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Mit einem Pro-Kopf-Einkommen von 451 US-Dollar ist Nepal eines der ärmsten Länder
der Welt. Die instabile politische Situation, der Mangel an ausgebildeten Arbeitskräften und die schwache Infrastruktur behinderten die wirtschaftliche Entwicklung
Nepals. Die anhaltend hohe Inflation vermindert die Kaufkraft der Bevölkerung. Im Index of Economic Freedom
nimmt Nepal den 146. Platz unter 179 Ländern.
Mit dem 2006 eingeleiteteten Friedensprozess haben sich die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft Nepals zwar insgesamt verbessert, das Investitionsklima leidet aber unter gesetzlicher Überregulierung. Der defizitäre Staatshaushalt und der steigende Schuldendiest geben weiter Anlass zu Sorge. Das gesamtwirtschaftliche Wachstum
bewegte sich in den letzten Jahren zwischen 2 % und 4 % und war damit zu niedrig, um die Armut substanziell zu reduzieren. Wirtschaftliche Reformagenda und Armutsbekämpfung sind große Herausforderungen der jungen Republik.
Die instabile politische Lage hemmt wichtige Investitionen der öffentlichen Hand und wirkt sich negativ auf das Geschäftsklima aus. Im Finanzjahr 2009/10
traf auch die Weltwirtschaftskrise das Land. Darüber hinaus litt die Landwirtschaft unter schlechten Wetterbedingungen. Die weitere Entwicklung
wird neben der globalen Konjunktur vor allem davon abhängen, wie schnell eine dauerhafte politische Führung aufgestellt werden kann.
Nepal ist ein weitgehend von der Subsistenzwirtschaft geprägter Agrarstaat. Die Landwirtschaft
beschäftigt 68 % der Erwerbstätigen und trägt mit 38 % zum Bruttoinlandsprodukt bei.
Eine rasch wachsende Bevölkerung bei gleichzeitig abnehmender Bodenertragsfähigkeit führt zu Nahrungsmitteldefiziten. Während Nepal in den 80er Jahren noch Nahrungsmittel exportierte, kann es gegenwärtig die Nahrungsmittelversorgung der Bevölkerung nur noch über ständig steigende Importe sichern. Eine Ausweitung der landwirtschaftlichen Nutzflächen
ist aufgrund der topographischen Gegebenheit des Landes nur schwer möglich.
Von den drei sehr unterschiedlichen Agrarzonen
ist die Terai-Region mit etwa zwei Drittel aller landwirtschaftlich genutzten Flächen Nepals am bedeutendsten. Hier werden Reis, Mais, Weizen, Hirse, Soja, Gerste, Jute und Hülsenfrüchte angebaut. Weitaus ungünstiger stellt sich die Lage in den Hügelregionen
dar, in denen nur ein Drittel der landwirtschaftlich genutzten Flächen verfügbar ist, aber fast die Hälfte der Nepalesen lebt. Wichtigste Anbauprodukte sind Nahrungsmittelgetreide, für den Ackerbau nicht geeignete Flächen dienen der Viehwirtschaft. Die Landwirtschaft in den Gebirgsregionen
basiert hauptsächlich auf Viehzucht (Schafe, Ziegen, Yak) sowie Ackerbau (Anbau von Kartoffeln, Buchweizen, Gerste).
Die Agrarproduktion bringt oft nicht genug ein, um die Lebenshaltungskosten bäuerlicher Familien zu decken. Vor allem die Reisernten sind Schwankungen ausgesetzt. Die Tierbestände steigen zwar stetig, aber die damit einhergehende Überweidung schadet den sehr begrenzten Bodenflächen. Die hohen Nahrungsmittelpreise, Missernten und Naturkatastrophen verschärfen die schon extrem angespannte Lage
vieler Familien noch zusätzlich.
Der eingeschränkte Binnenmarkt, die geringe Kaufkraft der Bevölkerung, die starke indische Konkurrenz, das Fehlen der notwendigen Infrastruktur
, die unzureichende Elektrizitätsversorgung, sowie der fehlende Zugang zum Meer behindern die Entwicklung des industriellen Sektor Nepals.
Die wenig entwickelte Industrie des Landes
ist im Terai konzentriert. Die meisten Betriebe sind der Klein- und Hausindustrie zuzurechnen. Sie dienen der Verarbeitung von Erzeugnisse der Land- und Forstwirtschaft, die 80 % der Rohstoffe der verarbeitenden Industrie liefert. Die wichtigsten Industriezweige sind die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie, die Textil- und die Teppichindustrie, die Lederverarbeitungs- und die Kunststoffindustrie.
Die Bodenschätze
werden in den unzugänglichen Regionen des Himalaja vermutet. Glimmer, Kalkstein, Braun- und Steinkohle werden bereits abgebaut.
Nepal verfügt weder über Erdöl-, Erdgas- und Kohlelagerstätten, noch über nennenswerte Vorkommen anderer wichtiger Rohstoffe. Auf den Energiesektor richten sich aber wegen des auf bis zu 83.000 MW geschätzten Wasserkraft-Potentials
große Hoffnungen
. Von diesem geschätzt hohen Potential
werden heute erst 0,5 % zur Stromerzeugung
genutzt. Das größte Wasserkraftwerk des Landes, Kali Gandaki A (144 MW), begann 2002 mit der Stromproduktion. Die Gesamtkapazität der Kraftwerke in Nepal liegt derzeit bei rund 600 MW; der Bedarf steigt jährlich um etwa 50 MW.
Nur 16 % der Bevölkerung sind mit Strom versorgt
. Holz deckt als Energiequelle immer noch 74 % des Energiebedarfs ab.
Seit 2004 ist Nepal Mitglied
der Welthandelsorganisation (WTO). Wichtigste Handelspartner
Nepals für den Import sind Indien
, die Arabischen Emirate und China (eingeführt werden vor allem Erdölprodukte, elektrische Geräte, Maschinen- und Maschinenteile, Fahrzeuge und Fahrzeugteile, chemische Erzeugnisse und Nahrungsmittel) und Indien und die USA für den Export. Wichtige Ausfuhrgüter sind vor allem Teppiche sowie Bekleidung, Juteprodukte, Woll- und Lederwaren.
Der Tourismus im Kathmandu-Tal, im tropischen Regenwald des Terai und im Himalaja ist eine wichtige Deviseneinnahmequelle. Seit dem Friedensabkommen im Herbst 2006 hat sich der Tourismus
erstaunlich schnell erholt: Trotz angespannter politischer Lage wurde 2007 mit erstmalig mehr als 500.000 internationalen Touristenankünften ein Rekordjahr.
Der Dienstleistungssektor profitiert stark vom zunehmenden Fremdenverkehr. Die Anzahl der Reisenden, die 2009/10 mit dem Flugzeug Nepal besuchten, stieg im Vergleich zum Vorjahr um knapp 13%. Inwieweit sich diese Entwicklung vor dem Hintergrund der politischen Lage fortsetzen wird, bleibt jedoch abzuwarten. Die nepalesische Regierung hat sich zum Ziel gesetzt im „Nepal Tourism Year 2011“
eine Million Touristen nach Nepal zu holen.
Mehrere Millionen Nepali
arbeiten heute in Indien, in den Golfstaaten und in Südostasien. Ihre Überweisungen bilden neben dem Tourismus die wichtigsten Devisenquellen des Landes. Die weltweite Wirtschaftskrise
wirkt dadurch auf die Dörfer Nepals zurück, wenn die Arbeitsmigranten
zurückkehren müssen.
Schon seit 1952 bekommt Nepal kontinuierlich staatliche und private Hilfe in Form von Krediten, Zuschüssen und technischer Hilfe aus dem Ausland. Die instabile politische Lage der letzten Jahre, die häufig wechselnden Regierungskoalitionen, die ineffiziente Verwaltung sowie die verbreitete Korruption haben zu dem Mangel an Kontinuität und Koordination bei der Durchführung von Entwicklungsprogrammen
beigetragen: Trotz, im Vergleich zu anderen südasiatischen Staaten, hoher Pro-Kopf-Entwicklungshilfe bleibt Nepal eines der ärmsten Länder der Welt
.
Die nepalesische Regierung
legte dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank im Jahr 2003 ihre Armutsbekämpfungsstrategie
(PRSP) vor. Danach wurden mehrere Fortschrittsberichte (PRSP Progress Reports
) veröffentlicht. In die Armutsbekämpfungsstrategie
wurden die Millenniumsziele
für Nepal integriert. Es wird prognostiziert, dass Nepal vier der acht MDGs erreichen kann - und zwar jene Ziele
, die sich auf die Reduktion von Armut und Hunger, auf Geschlechtergerechtigkeit, die Eindämmung der Kindersterblichkeit und die Bekämpfung gefährlicher Krankheiten (Tuberkulose) beziehen.
Die Anzahl der nepalesischen NGOs
ist groß. Ihre Gesamtzahl wird auf ca. 70.000 geschätzt. Der Dachverband der NGOs (NGO Federation of Nepal
) hat etwa 4500 Mitglieder.
Zuwendungen aus der Entwicklungszusammenarbeit
trugen in vergangenen Jahrzehnten einen substantiellen Teil zum nepalesischen Staatsbudget bei. Auch heute ist Nepal weitgehend von ausländischer Hilfe abhängig.
Wichtige Akteure der internationalen EZ in Nepal sind Vereinte Nationen
, Asian Development Bank
(ADB
), Internationaler Währungsfond
, Europäische Union
und die Weltbank
. Auch zahlreiche internationale Nichtregierungsorganisationen
sind in Nepal tätig.
Die wichtigsten bilateralen Geber Nepals sind Japan
, Großbritannien
, USA
und Deutschland.
Die Schwerpunkte der Zusammenarbeit
liegen vor allem in den Bereichen: Gesundheitswesen, kommunale Selbstverwaltung und Zivilgesellschaft, sowie erneuerbare Energien (Solar-, Wasserkraft und Biogas) und Energieeffizienz. Zudem unterstützt Deutschland durch Beratungsleistungen und eine Beteiligung
am United Nations Nepal Peace Trust Fund den Friedensprozess im Land.
Neben Durchführungsorganisationen der staatlichen Entwicklungszusammenarbeit
- Entwicklungsbank der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW
), die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ
) GmbH - die, seit Januar 2011, die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ
), den Deutschen Entwicklungsdienst (DED
) und die Internationale Weiterbildung und Entwicklung gGmbH (InWEnt
) vereint, Centrum für internationale Migration und Entwicklung (CIM
) und die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR
) - sind auch zahlreiche Nichtregierungsorganisationen
vor Ort aktiv.
Die Friedrich-Ebert-Stiftung
ist mit einem eigenen Büro in Kathmandu vertreten. Andere politische Stiftungen (Rosa-Luxemburg-Stiftung
, Konrad-Adenauer-Stiftung
, Hanns-Seidel-Stiftung
) arbeiten mit Partnern aus Nepal im Rahmen ihrer regionalen Programme für Südasien zusammen.
Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Mai 2012 aktualisiert.
Lisa Melnikova
M.A., geb. 1982
ist Ethnologin und seit 2006 als Regionaltutorin für die Regionen Asien und Osteuropa bei der Akademie für Internationale Zusammenarbeit (AIZ) der GIZ GmbH tätig.
Ich freue mich auf Ihre Anregungen und Kommentare!
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