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Das Auswärtige Amt
und die Botschaft Sudan - Berlin
bieten umfassende Informationen über die Wirtschaftsstruktur.
Süd- und Zentralsudan - höchstwahrscheinlich auch Darfur - verfügen über reichhaltige Bodenschätze wie Erdöl, Erdgas, Gold, Diamanten, Magnesium, Eisen, Marmor und Uran. Allein das Erdölvorkommen wurde von den USA 1990 auf etwa 3 Milliarden Barrel geschätzt. Die meisten Ölfelder wurden bisher noch nicht erschlossen. In einigen Fällen wurde nicht einmal die Konzessionen vergeben.
Seit April 2006 fördert der Sudan täglich etwa 365.000 Barrel Erdöl. Die Kapazitäten könnten auf 500 000 Barrel erweitert werden. Aufgrund von technischen Problemen mit der von Malaysia gebauten Pipeline kann dieses Potential noch nicht ausgeschöpft werden. In der nächsten Zeit wird eine Steigerung von 800 000 Barrel pro Tag erwartet.
Die Volkrepublik China
ist der wichtigste Investor in Sudan. Etwa 6 bis 8 Prozent der gesamten Ölimporte Pekings kommen aus dem Sudan. Etwa ein Drittel des sudanesischen Erdöls wird nach China exportiert.
Das größte Hydro-Electric Power Projekt entsteht am Nil bei Hamdab 350 km nördlich von Khartum. Der Merowe High Dam
- auch Hamdab Damm genannt - ist hauptsächlich für die Produktion von Elektrizität vorgesehen. Die Bauarbeiten sind wie geplant 2008 fast abgeschlossen. Ein neuer internationaler Flughafen und mehrere Asphaltstraßen befinden sich in der Bauphase.
Informationen über das Wirtschaftsystem und seine Sektoren
Trotz des oben genannten Ölbooms und dem Wirtschaftswachstum von 7% leidet die sudanesische Wirtschaft unter Zerstörung der Infrastruktur, unter Missmanagement und vor allem unter den innenpolitischen Konflikten. Etwa 80% der Sudanesen leben von der Landwirtschaft
, hauptsächlich Hirseanbau und Viehzucht, 10% von Industrie und Handel und 5% sind Verwaltungsangestellte, 5% Sonstiges. Die Ernten der Landbevölkerung sind zum Großteil abhängig vom Regen. Aufgrund der Dürren in den letzten 20 Jahren ist diese Bevölkerungsgruppe nur mit etwa 30% an dem Brutto-Inlandsprodukt (BIP) beteiligt. Der Dienstleistungssektor trägt 50% zum BIP bei, Industrie und Handel etwa 20%. Das Bruttosozialprodukt ist ca. 13 Mio. Euro. Das Pro-Kopf-BSP/BIP ist 360 Euro. Eine wichtige Devisenquelle ist die Baumwolle, die vor allem in der Gezira zwischen dem Weißen und Blauen Nil angebaut wird.
Im Südsudan, eine Region, die normalerweise ausreichende Nahrungsmittel durch Landwirtschaft, Viehzucht und Fischfang zur Verfügung hätte, sind infolge der jahrelangen und noch teilweise anhaltenden internen Konflikte Armut und Hunger weit verbreitet. Nach dem Friedensabkommen zwischen dem Norden und Süden im Januar 2005 hoffen die Menschen, dass sich die Situation schnellstens verbessern wird. Doch bisher ist aufgrund von Vernachlässigungen, Vetternwirtschaft und Verzögerungen nicht viel geschehen.
Aufgrund der bedenklichen wirtschaftlichen Lage in ländlichen Regionen mussten Schulen geschlossen werden, da die Lehrer monatelang nicht bezahlt wurden und keine ausreichenden Lehrmaterialen zur Verfügung stehen. Die allgemeine Arbeitslosenquote wird auf 20% geschätzt. Die Arbeitslosigkeit ist besonders hoch unter den Universitätsabsolventen. Man schätzt, dass bis zu 70% der Studenten nach dem Studium keine Arbeit in ihrem Studienbereich finden. Die USA, Kanada, Australien, Großbritannien und die Arabischen Emirate sind die bevorzugten Ziele für den Exodus.
Der Südsudan verfügt über Bodenschätze, insbesondere Erdöl und wird aufgrund des Friedensabkommens auch an den Gewinnen hieraus beteiligt. Laut einer Studie der Weltbank würde die Beteiligung an den Erdöleinnahmen, die der Autonomieregierung zufließt, ausreichen, um die Armut im Süden zu bekämpfen und die Lebensbedingungen der Bevölkerung zu verbessern. Die Einnahmen sollen, laut der Autonomieregierung, maßgeblich für die Entwicklung der Landwirtschaft und Infrastruktur eingesetzt werden. Doch der Friedensprozess im Süden ist in Gefahr zusammenzubrechen. Korruption
breitet sich aus.
Die Frustration der Bevölkerung endet in Gewalt, denn wie in vielen Ländern mit reichen Bodenschätzen hat die überwiegende Mehrheit der Sudanesen - weder im Norden noch im Süden - bisher Anteil an dem Ölboom. Folgende Berichte über das Thema sind empfehlenswert: United Nations/Security Councils
und der Artikel aus Quantara.de/Oil-Cursed
von Elke Grawert und Atta El-Battahani.
Erhebliche Probleme entstehen, weil dringend benötigte Bildungseinrichtungen und notwendige Hilfsmittel im Gesundheitswesen nicht finanziert werden. Lebensnotwendige Einrichtungen werden nicht angeschafft. Pflegepersonal und Ärzte werden nicht ausreichend bezahlt. Denn trotz der oben genannten positiven Wirtschaftsprognosen hat der Sudan massive Auslandsschulden. Die sudanesische Regierung hat daher in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) ein Programm zur Modernisierung und marktwirtschaftlichen Orientierung vereinbart. Das Programm beinhaltet unter anderem die Privatisierung staatlicher Unternehmen, die Reformierung des Öffentlichen Dienstes, die militärischen Ausgaben, die gegenwärtig, nach Aussagen der Weltbank, bei über 40% sind, zu verringern und die Kosten für soziale Leistungen zu überdenken Der Kern des Fortschritt durch den Ölexport ist die Hauptstadt, die sich zu einer "boom town" entwickelt mit modernen Hotels, Geschäfts- und Bürohäusern, neuen Straßen und Brücken.
Sudan Multi-Donor Trust Funds
(MTDF)
Privatisierungspolitik
Die Auswirkungen der Entwicklung im Hinblick auf Erdöl und Erdgas auf den Friedensprozess sind bisher nicht nachvollziehbar.
Der Friedensvertrag und die Aufteilung der Erdölreserven stärkt nicht nur die ehemaligen südsudanesischen Rebellen und sondern neben anderen Industrieländern auch die deutsche Wirtschaft. Eine ausführliche Studie über die Entwicklung im Südsudan und fortlaufende Informationen bietet die Universität Kassel
.




Erläuterungen zur US-Embargopolitik
Zusätzlich zum vorgenannten Erdöl exportiert der Sudan traditionell Baumwolle, Sesam, Erdnüsse und Häute. Weitere Erzeugnisse der Landwirtschaft sind Zuckerrohr, Weizen, Hirse und Sorghum. Außerdem ist der Sudan Haupterzeuger von Gummi-Arabikum, das vom Harz der Akazien in Kordofan gewonnen wird.
Haupt-Export-Länder sind China (65%), Japan (14%) und Saudi Arabien (4%) und andere. Stand 2004
Haupt-Import-Länder sind China (27,9 %), Saudi Arabien (7,5 %), Indien (6,3%), Ägypten (5,6%), die VAE (5,5%). Stand 2007
Der Sudan importiert vorwiegend Maschinen, Ersatzteile, Chemikalien, Medikamente, Nahrungsmittel und Textilien.
Deutschland ist zwar einer der bevorzugten Partner aber die wirtschaftlichen Verbindungen mit dem Sudan sind auf einem niedrigen Stand. Die 150 Millionen Euro reflektieren nicht die wirtschaftlichen Möglichkeiten der beiden Länder. Es ist zu erwarten, dass sich mit Ende des Bürgerkriegs die Wirtschaft erholt. Große Projekte, z. B. den sudanesischen Telekommunikationssektor zu erweitern, den Aufbau von Kraftwerken und die Weiterentwicklung des Luftfahrtsektors haben die Aufmerksamkeit auch deutscher Unternehmen erregt. Im März 2004 wurde ein deutscher Business Council in Khartum eröffnet, der die Geschäftsverbindung der beiden Länder unterstützen soll.
Im Südsudan soll eine Eisenbahnverbindung zwischen Sudan und Uganda/Kenia gebaut werden, die von einem deutschen Unternehmer initiiert und unterstützt wird. Ein abenteuerlicher Plan wird vielleicht demnächst zur Wirklichkeit. Der deutsche Eisenbahnbauer Klaus Thormählen plant gemeinsam mit dem Südsudanesen Costello Garang Ring eine 4200 km lange Eisenbahnstrecke zu bauen, ausgehend von den südsudanesischen Ölfeldern über Rumbek bis in die Nachbarländer Kenia und Uganda. Über dieses Eisenbahnnetz wäre dann der Weg frei nach Nairobi und Mombasa.
Die geplante Eisenbahnverbindung wird zur Zeit nicht gebaut. Grund ist die anhaltende unstabile politische und wirtschaftliche Lage.


Ellen Ismail promovierte in Ethnologie, Afrikanistik und Anglistik.
Sie lebte mehr als 20 Jahre im Sudan, lehrte und forschte an der Universität Khartoum. Nach wie vor ist sie in der Entwicklungshilfe im Sudan tätig und seit mehreren Jahren Tutorin für Landeskunde Sudan.
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