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Rinderherde, Foto: Yvonne Karrer

Wirtschaft und Entwicklung

BeschreibungInhalt
geschätztes BIP: 10.206 US-$
Pro Kopf Einkommen (Kaufkraftparität): 5.261 US-$
Rang der menschlichen Entwicklung (HDI): 182 (von 182)
Anteil Armut (unter 2  $ pro Tag): 63%
Einkommensverteilung (Gini-Koeffizient): 43,9
Anteil alphabetisierte Erwachsene: 28,7 %

Niger

Landesflagge Niger

Wirtschaft

 

 

Wirtschaftssystem und seine Strukturen

Niger ist ein Agrarstaat und drittgrößter Uran-Exporteur der Welt. Die landwirtschaftliche Nutzfläche des Niger beträgt ca. 15 %, von denen nur 3 % für den Pflanzenbau nutzbar sind. 12 % sind Weide- und Buschland, die restlichen 85 % sind Wüsten und wüstenähnliche Gebiete. Die Landwirtschaft, (mobile) Tierhaltung und Acker- bzw Feldbau sind in höchstem Maße von den Umweltbedingungen und dem Klima abhängig. Dies ist in erster Linie der Niederschlag, aber auch andere Faktoren, wie z.B. Heuschreckeneinfälle, beeinflussen die landwirtschaftliche Produktion und Produktivität. Das Einkommen der Landbevölkerung – etwa 85 % der Bevölkerung – kann somit äußerst variabel sein. Denn Quantität und Qualität des Niederschlags und die Abstände zwischen den Regenschauern sind ausschlaggebend für den Weideaufwuchs und die Entwicklung der Feldfrüchte. Somit ist schon nach einer Regenzeit absehbar, wie die Situation in der kommenden Trockenzeit (zwischen Februar und Juni/Juli) aussehen wird. Die Menschen Nigers leben zwar im täglichen Angesicht der diffizilen natürlichen Umstände, aber anthropogene Faktoren haben zu einer Verschärfung der Situation geführt. Die Bevölkerung wächst, der nutzbare Boden wird absolut –wegen abnehmender Fruchtbarkeit – und relativ wegen der zunehmenden Population geringer.

Nördlich der agronomischen Trockengrenze (200 mm Jahresniederschlag - etwa 30- 50 km nördlich von Tahoua) in der Pastoralzone herrscht extensive mobile Tierhaltung vor. Der Export von Tieren und tierischen Produkten in die Nachbarländer (Nigeria, Libyen, Algerien) ist für die Bevölkerung die wichtigste Form des Exports (drittwichtigstes Exportgut mit 12,4 %). Die südlichen Landesteile – entlang des Niger und der Grenze zu Nigeria sind Agrarzone. Dort gibt es auch einigen Bewässerungsfeldbau. Neben Subsistenzfeldern werden Marktfrüchte für den Verkauf angebaut. Zur Diversifizierung halten etliche Bauern auch Tiere, aber in geringer Intensität. Zwischen diesen beiden Zonen liegt die Agro-Pastoralzone.

Der Markt ist – je nach Jahreszeit - bunter und vielfältiger Umschlag- und Austauschplatz der Waren von den kleinen Feldern und Parzellen, aber auch große Quantitäten an Getreide werden hier umgeschlagen und viel andere Waren wie Canaries, Kalebassen und anderes Handwerk, aber auch traditionelle Medikamente. Er ist auch Ort der Zusammenkunft von Verwandten und Freunden und interessante Informationsbörse. Das Aufkommen auf dem Markt gibt immer auch ein gutes Barometer der nationalen, regionalen und lokalen Wirtschaftssituation.

Viele Bauern- und Tierhalterfamilien betreiben nebenher (Kunst-) Handwerk aus Tradition, zur Herstellung von Produkten, die sie für ihre Wirtschaft brauchen oder auch zur Einkommensdiversifizierung, welches heute der überwiegende Grund ist. Daneben gibt es aber auch reine Handwerker. Der Handwerkssektor reicht von Ton-, Schmied-, Flecht- und Lederarbeiten zu Steinbearbeitung und Weberei, um nur einige Beispiele zu nennen. Ein Großteil der Menschen, die in die Städte gezogen sind, versucht im informellen Sektor ein Einkommen zu erwirtschaften.

In Bergbau und Industrie, die wenig ausgebaut sind, finden nur wenige Menschen ihr Auskommen.

Der Dienstleistungssektor ist in erster Linie durch den Tourismus geprägt, jedoch gibt es auch viele Menschen, die sich als Hausangestellte – nicht selten im Kindesalter - und Wächter verdingen.

in der agropastoralen Zone sind die Märkte besonders vielseitig und sehenswert
Foto: Yvonne Karrer
© mit freundlicher Erlaubnis von Jacques Chabbert, LUCOP Niger)

 

 

Landwirtschaft

Lebendtiere und Tierprodukte stehen an dritter Stelle der Exportprodukte des Niger – das ist nicht unbedeutend. Und bei 12 % landwirtschaftlicher Nutzfläche, die nachhaltig nur mit mobiler Tierhaltung genutzt werden kann, ein nicht zu unterschätzendes Potential.

Nach einem sehr guten Erntejahr 2003 fiel die Ernte 2004 wegen geringerem Niederschlag und schlechten Verteilungsintervallen und einer HeuschreckenplageÖffnet externen Link in neuem Fenster im Sahel deutlich hinter die Vorjahre zurück – in einigen Regionen wurden 50-100 % der Ernte vernichtetÖffnet externen Link in neuem Fenster. Und für das Jahr 2010 war in 2009 abzusehen, dass viele Menschen und Tiere würden hungernÖffnet externen Link in neuem Fenster müssen. Es wurde von den UN- und anderen Organisationen zu SpendenÖffnet externen Link in neuem Fenster aufgerufen. Nachbarländer wie Benin schickten dem Niger Getreide, welches im Fall von Benin das Land später selbst benötigt hätte, da ein Großteil des Landes mit der ungewöhnlich reichlichen Regenzeit unter Wasser stand.

Der Großteil der nigrischen Bevölkerung, der auf dem Lande lebt, betreibt Subsistenzlandwirtschaft als Feld- bzw. Ackerbau und/oder (mobile) Tierhaltung. Die landwirtschaftliche ProduktionÖffnet externen Link in neuem Fenster trägt ca. 40% zum Bruttosozialprodukt bei. Die Pflanzenproduktion wird im Niger in erster Linie in Form von Regenfeldbau betrieben. Dies gilt sowohl für die Subsistenzfrüchte Getreide, Hirse, Sorghum, Mais, Bohnen u.a. als auch für die cash crops z.B. Erdnüsse und Baumwolle. Hinzu kommen einige wenige Flächen mit Bewässerungsfeldbau, insbesondere zur Reisproduktion. Die Agro-Pastoralzone ist gekennzeichnet durch das Vorkommen der verschiedenen landwirtschaftlichen Wirtschaftsformen. Auf den Märkten ist somit ein buntes Aufkommen der verschiedenen Bevölkerungsgruppen zu sehen und Produkte zu sehen. Die Produktivität der Gärten des Air-Gebirges und anderer Oasen ist bemerkenswert.

abgeerntetes Feld

Azawak in Toukounous
Fotos: Antje Bartelsmeier
Tierhalterfest Race Azawak

(Mobile) Tierhaltung

Der Großteil der landwirtschaftlichen Nutzfläche des Niger ist extensives Weideland. Mobile Tierhaltung ist die angepassteste und ökologisch und auch ökonomisch günstigste Wirtschaftsweise, die zugleich auch Lebens- und Kulturweise der dort lebenden Ethnien, insbesondere Tuareg und Fulbe, aber auch einiger Araber, ist. Die an die jahreszeitlichen Wasser- und Weideverhältnisse angepassten Wanderungen der nomadischen Tierhalter lässt eine flexible Nutzung der Gegebenheiten zu. Die Wanderungen geschehen meist in nord-südliche Richtung, jedoch nicht ausschließlich. Es sind Fulbe bzw Fulbe Woodaabe, die mit ihren Rindern, Ziegen und Schafen, aber auch Kamelen und Tuareg mit ihren Kamelen, Ziegen, Schafen, aber auch Rindern durch die Pastoralzone oder gen Süden ziehen. Meist werden für die Südwanderungen alte Routen (Pistes de Transhumance) genutzt und es bestehen tradierte Kontakte zu den sesshaften Bauern, oft durch ‚Düngeverträge’ gefestigt, die zu beiderseitigem Nutzen sind.

Der Staat versucht mit seinen Zuchtranchen, besonders ToukounousÖffnet externen Link in neuem Fenster die Kapazität der nigrischen Rinderzucht zu verbessern. Insbesonders die „Race Azawak“ wird dort gezüchtet. Als besondere Ereignisse zur Präsentation der Zuchterfolge werden Tierhalterfest abgehalten.

Die zweite Hauptrasse ist die „Race Bororo’ mit ihren großen lyraförmigen Hörnern; die interessanteste Rasse ist wohl das Kouri Rind aus dem Tchadseegebiet mit seinen Amphibienhörnern (in der Vitrine noch mächtiger als auf dem Photo). Neben Rindern sind Ziegen und Schafe, aber auch Dromedare die wichtigen Tierarten. Der Transport der lebenden Tiere entspricht jedoch oft nicht unseren Vorstellungen von Tierschutz (wie unten zu sehen), jedoch ist die Beförderung von Menschen oft auch alles andere als bequem und sicher. Geschätzt werden im In- und Ausland Spezialitäten aus nigrischem Rindfleisch – wie hier Clichie, das getrocknete Rindfleisch.

Kouri Rind

Hörner im Musée National
Fotos Antje Bartelsmeier
Schaf- und Ziegentransport
Foto: Yvonne Karrer
Trockenfleisch

Zunehmend halten auch Bauern Tiere zur Risikostreuung und Verwertung der Ernterückstände. Das bringt Schwierigkeiten für die durchziehenden Herden. Große Tierherden in der Pastoralzone gehören mittlerweile großen Händlern und Politikern. Oft müssen sich ehemalige Tierhalter, die jetzt verarmt sind, als Hirten verdingen und kommen in große Abhängigkeiten – es entstehen sklavenähnliche Verhältnisse. Diese (modernen) Tierhalter gehen leider auch wenig nachhaltig mit den Weideflächen um. Beispielsweise werden in der Trockenzeit bereitwillig Strafen gezahlt, wenn die Tiere auf staatlich ausgewiesene Weideflächen getrieben werden.

Angemerkt werden muss, dass sich nicht nur die Anzahl der Herden vergrößert hat, vor allem aber deren Zusammensetzung. Und dort liegt ein großes Problem: denn Rinder haben eine schonendere Weidetechnik als Ziegen, die die Grasnarbe erheblich schädigen können, wenn sie zu lange auf einer Fläche verweilen.

Tierhygienische Programme verlaufen zumeist im Schatten des allgemeinen Interesses, haben aber sehr große wirtschaftliche Bedeutung hinsichtlich des Anteils von Tieren und Tierprodukten am Export und auch bezüglich der menschlichen Gesundheit (Zoo-Anthroponoosen, d.h. Krankheiten, die vom Menschen auf das Tier und umgekehrt übertragen werden können, z.B. Tuberkulose, Brucellose).

Ackerbau/Feldbau

Nördlich der agronomischen Trockengrenze (= 200 mm Isohyte, das heißt maximal 50 km nördlich von Tahoua) ist Feldbau nicht mehr möglich, wird aber trotzdem unter höchstem Risiko durchgeführt. In den südlichen Regionen (entlang der Grenze zu Nigeria) können jedoch bis zu 900 mm Regen fallen. In diesen Regionen werden neben Getreide und Gemüse (für die Subsistenzsicherung) Sorghum, Hirse, Mais, Bohnen u.a. auch Marktfrüchte (cash crops), insbesondere Erdnüsse, aber auch Zwiebeln für die Vermarktung angebaut. Durch das hohe Bevölkerungswachstum, besonders in den südlichen Landesteilen, und eine oft wenig nachhaltige und die Bodenfruchtbarkeit konservierende Bewirtschaftungsweise, wird die pflanzenbaulich nutzbare Landwirtschaftsfläche relativ geringer. Zu spät wurde eine traditionelle Polykultur gefördert, die durch verschiedene Aussaattermine, Entwicklungsstadien und Art des Pflanzenwuchses den Boden beschatten und somit eine Schattengare gewährleisten. Dies ist in trockenen, sonnigen Regionen ein erheblicher Vorteil für Boden und Pflanzen. Außerdem sind durch den länger bestehenden Pflanzenbewuchs die Flächen weniger kurze Zeit Wind- und Wassererosion preisgegeben. Zudem halten zusehends Bauern auch eigene Tiere und verwerten die Ernterückstände für die eigenen Tiere oder verkaufen sie für die stark zugenommene periurbane Tierhaltung. Es kommt immer häufiger zu KonfliktenÖffnet externen Link in neuem Fenster zwischen sesshaften Ackerbauern und mobilen Tierhaltern. Alte Transhumanzwege – auch über die Grenzen wurden mittlerweile offiziell ausgewiesenÖffnet externen Link in neuem Fenster. Der Subsistenzfeldbau wird meist in Handarbeit mit einfachen Haken betrieben. Dass sich ein Bauer die Nutzung eines Pferdes zum Pflügen abgeschaut hat und so mechanisierten Ackerbau betreibt, ist eher ein seltenes Bild – besonders in den nördlichen Regionen.

Hirsefeld nach der Regenzeit
Foto: Antje Bartelsmeier
Pflügen mit Pferd
Foto: Yvonne Karrer

Bewässerungsfeldbau

Die Fläche des bewässerten Landbaus im Niger ist noch äußerst gering. Diverse ProjekteÖffnet externen Link in neuem Fenster sind dabei, den Bewässerungsfeldbau auszuweiten. Es haben sich einige Länder, so auch China, in den Regionen des Ackerbaus eingekauft.

Traditionelle und moderne TechnikenÖffnet externen Link in neuem Fenster zur Wasser- und Bodenkonservierung sind bei diesen Bemühungen sehr hilfreich.

Die Oasengärten im Air, Ingall und an anderen Orten stellen eine besondere Form des Bewässerungsfeldbaus dar. Insofern ist die Versorgung in Agadez mit frischen Früchten relativ gut - verglichen mit vielen anderen Regionen des Niger.

im Garten von Ingall
Fotos: Antje Bartelsmeier
Gärtnerkooperative

Garten im Air
Foto: Yvonne Karrer
magere Kuh
Foto: Antje Bartelsmeier

Crise Alimentaire

Die Hälfte der nigrischen Bevölkerung - 7,8 Millionen Menschen - sind im Jahr 2010 unmittelbar von Hunger und Hungertod bedroht gewesen. UNÖffnet externen Link in neuem Fenster Organisationen, Care InternationalÖffnet externen Link in neuem Fenster u.a. versuchen, die Situation im Niger und den angrenzenden Gebieten von Burkina Faso und Mali zu mildern. Betroffen waren vor allem auch Tierbestände in der Pastoralzone, wo die Tiere sehr weite Strecken gehen mussten, um Futter und Wasser zu finden. Deshalb kommen auch die  Rinder nur alle zwei Tage zur Tränke.

Bergbau und Industrie

Der industrielle Sektor ist kaum ausgebaut, bis auf den Abbau von Uranerz im Norden des Landes (Arlit). Niger ist drittgrößter Produzent von UranÖffnet externen Link in neuem Fenster. Das Uranerz wird zum größten Teil im Tagebau gewonnen und für den Export angereichert. Das führende Unternehmen ist die französische AREVAÖffnet externen Link in neuem Fenster; ganz stark sind seit wenigen Jahren die Chinesen und weitere internationale Konsortien ins Geschäft eingestiegen. Aufgrund der Initiative mehrerer nigrischer Nicht-Regierungsorganisationen untersucht derzeit die Kommission "Commission nationale des droits de l'homme du Niger" (CNDHÖffnet externen Link in neuem Fenster)die AuswirkungenÖffnet externen Link in neuem Fenster und Folgen des Uranabbaus im Norden des Landes. 700 000 Menschen sind von den bedenklichen Abbaukonditionen der stark kritisierten Uranbergbaustelle in Arlit betroffen. Hinzu kommen weitere Minen: Azelik, Imouraren etc., die im Aufbau begriffen sind. China errichtet momentan 26 neue Atomkraftwerke, für die der Staat Uran braucht. AREVA rechnet langfristig mit einem Anstieg der Urannachfrage Öffnet externen Link in neuem Fensterzwischen 2011 und 2020 um 40%. Fukushima hat nur einen kurzfristigen Nachfragerückgang erzeugt.

Erdöl ist eine weitere – besonders von den Chinesen - stark nachgefragte Ressource Nigers, gefunden in den östlichen Landesteilen, besonders unter dem kulturhistorischen Plateau von Djado. Im Jahr 2008 Öffnet externen Link in neuem Fensterhat CNPC (China National Petroleum Corporation) gegenüber sieben anderen Energieunternehmen (Petronas, Sonatrach, Burren Energy, South Africa Energetic, ATI Petroleum, Tullow and TransAfrican Energy), die das Öl in der Region von Agadem ausbeuten wollten gewonnen.

Seit dem 28. November 2011Öffnet externen Link in neuem Fenster gehört Niger zu de Erdöl exportierenden Ländern. Die erste Raffinerie des Landes wurde in Zinder, der zweitgrößten Stadt des Landes - etwa 900 km östlich der Hauptstadt Niamey - eröffnet. Die ersten Barrel Öl flossen am 1. Dezember 2011. Das chinesische Unternehmen CNPC Öffnet externen Link in neuem Fenster hält 60 % und der Niger 40 % der Aktien. Das Rohöl wird mittels einer Pipeline aus Agadem Öffnet externen Link in neuem Fenster(Region Diffa) nach Zinder gepumpt. ONGs drängen darauf, dass die Verträge Öffnet externen Link in neuem Fensterzwischen Niger und China noch einmal geprüft werden.

Weiterer Bodenschatz des nigrischen Staates ist Gold; im Westen Nigers in der Region Liptako, dem Grenzgebiet zu Burkina Faso wird diese Rohstoffressource in der Mine Samira abgebaut. Gold ist das zweitwichtigste Exportgut Nigers. Die unternehmerische Ausbeutung des Goldes im Niger begann im Jahr 2004 mit Unterzeichnung des Nutzungsvertrages Öffnet externen Link in neuem Fensterdes Staates Niger mit der SML (Societé minière du Liptako Gourma), einem Konsortium marokkanischer und kanadischer Aktionäre. Mit nur 20 % ist der nigrische Staat Aktionär, die restlichen 80 % werden von ausländischen Interessenten gehalten.

In den letzten Jahren wurden einige Staatsbetriebe privatisiert; als wichtigste Privatisierung ist die der Wasserversorgungsgesellschaft zu nennen. Die Elektrizitäts- und Telekommunikationsgesellschaft sollen in naher Zukunft ebenfalls privatisiertÖffnet externen Link in neuem Fenster werden. Es wurde in 2001 und 2003 versucht die NIGELEC (Stromgesellschaft) zu verkaufen, SONITEL, die Telefongesellschaft wurde 2001 privatisiert und 2009 wieder verstaatlicht. In den meisten großen Orten und Städten gibt es private Anbieter von Mobiltelefondiensten. Die ältesten Anbieter sind Celtel, ein kuwaitischer Anbieter (seit 2008 bei Zain und 2010 zu airtel gewechselt) und Sahelcom. Prepaid Karten für die Wiederaufladung der Handys gibt es an fast jeder Straßenecke und die Netzabdeckung der Handy-Netze wird täglich besser. Momentan (Herbst 2011) sucht der nigrische Staat Käufer Öffnet externen Link in neuem Fensterfür die Unternehmen Sonitel und Sahelcom. Diese waren 2009 wieder nationalisiert Öffnet externen Link in neuem Fensterworden. Der nigrische Staat hatte 51 % Anteile , den Rest ein Sino-Libysches Konsortium.

Informeller Sektor

Der Großteil der Bevölkerung verdient sich den Lebensunterhalt mit Aktivitäten im informellen Sektor, mit Schuhputzen, Bauchladen u.v.m. Hinzu kommen diverse handwerkliche Aktivitäten. Handwerk und Kunsthandwerk sind in allen Regionen und unter allen ethnischen Gruppen verbreitet, aber spezielle Tätigkeiten sind gesonderten Berufsgruppen oder Kasten vorbehalten. Metall- und Lederarbeiten werden von der Schmiedekaste der Tuareg ausgeführt, für die Herstellung von Tonwaren, speziell der großen Canaries zur Aufbewahrung und Kühlung von Wasser gibt es Dörfer mit bekannten Töpferinnen, so im Südwesten entlang des Niger. Flecht- und Knüpfarbeiten, Steinbearbeitung, Stickerei und anderes mehr wird allerorts betrieben – für den Eigenbedarf und zum Verkauf. Recycling von Aluminium und Gießen von großen Kochtöpfen kann auf dem Markt von Katako in Niamey beobachtet werden. Beliebt bei den in die Stadt gezogenen Nomaden ist die Arbeit als Nachwächter. Besonders zu bemerken ist die Fingerfertigkeit, mit der manche Frauen kunstvolle Frisuren – mit und ohne Zuhilfenahme künstlicher Zusatzhaare - flechten. Viele Kinder sind in diesem Sektor tätig – sei es, dass sie mitverdienen müssen oder manchmal sogar die ganze Familie durch ihren Verdienst unterhalten. Hausangestellte, nicht selten auch Kinder, sind oft eher Mägde und müssen tagein – tagaus für geringsten Lohn und ohne jegliche Absicherung arbeiten.

 

Flechten von Abdeckungen
Fotos: Antje Bartelsmeier
beim Friseur
kleine Limonenverkäuferin

Tourismus

Im Dienstleistungssektor stehen an vorderster Stelle  die Einkünfte aus dem Tourismus. Dieser jedoch ist stark von einer stabilen innen- und außenpolitischen Situation abhängig. Schwerpunkt ist die nördliche Region: Agadez, Air und die Wüste. Durch Wiedereröffnung des Flughafens in Agadez 2004 war eine erhebliche Erleichterung der Erreichbarkeit gegeben, aber durch die Tuareg-Erhebungen seit 2007 wurde der Flughafen wieder geschlossen; so hat der Tourismus im Norden immer wieder mit Rückschlägen zu kämpfen, die sich auch auf die Gesamtsituation des nigrischen Tourismus auswirken, da die Sahara-Touristen den größten Teil ausmachen. Es geht auch um die psychologische Seite des Reisens im Niger: das Auswärtige Amt rät nach wie vor dringend von Reisen ab. Über die Vertretbarkeit von EthnotourismusÖffnet externen Link in neuem Fenster gibt es keine einhellige Meinung: ist es „Ausverkauf“ und Exotismus oder eine Möglichkeit, das bessere Überleben von Menschen zu sichern? In den letzten Jahren sind die großen Woodaabe Zusammenkünfte zu einer beliebten Touristenattraktion geworden.

Wirtschaftsindikatoren, Analysen, Statistiken

Niger steht gemäß des Human Development Index auf Rang 182 von 182 und gehört mit einem Pro-Kopf-Einkommen von rund 627 US Dollar zu den ärmsten Ländern der Welt (Platz 176). Beim Armutsindex belegt Niger Platz 134 (von 135) mit einem Wert von 55,8. Mit einem Gini-Koeffizient von 43,9 hat Niger eine ungleiche EinkommensverteilungÖffnet externen Link in neuem Fenster.

Die Zugehörigkeit zur CFA-Franc-Zone garantiert eine relative Preisstabilität. Somit kann Niger aber auch keine eigenständige Inflations- und Wechselkurspolitik betreiben. Insgesamt ist Niger noch weit von einer Transformation zu einer sozialen Marktwirtschaft entfernt. Das Jahr 2005 war mit der großen Hungersnot ein besonders drastisches Jahr für die nigrische Bevölkerung und 2010 ein sehr gemischtes Jahr: Hungersot in der Trockenzeit – höchster Wasserstand des Niger seit fast 100 Jahren und eine gute Ernte. Die WirtschaftsstrukturÖffnet externen Link in neuem Fenster des Niger ist zwar landwirtschaftlich geprägt, aber der Export wird dominiert durch Uranexporte (69,9 % des Gesamtexports) nach Frankreich (momentan noch), Gold (13,5 %) und tierische Produkte und Tiere (12,4 %) vorwiegend nach Nigeria und die westafrikanische Subregion. Nach wie vor ist die nigrische Handelsbilanz negativ: in 2008 standen Importen von 501 Milliarden FCFA (20,6 % Steigerung gegenüber 2007) Exporte von lediglich 316 Milliarden FCFA (47,7 % Steigerung gegenüber 2007) gegenüber. Die Wirtschaftslage des Niger bleibt schwierig. Das WirtschaftswachstumÖffnet externen Link in neuem Fenster lag im Jahr 2006 bei 3,5 %, hielt aber einem Bevölkerungsanstieg von 3,7 % noch nicht genug entgegen, um als Wachstum erkennbar zu sein. Die nigrische Wirtschaft leidet auch darunter, ein Binnenland zu sein (der nächste Hafen, Cotonou, ist 700 Km entfernt). Ca. 35 % der nigrischen Bevölkerung leben vom Schwarzhandel mit Nigeria (Benzin, Hirse). Der industrielle Wirtschaftsektor trägt mit knapp 20 % zur Wirtschaftsleistung des Landes bei.

Wirtschaftlich von Bedeutung sind die finanzielle Rückflüsse von Arbeitsmigranten, die regelmäßig Geld an ihre nigrischen Familien senden, im Jahr 2007 immerhin 78 Millionen US $. Weltweit sind es 740 Millionen MenschenÖffnet externen Link in neuem Fenster, die eine Arbeitsmigration durchführen, in der Regel zwischen Ländern des Südens oder solchen des Nordens.

 

Wirtschaftspolitik

Die Abhängigkeit Nigers von ausländischen und externen Finanzierungen ist nach wie vor groß. 2001 wurde Niger in die HIPC-Schuldeninitiative (zur Entschuldung der hochverschuldeten Entwicklungsländer) aufgenommen; die durch entfallende Schuldenrückzahlungen entstehenden Rücklagen werden in ein Spezialprogramm des Präsidenten zur Verbesserung der Bildungs-, Gesundheits- und ländlichen Wasserversorgung (je 1000 Objekte) investiert. Bei dem G8-Treffen der sieben führenden Finanzminister und Russlands im Jahr 2005 einigten sich die Finanzminister darauf, 18 Ländern, darunter auch Niger, die Schulden der Weltbank, dem Internationalen Währungsfond und der Afrikanischen Entwicklungsbank in einer Höhe von insgesamt 40 Milliarden Dollar zu erlassen. Der Schuldenerlass wurde allgemein begrüßt, dennoch warnten Politologen davor, sich mit diesem Schritt aus der "Armutsfalle" zu schnell zufrieden zu geben, und den Stellenwert der politischen "Good Governance" zu vernachlässigen. Niger zählt sicherlich aufgrund verschiedener Faktoren zu den Ländern in Afrika mit schwierigen Voraussetzungen für gesellschaftliche Partizipation. Präsident Tandja hatte seit 2003 den Vorsitz der Konferenz der Staats- und Regierungschefs der UEMOA, seit Januar 2005 zusätzlich die Präsidentschaft der ECOWAS inne. Die nigrischen Aktivitäten im Rahmen beider Regionalorganisationen konnten das außenpolitische Profil des Niger verbessern.

 

1000 FCFA-Schein
1000 FCFA-Schein
5000 FCFA-Schein
5000 FCFA-Schein

Niger ist Mitglied der westafrikanischen FCFA-ZoneÖffnet externen Link in neuem Fenster. Vor der Einführung des Euro war der FCFA durch einen festen Umtauschkurs von 1:100 an den französischen Franc gebunden. Diese Bindung ist bei Einführung des EURO beibehalten und entsprechend dem für den FF geltenden Umtauschkurs von 1:6,559 angepasst worden. Damit beträgt der Umtauschkurs 1 Euro = 655,9 FCFA.

Produkte und Produktionsweisen

Die landwirtschaftliche Nutzfläche des Niger ist begrenzt, und da sich die klimatischen Verhältnisse nicht verbessern, ist auch eine Ausdehnung der Feldbauflächen nicht wirklich möglich. Dass es dennoch gemacht wird, in dem immer mehr Felder in Gunstjahren in der Pastoralzone angelegt werden, liegt an der Bevölkerungsexplosion des Niger. Somit drücken bei nachlassender Tragfähigkeit (‚Carrying CapacityÖffnet externen Link in neuem Fenster’) besonders in Gunstjahren die Menschen nach Norden und legen in der Pastoralzone Felder an. Dieses ist nicht nur nicht nachhaltig, da die Felder nach kürzester Zeit unfruchtbar sind, es ist in der Pastoralzone vom Gesetz her eigentlich verboten. Die maximal 12-15%  landwirtschaftlich nutzbarer Fläche, davon nur ca. 3% für den Pflanzenbau, können nur mit angepassten Landnutzungsplänen nachhaltig bewirtschaftet werden. Mit Bewässerungsfeldbau können einige Flächen zwar intensiver genutzt werden, aber wegen der vergleichsweise hohen Investitionen und der notwendigen Wasserverfügbarkeit können nur vergleichsweise kleine Fläche so bewirtschaftet werden. Intensivierung, aber auch Polykulturanbau sind Maßnahmen, mit denen versucht wird, die Ernteerträge und die Bodenfruchtbarkeit zu erhöhen. In den meisten Regionen kultivieren die Bauern für ihre Subsistenz in erster Linie Hirse, Sorghum und Mais, aber auch Bohnen, Maniok, Zwiebeln, in Flussnähe Reis. Des weiteren Erdnüsse und Baumwolle – beides sind auch wichtige cash-crops. In den Oasengärten des Air-Gebirges und anderen Oasen gibt es Datteln, Zitrusfrüchte, Gemüse, Salat und manchmal sogar herrliche Weintrauben.

Der Schwerpunkt im Bergbau liegt beim Uranabbau (ca. 70% des Exports), Gold hält einen Anteil von etwa 13 %. Der Boom in den 70er Jahren, der dem Niger einen Aufschwung versprach, verebbte schnell. Mit dem Verfall des Uran-Preises auf dem Weltmarkt wirkt sich bei dem hohen Bevölkerungswachstum des Niger einmal mehr die negative Wirtschaftsbilanz aus. Der französische Konzern AREVA, der lange Jahre das Monopol im Uranabau im Niger innehatte, muß sich zukünftig mit der Konkurrenz – besonders von den Chinesen - arrangieren. Seit mehreren Jahren steht Niger auch wegen seiner Erdölressourcen unter dem Plateau von Djado und in anderen östlichen Landesteilen im Zentrum des internationalen Interesses. China baut intensiv die Beziehungen zu Niger – es finanziert beispielsweise die zweite Nigerbrücke - aus, denn das Land braucht Rohstoffe, die der Niger hat, umgekehrt braucht der Niger Geld. Die Einrichtung der Mine von Azelik trifft ein Gebiet von kulturhistorischen Hintergründen. Im Minenkonsortium von AzelikÖffnet externen Link in neuem Fenster hält China den größten Anteil, Niger immerhin 33%. Einen Überblick über die verschiedenen Uranminen im Niger gibt es bei der "World Nuclear AssociationÖffnet externen Link in neuem Fenster". Die größte Mine wird Imouraren nord-westlich von Agadez. Geplant ist im Rahmen des wirtschaftlichen Entwicklungsprogrammes der Afrikanischen Union - NEPAD - eine Gaspipeline von Nigeria durch Niger nach Algerien, um Gas nach Europa zu transportieren. Der erste Abschnitt soll 2010 in Nigeria gebaut werden, und 2015 soll das erste Gas nach EuropaÖffnet externen Link in neuem Fenster kommen. Am 27.10.2008 beginnen offiziell die Arbeiten einer Erdöl-Pipeline im Osten des Landes. Es handelt sich um ein Abkommen zwischen der nigrischen Regierung und CNODC (China National Oil and Gas Développement and Exploration Corporation). Die bilateralen Handels- und Wirtschaftsbeziehungen mit China haben sich seit den 90er Jahren intensiviert. Kritische Stimmen sprechen von einer "Verfolgung des ökonomischen Neokolonialismus in Afrika". Als großes Entwicklungsland mit einer riesigen Bevölkerung und einem Mangel an Erdöl, ist China auf den Import von Erdöl und anderen Rohstoffen angewiesen, um die wachsende inländische Nachfrage zu befriedigen. Die Ausbeutung der Rohstoffressourcen im Niger betrifft in erster Linie die nomadischen Tierhalter, in deren angestammten Weidegründen die Schürfrechte für Uran vergeben wurden. Dies sind Gründe der erneuten Erhebungen der Tuareg. Es wird zukünftig wohl immer wieder zu Zusammenstößen zwischen der Lokalbevölkerung und den Unternehmen kommen. Die Fertigstellung des "Code Pastoral" ist momentan ausgesetzt, der die Rechte der Nomaden in der Weidezone, u.a. ihre Boden- und Weiderechte, besser sicherstellen soll. Durch den erheblichen Wasserbedarf bei der Uran-Aufbereitung wird das Trockenfallen der Brunnen in weniger als 40 Jahren wissenschaftlich prognostiziert.

Handel

Die HandelsbilanzÖffnet externen Link in neuem Fenster ist negativ und die Staatsverschuldung um ein Vielfaches höher als der jährliche Staatshaushalt. Die wichtigsten Handelspartner sind Frankreich, die Elfenbeinküste, Nigeria und China. Der Warenverkehr zwischen Deutschland und dem Niger wies 2004 ein Volumen von 1,8 Mio. EUR für deutsche Einfuhren aus dem Niger und von 34,1 Mio. EUR für deutsche Ausfuhren in den Niger auf. Wichtigste Einfuhrprodukte waren dabei für Deutschland Mineralölerzeugnisse, wichtigste Ausfuhrprodukte Fahrzeuge (85,7%), mit großem Abstand gefolgt von Maschinen und Produkten der Ernährungswirtschaft.

Entwicklung und Entwicklungspolitik

Millenium Development Goals

Niger führt die Liste der armen Läner momentan an – Platz 182 (HDR). Das Land ist von externen Hilfsleistungen abhängig. Im September 2000 haben 189 Staaten, darunter auch Niger, die MilleniumszieleÖffnet externen Link in neuem Fenster unterschrieben, die sie bis zum Jahr 2015 umsetzen wollen.

  • MDG 1: den Anteil der Weltbevölkerung, der unter extremer Armut und       Hunger leidet, halbieren
  • MDG 2: allen Kindern eine Grundschulausbildung ermöglichen
  • MDG 3: die Gleichstellung der Geschlechter fördern und die Rechte von Frauen stärken
  • MDG 4: die Kindersterblichkeit verringern
  • MDG 5: die Gesundheit der Mütter verbessern
  • MDG 6: HIV/AIDS, Malaria und andere übertragbare Krankheiten bekämpfen
  • MDG 7: den Schutz der Umwelt verbessern
  • MDG 8: eine weltweite Entwicklungspartnerschaft aufbauen

 

Niger hat die Umsetzung des PRSP (Poverty Reduction Strategy Paper), das Anfang 2002 vorgelegt wurde, begonnen. Einen aktuellen Fortschrittsbericht bietet prsp-watchÖffnet externen Link in neuem Fenster.  Dieses Programm wird in enger Abstimmung mit dem internationalen Währungsfond (IWF), der Weltbank und internationalen Gebern durchgeführt. An der Erstellung des PRSP waren zivilgesellschaftliche Strukturen wie Basisorganisationen, Gewerkschaften, Kleinbauern etc. beteiligt. Die internationalen Geber haben nach wie vor einen starken Einfluss auf die Entwicklung des Landes und auch auf den PRSP-Prozess. In einem jüngsten Bericht der Weltbank von UN Generalsekretär Ban Ki Moon wurde aber deutlich, dass die Erreichung der Ziele bis 2015 äußerst bedenklich seien, da die Geberländer ihren Zahlungen nicht nachkommen.

Inländische Anstrengungen

Im Niger wurden verschiedene Programme verabschiedet, die sich der Bekämpfung der Armut widmen wie bspw. das Strategiepapier zur Ländlichen EntwicklungLeitet Herunterladen der Datei ein. Darin hat sich die Regierung auf 4 Achsen festgelegt (nachhaltiges, wirtschaftliches Wachstum; Entwicklung der produktiven Sektoren; gesicherter Zugang der Armen zu sozialen Basisdienstleistungen; Good Governance). Der Dezentralisierungsprozess ist für die Umsetzung dieser Strategie von hoher Bedeutung. Der VENRO (Verein Entwicklungspolitik Deutscher Nichtregierungsorganisationen e.v.) bewertet in seinem MonitoringprofilÖffnet externen Link in neuem Fenster das Engagement der nigrischen Regierung durchaus als positiv. Gleichzeitig sollten aber zivilgesellschaftliche Kräfte unbedingt stärker beteiligt werden. Im Niger gibt es zahlreiche Forschungsinstitutionen, die sich mit spezifischen Fragen zur Umwelt, Gesellschaft, Entwicklung beschäftigen. Die meisten nigrischen Nicht-Regierungsorganisationen haben sich die Armutsbekämpfung zum Ziel ihrer Arbeit gemacht.

Ausländische Anstrengungen

Als ausländische Partner sind vor allem die Weltbank mit ihrer LandesstrategieÖffnet externen Link in neuem Fenster zu nennen, in deren Rahmen derzeit 16 ProjekteÖffnet externen Link in neuem Fenster durchführt werden (2009). Care Öffnet externen Link in neuem Fensterarbeitet schon lange im Niger; die letzten Jahre wurde die Zusammenarbeit mit den NomadenÖffnet externen Link in neuem Fenster verstärkt. PNUDÖffnet externen Link in neuem Fenster arbeitet ebenfalls im Bereich der Ernährungssicherung und hat einen Bericht zum Ziel 1 der MDGÖffnet externen Link in neuem Fenster (Millenium Development Goals) herausgegeben. Das Bundesministerium für Entwicklung und wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZÖffnet externen Link in neuem Fenster) hat beschlossen, seine Entwicklungszusammenarbeit zu fokussieren, indem es die Anzahl der Partnerländer sowie der Interventionssektoren reduziert. Seitdem ist Niger nicht mehr Schwerpunkt-, sondern Partnerland. Die Zusammenarbeit mit der Republik Niger konzentriert sich auf den Schwerpunkt „Armutsbekämpfung im ländlichen Raum“, der bei den Regierungsverhandlungen im Jahr 2002 vereinbart wurde. Bei einem Besuch des EUÖffnet externen Link in neuem Fenster Kommissärs für Entwicklungsangelegenheiten Andris Piebalgs wurde drei VerträgeÖffnet externen Link in neuem Fenster unterzeichnet. Zum Einen für das Programme d'Appui au Système Statistique national et à l'Etat Civil (PASTAGEP), des Weiteren das Programme d'Appui à la Justice et à l'Etat de Droit II (PAJED-2) und letztlich das Programme d'Appui à la Société Civile au Niger II (PASOC-2).

Deutsche und Europäische Organisationen

Bei Verhandlungen zwischen deutscher und nigrischer Seite wurde als wichtigster Schwerpunkt die Armutsbekämpfung im ländlichen Raum gewählt. Hierin werden 5 Komponenten zusammengefasst:

  • Unterstützung der Bevölkerung in der Programmregion bei der Erstellung und Umsetzung von Entwicklungsplänen
  • Schaffung und Rehabilitierung von Einrichtungen der sozialen und wirtschaftlichen Infrastruktur
  • Dezentralisierung und Kommunalentwicklung
  • Management der natürlichen Ressourcen
  • Unterstützung der Politikberatung und Geberabstimmung auf nationaler Ebene

 

Im Programm LUCOP (Lutte contre la pauverté) wurden seit Januar 2004 diese Komponenten im Landesprogramm von der GTZÖffnet externen Link in neuem Fenster in Zusammenarbeit mit der KfW EntwicklungsbankÖffnet externen Link in neuem Fenster und dem DED Niger Öffnet externen Link in neuem Fensterumgesetzt. Über 40 Fachkräfte, vor allem des Deutschen Entwicklungsdienstes (DED), sind in der deutsch-nigrischen entwicklungspolitischen Zusammenarbeit tätig. Die Hauptachsen sind Tahoua/Agadez und Tillaberi. Das Programm integriert sich in seiner strategischen Ausrichtung in die 2002 von der nigrischen Regierung verabschiedete Armutsbekämpfungsstrategie und in die Strategie für die ländliche Entwicklung. Studien im Rahmen des PRSP haben ergeben, dass der Anteil der Armen im ländlichen Raum 86% beträgt. Ziel der deutschen EZ ist es, Niger bei der Umsetzung wichtiger Teile des PRSP zu unterstützen, und damit auch einen Beitrag zum Aktionsprogramm 2015 der Bundesregierung zu leisten. Es handelt sich darum, die Zahl der in extremer Armut lebenden Menschen bis zum Jahr 2015 zu halbieren. InWent leistet mit seiner Personal- und Organisationsentwicklung in der Entwicklungszusammenarbeit einen wichtigen Beitrag. Mit Austausch-, Fortbildungs- und Dialogprogrammen können sich rund 55.000 Menschen im Jahr bei InWent weiterbilden. Andere bedeutende Partner der bilateralen EZ Nigers sind:

  • Frankreich (Strukturanpassung, Gesundheit, innere Sicherheit, Kleinkredite) mit der AFDÖffnet externen Link in neuem Fenster und AFVPÖffnet externen Link in neuem Fenster 
  • Europäische Union (Ernährungssicherheit, Ressourcenschutz, Konfliktverhütung, Stärkung der Zivilgesellschaft) mit FEDÖffnet externen Link in neuem Fenster
  • Schweiz (Pastoralismus) mit der Cooperation SuisseÖffnet externen Link in neuem Fenster
  • Niederlande (Stärkung der Zivilgesellschaft) mit SNVÖffnet externen Link in neuem Fenster
  • Dänemark (Ländliche Entwicklung) mit DANIDAÖffnet externen Link in neuem Fenster

 

Die deutsche politische Konrad-Adenauer StiftungÖffnet externen Link in neuem Fenster ist mit einem Büro in Cotonou vertreten und veröffentlicht regelmäßig mehrere Studien zum Demokratie-Verständnis in Niger.

Über die Erstellerin

Dr. Antje Bartelsmeier, Pastoralistin aus dem Oberallgäu, ist Ethnologin und Dipl.-Ing. agr.

Seit 1993 in der Entwicklungszusammenarbeit tätig als Beraterin, Gutachterin und Wissenschaftlerin. Lehraufträge und Assistententätigkeiten an verschiedenen Institutionen.

Ich freue mich auf Ihre Anregungen, Kommentare, Kritik.

Literaturhinweise

Weiterführende Literatur zu den Themen:

Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Dezember 2011 aktualisiert.

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