die immerhin 10.000 Arbeitskräfte beschäftigten, mussten 11 ihren Betrieb einstellen. Schuld daran ist die Privatisierungs- und Liberalisierungspolitik von Weltbank und Internationalem Währungsfonds, die ein Beitrag in der E+Z "Gelenkte Privatwirtschaft"
nennt.
Mosambik gehört zu den Staaten, die von der bisherigen Zuckermarktordnung der EU betroffen sind: Während die EU ihre Zuckerexporte subventioniert, hält sie Importe durch hohe Handelsbarrieren fern. Die Oxfamstudie Überzuckert
kommt zu dem Ergebnis, dass die Einbußen Mosambiks von etw 38 Millionen Dollar der Höhe der gesamten Staatsausgaben für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung entsprechen. Nach Aussage von Oxfam-Chef Bendix könnte Mosambik "mit seiner effizienten Produktion das Zehnfache produzieren. Doch das können sie nicht verkaufen, weil die Europäer fünfmal mehr auf den Weltmarkt werfen, als die WTO erlaubt." Eher positv bewertet Rudolf Buntzel die Auswirkungen der EU-Zuckermarktreform
auf Mosambik. Denn Mosambik dürfte vom "Everything But Arms"-Abkommen der EU mit den LDC profitieren, nach dem diese ab 2009 einen zoll- und quotenfreien Zugang zum europäischen Markt erhalten werden. So hat Mosambik schon 2008 seine Zuckerproduktion deutlich steigern können.
Der Anteil des so genannten informellen Sektors
an der Wirtschaft Mosambiks wird auf ca. ein Drittel ihres Gesamtvolumens geschätzt. Seit der Einführung der Strukturanpassungsprogramme Ende der 1980er Jahre ist dieser Sektor der Kleingewerbeproduktion
wegen fehlender unselbständiger Erwerbstätigkeit stetig gestiegen. Vor allem in den Städten und semiurbanen Regionen des Landes bietet der informelle Sektor die einzige Überlebensstrategie für Tausende von Menschen, denn die wenigen Megaprojekte und hauptsächlich um den Großraum Maputo angesiedelten Produktionsbetriebe bieten noch keine wirtschaftliche Basis für die Etablierung von Zulieferproduktion durch Klein- und Mittelbetriebe oder Dienstleistungsbetriebe durch Auslagerung.
Der informelle Sektor bezeichnet die am formellen Sektor vorbeigehende Mikro- und Kleingewerbeproduktion und zeichnet sich in Mosambik durch folgende Merkmale aus:
überwiegender Einsatz von Kindern und Frauen; Nicht-Einrichtung von Steuern; Fehlen von Gewerbelizenzen; spunghaftes Entstehen und Anwachsen des Sektors; arbeitskraftintensive Produktion; starke Vernetzung von Stadt und Land.
Eine Studie zur Dezentralisierung und ländlichen Entwicklung der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit fast zusammen: "Bisherige Fördermaßnahmen, meist über gescheiterte (politisch motivierte) Kreditförderprogramme, haben in den letzten Jahren keine Verbesserung gebracht. Armutsbekämpfung wird (realistisch) in ländlichen Gebieten auf landwirtschaftliche Potenziale ausgerichtet. Es gibt derzeit weder eine Politik noch eine klare Strategie für einen konkreten Aufbau einer nationalen Klein- und Mittelunternehmerschicht (Formeller Sektor) noch zur Förderung von Mikro- und Kleingewerbeproduktion (Informeller Sektor). Einzig die internationale Mikrokreditszene hat zwischenzeitlich Fuß gefasst und zeigt erste Erfolge in städtischen Zentren bei der Einführung von Kleinstkreditmodellen." Solche Projekte zur Stärkung des Mikrofinanzwesens
unterhält beispielsweise die GIZ. Am Beispiel der Rollstuhlwerkstatt "Savepla" in Chimoio erläutert ein Infoblatt des Werkhof Darmstadt
, welch wichtgen Beitrag zur Armutsbekämpfung die Kleingewerbeförderung leisten kann.
Mosambik hat ein reiches Potenzial an natürlichen und seltenen Rohstoffen, das nur teilweise ausgeschöpft ist. Die Portugiesen hatten zwar Wanderarbeiter in die Bergwerke der Nachbarländer geschickt, selbst aber wenig Interesse an den Bodenschätzen gezeigt. Eine Ausnahme bildete der heute wiederbelebte Kohlebergbau in Moatize bei Tete. Die meisten bekannten Mineralvorkommen wie Kupfer, Eisenerz, Bauxit, Betonit und Titan beherbergt die Zambezia-Provinz. Außerdem existieren kleinere Vorkommen an Diamanten, Bauxit, Gold und Mangan. An Bedeutung gewonnen haben neben der Erzeugung von Wasserkraft die Erdgasvorkommen in Inhambane und möglicherweise auch Öl in Offshore-Lagerstätten.
Wichtigster Industriestandort ist Maputo. Dort befindet sich rund die Hälfte aller Industrieanlagen. Während die Portugiesen erst in den letzten Jahren ihrer Kolonialherrschaft ausländisches Kapital nach Mosambik holten, spielte der Industriesektor nach der Unabhängikeit eine untergeordnete Rolle, weil es an Fachpersonal, modernen Maschinen und Ersatzteilen fehlte und der Krieg Neuinvestitionen verhinderte. Im Vordergrund steht die Verarbeitung heimischer Agrarprodukte (Cashew, Baumwolle etc.) und Rohstoffe. Seit einigen Jahren boomt der Industriezweig – freilich schwerpunktmäßig im Süden, was den Rest des Landes vom ökonomischen Fortschritt abzunabeln droht.
Der Industriesektor bietet mit wenigen Ausnahmen kein günstiges Investitionsklima
. Es gibt nur ca. 25.000 private Unternehmen mit etwa 300.000 Beschäftigte. Die Rentseeking-Mentalität einiger Entscheidungsträger behindert ein größeres Engagement ausländischer Investoren
. Aufgrund der Dominanz der Regierungspartei hat die Industriepolitik Mosambiks
sich mehr auf die Interessen von Frelimo-Kadern, die eigene Geschäfte besitzen, ausgerichtet und die Förderung lokaler Industrieansiedlug vernachlässigt.
Spektakulärste Großinvestition ist die mit südafrikanischem Kapital aufgebaute Aluminiumschmelze MOZAL
, die im September 2000 ihre Produktion aufgenommen und 2003 ihre Kapazität auf das Doppelte (500.000 Jahrestonnen) ausgebaut hat. MOZAL trägt zu 15 Prozent des BIP bei und leistet 28 Prozent der geamten industriellen Wertschöpfung Mosambiks. Die Aluminiumschmelze hat 1200 für mosambikanische Verhältnisse gut bezahlte Arbeitsplätze geschaffen, dennoch haben die einheimischen Klein- und Mittelbetriebe haben von dem Megaprojekt bislang wenig profitiert.
Nach Fertigstellen einer 865 km langen Gaspipeline strömt seit Februar 2004 das in den Gasfeldern von Pande und Temane in der Provinz Inhambane geförderte Erdgas nach Südafrika. Die Regierung setzt auf Energieexporte
im großen Stil, um nicht nur Strom zu exportieren
, sondern auch die Energeieversorgung der stromintensiven Industrie zu sichern. Mit Großinvestitionen in den Energiesektor nicht nur aus Südafrika, sondern zunehmend auch aus Brasilien und anderen Staaten, versucht die Regierung sich mit Wasserkraft und Kohle
von Südafrika unabhängiger zu machen. Beim erhofften Kohleboom
in der Tete-Provinz will China mit Milliardeninvestitionen ins Geschäft einsteigen. Mosambik könnte zudem zu eine Großexporteur von Erdgas werden, nachdem das italienische Energieunternehmen Eni vor der Küste Mosambiks erneut einen riesigen Erdgasfund
gemacht hat.
Ein Symbol des Kolonialismus war der "weiße Elefant", das Wasserkraftwerk Cahora Bassa
, das an den gestauten Stromschnellen des Sambesi in Tete errichtet wurde. Nach langen Verhandlungen hat Mosambik am 31. Oktober 2006 mit Portugal einen Vertrag unterzeichnet, nach dem es jetzt 85 Prozent der Anteile an der Betreibergesellschaft HCB hält. "Cahora gehört jetzt uns!"
, sagte Staatspräsident Guebuza, der die Übernahme des Staudamms als "zweite Unabhängigkeit" feierte.
Unterhalb des Cahora Bassa-Damms plant die Regierung ein weiteres Wasserkraftwerk, den Mphanda Nkuwa-Damm
, dessen Strom vorwiegend an Südafrika geliefert werden soll. Das Projekt ist umstritten, die betroffene Bevölkerung wehrt sich, weil sie das Ökosystem des Sambesitales und damit ihre Lebensgrundlage gefährdet sieht. Ungeachtet der Bedenken von Umweltgruppen
, die auch schon auf die ökologischen Folgen von Cahora Bassa hingewiesen haben, hat China seine Unterstützung des Zwei-Milliarden-Dollar-Projektes zugesagt. Über die Kampagne zu dem Staudammvorhaben können Sie sich auf der Seite des International Rivers Network
informieren.
Der Minensektor lockt immer mehr Mitglieder der mosambikanischen Elite. Neben Präsident Guebuza haben etliche hohe Funktionäre Geschäftsinteressen im Bergbausektor. Transparenz ist daher eine eine berechtigte Forderung. Mosambik hat 2009 den Antrag auf Aufnahme der Extractive Industries Transparency Initiative (EITI)
gestellt, mit der globale Standards zur Offenlegung von Zahlungen und Einnahmen aus Rohstoffen eines Landes festgelegt werden. Die Umsetzung von EITI hat sich bislang verzögert. Auf einem Workshop des für den EITI-Prozess zuständigen Koordinierungskomitees im Mai 2010 in Maputo hatte sich Mosambik dazu verpflichtet, entsprechende detailierte Angaben zunächst für das Jahr 2008 zu machen. Im Februar 2011 wurde ein erster Bericht an das EITI-Sekretariat in Oslo übergeben. Im August wurde der Antrag auf EITI jedoch abgelehnt
, weil die Kritereien der Transparenzinitiative noch nicht erfüllt waren. Die Regierung hat jetzt 18 Monate Zeit, einen überarbeiteten Bericht abzugeben. Die EITI-Implementierung wird als ein Meilenstein für mehr Transparenz in Mosambik gewertet.
Mosambik hat aufgrund seiner langen Sandstrände ein immenses touristisches Potenzial. Der Toursismussektor zählt zu den Hoffnungsträgern der Konjunktur. Zuständig auf Ebene der Regierung ist das Ministério do Turismo
. In deutscher Sprache informiert die offizielle Webseite des mosambikanischen Fremdenverkehrsbüros
in Deutschland, Schweiz und Österreich.
Mit der Eröffnung des Great Limpopo Transfrontier Park
erhofft sich Mosambik einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung des Landes. Ein Besuch in dem Park lässt einen "Wildnis pur"
erleben. Über den aktuellen Entwicklungsstand
des Parkprojekts informiert die Homepage des Parks. Neben den grenzüberschreitenden Parkprojekten gibt es neun weitere Nationalparks
.
"Wem nutzt der Tourismus?" ist allerdings eine berechtigte Frage, der sich etwa auch eine Hörfunksendung der Deutschen Welle
widmet. Bislang profitieren nur wenige Menschen vom Tourismus. Im Süden werden stattdessen immer mehr Villen für die Superreichen
gebaut und eine Luxusvilla des niederländischen Thronfolgers hat für eine entwicklungspolitische Diskussion gesorgt. Umweltschützer ärgern sich über ausgehebelte Gesetze, um den Südafrikanern das verbauen der Küste zu erlauben.
Zu dem Schönsten, was Mosambik landschaftlich zu bieten hat, gehören die Chimanimani-Berge. In dieser abgelegenen Region an der Grenze zu Simbabwe gibt es eine organisierte Wandertour
. Einen gut recherchierten Reiseführer Mosambik
bietet der Hupe-Verlag. Er dient vielen Reisenden als Orientierung, ebenso wie Reisetagebücher
, die etwa die übliche Route von Süden aus Südafrika kommend nach Norden Richtung Tansania oder Malawi beschreiben.
Die Handelsbilanz Mosambiks ist traditionell negativ, 2008 betrug das Defizit 805 Mio. US-Dollar. Allein die Inbetriebnahme von MOZAL ließ 2001 die Exporte im Vergleich zum Vorjahr nahezu verdoppeln. Seither ist der Export um jährlich durchschnittlich 10 Prozent gestiegen. Die Abhängigkeit von wenigen Exportgütern – außer Aluminium (59 Prozent), Strom (7,5 Prozent) und Erdgas (4,6 Prozent) im Wesentlichen nur vier weitere, nicht verarbeitete Produkte: Meerestiere , Baumwolle, Zucker sowie Granit – zeigt, wie wenig differenziert die Wirtschaft ist. Die Hauptlieferländer Mosambiks sind Südafrika (46 Prozent), die Niederlande, die USA, die EU, China, Indien, Japan und Portugal. Hauptexportländer sind nach der EU Südafrika, China, Malawi, Simbabwe und Indien. Insgesamt ist die EU
mit 1,2 Mrd. Euro Handelsvolumen 2008 nach Südafrika der wichtigste Handelspartner Mosambiks.
Im Doing Business Report
der Weltbank belegt Mosambik 2012 Rang 139 von 183 Staaten, eine Verbesserung um sieben Plätzen gegenüber dem Vorjahr.
Südafrika ist Mosambiks wichtigster außenpolitischer Partner und vor Großbritannien Hauptinvestor
. Zu den südafrikanischen Investitionen seit 1994 gehören neben MOZAL die SA Breweries, die Standard Bank, Anglo American, die Supermarktkette Shoprite Checkers, die Industrial Development Corporation, Ilovo Sugar, der Baukonzern Basil Read, Stocks and Stocks, der Energiekonzern Eskom und Southern Sun Hotels. Die Investitionen konzentrieren sich im Wesentlichen auf den Maputo Development Corridor
.
Ist Mosambik also "ein neuer Star im Südlichen Afrika", wie ein Beitrag im "Afrika-Kurier" einmal meinte, oder profitiert nur Südafrika von dem Sog eines Geldsegens
? Eine Frage, die sich auch ein BBC-Artikel
stellt.
Als südafrikanische Farmer Ende der 1990er Jahre zum ersten Mal wieder Land in Mosambik bekamen und südafrikanische Firmen ihre Interessen am Reichtum Mosambiks offenbarten, wurde in intellektuellen Kreisen vor einer "Rekolonisierung" Mosambiks oder, wie von Michel Chossudovsky, vor dem Export der Apartheid
gewarnt. Zumindest die Arbeitsbedingungen bei dem Shoprite-Supermarkt in Maputo zeigen, dass es sich für die dortigen Arbeitskräfte um ein "Privileg zu niedrigem Standard"
handelt, was auch neuere Studien zu Shoprite
belegen. Der mosambikanische Ökonom Carlos Nuno Castel-Branco warnt indes vor allzu einfachen Schlüssen bei einem genaueren Blick auf die Wirtschaftsbeziehungen mit Südafrika
.
In jüngster Zeit wird die Gefahr einer "erneuten Kolonisierung" auch im Zusammenhang mit dem wachsenden Interesse Chinas an Afrika bemüht. Mosambiks Wirtschaftsverbindungen zu China
sind noch relativ jung, doch die bisherigen Investitionen, etwa in den illegalen Holzhandel ("Chinese Takeaway") und bei der Staudammfinanzierung, zeigen eine Tendenz zu Ausbeutung und Ausnutzung. China hat 2001 ein Handels- und Investitionsabkommen mit Mosambik geschlossen und ist auch an seiner Bauindustrie interessiert. Das Handelsvolumen
zwischen beiden Ländern hat sich zwischen 2004 und 2006 auf 210 Mio. US-Dollar verdreifacht. Mittlerweile hat der Handel mit China den Handel mit den USA
(225 Mio. US-Dollar 2010) übertroffen. So ist China rasch zum wichtigsten Wirtschaftspartner Mosambiks
aufgestiegen. In den nächsten 10 Jahren will China 13 Mrd. US-Dollar in Mosambik investieren.
Mit Washington wurde im Juni 2005 ein Rahmenabkommen für Handel und Investitionen vereinbart. Die Auswirkung des Africa Growth Opportunity Act (Agoa
) der USA auf die mosambikanischen Exporte lässt sich noch nicht genau quantifizieren.
Neben China zeigt auch Brasilien zunehmendes Interesse an Investitionen in Mosambik. Die brasilianische Minenfirma Vale
etwa hat mehrere Milliarden US-Dollar in die Kohleminen bei Tete investiert und kooperiert mit der brasilianischen Baufirma Odebrecht in der Erneuerung der Infrastruktur. Die Provinzghauptstadt Tete erfährt zur Zeit einen regelrechten Boom. Allerdings klagen die vom Kohleabbau betroffenen Gemeinden über Vertreibungen und Umweltbelastungen durch Vale
.
Einer der Faktoren, der Mosambik im HDR-Report weiterhin auf einen hinteren Platz lässt, sind die gesunkene Lebenserwartung infolge von HIV/Aids, von der 15 Prozent der Bevölkerung betroffen sind, häufige Dürreperioden und Ernteausfälle. Bei der letzten Dürre sprach das Welternährungsprogramm der UNO von einem Bedarf an 19 Mio. US-Dollar, um 430.000 Menschen in Mosambik ernähren zu können. Die immer wiederkehrenden Naturkatastrophen – auf die Überschwemmungen
von Februar 2007 hatte sich Mosambik immerhin besser vorbereitet – können das Land auf seinem Weg zur Erreichung der Milleniumsentwicklungsziele
zurückwerfen. Der Mosambik-Rundbrief hat einige Texte wie "2015 konkret - MDG im Dorf"
ins Netz gestellt.
Den Report on the Millennium Development Goals 2008
der Regierung finden Sie auf der Seite des United Nations Development Programme. Bei der UN Development Group UNDG können Sie eine Analyse von Armutsbekämpfung und lokaler Entwicklung
herunterladen.
Mosambik hat als eines der ersten Länder mit dem PRSP-Prozess begonnen. PRSP steht für Poverty Reduction Strategy Papers. Die Regierung hat im Mai 2011 ihren dritten Bericht PARP 2011-2014
zur Armuztsbekämpfung vorgelegt.
Ohne eine Beteiligung der Zivilgesellschaft kann Armutsbekämpfung kaum von Erfolg gekrönt sein, auch wenn die Entwicklung, wie Elísio Macamo kommentiert, die armen Bauern auf dem Lande als Opfer der guten Absichten
oft überfordert. UNAC-Vertreter Diamantino Nhampossa
hat auf dem Europäischen Forum für Nachhaltige Entwicklung, das im Juni 2007 in Berlin stattfand, darauf hingewiesen, dass die von der EU angestrebten Wirtschaftspartnerschaftsabkommen (EPAs) der Armutsbekämpfung zuwieder laufen, weil sie mit Preisdumping die Märkte zu Gunsten der EU öffnen, statt die Kleinbauern zu unterstützen.
Über den Stand der Armutsbekämfung berichtet PRSP Watch![]()
. Die im April 2003 von der Regierung eingesetzte Observatório da Pobreza als hochrangiges Dialogforum war in diesem Sinne ein erster institutioneller Schritt zur Beteiligung der Zivilgesellschaft. Doch laut einer im Mai 2007 erschienenen Studie für die Weltbank und internationale Zusammenarbeit des Schweizerischen Außenministeriums ist Poverty Observatory
"reine Augenwischerei". Das Gremium sei ein "Ritual, bei dem die Menschen lediglich eine Rolle haben, an der Partizipation zu partizipieren." Die Regierung wie ihre internationalen Partner könnten das Alibi vorweisen, die so genannten Adressaten der Armutbekämpfung mit im Boot zu haben.
Trotz insgesamt sinkender Armut wächst die Zahl der Unterernährten. Joseph Hanlon erklärt dieses Paradoxum
u.a. damit, dass nur die oberen 20 Prozent der Gesellschaft vom Wirtschaftswachstum profitieren, während der Anteil der ländlichen Bevölkerung unterhalb der Armustgrenze wächst, und die offiziellen Angaben insofern übertrieben seien, als sie auf Grundlage des Cassava-Konsums an Stelle von Mais erhoben seien, was Unterernährung womöglich fördere. Neuere Studien zum Zusammenhang von Wachstum, Armut und Ungleichheit
empfehlen daher auch eine gezielte Kanalisierung von Entwicklungshilfe in die Förderung landwirtschaftlicher Produktion und Infrastuktur.
Das Southern African Regional Poverty Network
hat eine Reihe von Studien zur Auswirkung der Armut auf die Entwicklung Mosambiks ins Netz gestellt. Evaluierungen der Armutsbekämpfungsstrategie nimmt auch das norwegische Institut CMI
vor.
Südafrika hat Mosambik knapp 7,5 Mrd. US-Dollar durch Apartheid verursachte Schulden hinterlassen. Die Zivilbewegung fordert im Rahmen der "Internationalen Kampagne für Entschuldung und Entschädigung im Südlichen Afrika", an der sich auch medico international
beteiligt, eine entsprechende Entschädigung und Schuldenstreichung
. Mit diesen Geldern könnte Mosambik sein ambitioniertes Armutsbekämpfungsprogramm wirkungsvoll durchsetzen. Aktuelles zum Schuldenerlass
trägt der KKM auf seiner Seite zusammen.
Die von den G8-Ländern 2005 beschlossene Schuldenstreichung
(Mosambik-Rundbrief 72, S. 19) wurde von der damaligen Premierministerin Luisa Diogo begrüßt, doch Skepsis bleibt, weil das Land immer wieder neue Anleihen aufnehmen muss. Ein Erfolg ist immerhin, dass Mosambik nach dem Schuldenerlass allen Kindern kostenfreie Impfungen anbieten konnte. Im Januar 2006 gewährte der Internationale Währungsfonds Mosambik im Rahmen der Multilateralen Entschuldungsinitiative einen vollständigen Erlass seiner Schulden in Höhe von 119 Millionen US-Dollar. Insgesamt belaufen sich laut Informationen der Kampagne erlassjahr.de die mosambikanischen Schulden 2010
noch auf 4,2 Mrd. US-Dollar. Die Schuldenbedienung beträgt dabei immer noch 17,4 Prozent im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen.
Mosambik ist nach wie vor in hohem Maße von ausländischer Hilfe abhängig, darauf haben neuere Studien zu Geberabhängigkeit von Paolo de Renzio und Joseph Hanlon
sowie von Carlos Nuno Castel-Blanco
hingewiesen. Gut die Hälfte des Staatshaushaltes werden durch Mittel der internationalen Entwicklungszusammenarbeit (EZ) finanziert. Zeitweise traten sich die Geber gegenseitig auf die Füße. Die Geberdatenbank zu Mosambik
listet nahezu 40 Geber, darunter die EU, viele Mitgliedstaaten der EU, die Weltbank, zahlreiche UN-Organisationen, Japan und die USA mit über 2000 Projekten auf. Die Daten zur entwicklungspolitischen Tätigkeit der Geber sind im Mozambique Donor Atlas 2008
von Odamoz anschaulich in Schaubildern zusammengefasst.
19 der Geber, darunter Deutschland, gehören zur Programme Aid Partnership (PAP)
. Diese als G-19 bekannte Gruppe von Geberinstitutionen unterstützt Mosambiks Umsetzung der nationalen Armutsbekämpfungsstrategie PARPA II und leistet Haushalts- und Zahlungsbilanzhilfe in Höhe von 34 Mio. Euro. Damit wird mehr als ein Drittel der EZ als Budgethilfe gewährt. Auf der PAP-Homepage sind die wichtigsten Dokumente der Geberhilfe aufrufbar.
Mosambik genießt bei internationalen Finanzinstitutionen einen guten Ruf, seine Wirtschaftsentwicklung verkaufen sie gerne als "Erfolgs-Story", was von Wirtschaftsexperten wegen der ökonomischen Spezialisierung eher skeptisch gesehen wird. Andererseits ist auch die mosambikanische Regierung geneigt, sich wegen der Abhängigkeiten den Geberländern anzupassen, zumal die Elite von dem Souveränitätsverlust des Landes durchaus profitiert. Dieses "Pathologhische Gleichgewicht"
wechselseitiger Abhängigkeit führt dazu, dass Fehlentwicklungen im Lande in Kauf genommen werden. Ein Teil der Regierungsbürokratie verbringt über die Hälfte seiner Arbeitszeit mit der Teilnahme an den etlichen Arbeitsgruppen, die mit den Gebern zwecks Abstimmung der Projekte in regelmäßigen Abständen abgehalten werden. Hart ins Gericht mit den Geberländern geht der Mosambikexperte Joseph Hanlon, nach dessen Ansicht sie auf einem Auge blind für die Korruption
in Mosambik sind.
Nach anfänglichen Hürden (s. vorheriges Kapitel unter "Außenpolitk") hat sich erst seit Ende der 80er Jahre eine nennenswerte entwicklungspolitische Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Mosambik entwickelt. Mittlerweile ist Deutschland Mosambiks fünftgrößter bilateraler Geber und das Land ist ein Schwerpunktpartnerland
der deutschen Entwicklungszusammenarbeit und eines von vier Pilotländern des Aktionsprogramms 2015 des BMZ. Deutsche EZ-Organisationen sind vor allem in den Schwerpunktprovinzen Manica, Sofala und Inhambane vertreten. Die Rahmenbedingungen der deutsch-mosambikanischen EZ werden bei Regierungsverhandlungen, die alle zwei Jahre stattfinden, vereinbart. Zuletzt hat Deutschland Mosambik Mittel über 155 Mio. Euro
für die Jahre 2009-2011 zugesagt.
Seit 2002 konzentriert sich die mit Mosambik vereinbarte Schwerpunktsetzung der deutschen Entwicklungszusammenarbeit
primär auf die Bereiche ländliche Entwicklung bzw. neuerdings "Dezentralisierung der ländlichen Entwicklung", Bildung und Wirtschaftsentwicklung. Neben der Unterstützung dieser Projekte, die zur Armutsbekämpfung im Rahmen von PARPA II gehören, unterstützt Deutschland seit 2004 auch den Haushalt Mosambiks. Diese Budgethilfe geht auch in den Bildungstopf der Regierung ein, mit dem Mosambik sich verpflichtet, das Geld für nichts anderes als für die Bildung auszugeben. In der von der EU finanzierten Geberdatenbak ODAmoz
sind derzeit 36 deutsche Projekte
aufgelistet.
Folgende Links führen Sie zu den landesspezifischen Aktivitäten einzelner deutscher Institutionen und Organisationen:






; (Projekt Schulspeisung Mabote
)
(Berufliche Bildung in Chimoio)


(Kinderklinik)
(Katastrophenvorsorge)
(Kleinstprojekte).
– Büro Maputo
– Auslandsbüro Mosambik/Malawi





; (siehe auch laufende Projekte
)



(unabhängiges Institut in Bergen/Norwegen)
(AiDA, Informationen zu allen laufenden Projekten nach Stichwortsuche)Auch für die DDR war Mosambik eines der Schwerpunktländer. Das Schicksal von über 16.000 Vertragsarbeitern aus Mosambik, die nach der Vereinigung beider deutscher Staten zum größten Teil wieder nach Hause zurückgekehrt sind, ist ein wichtiges Kapitel in den deutsch-mosambikanischen Beziehungen. Unzufriedene Madgermanes
machen immer wieder mit Protestaktionen auf sich aufmerksam.
Zu den Beziehungen Mosambiks zur DDR sind in jüngster Zeit verschiedene Studien veröffentlich worden. In einer Rezension des Buches von Hans-Joachim Döring
, "Es geht um unsere Existenz", können Sie sich über die Politik der DDR gegenüber Mosambik kundig machen. Und "DDR in Mosambik: Solidarität, die bleibt", heißt eine Besprechung des Buches "Wir haben Spuren hinterlassen! Die DDR in Mosambik"
, herausgegeben von Matthias Voß.
Der Mosambik-Rundbrief Nr. 78 enthält eine ganze Reihe von Beiträgen über Mosambikaner in Deutschland
.
Lothar Berger, M.A., geb. 1953, Studium der Ethnologie, Afrikanistik, Soziologie und Musikwissenschaften.
Langjähriger Redakteur von "afrika süd" in der informationsstelle südliches afrika (issa
), Bonn.
Ich freue mich auf Ihre Kommentare, Anregungen und Kritik.
Diese Länderseite wurde zum letzten Mal am 24. Januar 2012 aktualisiert.
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