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durchschnittliche Lebenserwartung (in Jahren) 50,8 (2007)
Bevölkerungswachstum pro Jahr 3,9 % (2010)
Bruttoinlandsprodukt (pro Kopf, Kaufkraftparität) 10. 206 US-$ (2009)
unterhalb der Armutsgrenze lebender Bevölkerungsanteil 66 % (2002)
Analphabetenrate der über 15 Jährigen 71,3 % (2007)
Einschulungsrate 38 % (2007)
Sterberate der unter Fünfjährigen (Tote/1.000 Lebendgeburten) 167 (2006)
Anteil der unterernährten Kinder jünger als 5 Jahre 44% (2007)
Anteil der Bevölkerung ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser 58% (2007)
Geburtenrate 7,1 (2007)
HIV-Infektionsrate 0,8 % (2009 )
Niger liegt entsprechend den Indikatoren für menschliche Entwicklung (laut Human Development Report) auf Platz 186 von 187 Staaten vor der Demokratischen Republik Kongo. Alle folgenden Informationen sind entnommen dem Bericht für menschliche Entwicklung
und den Länderberichten des UNICEF
Der multidimensionale Armutsindex
des Niger liegt bei 0,642.
Anzumerken sind bei einigen dieser Durchschnittswerte die großen Unterschiede zwischen Stadt und Land, z.B. die Versorgung mit sauberem Wasser; Stadt: 91 %, Land 32 %. Das Jahr 2010 brachte wieder erhebliche Versorgungsengpässe, die grosse Niger-Überschwemmung vernichtete zudem etliche Felder in den Flussauen. Auch das Jahr 2012 lässt für einige Landesregionen, z.B. Ouallam, Tillaberi Ernährungskrisen erwarten.
Im Zuge des rapiden Bevölkerungsanstieges nimmt auch die Urbanisierung (2011: 17.2%) zu.
Weitere wertvolle Informationen finden Sie auf den Nigerseiten des Auswärtigen Amtes
, von Afrika auf einen Blick
sowie der BBC
. Es lohnt ebenfalls, einen Blick auf die Seiten der University of Pennsylvania
zu werfen.
Niger ist mit 1,27 Mio km² knapp viermal so groß wie die Bundesrepublik Deutschland (357000 km²). Bei einer Bevölkerungszahl von 15,3 Mio Menschen entspricht das 1,2 Menschen/km² (229 Menschen/km² Deutschland). Wie wenig vergleichbar diese Zahlen sind, sagt uns ein Blick auf das Satellitenbild
.
Die Landschaft Nigers ist zum größten Teil durch Wüste (ca. 60 %) und wüstenähnliche Oberfläche mit Grasbewuchs und Dornbüschen und Akazien (ca. 30 %) zu beschreiben. Der südliche Landesteil an der Grenze zu Nigeria und der Südwesten liegen in der Sudanzone und weisen bedingt durch die höheren Niederschläge auch dichtere Waldstriche auf.
Der Norden ist geprägt von Sand- und Steinwüste. Größere Erhebungen zeigt das Landesprofil mit dem Air Gebirge (Mont Bagzane 2022 m) und der Hochebene von Djado (gut 500 m und einzelnen Erhebungen bis 1000 m), die zum Tibesti-Gebirge überleitet. An die Ténéré-Sandwüste im Osten schließen sich die Wüstengebiete des 'Grand Erg de Bilma' an; kleinere Höhenzüge erheben sich aus der Weite der Wüste oder den Steppengebieten der Pastoral- und Agro-Pastoralzone.
Einige interessante Fotoserien bietet auch das nigrische Tourimusminsterium
.
Der Norden des Landes weist nur entlang der saisonal mit Wasser gefüllten Wadis Baum- und Strauch-Vegetation auf, davon viele Akaziengesträuche. In den Oasen der Wüsten und des Air gibt es neben Dum- und Dattelpalmen ausgedehnte kultivierte Gärten. In den höheren Regionen des Air kommen aus früheren humiden Klimaepochen noch wilde Ölbäume, Feigen und Zypressen vor. In der Pastoralzone dominieren ausgedehnte Grasbestände, die von verschiedenen Akazienarten und von Calotropis durchsetzt sind.
Das Mangaland im Südosten des Niger in der Gegend des Tschadsees zeigt Savannenvegetation. Der Pflanzenreichtum im Süden des Niger wird von Mahagoni-, Kapok- und Affenbrotbäumen bestimmt. Dichte Buschareale bedecken den Südwesten und die Region der Hauptstadt Niamey. Baobabs, die vermeintlichen Charakterbäume des Sahel, finden sich in größerer Zahl nur in den südlichen Landesteilen, im Norden fehlen sie leider fast völlig.
Die Wildtierwelt des Niger ist erheblich bedroht, da es kaum wirklich greifende Schutzmaßnahmen gibt. In den nördlichen Regionen leben Gazellen, Addax, aber auch Strauße. Es wurden kürzlich Wüsten-Geparden
in der nigrischen Termit-Wüste entdeckt. Östlich von Niamey gibt es ein Reservat für Giraffen, welches eine große touristische Attraktion darstellt. Diese Giraffenpopulation
ist Dank der Unterschutzstellung und Sensibilisierung der Bevölkerung im Wachsen begriffen. Gegenüber 50 Tieren im Jahre 1996 sind es im Jahre 2012 über 300 Tiere, die im Busch von Kouré leben. Einzelne Affenherden lassen sich aber auch in der Weidezone nordöstlich von Abalak finden, allerdings meist nur die Fußstapfen.
Aspekte der Bio-Diversität haben im dünn besiedelten Niger kaum Bedeutung, jedoch erliess die Regierung 2001 ein Jagdverbot für Löwen und Giraffen. Der Nationalpark W
, 150 km südöstlich von Niamey gelegen, ist eine gemeinsame Einrichtung mit den Staaten Benin und Burkina Faso. Der Verlauf des Flusses Niger beschreibt hier ein „W“ und gab so dem Park den Namen. Als einziges noch intaktes Ökosystem im Niger beherbergt er eine typische Savannenfauna mit über 70 tagaktiven Säugetieren. Viele Wildtiere sind hier noch – einzigartig für den westafrikanischen Raum – in freier Wildbahn zu sehen. Neben Elefanten sind Büffel, Geparden und Löwen zu sehen.
Der Niger ist gekennzeichnet durch trocken-heißes Klima, welches große Unterschiede der Tages- und Nachttemperatur – insbesondere im Norden – aufweist. In der Sahara fällt oft jahrelang kein Regen (weniger als 50 mm beträgt der Niederschlag im Jahresdurchschnitt). Tagsüber können die Temperaturen an die 50°C erreichen und nachts im Winter unter die Nullgradgrenze fallen. Im Süden ist das Klima in der Regenzeit feucht-heiß.
Es lassen sich drei Klima- und Vegetationszonen unterscheiden:
Die kühle Jahreszeit dauert von Dezember bis zum Februar; danach klettert die Temperatur rapide an, um im Mai den Höhepunkt von 46-48°C und mehr zu erreichen. In dieser Zeit fallen im Süden kurze Regen („pluie des mangues“), bis im Juni die Regenzeit beginnt. Sie dauert bis in den September. Interessante Karten finden sich im Atlas of Natural and Agronomic Resources of Niger and Benin
der Uni Hohenheim. Die aktuellen Klimawerte
machen die Abhängigkeit des Staates vom Wasser deutlich. Die erheblichen Differenzen der Niederschläge
in Quantität und Qualität zeigen deutlich, wie fragil die Landwirtschaft, insbesondere der Acker- und Feldbau, der als Regenfeldbau betrieben wird, im Niger ist.
Die Tierhaltung ist zwar ebenso betroffen, aber mit den Tieren besteht immerhin die Möglichkeit in Regionen von ausreichend Wasser und Weide zu ziehen – theoretisch zumindest, aber dorthin gehen auch andere Tierhalter.
In Folge von Starkniederschlägen kann es zu Überflutungen kommen, die die trockenen Regionen erheblich in Mitleidenschaft ziehen, beispielsweise Agadez
und Bilma
.
In erster Linie leidet die Bevölkerung des Niger jedoch unter Wassermangel, was immer wieder zu erheblichen Ernährungsdefiziten
und Hunger bei Mensch und Tier führt - so in den Jahren 2005 und 2010. Dies sind leider wiederkehrende Phänomene, wie die Geschichte ausweist, so auch in den Jahren 1972/73 oder 1984/85 und ebenso früher, wie die alten Menschen berichten. Es ist nicht allein die absolute Niederschlagsmenge, die das Problem darstellt, sondern die Intensität, Frequenz und Abstand und Zeitpunkt der niedergehenden Regenschauer. Bleibt beispielsweise der Regen in der Keimphase der Getreidekörner oder bei Ährenschieben, Ährenbildung und -reifung aus, so gibt es keine Ernteerträge. Nicht selten sind es aber auch wirtschaftliche Interessen, die zu mangelnder Verfügbarkeit von Getreide auf dem Markt führen. Somit können die Verkaufspreise in die Höhe getrieben werden.
Der Niger wird mit seinem raschen Bevölkerungswachstum und der geringen landwirtschaftlich nutzbaren Fläche zusehends vor große ökologische Probleme gestellt. Hinzu kommt die fortschreitende Wüstenbildung, die auch schon in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts als Problem erkannt wurde. Dass aber Panik nicht weiterhilft, sondern in kleinen Schritten agiert werden muß, kommt sehr deutlich in Toulmins Worten
zum Ausdruck.
Ein ganz anderes Problem, welches erst als gezielte Entwicklungsmassnahme zu Wiederbegrünung eingesetzt worden war, ist Prosopis
. Die überwuchert
nicht selten die Wadiufern und andere Regionen und bildet ein Dickicht. Die Holznutzungmöglichkeiten dieses Strauches hält sich leider auch in Grenzen.
Die Mare und Seen sind wichtige Wasserressourcen für Mensch und Tier. Leider werden sie unbedachter- und verbotenerweise teilweise eingezäunt, um Gärten und Felder am Rand anzulegen. Laut Code Pastoral muss aber den Tieren der Wasserzugang mittels breiter Korridore frei sein. An anderen offenen Gewässern wie hier dem Mare von Durum (in der Pastoralzone) oder dem See von Tabalak (Agropastoralzone) sind die Anlage von Gärten und das Tränken der Tiere gut möglich, da man einvernehmliche Regelungen einhält.
Niger hat große Probleme mit der Versorgung an festen Brennstoffen für die Bevölkerung. Der Holzverbrauch beträgt 300 kg/pro Person/Jahr, die Bäume werden weniger, die Bevölkerung steigt - da kommen Aufforstungsprojekte nicht nach. Die verbesserten Kochstellen (Fourneaux améliorés
), die den Holzbedarf bei der Nahrungszubereitung bis zu 75 % reduzieren, sind nicht ausreichend verbreitet.
Zunehmend wird – verbotenerweise- Weideland von Kleinhändlern abgemäht, die damit die peri-urbane Tierhaltung versorgen. Durch Diversifizierung von Einkommensquellen hat diese Tierhaltung – auch durch Förderung – erheblich zugenommen, ohne dass ausreichend bedacht worden wäre, dass und wie diese Tiere auch ernährt werden müssen. Da sieht man Karawanen von Karren oder Esel mit einer Last, dass sie selbst garnicht mehr zu sehen sind, die Straße entlangziehen und die Heuverkäufer am Straßenrand ihre Ware darbieten. Diese Heu ist vertrocknetes Gras, keines, welches grun gemäht wurde und dann trocknete. Von daher beschränkt sich der Nährwert eher auf den Rohfasergehalt, denn auf wertvolle Inhaltsstoffe. Die vertrocknete Ware erinnert uns eher an Stroh.
Nach den guten Niederschlägen im Sommer 2010 und der gut aufgewachsenen Weide musste aber trotzdem für die Region Agadez vor Buschfeuern
gewarnt werden. Diese können leichtfertig durch ungenügend gelöschte oder beaufsichtigte Herdfeuer oder achtlos fortgeworfene Zigarettenkippen entstehen. Starkwinde verbreitern diese Feuer rasch– sozusagen in Windeseile – es ist aber niemandem zu wünschen, dies mit eigenen Augen sehen und hilflos daneben stehen zu müssen. Mit einfachsten Mitteln – Äste oder Decken zum Feuer ausschlagen - wird versucht, die Feuer in den Griff zu bekommen – alle Menschen, die in kürzester Zeit mobilisiert werden können, helfen. An Feuerwehr ist oft kaum zu denken, da es sie nur in größeren Orten gibt, und ob es dann Wasser in ausreichender Menge zur Verfügung steht, ist die andere Frage.
Ressourcenschutzmaßnahmen greifen in einigen Regionen, können jedoch immer nur kleine Landstriche reaktivieren, so die Wiederansaat von Weide in der Pastoral- und Agro-Pastoral-Zone. Kleinere oder größere Dämme auf den Feldern dienen dazu das Wasser zurückzuhalten, der Wassererosion vorzubeugen und eine langsamere Versickerung im Boden zu gewährleisten. Das System der Halbmonde
wird sowohl bei Wiederaufforstungsmaßnahmen, als auch bei der Wiederansaat von Weideland benutzt. Die Halbmonde – kleine Aufwerfungen und dahinter kleine Rinnen – halten das Wasser zurück, damit es langsamer den Boden durchfeuchten und somit auch Wassererosion verhindern kann – der Wall dient außerdem als Schutz gegen Winderosion. Stolz zeigen Tierhalter die erfolgreiche Ansaat von Weide (Bild Mitte).
Erosionsschutzverbauungen
(Bild links), die zusehends Rückhalt bei der Bevölkerung haben, werden vielerorts mit „food for work“ Programmen durchgeführt. Hänge, die durch Abholzung der Wassererosion preisgegeben sind, verlieren all ihren fruchtbaren Boden. Mit Steinverbauungen, als kleine Staumäuerchen oder entlang der Hanglinien, kann der Abtrag der wertvollen Erde gestoppt werden. So können sie wieder begrünt werden mit Gras, Büschen oder Bäumen und der Nutzung wieder zurückgeführt werden. In der Ebene dienen Mäuerchen der langsameren Infiltrierung des Regenwassers in den Boden und wirken der Wassererosion entgegen, die die Ackerkrume mit sich reisst.
Desertifikation ist ein großes ökologisches Problem im Niger. Durch voranschreitende Wüstenbildung werden die fragilen Gebiete stark betroffen. Jedoch ist nicht die - oft in den Vordergrund gestellte- Überweidung das alleinige Problem. Es handelt sich vielmehr um einen komplexen Vorgang, den verschiedene Faktoren beeinflussen: Bevölkerungswachstum; Abnahme der Bodenfruchtbarkeit der Felder, kürzere Brachzeiten, Übernutzung der Felder und somit Neuanlage von Feldern in der Agro-Pastoralzone und der Pastoralzone. Dies wird von Menschen, die aus der stark bevölkerten Agrarzone kommen, noch gefördert. Dort werden die Felder oft zu klein und bringen zu wenig Ertrag für die wachsenden Familien. Mitglieder versuchen, in anderen Regionen ihr Glück zu machen. Eine relative Zunahme der Tierherden und Tiere - nicht selten provoziert durch veränderte Besizverhältnisse nach starken Tierverlusten der traditionellen Tierhalter, verändern bedauerlicherweise auch die Verantwortlichkeiten gegenüber der Natur; Änderung der Zusammensetzung der Herden – mehr Kleintiere, die ein anderes Weideverhalten aufweisen als Rinder; kleinräumigere Wanderung der Herden; zunehmende Sesshaftwerdung und –machung von nomadischen Tierhaltern; Zunahme des Holzverbrauches; Zunahme der Wassernachfrage (verbesserter Zugang zu Wasser erhöht die Nachfrage nach Wasser), Sinken des Grundwasserspiegels. Die Abgabe neuer Uranschürfrechte und Aufbau neuer Minen und der daraus entstehende erhöhte Wasserbedarf wird den Grundwasserspiegel in jenen Weide-Regionen in kürzester Zeit erheblich absenken und letztlich zum Trockenfallen der Brunnen führen. Zunahme des Holzverbrauches. Die Zunahme von Marktfruchtanbau in Monokultur und Abnahme polykultureller Subsistenzwirtschaft, die den Feldern für einen Gutteil des Jahres eine Schattengare bot, tun ihr Übriges. Die Indikatoren
der fortschreitenden Wüstenbildung sind vielfältig. In den Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit ist das Thema in verschiedenen Bereichen, besonders beim Ressourcenschutz und der ländlichen Entwicklung verankert. 2006 war das internationale Jahr der Wüsten und Desertifikation
.
Der Uranabbau
, welcher zumeist im Tagebau betrieben wird, ist auch als ökologisches Problem nicht zu vernachlässigen. Vorhersagen der Wissenschaftler gehen davon aus, dass in 40 Jahren die Brunnen im Ighazar, Weideregion nördlich von Ingall– zukünftig große Abbauregion für Uran – trocken gefallen sein werden. Hinzu kommt der Uranstaub, der allenthalben in der Luft schwebt in jenen Regionen.
Ein anders geartetes ökologisches Problem, welches seit alters her bekannt ist, ist die sporadisch auftretende Heuschreckenplage, die nahezu unbekämpfbar ist. Innerhalb weniger Stunden vernichtet ein Schwarm Heuschrecken ganze Felder und Weideflächen. Nach den geringen Niederschlägen im Jahr 2004 und somit geringer Ernteperspektiven und wenig Weideaufwuchs, provozierte diese Plage nochmals eine Verschärfung der Situation.
Die Population Nigers hat die 15 Millionen überschritten (CIA factbooks von July 2009 gibt 15,3 Millionen Einwohner an), die Zahlen des statistischen Institutes des Niger (Institut National de la Statistique
) weisen noch Werte aus dem Jahr 2008 aus.
Das enorme Bevölkerungswachstum von 3,7% pro Jahr muss im Verhältnis zur nutzbaren Landesfläche des Niger gesehen werden. Mit 1,267 Mio km² ist Niger ein Flächenstaat, der etwa dreieinhalb so groß ist wie Deutschland, jedoch nur über eine geringe landwirtschaftlich nutzbare Fläche verfügt. Mehr als 4/5 des Landes sind von Wüsten und wüstenähnlichen Landschaften bedeckt. Nur etwa 3% der Landesfläche können mit Acker- bzw. Feldbau genutzt werden. Gut 10% stehen der extensiven Tierhaltung – in erster Linie mobile Tierhaltung – zur Verfügung, die die angepassteste Bewirtschaftungs- und Nutzungsform jener Steppenlandschaften der semi-ariden Räume jenseits der agronomischen Trockengrenze (200 mm Niederschlag) ist. Diese Regionen sind dünn besiedelt, was aus den natürlichen Gegebenheiten zu verstehen ist. Ein Großteil der Bevölkerung lebt im fruchtbaren Streifen entlang der Grenze zu Nigeria bzw. im Südwesten entlang des Flusses Niger. Aus der Agrarzone drückt die Population, die nicht in die Städte zieht, aufgrund des hohen demographischen Drucks und der abnehmenden Fruchtbarkeit der Felder, zusehends in die Agropastoralzone und die Pastoralzone. Dort nehmen die Felder zu, in Gunstjahren kann ein Ertrag auf diesen Feldern (jenseits der 200 mm Niederschlagsgrenze) erzeugt werden, aber in Trockenjahren gibt es keine Erträge und das Weideland ist durch die Anlage von Feldern zerstört - so bleibt im Endeffekt Verwüstung.
Die regionale demographische Verteilung und deren Entwicklung
bestätigt die zunehmende Urbanisierung.
Mit etwa 1 Mio Einwohner ist Niamey noch eine relativ kleine Hauptstadt. Erst ab 1927 als die französischen Kolonialisten ihren Regierungssitz von Zinder nach Niamey verlegten, fing die Stadt an sich zu entwickeln. Die Franzosen wollten einerseits die Djerma-Songhai stärken, andererseits aber auch eine bessere Anbindung zu den Kolonien Dahomey, Obervolta und Mali haben. Niamey liegt im soziogeografischen Siedlungsgebiet der Djerma. Seit den 30er Jahren entwickelte sich aus dem Dörfchen am Fluß schnell eine Stadt. Es wuchsen Dörfer zusammen, deren Existenz anhand der Stadtteilnamen noch lokalisiert werden kann: Gamkallé, Yantala, Maourey, Gandatchi u.a.. Aufgrund der Dürrekatastrophen in den 70er und 80er Jahren, die viele Menschen in die Stadt zog, hat Niamey einen enormen Bevölkerungszuwachs erfahren. Die Urbanisierung
hat zwar später als in den Nachbarländern eingesetzt, nimmt aber ständig zu (2011: 6,6% Zuwachsrate). Die Landflucht bedingt einen großen Ring an Lehmbauquartieren in denen die zugezogene und ärmere Bevölkerung lebt, dazwischen sieht man immer wieder grosse Villen. Diesem Zuzug hat der Ausbau der Versorgungs- und Hygieneeinrichtungen nicht Schritt halten können. Den Stadtkern Niameys bildet das ehemalige Dorf Gaoué. Neben modernen Gebäuden und einigen wenigen Hochhäusern finden sich noch Häuser aus der Kolonialzeit.
Sehenswert ist das National Museum
in dem Modellhäuser und -zelte der verschiedenen Ethnien des Landes aufgebaut sind. Handwerker präsentieren ihre Kunst. Der "arbre du téneré" (der 1973 von einem Lastwagenfahrer umgefahren wurde) ist zu sehen in einem der Themenpavillons, ein beeindruckender Schädel eines Kouri-Rindes mit seinen Amphibienhörnern, prähistorische Kulturgüter und vieles mehr. Angeschlossen ist ein Zoo, in dem die Haltung der Tiere zumeist aber nicht unseren Vorstellungen von artgerecht und tiergemäß entspricht. Restaurationen laden zum Verweilen ein.
Die verschiedenen Märkte der Stadt laden nicht nur zu einem Bummel ein, sondern auch zum Einkaufen und sich inspirieren lassen. Den "Petit Marché" kann man durchaus allein begehen, beim "Grand Marché" und Handwerkermarkt von Katako sollte man jemanden dabei haben der sich auskennt und einen aus dem Gewirr an Gängen wieder sicher nach draußen geleitet.
Am Abend Brochetten (Fleischspieße) auf einer Terrasse über dem Niger zu genießen und den Sonnenuntergang zu genießen - davon spricht jeder noch Jahre später.
Der Fluss Niger, der die Hauptstadt Niamey in „rive gauche“ und „rive droite“ teilt, vermittelt der Stadt einen besonderen Charme und ist Lebensader des Staates Niger. Dieser längste Fluss Westafrikas wird mittels eines Reiseberichtes bei Weltreporter
in seinen Stimmungen sehr anschaulich beschrieben und es gibt immer wieder Fernsehreportagen, die die Faszination der Reise auf dem Niger dokumentieren.
Über die alte Nigerbrücke gelangt man in das Quartier Harobanda und gleich darauf zur Universität und gegenüber sieht man die zwei grossen Wassertürme.
Die neue Nigerbrücke, die im März 2011 eingeweiht wurde, soll den Verkehr zwar entlasten, da jedoch die Zufahrtsstrassen zum Teil noch keine Asphaltdecke haben, ziehen die meisten Fahrzeughalter die alte Brücke vor.
Durch den Uran-Boom in den 70/80er Jahren wurden zwar einige Hochhäuser gebaut und es kommen auch jährlich welche hinzu, aber aus der Vogelperspektive gesehen vermittelt Niamey eher den Eindruck einer grünen Stadt mit einstöckigen Häusern.
Die Hauptverkehrsadern des Niger verlaufen in West-Ost-Richtung im Süden des Staates von Niamey über Maradi, Zinder Richtung Diffa und Tschadsee. Wenn die Straße nur noch Sandpiste ist, wie hier auf dem Weg nach Diffa, bleiben manches Mal die Busse stecken und es kommt zu zeitlich unabsehbaren Zwangspausen. In nordöstlicher Richtung führt die wichtige Straße über Tahoua und Abalak nach Agadez und ins Air Gebirge bzw. nach Arlit zur Uranstadt. Der Großteil dieser Straßen ist asphaltiert, verfällt jedoch schnell wieder. Erhebliches Lastwagenaufkommen, häufige Überladung der Fahrzeuge und schlechter Unterhalt der Straßen, aber auch schlechtes Material, lassen die Straßen alsbald nach der Reparatur wieder in einen schlechten Zustand mit vielen Schlaglöchern verfallen, so dass die Chauffeure besonders von Abalak Richtung Agadez stets neue Wege neben der Straße schaffen. Weitere Verbindungsstraßen führen gen Mali am Niger entlang. Diese Straßen sind vielbefahren, nicht nur von Lastwagen, sondern auch von vielen Kleinbussen der Privatunternehmer, die ihre Kunden zwar zu günstigeren Tarifen, aber erhöhtem Risiko in die verschiedenen Landesregionen bringen. Weitere Verbindungsstraßen führen gen Mali über Ayourou am Niger entlang. Nach Westen Richtung Tera und Burkina Faso (Dori) muss man vor Gotheye mittels der Fähre über Niger setzen.
Der Bootverkehr auf dem Niger dient den Einheimischen zum Übersetzen von einem Ufer ans andere und natürlich den Fischern, aber auch den Touristen die etwas mehr Zeit mitbringen.
Diese Straße in westliche Richtung ist in gutem Zustand, sie wird auch von wesentlich weniger Lastwagen frequentiert. Die Busunternehmen haben in den letzten Jahren geboomt. So fahren Richtung Norden mittlerweile fünf Gesellschaften. Dass Pannen nicht ausbleiben, wenn der Sand die Oberhand gewinnt oder die Straße davongespült wird, ist nicht ungewöhnlich.
Neben dem bedeutensten Flughafen Nigers, benannt nach dem ersten Präsidenten Diori Hamani gibt es noch weitere Flughäfen
, von denen aber nur Agadez, Arlit, Tahoua, Zinder und Maradi auch von größeren Maschinen angeflogen werden können. Der Mano Dayak Flughafen von Agadez dient als Startpunkt touristischer Reisen in den Norden des Landes.
Am 1. Dezember 1962 wurde das Landeswappen
durch Dekret angenommen.
In der Mitte des weißen Wappenschildes ist das Staatssiegel angeordnet. Auf dem Schild sind vier Symbole in Gold: in der Mitte eine Sonne (Staatsiegel), rechts einen vertikalen Speer mit zwei gekreuzten Tuareg-Schwertern, links drei gekreuzte Hirsekolben und unterhalb einen Zebu-Kopf in Frontalansicht zu sehen.
Der Wappenschild liegt auf 4 schräggestellten Flaggen in den Nationalfarben orange, weiß und grün. Darunter steht der Staatsname auf Französisch: „REPUBLIQUE DU NIGER“ (Republik Niger)
Die Symbole der Farben sind wie folgt zu lesen:
im Norden des Landes.
durchflossen werden.Der Speer symbolisiert die Gruppen mit dunkler Hautfarbe, die Sahel
-Bewohner und die Hausa
. Das Schwert steht für die Gruppen mit heller Hautfarbe, die Sahara-Bewohner. Die Waffen sollen aber auch an die Reiche der Vergangenheit erinnern. Die drei Hirsekolben weisen auf den Ackerbau hin. Der Rinderkopf steht für die bedeutende Tierhaltung und die Nomaden.
Der Text der Nationalhymne
stammt von Maurice Albert Thiriet, die Musik von Robert Jacquet (1896-1976) und Nicolas Abel François Frionnet (1911-?).
Französischer Text
Auprès du grand Niger puissant
Qui rend la nature plus belle,
Soyons fiers et reconnaissants
De notre liberté nouvelle!
Evitons les vaines querelles
Afin d'épargner notre sang,
Et que les glorieux accents
De notre race soit sans tutelle!
S'élève dans un même élan
Jusqu'à ce ciel éblouissant,
Où veille son âme éternelle
Qui fera le pays plus grand!
REFRAIN:
Debout! Niger! Debout!
Que notre oeuvre féconde
Rajeunisse le coeur de ce vieux continent!
Et que ce chant s'entende
Aux quatre coins du monde
Comme le cri d'un peuple équitable et vaillant!
Debout! Niger! Debout!
Sur le sol et sur l'onde,
Au son des tam-tams
Dans leur rythme grandissant,
Restons unis toujours,
Et que chacun réponde
A ce noble avenir
Qui nous dit: - En avant!
Dr. Antje Bartelsmeier, Pastoralistin aus dem Oberallgäu, ist Ethnologin und Dipl.-Ing. agr.
Seit 1993 in der Entwicklungszusammenarbeit tätig als Beraterin, Gutachterin und Wissenschaftlerin. Lehraufträge und Assistententätigkeiten an verschiedenen Institutionen.
Ich freue mich auf Ihre Anregungen, Kommentare, Kritik.
Weiterführende Literatur zu den Themen:
Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im März 2012 aktualisiert.
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Weitere Informationen finden Sie unter E-Academy GIZ.