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Die frühesten Siedlungsspuren auf dem heutigen senegalesischen Staatsgebiet stammen aus dem Paläolithikum und Neolithikum. Um 500 n. Chr. wanderten von Nordosten her die zu den Sudanidenvölkern gehörenden Wolof und Serer in das Gebiet des heutigen Senegal ein und im 9. Jahrhundert ließen sich Toucouleur im Tal des Senegalflusses nieder. Das Reich von Ghana dehnte um 900 seinen Herrschaftsbereich vom oberen Niger bis in das Mündungsgebiet des Senegal aus. Ab dem 11. Jahrhundert setzte sein Niedergang ein, und Angriffe von Berbervölkern, darunter die Almoraviden
, die den Islam nach Senegal brachten, schwächten das Reich. Während des 13. Jhdts. dehnte das Malinka-Reich Mali seine Herrschaftssphäre auf den heutigen Senegal aus. Erst im 14. und 15. Jhdt. erlangten autochthone Reiche die Unabhängigkeit, das wichtigste unter ihnen war das Wolofreich Jolof
(1200-1550).
Hier finden Sie eine Landkarte der vorkolonialen Reiche
.

1444 erreichten die Portugiesen die Insel Gorée und errichteten in der Folge weitere Handelsstützpunkte die Küste entlang. Ihnen folgten ab dem 16. Jahrhundert Niederländer, Franzosen und Briten. Der transatlantische Sklavenhandel
nahm im 16. Jhdt. von den westafrikanischen Küsten für die nächsten 200 Jahre seinen Ausgang. Auch die einheimischen Reiche spielten dabei als Lieferanten von „Menschenmaterial“ aus dem Hinterland eine traurige Rolle - eine historische Verantwortung, die von afrikanischen Historikern früher gerne ausgeklammert wurde. (Siehe hierzu etwa das Interview mit dem bekannten senegalesischen Historiker Ibrahima Thioub
in der französischen kommunistischen Tageszeitung Humanité)

Während des 17. und 18. Jhdt. versuchten sich Portugiesen, Holländer, Engländer und Franzosen wechselseitig entlang der Küste Machtsphären zu sichern, bis sich gegen Mitte des 19. Jhdts. Frankreich endgültig durchgesetzt hatte. Ab 1854 befriedete und eroberte der Gouverneur Lous Faidherbe
weite Teile des heutigen Senegals und bekämpfte die mächtigen Resistancebewegungen des Toucouleurherrschers El Hadji Omar Tall
und des letzten Königs (Damel) Lat Dior
des Wolofreichs Cayor
und drang dabei bis in die Casamance vor.
In Folge der Berliner Konferenz
wird 1895 die koloniale Föderation AOF- Afrique Occidentale Française
gegründet; St. Louis wird ihre Hauptstadt.
1916 bereits erhielten die Bewohner der vier Küstenstädte Dakar, Gorée, Rufisque und St. Louis französische Bürgerrechte, während die übrigen Menschen rechtlose koloniale Untertanen (sujets) blieben.
Im 19. Jhdt. wurde von der französischen Kolonialmacht im Gebiet des sog. Erdnussbeckens der Erdnussanbau eingeführt, tatkräftig unterstützt von muslimischen Marabouts, die sich dadurch Einfluss und Wohlstand sicherten.
Die Verwaltungsform der AOF war 1902 abgeschlossen und die französische Kolonialmacht ließ Bahnlinien und den Dakarer Hafen bauen.

1914 zog Blaise Diagne
als erster afrikanischstämmiger Abgeordneter
(und aufgrund seiner Geburt in einer der 4 Kommunen, Gorée, französischer Staatsbürger) in die französische Nationalversammlung und wurde durchgehend bis zu seinem Tod 1934 wiedergewählt.
Nächster Abgeordneter der französischen Nationalversammlung, der aus dem Senegal kam, war Lamine Guèye
, Mitglied der SFIO, der französischen Sektion der Arbeiter-Internationalen, welcher 1946, als Senegal Mitglied der französischen Union
wurde, Bürgerrechte für alle Bewohner, unabhängig von Hautfarbe und Herkunft, durchsetzte.
Wie bereits während des 1.Weltkrieges kämpften senegalesische Soldaten, die „tirailleurs sénégalais“
, auch während des 2.Weltkriegs an der Seite der französischen Truppen.
Umso größer war das Entsetzen im Senegal, als französische Soldaten im Dezember 1944 im Camp de Thiaroye
auf heimgekehrte "tirailleurs", die ihren ausstehenden Sold forderten, das Feuer eröffneten und mehr als 35 Tote hinterließen.
Solche Ereignisse verstärkten natürlich noch weiter die erwachenden Unabhängigkeitsbestrebungen der französischen Kolonien, denen Präsident de Gaulle mit dem neuen Konstrukt der Union Française nicht viel entgegenzusetzen hatte.

In der Nachkriegszeit wurde der senegalesische Dichter und Mitbegründer der Negritudebewegung
Léopold Sédar Senghor
in seinem Heimatland politisch aktiv.
1948 gründete er den Bloc Démocratique Sénégalais. Während sich sein Konkurrent Lamine Guèye vor allem auf das urbane Elektorat stützte, konzentrierte sich der Katholik Senghor auf die Landbevölkerung und gewann die muslimischen Marabouts als Alliierte, die von da an stets eine wichtige Rolle hinter den Kulissen der senegalesischen Politik spielen sollten.
Gleichzeitig wurden soziale Bewegungen immer wichtiger: 1946 gab es einen elftägigen Generalstreik, 1947/1948 einen monatelangen Streik der afrikanischen Eisenbahner, die eine Gleichbehandlung mit ihren französischen Kollegen erreichen wollten. (Vom großen senegalesischen Dichter Ousmane Sembène
in seinem Roman „Gottes Holzstücke“ verewigt)
In zwei Stufen entließ Frankreich das Land schließlich in die Unabhängigkeit. 1958 erhielt es eine weitgehende Autonomie innerhalb der „Französischen Gemeinschaft“, 1960 gewann die Vereinigung von Mali und Senegal als Mali Föderation
die Unabhängigkeit von Frankreich, zerbrach jedoch bereits nach wenigen Monaten.
Unter der Führung von Léopold Sédar Senghor entstand eine präsidiale Republik, die auf der Einparteienherrschaft der Union Progressiste Sénégalaise (UPS)
beruhte (so der neue Name der inzwischen mit der Bewegung von Lamine Guèye verschmolzenen Senghor-Partei).

Nach einem Putschversuch des weiter links stehenden Ministerpräsidenten Mamadou Dia
erhielt Senghor durch eine Verfassungsänderung 1963 erweiterte Machtbefugnisse und übernahm auch den Posten des Ministerpräsidenten (bis 1970).
Auf Massendemonstrationen gegen sein autoritäres Regime reagierte er in den 1970er Jahren mit einer schrittweisen Demokratisierung. 1976 verkündete Senghor die Einführung eines Dreiparteiensystems: der sozialistischen Partei, zu der sich die Regierungspartei mittlerweile umbenannt hatte, einer marxistisch-leninistischen Partei (PAI)
und der liberalen Partei Parti Démocratique Sénégalais (PDS)
.
Bei den ersten freien Wahlen 1978 errang die Regierungspartei über 80 % der Stimmen und die PDS zog als Opposition ins Parlament ein.

1980 erklärte Senghor seinen Rücktritt, an seine Stelle trat verfassungsmäßig sein Ministerpräsident und enger Vertrauter Abdou Diouf.
Abdou Diouf blieb für die nächsten 20 Jahre Präsident des Senegals. 1981 fiel die Zulassungsbeschränkung für politische Parteien und bei den Wahlen 1983 traten bereits 14 Parteien an. Heute gibt es um die 150, von denen die meisten allerdings bedeutungslos sind.
Unter Dioufs Präsidentschaft akzentuierte sich die schwere Krise, die bereits in den 70er Jahren begonnen hatte, weiter: Verfall der Erdnusspreise auf dem Weltmarkt, wiederholte Dürreperioden und Missernten in den 70ern und 80er Jahren, Strukturanpassungsprogramme der Bretton Woods Institutionen, Streiks und Studentenproteste, die Abwertung des Franc CFA 1994 - die Unzufriedenheit der Bevölkerung wurde immer größer.
In den 80er Jahren nahm der bewaffnete Casamance Konflikt seinen Ausgang, der trotz dem offiziellen Waffenstillstand 2004 nicht beendet ist.
1989 kam es zu blutigen Ausschreitungen
und Progromen zwischen Mauretaniern und Senegalesen.
Von 1982 - 1989 schließlich hatten sich der Senegal und Gambia zur Konföderation Senegambia
zusammen geschlossen, die jedoch schon nach wenigen Jahren zerbrach.

Bei der Präsidentschaftswahl im Februar/März 2000 gewann schließlich der langjährige Oppositionelle und Gründer der PDS Abdoulaye Wade im 2. Wahldurchgang mit Unterstützung der oppositionellen Koalition SOPI ("Veränderung" auf Wolof) gegen Abdou Diouf. Der amtierende Präsident räumte noch am selben Tag seine Niederlage ein und es kam zu einem vorbildhaften demokratischen Machtwechsel nach 40 Jahren sozialistischer Alleinherrschaft.
Hier findet man eine Zeittafel
der wichtigsten Ereignisse seit der Unabhängigkeit.
Umfassende Darstellungen der Geschichte sind u.a. auf den folgenden Seiten zu finden:
Au-Sénegal
Sénégalaisement
Wikipedia
Der Senegal ist eine Präsidialdemokratie nach französischem Vorbild. Der Präsident wird in allgemeiner, direkter und freier Wahl vom Volk für 7 Jahre gewählt. Den Regierungsvorsitz hält der Premierminister, welcher, so wie auch die Fachminister, direkt vom Präsidenten ernannt wird.
Im Januar wurde 2001 wurde ein Verfassungsreferendum durchgeführt und eine neue Verfassung
eingeführt, allerdings wurden in der Zwischenzeit viele der wichtigen Reformen wieder zurückgenommen.
So war etwa die Dauer des Präsidentenmandats auf 5 Jahre verkürzt worden und die Möglichkeit zu kandidieren auf 2 Mal begrenzt, mittlerweile wurden beide wichtige Änderungen wieder aufgehoben und der nächste Präsident
wird wieder 7 Jahre im Amt verbleiben.
Auch die 1998 eingeführte zweite Parlamentskammer, der Senat, wurde zunächst mit der Verfassungsänderung abgeschafft aber schon im September 2007 wiedereingeführt.
Das Parlament
besteht heute aus 2 Kammern: der Assemblée Nationale und dem Senat als Vertretung der Gebietskörperschaften und der AuslandssenegalesInnen. Die Abgeordneten der ersten Kammer werden in direkter Wahl durch das Volk auf 5 Jahre gewählt; von den 100 Senatoren werden 35 in indirekter Wahl in den Departments gewählt und 65 direkt vom Präsidenten ernannt.
Die International Foundation for Electoral Systems gibt einen Überblick über die Verfassungsänderungen
und Abstimmungen mit Bezug auf Wahlen und Wahlsystem der letzten Jahre.
Die Homepage der senegalesischen Regierung gibt einen Überblick über die wichtigsten Institutionen
.
Es gibt etwa 150 politische Parteien
, von denen jedoch nur einige wenige Bedeutung haben.
Der Senegal ist in 14 Regionen
unterteilt; 3 neue Regionen entstanden aus der Teilung anderer Regionen: Sédhiou wurde von Kolda, Kédougou von Tambacounda und Kaffrine von Kaolack abgeteilt.
Damit setzt sich eine Entwicklung fort, die schon kurz nach der Unabhängigkeit begonnen hatte: die Zahl der ursprünglich 7 Regionen hat sich nunmehr verdoppelt und die Regionen sind von ihrer Grundfläche und Verteilung her ausgewogener.
Die staatliche Verwaltung ist nach französischem Vorbild stark zentralistisch aufgebaut. Administrativ ist der Senegal heute in 14 Regionen (régions), 45 Provinzen („départements“) und 123 Bezirke („arrondissements“) aufgeteilt, die von Dakar aus verwaltet werden.
Schnell erwies sich aber, dass diese zentralistisch von Dakar aus gelenkte Verwaltungsstruktur zu starr und unbeweglich war und schon bald nach der Unabhängigkeit setzte ein zaghafter Dezentralisierungsprozess ein, der in der Verabschiedung des Dezentralisierungsgesetzes
vom März 1996 mündete. 3 eigenständige Gebietskörperschaften bilden das Rückrat des dezentralisierten Staatsaufbaus: die Region (besagte 14), die Kommune (heute 159 „communes“) und die Landgemeinde (heute 370 „communautés rurales“). (Stand: 2010, vor der jüngsten Umgestaltung 2011, die sich noch in Gang befindet). Sie besitzen Rechtspersönlichkeit und Finanzautonomie und ihre Vertreter werden in Lokalwahlen direkt vom Volk gewählt.
In jüngster Zeit werden die häufigen Remanipulationen der administrativen Aufteilung (die letzte fand April 2011 statt) von der Opposition jedoch nicht mehr als sachdienlich sondern als billiges politisches Manöver
in Hinblick auf die nächsten Präsidentenwahlen 2012 gesehen und werden sogar vor dem obersten Gerichtshof angekämpft.
Im Dezentralisierungsgesetz wurden wichtige Zuständigkeitsgebiete an die dezentralisierten Strukturen übergeben, die damit jedoch in der Praxis vielfach überfordert waren – gerade auf dem Land sind viele der gewählten VolksvertreterInnen AnalphabetInnen und haben keinerlei Erfahrung mit formalen und administrativen Abläufen.
Deutschland hat in seiner Zusammenarbeit mit dem Senegal einen Schwerpunkt auf die Unterstützung dieses Prozesses gesetzt; sowohl die großen politischen Stiftungen KAS
und FES, als auch die finanzielle und technische Entwicklungszusammenarbeit
begleiten die Akteure aktiv auf verschiedenen Ebenen.
Genauere Informationen finden sich auf der Homepage des nationalen Programms zur lokalen Entwicklung des Ministeriums für Dezentralisierung
.
Hier
gibt eine ausführliche Übersicht über Texte und Akteure mit vielen weiterführenden Links aus dem Bereich.
Die Rechtssystem weist große Ähnlichkeit mit dem französischen System auf. 2008 wurden der Kassationsgerichtshof („Cour de cassation“) und der „Conseil d'Etat“ durch den „Cour Suprême“ ersetzt.
Informationen über das Rechtssystem
und die Gerichtsbarkeit finden sich auf der Homepage des Justizministeriums ebenso wie detaillierte Auskünfte über das Modernisierungsprogramm von Recht und Justiz
.
Formal ist die Justiz natürlich unabhängig von Exekutive und Legislative, in der Praxis ist die Rechtssprechung aber wie in vielen anderen Ländern Problemen unterworfen; politische Einflussnahme, Klientelismus und Korruption stören immer wieder die Unabhängigkeit der Justiz. Dem herrschenden Regime wird immer wieder Manipulation vorgeworfen.
Bemerkenswert ist, dass für die breite Masse der Bevölkerung das offizielle Zivilrecht, das ebenfalls auf der Grundlage französischer Gesetztestesxte geschaffen wurde, keine Rolle spielt: Erbschaften, Bodenangelegenheiten oder auch Scheidungen werden zumeist nach dem traditionellen Recht geregelt.
Youssoupha Ndiaye, späterer Präsident des Verfassungsrats, beschrieb 1978 die Schwierigkeiten bei der Einführung eines modernen Familienrechts versus traditionelles Recht
– eine Diskussion, die bis heute im Senegal anhält, denn zuletzt gab es 2003 den Versuch ein islamisches Familienrecht einzuführen.
Den Senegal zeichnet eine für regionale Verhältnisse ungewöhnliche politische Stabilität und Gewaltfreiheit aus. Als einer von wenigen afrikanischen Staaten musste er nie einen Staatsstreich erleben. Besonders nach dem vorbildlichen Machtwechsel 2000 hatte er einen geradezu beispielhaften Ruf als demokratischer Musterstaat der Region.
Leider trübt sich dieses Bild aber immer mehr. Ministerwechsel sind an der Tagesordnung, der Präsident pflegt einen autokratischen und oft impulsiven Führungsstil, die Opposition klagt über undemokratische Verhältnisse und politische Grabenkämpfe um die Nachfolge des greisen Präsidenten Wade bei den Präsidentschaftswahlen 2012 prägen das politische Tagesgeschäft. Bereits wenige Jahre nach der Wende, der sog. „Alternance“, begann sich diese Entwicklung abzuzeichnen, wie man in einem Bericht der Friedrich-Ebert-Stiftung
von 2004 nachlesen kann.
Zudem hat sich die Opposition durch ihren Boykott der letzten Parlamentswahlen 2007 selbst aus dem demokratischen Geschehen katapultiert und das Parlament alleine der Regierungspartei und ihrer Allierten überlassen.
Allgemeine Kurzdarstellungen zur Innenpolitik geben das AA
, die Friedrich-Ebert-Stiftung
oder Wikipedia.
Das besondere Kennzeichen der senegalesischen Innenpolitik seit der „Alternance“ sind die häufigen Regierungswechsel
. Minister werden geradezu inflationär von Präsident Wade ausgewechselt und in 10 Jahren PDS-Regierung brachte es Wade auf 6 Regierungschefs.






Sein erster Premierminister Moustapha Niasse, ein erfahrener Politiker, Führer der Partei Alliance des Forces de Progrès
(AFP) und wichtigster Unterstützer Wades in der Stichwahl vom 19. März 2000, war bereits nach einem Jahr Geschichte. 1 Monat vor den Parlamentswahlen im April 2001 löste Wade die Regierung auf und ernannte Mame Madior Boye
aus den Reihen der PDS als erste Frau zur Premierministerin. In den Parlamentswahlen gewann die PDS eine breite Zweidrittelmehrheit (89 von 120 Sitzen) und Wade verfügte nun über eine ausgedehnte demokratisch legitimierte Machtbasis.
Beim Untergang der vom Staat betriebenen Fähre Joola
, die Dakar mit Ziguinchor verband, fanden mehr als 1.800 Menschen den Tod. Das nationale Drama löste eine schwere innenpolitische Krise aus, Wade entließ die Regierung und beauftragte seinen Vertrauten Idrissa Seck mit der Bildung einer neuen Regierung.
Das politische Ziehkind Wades mutierte schnell zum innenpolitischen Konkurrenten und wurde von vielen Beobachtern als potentieller Nachfolger Wades gesehen. Nach einem lang andauernden inneren Machtkampf erklärte er im April 2004 seinen Rücktritt
und kam so wohl seiner Machtenthebung nur knapp zuvor.
Im Juli 2005 wurde der Bürgermeister von Thies der Unterschlagung beschuldigt und blieb die nächsten sieben Monate in Haft, bis das Verfahren ohne Angabe von Gründen eingestellt und er diskret vor einem wichtigen Fußballmatch der Nationalmannschaft aus der Haft entlassen wurde.
Seitdem ist Seck ein Joker der senegalesischen Innenpolitik, der sich abwechselnd mit Wade versöhnt oder auf Distanz geht. Bei der Präsidentschaftswahl 2007 wurde er Zweiter. Im April 2011 wurde er aufgrund seiner Ambitionen, 2012 erneut zu den Präsidentshaftswahlen anzutreten erneut aus der PDS ausgeschlossen
. Während der Unruhen im Juni 2011 versucht er sich erneut als Präsidentschaftskandidat
der Liberalen zu positionieren.

Auch der 4. Premierminister der Ära Wade Macky Sall
tut sich heute als Kritiker und laut Meinungsumfragen zur Zeit aussichtsreicher potentieller Nachfolger
Wades hervor.
Sall war von April 2004 bis Juni 2007 Regierungschef. Nachdem der ehemalige Innenminister einen erfolgreichen Wahlkampf für den Präsidenten geführt hatte und an dessen Wiederwahl entscheidend beteiligt war, wurde auch er Opfer seiner Popularität und durch Cheikh Hadjibou Soumaré
ersetzt.
Dieser hingegen musste für die vernichtende Niederlage der Regierungspartei bei den Kommunalwahlen im März 2009 büßen und sein Amt an Souleymane Ndéné Ndiaye
abgeben.
Präsident Wade selbst konnte sich bei der Präsidentschaftswahl am 25. Februar 2007
bereits im ersten Wahlgang mit 55,9 Prozent der Stimmen unter 15 Kandidaten durchsetzen
.

Die Wahlbeteiligung war mit 73% hoch. Die wichtigsten Oppositionsparteien warfen jedoch dem Lager des Präsidenten Wahlbetrug vor und boykottierten die Parlamentswahlen
vom 3. Juni 2007. 131 der 150 Parlamentssitze gingen an die Regierungskoalition SOPI 2007, die übrigen Sitze verteilten sich unter verschiedenen kleineren Parteien. Die Wahlbeteiligung lag sogar unter 40 Prozent.Die Opposition hatte sich somit aber aus dem konstitutionellen rahmen katapultiert und die Möglichkeit parlamentarischer Einflussnahme völlig aufgegeben. Ihr Versuch der Wiederaufnahme eines institutionalsierten politischen Dialogs über die Organisation sog. "Assises nationales" scheiterte, da Präsident Wade die politische Legitimation dieser Instanz nicht anerkannte.
Nachdem Parlamentspräsident Macky Sall, Wades Sohn Karim zur Anhörung ins Parlament vorgeladen
hatte, war er endgültig in Ungnade gefallen und sein Mandat in einer Farce von Gesetzesänderung auf ein Jahr reduziert worden. Das Vertrauen in die demokratischen Institutionen des Landes war Ende 2008 auf einen historischen Tiefpunkt gesunken
und in der Bevölkerung nichts mehr vom Enthusiasmus des Jahrtausendbeginns zu spüren.
Bei den Kommunal- und Regionalwahlen am 22. März 2009 musste die Regierungskoalition erstmals empfindliche Verluste hinnehmen und im selben Jahr zählte die Wirtschaftskommission für Afrika
das einstmalige demokratische Musterland zu den 7 Ländern des Kontinents, in denen die Demokratie am meisten abgenommen
hat. Das wichtigste innenpolitische Themenfeld ist seit einigen Jahren die bevorstehende Präsidentenwahl 2012, neben dem andere und eigentlich dringendere Themenfelder keine Beachtung finden.

Die nächsten Präsidentschaftswahlen sollen 2012 stattfinden, Karim Wade
wird seit einigen Jahren als potentieller Nachfolger seines Vaters gehandelt und aufgebaut, wenn sich auch weder Vater noch Sohn je öffentlich dazu äußerten. Nachdem die Kritik daran immer virulenter
wurde,versuchte der 83jährigePräsident den innenpolitischen Druck zu mindern und kündigte an, für ein drittes Mandat kandidieren zu wollen
.
Verschiedene zivilgesellschaftliche Vereinigungen wie auch Oppositionsparteien zweifeln die Rechtsmäßigkeit einer dritten Kandidatur des Amtsinhabers an und die Diskussion über die Verfassungskonfomität dieser Kandidatur beherrschte in den letzten 2 Jahren die innenpolitische Diskussion.
Karim Wade leitete die Agentur zur Vorbereitung des Islamischen Gipfels 2008 in Dakar, der Aufklärungsjournalist Abdou Latif Coulibaly warf ihm in seiner jüngsten Bucherscheinung
enorme Misswirtschaft in dieser Funktion vor.
Zur Zeit bekleidet Karim Wade das Amt des Ministers für Raumordnung, internationale Zusammenarbeit, Luftverkehr und Infrastruktur
.Im Oktober 2010 wurde dieses "Superministerium" schließlich noch um das Energieressort
erweitert, sodass der ambitionierte Präsidentensohn zurzeit 5 Schlüsselressorts unter sich vereint hat.
Im Oktober 2009 schließlich erschütterte ein Korruptionsskandal um den scheidenden IWF Repräsentanten Alex Segura
den Senegal und am 6. November forderten Tausende Menschen in einer von der Opposition initiierten Demonstration den Rücktritt von Präsident Wade
. Im Juni 2011 kam es schließlich zu den heftigsten Protesten
seit der Alternance 2000. Wade scheint dennoch fest entschlossen, zur Wahl anzutreten. Nach monatelangem Hickhack um einen Einheitskandidaten designierte das Oppositionsbündnis Bennoo Siggil Senegal Ende november 2011 Moustapha Niasse zu seinem Kandidaten
, doch sofort erklärte der ebenfalls im Wahlbündnis vertretene Führer der sozialistischen Partei Ousmane Tanor Dieng, ebenfalls zur Wahl anzutreten. Wer von diesem Konkurrenzkampf profouitiert, ist der amtierende Präsident, der in den jüngsten Meinungsumfragen an erster Stelle liegt. Die Kandidatur des Popstars Youssou Ndour
rief ein relativ großes Medienecho, auch im Ausland, hervor, wird jedoch nur anekdotischen Wert haben.
Zu Beginn des Wahljahres herrscht eine angespannte Stimmung im Land, die bei gelegentlichen gewaltsamen Auseinandersetzungen
zwischen Opposition und Änhängern der Machtinhaber aufflammt.
Eines der größten innenpolitischen Probleme ist der seit Mitte der 80er Jahre schwelende Casamancekonflikt
.
Nach Präsident Wades Amtsantritt, der eine friedliche Lösung zu einer seiner obersten Prioritäten gemacht hatte, sah es einige Zeit so aus, als könnte der Konflikt tatsächlich gelöst werden und am 30.Dezember 2004 unterzeichneten die Rebellenbewegung MFDC
und die Regierung einen historischen Friedensvertrag
, doch de facto hat sich an der prekären Situation im südlichen Landesteil nichts geändert.
Der Casamancekonflikt wurde stets auch durch die Nachbarländer Guinea-Bissau und Gambia angeheizt, die die Rebellen teilweise unterstützten
oder ihnen zumindest Rückzugsgelegenheiten über die Grenze boten.
Leidtragende sind natürlich die Zivilbevölkerung, Dörfer mussten evakuiert werden, Felder und offenes Land sind vermint und die einstmals blühende Region ist ökonomisch am Boden.
Hier findet sich der Bericht eines Betroffenen
. In den letzten Jahren ist der Konflikt wieder gewaltsam aufgeflammt und eine Lösung scheint fürs erste nicht in Sicht
. Im November 2011 nahmen die Übergriffe erneut zu und es wurden sogar 11 Zivilisten
vom Mfdc getötet. Es ist zu befürchten, dass die gewaltsamen Übergriffe in der angespannten Vorwahlzeit weiterhin zunehmen werden.
Opposition und Zivilgesellschaft klagen über die undemokratischen Verhältnisse im Land, dennoch muss gesagt werden, dass im Gegensatz zu anderen Ländern der Region die freie Meinungsäußerung glücklicherweise möglich ist und die Opposition weitgehend ungehindert agieren kann.
Die wichtigsten Oppositionsparteien sind in der Front Siggil Sénégal (Kopf hoch Senegal) zusammengeschlossen. Auf diesen Videos sieht man einen vom Bündnis organisierten Protestmarsch
vom April 2004 und die Unruhen des 23. Juni 2011
; auf einer der sozialistischen Partei nahe stehenden Homepage finden sich viele Informationen zu den Aktivitäten der Opposition
.
Zu den wichtigsten Oppositionsparteien gehören die PS
(Parti Socialiste), die bereits genannte AFP, die linksgerichteten LD/MPT
(Ligue Démocratique/Mouvement pour le Parti du Travail), PIT
(Parti de l'indépendance et du travail
), die Alliance Jëf Jël
und die grüne Partei Rassemblement des Ecologistes du Sénégal - les VERTS
.
Gewerkschaftliche Organisationen
sind der Gewerkschaftsdachverband „Confédération Nationale des Travailleurs Sénégalais" (CNTS) mit rd. 60 Einzelgewerkschaften und die Verbände autonomer Gewerkschaften „Union Nationale des Syndicats Autonomes du Sénégal" (UNSAS) und „Confédération des Syndicats Autonomes" (CSA).
Da jedoch nur ein Bruchteil der senegalesischen Bevölkerung im formellen Sektor arbeitet, kommt den Gewerkschaften nur beschränkt Bedeutung zu.
Ein Großteil der senegalesischen Bevölkerung ist im informellen Sektor tätig, im urbanen Bereich schlagen sich viele von ihnen mit Verkaufstätigkeiten auf der Straße von Tag zu Tag durch.
Eine Vielzahl von zivilgesellschaftlichen Organisationen
, Vereinen und NGOs ist in den unterschiedlichsten Bereichen im Senegal tätig. Die NGOs sind im nationalen Dachverband CONGAD
vereint.
Oft gibt es allerdings Mankos in Organisation, Information und Kommunikation. Initiativen wie diese
versuchen, dem Abhilfe zu schaffen.
Opposition und zivilgesellschaftliche Organisationen haben aufgrund der schwierigen innenpolitischen Lage im Jahr 2008 die sog. Assises Nationales
initiiert
. Die Regierung verweigerte trotz Einladung die Teilnahme.
Im Mai 2009 veröffentlichte das Konvent seinen Endbericht und eine Charta
, die als Empfehlung für eine künftige demokratischere Regierungsführung und nachhaltige Entwicklung dienen soll.
In den letzten Jahren kommt es, vor allem durch die großen Versorgungsengpässe an elektrischer Energie und langandauernden Stromabspaltungen, immer öfter zu spontanen und unorganisierten Demonstrationen und Unruhen frustrierter Jugendlicher, die keinen politischen oder zivilgesellschaftlichen Gruppierungen zugerechnet werden können. Im Juni 2011 kam es in Dakar und anderen Städten des Landes zu Protesten und Ausschreitungen bisher ungekannten Ausmaßes: zunächst als Reaktion auf eine versuchte Gesetzesänderung, die erlauben sollte, den Staatspräsidenten mit einer lediglich 25% Stimmenmehrheit zu wählen, der Gesetzesvorschlag musste aufgrund der heftigen Proteste
noch während der Parlamentssitzung zurückgezogen werden. Wenige Tage später plünderten protestierende Jugendliche
in Reaktion auf die anhaltenden Stromabschaltungen Niederlassungen der staatlichen Elektrizitätsgesellschaft und Regierungs- und Verwaltungsgebäude. Seit der Präsidentschaftswahl 2000 war der soziale Friede noch nie so gefährdet.
Aus dem ursprünglichen Staatsmonopol ist eine höchst lebendige Medienszene entstanden. Heute zählt man im Senegal 7 Fernsehkanäle, 18 Tageszeitungen, 15 Wochen- und Monatszeitschriften, mehrere Nachrichteninternetportale, 25 Radiostationen, davon 3 staatliche und 22 private und um die 60 sog. „Radio communautaires“, lokalen Radiostationen, die nur auf Kommunalebene empfangen werden. (Diese Zahlen sind als Abbild der Medienszene in einer ständigen Fluktuaktion begriffen).
Dazu kommt als besonderes Kennzeichen der Medienlandschaft eine Konzentration an großen privaten Medienkomplexen wie Sud Communication
, Futurs Médias
, Wal Fadjri
und Avenir Communication
. September 2010 ging der Fernsehsender TFM
des senegalesischen Popstars Youssou N'dour nach mehr als zweijährigen Querelen und politischen Einflussnahmen auf Sendung.
Neben dem staatlichen Fernsehen RTS
, SN2 und dem Schwesternsender 2StV
gibt es noch die Privatkanäle Walf TV, RDV und Canalinfo
.
Zu den wichtigsten Tageszeitungen gehören die regierungsnahe Soleil
und die kritischen Blätter Sud Quotidien
, Wal Fadjiri
und le Quotidien
. Weitere Titel sind 24 Heures Chrono, l’Actuel, l'As, Frasques Quotidiennes, Info 7, le Matin, le Messager, L’Observateur
, le Point, le Populaire (Pop), le Journal, Scoop, Stades (Sportzeitung), Taxi, Thiof und le Volcan.
Ein besonderes Kennzeichen dieser Tagespresse ist die weite Verbreitung einer Popularpresse (As, Pop, Taxi und andere), die die wichtigsten innenpolitischen Nachrichten mit einer breiten Lokalchronik, Sensationsnews und Blood & Crime vermischt.
Auf diesen Seiten findet man einen guten Überblick über die Medien
oder speziell die Printmedien
im Senegal.
Dazu gibt es die Online-Tageszeitung Nettali
, sowie Internetportale, die Zeitungsartikel aus den bekannten senegalesischen Tageszeitungen, eigene Analysen, Fernsehmitschnitte und Lifestreams von Radiosendern anbieten:
seneweb
Xibar
(Wolof: "Neuigkeit")
Rewmi
(Wolof: "das Land")
Xalima
(Wolof: "die Feder")
Zu den beliebtesten privaten kommerziellen Radiosendern gehören Sud FM
, Walfadjri und RFM
. Sie senden gleichermaßen auf französisch wie der wichtigsten einheimischen Sprache Wolof, sowie gelegentlich einzelne Sendungen in anderen einheimischen Sprachen.
Seit Anfang der 90er Jahre haben sich die sog. „radios communataires“ (eine Übersicht
findet sich hier) sprunghaft vermehrt. Sie sind auf ein enges geographisches Gebiet begrenzt, dienen der Verbreitung lokaler Nachrichten und senden in den im Einzugsgebiet verbreiteten einheimischen Sprachen.
Die Verbreitung elektronischer Medien ist relativ hoch, es gibt eine Vielzahl von Internetportalen aber auch politischen Blogs, die der großen Gemeinschaft der AuslandssenegalesInnen eine enge Anbindung ans Heimatland erlauben aber auch im Inland intensiv genutzt werden. Die Beobachtungsstelle für Neue Informationstechnologien Osiris
zählte im Jahr 2011 923.000 InternetnutzerInnen im Senegal.
Es gibt im übrigen eine Suchmaschine, die (deutsch)sprachige Nachrichten mit dem Stichwort Senegal
auflistet und auf die sich ein gelegentlicher Blick lohnt.
Die Vielfalt der senegalesischen Medienszene wie auch ein Blick auf die kritischen Leitartikel und Kommentare lassen den Senegal auf den ersten Blick wie ein Paradies der Meinungsfreiheit aussehen. Dennoch wurde das Land auf mehreren internationalen Medienbarometern mit stark absteigender Tendenz eingestuft: so nimmt es zum Beispiel bei sinkender Tendenz den 93. Platz unter 178 auf dem Press Freedom Index
2010 bei Reporters sans Frontières ein und war auch in der Bewertung des Media Sustainability Index
(MSI) von IREX und im afrikanischen Medienbarometer
der Friedrich-Ebert-Stiftung abgestiegen.
2008 und 09 waren besonders bittere Jahre für die senegalesischen Medien, im besonderen die Presse. Senegalesische JournalistInnen wurden mit körperlichen Übergriffen, Vorladungen und sogar Gefängnisverurteilungen traktiert. Dazu sind die Rahmenbedingungen des Metiers denkbar schlecht: die schlechte Ausbildung und Bezahlung der JournalistInnen macht sie angreifbar für Manipulationen. Es gibt eine gewisse Tendenz zur Autozensur in den Medien, mehr allerdings im wirtschaftlichen oder religiösen als im politischen Bereich.
2009 gab es einen aufsehenerregenden Zwischenfall, als die Anhänger eines religiösen Führers den privaten Fernsehsender Walf TV verwüsteten
und Journalisten verletzten – die Schuldigen sind bis heute nicht zur Verantwortung gezogen worden.
Dennoch äußern sich kritische JournalistInnen in der Öffentlichkeit, sind in Gewerkschaften, (z.B. SYNPICS) und Komitees (Comité pour la défense et la protection des journalistes - CDPJ) organisiert und veranstalten öffentlichkeitswirksame Protestmärsche.
2010 wurde ein neues Mediengesetz
der Öffentlichkeit vorgestellt, das Journalisten größere Sicherheit vor möglichen Starfverfolgungen geben sollte, doch im Januar 2012 scheint es,als würde es nicht verabschiedet
werden.
Der Senegal gilt als weitgehend demokratisches und stabiles Land, in dem die grundlegenden Menschenrechte geachtet werden. Im Zuge der bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen in der Casamance kam und kommt es jedoch seit den 80er Jahren immer wieder zu schweren Zwischenfällen.
Amnesty International stellte in den letzten Jahren den Casamancekonflikt, den exzessiven Gewalteinsatz der Polizei bei Demonstrationen, Verstöße gegen die Meinungsfreiheit und die Verfolgung Homosexueller in den Vordergrund. (Die strafrechtliche Verfolgung Homosexueller
nahm in den letzten beiden Jahren frappant zu und gewann v.a. eine große Medienresonanz.) 2010
und 2011
nahm Amnesty International noch zusätzlich die immer wieder kolportierenden Folterpraktiken von Militär (Region Casamance) und Polizei und die fehlende Strafverfolgung
durch die senegalesische Justiz ins Visier.
Die Menschenrechtsorganisationen RADDHO
(Rencontre Africaine pour la Défense des Droits de l’Homme) und ONDH
(Organisation Nationale des Droits de l’Homme au Sénégal) sowie einige andere Organisationen, die sich zu einem Netzwerk
zusammengeschlossen haben, verteidigen die Wahrung der Menschenrechte im Land.
Die Genitalverstümmelung
von Mädchen ist seit 1999 gesetzlich verboten. Dennoch wird sie bis heute bei einigen Ethnien praktiziert. Die NGO Tostan
ist mit ihrem Grassroots-Approach im Kampf gegen das Phänomen sehr erfolgreich, internationale Organisationen wie die UNICEF
sind daran beteiligt.
Der Senegal hat die UN Kinderrechtskonvention ratifiziert, dennoch bleibt in diesem Bereich noch viel zu wünschen übrig. Kinderarbeit
ist in den ärmsten Bevölkerungsschichten noch weit verbreitet und die Einschulungsraten lassen zu wünschen übrig.
Ein besonders heikles Problem sind die sog. Talibés
, Koranschüler, die von ihren Eltern in die Obhut eines Islamlehrers übergeben werden und die von diesem von frühester Kindheit an zum Betteln auf die Straße geschickt
werden. Immer wieder kommen Bilder von geschlagenen Kindern an die Öffentlichkeit. Das Thema ist durch die Nähe zur Religion und zu religiösen Bruderschaften jedoch höchst sensibel und wird in der senegalesischen Öffentlichkeit eher als ein Problem einzelner missratener Koranlehrer denn als ein grundlegendes gesellschaftliches Problem aufgegriffen. Im April 2010 hat ein Bericht von Human Rights Watch
, der die Missstände, unter denen rund 50.000 Kinder zu leiden haben, anprangert, großes nationales und internationales Medienecho hervorgerufen.

Ein kritischer Punkt in der internationalen Menschenrechtsdiskussion ist bis heute der Fall des ehemaligen Präsident des Tschad Hissene Habré
, dem massive Menschenrechtsverbrechen während seiner Präsidentschaft zu Last gelegt werden. Dennoch konnte er über lange Jahre unbehelligt im Senegal leben. Nach einem langen Streit um eine potentielle Auslieferung an Belgien und die gerichtliche Zuständigkeit an sich versah letztendlich die Organisation für die Afrikanische Union den Senegal mit dem Mandat, ein Gerichtsverfahren gegen Habré im Namen Afrikas einzuleiten. Seitdem wird dieses jedoch immer weiter hinausgezögert. Anfang Juli 2011 verlangte die Afrikanische Union
schließlich, den Habré Prozess endlich zu eröffnen ooder ihn an Belgien auszuliefern. Im Juli 2011 kündigte der Senegal an, Habré an sein Herkunftsland auszuliefern, vollzog aber im Verlauf eines einzigen Wochenendes eine erneute Kehrtwende
. Zur Zeit scheint es, als stünden die Vorzeichen nun doch für eine Auslieferung an Belgien. Human Rights Watch
verfolgt die Entwicklung des Habré-Prozesses.
Senegal verfolgt traditionell enge außenpolitische Beziehungen mit der westlichen Welt, allen voran der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich. Daneben ist es in vielen internationalen Organisationen vertreten und hat zahlreiche internationale Abkommen ratifiziert. Gleichzeitig ist der Senegal der muslimischen Welt eng verbunden (so etwa in der Organisation der Islamischen Konferenz
, deren Gipfel 2008 bereits zum zweiten Mal in Dakar stattfand).
2006 brach der Senegal die diplomatischen Beziehungen mit der Republik Taiwan ab und nahm stattdessen diplomatische Beziehungen zur Volksrepublik China
auf, die seitdem einige große Infrastrukturprojekte finanzierte. Im Februar 2011 brach der Senegal die diplomatischen Beziehungen zum Iran
ab, nachdem der westafrikanische Staat den wichtigen Handelspartner verdächtigt hatte, die Rebellenbewegung in der Casamance mit Waffenlieferungen versorgt zu haben.
In regionalen Konflikten hat sich Präsident Wade oft als Friedensvermittler hervorgetan.
Das AA gibt eine kurze Übersicht über die senegalesische Außenpolitik
.
Wesentliche Themen der senegalesischen Afrikapolitik sind die afrikanische Einheit
und die westafrikanische regionale Integration mittels des Ausbaus der 1994 gegründeten Westafrikanischen Wirtschafts- und Währungsunion UEMOA
(Union Économique et Monétaire Ouest-Africaine), die eine Zollunion eingerichtet hat und einen gemeinsamen Markt nach EU-Vorbild anstrebt. Dazu ist der Senegal auch Mitglied der umfassenderen Regionalorganisation CEDEAO / ECOWAS
(Communauté Economique des Etats de l’Afrique de l’Ouest), der auch anglophone Staaten angehören.
Präsident Wade war auch Mitinitiator des NEPAD
(New Partnership for Africa’s Development), das versucht, privatwirtschaftliche Initiativen in Afrika zu fördern.
Weitere wichtige internationale Organisationen, bei denen der Senegal Mitglied ist, sind die Vereinten Nationen
, die WTO
, die Weltbank
, der IWF
, das Komité für den Kampf gegen die Trockenheit in der Sahelzone (Comité Inter-Etat pour la lutte contre la Sécheresse dans le Sahel - CILSS
), die G 15 Gruppe
und die internationale Organisation der Frankophonie
.
Der Senegal versucht in einer politisch unruhigen Region mit teilweise fragilen Nachbarstaaten zumeist ausgleichend und friedensstiftend zu wirken, wobei er auch nicht vor direkter Einmischung zurückschreckt, wenn er die eigenen Interessen bedroht sieht (z.B. die direkte Militärintervention 1998 im Bürgerkrieg in Guinea-Bissau
zugunsten Präsident Vieras).
Die Karte des IRD gibt eine Übersicht der Beziehungen zu den Nachbarländern
mit Stand 2000.
Ein Thema, das in den vergangenen Jahren internationale Aufmerksamkeit erlangt hatte, war die illegale Migration nach Europa mittels kleiner Fischerboote aus dem Senegal. Die Devise „Barça ou Barsax“ (Barcelona oder die Hölle) beschreibt die Beweggründe der (meist) jungen Menschen, die auf dem hohen Meer ihr Leben wagten und es dabei oftmals verloren haben: prekäre Lebensbedingungen, eine enorme Perspektivlosigkeit und hoher sozialer Druck lassen einen Verbleib im Heimatland als ausweglos erscheinen.
Ein relativ differenzierter Bericht eines EU Parlamentarierbesuchs im Senegal 2008 beleuchtet die Hintergründe des Migrationsphänomens
.
Die EU hat in der Zwischenzeit in Absprache mit dem Senegal mit der Entsendung von Frontex Truppen vor die senegalesische Küste reagiert und der Senegal hat die Rückaufnahme abgeschobener illegalen Einwanderer aus den EU-Ländern akzeptiert, was im eigenen Land heftig kritisiert wurde.
Dies hält den Großteil der jungen Menschen nun effektiv von der Flucht ab, ändert aber natürlich nichts an ihren Lebensbedingungen und dem Wunsch, ins „Gelobte Land“, von dem nur die wenigsten eine anschauliche Vorstellung haben, zu kommen.
Eine Vielzahl deutschsprachiger Medien analysierte und beschrieb die illegale Migration in den letzten Jahren, wie etwa der Spiegel
, der Tagesspiegel
, die Zeit
, der Standard
oder Neues Deutschland
.
Das Goethe-Institut Dakar befragte einige ehemalige MigrantInnen aus Deutschland zu ihren Erfahrungen
.
Was dabei nicht vergessen werden darf, ist die innerafrikanische Migration
. Der Senegal ist selbst ein Einwanderungsland par excellence für die Nachbarländer: die soziale Bandbreite der MigrantInnen reicht dabei vom Hilfsarbeiter bis zum Universitätsprofessor. Auch die SenegalesInnen emigrieren im Gegensatz zur westlichen Perzeption nicht nur in Richtung Europa bzw. Westen, sondern zunächst einmal auf den afrikanischen Kontinent (so 51% aller MigrantInnen, Quelle: HDI).
Umfassende Analysen und Hintergründe zur Migration rund um den Senegal (Stand November 2007) findet man hier
.
Claudia Hrubesch, Jahrgang 1972, Studium der Vergleichenden Literaturwissenschaft, Französisch und Deutsch als Fremdsprache in Wien und Paris. Schwerpunkt: Geschichte und Literaturen Afrikas, Postcolonial Studies und interkulturelle Kommunikation.
Lebt seit 10 Jahren im Senegal. Tätigkeiten beim Goethe-Institut Dakar, der GIZ, ECO Consult und als freiberufliche Beraterin im Kultur- und Kommunikationsbereich. Landestutorin bei Inwent.
Über Feedback freue ich mich.
Diese Länderseite wurde zum letzten Mal am 3. Januar 2012 aktualisiert.
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