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Die Bevölkerung Nepals umfasst rund 29,3 Millionen Menschen. Die faszinierende ethnische Vielfalt ist das Ergebnis einer langen Einwanderungsgeschichte und der Topographie Nepals, die die Kommunikation zwischen verschiedenen Landesteilen und Volksgruppen
erschwerte. Viele ethnische Gruppen entwickelten sich isoliert von den anderen.
Die vielen Ethnien
im Land lassen sich in drei große Gruppen zusammenfassen: Zur ersten gehören die Indonepalesen, rund drei Viertel der Gesamtbevölkerung, die die Nachfahren von eingewanderten Indern sind. Die zweite Gruppe sind die Tibetonepalesen (Tamang
, Gurung
, Newar
, Thakali
, Rai
, Magar
, Limbu
und Tharu
), die etwa ein Viertel der Bevölkerung ausmachen und zu denen die meisten der Hochgebirgsstämme gehören. Die dritte und kleinste Gruppe bilden die tibetischen Völker (Sherpa
, tibetische Flüchtlinge), deren Anteil bei knapp 1 % liegt.
Die Gesellschaft Nepals ist stark durch das aus Nordindien stammende brahmanische Kastensystem
und dessen Sozialkodex geprägt. Zwar wurde bereits 1963 im New National Code und in der 1991er Verfassung Nepals das Kastensystem verboten, die rechtliche Beseitigung der Kasten
konnte aber keineswegs die politische und wirtschaftliche Macht der Hochkasten gegenüber dem Rest der Bevölkerung aufheben.
Bei der Volkszählung 2001 wurden 15 % der Einwohner als Chetri und 12 % als Brachmanen (Bahuns) ausgewiesen. Noch immer gehören fast alle nepalesischen Politiker den Hochkasten (Bahuns und Chetris) an. Dalits („die Unterdrückten“)
müssen für ihre Gleichberechtigung
ringen.
Nur 17 Prozent der Landesfläche sind landwirtschaftlich nutzbar und es besteht eine große Abhängigkeit vom Monsunregen. Hohes Bevölkerungswachstum
, geringe Betriebsgrößen, ungleich verteilter Landbesitz und das Bonded Labour System
führen dazu, dass die Mehrheit der Landbevölkerung arm ist.
Die Landbewohner sind einem großen Existenzrisiko ausgesetzt, viele sind gezwungen
in den Städten oder im Ausland
Arbeit zu suchen. Seit Mitte der 1970er hat eine verstärkte Abwanderung in die Städte eingesetzt. Der Anteil der städtischen Bevölkerung ist heute im internationalen Vergleich zwar vergleichsweise gering, jedoch hat Nepal inzwischen die höchste Landfluchtquote in ganz Südasien.
In Nepal
leben heute schätzungsweise bis zu 30.000 tibetische Flüchtlinge
, die meisten von ihnen bereits seit 1959, als die chinesische Regierung ihre politische Kontrolle durch Waffengewalt gegenüber Aufständischen in Tibet durchsetzte. Vereinzelt hält die Zuwanderung nach Nepal weiterhin an.
Durch die Vertreibung und Flucht nepalesischstämmiger Südbhutanesen
zu Beginn der neunziger Jahre leben seither mind. 80.000 Menschen in Lagern im östlichen Landesteil Nepals. In Folge des Bürgerkrieges wurden 70.000 Nepali zu Flüchtlingen im eigenen Land
.
Seit dem Abschluss des Friedensvertrags 2006 hat die Frage nach der Gleichstellung der Geschlechter
in der provisorischen Verfassung eine wichtige Rolle gespielt. So wurde 2007 anerkannt, dass für die Töchter das gleiche Erbrecht
gilt wie für die Söhne, obwohl bis dahin nur 1% der Frauen tatsächlich über Besitz verfügten. Zudem ist ein Drittel der Arbeitsstellen im öffentlichen Dienst für Frauen reserviert. In der Verfassungsgebenden Nationalversammlung haben 33% Frauen ein Sitz. Trotz der politischen Schwierigkeiten ist die Genderfrage im nepalesischen Friedensprozess nach wie vor ein Thema. Im Gender Gap Index
des Weltwirtschaftsforums rangiert Nepal 2010 auf Platz 115 unter 134 Staaten.
Die Kinder haben, ebenfalls wie die Frauen, eine untergeordnete Stellung. Aufgrund der schlechten Ernährung, mangelnder Hygiene und schlechten medizinischen Betreuung während der Schwangerschaft und der Geburt, kommt es zu einer extrem hohen Kindersterblichkeit und viele Kinder kommen behindert auf die Welt. Die Kinderarbeit
stellt ein zunehmendes Problem
dar. Vor allem Mädchen wird die wichtige Schulbildung vorenthalten.
Das Nepali ist die verbreiteste Muttersprache Nepals und die Nationalsprache des Landes. Es wird – wie Hindi – in der Devanagari-Schrift geschrieben. Daneben werden noch über hundert
weitere Sprachen
gesprochen. Die in Nepal gesprochenen Sprachen sind hauptsächlich zwei Familien zuzuordnen: indoeuropäische und tibetobirmanische Sprachen. Daneben sprechen einige kleine ethnische Gruppen des Terai Munda-Sprachen.
Nach den statistischen Angaben (von 2005) ist Nepali die Muttersprache von 48,6 % der Bevölkerung, gefolgt von Maithili 12,3 %, Bhojpuri 7,5 %, Tharu 5,8 % und Tamang 5 %. Die elf am meisten gesprochenen Sprachen sind die Muttersprachen von fast 90% der Bevölkerung.
In der Elite ist Englisch weit verbreitet. Viele Sprachen der kleinen ethnischen Gruppen
sind vom Aussterben bedroht
.
Am Ende der Rana-Herrschaft
im Jahre 1951 betrug die Analphabetenrate 98%. Die Lage
hat sich seitdem quantitativ eindrucksvoll verbessert: die Grundschulausbildung wurde kostenlos und ab 1975 zur Pflicht. Trotz der Schulpflicht
sind heute 89 % der Kinder an einer Grundschule angemeldet und die Alphabetisierungsquote
liegt bei nur rund 57 %.
Die Ursachen für den Bildungsnotstand sind sozialer Status und Armut
. Zwar erheben die staatlichen Schulen keine Schulgebühren, oft können die Eltern das Geld für Bücher, Stifte und Schuluniformen nicht aufbringen. Mädchen werden seltener als Jungen eingeschult und brechen die Schule häufiger
ab.
Von den 40.000 öffentlichen Schulen sind viele in schlechtem Bauzustand. Die meisten Klassen sind mit 60 bis 80 Schülern überfüllt, es mangelt an qualifizierten Lehrern. Im Durchschnitt erreichen von 100 Schülern, die in der ersten Klasse beginnen, nur acht den qualifizierten Schulabschluss
School Leaving Certificate (SLC), 15 schaffen es bis zur 10. Klasse und 85 verlassen die Schule vorzeitig.
Die Akademische Ausbildung
hat in den letzten Jahren Fortschritte gemacht. Neben der 1959 gegründeten Tribhuvan Universität
gibt es heute mehrere Universitäten
. Auch Technische Universitäten und Colleges
sind in Form von 230 - teilweise privaten - Einrichtungen über das Land verstreut. Hier werden Fächer wie Agrartechnik, Bauhandwerk, Sanitärinstallation, Elektrotechnik, medizinische Technik u. a. unterrichtet. Die Institutionen werden von der jährlich wachsenden Studentenzahl überfordert.
Das Gesundheitswesen
ist nur schwach entwickelt. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung hat keinen Zugang zu den wichtigsten Medikamenten, auf 100.000 Einwohner kommen im Durchschnitt nur 21 Ärzte. Unterernährung
und Erkrankungen des Magen- und Darmkanals, parasitäre Krankheiten, Tuberkulose, Typhus, Malaria, Augen- und Schilddrüsenerkrankungen sind verbreitet. Die Zahl der HIV-Infizierten
beläuft sich auf 70.000. Die Kinder- und Müttersterblichkeitsraten sind sehr hoch. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei etwa 63 Jahren.
In den ländlichen Gebieten ist die medizinische Grundversorgung der Bevölkerung besonders schlecht. Auf dem Land fehlt es an Ärzten und Medikamenten, die Wege zu Gesundheitsstationen sind in entlegenen Regionen sehr lang. Die Bevölkerung ist daher noch in hohem Maße auf die traditionellen Heilpraktiken
angewiesen.
Seit Anfang der 1990er Jahre versucht die Regierung mit der Einrichtung von Gesundheitsstationen (sub-health posts) in ländlichen Gebieten der gesamten Bevölkerung ein Mindestmaß an grundlegenden Gesundheitsdiensten zugänglich zu machen
. Die Regierungsentscheidung 7,2% des Jahresbudgets in den Gesundheitssektor
zu investieren, ist ein wichtiges Element sozialer Sicherheit.
Der Gesundheitssektor
steht dennoch vor anhaltenden Herausforderungen
, um die Situation für die benachteiligten Bevölkerungsgruppen zu verbessern: Zugangsbarrieren müssen verringert werden, die Qualität von Dienstleistungen muss gesteigert und sozial gerecht finanziert werden, die dauerhafte Verfügbarkeit von Medikamenten muss gesichert werden.
Nepal verfügt über ein reiches kulturelles Erbe
. Durch die lange Abgeschlossenheit des Landes haben sich eigenständige religiöse, rituelle und kulturelle Traditionen entwickelt und erhalten. Nepal ist berühmt für seine Architektur
, bildende Kunst
und zahlreiche Feste
. Auch Musik, Tanz
, Literatur
und Schauspiel haben in Nepal Tradition. Vor allem auf dem Land
sind handwerkliche Kunst
und religiöse Motive vorherrschend.
Basierend auf diesem weit gefächerten Erbe existiert eine lebhafte Kunstszene
in Nepal. In den letzten Jahrzehnten haben sich besonders in der Hauptstadt Kathmandu zahlreiche Galerien
etabliert, die sich auf eine kleine, aber interessierte Kunstszene stützen können. 2010 wurde das Kathmandu Contemporary Art Center
in Lalitpur eröffnet.
Die Religion ist Grundlage der traditionellen Kultur in Nepal. Nicht nur religiöse Praktiken, sondern auch Feste und Feiern, Literatur, Kunst und Architektur
, Sitten und Bräuche, oder auch der Ablauf des täglichen Lebens, sind von der Religion geprägt. Die wechselvolle Geschichte des Landes hat entscheidend auch die Religion beeinflusst und die besondere Beziehung zwischen Hinduismus
und Buddhismus
in Nepal bewirkt.
Hinduismus und Buddhismus
sind mit dem Tantrismus, sowie Resten animistischer Urreligionen, welche sämtliche Dinge mit einer Vielzahl von guten und bösen Geistern als beseelt betrachten, miteinander verwoben. Viele Feste werden gemeinsam, teils mit unterschiedlichen Inhalten, gefeiert. Buddhistische
und hinduistische Kultstätten stehen nebeneinander oder werden auch gemeinsam genutzt.
Das religiöse Weltbild besteht aus einem Nebeneinander religiöser Richtungen
, Schulen und Theorien. Diese Art von Synkretismus macht die Einteilung in Religionsgruppen nur bedingt möglich: Dem letzten Zensus (2001) nach bekennen sich rund 80 % der Gesamtbevölkerung zu der ehemaligen Staatsreligion, dem Hinduismus, rund ein Zehntel sind Anhänger des Buddhismus, Muslime bilden 4 und Kirati
3 % der Bevölkerung; Christen
, Sikhs, Jainas
und Bön
bilden kleine Minderheiten (0,4 %).
Der Anteil der Hindus
ist seit der ersten freien Zählung 1991 (ca. 90%) rückläufig. Dies hängt mit dem wachsenden Bewusstsein und Engagement der zahlreichen nichthinduistischen Bevölkerungsgruppen sowie mit der Liberalisierung des Rechtswesens in Nepal zusammen.
Am 18. Mai 2006 verabschiedete das Repräsentantenhaus eine Resolution, die das als einziges offizielles Hindukönigreich der Welt bekannt gewordene Land zum säkularen Staat erklärte.
Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Mai 2012 aktualisiert.
Lisa Melnikova
M.A., geb. 1982
ist Ethnologin und seit 2006 als Regionaltutorin für die Regionen Asien und Osteuropa bei der Akademie für Internationale Zusammenarbeit (AIZ) der GIZ GmbH tätig.
Ich freue mich auf Ihre Anregungen und Kommentare!
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