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Niger ist ein multi-ethnischer Staat mit einer Bevölkerungszahl von mittlerweile 15,3 Millionen Menschen, die ständig am Wachsen ist (3,7%). Jedoch leben im Niger weit weniger verschiedene Ethnien als in den anderen Ländern. Ein gemeinsames Nationalgefühl verbindet die Nigrer aber erst im fernen Ausland. Sind sie zur Arbeitsmigration in Nachbarländern, so bildet sich Zusammengehörigkeit auf der Ebene der ethnischen Zugehörigkeit oder allenfalls regional. Die regionalen Wirtschaftsarten der unterschiedlichen Ethnien gleichen sich, wodurch sich auch ähnliche Lebensweisen ergeben. Außerdem verbinden Scherzbeziehungen
nicht nur intra-, sondern auch interethnisch. Die ethnische Zusammensetzung gliedert sich wie folgt:
(53%)
(21%)
(10%)
/BeriBeri (4%)
(0,4%)
(0,2%)
Eine überragende Stellung als Verkehrs- und Handelssprache hat das Hausa
. Die Hausa sind traditionell Händler. Sie leben vor allem in den Großräumen der Städte Tahoua, Maradi und Zinder. Neben ihrer Muttersprache sprechen 75% der Nigrer Hausa, obwohl die offizielle Amtssprache Französisch ist. Der überweigende Teil der Bevölkerung ist multilingual, besonders bei den Nomaden ist es nicht ungewöhnlich, dass jemand 4 oder 5 Sprachen spricht. Jedes der oben angegebenen Völker hat seine eigene Sprache: Djerma/Songhai, Fulfulde, Tamasheq, Kanuri etc. Die neun Sprachen
des Niger sind höchst unterschiedlich. Einen Überblick bekommt man im Atlas
nigrischer Sprachen. Viele der Sprache werden weit über die Grenzen des Niger hinaus gesprochen, Hausa wird von ca. 120 Millionen Menschen gesprochen, Fulfulde
von etwa 25 Millionen, Tamasheq
von 1,2 Millionen. Die Sprachenkarte
Nigers weist aber auch auf die geographische Bedeutung der acht anderen Landessprachen hin.
Die Djerma/Songhai leben vor allem in der Region Niamey und der Region des Flusses Richtung Gao. Sie sind sowohl Feldbauern als auch halbnomadische Tierhalter, aber auch Handwerker. Die Tuareg mit ihrer eigenen Schrift, dem Tifinaqh
, leben im Sahara-, Sahelraum (Mali, Niger, Libyen, Algerien, Burkina Faso). Sie leben in der Regel als nomadische Tierhalter, aber Untergruppen betreiben auch Gartenbau im Air-Gebirge. Im Südlichen Raum leben die Fulbe und Fulbe Woodaabe als traditionelle Rinderhalter. Durch Staatsgrenzen wurden traditionelle Wanderwege zerschnitten – mittlerweile gibt es glücklicherweise wieder Abkommen zwischen den Staaten über die „Transhumance transfrontaliere“. Zölle behindern den Handel, LKW's konkurrieren mit dem Kamelkarawanenhandel. Die Dezentralisierung mit der Einrichtung der Gemeinden hat sich der Situation, wie mit den Gemeinde-Übertritten der Nomaden umgegangen werden soll, noch nicht ausreichend angenommen. Durch die Ausweitung der sesshaften Landwirtschaft in der halbtrockenen Sahel-Zone werden nomadische Gruppen in den letzten Jahrzehnten immer weiter nach Norden abgedrängt. Die etwa 100.000 Woodaabe Nomaden Nigers gehören der Völkerfamilie der Fulbe an, zu der in Westafrika mehr als neun Millionen Menschen zählen. Während ein Teil der Fulbe sesshaft wurde und schon vor der Kolonialzeit Staaten gründete, haben die Woodaabe und andere nomadische Fulbe an ihrer Lebensweise als Rindernomaden festgehalten. Der Lebensrhythmus dieser Menschen orientiert sich ganz an den Bedürfnissen ihrer Zebu – deren Bedürfnis nach Wasser und Weide. Die Tubu (Daza und Teda) leben als nomadisiernde Kleintierhalter in den östlichen Landesteilen und Richtung Tibestigebirge. Im Gegensatz zu den Tuareg haben sie eine egalitäre Gesellschaftsform und widerstanden allen Kolonialisierungsversuchen der Franzosen. Die Kanuri, oft mit den Haussa lebend, zumeist aber in den Oasen, sind spezialisiert auf die Salinenarbeit, die Dattelkultivierung und den Karawanenhandel. Araber und Mauren arbeiten und leben meist als (halb)nomadische Tierhalter.
Der Großteil der nigrischen Bevölkerung - 63%- lebt unterhalb der Armutsgrenze. Den Lebensunterhalt bestreiten sie mit Subsistenzwirtschaft – sowohl Tierhaltung als auch Feldbau – oder mit Tätigkeiten im informellen Sektor.
Arbeit in der Industrie, im Dienstleistungsgewerbe zu finden, gelingt nur wenigen, da diese Sektoren zudem nur schwach entwickelt sind.
Stadt-Land-Verhältnis und Migration
Menschen vom Land ziehen mit der Hoffnung auf bessere Lebensbedingungen und der Aussicht auf Arbeit in die Stadt. Die Urbanisierung
nimmt rapide zu – besonders in Krisenzeiten – und liegt mittlerweile bei 17%. Die Analphabetenquote
auf dem Land beträgt etwa 90%. Besonders verarmte Nomaden, die ihre Herden verloren haben oder die wenigen verbliebenen Tiere Verwandten überstellt haben, ziehen in die Stadt und versuchen ihr Glück als Nachtwächter. Viele Nigrer gehen auch in die Nachbarländer, sei es Nigeria, Libyen u.a. Ihre Rücküberweisungen an ihre Familien sind nicht unbedeutend.
Niger fungiert zudem als Transitland für Menschen aus den Küstenländern, die sich auf den Weg nach Europa gemacht haben.
Die Frauen machen einen Anteil von 52,4 % an der nigrischen Population aus. Auf der Ranking-Liste GID
(Gender, Institutions, and Development Index), bei dem es um den Index von Frauendiskriminierungen und Frauenrechte geht, liegt Niger bei den letzten zehn Ländern an 114ter Stelle. Die soziale Position von Frauen wird maßgeblich vom Ehestatus, vom Alter und von der Anzahl der Kinder (Söhne) bestimmt. Mittlerweile liegt die Geburtenrate bei 7,8 Kindern. Frauen sind aber die Stütze der Gesellschaft; durch ihre Aktivitäten im Bereich der Subsistenzsicherung halten gerade sie die Familien „über Wasser“. Die oberste Autorität ist der älteste Mann der Generation. Polygame Haushalte
in der Stadt sind vor allem bei den Haussa und Djerma verbreitet, aber auch auf dem Land haben Fulbe und Tuareg zunehmend mehrere Ehefrauen. Nach nigrischem Heiratsrecht hat die Frau im Falle einer Scheidung keinen Anspruch auf die Kinder nach deren 7. Lebensjahr. Die Frau verlässt niemals das Gehöft ohne die Erlaubnis des Ehemannes. Die weiblichen Pflichten
sind neben Erziehung der Kinder: Wasserholen, Beschaffung von Brennholz, Arbeit auf den Feldern, Melken der Tiere etc. Insofern haben die Frauen bei den nomadischen Ethnien traditionell eine größere Autonomie: die Frauen haben eigene Tiere, gehen auf den Markt, verkaufen ihre Milch und können den Erlös für sich verwenden. Junge Mädchen werden häufig gegen ihren Willen von ihren Eltern verheiratet. 62% der Mädchen zwischen 15-19 Jahren sind verheiratet, geschieden oder verwitwet. Frauen besitzen kaum öffentliche Ämter und Entscheidungspositionen.
Über die Schönheitsvorstellungen und die "Fettleibigkeit von Frauen" in einigen nigrischen Bevölkerungsgruppen (besonders bei arabischen Frauen) erzählt die Autorin Rebecca Popenoe in ihrem Buch "Feeding Desire" (2004). Ein großes Problem stellen die sogenannten Wöchnerinnen-Fisteln
dar. Es handelt sich um früh verheiratete Mädchen, die sehr früh schwanger werden, und bei denen bei der Entbindung die Harnblase verletzt wurde. Aus diesem Grund werden die jungen Mädchen häufig geschieden, verstoßen und leben abgegrenzt in Armut. Ein konkretes Beispiel ist der Fall der 16-jährigen Zainabou Baba
. In Niger kümmert sich die NRO "Santé de la reproduction pour une maternité sans risque" (SRMSR-DIMOL) um die hier genannten Fälle.
Die Verwandtschaft ist in Westafrika die elementare Form der sozialen Organisation. Die meisten Ethnien sind hierarchisch gegliedert (Ausnahme Tubu). Die Gliederung kann über
- Geschlecht
- Schicht/Kaste
- Beruf oder
- Alter
geschehen. Neben der Kaste der Noblen gibt es jene der Schmiede, Handwerker oder Griots. Jede Kaste hat spezifische Rechte und Pflichten.
Einen besonderen sozialen Status nehmen Griots
, Heilerinnen und traditionelle Hebammen ein. Das kleinsträumliche, sozio-ökonomische Einteilung ist das Gehöft, das sich aus mehreren Haushalten zusammensetzt. Nach wie vor gibt es Abhängige und Sklaven; die Zahl wird auf etwa 43 000 Personen geschätzt, wobei der Anteil der Frauen
größer ist als jener der Männer.
Die Bildungssituation im Niger ist sehr beunruhigend. Auf dem Land wird die Amtssprache Französisch von den SchülerInnen fast überhaupt nicht beherrscht. Offiziell besteht eine Schulpflicht von 10 Jahren und das staatliche Schulsystem ist kostenlos, aber häufig sind die Lehrer nicht sehr motiviert und fühlen sich in manchen Schulen auf dem Land „strafversetzt“. Das Schulsystem folgt dem Vorbild Frankreichs. Das Ausbildungssystem ist dreigliedrig: Grundschule, weiterführende Schule und Universität. Die Grundschule dauert 6 Jahre und schließt mit einem Diplom (C.E.P.E.). Eine Aufnahmeprüfung berechtigt zum Besuch der weiterführenden Schule (allgemeines Kollegium und technisches Kollegium und danach Lyceum). Der Baccalauréat (Abitur nach französischem Muster) berechtigt zum Universitätsstudium. Die durchschnittliche Schülerzahl je Klasse liegt oft bei 60, wobei auch Werte über 100 erreicht werden. Ein Hauptproblem v.a. im ländlichen Raum ist der notorische Lehrermangel. In den letzen Jahren eröffneten immer mehr private Schulen (Kindergarten, Primarschule, weiterführende Schule) ebenso wie private Ausbildungsinstitute und Universitäten. Besondere Bedeutung kommt den Missionsschulen zu, die sehr zuverlässig in ihrer Arbeit sind und sogar zum Großteil von muslimischen Kindern besucht werden.
Insgesamt sind die Grundschulen wenig effektiv, so dass weniger als 40 % der eingeschulten SchülerInnen die letzte Grundschulklasse erreicht. Bei den SchülerInnen ist zum großen Teil jedoch eine hohe Motivation vorhanden, die mittlerweile durch immer mehr Eltern gefördert wird. Auffällig ist dies gerade bei jenen ethnischen Gruppen, die bislang kaum an der Bildungsentwicklung teilhatten, den Nomaden. Die Einschulungsraten
sind ebenfalls tief, liegen aber immerhin bei fast 60 %.
Im Niger gibt es eine staatliche Universität (Abdou Moumouni
). Es fehlt immer noch an ausreichenden Studienmöglichkeiten. Informationen über die beiden anerkannten technischen Berufsschulen in Maradi und Niamey finden Sie bei der UNESCO
. In Say hat die Islamische Universität des Niger ihren Sitz. In den letzen Jahren sind private Bildungsinstitutionen dabei, sich zu etablieren.
Diese Zahlen beziehen sich jedoch auf die formale Bildung. Die religiöse Bildung an Koranschulen ist im Aufwind begriffen. Oft besuchen Kinder am Wochenende zusätzlich die Koranschulen. Eltern, die besorgt um ihre Mädchen sind und sie in erster Linie zu angepassten Hausfrauen und Müttern erziehen wollen, senden mit Vorliebe die Mädchen in Koranschulen. Über 50.000 Koranschulen
gibt es im Niger.
Die Gestaltung eines bilingualen Unterrichts, der den Kindern den Schuleinstieg erleichtern soll, wird von einigen Projekten gefördert, setzt aber das Vorhandensein geeigneten Lehrpersonals voraus.
Ein wichtiges Informations- und Weiterbildungsmedium sind die kommunalen Radiostationen. Internationale Organisationen wie SNV, AFRICARE und der DED unterstützen diese dezentralen Rundfunkanstalten in den lokalen Sprachen, um den Zugang zu Informationen auch für marginalisierte Bevölkerungsgruppen zu erleichtern.
Über den nigrischen Gesundheitssektor gibt die WHO
einen guten Überblick. Zur Gesundheitssituation von Kindern (im Grundschul- und Gesundheitsbereich) bietet die Internetseite von UNICEF
ausführliche Informationen.
Mit dem Spezialprogramm des Präsidenten, welches durch die Rücklagenbildung, die ausstand nach dem Schuldenerlass, finanziert wurde, wurden Gesundheitszentren erbaut, nur fehlt es an Personal und Ausstattung.
Der Niger gehört nach Angaben einer Nationalen Studie von 2002 mit 0,87% Seroprävalenz zu den Niedrigprävalenzländern. Das bedeutet, dass 0,87% der Bevölkerung zwischen 15 und 49 Jahren mit dem HI-Virus infiziert ist. Die Statistik von HIV/AIDS Infektionen
hängt allerdings von der Bereitschaft der Menschen ab, sich testen zu lassen, von der Möglichkeit des Gesundheitssystems, diese Testungen durch professionelle Strukturen durchführen zu lassen und diese auszuwerten, sowie infizierten Menschen Perspektiven anzubieten. Auf all diesen Ebenen gibt es in Niger erhebliche Mängel. Die Zahl der gemeldeten AIDS Fälle kann deshalb nicht als Indikator für die Ausbreitung der Pandemie gesehen werden. Fachleute, die in den Risikoregionen des Landes arbeiten, schätzen die Seroprävalenz vielmehr auf 5 bis 6%. Maßnahmen zur Verbesserung der Gesundheitssituation
sind im Niger zahlreich.
Genitalverstümmelung
im Niger wird vor allem von der nigrischen ONG CONIPRAT (das Nigrische Komitee gegen traditionelle Praktiken) bekämpft. Nach einer Erhebung sind 5% der jungen Mädchen (vor allem Songhai-Djerma) Opfer von Beschneidungen. Die Sensibilierungsmaßnahmen von CONIPRAT zielen darauf ab, Dorfchefs und Ehemänner über die gefährlichen Konsequenzen zu informieren, aber auch Beschneiderinnen neue Einkommensquellen zu verschaffen. Am 11. Juli 2003 nahmen die 53 Mitgliedstaaten der Afrikanischen Union
(AU) bei ihrem 2. Gipfeltreffen in Maputo ein Protokoll vor, welches vor allem für die Rechte von Frauen in Afrika als Regelwerk gelten soll. Das Maputo-Protokoll
soll Frauen vor jeder Form des Missbrauchs schützen. Als völkerrechtlicher Vertrag stellt das Protokoll einen wichtigen Bezugsrahmen auch in der Entwicklungszusammenarbeit dar.
Die kulturelle Identität der Bevölkerung Nigers liegt ganz klar auf der Ebene der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Ethnie. Zum Beispiel: selbst wenn ein Pullo (Singular von Fulbe) seine Muttersprache – das Fulfulde - nicht mehr sprechen kann und nur rudimentär versteht, in der Stadt groß geworden ist, nie ein Rind gehütet hat, so fühlt er sich ganz und gar als Mitglied dieser Ethnie. Er ist sozialisiert mit den Anforderungen dieser Kultur, mit den Tabus, Regeln und Pflichten. Und so definiert sich seine Zugehörigkeit. Zwar nehmen inter-ethnische Heiraten zu, aber dies wird von den „Alten“ nicht gutgeheißen, da das kulturelle Selbstverständnis anders sei. Allerdings gibt es Scherzbeziehungen zwischen verschiedenen Ethnien, die einen entspannten Umgang miteinander gewährleisten. Es sind manches mal Konfliktvermeidungs- und Regelungsmechanismen.
In ländlichen Gegenden sind die kulturellen Traditionen und Ausdrucksformen nach wie vor existent und werden gelebt. Eine besondere Bedeutung kommt hierbei den Griots zu, die Geschichte und Geschichten einer Person, einer Gruppe, einem Dorf etc. darbieten. Sie sind das kulturelle Gedächtnis, die Hauptbewahrer des oralen Wissens. Sie präsentieren ihre Gesänge aber auch zu ‚modernen’ Anlässen, binden aktuelle Themen mit ein und können als Außenseiter der Gesellschaft auch frei kritisieren.
Der Niger zeigt eine bunte Vielfalt traditioneller und moderner Kunst- und Handwerksschaffungen. In der Hauptstadt Niamey bietet sich das gesamte Spektrum nigrischer Handwerks- und Kunsthandwerksfertigkeiten. Schmiede
verarbeiten Bronze, Silber und Gold zu Schmuck, Tafelgeschirr und Tierfiguren. Aber auch die Lederverarbeitung (Schuhe, Kissen, Anhänger, CD-Dosen etc.) ist erwähnenswert. Flechtarbeiten
(Untersetzer, Matten) werden vor allem von den Frauen erstellt. Wunderschöne Stickarbeiten der Woodaabe, Steinarbeiten der Tuareg, Bandweberei und vieles mehr zeigt das Kaleidoskop. Im Nationalmuseum präsentieren sich die verschiedenen Handwerke. Niger nimmt regelmäßig an der internationalen Handwerksmesse SIAO
in Burkina Faso teil.
International bekannt sind die nigrischen FilmemacherInnen, wie Ramatou Keita "Aleesi une actrice africaine", Oumarou Ganda
"L'exilé", Moustapha Allasane, Inoussa Housseini etc. Der im Jahr 2004 verstorbene französische Ethnologe und Filmemacher Jean Rouch
hat sich seit den 50er Jahren für die nigrische Filmszene engagiert und regelmäßig mit nigrischen Filmemachern zusammengearbeitet. Jährlich im Februar finden in Niamey die "rétrospective du cinéma au Niger" statt.
Die bekanntesten nigrischen Autoren sind Boubou Hama
, Issa Ibrahim, Amadou Ousmane, Amadou Ide und der Dichter Hawad. Im Musikbereich sind vor allem folgende Gruppen international erfolgreich: Mamar Kassay
, Denke Denke, Abdalla Oumbadougou
, die Woodaabe-Tuareggruppe Etran Finatawa, die Rap-Band Was Was etc.
Bekannt ist auch der Begründer der nigrischen Modemesse FIMA
, der Modeschöpfer Alphadi
, der in sein Werk traditionelle Elemente nicht nur einbindet, sondern immer auf der Suche ist nach traditionellen Materialien, Gestaltungen etc., die er in seinen extravaganten Moden verarbeitet.
Die "La Cure Salée
" (Salzkur) – traditionelle Zusammenkunft von Nomaden in den Gebieten salzhaltiger Weiden - wird immer stärker zu einem Kulturevent, welches von Jahr zu Jahr mehr Touristen anzieht; ebenso wie die großen Versammlungen der Woodaabe nach der Regenzeit.
Kunst zeigt sich täglich in den verschiedenen Bauwerken der Lehmarchitektur. Wenngleich die Tradition der Scraffiti nicht so verbreitet ist wie in anderen Regionen Afrikas. Jeder Getreidespeicher ist ein Kunstwerk. Leider ist der größte seiner Art im Niger dem Regen anheim gefallen – er maß wohl ca. 20m im Durchmesser.
Der Islam ist die Hauptreligion im Niger, der 95 % der Bevölkerung angehören. Islamistische Bewegungen verbreiten sich auch im Niger. Der Islam geht einen gewissen Synkretismus mit traditionellen Religonen ein. Der Marabout beispielsweise versteht sich auf den Islam, aber er weiß auch viel von dem traditionellen Wissen um die Heilkunst. Moslem zu sein bedeutet, Mitglied der islamischen Gesellschaft "umma" und damit auch der nigrischen Gesellschaft zu sein. Der Islam bestimmt das Leben der Gesellschaft. Über die Praxis des Islam im Niger
gibt eine in Jahr 2006 durchgeführte Studie gute Auskunft. Wie in vielen anderen Glaubensvorstellungen glaubt man an übernatürliche Kräfte. Häufig sucht man seinen "Marabout" auf. In Form von Amuletten, Opferbringung und dem Trinken von Koranversen versucht man, sich gegen den "bösen Blick" zu schützen.
Der nigrische Islam ist als gemäßigt zu bezeichnen; islamistische Strömungen sind die Ausnahme und ganz verschleierte Frauen sieht man so gut wie nie.
Der Islam bestimmt bei vielen Menschen den Tagesrhythmus. Gebetet wird fünf Mal am Tag. Der Ramadan – das jährliche Fasten - wird von sehr vielen eingehalten und erstaunlicherweise auch von solchen Muslimen, die sonst eher unregelmäßig beten. Die größten Feste im Jahrelauf sind Ramadan und Tabaski, das Schafschlachtfest.
Dr. Antje Bartelsmeier, Pastoralistin aus dem Oberallgäu, ist Ethnologin und Dipl.-Ing. agr.
Seit 1993 in der Entwicklungszusammenarbeit tätig als Beraterin, Gutachterin und Wissenschaftlerin. Lehraufträge und Assistententätigkeiten an verschiedenen Institutionen.
Ich freue mich auf Ihre Anregungen, Kommentare, Kritik.