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Die Wirtschaft Ruandas befindet sich in einer stabilen Wachstumsphase. Mit jährlichen durchnittl. Zuwachsraten von real 6% war das Wachstum der Wirtschaft
der letzten Jahre hervorragend (mit 11,2 % in 2008 spitze, 4,5% im Krisenjahr 2009 und 7,5% in 2010). Die Prognosen des Jahres 2011 und kommenden Jahren liegen weiterhin um die 7%. Die jährlichen Zuwachsraten stützen sich hauptsächlich auf die Sektoren
Land- und Bauwirtschaft sowie Dienstleistungen. Die Entwicklung der Verarbeitungsindustrie bleibt dagegen schwach. Die erfolgreiche industrielle Entwicklung Ruandas wird durch eine Reihe von Faktoren gehemmt: Mangel an Rohstoffen, Kapital und Fachkräften, Fehlen eines ausreichend aufnahmefähigen Binnenmarktes, unzureichender Ausbau der Infrastruktur, z. B. des Verkehrsnetzes und der Energieversorgung und die verkehrsabseitige Binnenlage mit dadurch bedingten hohen Transportkosten.
Seit 2007 steht die Implementierung des Armutsbekämpfungsprogramms
im Vordergrund. Wichtige wirtschaftspolitische Ziele
sind ebenso die Kapitalisierung der ländlichen Wirtschaft und ein Ausbau der Infrastruktur. Mit einem 2005 verabschiedeten Gesetz zur Landreform sollen mehr Anreize zu Investitionen gegeben werden als im System des "Customer ownership" da nun nachweislich Landtitel erworben werden können. Zur Diversifizierung der Exporte versucht die Regierung alternative "cash crops" wie Blumen oder Obst zu fördern. Weiter soll die Tee- und Kaffeeproduktion intensiviert werden.
Ruandas Lage in der Mitte einer Region, die über 120 Mio. Einwohner zählt, macht das Land potenziell zum strategischen Ausgangspunkt, von dem man aus Zugang zu einem signifikanten regionalen Markt hat. Die Regierung hat sich zum Ziel gesetzt, Kigali zu einem wichtigen „Hub“ in der Region zu machen. Entsprechend diesem Ziel, stehen umfangreiche Investitionen
im Transportsektor an. Das bestehende Straßenverkehrsnetz wurde bzw. wird gerade rehabilitiert und erweitert. Im Bereich des Luftverkehrs gehört neben der Modernisierung des Flughafens Kigali der Bau eines neuen internationalen Flughafens in Bugesera - südlich der Hauptstadt - bis 2013 zu den wichtigsten Projekte.
Eine weitere Maßnahme, die die Rolle Ruandas als regionales Handelszentrum zwischen den Märkten und Häfen Ostafrikas und dem Ostkongo bzw. Burundi stärken soll, ist die seit lange geplante Gründung einer industriellen Freihandelszone
bei Kigali.
Entsprechende Zeichen setzten auch die fortlaufenden marktorientierten Reformmaßnahmen der Regierung für die Wirtschaft. Eine Politik die Ruanda zu besonderer Anerkennung der internationalen Geber und Partnerländer verhilft. Dies zeigt unter anderem die positive Einstufung im Rahmen des „Doing Business-Reports 2011"
der Weltbank.
Die Landwirtschaft
ist die Grundlage der ruandischen Wirtschaft. Etwa 90% der Bevölkerung leben direkt von der Landwirtschaft, weitere 5% von der Verarbeitung und Vermarktung der agrarischen Erzeugnisse. Der primäre Sektor trägt mit 39% zum Bruttoinlandsprodukt bei. Rund 50% der Exporterlöse werden durch Agrarprodukte wie Kaffee und Tee erzielt, sowie Pyrethrum (Blüten zur Herstellung von Insektiziden) und Chinarinde in geringen Mengen.
Die Teeproduktion erfolgte früher überwiegend in staatseigenen Plantagen, wo er auch weiterverarbeitet wurde. Ein geringer Anteil wurde in genossenschaftlichen und bäuerlichen Betrieben angebaut. Hier hat in den letzten Jahren eine Privatisierung der Teebetriebe stattgefunden.
Kaffee wird überwiegend in kleinbäuerlichen Betrieben angebaut und ist für viele Bauern die einzige Einnahmequelle, die aber auf Grund der Ende der 80er Jahre stark gesunkenen Weltmarktpreise unergiebig geworden war und teilweise zu Gunsten anderer Kulturen vernichtet wurde.
Heute gibt es im Bereich von genossenschaftlichen Betrieben
erfreuliche Entwicklungen, die für die Bauern durch gemeinsame Direktvermarktung wieder zu höheren Erlösen führen.
Etwa zwei Drittel der Gesamtfläche des Landes wird landwirtschaftlich genutzt.
Charakteristisch für die ruandische Agrarlandschaft sind Streusiedlungen, stark parzellierte Anbauflächen sowie eine Vielfalt von Kulturpflanzen. Die Fruchtbarkeit der Böden ist regional sehr unterschiedlich. Nährstoffärmere saure tropische Böden überwiegen. Die vulkanischen Böden im Norden des Landes dagegen sind sehr fruchtbar. Die milden Jahrestemperaturen und die geringen Temperaturschwankungen im Laufe des Jahres ermöglichen normalerweise zwei Ernte pro Jahr.
Nach wie vor überwiegt die Subsistenzwirtschaft, die ca. 85% der landwirtschaftlichen Nutzfläche beansprucht. Mehr als vier Fünftel der Erzeugung werden zur Ernährung der eigenen Familie verwendet, so dass kaum Überschüsse für die regionale Vermarktung übrig bleiben. Die begrenzten Landreserven
nehmen zunehmend ab. So verfügen kleinbäuerliche Familien im Durchschnitt nur noch über weniger als 0,6 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche. Dazu kommt der schwierige Ackerbau auf Steilhängen im Land der tausend Hügel.
Bananen sind von der Menge und dem Wert her das bedeutendste Anbauprodukt für den Inlandsmarkt. Weitere Anbauprodukte sind Bohnen, Sorghum (Hirse), Mais, Maniok, Süßkartoffeln, Kartoffeln, Tomaten, Karotten, Grünkohl, Erdnüsse und tropisches Obst wie Papaya, Avocado, Maracuja, Mango, Ananas etc.
Neue Anstrengungen der Regierung, die eigene Landwirtschaft als Motor
der internen Gesamtwirtschaft zu fördern zeigen allmählich Erfolge. Ruandas Wirtschaft hängt bereits mit ca. 39 Prozent des Bruttoinlandproduktes und den meisten Arbeitsplätze maßgeblich von der Landwirtschaft ab. Seit 2008 reicht die Nahrungsproduktion
in den meisten Landesteile aus. Der Beitrag der Regierung zielt auf Ertragssteigerung durch die Wiedernutzbarmachung von Marschland, Einführung moderner Bewirtschaftungsmethoden, Bewässerungsanlagen und Maschinen, Einsatz von Düngemitteln, Ausbau der Infrastruktur und einen geordneten Zugang zu Märkten.
In Ruanda ist Großviehhaltung
schon seit langer Zeit bekannt. Die Bedeutung der Rinder lag früher weniger im ökonomischen als vielmehr im gesellschaftlichen Bereich. Die Anzahl der Tiere bestimmte den sozialen Rang einer Familie. Der Wert der Rinder drückte sich vor allem in der Größe der Hörner aus. Die Fleisch- und Milchleistungen sind heute noch sehr gering. Diese schwachen Ertragsleistungen erklären sich einmal aus der Rinderrasse, zum anderen durch die Unterernährung der Rinder aufgrund der Überweidung der wenigen noch verbliebenen Weideflächen.
Eine Verbesserung der Großviehzucht erhofft man sich durch eine ertragsintensivere Rinderrasse sowie durch integrierte halbintensive Viehhaltung mit Feldfutterbau und Stallhaltung. Die Viehhaltung auf freien Weideflächen ist heute durch staatliche Verordnung verboten
.
Die Kleinviehhaltung (Ziegen, Geflügel, Schafe, Schweine, Kaninchen) gewinnt zunehmend an Bedeutung, denn die Tiere sind hinsichtlich der Fütterung und Pflege relativ anspruchslos.
Trotz einiger Fortschritte in der Viehzucht reicht die Produktion von Milch und Fleisch nicht zur Deckung des Eiweißbedarfes der Bevölkerung aus. Die wenigsten Ruander können sich eine regelmäßige Fleischversorgung leisten. Die Masse der Proteine stammt aus Hülsenfrüchten und Getreide.
Die Industrie Ruandas konzentriert sich im Wesentlichen auf die Verarbeitung einheimischer Agrarprodukte, weitere Industriezweige sind die Herstellung einfacher landwirtschaftlicher Geräte wie Hacken u. Macheten, die Bauindustrie. sowie die Produktion von Zement, Rohren, Seifen, Textilien, Bekleidung und Möbeln.
Der größte industrielle Arbeitgeber ist eine Bierbrauerei (Bralirwa)
in Gisenyi, eine Tochtergesellschaft des niederländischen Multis "Heinecken". Der Monopolist nimmt eine wichtige Stelle im Alltagsleben Ruandas ein und trägt durch ihre Abgaben maßgeblich zum Staatshaushalt bei.
Der Bergbau
spielt mit der Förderung und Verarbeitung von Zinnerz
, Coltanerz und Wolframerz insbesondere für den Export eine wichtige Rolle.
Der Energiesektor bleibt der bedenklichste Engpassfaktor für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Über 95% des Energiebedarfes werden von den traditionellen Brennstoffen Holz und Holzkohle gedeckt. Diese werden überwiegend für Kochzwecke in den ländlichen Haushalten verbraucht.
Nur 5% der Bevölkerung haben Zugang zu Strom
. Die gesamte Stromproduktion des Landes wird aus Wasserkraft gewonnen. Dies ist mit gerade einmal 45 MW völlig unzureichend, auch nach zusätzlichem Import aus den Nachbarstaaten. Erschwerend wirkt die Tatsache, dass der Seewasserspiegel an den Produktionsstätten (Kivusee, Bulera-Ruhondo) aufgrund übermäßiger Nutzung und/oder klimatischen Veränderungen zu stark schwankt. Zugleich wächst der Energiebedarf durch das Wachstum der Städte und den wirtschaftlichen Aufschwung. Der Strom wird daher regelmäßig in den Stadtteilen abwechselnd abgeschaltet. Um der Notsituation entgegen zu wirken hat das für die Strom- und Wasserversorgung zuständige staatliche Unternehmen"Electrogaz"
2005 zusätzlich sehr teure und nicht gerade energiesparende Notstrom-Dieselgeneratoren angeschafft. Eine kurzfristige Lösung, denn Ölprodukte werden über große Entfernungen und schlechte Straßen vom Indischen Ozean herangeschafft und sind dementsprechend sehr teuer (ein Liter Benzin kostet umgerechnet ca. EUR 1,- Stand Sept. 2010).
Ein Potential stellt das im Kivu-See enthaltene Methangas
aus vulkanischer Aktivität dar. Die vorhandenen Reserven werden auf 50 Milliarden Kubikmeter geschätzt. Seit 1983 wird dieses Naturgas im Rahmen eines Pilotprojekts
zur Energiegewinnung für die Brauerei BRALIRWA in Gisenyi genutzt. Ein 25-MW von Methangas betriebenen Kraftwerk
wird zurzeit (Sept. 2010) am Lake Kivu errichtet. Die Fertigstellung ist für Ende 2010 terminiert. Ein weiteres Energieprojekt stellt ein neues rund 27,5 MW Wasserkraftwerk dar, welches bis 2013 am Fluss Nyabarongo entstehen soll.
Zugang zu Trinkwasserversorgung ist ebenfalls unzureichend. Aufgrund der hohen Niederschläge verfügt das Land zwar über ausreichende Wasserreserven, der Bau von Trinkwasserleitungen für die ländliche Bevölkerung ist wegen der hügeligen Geländestruktur des Landes jedoch schwierig und teuer. Eine öffentliche Abwasserentsorgung gibt es nicht. Nur ein sehr kleiner Anteil der Haushalte hat eine geregelte private Abwasserbeseitigung.
Aufgrund der fehlenden Industrialisierung Ruandas und der unzureichenden landwirtschaftlichen Nutzfläche spielt das lokale Handwerk
eine wichtige Rolle bei der Bereitstellung von Arbeitsplätzen. In den Städten sowie im ländlichen Raum existieren bereits eine Vielzahl von kleinen Handwerksbetrieben, insbesondere Schreiner, Schlosser, Maurer und Schneider, die auf einem sehr niedrigen technischen Niveau produzieren. Gründe dafür sind der noch unzureichende Ausbildungsstand als auch das mangelnde Kapital zur Beschaffung von qualitativ guten Handwerksgeräten.
Das größte Problem für das ruandische Handwerk ist ebenfalls der begrenzte lokale Markt, denn die Kaufkraft der ruandischen Bevölkerung ist zu gering, um die handwerklichen Produkte zu kaufen. Der Export von handwerklichen und industriellen Produkten ist wegen der hohen Transportkosten nicht rentabel.
Der Tourismus
stellt zunehmend eine bedeutsame Größenordnung für die Wirtschaft Ruandas dar. So stand der Tourismussektor
mit Einahmen in Höhe von US$ 42.3 Millionen in 2007 zum ersten Mal an der Spitze der Deviseneinnahmequellen vor Kaffee und Tee. 2008 sind die Einnahmen
von der staatlichen Agentur für Tourismus und Nationalparks "ORTPN" nach Eigenangabe um 22 % auf US$ 80 Millionen gestiegen. Auf Grund des Kinofilms "Gorillas im Nebel"
sind die in der Region der Virunga-Vulkane im Grenzgebiet von Ruanda, der Demokratischen Republik Kongo und Uganda lebenden Berggorillas
weltweit berühmt geworden. Dadurch hat sich der Tourismus in der Region zu einer wichtigen Einkommensquelle entwickelt.
Die Regierung setzt auf Tourismus als Wirtschaftsmotor und fördert einen intensiven Branchenausbau. Gegen eine schnellere Erschließung des natürlichen Potenzials sprechen jedoch verschiedene Gründe. Die Konkurrenz von Kenia, Tansania und Uganda ist sehr groß. Gemessen an internationalen Standards sind die Flugverbindungen
unbefriedigend. Das Straßennetz ermöglicht keinen ganzjährigen Verkehr; die Beherbergungsbetriebe verfügen überwiegend nur über einen mittleren Standard. Hotels
mit gehobenem bzw. Luxusstandard findet man nur in Kigali, am Kivu-See und im Akagera-Park. Im Jahr 2007 und 2008 war insgesamt ein starker Zuwachs an Investitionen in Hotelbau
zu verzeichnen. Auch bei Flugverbindungen hat Brussels Airlines als einzige Fluggesellschaft mit Direktflügen aus Europa seine wöchentlichen Flüge von 2 auf 3 ausgebaut.
Ruanda verzeichnet einen hohen Importüberschuss. Neben den traditionellen Ausfuhrgütern Kaffee und Tee werden auch die Bergbauerzeugnisse Kassiterit und Colombo-Tantalit (Coltan) exportiert. Trotz steigender Exporte bleibt regelmäßig ein enormes Handelsbilanzdefizit
das 2009 bei mehr als 600 Mio. US$ lag.
Importe nach Ruanda werden von Investitionsgütern, Maschinen und Fahrzeuge(35% des Gesamtimportwerts) beherrscht. Auf Nahrungsmittel, Chemische- und Vorerzeugnisse entfallen jeweils 10 bis 18%.
Wesentliche Handelsschranken bestehen zum einen in hohen Einfuhrzöllen (von 0% für gewisse Grundnahrungsmittel bis zu 30% für Fertigwaren (Ausnahmen gelten für COMESA-Länder), und zum anderen in der mangelnden Logistik bei der Grenzabfertigung (keine Kühlhäuser beim Zoll etc.)
Die Binnenlage im zentralen Ostafrika sowie die fehlende Eisenbahn sind für Ruanda ein großes wirtschaftliches Hindernis. 9/10 des Außenhandels werden per Lastkraftwagen abgewickelt. Die beiden Transportkorridore
über Kampala in Uganda nach Mombasa bzw. durch Tansania zum Hafen Dar-es-Salaam sind die einzigen Zugänge zum Indischen Ozean. Die dadurch entstehenden hohen Transportkosten verteuern die Preise für die Exportprodukte wesentlich.
Haupthandelspartner Ruandas sind Kenia, Uganda, China, Deutschland, Belgien sowie die USA.
Die seit 2007 bestehende Mitgliedschaft Ruandas in der East African Community (EAC) hat zunehmend Auswirkungen auf den regionalen Warenaustausch. Dabei ist vor allem mit steigenden Importen aus den Mitgliedsländern mit stärkerer Industrie zu beobachten, vor allem aus Kenia.
Die Devisenregulationen sind weitestgehend liberal. Die Einfuhr von Devisen ist unbegrenzt, die Ausfuhr bis zu hohen Grenzbeträgen möglich. Ausländische Leitwährung ist der US-Dollar mit über 90% Anteil am Devisenverkauf (1 US$ = 569 RWF/Ruanda Franc. Stand: Dezember 2009).
In Anlehnung an die "UN-Millennium Development Goals/MDGs"
hat Ruanda einen strategischen Entwicklungsplan "Vision 2020"
ausgearbeitet. Seine elementaren Ziele
sind, neben der Schaffung einer modernen IT-gestützten und wissensbasierten Gesellschaft
, die Modernisierung der Landwirtschaft, einschließlich der Schaffung von nichtlandwirtschaftlichen Arbeitsplätzen auf dem Land.
Weitere Ziele sind die Erhöhung der ausländischen Direktinvestitionen (FDI) und ein Ausbau des Exportsektors. Die Reformen auf Güter-, Arbeits- und Finanzmärkten orientieren sich ebenfalls an ihnen. Das im Jahr 2002 formulierte nationale Armutsbekämpfungsstrategiepapier (PRSP
) ist in der Vision 2020 eingebettet. Das Nachfolgepapier EDPRS
, mit starkem Akzent auf der Wirtschaftsförderung, liegt seit 2007 vor.
Die Regierung Ruandas, die sich des negativen Images im Ausland, bedingt durch den nunmehr dreizehn Jahre zurückliegenden Genozid, durchaus bewusst ist, folgt seit vielen Jahren einer Reformagenda, die auf eine Beseitigung der Beschränkungen für private Investitionen abzielt.
Durch die Gründung einer Export- und Investmentagentur (RIEPA
) im Jahre 2004, verbunden mit einem so genannten "One-Stop-Center"
für Investoren, sind die Formalitäten stark vereinfacht worden. Mangelnde Fachkenntnisse und Ausstattung in der Wirtschaftsverwaltung führen aber noch zu Verzögerungen.
Seit 1994 hat das Land Ruanda einen wesentlichen Fortschritt im Wiederaufbau seiner wirtschaftlichen und sozialen Infrastruktur gemacht. Seine Errungenschaften, landesweit Sicherheit zu garantieren und eine für die Region bemerkenswert gut funktionierende Regierung und Administration einzusetzen, werden von internationalen Organisationen und bilateralen Partner, aber auch zunehmend von privaten Investoren
anerkannt. Eine Rolle spielte auch die relativ geringe Korruption die dem Land in den vergangenen Jahren (Transparency International führt Ruanda in seinem Ranking von 2009
auf Platz 89 von 180 untersuchten Ländern) bescheinigt worden war.
Die Regierung bemüht sich prinzipiell um die Privatisierung
aller noch im Staatsbesitz befindlichen Unternehmen. Die größten Privatisierungsvorhaben umfassten im Jahr 2005 die ruandische Telefongesellschaft Rwandatel, staatlichen Anbau und Verarbeitung von Tee sowie Mehrheitsanteile an den Geschäftsbanken BACAR und BCR. Nach dem Privatisierungsplan der Regierung sind dies noch 35 von ehemals 70 Unternehmen. Darunter der Energiemonopolist Electrogaz.
Ruanda arbeitet sehr eng mit IWF
, Weltbank
sowie den verwandten Agenturen und Banken (IDA
, AfDB
) zusammen. Das Land bemüht sich sichtlich um die Umsetzung der Auflagen, auch wenn dies innenpolitisch und sozial zu Problemen führt.
Sichtbarste Maßnahmen waren die Straffung der Budgeterstellung, die Reform der Territorialgliederung, die Reduzierung der Zahl öffentlicher Bediensteter, aber auch die Kürzung der Ausgaben der öffentlichen Hand für Bewirtschaftungskosten (Verkauf fast der gesamten öffentlichen Fahrzeugflotte im Jahr 2005).
Der IWF und die sich an ihm orientierten Budgethilfegeber honorieren dies. Ruanda hat im April 2005 den HIPC "completion point"
erreicht, der IWF vergab erneut eine so genannte Poverty Reduction and Growth Facility (PRGF)
und der Anteil der Budgethilfe an der gesamten Entwicklungshilfe steigt.
Weitere wichtige multilaterale Geber
sind die EU
und die UN Programme
darunter die UNDP und das World Food Programm (WFP)
. Auf bilateraler Ebene sind die wichtigsten Geberländer Großbritannien
und die USA.
Zahlreiche NGOs
sind ebenfalls mit unterschiedlichsten Projekten in Ruanda präsent.
Seit 2001 zählt Ruanda zur Kategorie der Schwerpunktpartnerländer
des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Schwerpunktsektoren sind "Wirtschaftsreformen/ marktwirtschaftliche Strukturen", "Demokratieförderung, Zivilgesellschaft und öffentliche Verwaltung" und "Basisgesundheit-HIV/AIDS-Bekämpfung".
Nach den letzten Regierungsverhandlungen im September 2009 wird Deutschland für die Schwerpunkte in den Jahren 2009 und 2010 insgesamt 39 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Die Zusage Deutschlands erhöhen sich dadurch um fast 60%. Diese deutliche Intensivierung der deutschen Entwicklungshilfe bedeutet eine klare Würdigung der Entwicklungserfolge der ruandischen Regierung.
Neben der Durchführungsorganisation GIZ
(Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit) und CIM
ist heute die Deutsche Welthungerhilfe
ständig vor Ort vertreten.
Im Bereich kultureller Zusammenarbeit betreibt die Deutsche Welle (DW) seit fast 40 Jahren in Kigali eine ihrer weltweit vier Kurzwellen-Relaisstationen. Die Kolonialresidenz des ersten deutschen Generalresidenten (Kandt-Haus), Richard Kandt, wurde renoviert und im April 2004 offiziell als kleines Museum für Besucher eröffnet.

Die Partnerschaft zwischen Rheinland-Pfalz und Ruanda
besteht seit 1982. Die einmalige Form der dezentralisierten, bürgernahen und an den Grundbedürfnissen der Menschen orientierten Entwicklungszusammenarbeit schafft einen Rahmen für eine Begegnung von Bürgern, Gemeinden, kirchlichen Einrichtungen, Vereinen und anderen gesellschaftlichen Gruppen in beiden Ländern.
Heute haben über 450 Initiativen und Ruandagruppen in Gemeinden Städten und Landkreisen sowie über 240 Schulen u. Hochschulen Beziehungen zu Partnern in Ruanda aufgebaut. Seit Beginn der Partnerschaft konnten so weit über eintausend basisorientierte Kleinprojekte in Ruanda durchgeführt werden, die der Hilfe zur Selbsthilfe, der Grundbildung und der Armutsbekämpfung dienten.
Jacques Nshimyumukiza
ist Architekt und in seinem Fachgebiet, Umwelt- und Raumplanung, als Consultant tätig. Nebenberuflich organisiert und leitet er Projekt- und Studienreisen nach Ruanda, hauptsächlich im Rahmen der langjährigen Länderpartnerschaft zwischen Ruanda und dem Bundesland Rheinland-Pfalz. Seit 2002 ist er als Landeskunde-Tutor für Ruanda und Burundi bei der GIZ tätig.
Auf Anregungen und Kommentare würde ich mich sehr freuen
Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Dezember 2011 aktualisiert.
Weiterführende Literatur zu den Themen:
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