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Schulkinder in Langtang

Gesellschaft, Kultur und Religion

BeschreibungInhalt
Amtssprache:Nepalesisch
Regionalsprachen:Maithali, Bhojpuri, Tharu
bedeutendste Religion:Hinduismus  80%
weitere bedeutende Religion:Buddhismus 15%
Städtische Bevölkerung:17 %
Lebenserwartung:66 Jahre

Nepal

Landesflagge Nepal

Sozialstruktur

Thamang-Frau
Bevölkerungsverteilung © Copyright SASI Group (University of Sheffield)

Ethnische Gruppen

Die Bevölkerung Nepals umfasst rund 29,3 Millionen Menschen. Die faszinierende ethnische Vielfalt ist das Ergebnis einer langen Einwanderungsgeschichte und der Topographie Nepals, die die Kommunikation zwischen verschiedenen Landesteilen und VolksgruppenÖffnet externen Link in neuem Fenster erschwerte. Viele ethnische Gruppen entwickelten sich isoliert von den anderen.

Die vielen EthnienÖffnet externen Link in neuem Fenster im Land lassen sich in drei große Gruppen zusammenfassen: Zur ersten gehören die Indonepalesen, rund drei Viertel der Gesamtbevölkerung, die die Nachfahren von eingewanderten Indern sind. Die zweite Gruppe sind die Tibetonepalesen (TamangÖffnet externen Link in neuem Fenster, GurungÖffnet externen Link in neuem Fenster, NewarÖffnet externen Link in neuem Fenster, ThakaliÖffnet externen Link in neuem Fenster, RaiÖffnet externen Link in neuem Fenster, MagarÖffnet externen Link in neuem Fenster, LimbuÖffnet externen Link in neuem Fenster und TharuÖffnet externen Link in neuem Fenster), die etwa ein Viertel der Bevölkerung ausmachen und zu denen die meisten der Hochgebirgsstämme gehören. Die dritte und kleinste Gruppe bilden die tibetischen Völker (SherpaÖffnet externen Link in neuem Fenster, tibetische Flüchtlinge), deren Anteil bei knapp 1 % liegt.

Kasten

Die Gesellschaft Nepals ist stark durch das aus Nordindien stammende brahmanische KastensystemÖffnet externen Link in neuem Fenster und dessen Sozialkodex geprägt. Zwar wurde bereits 1963 im New National Code und in der 1991er Verfassung Nepals das Kastensystem verboten, die rechtliche Beseitigung der KastenÖffnet externen Link in neuem Fenster konnte aber keineswegs die politische und wirtschaftliche Macht der Hochkasten gegenüber dem Rest der Bevölkerung aufheben.

Bei der Volkszählung 2001 wurden 15 % der Einwohner als Chetri und 12 % als Brachmanen (Bahuns) ausgewiesen. Noch immer gehören fast alle nepalesischen Politiker den Hochkasten (Bahuns und Chetris) an. Dalits („die Unterdrückten“)Öffnet externen Link in neuem Fenster müssen für ihre  GleichberechtigungÖffnet externen Link in neuem Fenster ringen. 

Migration

Nur 17 Prozent der Landesfläche sind landwirtschaftlich nutzbar und es besteht eine große Abhängigkeit vom Monsunregen. Hohes BevölkerungswachstumÖffnet externen Link in neuem Fenster, geringe Betriebsgrößen, ungleich verteilter Landbesitz und das Bonded Labour SystemÖffnet externen Link in neuem Fenster führen dazu, dass die Mehrheit der Landbevölkerung arm ist.

Die Landbewohner sind einem großen Existenzrisiko ausgesetzt, viele sind gezwungenÖffnet externen Link in neuem Fenster in den Städten oder im AuslandÖffnet externen Link in neuem Fenster Arbeit zu suchen. Seit Mitte der 1970er hat eine verstärkte Abwanderung in die Städte eingesetzt. Der Anteil der städtischen Bevölkerung ist heute im internationalen Vergleich zwar vergleichsweise gering, jedoch hat Nepal inzwischen die höchste Landfluchtquote in ganz Südasien.

Flüchtlinge

In NepalÖffnet externen Link in neuem Fenster leben heute schätzungsweise bis zu 30.000 tibetische FlüchtlingeÖffnet externen Link in neuem Fenster, die meisten von ihnen bereits seit 1959, als die chinesische Regierung ihre politische Kontrolle durch Waffengewalt gegenüber Aufständischen in Tibet durchsetzte. Vereinzelt hält die Zuwanderung nach Nepal weiterhin an.

Durch die Vertreibung und Flucht nepalesischstämmiger SüdbhutanesenÖffnet externen Link in neuem Fenster zu Beginn der neunziger Jahre leben seither mind. 80.000 Menschen in Lagern im östlichen Landesteil Nepals. In Folge des Bürgerkrieges wurden 70.000 Nepali zu Flüchtlingen im eigenen LandÖffnet externen Link in neuem Fenster.

Frauen und Kinder

Seit dem Abschluss des Friedensvertrags 2006 hat die Frage nach der Gleichstellung der GeschlechterÖffnet externen Link in neuem Fenster in der provisorischen Verfassung eine wichtige Rolle gespielt. So wurde 2007 anerkannt, dass für die Töchter das gleiche ErbrechtÖffnet externen Link in neuem Fenster gilt wie für die Söhne, obwohl bis dahin nur 1% der Frauen tatsächlich über Besitz verfügten. Zudem ist ein Drittel der Arbeitsstellen im öffentlichen Dienst für Frauen reserviert. In der Verfassungsgebenden Nationalversammlung haben 33% Frauen ein Sitz. Trotz der politischen Schwierigkeiten ist die Genderfrage im nepalesischen Friedensprozess nach wie vor ein Thema. Im Gender Gap IndexÖffnet externen Link in neuem Fenster des Weltwirtschaftsforums rangiert Nepal 2010 auf Platz 115 unter 134 Staaten.

Die Kinder haben, ebenfalls wie die Frauen, eine untergeordnete Stellung. Aufgrund der schlechten Ernährung, mangelnder Hygiene und schlechten medizinischen Betreuung während der Schwangerschaft und der Geburt, kommt es zu einer extrem hohen Kindersterblichkeit und viele Kinder kommen behindert auf die Welt. Die KinderarbeitÖffnet externen Link in neuem Fenster stellt ein zunehmendes ProblemÖffnet externen Link in neuem Fenster dar. Vor allem Mädchen wird die wichtige Schulbildung vorenthalten.

Sprachen

Das Nepali ist die verbreiteste Muttersprache Nepals und die Nationalsprache des Landes. Es wird – wie Hindi – in der Devanagari-Schrift geschrieben. Daneben werden noch über hundertÖffnet externen Link in neuem Fenster weitere SprachenÖffnet externen Link in neuem Fenster gesprochen. Die in Nepal gesprochenen Sprachen sind hauptsächlich zwei Familien zuzuordnen: indoeuropäische und tibetobirmanische Sprachen. Daneben sprechen einige kleine ethnische Gruppen des Terai Munda-Sprachen.

Nach den statistischen Angaben (von 2005) ist Nepali die Muttersprache von 48,6 % der Bevölkerung, gefolgt von Maithili 12,3 %,  Bhojpuri 7,5 %, Tharu 5,8 % und Tamang 5 %. Die elf am meisten gesprochenen Sprachen sind die Muttersprachen von fast 90% der Bevölkerung.

In der Elite ist Englisch weit verbreitet. Viele Sprachen der kleinen ethnischen GruppenÖffnet externen Link in neuem Fenster sind vom Aussterben bedrohtÖffnet externen Link in neuem  Fenster.

  

Bildung

Kinder auf dem Schulweg
In dem Klassenraum der Dorfschule

Am Ende der Rana-HerrschaftÖffnet externen Link in neuem Fenster im Jahre 1951 betrug die Analphabetenrate 98%. Die LageÖffnet externen Link in neuem Fenster hat sich seitdem quantitativ eindrucksvoll verbessert: die Grundschulausbildung wurde kostenlos und ab 1975 zur Pflicht. Trotz der SchulpflichtÖffnet externen Link in neuem Fenster sind heute 89 % der Kinder an einer Grundschule angemeldet und die AlphabetisierungsquoteÖffnet externen Link in neuem Fenster liegt bei nur rund 57 %.

Die Ursachen für den Bildungsnotstand sind sozialer Status und ArmutÖffnet externen Link in neuem Fenster. Zwar erheben die staatlichen Schulen keine Schulgebühren, oft können die Eltern das Geld für Bücher, Stifte und Schuluniformen nicht aufbringen. Mädchen werden seltener als Jungen eingeschult und brechen die Schule häufigerÖffnet externen Link in neuem Fenster ab.

Von den 40.000 öffentlichen Schulen sind viele in schlechtem Bauzustand. Die meisten Klassen sind mit 60 bis 80 Schülern überfüllt, es mangelt an qualifizierten Lehrern. Im Durchschnitt erreichen von 100 Schülern, die in der ersten Klasse beginnen, nur acht den qualifizierten SchulabschlussÖffnet externen Link in neuem Fenster School Leaving Certificate (SLC), 15 schaffen es bis zur 10. Klasse und 85 verlassen die Schule vorzeitig.

Die Akademische AusbildungÖffnet externen Link in neuem Fenster hat in den letzten Jahren Fortschritte gemacht. Neben der 1959 gegründeten Tribhuvan UniversitätÖffnet externen Link in neuem Fenster gibt es heute mehrere UniversitätenÖffnet externen Link in neuem Fenster. Auch Technische Universitäten und Colleges Öffnet externen Link in neuem Fenstersind in Form von 230 - teilweise privaten - Einrichtungen über das Land verstreut. Hier werden Fächer wie Agrartechnik, Bauhandwerk, Sanitärinstallation, Elektrotechnik, medizinische Technik u. a. unterrichtet. Die Institutionen werden von der jährlich wachsenden Studentenzahl überfordert.

Gesundheit

Gesundheitsstation in Dhunche
Krankenzimmer der Gesundheitsstation

Das GesundheitswesenÖffnet externen Link in neuem Fenster ist nur schwach entwickelt. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung hat keinen Zugang zu den wichtigsten Medikamenten, auf 100.000 Einwohner kommen im Durchschnitt nur 21 Ärzte. UnterernährungÖffnet externen Link in neuem Fenster und Erkrankungen des Magen- und Darmkanals, parasitäre Krankheiten, Tuberkulose, Typhus, Malaria, Augen- und Schilddrüsenerkrankungen sind verbreitet. Die Zahl der HIV-InfiziertenÖffnet externen Link in neuem Fenster beläuft sich auf 70.000. Die Kinder- und Müttersterblichkeitsraten sind sehr hoch. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei etwa 63 Jahren.

In den ländlichen Gebieten ist die medizinische Grundversorgung der Bevölkerung besonders schlecht. Auf dem Land fehlt es an Ärzten und Medikamenten, die Wege zu Gesundheitsstationen sind in entlegenen Regionen sehr lang. Die Bevölkerung ist daher noch in hohem Maße auf die traditionellen HeilpraktikenÖffnet externen Link in neuem Fenster angewiesen.

Seit Anfang der 1990er Jahre versucht die Regierung mit der Einrichtung von Gesundheitsstationen (sub-health posts) in ländlichen Gebieten der gesamten Bevölkerung ein Mindestmaß an grundlegenden Gesundheitsdiensten zugänglich zu machenÖffnet externen Link in neuem Fenster. Die Regierungsentscheidung 7,2% des Jahresbudgets in den GesundheitssektorÖffnet externen Link in neuem Fenster zu investieren, ist ein wichtiges Element sozialer Sicherheit.

Der GesundheitssektorÖffnet externen Link in neuem Fenster steht dennoch vor anhaltenden HerausforderungenÖffnet externen Link in neuem Fenster, um die Situation für die benachteiligten Bevölkerungsgruppen zu verbessern: Zugangsbarrieren müssen verringert werden, die Qualität von Dienstleistungen muss gesteigert und sozial gerecht finanziert werden, die dauerhafte Verfügbarkeit von Medikamenten muss gesichert werden.

Kultur

Holzschnitzereien in Bhaktapur
Malerinnen bei der Arbeit

Nepal verfügt über ein reiches kulturelles ErbeÖffnet externen Link in neuem Fenster. Durch die lange Abgeschlossenheit des Landes haben sich eigenständige religiöse, rituelle und kulturelle Traditionen entwickelt und erhalten. Nepal ist berühmt für seine ArchitekturÖffnet externen Link in neuem Fenster, bildende KunstÖffnet externen Link in neuem Fenster und zahlreiche FesteÖffnet externen Link in neuem Fenster. Auch Musik, TanzÖffnet externen Link in neuem Fenster, LiteraturÖffnet externen Link in neuem Fenster und Schauspiel haben in Nepal Tradition. Vor allem auf dem LandÖffnet externen Link in neuem Fenster sind handwerkliche KunstÖffnet externen Link in neuem Fenster und religiöse Motive vorherrschend.

Basierend auf diesem weit gefächerten Erbe existiert eine lebhafte KunstszeneÖffnet externen Link in neuem Fenster in Nepal. In den letzten Jahrzehnten haben sich besonders in der Hauptstadt Kathmandu zahlreiche GalerienÖffnet externen Link in neuem Fenster etabliert, die sich auf eine kleine, aber interessierte Kunstszene stützen können. 2010 wurde das Kathmandu Contemporary Art CenterÖffnet externen Link in neuem Fenster in Lalitpur eröffnet.

 

Religion

Bodhnath Stupa
Schlange vor dem Tempel
Junge Mönche in Lumbini
Mönche in Bodhnath

Die Religion ist Grundlage der traditionellen Kultur in Nepal. Nicht nur religiöse Praktiken, sondern auch Feste und Feiern, Literatur, Kunst und ArchitekturÖffnet externen Link in neuem Fenster, Sitten und Bräuche, oder auch der Ablauf des täglichen Lebens, sind von der Religion geprägt. Die wechselvolle Geschichte des Landes hat entscheidend auch die Religion beeinflusst und die besondere Beziehung zwischen HinduismusÖffnet externen Link in neuem Fenster und BuddhismusÖffnet externen Link in neuem Fenster in Nepal bewirkt.

Hinduismus und BuddhismusÖffnet externen Link in neuem Fenster sind mit dem Tantrismus, sowie Resten animistischer Urreligionen, welche sämtliche Dinge mit einer Vielzahl von guten und bösen Geistern als beseelt betrachten, miteinander verwoben. Viele Feste werden gemeinsam, teils mit unterschiedlichen Inhalten, gefeiert. BuddhistischeÖffnet externen Link in neuem Fenster und hinduistische Kultstätten stehen nebeneinander oder werden auch gemeinsam genutzt.

Das religiöse Weltbild besteht aus einem Nebeneinander religiöser RichtungenÖffnet externen Link in neuem Fenster, Schulen und Theorien. Diese Art von Synkretismus macht die Einteilung in Religionsgruppen nur bedingt möglich: Dem letzten Zensus (2001) nach bekennen sich rund 80 % der Gesamtbevölkerung zu der ehemaligen Staatsreligion, dem Hinduismus, rund ein Zehntel sind Anhänger des Buddhismus, Muslime bilden 4 und KiratiÖffnet externen Link in neuem Fenster 3 % der Bevölkerung; ChristenÖffnet externen Link in neuem Fenster, Sikhs, JainasÖffnet externen Link in neuem Fenster und BönÖffnet externen Link in neuem Fenster bilden kleine Minderheiten (0,4 %).

Der Anteil der HindusÖffnet externen Link in neuem Fenster ist seit der ersten freien Zählung 1991 (ca. 90%) rückläufig. Dies hängt mit dem wachsenden Bewusstsein und Engagement der zahlreichen nichthinduistischen Bevölkerungsgruppen sowie mit der Liberalisierung des Rechtswesens in Nepal zusammen.

Am 18. Mai 2006 verabschiedete das Repräsentantenhaus eine Resolution, die das als einziges offizielles Hindukönigreich der Welt bekannt gewordene Land zum säkularen Staat erklärte.

 

Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Mai 2012 aktualisiert.

Über die Autorin

Lisa Melnikova

M.A., geb. 1982

ist Ethnologin und seit 2006 als Regionaltutorin für die Regionen Asien und Osteuropa bei der Akademie für Internationale Zusammenarbeit (AIZ) der GIZ GmbH tätig.

Ich freue mich auf Ihre Anregungen und Kommentare!

Literaturhinweise

Weiterführende Literatur zu den Themen

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