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Ruanda
liegt im östlichen Zentralafrika zwischen 1° und 3° südlich des Äquators. Das Binnenland mitten in der Region der Großen Seen
grenzt im Norden an Uganda
, im Osten an Tansania
, im Süden an Burundi und im Westen an die Demokratische Republik Kongo
.
Die Entfernung von der Küste beträgt ca. 1200 Straßenkilometer vom Indischen Ozean (Mombasa, Kenya und Dar es Salaam, Tanzania) bzw. über 3000 km zum Atlantischen Ozean.
Mit 26.338 Quadratkilometer Fläche ist Ruanda einer der kleinsten Staaten Afrikas und entspricht in seiner Ausdehnung etwa der Größe von Bundesländern wie Hessen oder Rheinland-Pfalz u. Saarland zusammen.

Impressionen
über Land und Leute vermittelt eine interaktive Website der staatlichen Agentur für Tourismus
und Nationalparks bei "Rwanda Development Board (RDB)
". Klicken Sie sich durch verschiedene Reisestationen des Landes durch. Sie betrachten dabei Landschaftsbilder, Videosequenzen und lesen dazu kurze Beschreibungen.
Die letzten umfangreichen Erhebungen über Grunddaten Ruandas stammen aus dem Jahr 2005. Das unabhängige Nationalinstitut für Statistiken (NISR)
hält die wichtigsten Grunddaten aus offiziellen Quellen auf dem aktuellsten Stand. Vergleichende Schätzungszahlen aus unabhängigen internationalen Quellen
divergieren oft erheblich. Wesentliche Daten über Ruanda bietet auch in tabellarischer Übersicht das World Factbook der CIA
an.
Die Bezeichnung "Land der tausend Hügel" weist darauf hin, dass der größte Teil der Staatsfläche von einer hügeligen Hochebene (1.500-1.700 m) eingenommen wird. Langgestreckte Hügel mit zum Teil sehr steilen Hängen werden von schmalen, oft sumpfigen Tälern getrennt.
Der Westen besteht aus einem stark zerschnittenen Gebirgsrand, der von fast 3.000 m Höhe auf fast 1.600 m abfällt. Der höchste Gipfel ist der Karisimbi (4507 m)
im vulkanischen Virunga-Gebirge
. Der Osten dagegen ist eine trockene Savanne, die mit einer ausgedehnten Sumpffläche durchsetzt ist. Zahlreiche große Seen prägen die Landschaft und zeichnen sich durch eigenwillige Formen aus, die von umliegenden Gebirgen bestimmt werden.
Für afrikanische Verhältnisse ist das Klima in Ruanda feucht. Zwei Regenzeiten (März bis Juni, Oktober bis November)werden von einer großen und einer kleinen Trockenzeit unterbrochen. Die Jahresniederschläge
schwanken je nach Region
zwischen 750-2.000 mm. In den meisten Landesteilen liegen sie bei über 1.000 mm im Jahr (in den Gebirgswäldern höher). Von Juli bis September ist es meist trocken und Regen ist eine Seltenheit. Die feuchteste Jahreszeit liegt zwischen Februar und Mai, wenn die meisten Landstriche durchschnittlich 150 bis 200 mm Regen pro Monat verzeichnen.
Die Verbindung von Tropen- und Höhenlage gewährleistet in Ruanda das ganze Jahr hindurch ein gemäßigtes Klima
. Höchsttemperaturen von über 30°C und Tiefstwerte unter 15°C sind selten. Ausnahmen sind die eisigen Höhenzüge der Virunga-Berge einerseits, und andererseits der tief gelegene Grenzstreifen zu Tansania im Akagera-Nationalpark.
Das relativ milde Hochland-Klima mit durchschnittlichen Jahrestemperaturen von 18-21 °C hat Ruanda den Beinamen "Land des ewigen Frühlings" eingebracht. Entsprechend seiner Lage in der Tropenzone weist Ruanda ein ausgeprägtes Tageszeitenklima auf, d. h. die Tagesschwankungen der Temperaturen sind größer als die Schwankungen der Jahresamplitude.
Die natürliche Vegetation Ruandas wurde durch den Menschen weitgehend zerstört bzw. verändert. Nur in inselhaften Bereichen des zentralen Hochlandes sowie in den drei Naturreservaten (Nebelwald Nyungwe
, Virunga-Vulkanpark
, Akagera-Nationalpark
) existiert noch die ursprüngliche Flora des Landes. Im Westen Ruandas sind bis in 2500 m Höhe tropischer Bergwald und Feuchtsavanne anzutreffen. In höheren Lagen sind Bambuswälder sowie alpine Vegetation zu finden. Im inneren Hochland überwiegt Feuchtsavanne, die im Osten in eine trockenere Savanne übergeht. Im Überschwemmungsgebiet des Akagera, einem Quellfluss des Nils
, finden sich feuchtigkeitsliebende Pflanzengesellschaften wie Sumpfgräser, Papyruspflanzen und Wasserhyazinthen.
Die bekanntesten Tiere Ruandas sind seit der Verfilmung des Lebens von Diane Fossey
die Berggorillas
. Sie leben in Familienverbänden von durchschnittlich elf Tieren. Neben dem Oberhaupt der Gruppe, dem Silberrücken, gibt es etwa drei bis sieben Weibchen mit ihren Kindern und Halbwüchsigen. Die Männchen erreichen dabei eine Körpergröße von 2 Metern, die Weibchen 1,40 Meter. Je nach Nahrungsangebot ist das Territorium, das von den Tieren durchstreift wird, 10-40 Quadratkilometer groß. Seit 1989 ist die Population der Berggorillas
um fast 50% gewachsen. Artenschützer hatten befürchtet
, dass während der anhaltenden Unruhen in der Region die Berggorillas untergehen könnten. Doch obwohl es Opfer unter den Tieren gegeben hat, sind die meisten Gorillas Wilderern
und Armeegefechten entgangen. So konnte ihre Zahl von 324 im Jahr 1989 auf 380 in 2003 und auf 480 im Jahr 2010 anwachsen (Erhebung geführt vom International Gorilla Conservation Programme (IGCP
) in Zusammenarbeit mit mehreren Naturschutz-Organisationen). Die Berggorillas bleiben weiterhin durch Wilderei bedroht.
Neben den Berggorillas beherbergen Ruandas Nationalparks Schimpansen im Nyungwe Wald und im Akagera Nationalpark Großwild wie Giraffen und Elefanten sowie eine große Anzahl weiterer Tiere (Impalas, Warzenscheine, Kafferbüffel, Zebras, Wasserböcke, Nilpferde, Affen, Kronenkraniche etc.)
Die landschaftliche Beschaffenheit sowie die besonders hohe Besiedlung Ruandas haben zahlreiche ökologische Probleme
zur Folge. Über 80% der Landesfläche ist heute in Kultur genommen worden. Die wachsende Nachfrage nach Brennholz für Koch- und Heizzwecke sowie der Bedarf an Anbauflächen und Weideland haben zu erheblichen Rodungen
des Waldbestandes geführt. Der Anteil des Waldes an der Gesamtfläche wurde bereits von ca. 65% auf 8% reduziert.
Ein weiteres ökologisches Problem ist die Bodenerosion
. Auslösende Faktoren zusätzlich zur Abholzung und Überweidung sind: die starken Hangneigungen, der Wegfall der früher üblichen Grasbrache sowie die tiefe Bodenbearbeitung mit der Hacke. Einjährige Kulturen verstärken das Erosionsproblem, da zur Zeit der Aussaat und nach der Ernte der Boden ohne schützende Pflanzendecke den heftigen Niederschlägen während der Regenzeiten ausgesetzt ist.
In Ruanda werden derzeit Forschungsarbeiten von Seiten des Instituts für Biologie und des Geographischen Instituts der Uni Koblenz-Landau durchgeführt. Ziel ist es, Möglichkeiten zu einer ökologisch angepassten Nutzung
der vorhandenen Ressourcen zu erarbeiten und damit einen Beitrag zur Erhaltung der Biodiversität und zum Schutz vor Landschaftsdegradation zu leisten. Im Rahmen einer langjährigen Partnerschaft
zwischen Ruanda und dem Bundesland Rheinland-Pfalz hat sich eine interuniversitäre Kooperation entwickelt, was sich unter anderem in einem kontinuierlichen personellen Austausch (Professoren und Studierenden) zwischen der ruandischen Universität in Butare und der rheinland-pfälzischen Universität Koblenz-Landau widerspiegelt.
Die Bemühungen zur Erhaltung der drei Nationalparks, trotz begrenzten Raums, stellt einen wichtigen Baustein der Umweltpolitik der Regierung
dar. Neben dem Umweltschutz bestehen hier Beschäftigungsförderprogramme, die durch eine stärkere Einbindung der Anwohner in den Tourismus neue alternative Einkommensquellen schaffen.
Erwähnenswert sind ebenfalls Bemühungen der Regierung im Bereich der Abfallentsorgung
. Dabei hat die Regierung durch einige kompromisslose Entscheidungen und strengere Vorgehensweise Vorschritte
erzielt. So ist die Hauptstadt Kigali während der letzten Jahre erkennbar sauberer geworden. Eine außergewöhnliche Maßnahme war das heute noch geltende Verbot der Nutzung und Einführung von Einkaufstüten aus Plastik. Sie wurden durch Tragetaschen aus Sisal oder Papier ersetzt.
Ruanda gehört mit einer Bevölkerung
von ca. 10,7 Millionen Menschen zu den am dichtesten besiedelten Ländern Afrikas. In einigen Regionen beträgt die Bevölkerungsdichte bereits bis zu 1000 Einwohner pro Quadratkilometer. Das jährliche Bevölkerungswachstum
ist seit Jahrzehnten unverändert hoch und liegt zur Zeit bei 2,8%. Um die Bevölkerungsexplosion einzudämmen ist die Regierung bemüht durch drastische Maßnahmen, wie beispielsweise eine Drei-Kind-Familienpolitik
, die Geburtenkontrolle durchzusetzen.
Die städtische Bevölkerung
in Ruanda ist in den letzten 15 Jahren drastisch von unter fünf auf rund 17% angestiegen. Die Hauptstadt Kigali
zählt mittlerweile ca.1 Mio Einwohner. Weitere Städte sind Gitarama
(Muhanga), Butare
(Huye), Ruhengeri
(Musanze) und Gisenyi
(Rubavu), deren Einwohnerzahlen aber jeweils nur bei ca. 100.000 liegen. Der Großteil der Bevölkerung lebt jedoch nach wie vor auf dem Land.
Dörfer als soziale und kulturelle Einheiten wie beispielsweise in Europa sind grundsätzlich unbekannt. Vielmehr herrscht eine Streusiedlungsweise. Die ländliche Bevölkerung lebt in Einzelgehöften. Die Gehöfte eines Hügels sind durch ein dichtes Netz von Fußwegen und Pisten miteinander verbunden.
Die traditionelle Behausung bestand aus einer runden Hütte aus bogenförmigem Flechtwerk, das mit Grass, Schilfrohr oder Papyrus bedeckt wurde. Als Weiterentwicklung bekam die Hütte, bei gleichbleibenden Grundbaumaterialien, eine senkrechte Wand aus Holz und Flechtwerk welche durch Lehm abgedichtet wurde. Als Eindeckung diente ein kegelförmiges Strohdach.
Die Wohnanlage, auch "urugo" genannt, bestand zumeist aus Wohnhaus, Stall, Speicher- und Vorratsgebäude und wurde oft von einer hohen Hecke umgeben. Baumaterialien und Ausführung variieren je nach Region.
Heute überwiegen Häuser mit rechteckigem Grundriss, die aus luftgetrockneten Ziegeln gebaut und mit einem Dach aus Wellblech oder gebrannten Dachpfannen gedeckt sind.
Streusiedlungen haben sich aus praktischen Gründen durchgesetzt da diese durchaus für die Einwohnerin ihrer alltäglichen Arbeit von Vorteil sind: Die Menschen wohnen nah an ihren zu bestellenden Feldern und können gleichzeitig ihren kleinen Viehbestand besser überwachen und versorgen. Diese Siedlungsform hat andererseits große Nachteile
. Sie führt zu einer starken Zersiedelung er Landschaft und erschwert die Versorgung mit Wasser
und Strom sowie den grundsätzliche Aufbau jeglicher Infrastruktur.
Nach 1994
förderte die ruandische Regierung das Wohnen in Siedlungen, auch Imidugudu
genannt. Dies geschah im Rahmen einer neuen Wohnungspolitik gezielt auf Zugang zu einer Grundversorgung, mehr Sicherheit, Schaffung von Beschäftigungsmöglichkeiten neben der Landwirtschaft etc. Bei der Umsetzung führt die veränderte Wohnweise bei der Bevölkerung zu Akzeptanzproblemen. Insbesondere die umstrittene Regierungsinitiative in 2008 zur Abschaffung von Strohhütten, bekannt unter „bye bye nyakatsi
“ , führte vor allem im Jahr 2011 zu umstrittenen Umgang mit Bürgerrechten. Damals wurden ca. 120000 Strohhütten zum Teil unter Zeitdruck abgerissen. Dabei Hintergrund war, aus Regierungsicht, Armut Bekämpfung und Verbesserung der Wohnbedingungen für die ärmste Bevölkerungsschichte.
Betrachtet man heute die wachsende Anzahl von Siedlungen (regional unterschiedlich) kann man langfristig auf einen allmählich erkennbaren Strukturwandel schließen.
Güter und Personentransport
in Ruanda basiert auf das Straßennetz. Das inländische Straßennetz von Ruanda
(ca. 14.000 km Länge) gehört zu den dichtesten in Afrika, das überwiegende Wegenetz besteht jedoch aus unbefestigten Pisten und Schotterstraßen. Befestigte Straßen gibt es dagegen nur in einer Länge von ca. 4000 km. Solche Straßen verbinden die wichtigsten Zentren des Landes miteinander. Auch die Hauptverbindungsstrecken
zu Nachbarstaaten Burundi,Tansania, Uganda und die DR Kongo sind für die Personen- und Gütertransporte geteert. Alle übrigen Pisten sind in schlechtem Zustand und während der Regenzeit besonders in abgelegenen Gemeinden nicht passierbar. Hier hat die Regierung in den letzten Jahren kontinuierlich investiert. Bestehenden Hauptverbindungstrecken zu den Nachbarländern wurden größtenteils bereits rehabilitiert. Auch inländische Straßen sowie das städtische Straßennetz wurden bzw. werden gerade (Stand April 2012) verbessert, erweitert od. befestigt.
Ruanda verfügt über kein Schienennetz
. Der Bau einer neuen Eisenbahnlinie
ist jedoch geplant. Diese soll Ruanda sowie sein ebenso eingeschlossenes Nachbarland Burundi, über die Anbindung und Rehabilitierung der bestehenden Schienenstrecke in Tansania, mit dem Hafen von Dar es Salaam verbinden. Eine Machbarkeitsstudie
, die von der DB International, Deutschland und BNSF aus den USA bereits durchgeführt wurde, hat die Erstphase
des Dreiländerprojekts positiv bewertet. Für die anstehende 2.Phase
wurde Canrail / Gibb
, ein kanadisches Unternehmen mit der umfassenden Evaluierung des Projekts beauftragt (Stand April 2012)
In Folge der Versöhnungsbemühungen hat Ruanda seit 2001 neue nationale Symbole bekommen.
Die neue Flagge
wurde von Alphonse Kirimobenecyo, einem einheimischen Künstler und Techniker entworfen. Grün symbolisiert die Hoffnung auf Wohlstand, Gelb steht für die wirtschaftliche Entwicklung und Blau symbolisiert Glück und den Frieden. Die goldenfarbene Sonne und ihre 24 Strahlen stehen für das Licht, welches allmählich das gesamte Volk erleuchtet. Die neue Flagge wurde offiziell am 25. April 2001 eingeführt. Zuvor führte Ruanda seit der Unabhängigkeit (1. Juli 1962) eine Flagge mit den panafrikanischen Farben in der ein 'R' im gelben Feld zu sehen war. Das 'R' stand in erster Linie für den Namen des Landes Ruanda. Weiterinterpretiert erweckte der Buchstabe noch weitere Gedankenverbindungen: Revolution, Referendum und Republik.
Im Staatswappen
finden sich Symbole für Ruanda und seine Bevölkerung: Die Sonne oben, der Korb in der Mitte, das Zahnrad darunter an beiden Seiten, eine Kaffeepflanze bzw. Sorgho, eine Getreideart und jeweils die Abbildung eines Schutzschilds. Diese werden gemeinsam von einem grünen Band eingefasst, was die Einheit des Volkes symbolisiert. Auf dem gelben Spruchband steht in der Landessprache oben der Staatsname und unten die Devise: "Einheit - Arbeit und die Liebe zum Vaterland"
Die Nationalhymne können Sie, inkl. engl. Übersetzung, lesen
und, mit der entsprechenden Ausrüstung, auch hören
Jacques Nshimyumukiza
ist Architekt und in seinem Fachgebiet, Umwelt- und Raumplanung, als Consultant tätig. Nebenberuflich organisiert und leitet er Projekt- und Studienreisen nach Ruanda, hauptsächlich im Rahmen der langjährigen Länderpartnerschaft zwischen Ruanda und dem Bundesland Rheinland-Pfalz. Seit 2002 ist er als Landeskunde-Tutor für Ruanda und Burundi bei der GIZ tätig.
Auf Anregungen und Kommentare würde ich mich sehr freuen
Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im März 2012 aktualisiert.
Weiterführende Literatur zu den Themen:
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