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Die senegalesische Wirtschaft ist durch starke Importabhängigkeit, einen kleinen Heimatmarkt und eine geringe Exportbreite geprägt. Der Großteil der Bevölkerung arbeitet in Ackerbau und Fischfang, dabei wird der Arbeitsmarkt stark vom informellen Sektor dominiert. Die industrielle Produktion des Landes ist relativ schwach und der Tourismus in den letzten Jahren rückgängig.
Obwohl fast 70% der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig ist, erwirtschaftet sie nur knapp 14% des BIP und das mit sinkender Tendenz. Die hauptsächlich kleinbäuerlich ausgerichtete Agrarwirtschaft leidet unter schlechten Rahmenbedingungen: die Böden sind schlecht und ausgelaugt und ein unsachgemäßer Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden aufgrund der mangelnden Aufklärung der Landbevölkerung führt zu einer weiterer Degradation der Böden. Seit den 70er Jahren ist die Sahelzone häufigen Dürrezeiten
bzw. unregelmäßigen und niederschlagsarmen Regenzeiten ausgesetzt, eine Entwicklung, die sich unter der Einwirkung des Klimawandels noch weiter verschlimmern wird. Unter diesen Vorzeichen verschieben sich auch die traditionellen Anbauflächen für bestimmte Sorten.
Im Mai 2009 veröffentlichte das bereits genannte CILSS eine Studie über die Veränderungen der Umweltbedingungen und Produktionsweisen im Sahel.
Die Landwirtschaft
im Senegal ist wenig diversifiziert. Grundsätzlich
ist sie
bis heute durch eine extensive Erdnussmonokultur im Zentrum des Landes, dem sog. „Erdnussbecken“ (bassin arachidier), geprägt, für die der Grundstein in der Kolonialzeit gelegt wurde.
Die Franzosen ließen in den unterschiedlichen Kolonialgebieten Monokulturen anlegen, die sie zur Entwicklung des „Mutterlandes“ benötigten. Dabei wurde natürlich auf eine diversifizierte Entwicklung der Kolonien verzichtet bzw. die ursprüngliche Subsistenzlandwirtschaft zerstört.
Auch der unabhängige Senegal verabsäumte es, die landwirtschaftliche Produktion nach der Unabhängigkeit breit zu fächern. Die Probleme
begannen, als die Erdnusspreise auf dem Weltmarkt verfielen, die Böden durch die extensive Monokultur kaputt gewirtschaftet waren und der Senegal einen Großteil der anderen Lebensmittel, v.a. Reis aus Südostasien und Weizen aus Frankreich, importieren musste.
Nach der Unabhängigkeit hatte das Office National de Coopération et d’Assistance pour le Développement (ONCAD) das Ankaufsmonopol im Agrarbereich inne, doch schon Mitte der 70er Jahre war es zu einem Riesenapparat mit überdimensionierten Verwaltungskosten aufgebläht. Misswirtschaft und Misskalkulation
durchzog die gesamte staatlich gesteuerte Anbau- und Ankaufspolitik des Sektors. 2001 forderte der IWF die Privatisierung der SONACOS, der nationalen Vermarktungsagentur. Sie wurde von einem Konsortium übernommen und am 1. Januar 2007 in Suneor
(Wolof: „unser Gold“ ) umbenannt.
Unbestritten ist, dass die Kleinbauern ums Überleben kämpfen
. Immer mehr der jungen Menschen verlassen ihre Dörfer und ziehen in die Städte.
Neben der institutionellen Misswirtschaft sind es eben auch die schwierigen Naturbedingungen, die die senegalesische Landwirtschaft so extrem anfällig
machen: seien es Dürre, zu starke Regenfälle mit Überschwemmungen oder Heuschrecken
.
Die Ernährungslage im Senegal wird laut Welthungerindex 2010
als ernst eingestuft.
Der Senegal versucht in den letzten Jahren eine Rückwendung von der reinen Exportwirtschaft. Nach den heftigen Protesten zu den Grundnahrungsmittelteuerungen 2008
stellte Präsident Wade seine Kampagne GOANA
zur Steigerung der landwirtschaftlichen Produktivität und der Erreichung von Nahrungsmittelautarkie vor – ein ambitionierter Plan, dessen Realisierung jedoch oft angezweifelt
wird.Um den sozialen Frieden zu erhalten, ist der senegalesische Staat gezwungen, den Markt für Grundnahrungsmittel zu subventionieren oder über Preissteuerungen zu lenken, dennoch leidet die einfache Bevölkerung unter den stark angestiegenen Lebensmittelpreisen.
Neben den traditionellen Cash Crops Erdnuss und in geringem Ausmaß Baumwolle
werden als Food Crops für den eigenen Verbrauch v.a. Hirse (in den Küstengebieten vom importierten Reis verdrängt, im Landesinneren jedoch immer noch das traditionelle Grundnahrungsmittel), Mais, Sorghum, Maniok und Reis (im Flusstal des Senegal sowie in der Casamance) angebaut.
Nach der großen Nahrungsmittelkrise 2008 ließen sich zumindest in der heimischen Reiswirtschaft leichte Fortschritte verzeichnen: ein Großteil des im Senegal konsumierten Reises wird zwar immer noch importiert, dennoch gingen die Importraten in den letzten zwei Jahren erstmals zurück und die heimische Produktion
konnte gesteigert werden. Insgesamt jedoch konnte die in den letzten Jahren so oft propagierte Ernährungssicherheit bei weitem nicht erreicht werden und ein Großteil der Grundnahrungsmittel muss weiterhin importiert
werden.
Das Africa Rice Center
setzt sich für eine Intensivierung des Reisanbaus in Afrika ein und forscht im Bereich trockenheitsresistenter Samen.
Am Senegalfluss wird auch Zuckerrohr angebaut, in Richard Toll befindet sich die verarbeitende Industrie
, die in erster Linie für den Binnenmarkt produziert.
Der Gemüseanbau
wird vor allem in den Einzugsgebieten von Dakar und Thies betrieben, insbesondere in den Niayes, den fruchtbaren Senken hinter dem Dünengürtel entlang der Küste zwischen Dakar und St. Louis.
Der Obstanbau ist wenig strukturiert, der Großteil der einheimischen Früchte
wird nicht professionell angebaut, sondern von Frauen und Kindern gesammelt und auf den Märkten zum Verkauf angeboten.
Der krisengebeutelte Agrarsektor ist in einem schwierigen Umstruktierungsprozess
begriffen. Sein Gelingen wäre notwendig, um das Land weniger anfällig für die fluktuierenden Weltmarktpreise und weniger abhängig von Importen zu machen und die galoppierende Landflucht aufzuhalten.
Bei der heute noch vorherrschenden Agrar- und Handelspolitik der Industriestaaten
, die den afrikanischen Markt mit ihren hoch subventionierten Erzeugnissen überschwemmen
, ist dies jedoch kaum möglich. Solange sich auf der zwischenstaatlichen Ebene nichts ändert, kann den verschiedenen Programmen, die versuchen, die Kleinbauern durch z.B. Kleinkredite zu unterstützen
nur ein bescheidener Erfolg beschieden sein.
Das World Ressource Institute vergleicht landwirtschaftliche Produktionsdaten
(aus den späten 90er Jahren) des Senegals mit dem Rest Subsahara Afrikas und der ganzen Welt.
Ein Business for Development Report 2008 der OECD beschäftigt sich mit den Perspektiven der senegalesischen Landwirtschaft und Agroindustrie
.
Die Landwirtschaft ist mit nur 5% an bewässerten Flächen extrem niederschlagsabhängig. Große Hoffnungen wurden deshalb auf die ganzjährige Bewässerungslandwirtschaft am Ufer des Senegalflusses gesetzt, die sich jedoch auch nach der der Fertigstellung zweier großer Staudämme, in Diama an der Mündung des Senegals und in Manantali in Mali, nicht ganz verwirklichen ließen. Die Wasserführung des Senegals ist zwar jetzt ganzjährig regulierbar, es fehlt aber immer noch an Mitteln für die Bewässerungskanäle der landwirtschaftlichen Nutzflächen.
Auf einer Landkarte lässt sich die Nutzung des Senegalflusses
nachvollziehen.
Die Viehhaltung besteht in erster Linie in Rinderherden (Zebus) der nomadisierenden Peulhs
(Pular) (sog. „transhumants“).
Etwa 30% der Landflächen sind ausgewiesenes Weideland, doch die Dürreperioden der letzten Jahrzehnte hatten auch hier schlimme Auswirkungen. In den 70er Jahren verendeten Tausende Rinder und viele der Viehzüchter fanden sich auf den Straßen Dakars wieder. Bis heute kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen herumziehenden Viehzüchtern und sesshaften Ackerbauern.
Die Rinderherden stellen ein nicht unerhebliches ökologisches Problem dar, da sie auf der Suche nach Futter auch nicht vor geschützten Wäldern und Reservaten haltmachen. Schlachtvieh wird in der Regel auf Wochenmärkten vertrieben; bis vor kurzem gab es noch keine Möglichkeit, die produzierte Milch zu vertreiben und die Viehzüchter erzeugten lediglich für den Eigenbedarf.
Einige kleine Privatfirmen vertreiben heute Produkte aus lokaler Frischmilch
und Milchprodukte aus dem Senegal, doch es ist schwer, sich auf dem von importierter Trockenmilch
dominierten Markt zu behaupten.
Mehr als 600.000 Menschen leben vom Fischfang. Mit mehr als 455.000 Tonnen Fangmengen pro Jahr, von denen etwa 85.000 Tonnen in den Export gehen und ein Drittel der Exportmenge stellen, ist der Fischfang der größte Devisenbringer des Senegals. Der Hauptanteil wird bis heute von traditionellen Fischern erwirtschaftet (2008 lag der Anteil bei 87%). Die westafrikanischen Küstengewässer
sind eigentlich durch den Kanarenstrom begünstigt und weisen eigentlich große Artenvielfalt und Fischreichtum auf, doch die Biodiversität und der Fischbestand haben stark abgenommen.
Der EU wird oftmals Schuld
am Leerfischen der senegalesischen Fischgründe und dem Abnehmen der Fischvorräte gegeben, was von der EU jedoch dementiert
wird, die stattdessen den Ball an die senegalesische Regierung zurückspielt.
Auf alle Fälle wurde das Fischereiabkommen zwischen der EU und dem Senegal seit Juli 2006 nicht mehr verlängert.
Der senegalesische Staat vergibt Einzellizenzen an ausländische Fischfangflotten, was immer wieder zu Protesten der einheimischen Fischer
, der Zivilgesellschaft und Organisationen wie Greenpeace
führt.
Wer immer jetzt auch für das Abnehmen der Fischbestände verantwortlich ist, Fakt ist, dass die traditionellen Fischer mit ihren kleinen Holzbooten und archaischen Fangmethoden immer öfter mit halbleeren Booten zurückkommen. Kein Wunder also, dass viele von ihnen während der großen illegalen Migrationsbewegung 2006
die Gelegenheit ergriffen, mit einem Schlag mittels des Verkaufs ihrer Boote ihre Existenz sichern zu können.
Der sekundäre Sektor erwirtschaftet etwa 20% des BIP.
Zu den wichtigsten Industriezweigen gehören die verarbeitenden Industrie: Lebensmittel- (Öl, Fisch, Zucker, Getränke) und die Textil- und Lederverarbeitung.
Calciumphosphat, das im Tagebau gefördert wird, liefert die Basis für eine relativ florierende Düngemittelindustrie. Der Kalksteinabbau liefert die Basis für eine bescheidene lokale Zementindustrie
.
Geografisch ist der Industriesektor in erster Linie im Großraum Dakar konzentriert.
Frankreich
ist der erste ausländische Direktinvestor im Senegal. Das französische Außenministerium beziffert die Anzahl der französischen Unternehmen im Senegal mit 300 (davon rund 130 Filialen französischer Gesellschaften), die über 16 000 Arbeitsplätze stellen (20 % der Stellen des formellen Privatsektors).
In den letzten Jahren hatten staatliche Großbetriebe wie die rohölverarbeitende SAR
und die chemische Industrie ICS
vorübergehend mit enormen Problemen zu kämpfen. Heute sind die andauernden Engpässe in der Elektrizitätsversorgung ein gravierendes Problem für die industrielle Produktion.
Der relativ junge Minensektor ist noch im Aufbruch begriffenen und ist aufgrund begrenzter Bodenschatzvorkommen nur bedingt ausbaufähig. Neben dem seit langem geförderten Phosphat (1,5% der Weltproduktion) konzentriert man sich auf die Förderung der Bodenschatzvorkommen im Südosten des Landes. Doch die Aufbruchsstimmung des vergangenen Jahrzehnts ist durch die Wirtschaftskrise und den Rückzug ausländischer Investoren gedämpft worden. Ein 2007 getroffenes Abkommen zur Eisenerzförderung zwischen dem Senegal und ArcelorMittal steht vor dem Bruch
.
Seit Juni 2009 wird in der Region von Kédougou durch Mineral Deposits Limited (MDL) in professionellem Ausmaß
Gold gefördert. Grund zum Jubeln für Präsident Wade
, Grund zur Klage
über nicht erfolgte Entschädigungen bei der Enteignung der Landbevölkerung, Umweltprobleme und Korruption in der Minenregion.
Der tertiäre Sektor macht etwa 60% des BIP aus.
Dabei ist v.a. der Tourismus
ein wichtiger Devisenbringer.
Handgestrickt wie diese Plakate ist noch vieles im senegalesischen Tourismussektor. Was dem einen charmant und authentisch erscheint, ist für andere ein Manko.
2007 besuchten rund 800.000 Touristen das Land, in den letzten Jahren gab es aber eine rückläufige Tendenz
bei den Nächtigungszahlen.
In erster Linie handelt es sich um einen Strand- und Pauschaltourismus, sowie in der Hauptstadt Dakar um einen hochwertigen Kongresstourismus.
Trotz eines Lippenbekenntnisses der Regierung
zur Entwicklung des Ökotourismus
gibt es bislang in dem Gebiet nur wenig Angebot
.
Des Weiteren ist die die Telekommunikationsbranche maßgeblich: es gibt heute drei Mobilfunkanbieter. Mit der Agence de Régulation des Télécommunications et des Postes
verfügt der Senegal seit 2001 über eine unabhängige Kontrollbehörde für den Sektor.
Dank des gutentwickelten Telekommunikationssektors ist der Senegal eines der wichtigsten Länder in der Süd-Nord-Auslagerung geworden und französische Firmen greifen auf die Dienste senegalesischer Callcenter mit ihren geringeren Personalkosten zurück.
Der Bankensektor
ist gut entwickelt, es gibt etwa 20 niedergelassene Banken
im Senegal, die allerdings nur etwa 25% der wirtschaftlichen Aktivitäten finanzieren.
MiniunternehmerInnen, unter ihnen v.a. Frauen finanzieren ihre Aktivitäten oft über ein System von Tontines
, einer Art privater Sparvereine.
Natürlich ist auch der Mikrofinanzsektor
mit Kleinkrediten in der Zwischenzeit gut vertreten.
Auch der Sitz der westafrikanischen Zentralbank
befindet sich in Dakar.
Die gemeinsame Währung Franc CFA ist fest an den Euro gebunden (1 EUR entspricht 655,957 FCFA).
BCEAO Gebäude im Stadtzentrum
Als Mitglied der westafrikanischen Wirtschafts- une Währungsunion UEMOA
und der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft CEDEAO
(ECOWAS) ist der Senegal ein Schwergewicht in der regionalen Wirtschaft, was sich auch im BIP
widerspiegelt. Nach Nigeria, der Côte d'Ivoire und Ghana ist der Senegal die viertgrößte Wirtschaftsmacht in der Region.
Auf der Internetplattform Investir en zone franc
finden potentielle InvestorInnen eine Fülle von Informationen zum gesamten Wirtschaftsraum.
Der Senegal ist auch Mitglied der Organisation zur Harmonisierung des Wirtschaftsrechts in Afrika (OHADA
).
Nach dem Ausbruch der Krise in der Côte d’Ivoire
übersiedelten viele internationale Organisationen nach Dakar, im privatwirtschaftlichen Sektor „profitierte“ das Land jedoch weniger von den Problemen der zweiten regionalen Wirtschafsmacht. Auch der Dakarer Hafen spielte bislang trotz seiner Größe und trotz des „Ausfalls“ des Hafens von Abidjan keine wichtige Rolle als Eingangshafen für die Region, da die Verkehrsverbindungen in die Nachbarländer zu wenig ausgebaut sind. Der Infrastrukturausbau
gehört zu den Prioritäten der Regierungen und der vertretenen Geber in der Region.
Im Senegal finanzieren besonders die EU und der MCA
den Ausbau des Straßennetzes.
Typische Straßenszenen rund um Dakar: notorischer Stau, schlecht ausgebauter öffentlicher Verkehr und überladene Lastwagen, die die einzige Frachtverbindung für das Umland und sogar die Nachbarländer darstellen:
Verschiedene Wirtschaftsdaten zum Senegal findet man bei der Weltbank
, der Nationalen Statistikagentur
, bei Börsenorganisationen
, und der UEMOA
.
Der African Economic Outlook
liefert umfassende Analysen zur wirtschaftlichen Entwicklung des Senegals.
Makroökonomisch gesehen hatte der Senegal in den Jahren vor 2008 eine positive Entwicklung zu verzeichnen, das BIP wuchs beständig und die Inflation
war gering, bis jedoch die Treibstoffpreise und Preise für Grundnahrungsmittel analog zur globalen Entwicklung in die Höhe schnellten.
In den Jahren 2003-2007 verzeichnete der Senegal durchschnittliche Wachstumsraten von durchschnittlich 4,7%, die in den Krisenjahren 2008 und 2009 auf etwas mehr als 2% fielen. Im Jahr 2010 wurden wieder erhöhte Wachstumsraten verzeichnet. Das Wachstum wurde in der Vergangenheit in erster Linie von der starken Bau- und Telekommunikationsbranche getragen.
Leistungs-, Handels- und Dienstleistungsbilanz sind konstant defizitär.
Präsident Wades Wirtschaftspolitik ist auf Liberalisierung und Privatisierung ausgerichtet.
Das zentrale Politikfeld ist die Armutsbekämpfung
, gleichzeitig versucht die Regierung, gezielt das Wirtschaftswachstum
und den Privatsektor mittels einer Strategie des beschleunigten Wachstums
zu unterstützen. Wade gehörte zu den Mitinitiatoren des NEPAD, welcher verstärkt ausländische Privatinvestitionen nach Afrika bringen soll.
Die ersten Strukturanpassungsprogramme wurden auf Druck der Bretton-Woods-Institutionen in den 80er Jahren durchgeführt und haben unbestritten die makroökonomischen Rahmenbedingungen verbessert, konnten jedoch die Wirtschaftsleistung nicht dauerhaft verbessern, geschweige denn die Armutsbekämpfung nachhaltig unterstützen. Die Abwertung des Franc CFA 1994 um 50% verbesserte zwar die Wirtschaftsleistung, erschwerte aber dauerhaft die Lebensbedingungen breiter Bevölkerungsschichten.
Heute ist in erster Linie die schlechte Energieversorgung
hindernd für die Wirtschaftsentwicklung des Landes. Der Senegal ist abhängig von Erdölimporten zur Stromerzeugung, die staatliche Energiegesellschaft Sénélec arbeitet trotz mehrmaliger Restrukturierungsversuche und Finanzspritzen durch internationale Geber defizitär und kann zudem den Energiebedarf nicht decken. Im Juni 2011 führten die andauernden Stromabschaltungen verbunden mit der allgemeinen politischen Unzufriedenheit zu ernsten Unruhen. Ein Notplan
zeigte im 2.Halbjahr 2011 erste Wirkungen, allerdings gingen die dafür eingesetzten Ressourcen zulasten anderer Ressorts. Trotz einer prinzipiellen Neuorientierung der senegalesischen Energiepolitik 1997 wird das hohe Potential für erneuerbare Energien
(Sonne und Wind) bislang kaum ausgenützt.
Der Senegal ist aufgrund dieser verschiedenen Probleme als Investitionsland nicht gerade beliebt: im Weltbank-Bericht „Doing Business 2008“ belegte er noch den 168. Platz unter 175. In der Ausgabe von 2009 konnte das Land jedoch um 19 Plätze nach vorne springen, wurde 149tes unter 181 Ländern und wurde als einer der drei afrikanischen Staaten mit den besten Wirtschaftsreformen geführt. Ein wichtiger Grund für diesen Sprung ist die Gründung der APIX
(Agence de Promotion des investissements et des grands travaux), die Geschäftsinvestitionen erleichtern soll.
Das Jahr 2008 war von schweren Zahlungsrückständen des Staats an den Privatsektor
geprägt, was das Vertrauen in das Wirtschaftsklima wieder erschütterte, vor den Präsidentenwahlen im nächsten Jahr herrscht auch in der Privatwirtschaft eine angespannte Stimmung. Im jüngsten "Doing Business Report"
nimmt der Senegal den 154. Rang ein.
In erster Linie konzentriert sich die Regierung auf große Infrastrukturprojekte
als Motor für die wirtschaftliche Entwicklung. Klein- und Mittelbetriebe werden dabei eher vernachlässigt, obwohl gerade sie das Rückgrat der senegalesischen Wirtschaft darstellen könnten.
Nach dem Konkurs von Air Sénégal International
nahm die neue nationale Fluglinie Sénégal Airlines
mit Unterstützung der Emirates Group 2011 den Flugbetrieb auf.
Die Handelsbilanz des Senegals ist chronisch defizitär, und die Höhe des Defizits ist seit der Unabhängigkeit beständig angestiegen. Usherbroke gibt den freien Fall der Handelsbilanz
mit 8.740 % über 46 Jahre an.
Zu den wichtigsten Exportgütern
gehören Fisch- und Erdnusserzeugnisse, Erdölprodukte, Phosphate und Baumwolle.
Die wichtigsten Exportländer sind Mali, Indien, Frankreich, Gambia und Italien. Senegal konnte seine Absatzmärkte relativ erfolgreich diversifizieren; Frankreich, das 1967 noch 80% der senegalesischen Exporte aufnahm, macht heute nur mehr einen Prozentsatz von 5% aus. Hingegen ist es bis heute das wichtigste Importland (20%) für den Senegal, gefolgt von NIgeria, der VR China, Thailand (Reis), Spanien und den Beneluxstaaten. Dabei machen Lebensmittel (Reis, Weizenmehl, Trockenmilch, Zucker und Gemüse), Erdölprodukte, Metalle und Maschinen bis heute den Großteil der Importe aus, im Grunde muss der Senegal aber fast alle Arten von Gütern
einführen.
Die EU ist als Wirtschaftsregion der Haupthandelspartner des Senegals. Der Senegal war in Westafrika federführend im Widerstand
gegen die neuen Wirtschaftspartnerschaftsabkommen (APE - Accords de partenariat économique
).
Die EU und die AKP-Staaten verhandeln weiter, auf dieser Seite findet man die jeweils letzten Informationen zum Stand der Verhandlungen
.
Der Senegal sucht seine Partnerschaftsoptionen deutlich zu diversifizieren, die Wiederaufnahme der Beziehungen zur VR China
als auch die Intensivierung der Beziehungen zum Iran
sind ein Zeichen dafür. Inwiefern der Abruch der diplomatischen Beziehungen zum Iran im Februar 2011 die wirtschaftlichen Beziehungen beinträchtigt hat, iwird sich noch zeigen.
In der Vergangenheit hatte der Senegal oft auf ausländische Geldgeber zurückgegriffen, sodass die Verschuldung Mitte der 90er Jahre auf über 90% und auf eine Schuldendienstquote um die 20% angestiegen war. Der Senegal hat sich für die erweiterte Initiative für hoch verschuldete arme Entwicklungsländer (HIPC - Heavily Indebted Poor Countries Initiative
) qualifiziert.
Bei einem ersten Schuldenerlass 2000 nach Erreichen des Entscheidungszeitpunkts (decision point) wurde die Schuldenlast erheblich reduziert, so z.B. 50% an die IDA
. Nach dem Erreichen des Vollendungszeitpunkts (completion point) von HIPC II im April 2004 kam es zu einer weiteren wesentlichen Schuldenreduktion.
2011
ist die Auslandsverschuldung erneut stark angestiegen und wird mit 3,885 Milliarden USD angegeben.
Von der Finanzkrise 2008/2009 und der Krise 2011 war im Senegal aufgrund der geringen Verflechtung mit der internationalen Finanzwelt zunächst nur wenig zu spüren
.
Die Prognosen gingen davon aus, dass das Land wohl härter von den indirekten Folgen der Finanzkrise getroffen werden wird, sobald sich der geringere Wohlstand senegalesischen ArbeitsmigrantInnen in einem Abnehmen der Rücküberweisungen
- die im Senegal höher als die ODA sind - niederschlagen oder sich ausländische Investoren zurückziehen
, wie es etwa bei der geplanten Förderung der Eisenerzvorkommen durch ArcelorMittal geschehen ist.
Eine von der Afrikanischen Entwicklungsbank und vom französischen Wirtschaftsministerium in Auftrag gegebene Studie vom Januar 2008 untersucht vier afrikanische Länder
, die mit Frankreich historisch und migrationsbedingt eng verbunden sind. Bei einer Befragung von über 2.000 Haushalten im Senegal, in Mali, in Marokko und auf den Komoren ergab sich folgendes Bild: Im Jahr 2005 wurden in den Senegal 449 Millionen Euro rücküberwiesen (19 Prozent des BIP und 218 Prozent der öffentlichen Entwicklungshilfe), in Mali waren es 295 Millionen (11 Prozent des BIP und 79 Prozent der Entwicklungshilfe) und auf den Komoren 70 Millionen (24 Prozent des BIP und 364 Prozent der Entwicklungshilfe). Das Monatseinkommen der von diesen Überweisungen unterstützten Haushalte lag jeweils über dem nationalen Durchschnitt. Die betreffenden Haushalte konnten in Marokko mit diesem Geld mehr als die Hälfte ihre Einkommens decken, in Mali waren es zwei Drittel und in Senegal und auf den Komoren etwas weniger als die Hälfte. (nach Le Monde diplomatique, 16.1.2009)
2010 und 2011 begann die senegalesische Wirtschaft sogar wieder leicht zu wachsen und wurde in der Review des Policy Support Instrument des IWF ausdrücklich für seine Anstrengungen gelobt
.
Chinas Engagement beeinflusst die Prämissen der Wirtschaftsbeziehungen wie auch der Entwicklungszusammenarbeit überall auf dem afrikanischen Kontinent.
Ein Jahr nach Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen analysierte die FES das chinesische Engagement im Senegal
.
Der Senegal gehört zu den ärmsten Ländern der Welt und nimmt auf dem Human Development Index des UNDP
lediglich den 155. Platz unter 187 ein. Es gehört somit zu den am wenigsten entwickelten Ländern (LDC-Least Developed Countries
).
Trotz des makroökonomischen Wachstums der vergangenen Jahre wurde noch kein Durchbruch in der Armutsbekämpfung erreicht. fast ein Viertel der Bevölkerung lebt in extremer Armut und muss mit weniger als einem USD am Tag auskommen. Dementsprechend steht die Armutsbekämpfung im Zentrum der nationalen Entwicklungsanstrengungen. Als Referenzrahmen dient das 2002 erarbeitete und 2005 fortgeschriebene Document Stratégique de Réduction de la Pauvreté
(DSRP), das in seiner aktuellen Version allerdings verstärkt auf Maßnahmen für beschleunigtes Wachstum ausgerichtet ist.
Venro
beobachtet und analysiert den PRSP Prozess im Land.
Die MDG
s, die im ersten DSRP noch kaum eine Rolle gespielt hatten, wurden in der entwicklungspolitischen Ausrichtung immer wichtiger.
In einer Datenbank der Weltbank
lässt sich landesspezifisch die Annäherung oder Erreichung der Milleniumsziele überprüfen.
Auch der MDG Monitor
der Vereinten Nationen verfolgt die Erreichung der Ziele.
Die senegalesische Regierung ist lediglich auf dem richtigen Weg, die Ziele 2 und 4 zu erreichen
, d.h. die allgemeine Primarschulbildung und eine signifikante Senkung der Kindersterblichkeit, bei allen anderen Zielen ist sie bislang weit vom Ziel entfernt.
Mit 1022 Millionen USD netto (2009) ist der Senegal der größte ODA Empfänger der Region
. Dabei ist jedoch auf Seiten des senegalesischen Staates eine geringe Absorptionskapazität zu verzeichnen, 2004 wurde die Auszahlungsrate mit nur 66% angegeben.
Hier findet man einen guten Überblick
über die internationalen Geberleistungen von 2001-Anfang 2007.
Die wichtigsten multilateralen Geber sind die Weltbank
und die EU
Daneben sind fast alle UN Programme
mit nationalen Agenturen und oft auch den Regionalbüros für Westafrika vertreten.
Der internationale Währungsfonds
, die afrikanische Entwicklungsbank
, die europäische Entwicklungsbank
, die westafrikanische Entwicklungsbank
und die islamische Entwicklungsbank
sind ebenfalls präsent.
Die französische Entwicklungsagentur
, USAID
, MCC, die spanische Agentur zur Entwicklungszusammenarbeit
oder die japanische Entwicklungsagentur
sind nur als einige weitere unter vielen bilateralen Geber zu nennen.
Daneben gibt es noch eine Vielzahl an internationalen NGOs, die sich im Senegal betätigen.
Bei der Vielzahl dieser Geber ist es nicht verwunderlich, dass es oft schwierig ist, die Aktivitäten zu koordinieren und zu harmonisieren: Aid Effectiveness bleibt im Senegal noch ein hoch gestecktes Ziel.
2006 veröffentlichte die Weltbank im übrigen ausführliche Aid Effectiveness Länderprofile
.
Ein umfassendes Verzeichnis
(Stand 2011) nennt die im Senegal tätigen Entwicklungsorganisationen: vom lokalen Verein bis zum multinationalen Geber sind alle vertreten.
Der Senegal ist ein Partnerland
der Bundesrepublik Deutschland. Die Zusammenarbeit hat das Ziel, die Umsetzung der senegalesischen Strategie zur Armutsbekämpfung zu unterstützen.
Deutschland nimmt unter den bilateralen Gebern hinter Frankreich, Japan und den USA den vierten Rang ein. Senegalesisch-deutsche Regierungsverhandlungen
fanden zuletzt im September 2009 in Bonn statt. Senegal erhielt dabei Mittelzusagen in Höhe von 57 Millionen Euro für den Zeitraum 2009 – 2011.
Die Schwerpunkte der Zusammenarbeit sind: Dezentralisierung und lokale Entwicklung, nachhaltige Wirtschaftsförderung sowie erneuerbare Energien und Energieeffizienz. Ein besonderes Augenmerk wird dabei der Unterstützung des Friedensprozesses in der Krisenregion Casamance geschenkt. Dazu berät Deutschland das Finanzministerium bei den Reformenprozessen für eine effektive Armutsminderung . Mit der Durchführung der Kooperationsmaßnahmen ist die Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ)
betraut. Die bilaterale finanzielle Zusammenarbeit ist durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW)
vertreten.
Die deutsche Botschaft informiert umfassend über deutsch-senegalesische Kooperationen
in allen Bereichen.
Zusätzlich ist Deutschland über die politischen Stiftungen Friedrich-Ebert-Stiftung
, die Konrad- Adenauer Stiftung
, die Friedrich Naumann Stiftung
und seit relativ kurzer Zeit auch die Rosa-Luxemburg-Stiftung
vertreten. Im Bereich der Hochschulkooperation gibt es den DAAD
und die kulturelle Zusammenarbeit erfolgt durch das Goethe-Institut
.
Der Senegal profitierte von der Aktion Afrika
als auch von der Initiative Schulen: Partner der Zukunft
(3 Partnerschulen im Senegal). Eine kleine Bundeswehrberatergruppe unterstützt die senegalesischen Streitkräfte.
Die EZ-Broschüre
der deutschen Botschaft informiert detailliert über die offizielle deutsch-senegalesische Zusammenarbeit.
Daneben gibt es noch eine Vielzahl deutscher NGOs und Vereine
, die sich oft aufgrund persönlicher Kontakte im Senegal engagieren.
Claudia Hrubesch, Jahrgang 1972, Studium der Vergleichenden Literaturwissenschaft, Französisch und Deutsch als Fremdsprache in Wien und Paris. Schwerpunkt: Geschichte und Literaturen Afrikas, Postcolonial Studies und interkulturelle Kommunikation.
Lebt seit 10 Jahren im Senegal. Tätigkeiten beim Goethe-Institut Dakar, der GIZ, ECO Consult und als freiberufliche Beraterin im Kultur- und Kommunikationsbereich. Landestutorin bei Inwent.
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Diese Länderseite wurde zum letzten Mal am 6. Dezember 2011 aktualisiert.
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