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Kinder in Gboko, Bundesstaat Benue © E.Ede

Gesellschaft, Kultur und Religion

BeschreibungInhalt
Amtssprache(n):Englisch
Regionalsprachen:Hausa, Yoruba, Igbo und ca. 400 weitere Sprachen
bedeutendste Religion:Islam (50%) und Christentum (45%)
weitere bedeutende Religion:Naturreligionen (5%)
Städtische Bevölkerung:49%
Lebenserwartung:47,8 Jahre

Nigeria

Landesflagge Nigeria

Makrosoziale Struktur

Ethnizität, Regionalismus und Tribalismus

In ethnischer Sicht ist Nigeria ein VielvölkerstaatÖffnet externen Link in neuem Fenster. Mehr als 400 unterschiedliche Sprach- und Volksgruppen verteilen sich auf die verschiedenen Regionen des Landes. Die größten ethnischen Gruppen sind:

Die Minderheiten, "Minority Groups", umfassen u.a.:

  • die Kanuri (4%) im Nordosten,
  • die Nupe (1,7%) und Tiv (2,5%) im Mittelgürtel "Middle Belt",
  • die Edo (3,4%) im Südwesten sowie die Ijaw (10%) 
  • die Ibibio (3,4%) im Südosten.


Das Problem der Machtverteilung zwischen den Ethnien führt permanent zu Spannungen und Konflikten, da die Minderheiten das politische Gewicht der großen Volksgruppen meist als Dominanz empfinden. Fakt ist, dass das gesellschaftliche Leben im Land durch Stammesdenken, Machtkämpfe und Kämpfe zwischen den Religionen beeinträchtigt wird.

Insgesamt werden in Nigeria über 400 Sprachen und weit über 1000 Dialekte gesprochen. Die Amtssprache des Landes ist Englisch. Als Verkehrssprachen gelten Hausa, Yoruba und Igbo, die Sprachen der drei Hauptvolksgruppen in den jeweiligen Regionen, sowie Pidgin-English oder Broken EnglishÖffnet externen Link in neuem Fenster in den Ballungszentren Südnigerias. Die wichtigsten SprachgruppenÖffnet externen Link in neuem Fenster werden von der Universität Texas, Austin, dargestellt. Gute und detaillierte Angaben zur Sprachenvielfalt Nigerias macht auch EthnologueÖffnet externen Link in neuem Fenster.

 

Eingang zum Emir-Palast in Kano © E. Ede
Eingang zum Emir-Palast in Kano © E. Ede
Gehöft in Gboko, Bundesstaat Benue © E. Ede
Gehöft in Gboko, Bundesstaat Benue © E. Ede

Kinder und Jugendliche © E. Ede

Kinder und Jugendliche © E. Ede
Kinder und Jugendliche in Nigeria © E. Ede

Soziale Lage und Klassen

Trotz des Ölreichtums sind die Unterschiede zwischen Armen und Reichen im Land immer noch sehr groß. So kommen die Einnahmen aus dem Erdöl- und Erdgasgeschäft in erster Linie den den ausländischen Ölkonzernen und der reichen nigerianischen Minderheit zugute, die Mehrheit der Bevölkerung bleibt dabei vom Reichtum ausgeschlossen. Weit mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, bei den Jugendlichen wird sie sogar auf über 20% geschätzt. Der Mangel an lohnabhängiger Beschäftigung führt dazu, dass immer mehr Nigerianer/innen in den Großstädten ÜberlebenschancenÖffnet externen Link in neuem Fenster im informellen Wirtschaftssektor als "self-employed" suchen. Die Massenverelendung nimmt seit Jahren bedrohliche Ausmaße an.

Bedauerlicherweise führt die Armut häufig auch dazu, dass junge Mädchen, insbesondere aus den Bundesstaaten Edo und Delta, nach Europa gehen, in der Hoffnung, dort Geld für sich und ihre Familien zu verdienen. In der Realität landen diese Frauen jedoch meist im Prostitutionsgewerbe, wobei die Zuhälter den Verdienst abkassieren und kaum Geld für die Frauen, geschweige denn ihre Familien in Nigeria übrig lassen. Das Portal NAPTIPÖffnet externen Link in neuem Fenster bietet ausführliche Informationen zu dieser Thematik.

Stadt-Land-Verhältnis

Seit dem Ölboom in den 1970er Jahren ist die Zahl der Einwohner/innen in den Großstädten Nigerias sprunghaft gestiegen. Die Urbanisierungsrate beträgt 47%. Immer mehr Menschen strömen täglich in die Großstädte auf der Suche nach besseren Verdienstmöglichkeiten.

Trotz des Reformprogramms der Obasanjo-Administration zur Wiederbelebung der Landwirtschaft, ist die ArmutÖffnet externen Link in neuem Fenster in den ländlichen Gebieten nach wie vor größer als in den städtischen Ballungsgebieten. Insbesondere die jungen Menschen sehen in der Landwirtschaft keine Verdienstmöglichkeiten. Außerdem wurde seit dem Ölboom fast ausschließlich in die Modernisierung der Großstädte investiert, sodass die ländlichen Gebiete mehr und mehr verfielen.

Geschlechterverhältnis

Obwohl die nigerianische Verfassung von 1999 die Gleichheit der GeschlechterÖffnet externen Link in neuem Fenster garantiert, sieht die Wirklichkeit anders aus. Von dem Ziel, den Frauenanteil im Parlament um 30% anzuheben, wie es die "National Policy on Women" (2002) der Obasanjo-Regierung vorsah, ist Nigeria auch heute noch weit entfernt. Nach den Parlamentswahlen von 2007 war nur ein geringer Prozentsatz von Frauen in beiden Häusern der NationalversammlungÖffnet externen Link in neuem Fenster vertreten.

Innerhalb der ländlichen Bevölkerung ist das Geschlechterverhältnis eindeutig, da das Leben immer noch stark von traditionellen Gesetzen und Praktiken bestimmt wird. Allerdings gibt es je nach ethnischer ZusammensetzungÖffnet externen Link in neuem Fenster, religiöser Zugehörigkeit und Region große Unterschiede. Einen guten Einblick in die rechtliche, soziale und ökonomische Situation der Frau im islamischen Norden Nigerias ermöglicht eine VeröffentlichungÖffnet externen Link in neuem Fenster der Ethnologin Katja Werthmann.

Eine Vielzahl von FrauenorganisationenÖffnet externen Link in neuem Fenster engagiert sich in Nigeria für die Gleichstellung der Geschlechter.

HomosexualitätÖffnet externen Link in neuem Fenster ist in Nigeria verboten und steht unter Strafe. So können gleichgeschlechtliche Eheschließungen mit bis zu 14 Jahren Haft strafrechtlich verfolgt werden.

Bildung

Schüler einer Grundschule "Primary School"
Schüler einer Grundschule "Primary School"
Ahmadu Bello Universität in Zaria
Ahmadu Bello Universität in Zaria

Bildungssituation

Das nigerianische Bildungssystem basiert auf einem so genannten 6-3-3-4-Prinzip. Für Kinder im Alter von 6 bis 15 Jahren besteht Schulpflicht und der Schulbesuch ist für die Grundschule und die untere Sekundarschule (JSS) gebührenfrei.

 

Das nigerianische Bildungssystem

Dauer

Alter

Schulart

Bezeichnung

Abschluss

6 Jahre

6-12 Jahre

Grundschule

Primary School

First School Leaving Certificate

3 Jahre

12-15 Jahre

Sekundarschule

Junior Secondary School (JSS)

Junior Secondary School Certificate

3 Jahre

15-18 Jahre

Sekundarschule

Senior Secondary School (SSS)

Senior Secondary Certificate oder General Certificate of Education

4 Jahre

18-22 Jahre

Hochschule

University

Bachelor

 

In den 29 Jahren Militärherrschaft wurde das Bildungswesen in Nigeria stark vernachlässigt. Die Bildungspolitik der Regierung Obasanjo hat in den acht Jahren (1999-2007) viel für die Verbesserung des Bildungssektors versprochen, aber nur wenig umgesetzt. Folge: Die Bildungsangebote auf den drei Ebenen des nigerianischen Bildungswesens (primär, sekundär und tertiär)Öffnet externen Link in neuem Fenster sind qualitativ unzureichend. Nicht nur, dass die Ausstattung der Schulen landesweit in einem katastrophalen Zustand ist, in vielen Schulen mangelt es darüber hinaus sogar bereits an UnterrichtsräumenÖffnet externen Link in neuem Fenster. Zulauf haben in den letzten Jahren die Privatinstitutionen, die sich allerdings nur wohlhabende Familien leisten können.

Weitere Informationen zur Bildungssituation in Nigeria finden sich auch hier:

 

 

Gesundheit und Sozialwesen

Gesundheitsversorgung

Insgesamt ist die Gesundheitsversorgung in NigeriaÖffnet externen Link in neuem Fenster als unzureichend einzustufen. Wer kein Geld hat, bekommt keine medizinische Behandlung. Zwischen Arm und Reich sowie zwischen Nord und Süd besteht ein erhebliches Gefälle. Auf dem Land sind die Verhältnisse noch schlechter als in der Stadt.

Die medizinischen Einrichtungen werden vom Staat unterhalten. Nur ganz wenige Einrichtungen werden von den Kirchen oder von privaten Trägern finanziert. Dementsprechend hoch sind die Gebühren für die medizinische Behandlung und Versorgung in privaten Einrichtungen. 

Der Glaube an die Heilungskräfte der traditionellen Medizin ist bei den Nigerianern nach wie vor sehr lebendig. Vor allem bei bestimmten Krankheiten werden eher die traditionellen HeilerÖffnet externen Link in neuem Fenster konsultiert.

Gegen Meningitis führten Ärzte ohne GrenzenÖffnet externen Link in neuem Fenster 2009 eine Massenimpfkampagne in Norden Nigerias durch. Informationen über die Aufklärungsarbeit gegen die Beschneidung von Frauen in Nigeria liefern Waris DirieÖffnet externen Link in neuem Fenster und die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ)Öffnet externen Link in neuem Fenster. Umfassende Daten zu Malaria, AIDS, übertragbaren Geschlechtskrankheiten oder die Beschneidung von Frauen sind im Demographic and Health SurveyÖffnet externen Link in neuem Fenster 2008Öffnet externen Link in neuem Fenster enthalten.

Ausführliche Informationen über die Gesundheitsversorgung in Nigeria gibt die Weltgesundheitsorganisation WHO-NIGERIAÖffnet externen Link in neuem Fenster

HIV-Aids

HIV-AIDS hat sich in den letzten Jahren in Nigeria sehr schnell ausgebreitet. Einen aktuellen Report über HIV-AIDS in Nigeria liefert UNAIDSÖffnet externen Link in neuem Fenster. Gründe für die rasante Ausbreitung sind Faktoren wie Promiskuität, die seltene Verwendung von Kondomen, ländliche und städtische Armut, die niedrige Alphabetisierungsrate und schlechte Bildung, der insgesamt schlechte Gesundheitszustand, der niedrige gesellschaftliche Status von Frauen sowie die Stigmatisierung von Erkrankten. 

Zur Bekämpfung der weiteren Ausbreitung von HIV-Aids wurde 2002 von Seiten der Regierung eine "National Agency for the Control of HIV/AIDS (NACA)"Öffnet externen Link in neuem Fenster gegründet. Informationen über HIV/AIDS in Nigeria bieten "Journalist Against Aids (JAAIDS) Nigeria"Öffnet externen Link in neuem Fenster und die WHO-Nigeria. Eine andere InformationsquelleÖffnet externen Link in neuem Fenster befasst sich mit Aufklärungsprogrammen über AIDS in Nigeria. Eine Liste von Vorbeugungsmaßnahmen für Mädchen und junge Frauen wurde 2005 von der "International Planned Parenthood Federation (IPPF)"Öffnet externen Link in neuem Fenster erstellt. 

Kultur

Kulturelle Identität

Das Gebiet, das der heutige Staat Nigeria umfasst, hat viele eindrucksvolle Kulturen und Staatenbildungen hervorgebracht. Dies ist in Publikationen umfangreich beschrieben und analysiert worden. Nigeria besitzt große und bedeutende Museen, z.B. in Lagos (Nationalmuseum), Jos (Freilichtmuseum) oder Benin (Benin-Bronzen) sowie eine große Zahl regionaler Museen. Gewinnen Sie einen Einblick und einen Vorgeschmack auf touristische Ziele unter Kulturvielfalt NigeriasÖffnet externen Link in neuem Fenster.

Kunst

Die traditionellen Kulturen und ihre künstlerischen Erzeugnisse sind weltberühmt. Dazu zählen u.a. die NOK-Terrakotten (bis zu 3000 Jahre alt), Metallgüsse aus Ife, Benin-Bronzen, Zeugnisse der Sao-Kultur vom Tschadsee, Bronzen aus Igbo-Ukwu, Terrakotten aus Owo, die Masken vieler Völker, Batiken, Färberei-Produkte, Töpferwaren und Weberzeugnisse.

In der modernen zeitgenössischen Kunst hat Nigeria eine ganze Reihe von anerkannten Künstler/innen hervorgebracht. Künstler wie Twins Seven SevenÖffnet externen Link in neuem Fenster, Chief Muraina Oyelami, Obiora Udechukwu, Uche Okeke,  Jimoh Buraimoh u.a. haben sich dabei weltweit einen Namen gemacht.

Literatur

Die zeitgenössische Literatur Nigerias hat mit der Verleihung des Nobelpreises für Literatur an Wole SoyinkaÖffnet externen Link in neuem Fenster (1985) ihren offiziellen Einzug in die Weltliteratur erhalten. Auch die Verleihung des Friedenpreises des Deutschen Buchhandels 2002 an Chinua AchebeÖffnet externen Link in neuem Fenster brachte vor allem dem deutschen Publikum die nigerianische Literaturwelt nah. 2007 wurde Achebe mit dem Man Booker Prize, dem bedeutendsten Öffnet externen Link in neuem FensterLiteraturpreis im englischen SprachgebietÖffnet externen Link in neuem Fenster geehrt. Unter den Schriftstellerinnen mit internationaler Anerkennung befinden sich die verstorbene Flora Nwapa sowie Buchi Emecheta und Zaynab Alkali. Einige ihrer Werke wurden ins Deutsche übersetzt und vom Göttinger Lamuv VerlagÖffnet externen Link in neuem Fenster herausgegeben. Zu den neueren weiblichen Stimmen des Landes zählt die junge Chimamanda Ngozi AdichieÖffnet externen Link in neuem Fenster, die bereits zwei ihrer Romane im renommierten Luchterhand Verlag in München veröffentlicht hat. Einen ÜberblickÖffnet externen Link in neuem Fenster über die nigerianischen Schriftsteller/innen erhalten Sie hier.

Besonders bei den Volksgruppen der Igbo und Yoruba im Süden des Landes steht das mündliche ErzählenÖffnet externen Link in neuem Fenster als wichtigste Kunstform in hohem Ansehen. Die Erzählungen sind reich an Sprichwörtern und Lebensweisheiten und erfüllen in der Gesellschaft verschiedene Funktionen. 

Musik

In der Musikszene genießt die nigerianische Musik bereits internationale Anerkennung. Die Afro-Beat-Tradition des 1997 verstorbenen Fela KutiÖffnet externen Link in neuem Fenster wird heute von seinem Sohn Femi Kuti fortgesetzt. King of Juju Music Sunny AdeÖffnet externen Link in neuem Fenster begeistert das Publikum weltweit mit seiner "Juju Musik". Chief Stephen Osita OsadebeÖffnet externen Link in neuem Fenster gehörte zu den besten Highlife-Musikern Westafrikas.

Film

In der Film- und Videobranche Nigerias boomt das Geschäft. Bekannt unter "Nollywood"Öffnet externen Link in neuem Fenster wird nicht nur in englischer Sprache, sondern auch in Igbo, Yoruba, Hausa und Pidgin-English produziert. Die Nollywood-Filme orientieren sich am nigerianischen AlltagsgeschehenÖffnet externen Link in neuem Fenster und thematisieren Phänomene wie Neid, Missgunst, Eifersucht, Armut und Reichtum in der Gesellschaft, AIDS, Korruption, Prostitution, Gewalt sowie interreligiöse Familiengeschichten. Traditionelle Aspekte Öffnet externen Link in neuem Fensterwie Zauberei und Magie werden dabei ebenfalls selbstverständlich in die Filmhandlungen integriert.

 

Metallgüsse aus Ife: Bekrönter Kopf eines Oni © Verlag Philipp von Zabern, Mainz 1983
Metallgüsse aus Ife: Bekrönter Kopf eines Oni © Verlag Philipp von Zabern, Mainz 1983
Chinua Achebe © Jerry Bauer
Chinua Achebe © Jerry Bauer
Chimamanda Adichie © BBC NEWS 2007
Chimamanda Adichie © BBC NEWS 2007

Kleidung

Nigerianer/innen sind in Westafrika für ihre farbenprächtige und kunstvoll bestickte Kleidung bekannt.  Da Nigeria ein Vielvölkerstaat ist, hat jede ethnische Gruppe ihre traditionelle Kleidung. In ländlichen Gebieten werden diese auch heute noch im Alltag getragen. Die Männer tragen den "statusgebundenen Chieftaincy", den "Jumper" die sog. "Agbada"Öffnet externen Link in neuem Fenster und den "Baba Rija". Die nigerianischen Frauen auf dem Land tragen das "Buba" mit dem traditionellen Wickelrock, der "Wrapper"Öffnet externen Link in neuem Fenster genannt wird.

statusgebundene Chieftaincy © E. Ede
statusgebundene Chieftaincy © E. Ede
Jumper © E. Ede
Jumper © E. Ede
Buba mit Wrapper © E. Ede
Buba mit Wrapper © E. Ede
Baba Rija © E. Ede
Baba Rija © E. Ede

Religion

Offizielle Religion

Die nigerianische Verfassung garantiert ReligionsfreiheitÖffnet externen Link in neuem Fenster. Dabei gestaltet sich die religiöse Freiheit aber für den christlichen Teil der Bevölkerung, der in einem der Bundesstaaten lebt, in denen die Scharia herrscht, äußerst problematisch.

Drei Arten von Religion sind in Nigeria zu finden: der Islam, der durch den Transsahara Handel im 11. Jahrhundert entstanden ist; das Christentum, eingeführt um 1842 von europäischen Missionaren, und die indigene Religion, die es schon immer gab. Fast 50% der Bevölkerung sind Moslems, 45% Christen und der Rest der Bevölkerung gehört indigenen Glaubensrichtungen an. Eine detaillierte Übersicht über die verschiedenen Religionen bieten die U.S. Library of CongressÖffnet externen Link in neuem Fenster.
Im Norden des Landes überwiegt der muslimische Anteil der Bevölkerung und im Südosten der christliche, während es im sogenannten Middle Belt und im Südwesten eine eher ausgewogene Verteilung gibt.

 

Der Islam

Aus den Marktzentren des Transsahara-Handels am Tschadsee entwickelte sich im 9. Jahrhundert das Rech Kanem-Bornu im Nordosten Nigerias. Hier begann die Islamisierung des Nordens Nigerias, denn die Herrscher dieses Reiches waren die ersten, die im 11. Jahrhundert zum Islam übertraten. Zwischen dem 11. und 15. Jahrhundert breitete sich durch den Transsahara-Handel der Islam in die benachbarten Hausa-Staaten (Kano, Katsina, Zaria) aus. Eine völlige Islamisierung des Hausa-Gebietes setzte 1804 mit dem Jihad unter der Führung des Islamgelehrten Usman Dan FodioÖffnet externen Link in neuem Fenster ein, der mit der Gründung des Kalifats Sokoto und dem Vordringen bis nach Ilorin im nördlichen Yoruba-Land die Stellung des Islam endgültig festigte.

Im Norden Nigerias sind zwei Strömungen des Islam vertreten: die Bruderschaft der Qadiriyya in Sokoto und der TijaniyyaÖffnet externen Link in neuem Fenster, der alteingesessenen Hausa in Kano. Beide sind Varianten des sunnitischen Islam. Seit der nigerianischen Unabhängigkeit sind viele islamische Gemeinschaften entstanden, d.h. wie bei den Christen auch, passte sich der Islam den afrikanischen Traditionen u.a. mit der Entstehung neuer islamischer Sekten an.

 

Zentralmoschee in Kano © E. Ede
Zentralmoschee in Kano © E. Ede

Das Christentum

Abgesehen von Niederlassungen einzelner Missionare in den großen Sklavenumschlagplätzen (Badagry, Calabar, Lagos) begann eine systematische christliche MissionierungÖffnet externen Link in neuem Fenster erst um 1842, ausgehend vom "Fourah Bay College" in Freetown/Sierra Leone, wo Großbritannien befreite Sklaven angesiedelt hatte. So stammte auch der erste Bischof Nigers (Westafrika), Samuel Ajayi Crowther, von dort. Den Anfang der Christianisierung machten die anglikanischen Missionare aus EnglandÖffnet externen Link in neuem Fenster. In den Folgejahren breitete sich das Christentum im Süden Nigerias nach und nach aus. Das Zentrum der Missionierung war die Stadt Abeokuta im Südwesten Nigerias. Die erste Missionsstation im Südosten Nigerias wurde erst 1885 in Onitsha gegründet.

Das Christentum unterteilt sich in Katholiken (13%), Protestanten (15%) und synchretistische afrikanische Kirchengemeinschaften (17%) - einer Vermischung von traditionellen Religionen und Freistilevangelisten, meistens Mitglieder evangelikaler und pentekostaler KirchenÖffnet externen Link in neuem Fenster. Über tausend dieser neuen afrikanischen Kirchengemeinden mit mehreren Millionen MitgliedernÖffnet externen Link in neuem Fenster gibt es bereit in Nigeria, Tendenz steigend. Dabei sind die meisten dieser Kirchen stark profitorientiert; "Church is business."Öffnet externen Link in neuem Fenster, ist ein geflügeltes Wort in Nigeria.

Als Dachverband verschiedener christlicher Kirchen und Organisationen in Nigeria fungiert die 1976 gegründete Christian Association of NigeriaÖffnet externen Link in neuem Fenster.

 

Kirchgang bei den Christen © E. Ede
Kirchgang bei den Christen © E. Ede
Afrikanische Kirchengem. junge Christin beim Gebet © H. Jockers
Afrikanische Kirchengem. junge Christin beim Gebet © H. Jockers

Die Naturreligionen

Trotz der Anfeindungen durch die etablierten Glaubenseinrichtungen über Jahrhunderte hinweg haben sich die traditionellen ReligionenÖffnet externen Link in neuem Fenster behaupten können und erleben drezeit eine Art Renaissance. Je nach Volksgruppe glaubt man an Erdgeister, Wassergötter, Ahnengeister, Gottheiten, Magie und Zauberei. Ausgeprägt bei den Volksgruppen im Süden Nigerias ist der "Juju-Glaube", in dessen Zentrum Juju als magische Zauberkraft steht. Erscheinungsformen sind Juju-Wälder, Juju-Flüsse, Juju-Pflanzen, Juju-Bäume oder auch Gegenstände wie Amulett und Talisman.

Trotz der Akzeptanz von Christentum und Islam sucht die breite Mehrheit der nigerianischen Bevölkerung im Juju Schutz vor fremden Mächten. Die nominelle Zugehörigkeit zu einer etablierten Religion bedeutet für viele Nigerianer/innen keineswegs die Aufgabe ihrer traditionellen Religion.

Naturreligion Oshogbo-Tempel © E. Ede
Naturreligion Oshogbo-Tempel © E. Ede

Religiös bedingte Konflikte

Das Verhältnis zwischen den Anhängern der beiden Religionen - Islam und Christentum - ist äußerst gespannt. Oft genügt ein geringer Anlass, um blutige Unruhen auszulösen. Ein auch nur annähernd in Verbindung gebrachter Vorfall im christlichen Süden gegen Muslime wird sofort Reaktionen im Norden hervorrufen, die immer wieder zum Tod von sog. Nichtgläubigen führen (Pogrome). Diese gehören mittlerweile zum politischen Alltagsgeschehen. Seit 1999 sprechen die offiziellen Zahlen von über 10.000 Toten aufgrund von religiösen UnruhenÖffnet externen Link in neuem Fenster. Die tatsächlichen Zahlen dürften um ein Vielfaches höher liegen.

Lesenswert dazu ist die Einschätzung der GlobalsecurityÖffnet externen Link in neuem Fenster. Mit der Einführung der Scharia in bisher 12 Nordstaaten haben sich die Spannungen verschärft.

Autor

Dr. Emmanuel I. Ede
Dr. Emmanuel I. Ede

Dr. Emmanuel I. Ede wurde 1955 in Agbani/Enugu-State, Nigeria, geboren und lebt seit 1971 in Deutschland. Neben seinem Beruf als selbstständiger Architekt ist er als Trainer für Interkulturelle Handlungskompetenzen mit den Schwerpunkten West- und Zentralafrika, als Tutor für landesspezifische Auslandsvorbereitung für  Nigeria sowie als Gutachter für politische Bildung tätig.

Der Autor freut sich über Ihre Kommentare und Anregungen zu dieser Nigeria-Länderinformationsseite.

Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Dezember 2011 aktualisiert.

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