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Regionalismus
Die Bevölkerung setzt sich aus mehr als 40 verschiedenen Ethnien
zusammen, mit z. T. sehr unterschiedlichen Lebensgewohnheiten, Glaubensbekenntnissen und Sprachen. Infolge der von europäischen Regierungen um 1900 endgültig festgelegten Kolonialgrenzen in Togo sind heute viele dieser Ethnien auf zwei Staaten verteilt. Durch die unterschiedlichen Entwicklungen in Südtogo und in Nordtogo resultiert ein Konflikpotential, das sowohl die Kolonialregierungen wie auch die des unabhängigen Togo für ihre Politik nutzten. Von Bürgerkriegen und größeren interethnischen Konflikten wie in manchen Staaten Westafrikas ist Togo verschont geblieben.
Die Menschen in Südtogo unterhalten seit über 500 Jahren Kontakte und Handelsbeziehungen mit Europa und Amerika. Missionare, Kaufleute und Kolonialverwaltung ließen sich im Süden nieder, gründeten Schulen, förderten Handwerk, Handel und Infrastruktur, während der Norden bis in die 1960er Jahre mehr oder weniger sich selbst überlassen blieb. Erst in der Ära Eyadéma wurde der Norden, speziell dessen Heimatregion, gezielt gefördert. Wichtige Schlüsselpositionen in Politik, Militär, Wirtschaft und Verwaltung wurden mit Kabyé, der Ethnie Eyadémas besetzt, was in anderen Landesteilen kritisch aufgenommen wurde. Der Autor Toulabor beschreibt im Artikel Der Dinosaurier von Lomé die "Ethnopolitik"
Eyadémas und die inszenierte "Togolité", den Schöpfungsmythos der Kabyé. Ein Artikel von icilomé widmet sich dem Tribalismus
während der Autor G. Tété in Letogolais die richtige falsche Nord-Süd Frage
dialektisch betrachtet.
Zwischen einigen Ethnien werden spezielle Umgangsformen gepflegt, die Scherzbeziehungen
, eine Art ritualisierter Sticheleien oder verbalen Provokationen mit ethnischen Stereotypen, die helfen können, latente Spannungen abzubauen. Auch innerhalb der Familie, zwischen Schwägerin und Schwager gibt es diese Form von Kommunikation. Im traditionellen ländlichen Milieu gibt es noch weitere institutionalisierte Methoden der Konfliktprävention, wie ein Beispiel aus Nordtogo
zeigt.
Die Karte
gibt einen Überblick über die Verteilung der verschiedenen Sprachen in Togo und den Nachbarländern. Die Sprachen der Adja-Ewé-Gruppe
werden von etwa 45 % der Gesamtbevölkerung als Muttersprache gesprochen, die Sprachen der Tem-Kabyé-Gruppe von etwa 30% und die Para-Gourma-Sprachen von 15%. Hier sei noch erwähnt, dass viele Togoerinnen und Togoer zweisprachig, bzw. mehrsprachig sind. Amtssprache ist Französisch,
Nationalsprachen sind Ewé und Kabyé.
Einen sehr guten Überblick über die afrikanischen Sprachfamilien
und afrikanischen Sprachen
bieten die Seiten von Wikipedia. Knappe Informationen zu den Sprachen Togos geben die Seiten der amerikanischen Missionen SIL Ethnologue-org
und des Joshua Projects
, das auch Informationen zu den Eigenheiten der Sprecher bereithält.
Einige der Missionare (Westermann
, Spieth
), die vor über hundert Jahren ins Land kamen, erwiesen sich als ausgezeichnete Sprachwissenschaftler und so ist Ewé eine der am besten erforschten Sprachen Westafrikas. Die Universität Köln hat einen ausführlichen Basic Ewe-Sprachkurs
mit ausführlichem Wörterverzeichnis online bereitgestellt. Mina (auch: Guin/Gen) ist der Ewé-Dialekt der Region von Aného, der sich sehr schnell auf den Märkten Südtogos verbreitete und dort zur Lingua Franca wurde. Eine komplette Mina-Grammatik
(118 Seiten) ist Ergebnis der Zusammenarbeit von L. Ako und Ph. de Barros. Ein Profil des Tem
veröffentlichte der Linguist Zakari Tchagbale. Informationen zum Kabyé
bietet die Panafrican localisation wiki.
Eine Sonderstellung nehmen die Afro-Brasilianer
ein, ehemalige Sklaven aus Brasilien, die im 19. Jh. nach Westafrika zurückkehrten und die wirtschaftlich eine privilegierte Position einnahmen. Ein Aufsatz beschreibt die Afro-Brasilianer
in Togo am Beispiel der Familie Olympio 1882–1945, deren bekanntester Vertreter Sylvanus Olympio, der erste Präsident Togos war. Eine weitere Gruppe, zahlenmäßig zwar gering, jedoch wirtschaftlich von Bedeutung, sind die in den letzten 125 Jahren eingewanderten Libanesen
.
Nach dem Human Development Index - HDI
von 2009 liegt Togo an 159. Stelle von 177 Staaten, zählt somit zu den ärmsten Staaten der Welt. Faktoren wie Armut, unzureichende Gesundheitsversorgung und geringe Bildung sind immer noch für etwa zwei Drittel der Bevölkerung kennzeichnend, vor allem im ländlichen Milieu. 53,2% der Erwachsenen über 15 Jahren sind des Lesens und Schreibens unkundig. Die Lebenserwartung bei der Geburt liegt bei 62,2 Jahren. 41% der Bevölkerung haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Etwa 3,3% der erwachsenen Bevölkerung ist HIV-positiv. Das jährliche Pro-Kopf Einkommen lag 2007 bei 370 $. Mehr als ein Drittel (38,7 %) der Bevölkerung lebt unterhalb der absoluten Armutsgrenze von 1,25 Dollar pro Tag. Rund zwei Drittel der Bevölkerung finden ihr Auskommen in der Landwirtschaft, geschätzte 20% sind im Kleinhandel und im informellen Sektor aktiv und weniger als 10% im modernen Sektor. Leider gibt es keine verlässlichen Statistiken zum Arbeitsmarkt. Für viele Togoer gilt eine Laufbahn als Angestellte im öffentlichen Dienst
als erstrebenswert. Weitere Zahlen und Statistiken zur sozialen Situation
finden Sie auf der Website der Weltbank und themenspezifische Berichte auf dem Portal der UNDP - Human Development Reports
und PNUD Togo hält den Deuxiéme Rapport de suivi des Objectifs du Millénaire pour le Développement au Togo
als PDF-Download bereit.
Migrationsbewegungen
Schon seit der Kolonialzeit gibt es Migrationsbewegungen innerhalb Togos. Ab 1955 erfolgte die gezielte Ansiedlung von Bauern aus dem Norden (Kabyé, Nawdem) in die dünn besiedelten Est-Mono-Gebiete nordöstlich von Atakpamé. Unfreiwillig waren Umsiedlungsaktionen
beim Bau des Nangbeto-Staudamms sowie bei der Anlage des Keran-Nationalparks 1971. Es gibt eine beträchtliche temporäre Migration nach Ghana, wo u. a. Saisonarbeiter in den Kakao-Plantagen Arbeit finden. Ferner emigrieren Togoer auf Suche nach Arbeit auch in die Elfenbeinküste, Nigeria, Gabun
, Libyen und in den Libanon
. Größter Magnet für die Landflucht
ist die Hauptstadt Lomé, daneben auch die anderen größeren Städte Togos. Vor allem die junge Landbevölkerung, die in der Landwirtschaft keine Perspektive mehr sieht, lässt sich im Ballungsraum von Lomé nieder, in der Hoffnung Arbeit zu finden.
Die städtische Bevölkerung in Togo lag 2009 bei 41,3 %. Allein im Großraum Lomé leben mehr als 20% der Gesamtbevölkerung. Mehrere Artikel zum Thema Migration
in Westafrika finden Sie im Online-Atlas der CEDEAO und der CSAO.
Nach der Verfassung der IV. Republik von 1992 gibt es Gleichberechtigung
zwischen Frauen und Männern, jedoch sieht die Praxis oft anders aus. So kämpfen Laienjuristinnen für die Rechte der Frauen
, was in einigen Bereichen zu kleinen Fortschritten führte, wie der Bericht über die Bonnes, die weiblichen Hausangestellten
zeigt. Frauen in armen ländlichen Gebieten werden mit Mikro-Krediten
unterstützt, um sich selbstständig machen zu können, wie ein Filmbeitrag von Unicef
zeigt.
Die Polygamie ist in Togo, je nach Region, ethnischer Herkunft, Konfession und den finanziellen Möglichkeiten eines Mannes mehr oder weniger verbreitet. In dem Filmausschnitt Vom Nutzen der Vielehe
schildern togoische Frauen ihre Erfahrungen mit der Polygamie. Zwangsheirat und Zwangsbeschneidung sind die bestimmenden Themen in dem Buch Niemand sieht dich, wenn du weinst
. Es beschreibt den authentischen Fall einer jungen Togoerin, der es als erster Frau gelang, die Anerkennung der drohenden genitalen Verstümmelung als Asylgrund in den USA zu erwirken. Bei AFROL Gender Profiles
gibt es Daten und Artikel zu diesem Themenkomplex. In einer Studie bei den Tamberma-Frauen
werden Initiationsriten und traditionelle Bräuche im Leben der Frau beschrieben.
In vielen Bereichen des öffentlichen Lebens, vor allem im Handel sind die togoischen Frauen sehr präsent, in politischen Gremien aber völlig unterrepräsentiert. Die Studie Femmes Togolaises - Aujourd'hui et Demain, herausgegeben vom DED und der Friedrich-Ebert-Stiftung gibt es als PDF-Download
.
Von Teenagerschwangerschaften
und den Konsequenzen berichtet die Organisation Lebenschancen International
. Eine Untersuchung des Prostituiertenmilieus
in Lomé war das Thema einer Magisterarbeit und die Regierung zeigt sich besorgt über die Zunahme der Prostitution bei Jugendlichen
unter 18 Jahren. Homosexualität
unterliegt einem strengen Tabu,
das bislang eine sachliche Diskussion verhindert: homosexuelle Handlungen sind strafbar.
Die standesamtliche Trauung
ist bei vielen Togoerinnen noch ziemlich unbekannt, was ihnen in juristischer Hinsicht viele Nachteile bringt, wie Wildaf-Togo jüngst berichtete.
Nach wie vor ist es in Togo üblich, dass Kinder und Jugendliche im Haushalt, auf den Feldern, auf den Märkten oder in den Werkstätten mitarbeiten. Vor allem Mädchen sind davon betroffen da sie oft gar nicht erst eingeschult werden. Kinder
aus großen und armen Familien werden häufig zur Verwandtschaft zur Arbeit auf den Feldern
oder im Haushalt
geschickt. Das entspricht der traditionellen Solidargemeinschaft und beinhaltet durchaus positive Aspekte. Doch leider werden immer wieder Fälle bekannt, in denen Kinder ausgebeutet wurden. Vor diesem Hintergrund ist auch der Kinderhandel
zu sehen, der Togo
in den letzten Jahren immer wieder in die Schlagzeilen brachte. In Lomé arbeiten junge Mädchen und Frauen zum Teil unter schlimmsten Bedingungen als Lastenträgerinnen
.
Bei der Namensgebung
der Kinder werden häufig die Namen der Wochentage, an denen die Kinder geboren sind, gewählt. Diese Sitte ist bei den Ewé, Kabyé und den Tem (hier nur bei den Mädchen) sehr beliebt. Auch wird die Geburt eines Kindes
von bestimmten Zeremonien begleitet.
Glück und Erfolg
Ein Who's Who From Togo
bietet die tabellarische Aufzählung von Personen aus Politik, Wirtschaft und Medien. Seit der Fußball WM 2006 ist auch die togoische Mannschaft bei uns bekannt, vor allem ihr Torjäger Emmanuel Adebayor, der zu Afrikas Fußballer des Jahres 2008
gewählt wurde. Die Olympischen Spiele in Peking 2008 bescherten Togo die erste olympische Medaille und einen Star, den Kajakfahrer Benjamin Boukpeti
. Sehr beliebt sind die diversen Misswahlen und am Jahresende 2009 wurde erstmals die Femme Leader
gewählt und der Musiker Master Popa
widmete ihr einen Song.
Bildung
Das togoische Schulsystem orientiert sich am französischen Schulsystem. Es besteht aus der sechsjährigen Grundschule (mit Schulpflicht), der zweistufigen Sekundarschule und den Hochschulen. Leider ist die derzeitige Schulsitation äußerst unzureichend und reformbedürftig
. Die Eindrücke einer Schulstunde
sowie den Schulanfang 2006
schildert sehr anschaulich ein katholischer Religionslehrer. Die Schulen der katholischen und evangelischen Kirche, aber auch des Islam, ergänzen das staatliche Angebot. In Lomé entstanden in den letzten Jahren vermehrt private Schulen, da viele Eltern für ihre Kinder keine Zukunftschancen in den schlecht ausgestatteten staatlichen Schulen sehen. Mangelnde Bildungschancen beim Schulbesuch in Togo
schildert die Deutsche Welle in einem Beitrag und arte stellte die staatliche Grundschule von Yohonou
in einem Filmbeitrag vor. Trotz gegenteiliger Gesetzteslage werden auch an den privaten Schulen Kinder körperlich misshandelt
. Neueste Zahlen und Fakten zum Bildungswesen
und weiteren Themen bietet die Weltbank in mehreren Tabellen und Statistiken.
Die Universität von Lomé
(früher Université du Bénin) wurde 1970 gegründet und hat heute etwa 30 000 Studenten. Der Minister für Hochschulwesen und Forschung legte ein ehrgeiziges Programm zu Reformen der Universität
vor. Sie hat auch einen Lehrstuhl für Germanistik
und unterhält eine Partnerschaft mit der Universität Bayreuth
. Auch außerhalb der Schulen ist Deutsch beliebt, wie der Club der Germanophilen
zeigt. 2004 wurde eine zweite Universität in Kara errichtet. 2009 wurde an der Universität Lomé das Konfuzius Institut
für chinesische Sprache und Kultur eröffnet. Nachrichten aus dem Bildungsbereich
veröffentlicht die Regierung online unter der Rubrik Education. Das Auswärtige Amt wirft ein Schlaglicht auf die Kultur- und Bildungspolitik Togos
.
Die 1975 von den OCAM-Staaten gegründete Hochschule für Architektur - EAMAU - Ecole Africaine des Métiers de l'Architecture et de l'Urbanisme
in Lomé wird heute von acht westafrikanischen und sechs zentralafrikanischen Staaten betrieben. In einem Gespräch äußerte sich der Direktor zu den Herausforderungen der Zukunft.
Die Eglise Evangélique Presbytérienne du Togo unterhält in Atakpamé eine theologische Hochschule
. 2008 wurde die Katholische Universität Togo
als Teil der Catholic University of West Africa
(CUWA) in Lomé und Tsevié gegründet.
Das Gesundsheitswesen in Togo ist unzureichend, vor allem in den ländlichen und nördlichen Regionen. In einem Bericht schildert eine Togoerin ihre persönlichen Eindrücke
über Arzt- und Krankenhausbesuch. Generell gilt, wer kein Geld hat, hat auch keinen Zugang zur medizinischen Versorgung. So wundert es kaum, dass traditionelle Medizin
und Heiler nach wie vor eine wichtige Rolle einnehmen. Der 1986 verstorbene Schriftsteller Hubert Fichte beschäftigte sich mit der traditionellen Medizin und Psychiatrie
in Togo und veröffentlichte mehrere Essays und Hörspiele darüber. Einen kritischen Artkel über die traditionelle Medizin
und neue Verkaufspraktiken publizierte AEDEV. Ein deutscher Arzt schildert seine persönlichen Erfahrungen mit dem Voudou-Glauben.
Einen kurzen Überblick über die Milleniumsziele im sozialen Bereich
finden Sie auf der interaktiven Tabelle. Zahlen zur Gesundheit
u. a. Bereichen der Gesellschaft veröffentlichte das World Factbook und die Deutsche Stiftung für Weltbevölkerung in einer interaktiven Tabelle zu den Indikatoren der reproduktiven Gesundheit
.
Zu den großen Problemen im Gesundheitsbereich zählen immer noch Krankheiten wie Tuberkulose und Malaria
. Die Zeitung Le Figaro äußerte sich besorgt zur Verbreitung von Gelbfieber
. Der den VN nahestehende Global Fund
, der weltweit im Kampf gegen Aids, Malaria und Tuberkulose aktiv ist, bietet auf seinen interaktiven Seiten tabellarische Informationen zu Togo.
Auch im Bereich der Medizin ist China in Togo präsent, wie viele Hinweisschilder für traditionelle chinesische Medizin oder die Neueröffnung eines Gesundheitszentrums
mit Schwerpunkt der Malaria-Behandlung zeigen.
Heute ist vor allem HIV/Aids
eine große gesellschaftliche Herausforderung, wie der DED-Togo in einem Situationsbericht schreibt. Die gtz berichtete in der Zeitschrift Akzente über die westafrikanischen Fernfahrer, die zu Sextouristen
werden. Ein an Aids erkrankter Mann bricht mit einem gesellschaftlichen Tabu und geht mit seiner Erkrankung an die Öffentlichkeit
.
Das Institut für Tropenmedizin der Universität Tübingen unterstützt seit über 30 Jahren ein Forschungsprojekt in der Zentralregion zur Onchozerkose (Flußblindheit)
während die Christoffel-Blindenmission
sich in mehreren Projekten im Süden Togos engagiert.
In einem Artikel wird über gefälschte Medikamente
berichtet. Erst vor kurzem legalisierte Togo die Abtreibung
, allerdings nur wenn die Schwangerschaft durch Vergewaltigung oder Inzest verursacht wurde. Über Genitalverstümmelung
in Togo berichtet die deutsche Organisation Intact und Plan hat Radiosendungen zum Schutz von Mädchen und jungen Frauen
in mehreren Sprachen auf der Website Medien für die Jugend und Entwicklung zusammengestellt.
Kultur
Togo gehört wirtschaftlich gesehen zu den ärmeren Ländern Afrikas, verfügt jedoch über einen außerordentlichen Reichtum an kultureller Vielfalt. Es seien hier an erster Stelle die Schriftsteller und Theatermacher genannt, die Musiker und Tänzer und die Vertreter der Bildenden Kunst, die weit über die Grenzen Togos hinaus internationale Reputation erlangten. Für den ersten Überblick empfiehlt sich das Kunst- und Kulturportal Togoculture
, das von Autoren, Journalisten und Künstlern zusammengestellt wurde.
Die Region Koutammakou
, das Land der Batammariba (auch Tamberma genannt) im Norden Togos (und Bénins) mit den festungsartigen Lehmburgen wurde in die UNESCO-Liste des Welterbes aufgenommen und weitere Kulturdenkmäler und Naturschutzzonen
sind für eine Aufnahme vorgeschlagen. Das 2007 eröffnete private Musée International du Golfe de Guinée
in Lomé stellt erlesene klassische Kunstwerke aus verschiedenen Regionen Westafrikas aus.
In einem Zeitraum von etwa 50 Jahren traten an die Hundert togoische Autorinnen und Autoren mit literarischen Publikationen an die Öffentlichkeit. Bei den über 200 Veröffentlichungen handelt es sich um Romane, Erzählungen, Gedichte, Theaterstücke, Autobiographien, sowie einige Werke der Literaturkritik und Dissertationen zu literarischen Themen. Togoische Märchen und Sagen wurden von Leo Frobenius
(Bassar und Tem), Komla Agbetiafa und Yao Nambou, Fusseini Mamah (Tem) und Gerhard Prilop (Kabyé und Ewé) gesammelt und herausgegeben.
Einige der heutigen togoischen Autoren sind weit über die Landesgrenzen hinaus, vor allem in Frankreich, bekannt geworden. Eine erste kurze Übersicht einiger der heutigen togoischen Autoren
bietet eine Seite des Haverford College. Der Schriftsteller und Theaterautor Kangni Alem
veröffentlichte 2009 einen historischen Roman, Esclaves
, der im Königreich Dahomey angesiedelt ist. Sein Roman Cola Cola Jazz
wurde auch in Deutsch herausgegeben. Kossi Efoui
erhielt 2009 für seinen neuesten Roman Solo d'un Revenant
den Prix Ahmadou Kourouma der Genfer Buchmesse und den Prix des Cinq continents de la Francophonie im Oktober 2009. Vom Romancier und Essayist Sami Tchak
liegt eine deutsche Übersetzung unter dem Titel Scheiß Leben
vor. Edem
, ein 1975 geborener Togoer, der inzwischen in Kanada lebt, hatte mit seinem Roman Port-Melo (= Verlan) internationalen Erfolg. Der in Bremen lebende Théo Ananissoh
veröffentlichte in Frankreich die Romane Lisahoé, Territoires du Nord und Un reptile par habitand.
Es gibt in Togo weder eine Kunstakademie noch irgendeine staatliche Förderung von Künstlern. Abgesehen von einigen privaten Initiativen waren es vor allem das Centre Culturel Français
und auch das Goethe-Institut
, die den Künstlern Unterstützung und ein Forum boten. Einer der heute wichtigsten und international erfolgreichsten Künstler ist der in Lomé lebende Sokey Edorh
. EL Loko
studierte bei Joseph Beuys an der Düsseldorfer Kunstakademie und lebt in Köln. Amouzou Glikpa
studierte Bildhauerei an der Kunstakademie in Peking und lebt heute in Wuppertal. Kossi Assou
, Künstler, Designer und Event-Manager, veranstaltete inzwischen zum achten Mal das internationale Kunstfestival Ewolé
. Die Künstlerin Prisca Hollemaert-Awadé
pendelt zwischen Frankreich und Afrika und gehört zu den wenigen Künstlerinnen, die internationale Beachtung fanden. Gustave Akpéhou Djonda
ist Maler und Performancekünstler und profilierte sich in jüngster Zeit auch als Fotograf. Während der Ära Gnassingbé Eyadéma erhielt der im Januar achtzigjährig verstorbene Künstler Paul Ahyi
viele öffentliche Aufträge (Denkmäler, "Kunst am Bau") und war in den 1960er und 70er Jahren der bekannteste togoische Künstler
. Der aus Vogan stammende Maler Joseph Amedokpo
gestaltet neuerdings auch Laptops der amerikanischen Firma Dell. Der Automechaniker Didier Ahadsi
in Lomé fertigt in seiner Freizeit witzige Blechskulpturen, die auch in Deutschland ausgestellt wurden.
Theater und Tanztheater
In erster Linie in Lomé, hat sich eine lebendige und interessante Theater-
und Tanztheaterszene
entwickelt. Die Gruppe Ayigafrik
präsentiert sich hier mit Videoclips und Fotostrecken. Ein erfolgreicher Tänzer und Choreograph ist Abdou-Rauf Tchakondo
. Einer der herausragenden Theaterregisseure ist Koriko Amoussa
, der z. Zt. in den USA lebt, wo auch sein Stück When the Bird takes Flight
(Quand l’oiseau s’envole) aufgeführt wurde. Der Schauspieler und Regisseur Banissa Méwé
wird hier als die Seele des togoischen Theaters betitelt. Eine beliebte Form des volkstümlichen Theaters sind die von Ghana und Nigeria aus inspirierten Concert Parties. Das deutsch-französische Magazin recontres publizierte mehrere Artikel zum Theater des Widerstands und Interviews mit dem ehemaligen Leiter des togoischen Nationaltheaters Sénouvo Agbota Zinsou
, der heute in Bayreuth lebt.
In den letzten Jahren etablierten sich mehre Theaterfestivals, wie das Festival Filbleu
und Festival international de théâtre et d'arts plastiques (FITAP)
in Lomé u. a. Städten, Festhef
in Assahoun oder Rencontres Théâtrales de Sokodé
(RETHES).
Am Anfang einer vielversprechenden Weltkarriere verstarb die erst 28-jährige Bella Bellow
1973 bei einem Verkehrsunfall und wurde so zu einer Ikone der togoischen Musik. Ihr Bild zierte den 10 000 Francs CFA Geldschein und eine Briefmarke. Der zur Zeit wohl populärste togoische Musiker ist King Mensah
. Hier können Sie Kostproben aus seinem dritten Album Mensah, Mensah hören und ein Interview
mit ihm lesen. Ein sehr charismatischer und schon seit langem erfolgreicher Rockmusiker ist Jimi Hope
, der 2008 als bester afrikanischer Rockmusiker
ausgezeichnet wurde. Roger Damawuzan, einer der großen Musiker der 1970er Jahre spielte in verschiedenen Bands und veröffentlichte 1971 Wait for me
. Die beliebte Sängerin Julie Akoussa
verstarb 2007. In der senegalesischen Band Orchestra Baobab spielt der togoische Musiker Barthélemy Attiso
, der mit seinen Guitarrenklängen wesentlich zum Sound dieser erfolgreichen Band beitrug. Die Sängerin Afia Mala
wird auch als die togoische Diva
bezeichnet und veröffentlichte gerade ihr neuestes Album Afia Mala à Cuba
in Havanna. Der Komponist, Sänger und Gitarrist Thierry Nkéli Faha
spielt tanzbaren Afro-Jazz und ließ sich vor einigen Jahren in Hongkong nieder. Der aus Sokodé stammende Bibish Mola
(eigentlich Kpegouni Agoro) ist erfolgreicher Reggae Musiker. Auf der Site von Togozik
finden Sie eine Sammlung von Musiktiteln und Videoclips verschiedener aktueller Interpreten. Eric MC
ist ein Pionier und wohl der bekannteste Vertreter des Rap. Doto/Silence!
ist ein audiovisuelles Projekt, das 2007 in Lomé gedreht wurde und einen Einblick in die junge und sehr vitale Rapper Szene von Lomé gibt. Die Musiker Oro Below
und Inouss Landozz
leben in Deutschland. Auch Agboti Yawo ging nach Deutschland, nachdem er mit seinem Stück Ablode Gbadza
(absolute Freiheit) Schwierigkeiten in Togo bekam. Im Handel ist auch traditionelle Musik aus Togo zu finden; wobei eine Besonderheit Klangsteine (pichanchalassi) sind, mit denen im Milieu Kabyé musiziert wird: Kabye Orchestras and Lithophones
(Hörproben davon sind die Nummern 10, 13, 14, 15 und 18).
Lomé ist nicht nur einer der größten Märkte Westafrikas für Stoffe, sondern bietet auch den Käuferinnen und Käufern in zahlreichen Schneiderateliers
die Dienstleistungen der Couture an. Einige wenige haben den Aufstieg in die Haute Couture
geschafft, wie in dem Filmclip Mode Africaine zu bewundern ist. Abass Tchalondo, männliches Fotomodel gründete die Mode- und Modelagentur Allure
und startete das Modefestival Carrousel à la Mode. Die Modedesignerin Ayanick
gründete ihre eigene Schule für Mode und organisiert Modeschauen
.
Laëtitia Ewagnignon Akibode
entwirft und produziert Schmuck und Modeaccessoires. 2009 fand zum ersten mal das Festival der internationalen Mode Eli’ma
in Lomé statt.
Zu den Besonderheiten der togoischen Küche gehört Fufu
, ein festes Püree aus gekochten und gestampften Jamsstücken und Pâte oder Akoumé, ein fester Brei aus Maismehl. Zu diesen Plats de résistance werden verschiedene leckere Soßen serviert. Cuisimonde gibt einen kurzen Einblick in die Küche Togos
. An Getränken gibt es im Süden Palmwein, aus dem auch der Schnaps Sodabi
destilliert wird, während im Norden eher Hirsebier
(angeblich werden 60% des Ernteertrags zu Bier verarbeitet) angeboten wird. Auf den Seiten eines Online Kochbuchs der togoischen Küche
lernen Sie einige Rezepte kennen und bekommen Informationen zur Kultur der Mina. Ein kleiner Film zeigt eine Familie am Stadtrand von Lomé bei diversen morgenlichen Aktivitäten und beim Frühstücken
. Auf der Seite eines Entwicklungshelfers werden subjektive Eindrücke über togoische Essgewohnheiten
beschrieben.
Das Nationalmuseum in Lomé zeigt Musikinstrumente und Objekte der Volkskunst aus Togo. Regionalmuseen mit ethnographischen Objekten, bzw. Sammlungen sind in Aného, Kpalimé, Atakpamé, Sokodé, Kara und Dapaong
. Ein sehr beliebtes Spiel in Togo ist Adidada oder Awélé
, bei dem zwei Spieler Spielsteine in Holzmulden legen. Hier eine Online Version des Awalé-Spiels
.
In Lomé, in den Quartiers Populaires, und in vielen anderen Orten werden häufig am Sonntagnachmittag Tanzveranstaltungen
abgehalten, die sehr volkstümlich und nachbarschaftlich sind. In jeder Region
, in allen größeren Ortschaften Togos finden jährlich beeindruckende traditionelle Volksfeste
statt. Als Teil der Initiationsriten bei den jungen Kabyé-Männern der Kara-Region finden jährlich die Evala-Ringer-Wettkämpfe
statt. In einem Radiobeitrag erfahren Sie Wissenswertes über die Beerdigungszeremonien und Tänze
der Kabyé im Norden Togos. 2007 verstarb in Kpagouda Yassih Weyenema
, einer der bekanntesten Griots. Vor allem im Süden Togos spielen Beerdigungen
mit höchst aufwändigen mehrtägigen Begleitzeremonien eine außerordentlich wichtige Rolle, bei denen sich die Familien häufig verschulden müssen.
Es ist schwierig konkrete Zahlen über Religionszugehörigkeiten anzugeben. Das liegt u. a. auch daran, dass viele Togoerinnen und Togoer diese Frage nicht so sehr mit der für uns so selbstverständlichen eindeutigen Ausschließlichkeit sehen. Für manche der Gläubigen ist es kein Widerspruch, sich in bestimmten kritischen Situationen noch zusätzlich der traditionellen Mächte
zu vergewissern.
Eine Faustregel besagt, dass etwa 50% der Bevölkerung den traditionellen afrikanischen Religionen und Kulten angehören, etwa 20% Muslime und etwa 30% Christen sind. Von denen sind etwa 20% der katholischen
Kirche zuzurechnen und die 10% der Evangelisch-Presbyterianische Kirche in Togo, den Methodisten und auch verschiedenen Pfingstkirchen (z.B. Assemblées de Dieu
, Eglise Pentacoste). Seit 1954 gibt es eine kleine Gemeinde der Bahai
. Der Islam
tritt in Westafrika in einer anderen Erscheinungsform auf als in den in den arabischen Ländern. Die togoischen Muslime
(Sunniten) treffen wir bei den Anoufo, Tem und Akaselem (Tchamba) an, ferner bei den Fulbe, Haussa und Libanesen. Der Artikel über das Zusammenleben von Christen und Muslimen Afrikas
erschien zum Ev. Kirchentag 2005 in Hannover. Togo ist auch Mitgliedsland der Organisation der islamischen Konferenz
. Während der wirtschaftlichen Rezession der letzten 15 Jahre haben sich offensichtlich viele Togoerinnen und Togoer verstärkt im religiösen Leben engagiert und es wurden auffallend viele neue Kirchen und Moscheen
(oft von arabischen Staaten finanziert) gebaut. Neue Pfingst- und Charismatische Kirchen und Sekten
verzeichnen entsprechende Erfolge.
Die katholische Kirche in Togo
und die Evangelisch-Presbyterianische Kirche
und das Engagement der Norddeutschen Mission
werden hier in Fakten und Zahlen dargestellt.
Der Germanistikprofessor A. Y. Ahadji trägt in seinem Aufsatz über die Naturreligionen
zum Verständnis der Togoer zu ihren Religionen bei. Neben Bénin ist auch der Süden Togos eines der Zentren des Voudou, einer Religion, die bei uns eher durch Trivialmythen (Hollywoodfilme) bekannt wurde. Der Essay Voodoo
versucht den Begriff zu entschleiern und eine Religion darzustellen. Eine sehr gute Kurzinformation über Voodoo und die afroamerikanischen Religionen
bietet REMID. Die amerikanische National Geographic zeigt einen Videoclip über das Neujahrsfest in Glidji
. (Es dauert etwa eine Minute bis der eigentliche Filmbeitrag anfängt!) Über Religionsfreiheit
berichtet der International Religious Freedom Report 2009 vom Bureau of Democracy, Human Rights, and Labor des U.S. Department of State.
Otto Frick arbeitete neun Jahre in Togo und leitete ein Atelier für visuelle Kommunikation und war in mehreren Projekten der EZ tätig. Er erstellte Publikationen zu landeskundlichen Themen Togos und zur Kunst und Kultur Afrikas.
Tätigkeiten in der Erwachsenen-bildung, in der Medien- und Organisationsberatung, in interkulturellen Projekten und als Kurator.
Über Ihr Feedback freue ich mich.
Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Juli 2010 aktualisiert.
Die AIZ mit Sitz in Bad Honnef bietet mehr als 50 monatlich stattfindende Trainingskurse zu folgenden Themen an:
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