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Ashaninka-Indianer aus dem Tiefland

Gesellschaft, Kultur und Religion

BeschreibungInhalt
Amtssprache(n):Spanisch, Quechua, Aymara
bedeutendste Religion:Katholisch 89 %
weitere bedeutende Religion:Protestantisch 7 %
Städtische Bevölkerung:72,6 %
Lebenserwartung:70,7 Jahre

Peru

Landesflagge Peru

Sozialstruktur

Familia in der Sierra Cañon Cotahuasi
Familie im Andenhochland, (c) Nora Basurco

Daten zu Entwicklung und Zusammensetzung der Bevölkerung in ethnischer Hinsicht werden in Peru nicht geführt. Schätzungen zufolge wird die Bevölkerung des Landes wie folgt gruppiert: 15% Weiße, 33% Mestizen, 4% Afroperuaner sowie 47% Indianer.
Die Indianer Öffnet externen Link in neuem Fenster gehören zugleich zu 91% dem Volk der Quechua, zu 4.5% den Aymaras und zu 4.5% zu anderen Völker im Amazonasgebiet. Mit etwa 12 Mio. leben in Peru die meisten Indianer Amerikas. Die Indianer leben im Bergland oder in den Randsiedlungen der Großstädte, d.h. daß sie den höchsten Anteil der ArmenÖffnet externen Link in neuem Fenster darstellen, kaum Zugang zu Dienstleistungen, Information, Transport, Medien, Märkten, Bildung, Strom und Wasser haben und geringe politische Partizipation und sehr geringe politische Repräsentanz haben. In Peru werden die Indianer -wie in keinem anderen Land Südamerikas- diskriminiert. Die Afroperuaner sind ebenfalls von Diskrimination betroffen.

Indianische Gruppen haben sich im Nationalen Kongress der indigenen Völker PerusÖffnet externen Link in neuem Fenster zusammengetan. Das Forschungszentrum CAAAPÖffnet externen Link in neuem Fenster widmet sich der Förderung von Projekten mit den Ethnien des Amazonasbecken: AsháninkaÖffnet externen Link in neuem Fenster, AguarunaÖffnet externen Link in neuem Fenster, Shipibo-ConiboÖffnet externen Link in neuem Fenster und Kechwa-LamistaÖffnet externen Link in neuem Fenster (Landkarte der EthnienÖffnet externen Link in neuem Fenster).

Der Präsident Ollanta Humala nominierte bei Regierungsantritt die Sängerin, Susana Baca de la ColinaÖffnet externen Link in neuem Fenster, afrikanischen Ursprungs zur Kulturministerin. Sie wurde jedoch bei der 1. Kabinettsumbildung vom Dezember 2011 von Luís Alberto Peirano Falconí abgelöst. Das KulturministeriumÖffnet externen Link in neuem Fenster ist auch für interkulturelle Fragen zuständig.

Indianische FrauenÖffnet externen Link in neuem Fenster leiden unter einer erhöhten Kinder- und Müttersterblichkeit in ländlichen Gebieten und sind häufiger Opfer männlicher Gewalt. Die NRO "Flora Tristan"Öffnet externen Link in neuem Fenster setzt sich für die Rechte benachteiligte Frauen ein. 1996 wurde das Ministerium für Frauen und soziale Entwicklung ins Leben gerufen, 2011 gab es Aufgaben an das neugeschaffene Ministerium für sozialen Einscjhluss und wurde in Ministerium für Frauen und anfällige BevölkerungÖffnet externen Link in neuem Fenster umbenannt.  Es hat Notzentren zur Unterstützung der von sexuellen und familiären Gewalt betroffenen Frauen "CEM"Öffnet externen Link in neuem Fenster gegründet.
Das UNDP präsentiert alljährlich den Human Development Index. Daraus abgeleitet wird der Gender-Inequality IndexÖffnet externen Link in neuem Fenster. Peru liegt jeweils auf Platz 80Öffnet externen Link in neuem Fenster von 187 Ländern, die im 2011er Bericht aufgelistet werden.

Bildung

Schüler aus einem Elendsviertel
Schüler aus einem Elendsviertel (c) Freddy Hernani Chávez

In den letzten Jahren hat die Regierung grosse Anstrengungen zur Förderung des Erziehungssystems unternommen. So wurden im Jahre 2005 17% des Staatshaushalts diesem Bereich gewidmet, was 2.8% des BIP entspricht. Nach der CEPAL beträgt der Durchschnitt in Lateinamerika jeweils 18% und 4%.

Der Alphabetisierungsgrad konnte durch gezielten Ausbau des Schulwesens auf 91,6 Prozent erhöht werden (2005). Der Besuch öffentlicher Schulen ist unentgeltlich. Es besteht 11-jährige Schulpflicht (2002–2003); besonders in ländlichen Gebieten sind jedoch zu wenige Schulen vorhanden.

Das Bildungssystem Perus gliedert sich grob in drei Ebenen:

- Primarschule (6 Jahre)
- Sekundarschule (5 Jahre)
- Hochschulen (im Durchschnitt 5 Jahre)

Es gibt staatliche wie private Einrichtungen, wobei letztere von Kindern der einkommensstärkeren Schichten besucht werden und eine hohe Ausbildungsqualität haben. Der große Rest der ärmeren privaten und der staatlichen Schulen und Hochschulen kann keine vergleichbare Qualität bieten.

Die zweisprachige Erziehung (spanisch-quechua) wurde unter Velasco Alvarado in den 70er Jahre eingeführt. Die GTZ führte zu dieser Zeit ein Projekt in Puno mit Modellcharakter durch. Eine der Hauptschwierigkeiten war und ist die Sensiblisierung von Lehrern für die bilinguale Erziehung, da diese oft selber nur eine unzureichende Ausbildung haben und deren Bewusstsein die eigene Muttersprache betreffend, eher negativ ist. In einem auf monokulturelle und monolinguistische Erziehung ausgerichteten Bildungssystem gelingt der soziale Aufstieg in der Regel nur dem, der die eigene indianische Sprache möglichst ignoriert und sich bemüht, so gut wie möglich Spanisch zu lernen und sich in die spanisch und amerikanisch orientierte Kultur einzufügen.

In Peru gibt es über 40 Hochschulen, davon sind mehr als die Hälfte staatlich. Zu den größten Hochschulen zählen die Staatlichen Universitäten San Marcos in Lima (1551), San Agustín in Arequipa (1828), San Antonio Abad in Cuzco (1962) und La Libertad in Trujillo (1824).

Folgende Links führen Sie zu Aktivitäten einzelner Institutionen und Organisationen im Bildungsbereich:

Gesundheit und Sozialwesen

Mangelernährung
Mangelernährung

Für das Gesundheitswesen gilt in Peru in noch höherem Maße das, was auch für das Bildungswesen gilt: Medizin ist Dienstleistung. Wer Geld hat, wird gut medizinisch versorgt, wer keines hat, nicht. Eine Kranken- und Sozialversicherung gibt es zwar, in ihr sind aber gerade einmal etwa 20 % der Bevölkerung erfaßt. Es gibt auch (zu wenige) staatliche Medizinstationen und Krankenhäuser, in denen die Behandlung für Bedürftige kostenlos ist, aber deren Zustand ist meist schlecht und es fehlt an allen Ecken und Enden an Personal, Ausstattung und Medikamenten. Staatliche Programme, wie etwa zur Bekämpfung von Cholera, Tuberkulose, Gelbfieber und Lepra oder Programme zur Familienplanung gibt es ebenfalls, aber sie erreichen bei weitem nicht alle.

Der Altersaufbau ist charakterisiert durch einen großen Anteil an junger Bevölkerung. Im Jahre 2000 betrug der Anteil von Menschen unter 15 Jahren 37%. Die Lebenserwartung laut WHO beläuft sich auf 70,7 Jahre, die Kindersterblichkeit mit 25/1000 für 2007 ist immernoch recht hoch.
Die medizinische Versorgungslage variiert gemäß dem Stadt-Land-Gefälle, wobei die ländlichen Regionen benachteiligt sind. Bedingt durch Mangelernährung und schlechte Wohnverhältnisse sind Malaria, Chagas, Gelbfieber und Cholera immernoch in großen Teilen des Landes verbreitet. Mehr Information zur GesundheitssituationÖffnet externen Link in neuem FensterProblemenÖffnet externen Link in neuem Fenster und zu LösungenÖffnet externen Link in neuem Fenster im Land befinden sich bei der PAHO (Panamerikanische Gesundheitsorganisation).

Kultur

Kunst und Kultur

Zwar haben die Indianer eine vielseitige und reiche Kultur, sie verdecken und verstecken jedoch ihre Kultur und Ausdrucksformen. Das Wort "Indio" ist negativ geprägt, weil es mit Leibeigenschaft, Zwangsarbeit, Misshandlung und Minderwertigkeit verbunden wird. Wenn die Indianer in die Randsiedlungen der Großstädte migrieren, dann setzt sofort der Prozess der "cholificación" ein, die Anpassung an die weisse Kultur (Sprache, Nahrung, Kleidung). Denn nach wie vor gilt der Satz "je weisser desto einflussreicher". Trotzdem gründen diese Migranten Clubs der Provinzler, meistens mit Namen ihrer Herkunftsorte oder eines Landschaftsmerkmals (wie Brisas del TiticacaÖffnet externen Link in neuem Fenster statt Club der Aymara). Erst hierdurch lebt die kulturelle Identität mit der Pflege der kulturellen Ausdrucksformen (Tanz, Folklore) und Traditionen wieder auf.

In den 30er Jahren entstand die Bewegung des "IndigenismoÖffnet externen Link in neuem Fenster", die sich gegen die Diskriminierung der Indianer wandte. Ein bedeutender Vertreter dieser Bewegung war der bekannte Anthropologe, Verfechter der Quechua-Sprache und Ankläger des feudalen Systems, José María Arguedas. In seiner Erzählung "Traum eines Indiojungen"Öffnet externen Link in neuem Fenster (englische VersionÖffnet externen Link in neuem Fenster) bringt er die Situation der Ausbeutung der Indianer im feudalen System der Großgrundbesitzer des Andenhochlands zum Ausdruck. Der bedeutende Vertreter des politischen Indigenismo ist José Carlos MariáteguiÖffnet externen Link in neuem Fenster, der eine Änderung der Lage der Indianer nur im Rahmen eines umfassenden politischen Wandels sah.

Die Kultur Perus im 20. Jh. ist ansonsten geprägt durch die Kultur der Weißen und des Bürgertums. Indianische Künstler, wie der Fotograf aus Cuzco Martin ChambiÖffnet externen Link in neuem Fenster, der es zu weltweiten Ruhm mit seinen sozialdokumentarischen BildernÖffnet externen Link in neuem Fenster gebracht hat, sind eine klare Ausnahme.

Zu den bekanntesten Vertretern der zeitgenössischen Literatur Perus gehören der Dichter César VallejoÖffnet externen Link in neuem Fenster, sowie die Literaten Mario Vargas LlosaÖffnet externen Link in neuem Fenster und Alfredo Bryce EcheniqueÖffnet externen Link in neuem Fenster, dessen Debütwerk Eine Welt für JuliusÖffnet externen Link in neuem Fenster geschrieben 1970 erst 2002 auf deutsch erschienen ist. Überraschend wurde dem 74-jährigen Vargas Llosa der Literaturnobelpreis 2010 Öffnet externen Link in neuem Fenster für sein umfangreiches konstantes literarisches Schaffen verliehen. In der Begründung der schwedischen Nobelpreis-Akademie heisst es, Vargas erhält diese Auszeichnung für seine "Kartografien von Machtstrukturen und seine bissigen Bilder von Widerstand, Revolte und Niederlage des Individuums". Vargas Llosa ist nicht nur ein Buchautor, er ist stets ein politischer Mensch geblieben. Ende der 80er Jahren führte er die Proteste gegen die Verstaatlichung des Bankensektors durch Alan García an, gründete die Bewegung Libertad und kandidierte 1990 zum Präsidentenamt Perus. Der damals unbekannte Fujimori wurde Präsident nach einer Stichwahl. Entäuscht zog sich der Literat aus der aktiven Politik zurück. Doch bald übernahm er eine Kolumne in der angesehenen spanischen Zeitung EL PaísÖffnet externen Link in neuem Fenster, in der er regelmässig Essays über aktuelle politische Themen schreibt. Als prinzipienfester Neoliberaler brach er vor kurzem ein Amnestiegesetz Öffnet externen Link in neuem Fenster von A. García zu Fall.

Nach wie vor sind die Schätze der prähispanischen Kulturen für PeruÖffnet externen Link in neuem Fenster von großer Bedeutung, die in den Museen Larco HerreraÖffnet externen Link in neuem Fenster, PachacamacÖffnet externen Link in neuem Fenster oder SipánÖffnet externen Link in neuem Fenster zu sehen sind. Besonders erwähnenswert ist die Textilkunst der vorinkaischen Kulturen MocheÖffnet externen Link in neuem Fenster , ChimuÖffnet externen Link in neuem Fenster, NascaÖffnet externen Link in neuem Fenster und LambayequeÖffnet externen Link in neuem Fenster

Der peruanische Film ist über seine Grenzen hinaus bekannt. Die Filme von Francisco LombardiÖffnet externen Link in neuem Fenster, der sich mit sozialkritischen Themen in seinem Land auseinandersetzt, sind mehrfach auf internationalen Filmfestivals ausgezeichnet worden. So wurde "Der Hauptmann und sein Frauenbataillon" nach einem Roman von Vargas Llosa auf der Berlinade vorgestellt. Die junge peruanische Filmemacherin Claudia Llosa macht mit ihrem neuen Film "Madeinusa"Öffnet externen Link in neuem Fenster in Perú Furore. Sie erhielt auf die Berlinale 2009 den goldenen Bären für den besten Film "la teta asustadaÖffnet externen Link in neuem Fenster" (Milch des Leids).

Musik und Tanz

Der bekannte Tenor Juan Carreras unterhält in seinem Internetauftritt einige Sites zu dem jungen peruanischen Tenor Juan Diego FlorezÖffnet externen Link in neuem Fenster, der zu einem der beliebtesten Tenöre weltweit gehört.
Wenn Sie Lust haben, sich mit der vielseitigen peruanischen Musik zu befassen, besuchen Sie "música peruana"Öffnet externen Link in neuem Fenster, in der Sie peruanische Walzer, andine "huaynos" oder afroperuanische Rythmen genießen können. Aus der afroperuanischen Kultur hat eines ihrer Instrumente, der "cajón"Öffnet externen Link in neuem Fenster es zum Ruhm gebracht. Es gibt kaum eine Flamenco-Gruppe, die dieses Instrument nicht einsetzt. Das Forschungs- und Informationszentrum über peruanisches Folklore CIDAN Perú informiert über die Tänze der verschiedenen Regionen.

Die Ballet-Tänzerin, Vania MasíasÖffnet externen Link in neuem Fenster, hat den klassischen Tanz verlassen und widmet sich der Ausbildung und Arbeit mit Jugendlichen aus benachteiligten Sektoren. Im Kulturverein "Angeles D1" Öffnet externen Link in neuem Fenster wird Jugendlichen eine Lebensalternative angeboten.

Sport

Die beliebteste Sportart des Landes ist Fußball, wer sich dafür interessiert, kann sich über aktuelle Spiele der peruanischen MannschaftenÖffnet externen Link in neuem Fenster informieren. Peruanische Fußballer sind bei ausländischen Teams gefragt, wie die Fälle von Pizarro bei Werder Bremen, Guerrero beim HSV und Jefferson Farfan bei Schalke beweisen. Über die Grenzen des Landes hinweg erfreut sich das Reiten von Pferden "Paso peruano"Öffnet externen Link in neuem Fenster großer Beliebtheit.

Video zu Musik mit dem "cajón"
Video zu Musik mit dem "cajón"

Religion

Die katholische Kirche hat in Perú von jeher einen grossen EinflußÖffnet externen Link in neuem Fenster (nicht aktivEnde Januar 2010) auf Politik und Gesellschaft, der sich bis heute bewahrt hat. Sie ist auch durch die Spannungen im LandeÖffnet externen Link in neuem Fenster stark betroffen.

Die Theologie der Befreiung Öffnet externen Link in neuem Fenster hat in Perú ihren Ursprung. Das bahnbrechende Buch "teología de la liberación" wurde von Gustavo GutiérrezÖffnet externen Link in neuem Fenster verfaßt. Ein konkreter Ausdruck dieser theologischen Strömung läßt sich in der Entwicklung der Kirche CajamarcasÖffnet externen Link in neuem Fenster verfolgen. Dominant ist wie in der übrigen Region auch die römisch-katholische Religion, der etwa 90 % der Bevölkerung angehören.

Die protestantische Kirche führte lange ein Schattendasein. Sowohl die evangelischeÖffnet externen Link in neuem Fenster als auch die deutsche katholische KircheÖffnet externen Link in neuem Fenster unterhalten Projekte und Partnerschaften in Perú. Wie in vielen lateinamerikanischen Ländern erleben auch in Perú seit einigen Jahrzehnten basiskirchliche Strömungen und Gruppen der Pfingstbewegung Zuspruch. Durch die von Indigenen ausgeübten Kulte sind heute synkretische Mischformen zu beobachten, welche besonders bei religiösen Festen ihren Ausdruck finden.

Fest von der Jungfrau der Candelaria in Puno
Fest von der Jungfrau der Candelaria in Puno, Foto: PromPerú ©

Über den Autor

Gerardo Basurco Valverde, Dr. phil, Dipl. Volkswirt, geb. 1953, Studium der Volkswirtschaft und Politikwissenschaft.
Gutachter von Projekten der Entwicklungszusammenarbeit.

Für Anregungen und Kommentare wäre ich Ihnen dankbar.

Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im März 2012 aktualisiert.

Literaturhinweise

Literatur zu sozialen Bewegungen in PeruÖffnet externen Link in neuem Fenster

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