Direkt zum Seiteninhalt oder zur Haupt-Navigation oder zur Meta-Navigation oder zum Seitenabschluss.
Sie befinden sich hier: GIZ Start / Webangebote / LIPortal > Usbekistan / Wirtschaft & Entwicklung

Wirtschaftssystem & seine Sektoren: Usbekistan ist reich an Bodenschätzen wie Erdgas
, Gold, Erdöl, Kohle, Silber und Kupfer. Wichtigster Wirtschaftszweig ist die Landwirtschaft
mit ca. 60% der Beschäftigten und einem Anteil von ca. 30% am BIP. Usbekistan ist einer der weltweit größten Exporteure für Baumwolle. Die Abhängigkeit vom Baumwollexport (ein Drittel der Deviseneinnahmen) und der hohe Bedarf an Arbeitskräften für die Baumwollernte
führen dazu, daß jedes Jahr im Herbst Kinder
, Jugendliche
, Studenten und Angestellte des öffentlichen Dienstes unter teilweise unmenschlichen Bedingungen
wochenlang Baumwolle pflücken müssen ohne dafür adäquat bezahlt
zu werden:
Landwirtschaft: Die Monokultur Baumwolle wurde zu Sowjetzeiten auf Kosten des Getreideanbaus gefördert. Dies war begleitet von verschwenderischer Nutzung der Wasserreserven. Usbekistan hat jedoch in den 90-er Jahren seine Getreideanbauflächen erweitert und die Flächen für die Baumwollkultur verringert. Der Getreideertrag konnte deutlich gesteigert werden; von Bedeutung ist der Obst- und Gemüseanbau. Bisher verarbeitet Usbekistan nur 11 % der Ernte weiter und exportiert 7%, so dass ein entwicklungsfähiges Potential vorhanden ist. Strukturelle Probleme
stehen dem bisher entgegen (staatlich festgesetzte Preise, Aufkaufkontingente, fehlende Agrartechnologie u. a.). Weitere wichtige Zweige der Landwirtschaft sind die Karakulschaf- und Seidenraupenzucht. Aus ökonomischen wie ökologischen Gründen ist eine Diversifizierung der landwirtschaftlichen Produktion notwendig, eine substantielle Erhöhung der Agrarproduktion stößt aber an natürliche Grenzen, da 70 % des Territoriums von Wüsten und Steppen bedeckt sind; die landwirtschaftliche Nutzfläche beträgt nur ca. 10%. Offizielle Ziele sind die Privatisierung des Agrarsektors, Reduzierung der Abhängigkeit von der Baumwolle und Autarkie bei Nahrungsmitteln. Die Agrarproduktion kam Mitte 2002 bereits zu 99,0% aus dem Privatsektor; sowohl die Preise wie auch der Export der Baumwolle werden aber nach wie vor vom Staat geregelt.
Usbekistan: Zwiebeln statt Baumwolle - Gefängnis für den Bauern (nach Indepent News Agency Harakat
& Zentralasienbrief). Wie unfrei die usbekischen Privatbauern noch heute sind, zeigt folgendes Beispiel. Ende Oktober 2009 wurde der Bauer Eshböri Dzhovliyev, der im Bezirk Uzun (Region Surkhondaryo) lebt, auf mündliche Anweisung des Regionalgouverneurs verhaftet und ins Isolationsuntersuchungsgefängnis der Polizeibehörde eingesperrt. Dem Bauern wird vorgeworfen, auf einer Fläche von vier Hektaren statt laut der laut Staatsplan vorgeschriebenen Baumwolle Zwiebeln angebaut zu haben. Er hat sich dafür angeblich die Deckung des Bezirksvorstands gesichert. Als dem Regionalgouverneur Turobdzhon Dzhörayev dies zu Ohren kam, wurde festgestellt, dass es sich angeblich um eine Verleumdung handle, dass er dem Bezirksvorstand eine Beteilung am Gewinn zugesichert habe. Gegen den Bauern wurde ein Strafverfahren eingeleitet. Was mit den Zwiebeln passiert ist, blieb unbekannt.
Bankwesen: 1994 begann eine Bankenreform, die ein zweistufiges System mit der Zentralbank
des Landes und ca. 30 Kommerzbanken vorsah. Ende 2001 gab es 38 Kommerzbanken. Größte Bank ist die staatliche Nationalbank
für Außenwirtschaftsbeziehungen der Republik Usbekistan. Weitere große Banken:Uzpromstrojbank
, Asakabank
, Agrobank
, Kapitalbank
, Ipak Yuli Bank
, Trustbank
, UzKDB Bank, Halq Bank (fr. Sparkasse). Der Bankensektor ist überwiegend staatlich, und es mangelt an Banken- Know-how. Von den 28 Banken sind lediglich drei staatlich, die aber den Markt mit einem Anteil von über drei Viertel der Aktiva dominieren. Kreditvergabe an private Unternehmen und private Konsumenten ist noch wenig verbreitet. Die Bevölkerung hat zudem geringes Vertrauen in die Banken, da diese als Erfüllungsgehilfen des Staates gesehen werden. So sind die Banken unter anderem dazu verpflichtet, steuerrelevante Daten weiterzugeben und Steuern einzutreiben.
Der Dollarkurs: Eine Lektion in usbekischer Volkswirtschaft (nach Ferghana News Agency
& Zentralasienbrief): In Usbekistan gibt es drei Dollarkurse: zwei staatliche - einen für Finanzoperationen, der andere ist der offizielle Wechselkurs - und den Schattenkurs. Normalbürger erhalten den Dollar nur zum Schattenkurs auf den Basaren und bei privaten Wechslern. Theoretisch dürfen sie unter Vorlage des Passes bis zu 5000 Dollar pro Quartal zum amtlichen Kurs erwerben. Wenn sie das dann zum Schattenkurs verkaufen würden, hätten sie ein schönes Einkommen. Also probierte der Journalist von Ferghana.Ru, bei den amtlichen Wechselstellen Dollars einzukaufen. Nach mehrfachen, vergeblichen Bemühungen musste er feststellen, dass organisierte Kreise an den amtlichen Wechselstellen ihre Leute als Wartende anstehen lassen und die Polizei eingreift, wenn Dritte versuchen, sich der Wechselstelle zu nähern. Auch unter den Wartenden sind Personen, die dafür sorgen, dass keine "Fremden" sich in dieses Geschäft mischen. Das bedeutet: Organisierte Kreise haben den Zugriff auf die Dollars zum günstigen amtlichen Kurs und können sie dann zum hohen Schattenkurs an die Bürger verkaufen. Die Polizisten und Funktionäre, die diesen Kreislauf schützen, dürften ihren Anteil bekommen.
Usbekistan verfolgt eine sehr zaghafte wirtschaftliche Reformpolitik
. Privatisierung hat nur zum Teil stattgefunden, wichtige große Unternehmen sind nach wie vor in staatlicher Hand. Der Präsident kann mit Ausnahmegenehmigungen und Sonderegelungen in Wirtschaftsabläufe eingreifen, was nicht nur bei ausländischen Investoren
zu Unsicherheit führt. Durch die Mitgliedschaft in der Anti-Terror-Koalition eröffneten sich für Usbekistan nach dem 11. September 2001 neue wirtschaftliche Möglichkeiten
. Im Dezember 2001 vereinbarte es mit dem IWF ein Reformprogramm. Dessen Umsetzung erfolgt jedoch nur sehr schleppend. Nach langen Verzögerungen wurde am 15. Oktober 2003 zumindest die Einführung der freien Konvertibilität realisiert.
Zur Situation im Bereich der KMU: Usbekistan besitzt aufgrund seiner politischen Stabilität, seines Rohstoffreichtums und seiner gut qualifizierten Bevölkerung sowie der hinreichenden Infrastruktur Voraussetzungen für eine erfolgreiche Wirtschaftsentwicklung. Diese wird aber durch die restriktive Regierungspolitik
verhindert. Besonders beim Übergang von der Plan- zur Marktwirtschaft bestehen erhebliche Defizite. Die Regierung übt weiterhin einen erheblichen Einfluss auf die Wirtschaft
aus. Es fehlt daher eine umfassende Anpassung der staatlichen aber auch privaten Unternehmen an die marktwirtschaftlichen Wettbewerbsbedingungen.
Wirtschaftsdaten: Einen guten Überblick von wirtschaftlichen Grunddaten finden Sie im CIA World Fact Book
, auf der Seite der der Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland für Außenwirtschaft und Standortmarketing (Wirtschaftstrends Usbekistan 2010/11
und auf der Website der World Bank (Uzbekistan at a glance
). S. auch die Database usbekischer Ministerien für Landwirtschaft
, Außenwirtschaft
.
Seit dem Zerfall der UdSSR 1991 ist Usbekistan selbstständig. Doch die Lebensbedingungen in dem autokratischen Staat sind politisch und wirtschaftlich prekär. Das junge Modelabel "Human Wear" versucht trotz aller wirtschaftlichen und politischen Hindernisse für einen internationalen Modemarkt zu produzieren. "Human Wear" versteht sich als Gegenkonzept zur industriellen Massenfertigung aus der Sowjetzeit. Sehen Sie sich dazu einen Film der Landeszentrale für politische Bildung Nordrhein-Westfalen an, (c) 2006. Redaktion: Ulrike Filgers
Binnen- und Außenhandel: Der Handel und die Klein- und Mittelunternehmen
sind unterentwickelt und werden von den zentralen und lokalen Behörden durch immer neue Steuern und Abgaben, Einschränkungen, Verbote, Korruption und Behinderung des Grenzverkehrs ständig schikaniert. Usbekistan machte seit Ende der 1990er Jahre vor allem durch wirtschaftliche Abschottung von sich reden. Durch drastische Importrestriktionen soll die Bevölkerung dazu gezwungen werden, nur noch Waren aus der nationalen Produktion zu kaufen. In diesem Zusammenhang kam es u.a. zu Streiks der Basarhändler. Der Grenzhandel, der sich nach dem Andischaner Aufstand etwas lockerte, wird wieder Restriktionen ausgesetzt
.
Handel mit Deutschland: Deutschland
ist nach Russland, Kasachstan, Südkorea, China und der Ukraine sechst wichtigstes Lieferland Usbekistans. Insgesamt belegt Deutschland mit 2,3% am gesamten usbekischen Außenhandel Platz 9 unter den Handelspartnern des Landes. Nach einigen schwierigen Jahren steigt das Handelsvolumen seit 2001 wieder an und erreichte 2007 ca. 334 Mio. USD, davon zwei Drittel deutsche Exporte nach Usbekistan. Für 2008 deutet sich eine weitere Zunahme im zweistelligen Bereich an. Diese ist vor allem auf gesteigerte Lieferungen deutscher Maschinen, Ausrüstungen und Ersatzteilen in der Textilbranche und der Landwirtschaft zurückzuführen. Das Interesse deutscher Firmen in Usbekistan konzentriert sich auf den Handel, nicht den Investitionsbereich. Die usbekische Regierung bemüht sich um Verbesserung des Investitionsklimas, Probleme bestehen aber fort. Im Jahr 2003 hat Usbekistan die Konvertierung eingeführt, dennoch können in Usbekistan erwirtschaftete Gewinne nur mit Verzögerungen in konvertierbare Währungen umgetauscht werden. Eine Reihe von Handelshemmnissen verhindern, dass das Potential der Handelsmöglichkeiten mit Usbekistan voll genutzt wird.
Deutsche EZ mit Usbekistan: Usbekistan
gilt aufgrund seiner hohen Bevölkerung und seiner zentralen Lage als ein strategischer Partner für die friedliche Entwicklung in ganz Zentralasien, einschliesslich Afghanistans. Neben anderen internationalen Gebern wie der Weltbank
und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) nahm auch Deutschland 1992 die entwicklungspolitische Zusammenarbeit
mit Usbekistan auf. Diese Zusammenarbeit wird auch durch eine Kooperation mit der EU
unterstützt.
Milleniumsentwicklungsziele in Usbekistan: Die Umsetzung der Milleniumsentwicklungsziele
(MDGs
) erfordert gemeinsames Handeln der internationalen Staatengemeinschaft sowie nationale Politikvorhaben und Maßnahmen. D.h. dass ohne massiven internationalen Druck die usbekische Regierung nicht willens sein wird, die MDGs wirklich umzusetzen.
Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im März 2012 aktualisiert.
Textile Deal With Uzbekistan Over Child Labor Concerns
der EU

)


der Wirtschaftsreformprozesse in Usbekistan



zu TaschkentDie AIZ mit Sitz in Bad Honnef bietet mehr als 50 monatlich stattfindende Trainingskurse zu folgenden Themen an:
Gerne konzipieren wir für Sie maßgeschneiderte Trainingskurse, die sich an Ihren individuellen Bedürfnissen und Interessen orientieren. Wir freuen uns über Ihre Anfragen!