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Bild oben: (links:) Mohammad Ali Jinnah, der Staatsgründer Pakistans, und Mahatma Gandhi (rechts) 1944. Nicht immer war das Verhältnis der beiden so entspannt wie auf diesem Bild, denn Gandhi kämpfte für die Einheit des zu befreienden Indiens, Jinnah dagegen setzte sich in den Jahren vor der Unabhängigkeit für die Eigenstaatlichkeit der indischen Muslime ein. (Bildquelle: Wikipedia
)
Unsere Zeittafel
(PDF, 70 KB) bietet Ihnen einen detaillierten historischen Abriss. Geschichte seit der Unabhängigkeit
wird ausführlich im Südasien-Info dargestellt.
Auf Jawed Sandhus Seiten finden Sie eine knappe Darstellung
der Geschichte Nordwestindiens und Pakistans im Sinne der pakistanischen Staatsdoktrin. (Siehe auch "5000 Jahre Hochkulturen" im Kapitel "Gesellschaft. & Kultur" dieses Landesinformationsportals).
Der als "Quaid-i-Azam" (großer Führer) verehrte Muhammad Ali Jinnah
(1876-1948) ist Symbol der nationalen Identität. Sein Bildnis findet sich in allen öffentlichen Gebäuden, sein Geburtstag (25. 12.) ist nationaler Feiertag. Dass die indischen Muslime 1947 nach dem Ende des britisch-indischen Kolonialreichs einen eigenen Staat erhielten, wird als sein Verdienst gewertet. Jinnah wollte jedoch keinen islamischen Staat, sondern einen Staat der Muslime mit parlamentarisch- demokratischer Struktur nach europäischem Vorbild. Da er schon ein Jahr nach der Unabhängigkeit starb, konnte er seine politischen Ziele nur unvollkommen umsetzen.


Seit dem 9. 9. 2008 ist Asif Ali Zardari Präsident Pakistans (Bild links). Den höchst umstrittenen Politiker
hat die allgemeine Sympathie für seine ermordete Ehefrau Benazir Bhutto ins Amt getragen. B. Bhutto, mehrmals Premierministerin Pakistans, war am 27. 12. 2007 einem Attentat zum Opfer gefallen. Obwohl die gültige pakistanische Verfassung dem Präsidenten ursprünglich eher eine repräsentative Rolle zumisst, ist dem Amt nach zahlreichen Verfassungsänderungen durch Zardaris Vorgänger Musharraf eine erhebliche Machtfülle zugewachsen.
Es gibt eine regierungsamtliche Webseite über den Präsidenten
, davon unabhängig hat die BBC ein Profil Zardaris
erstellt.
Am 18. Februar 2008 fanden endlich die Wahlen zur National Assembly und zu den Provinzparlamenten statt. Die beiden Oppositionsparteien Pakistan People´s Party (PPP) und Pakistan Muslim League - Nawaz (PML-N) siegten mit 121 und 91 von 342 Unterhaussitzen. Die Pro-Musharraf- Partei PML-Q, bekam nur 54 Sitze. Die aktuelle Liste der Abgeordneten
der Nationalversammlung nach Provinzen und Parteien mit Portraits der Abgeordneten.
Am 24. März 2008 wurde Yusuf Raza Gilani
, ( گیلانی ) (auch Gillani geschrieben) mit großer Mehrheit vom Unterhaus zum Premierminister gewählt.
Es folgt die aktuelle Kabinettsliste
.

Am 3.11.2007 rief der damalige Militärherrscher und Präsident Musharraf den Ausnahmezustand aus und ließ Tausende von politischen Gegnern verhaften. Jorge Scholz nennt dies "Musharrafs zweiten Staatsstreich"
.
Offenbar wollte der Machthaber damit verhindern, dass der Höchste Gerichtshof seine Wiederwahl zum Präsidenten für ungültig erklärt. Der standhafte oberste Richter Pakistans Iftikhar M. Chaudhry
und seine Kollegen wurden des Amtes enthoben und unter Hausarrest gestellt. Seit dem 16. März 2009 ist Chaudhry wieder im Amt.
Nach heftigen nationalen und internationalen Protesten und der Suspendierung der pakistanischen Mitgliedschaft im Commonwealth musste Musharraf sechs Wochen später den Ausnahmezustand wieder aufheben. Die ursprünglich für Herbst 2007 angesetzten Parlamentswahlen wurden auf den 18. Februar 2008 verschoben.

Am 27. Dezember 2007 spitzten sich die Ereignisse weiter zu, als die charismatische Oppositionspolitikerin und ehemalige Premierministerin Benazir Bhutto
auf einer Wahlveranstaltung in Rawalpindi ermordet
wurde. Einer der Attentäter sprengte sich anschließend in die Luft und riss mehr als 20 weitere Menschen in den Tod. Islamabad hielt Baitullah Mehsud, den Chef der pakistanischen Taliban
für den Drahtzieher. Die Hintergründe der Tat
bleiben aber im Dunkeln und zahlreiche Spekulationen darüber sind im Umluaf, z. B. dass Angehörige der PPP, Bhuttos eigener Partei, dahinter steckten (s. das Magazin "Hintergund"
). Im ganzen Land, besonders im Sindh, brachen Unruhen aus, zahllose Brandanschläge mit über 50 Toten wurden verübt, die längst geplanten Wahlen wurden auf den 18. Februar 2008 verschoben. Asif Ali Zardari, der Witwer Bhuttos, übernahm de facto die Leitung der Pakistan People's Party (s.a. Bhuttos politisches Testament
).
Die Verfassung
Pakistans sieht eine repräsentative parlamentarische Demokratie vor. Der Staatspräsident hat im Prinzip eine dem deutschen Bundespräsidenten vergleichbare Funktion, auch wenn die Präsidenten immer wieder versuchen, ihre Macht durch Verfassungsänderungen (amendments) zu erweitern. Das Parlament hat zwei Kammern: Senat (Oberhaus) und Nationalversammlung, die "National Assembly" (Unterhaus). Die National Assembly
hat eine eigene Website. Der Staat ist föderativ konstituiert: Er besteht aus den vier Bundesländern Punjab, Sindh, North West Frontier Province (NWFP) und Baluchistan, die je einen Gouverneur haben und von einer Landesregierung unter dem Chief Minister und einem Landesparlament (Provincial Assembly) regiert werden. Daneben gibt es eine Reihe von Sonderterritorien, die der Zentralverwaltung unterstehen, wie die Northern Areas, Azad Jammu and Kashmir, das Capital Territory und die Federally Administered Tribal Areas (FATA) entlang der afghanischen Grenze.
Die Rechtsprechung hat sich trotz massiver Eingriffe der Exekutive Respekt und internationales Ansehen bewahren können, weil es immer wieder standhafte Richter gab, wie z.B. Iftikhar M. Chaudhry (s.o.) und die übrigen von Musharraf abgesetzten Richter des höchsten Bundesgerichts
(Supreme Court), die das Recht gegen staatliche Willkür mutig verteidigten.
Doch auch die aufrechten Richter und Rechtsanwälte können nicht verhindern, dass im Bereich der Menschenrechte vieles im Argen liegt, wie Amnesty International
und Human Rights Watch
feststellen.
Auch wenn die Pressefreiheit
ständig gefährdet ist, hat Pakistan ein gut entwickeltes liberales Pressewesen, das für Besucher des Landes die beste Quelle ist, um sich über die politischen Ereignisse, Strömungen und Diskussionen zu informieren.
Besonders die folgenden englischsprachigen Zeitungen haben journalistisch und in ihrer Aufmachung internationales Niveau, sie stehen mit ihren Vollausgaben täglich im Internet: Die international angesehenste Zeitung ist der konservativ-liberale Dawn aus Karachi
, er wurde noch vom Staatsgründer Jinnah ins Leben gerufen und erhielt vor Jahren eine internationale Auszeichnung für die weltweit beste Web-Version einer Tageszeitung. Ebenfalls gut aufgemacht und immer hervorragend informiert ist The News International
aus Lahore und Islamabad. Lesenswert ist auch The Nation
aus Lahore, die besonders in ihren Leitartikeln und Kommentaren gerne die Obrigkeit kritisiert.
Auch die Frontier Post
(alternative Adresse
) aus Peshawar vertritt eine unabhängige und oft sperrige Meinung, mit der sie sich weder bei der Staatsgewalt, noch bei Vertretern der Geistlichkeit Freunde macht, und die sie daher mit häufigen Zwangsschließungen und Verhaftungen der Redakteure bezahlt. Blättern Sie in den Zeitungen, um sich selbst ein Bild zu machen. Eine tägliche Zusammenstellung einer Vielzahl von Pakistan-Nachrichten finden Sie in der Pak-Tribune
des Pakistan News Service und im Online International News Network
, der pakistanischen Nachrichtenagentur INN (vormals NNI).
Außerdem stellt World News Network eine laufend aktualisierte und illustrierte Zeitung zu Pakistan zusammen, genannt Pakistan Daily
Z. Zt. wird in Pakistan vor allem diskutiert,
ins Netz gestellt. Den Beginn der Swat-Krise
schilderte Jorge Scholz schon 2007. Zweifellos ist Pakistan heute im Kriegszustand
, wie U. Ladurner ferstellt. Vom gleichen Autor gibt es den Hintergrundbericht "Teufel im Paradies"
;
unter den lokalen Stämmen und mit ausländischen Jihadisten, und im Dawn lesen wir über die Machtspiele der Taliban
und ihrer Widersacher in den Stammesgebieten; eine Woche nach erscheinen dieses Artikel wurde Zainuddin ermordet
, der Hauptakteur der Story ;
;
für die Schweizer Justiz.
Außenpolitisch stehen folgende Themen im Vordergrund:
, der angeblich offiziellen Website der (pakistanischen) Regierung von Azad Jammu and Kashmir wird der Konflikt aus pakistanischer Sicht dargestellt, das (indische) Kashmir Information Network
vertritt die Gegenseite. In diesem Propagandanebel ist es nicht leicht, eine klare Sicht zu behalten. Darum bemüht sich dennoch die ausgewogene WWW-Virtual Library-Kashmir
mit einer kommentierten Linkliste zum Thema. Die AG Friedensforschung der Uni Kassel hat eine aktuelle Artikelserie
zum Thema herausgegeben.
Weitere außenpolitische Themen:
.
Zu den deutsch-pakistanischen Beziehungen in Politik und Wirtschaft informiert das Berliner Auswärtige Amt
. Die Beziehungen der EU zu Pakistan
bilden hier natürlich den Rahmen. Deutschland gehört zu den Initiatoren und Mitgliedern der Gruppe "Freunde eines demokratischen Pakistans"
, die am 26. Sept. 2008 in New York gegründet wurde und der außerdem die USA, Großbritannien, Pakistan, die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien, Italien, Frankreich, Japan, die Türkei, China, Australien, die EU und die VN angehören.