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Daten zu Entwicklung und Zusammensetzung der Bevölkerung in ethnischer Hinsicht werden in Peru nicht geführt. Schätzungen zufolge wird die Bevölkerung des Landes wie folgt gruppiert: 15% Weiße, 33% Mestizen, 4% Afroperuaner sowie 47% Indianer.
Die Indianer
gehören zugleich zu 91% dem Volk der Quechua, zu 4.5% den Aymaras und zu 4.5% zu anderen Völker im Amazonasgebiet. Mit etwa 12 Mio. leben in Peru die meisten Indianer Amerikas. Die Indianer leben im Bergland oder in den Randsiedlungen der Großstädte, d.h. daß sie den höchsten Anteil der Armen
darstellen, kaum Zugang zu Dienstleistungen, Information, Transport, Medien, Märkten, Bildung, Strom und Wasser haben und geringe politische Partizipation und sehr geringe politische Repräsentanz haben. In Peru werden die Indianer -wie in keinem anderen Land Südamerikas- diskriminiert. Die Afroperuaner sind ebenfalls von Diskrimination betroffen.
Indianische Gruppen haben sich im Nationalen Kongress der indigenen Völker Perus
zusammengetan. Das Forschungszentrum CAAAP
widmet sich der Förderung von Projekten mit den Ethnien des Amazonasbecken: Asháninka
, Aguaruna
, Shipibo-Conibo
und Kechwa-Lamista
(Landkarte der Ethnien
).
Der Präsident Ollanta Humala nominierte bei Regierungsantritt die Sängerin, Susana Baca de la Colina
, afrikanischen Ursprungs zur Kulturministerin. Sie wurde jedoch bei der 1. Kabinettsumbildung vom Dezember 2011 von Luís Alberto Peirano Falconí abgelöst. Das Kulturministerium
ist auch für interkulturelle Fragen zuständig.
Indianische Frauen
leiden unter einer erhöhten Kinder- und Müttersterblichkeit in ländlichen Gebieten und sind häufiger Opfer männlicher Gewalt. Die NRO "Flora Tristan"
setzt sich für die Rechte benachteiligte Frauen ein. 1996 wurde das Ministerium für Frauen und soziale Entwicklung ins Leben gerufen, 2011 gab es Aufgaben an das neugeschaffene Ministerium für sozialen Einscjhluss und wurde in Ministerium für Frauen und anfällige Bevölkerung
umbenannt. Es hat Notzentren zur Unterstützung der von sexuellen und familiären Gewalt betroffenen Frauen "CEM"
gegründet.
Das UNDP präsentiert alljährlich den Human Development Index. Daraus abgeleitet wird der Gender-Inequality Index
. Peru liegt jeweils auf Platz 80
von 187 Ländern, die im 2011er Bericht aufgelistet werden.
In den letzten Jahren hat die Regierung grosse Anstrengungen zur Förderung des Erziehungssystems unternommen. So wurden im Jahre 2005 17% des Staatshaushalts diesem Bereich gewidmet, was 2.8% des BIP entspricht. Nach der CEPAL beträgt der Durchschnitt in Lateinamerika jeweils 18% und 4%.
Der Alphabetisierungsgrad konnte durch gezielten Ausbau des Schulwesens auf 91,6 Prozent erhöht werden (2005). Der Besuch öffentlicher Schulen ist unentgeltlich. Es besteht 11-jährige Schulpflicht (2002–2003); besonders in ländlichen Gebieten sind jedoch zu wenige Schulen vorhanden.
Das Bildungssystem Perus gliedert sich grob in drei Ebenen:
- Primarschule (6 Jahre)
- Sekundarschule (5 Jahre)
- Hochschulen (im Durchschnitt 5 Jahre)
Es gibt staatliche wie private Einrichtungen, wobei letztere von Kindern der einkommensstärkeren Schichten besucht werden und eine hohe Ausbildungsqualität haben. Der große Rest der ärmeren privaten und der staatlichen Schulen und Hochschulen kann keine vergleichbare Qualität bieten.
Die zweisprachige Erziehung (spanisch-quechua) wurde unter Velasco Alvarado in den 70er Jahre eingeführt. Die GTZ führte zu dieser Zeit ein Projekt in Puno mit Modellcharakter durch. Eine der Hauptschwierigkeiten war und ist die Sensiblisierung von Lehrern für die bilinguale Erziehung, da diese oft selber nur eine unzureichende Ausbildung haben und deren Bewusstsein die eigene Muttersprache betreffend, eher negativ ist. In einem auf monokulturelle und monolinguistische Erziehung ausgerichteten Bildungssystem gelingt der soziale Aufstieg in der Regel nur dem, der die eigene indianische Sprache möglichst ignoriert und sich bemüht, so gut wie möglich Spanisch zu lernen und sich in die spanisch und amerikanisch orientierte Kultur einzufügen.
In Peru gibt es über 40 Hochschulen, davon sind mehr als die Hälfte staatlich. Zu den größten Hochschulen zählen die Staatlichen Universitäten San Marcos in Lima (1551), San Agustín in Arequipa (1828), San Antonio Abad in Cuzco (1962) und La Libertad in Trujillo (1824).
Folgende Links führen Sie zu Aktivitäten einzelner Institutionen und Organisationen im Bildungsbereich:
Erziehung
(Departament angeben) 
(Duale Erziehung)
Studien für Postgraduierten
(Lima)
(Cuzco)
CIES
IEP
Für das Gesundheitswesen gilt in Peru in noch höherem Maße das, was auch für das Bildungswesen gilt: Medizin ist Dienstleistung. Wer Geld hat, wird gut medizinisch versorgt, wer keines hat, nicht. Eine Kranken- und Sozialversicherung gibt es zwar, in ihr sind aber gerade einmal etwa 20 % der Bevölkerung erfaßt. Es gibt auch (zu wenige) staatliche Medizinstationen und Krankenhäuser, in denen die Behandlung für Bedürftige kostenlos ist, aber deren Zustand ist meist schlecht und es fehlt an allen Ecken und Enden an Personal, Ausstattung und Medikamenten. Staatliche Programme, wie etwa zur Bekämpfung von Cholera, Tuberkulose, Gelbfieber und Lepra oder Programme zur Familienplanung gibt es ebenfalls, aber sie erreichen bei weitem nicht alle.
Der Altersaufbau ist charakterisiert durch einen großen Anteil an junger Bevölkerung. Im Jahre 2000 betrug der Anteil von Menschen unter 15 Jahren 37%. Die Lebenserwartung laut WHO beläuft sich auf 70,7 Jahre, die Kindersterblichkeit mit 25/1000 für 2007 ist immernoch recht hoch.
Die medizinische Versorgungslage variiert gemäß dem Stadt-Land-Gefälle, wobei die ländlichen Regionen benachteiligt sind. Bedingt durch Mangelernährung und schlechte Wohnverhältnisse sind Malaria, Chagas, Gelbfieber und Cholera immernoch in großen Teilen des Landes verbreitet. Mehr Information zur Gesundheitssituation
, Problemen
und zu Lösungen
im Land befinden sich bei der PAHO (Panamerikanische Gesundheitsorganisation).
Zwar haben die Indianer eine vielseitige und reiche Kultur, sie verdecken und verstecken jedoch ihre Kultur und Ausdrucksformen. Das Wort "Indio" ist negativ geprägt, weil es mit Leibeigenschaft, Zwangsarbeit, Misshandlung und Minderwertigkeit verbunden wird. Wenn die Indianer in die Randsiedlungen der Großstädte migrieren, dann setzt sofort der Prozess der "cholificación" ein, die Anpassung an die weisse Kultur (Sprache, Nahrung, Kleidung). Denn nach wie vor gilt der Satz "je weisser desto einflussreicher". Trotzdem gründen diese Migranten Clubs der Provinzler, meistens mit Namen ihrer Herkunftsorte oder eines Landschaftsmerkmals (wie Brisas del Titicaca
statt Club der Aymara). Erst hierdurch lebt die kulturelle Identität mit der Pflege der kulturellen Ausdrucksformen (Tanz, Folklore) und Traditionen wieder auf.
In den 30er Jahren entstand die Bewegung des "Indigenismo
", die sich gegen die Diskriminierung der Indianer wandte. Ein bedeutender Vertreter dieser Bewegung war der bekannte Anthropologe, Verfechter der Quechua-Sprache und Ankläger des feudalen Systems, José María Arguedas. In seiner Erzählung "Traum eines Indiojungen"
(englische Version
) bringt er die Situation der Ausbeutung der Indianer im feudalen System der Großgrundbesitzer des Andenhochlands zum Ausdruck. Der bedeutende Vertreter des politischen Indigenismo ist José Carlos Mariátegui
, der eine Änderung der Lage der Indianer nur im Rahmen eines umfassenden politischen Wandels sah.
Die Kultur Perus im 20. Jh. ist ansonsten geprägt durch die Kultur der Weißen und des Bürgertums. Indianische Künstler, wie der Fotograf aus Cuzco Martin Chambi
, der es zu weltweiten Ruhm mit seinen sozialdokumentarischen Bildern
gebracht hat, sind eine klare Ausnahme.
Zu den bekanntesten Vertretern der zeitgenössischen Literatur Perus gehören der Dichter César Vallejo
, sowie die Literaten Mario Vargas Llosa
und Alfredo Bryce Echenique
, dessen Debütwerk Eine Welt für Julius
geschrieben 1970 erst 2002 auf deutsch erschienen ist. Überraschend wurde dem 74-jährigen Vargas Llosa der Literaturnobelpreis 2010
für sein umfangreiches konstantes literarisches Schaffen verliehen. In der Begründung der schwedischen Nobelpreis-Akademie heisst es, Vargas erhält diese Auszeichnung für seine "Kartografien von Machtstrukturen und seine bissigen Bilder von Widerstand, Revolte und Niederlage des Individuums". Vargas Llosa ist nicht nur ein Buchautor, er ist stets ein politischer Mensch geblieben. Ende der 80er Jahren führte er die Proteste gegen die Verstaatlichung des Bankensektors durch Alan García an, gründete die Bewegung Libertad und kandidierte 1990 zum Präsidentenamt Perus. Der damals unbekannte Fujimori wurde Präsident nach einer Stichwahl. Entäuscht zog sich der Literat aus der aktiven Politik zurück. Doch bald übernahm er eine Kolumne in der angesehenen spanischen Zeitung EL País
, in der er regelmässig Essays über aktuelle politische Themen schreibt. Als prinzipienfester Neoliberaler brach er vor kurzem ein Amnestiegesetz
von A. García zu Fall.
Nach wie vor sind die Schätze der prähispanischen Kulturen für Peru
von großer Bedeutung, die in den Museen Larco Herrera
, Pachacamac
oder Sipán
zu sehen sind. Besonders erwähnenswert ist die Textilkunst der vorinkaischen Kulturen Moche
, Chimu
, Nasca
und Lambayeque
.
Der peruanische Film ist über seine Grenzen hinaus bekannt. Die Filme von Francisco Lombardi
, der sich mit sozialkritischen Themen in seinem Land auseinandersetzt, sind mehrfach auf internationalen Filmfestivals ausgezeichnet worden. So wurde "Der Hauptmann und sein Frauenbataillon" nach einem Roman von Vargas Llosa auf der Berlinade vorgestellt. Die junge peruanische Filmemacherin Claudia Llosa macht mit ihrem neuen Film "Madeinusa"
in Perú Furore. Sie erhielt auf die Berlinale 2009 den goldenen Bären für den besten Film "la teta asustada
" (Milch des Leids).
Der bekannte Tenor Juan Carreras unterhält in seinem Internetauftritt einige Sites zu dem jungen peruanischen Tenor Juan Diego Florez
, der zu einem der beliebtesten Tenöre weltweit gehört.
Wenn Sie Lust haben, sich mit der vielseitigen peruanischen Musik zu befassen, besuchen Sie "música peruana"
, in der Sie peruanische Walzer, andine "huaynos" oder afroperuanische Rythmen genießen können. Aus der afroperuanischen Kultur hat eines ihrer Instrumente, der "cajón"
es zum Ruhm gebracht. Es gibt kaum eine Flamenco-Gruppe, die dieses Instrument nicht einsetzt. Das Forschungs- und Informationszentrum über peruanisches Folklore CIDAN Perú informiert über die Tänze der verschiedenen Regionen.
Die Ballet-Tänzerin, Vania Masías
, hat den klassischen Tanz verlassen und widmet sich der Ausbildung und Arbeit mit Jugendlichen aus benachteiligten Sektoren. Im Kulturverein "Angeles D1"
wird Jugendlichen eine Lebensalternative angeboten.
Die beliebteste Sportart des Landes ist Fußball, wer sich dafür interessiert, kann sich über aktuelle Spiele der peruanischen Mannschaften
informieren. Peruanische Fußballer sind bei ausländischen Teams gefragt, wie die Fälle von Pizarro bei Werder Bremen, Guerrero beim HSV und Jefferson Farfan bei Schalke beweisen. Über die Grenzen des Landes hinweg erfreut sich das Reiten von Pferden "Paso peruano"
großer Beliebtheit.
Die katholische Kirche hat in Perú von jeher einen grossen Einfluß
(nicht aktivEnde Januar 2010) auf Politik und Gesellschaft, der sich bis heute bewahrt hat. Sie ist auch durch die Spannungen im Lande
stark betroffen.
Die Theologie der Befreiung
hat in Perú ihren Ursprung. Das bahnbrechende Buch "teología de la liberación" wurde von Gustavo Gutiérrez
verfaßt. Ein konkreter Ausdruck dieser theologischen Strömung läßt sich in der Entwicklung der Kirche Cajamarcas
verfolgen. Dominant ist wie in der übrigen Region auch die römisch-katholische Religion, der etwa 90 % der Bevölkerung angehören.
Die protestantische Kirche führte lange ein Schattendasein. Sowohl die evangelische
als auch die deutsche katholische Kirche
unterhalten Projekte und Partnerschaften in Perú. Wie in vielen lateinamerikanischen Ländern erleben auch in Perú seit einigen Jahrzehnten basiskirchliche Strömungen und Gruppen der Pfingstbewegung Zuspruch. Durch die von Indigenen ausgeübten Kulte sind heute synkretische Mischformen zu beobachten, welche besonders bei religiösen Festen ihren Ausdruck finden.

Gerardo Basurco Valverde, Dr. phil, Dipl. Volkswirt, geb. 1953, Studium der Volkswirtschaft und Politikwissenschaft.
Gutachter von Projekten der Entwicklungszusammenarbeit.
Für Anregungen und Kommentare wäre ich Ihnen dankbar.
Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im März 2012 aktualisiert.
Literatur zu sozialen Bewegungen in Peru
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